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Günter Bartosch (1928 - 2013†) schrieb viel (sehr sehr viel) über und aus seine(r) Zeit beim ZDF in Eschborn und Mainz .....

Der ZDF Mitarbeiter Günter Bartosch war 30 Jahre beim ZDF - also von Anfang an dabei -, ebenso wie sein deutlich jüngerer Kollege Knapitsch. Angefangen hatte sie beide bereits vor 1963 in Eschborn, H. Knapitsch in der Technik, Günter Bartosch im Programmbereich Unterhaltung.

Und Günter Bartosch hatte neben seiner Arbeit und seinen Büchern so einiges aufgeschrieben, was er damals alles so erlebt hatte. In 2013 habe ich die ganzen Fernseh- und Arbeits-Unterlagen erhalten / geerbt und dazu die Erlaubnis, die die Allgemeinheit interessierenden Teile zu veröffentlichen.
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Artikel und Berichte aus der Vereinszeitschrift des RFM

RFM war das Psydonym für "Rundfunk- und Fernseh-Museum". Doch eigentlich hieß der Verein zur Zeit meiner Kontaktaufnahme in 2006 "Förderverein zur Errichtung eines Fernseh-Museums e.V."

Und der Verein hatte damals noch eine kleine Vereinszeitung. Hier also ein Einblick in die Ausgabe Nr. 7/8 vom Juli/August 1989

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Liebe Mitglieder, liebe Freunde,

hier sind wir wieder mit neuen Informationen, Anmerkungen und Geschichten in unserer Ausgabe für Juli und August 1989 - Wir hoffen, Sie haben ein paar erholsame Sommertage hinter sich und sind interessiert zu erfahren, was es Neues gibt aus unseren Reihen.

Sie erinnern sich: für den 14. Juli 1989 mußten wir aufgrund einer Forderung des Amtsqerichts Mainz eine außer ordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Man ist in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt der Meinung, daß ein Eintrag ins dortige Vereinsregister nur dann rechtens wäre, wenn wir den Begriff "Förderverein" im Titel tragen.

Denn, so der bearbeitende Beamte, wir hätten ja schließlich kein Museum und auch keine Räumlichkeiten, in denen wir Exponate ausstellten - Daß wir uns seit qeraumer Zeit gerade darum bemühen, ist ihm nicht so wichtig und deshalb also die o.a. Sitzung.

(1) Der neue Vereins-Name - "Förderverein (für) ........"

15 stimmberechtigte Mitglieder waren im Mainzer "Hotel Lerchenberg" anwesend - satzungsgemäß waren wir also beschlußfähig - und so wurde im Beisein von Rechtsanwalt Klaus Weber folgendes beschlossen:

Dem bisherigen Vereins-Namen wird einfach "Förderverein" vorausgestellt, so daß der Verein in Zukunft den Namen

"FÖRDERVEREIN RFM e.V. - MUSEUM FÜR DEUTSCHE FERNSEHGESCHICHTE"

tragen wird. Dies ging alles sehr schnell und reibungslos und danach diskutierte man mehr oder weniger nur noch um Kleinigkeiten; um Standplätze für Ü-Wagen (das alte Platzproblem) und Kontaktaufnahmen zu Institutionen, die uns unterstützen können, sollten, eventuell würden und um versicherungstechnische Fragen.
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(2) Aber unsere Aktiven werden nicht müde .......

Am Rande kam auch zum Ausdruck, daß der Verein - bei aller Aktivität - im Augenblick ein wenig auf der Stelle tritt, da die finanziellen Fragen mit dem Mainzer Kultusministerium nach wie vor nicht geklärt sind und überhaupt von dort nicht einwandfrei signalisiert wird, welche Rolle man uns beim zu schaffenden Mainzer Fernseh-Museum eigentlich zugedacht hat.

Aber unsere Aktiven werden nicht müde, immer wieder nachzuhaken und auch Erkundigungen über andere Möglichkeiten einzuholen. Drücken Sie uns bitte alle die Daumen ...

Hindemith-Straße1-5 D-6500 Mainz-Lerchenberg 31 Tel.06131-7789
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(3) Die Ausschreibung im Architektenblatt - ein Zufallsfund

In diesem Zusammenhang : Im Deutschen Architekten-Blatt Hr. 6/1989 erschien die nebenstehende fotokopierte Ausschreibung.

Nur durch Zufall haben wir davon erfahren, was unserem Vorsitzenden Horst GOTZMER doch zu einigen Bemerkungen Anlaß gibt: Dieses Inserat fand durch Zufall einer unserer Freunde in einer Fachzeitschrift. Mit Recht wird mancher fragen, warum wir darüber nicht längst berichtet hätten.

Genau diese Frage haben wir uns auch gestellt und unserer Verwunderung darüber dem Kultusministerium gegenüber Ausdruck verliehen. Leider beweist das einmal mehr, daß es sich immer noch nicht überall herumgesprochen hat, wer die geistigen Väter dieses Fernsehmuseums sind.
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(4) 1989 - Keine Freunde im Mainzer Kultusministerium

Wir wollen durchaus nicht ständig auf unserem Urheberrecht herumpochen; aber es muß doch wohl noch einmal mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß das erste Gespräch über unsere Absichten auf Betreiben unseres leider inzwischen verstorbenen Mitgliedes Heinz WERNER mit Herrn SCHREINER von der Landesregierung in Rheinland-Pfalz aufgrund eines Wunsches des damaligen Ministerpräsidenten, Herrn Bernhard VOGEL, im Januar 1987 geführt worden ist.


Wir haben deshalb die Forderung unserer künftigen Beteiligung an den weiteren Vorarbeiten für ein Fernsehmuseum auch als einem der wichtigsten Punkte einer künftigen Vereinbarung mit dem Kultusministerium gemacht.

Leider bis jetzt ohne Erfolg.

(5) Der Mainzer Oberbürgermeister Herr WEYEL auf unserer Seite

Wir wissen uns in dieser Frage auch in Übereinstimmung mit dem Mainzer Oberbürgermeister Herrn WEYEL, mit dem wir am 25. Juli ein ca. einstündiges Gespräch führen konnten. Dieses Gespräch hatte hauptsächlich die erneute Frage zum Inhalt, wie so schnell wie möglich ein geeigneter Platz für eine Dauerausstellung gefunden werden kann.

Wir freuen uns, daß sich der Oberbürgermeister nicht nur diesem Problem intensiv widmen will, sondern auch die weitere Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium bei Herrn Dr. GöLTER zur Sprache bringen wird.

(6) Ein neuer Frontmann muß her - H. Gotzmer tritt zurück

Zur Unterstützung unserer weiteren Arbeiten erscheint es mir auch richtig, die Position des 1. Vorsitzenden ab Januar nächsten Jahres mit einer politisch orientierten Person zu besetzen, weshalb ich dieses Amt mit Ablauf des Jahres 1989 zur Verfügung stellen werde.

Es ist selbstverständlich, daß ich mich auch weiterhin für die Ziele des Vereins einsetzen werde. (H.G.)

(7) Aug. 1989 - Rechtsstreit des Vereins RFM mit Dieter Stroekens

KURZMITTEILUNG: Am 1. August 1989 fand im Landgericht Mainz der erste Verhandlungstermin im Rechtsstreit des Vereins RFM mit Dieter Stroekens statt.

Das Gericht bekundete die Absicht, zu einem Vergleich zu kommen und wird dazu einen entsprechenden Rahmenvorschlag unterbreiten. Dazu sind von den Beteiligten bis zum nächsten Gerichtstermin noch einige Voraussetzungen zu schaffen.

Sollten die gestellten Bedingungen erfüllt werden, könnte es zu einer Einigung kommen, über die wir in der nächsten Ausgabe von "Museum aktuell" berichten werden.
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(8) 1989 - August - Ein emsiger Mitarbeiter ist Günter BARTOSCH.

Man merkt seinen Beiträgen richtig an, wie viel Spaß ihm das Wühlen in alten Unterlagen, das Stöbern nach Spuren der ersten Fernseh-Aktivitäten macht. Für die Monate Juli und Auqust ist er gleich dreimal fündig geworden. Hier sein erster Bericht.

(9) EHRE, DEM EHRE GEBÜHRT! - Wer kennt V.K.Z.?

Günter Strack - 60 Jahre, Harald Juhnke - 60 Jahre ... die "Beqleit-Erscheinunqen" des Fernsehens, nämlich die Programmzeitschriften und die TV-Beilagen der Tagespresse, ehren diejenigen, die den Bildschirm mit prallem Leben erfüllen.

Man sollte die Künstler feiern, wie ihre Lebensdaten fallen; es gibt ohnehin nur noch wenige, die das Fernsehen zum Vergnügen werden lassen. Den Mimen flicht die Gegenwart ihre Kränze.

Doch wie könnten sie den Bildschirm füllen, ohne daß die moderne Technik es möglich macht, sie aus einem Studio - Hokuspokus - in die privaten Wohnstuben ihrer Verehrer zu zaubern, via magischem Heimtheater.

Wir betrachten es als Selbstverständlichkeit, daß da ein Kasten steht bei uns zu Haus, mit dem wir uns jederzeit "ins laufende Programm" einschalten können.

Unablässig wird etwas geboten, daß geplant, produziert und aufgenommen wurde, gerade über den Sender ausgestrahlt wird und empfangen werden kann - Ist das wirklich alles selbstverständich?

(10) Wetten, daß .......

hierzulande wohl keiner des 100. Geburtstags, eines Mannes gedacht hat, ohne den die Juhnkes und Stracks, aber auch die Gottschalks, Grafs und Völlers nicht zu uns ins Haus kommen könnten?

Am 30.Juli 1889 wurde Vladimir Kosma ZWORYKIN geboren! Aber wer von allen Fernsehzuschauern der Welt kennt schon Zworykin?

Wetten, deß weder Herr Kohl noch Herr Gorbatschow bei ihrem Treffen daran dachten, daß sie es dem gebürtigen Russen Zworykin zu verdanken haben, wenn Politiker ihre täglichen Besuche in unserer guten Stube machen können?

Wetten, daß Mr. Bush nicht weiß, daß seine Vereinigten Staaten von Amerika stolz darauf sein können, dem Auswanderer Zworykin Asyl und Arbeitsmöglichkeiten gegeben zu haben?

Ob wohl die große Radio Corporation of America (RCA) dieses Mannes gedenkt .....

  • Anmerkung : sorry, die RCA war gerade vom eigenen Management verhökert und geschlachtet worden - das wußte G. Bartosch damals noch nicht


..... den sie bei seinem Ausscheiden aus ihrem Dienst zum Vizepräsidenten ehrenhalber erwählt hatte ?
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(11) "Iconoscope" !!! und nicht "Ikonoskop"

Was hat die moderne fernsehende Menschheit dem hundertjährigen Zworyin zu verdanken ?

Er erfand 1923 in den USA unter Verwedung der Kathodenstrahlröhre von Ferdinand Braun einen elektrisehen "Bildseher", den er "Ikonoskop" (eikon = griechisch das Bild) nannte (Anmerkung : Er nannte es "Iconoscope" !!! und nicht "Ikonoskop"), und schuf damit die Grundlage aller heutigen Fernseh-Systeme mit der nur auf elektronischem Wege erzielbaren hohen Auflösung.  Allerdings konnte sein "Ikonoskop" erst 1933 fertiggestellt und der Fachwelt vorgeführt werden.

  • Anmerkung 2 - Warum kein Wort von Farnsworth und seiner Sondenröhre, die bereits vorher erfunden war ????

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(12) Werdegang von Zworykin

Vladimir Kosma Zworykin erwarb sich das Rüstzeug für fernsehtechnische Forschungen um 1910 in St. Petersburg bei Professor Boris Rosinq, der am technologischen Institut der Universität St. Petersburg ein "Verfahren zur elektronischen FernÜbertragung von Bildern" entwickelt hatte.

Unser Ehrenmitglied, der Fernsehhistoriker Gerhart GÖEBEL, schildert seinen weiteren Werdegang so:

"1917 arbeitete Zworykin bei der russischen Marconi-Gesel1schaft in Petersburg, später in Moskau, wo er mit dem Aufbau eines Laboratoriums für elektronisches Fernsehen begann.

Der Ausbruch der russischen Revolution und Zworykins Auswanderung in die Vereinigten Staaten im Jahre 1918 verhinderten jedoch zunächst weitere experimentelle Arbeiten.

Erst nachdem er Mitglied des Forschungslaboratoriums der Westinghouse Electric and Manufactoring Co. in East Pittsburgh geworden war, konnte Zworykin
1923 systematisch auf dem Gebiet des elektronischen Fernsehens weiterarbeiten.

1929 wechselte Zworykin zur RCA, bei der er sich zunächst der Herstellung des "Ikonoskops" widmete.

(13) Bedeutung

Die Fernsehentwicklung seit Ende der 1920er Jahre, die trotz der damals bereits bekannten Braunschen Röhre und diverser elektronischer Erfindungen zunächst den mechanischen Weg des Abtasters nach dem Nipkow-Prinzip verfolgte, -führte jedoch bald zu der Erkenntnis, daß dem mechanischen System natürliche Grenzen gesetzt waren.

Schon zu Beginn der 1930er Jahre wendete man sich deshalb dem elektronischen Prinzip zu. Jetzt gewann auch Zworykins Erfindung an Bedeutung.

Das deutsche Fachblatt "Fernsehen" berichtete im April 1930 über ein "Kineskop": "Der amerikanische Fernsehtechniker Dr. Vladimir Zworykin ... hat Fernsehsender und -empfänger gebaut, die die Braunsche Rohre verwenden. Seine Versuche sollen sogar schon soweit fortgeschritten sein, daß er Fernsehsendungen über einen Rundfunksender gibt. ... Sollte es Zworykin gelungen sein, seine Fernsehempfänger so durchzubilden, daß die wiedergegebenen Bilder die Güte der Bilder anderer Systeme erreichen, so hätte er einen Empfänger geschaffen, der ohne bewegliche Teile arbeitet, und der es gestatten würde, die Zah1 der Bildpunkte weitgehend zu erhöhen." - Und das war es dann auch!

(14) Er lieferte das Modell.

Die erste "Iconoscope"- Kamera im Fernseh-Einsatz wurde in Deutschland für die Live- Übertragung der Olympischen Spiele Berlin 1936 verwendet.

Sie war nach den Konstruktionsunterlagen von Zworykin gebaut worden. Bei RCA arbeitete er aber auch an der Entwicklung weiterer elektronischer Geräte für das Fernsehen.

Es entstanden das Super-Ikonoskop, der Infrarot-Bi1dwandler, ein Sekundärelektronen-Vervielfacher, das RCA-Elektronen-Mikroskop und als neue Kameraröhre das Orthikon. Zworykin widmete sich ferner den Problemen der automatischen Steuerung von Kraftfahrzeugen auf Autobahnen und der Anwendung elektronischer Methoden in der Medizin.

(15) Der Beginn das elektronischen Zeitalters des Fernsehens

Mit Zworykin begann das elektronische Zeitalter des Fernsehens, das bis heute andauert und wohl auch künftig nicht anders denkbar ist.

Am 30. Juli 1989 wäre Vladimir Kosma Zworykin, der am 29. Juli 1982 in Princeton New Jersy (USA) starb, hundert Jahre alt geworden. Wetten, daß kaum jemand beim Fernsehen und seinen "Begleit-Erscheinungen" diesen Mann ehrt, dem Ehre gebührt?

Günter Bartosch - (G.B.)

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Haben Sie das gewußt?

Ich bin wirklich immer auf das gespannt, was unser "Spurensicherer" Günter BARTOSCH "ausgebuddelt" hat. Dieser bemerkenswerte Geburtstag ist also 100 Jahre her. 50 Jahre müssen wir zurückblättern, um auf ein weiteres interessantes Fernsehereignis zu stoßen:

DIE ERSTE BOXKAMPFÜBERTRAGUNG IM FERNSEHEN

Das waren noch Fernsehzeiten, als in den 1970er Jahren die halbe Nation den Wecker stellte, um nachts die Boxkämpfe von "Großmaul" Cassius Clay - alias Mohammed Ali - und Foreman direkt miterleben zu können!

Zu nächtlicher Stunde war das spannender als Fußball! Eine Faszination, die nicht zuletzt auch in der erregenden Neugier bestand, ob der "Größte" nicht vielleicht doch einen Kinnhaken bekäme, der ihn zu Boden gehen ließ.

Hochspannung: Boxen im Fernsehen - live!

Und nun jährte sich zum 50. Mal der Tag der ersten Boxkampf-Übertragung im Fernsehen.

Datum: 11.August 1939. Ort der Handlung: der Berliner Sportpalast. Der Boxkampf: Adolf Heuser gegen den Italiener Merlo Frecisco um den Titel des Europameisters im Halbschwergewicht.

Zum Einsatz kam eine neue Apparatur der Reichspost- Fernsehgesellschaft, die speziell für Sportreportagen entwickelt worden war und auch bei den Olympischen Spielen in Helsinki 1940 Verwendung finden sollte.

Übertragen wurde der Boxkampf, wie der Fernsehhistoriker Gerhart GOEBEL berichtet, durch eine Super-Ikonoskop-Kamera, die vom 1. Rang aus in die Boxarena blickte. Der Sportpalast gehörte zu den bevorzugten Stätten Berlins, die einen direkten Breitbandkabelanschluß zum Fernsehsender
besaßen. (Auch nach dem Krieg war diese Kabelverbindung wieder für Fernsehübertragungen benutzt worden.)

1939 - Die neue Ausrüstung - eine "tragbare Apparatur"

Bei der neuen Ausrüstung handelte es sich um eine "tragbare Apparatur", doch ist dieser Begriff anders zu verstehen als heute.

"Tragbar" (eigentlich fahrbar) war sie insofern, als sie durch einen Übertragungswagen an den Ort des Geschehens gebracht werden konnte.

Gerhart GOEBEL beschreibt das so: "Verstärker, Bild-Modulator, Taktgeber und Kontrollgeräte bildeten leicht "tragbare Einheiten in Panzerholz-Koffern ... mit einem Gewicht von je 30 bis 75 kg, die sich durch Kabel mit Vielfach- Steckern miteinander verbinden ließen."

Die Box-Übertragung am 11. August 1939

Im ausgedruckten Programm der Funkzeitschrift "Der Deutsche Rundfunk" war für den 11. August 1939 die Box-Übertragung nicht angekündigt; sie muß also kurzfristig angesetzt worden sein.

Wie diese Sport-Übertragung in die Geschichte des Fernsehens eingegangen ist, so hätte auch dieser Boxkampf in die Annalen des Boxsports eingehen müssen, allerdings mit negativem Vorzeichen.

Adolf Heuser lieferte zwar einen perfekten Kampf, der - sicherlich zur Enttäuschung der Fernsehzuschauer bereits in der zweiten Runde endete, indem er den Italiener, der kurz vorher schon auf die Bretter mußte, k.o. schlug, doch war Heuser bereits vorher der Titel des Europameisters im Halbschwergewicht, den er innehatte, aberkannt worden.

Er war mit viel zu hohem Gewicht angetreten und konnte auch in der ihm gestellten Frist die etwa drei Pfund nicht herunter arbeiten, so daß der internationale Titel für vakant erklärt wurde.

Die Zuschauer im ausverkauften Sportpalast wie auch die Fernsehzuschauer mußten zur Kenntnis nehmen, daß es beim Kampf nicht um die Verteidigung des Europameistertitels ging.

Wenn aber, wie anzunehmen, die gesamte Boxveranstaltung übertragen wurde, dann konnten die Fernsehzuschauer, ebenso wie die begeisterten Besucher im Sportpalast, auf ihre Kosten kommen beim Kampf des deutschen Bantam Gewichtmeisters Ernst Weiß, der den starken und hochfavorisierten Rumänen Toma so schwer attackierte, daß dieser nach der 11.Runde aufgab.

Immerhin wird so die allererste Boxveranstaltung, die das Fernsehen übertrug, ein Erfolg gewesen sein.

Und heute? Wo sind sie geblieben, die aufregenden Boxkämpfe im Fernsehen, die uns sogar nachts aus dem Bett holen?
Günter Bartosch - (G.B.)

Nachsatz :

Das mag vielleicht auch daran liegen, daß sich das sportliche Interesse der Zuschauer so ganz auf Fußball und Tennis verlagert hat ......

Aber kehren wir noch einmal 50 Jahre zurück - zum August 1939:

August 1939 - KANONENDONNER STATT STARTSCHUSS FÜR DAS FERNSEHEN

Es hätte alles anders kommen können im August des Jahres 1939. Am 6.8. hatte die Berliner Funkaussteilung geendet, auf der zum ersten Mal der Fernseh-Einheitsempfänger "1" vorgestellt und als "Sensation" bezeichnet worden war.

650 Reichsmark sollte er kosten und in 20000 Geräten bis Weihnachten 1939 zur Verfügung stehen.

Gleichzeitig verkündete Reichspostminister Dr. Ohnesorge, daß der allgemeine private Fernsehempfang frei gegeben werde - und dies zunächst sogar ohne Gebührenerhöhung.

Das Goldene Zeitalter des Fernsehens in Deutschland für alle und jeden hätte beginnen können.

Am 23. August dieses schicksalhaften Jahres

Doch dann kam am 23. August dieses schicksalhaften Jahres - für die ganze Welt überraschend, das Geheimabkommen zwischen den beiden Diktatoren Hitler und Stalin zustande, das den geplanten Krieg gegen Polen ermöglichte und schließlich zum Weltbrand führte. Die Blütenträume eines friedlichen Fernsehvergnügens konnten dabei nicht reifen.

Gerade 50 Geräte des Fernseh- Einheitsempfängers waren gefertigt, da mußte die Industrie auf Kriegsproduktion umstellen. Der Fernsehsender war schon am 24. August abgeschaltet worden, weil seine Frequenzen für militärische Zwecke gebraucht wurden.

Als das Fernsehen nach dem Polen-Feldzug wiederkam - bescheiden über Kabelverteilung -, widmete es sich mehr und mehr der Unterhaltunq für Verwundete und Kriegsbeschädigte in den Lazaretten.

Immerhin durfte es sich mitten im Kriegsgeschehen einer humanitären Aufgabe widmen. Die große Hoffnung aber auf das allgemeine Fernseherlebnis, das durch die
Funkausstellung 1939 geweckt worden war und sich, den Plänen nach, von Berlin aus über das gesamte Reichsgebiet ausdehnen sollte, war im Kanonendonner des Krieges untergegangen. Eben: Vor 50 Jahren. - Günter Bartosch - (G.B.)
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Es geht weiter mit Dipl.-Ing. Burkhart BREMBACH

Auch unser ehemaliger stellvertretender Vorsitzender, Dipl.-Ing. Burkhart BREMBACH - immer noch ein besonders aktives RFM-Mitglied -, hat sich dankenswerterweise einmal an die Schreibmaschine gesetzt und ein paar Erinnerungen niedergeschrieben. Hier seine Geschichte:

1954 - ALS DAS FERNSEHEN LAUFEN LERNTE

Es war 1954 - Der Sommer hatte gerade begonnen. Ich hatte mein Studium beendet, war in das Berufsleben eingestiegen und arbeitete in einer Firma, die mit Fernsehtechnik zu tun hatte. Dabei wurde mein Interesse an der Entwicklung dieses neuen Mediums geweckt.

In den Haushalten waren Fernsehapparate kaum zu finden. Die Geräte waren relativ teuer und unhandlich. Die Bedienung der Apparate setze viel technisches Verständnis und noch mehr Geduld voraus.

Zum ohnehin sehr hohen Kaufpreis der Geräte kamen noch die Reparaturkosten hinzu, denn die Empfänqer waren sehr anfällig und deshalb häufig kaputt.

Aber Techniker sind jedoch in der Lage, sich selbst zu helfen, wenn der Drang zum "Sehen", zum "Dabei-sein-wollen" immer größer wird.

Und so wurde "gebastelt".

Die Fernseh-Bastler

Schnell bildete sich eine Gruppe von jungen Technikern, die Geräte beschaffte und einen Verleih "aufmachte".

Jeder, der wollte, konnte ein Gerät mit dem notwendigen Antennen-Zubehör für drei Tage mit nach Hause nehmen.

Und da zog man dann los mit seinem 30cm-Bildschirm, mit einer Stange, an der ein Dipol befestigt war und 20m Flachkabel. Zu Hause begann dann der Aufbau, die Suche nach dem Sender und nach einem geeigneten Aufstellungsort für die Antenne.

Fernsehen - ahhh!

Die ganze Familie - so schon vorhanden - war gespannt: Fernsehen - ahhh! Natürlich war von "Schwungrad-Synchronisation" noch nicht die Rede. Der "Spezialist" mußte ständig aufpassen und nachstellen, wenn das Bild umkippte. Zudem mußte das Zimmerabgedunkelt sein, denn die Bilder waren noch nicht so hell wie heute.

Die Zahl der Fernseh-Teilnehmer vergrößerte sich schnell. Und auch immer mehr Angehörige unserer "Verleih-Gruppe" kauften sich eigene Geräte. So wurden auch die Leihintervalle immer länger.

Der Reiz des neuen Mediums, aber auch der mühselige Transport veranlaßten einfach den Kauf eines eigenen Gerätes.

Und dann wurde es bunt - 1967

Im Laufe der Zeit wurden die Fernsehgeräte gottlob betriebs-stabiler, handlicher und durch neue Bildröhren auch leichter - bis schließlich 1967 das Farbfernsehen begann.

Die technische Entwicklung hat es geschafft, Geräte zu bauen, die kaum noch an den abenteuerlichen Beginn am Anfang der 1950er Jahre erinnern. Nur, wer dabei war, weiß noch, wie es war, als das Fernsehen laufen lernte. von

Dipl.-Ing. Burkhart BREMBACH - (B.B.)
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Ein Neuzugang aus Köln

Auch heute freuen wir uns wieder, ein neues Mitglied begrüßen zu können. Es ist
Herr Uwe H. BREKER aus Kö1n. Wir hoffen, daß Sie recht interessiert und aktiv bei uns mitarbeiten werden.

Dies wars wieder einmal für heute. Bis zur September-Ausgabe viele Grüße und ein fröhliches Auf-Wiedersehen.

Impressum (1989)

Merke: Unausstehlich sind alle Fragesteller, die nie auf Antwort warten - Aus dieser Gattung der Widerlinge entwickeln sich zweifellos die Fernseh-Interviewer. (Peter Ustinov)

Redaktion: Ria Lampel Gestaltung. T. Schmidt
Mitarbeiter dieser Ausgabe: G. Bartosch, B. Brembach, H. Gotzmer, M. Kumpf

Aschermittwoch 1989 - ERRATA

Aschermittwoch 1989. Der RFM-Chronist streut sich Asche aufs Haupt und bereut seine Sünden* Außerdem versagt er sich ein Stück Kuchen, das er ohnehin nicht essen wollte.

Worum geht's ? Fälschliches "bedarf der Richtigstellung.

Da stand geschrieben in unserem Mitteilungsheft "aktuell" 1/12:

"Vor 50 Jahren begannen in Deutschland die ersten regelmäßigen Live- Übertragungen von aktuellen Sendungen, Fernsehspielen und Unterhaltungsprogrammen." Das ist natürlich falsch.

Einer hat's gemerkt ........

..... und er hat sich gemeldet: Unser Mitglied Günter Greiner aus Berlin.

Wie kam es zu dem Fehler ? Es war buchstäblich ein Flüchtigkeitsfehler, denn als es darum ging, besagtes Mitteilungsheft in aller Eile zusammenzustellen, damit es noch zu unserer Veranstaltung im Frankfurter Sheraton-Hotel ausgeliefert werden konnte, wurde die Chronik "Jubiläumsjahr 1988" aus mehreren verschiedenen Niederschriften zusammengebastelt. Und wie das beim basteln so ist, mitunter rutscht ein falsches Teil dazwischen.

Ein Absatz, der sich einzig und allein auf das 1938 neue vollelektronisch arbeitende Studio im Berliner Deutschlandhaus bezog, auf die damals offiziell eingeführte neue 441-Zeilen-Norm und die Tatsache, daß das Fernsehen damit die Zeit der Dunkelzellen und -Studios überwunden hatte, war dem Zusammenhang entglitten, wurde zu einem Torso und so gedruckt.

Damit stand!s im Heft - genauso schwarz auf weiß, wie's falsch war. Natürlich unverzeihlich. Und deshalb streut sich der Chronist Asche aufs Haupt und kasteit sich - siehe oben.

Günter Greiner schreibt:

"Bereits im März 1935, also vor nunmehr 54 Jahren, wurde von einem kleinen Programm-Team (Waldemar Bublitz, Jochen Richert, Günter Greiner) das erste regelmäßige Fernsehprogramm durchgeführt.

Diese ersten drei Programmgestalter lösten die Programme aus dem Versuchslabor der Deutschen Reichspost ab. Ich meine das nicht technisch, sondern rein programmäßig.

Es handelte sich nicht nur um Filmübertragungen, sondern auch um Live-Ansagen und Solodarbietungen von Sängern, Instrumentalsolisten, Komikern und später sogar um kleine Fernsehspiele." - Soviel zur Richtigstellung und zur allgemeinen Information.

Und Dank an Günter Greiner für seinen Hinweis.

Noch eine Korrektur von Otto Schulze aus Heidelberg

Noch ein zweites aufmerksames Mitglied meldete sich mit einer Korrektur: Oberingenieur i.R. Otto Schulze aus Heidelberg.

Sein Hinweis zum Jahr 1943: "Der Fernsehsender Paul Nipkow hat seinen Betrieb nicht mit der Beendigung der Draht-Fernsehversorgung der Lazarette und Truppenunterkünfte eingestellt.!

Sondern... nun aufgepaßt, liebe Fernsehhistoriker, alle, die ihr bisher in Büchern über das deutsche Fernsehen der Kriegsjahre geschrieben habt ! Otto Schulze, der ab 1935 beim Fernsehen in Berlin die Filmabteilung aufbaute und leitete, ergänzt:

"Ich habe im Anschluß daran die Betreuung mit zwei Wanderkino-Apparaturen mit Filmvorführungen (täglich 3 mal 2) weitergeführt. Es wurden hier die Filme und Aktualitäten gezeigt, die sonst auf dem Bildschirm zu sehen waren. Dies ist bis etwa März/April 1944 geschehen."

Der Fernsehsender Paul Nipkow endete also kriegbedingt 1944 als Wanderkino ! Ich glaube, das dürfte für alle neu sein, die bisher über das Fernsehen dieser Zeit geschrieben haben.

und gleichmal ein Sprung nach Berlin ins Jahr 1948

Immerhin zeugt das Wanderkino von dem Einfallsreichtum der damaligen Fernsehleute und erinnert den Chronisten an seine eigenen Erlebnisse, als der Berliner Rundfunksender RIAS während der Blockade 1948 mit Lautsprecherwagen auf Straßen und Plätzen nach einem regelmäßigen Fahrplan seine Nachrichten "persönlich" den Berlinern übermittelte, weil diese wegen der häufigen und lang andauernden Stromsperren den gesendeten Rundfunk nicht empfangen konnten.

Also auch besonderen Dank an Herrn Schulze für die wertvolle Information !

Was bisher im verborgenen schlummerte ........

Und weil wir gerade beim berichtigen sind: Unser Ehrenmitglied Gerhart Goebel wies den RFM-Chronisten darauf hin, daß er in seinen eigenen Veröffentlichungen das Datum der Kriegszerstörung des Berliner Fernsehsenders im Turm des Amerikahauses auf den 23. November 1943 berichtigt habe.

So hat die JubiläumsChronik 1988 in unserem Mitteilungsheft "aktuell" 1/12 nicht nur Reaktionen hervorgerufen, sondern sogar Fakten ans Licht gebracht, die bisher im verborgenen schlummerten.

Durch Hinweise aus dem Kreis unserer Mitglieder konnte nicht nur berichtigt, sondern auch ergänzt werden. Der RFM-Chronist, der ohnehin, der Asche wegen, seinen Kopf unter die Dusche halten muß, möchte am liebsten auch gleich all denen den Kopf waschen, die mit ihrem historischen Wissen hinterm Berg halten.

Und im Jahr 2020 gilt das immer noch !!!!!!!!

Jede Information in Sachen Fernsehgeschichte ist uns wertvoll und wird im Dokumentations- bereich unseres Vereins registriert (Anmerkung : jedenfalls damals, als es den Verein noch gab). Darum die Bitte an alle, uns Hinweise und Unterlagen zu übersenden, damit unser Archiv nicht nur umfangreicher, sondern auch "richtiger" wird.

Der RFM-Chronist stellt erstaunt fest, daß fehlerhafte oder unvollständige Angaben doch sehr positive Auswirkungen haben. Und nun überlegt er ernsthaft in seiner Aschermittwochsstimmung, ob er nicht künftig absichtlich Fehler in seine Chroniken einschleust, weil möglicherweise nur so ans Licht gebracht wird, was noch in der Dunkelzelle des frühen Fernsehens verborgen ist.

Doch damit er diese Drohung nicht wahrmachen muß, appelliert er höflichst an alle, die wichtiges wissen und wissenswertes mitteilen können, uns zu unterrichten, um nicht nur uns, sondern auch die Fernsehhistorie schlauer zu machen. "Mitgeteiltes aufzunehmen, wie es gegeben wird, ist Bildung", sagte Goethe. Bitte, liebe Freunde, Kollegen, Mitglieder, verhelft uns zur (Weiter-)Bildung !
Dafür dankt im voraus der RFM-Chronist

Günter Bartosch im August 1989
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