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Günter Bartosch (1928 - 2013†) schrieb viel (sehr sehr viel) über und aus seine(r) Zeit beim ZDF in Eschborn und Mainz .....

Der ZDF Mitarbeiter Günter Bartosch war 30 Jahre beim ZDF - also von Anfang an dabei -, ebenso wie sein deutlich jüngerer Kollege Knapitsch. Angefangen hatte sie beide bereits vor 1963 in Eschborn, Harald Knapitsch in der Technik, Günter Bartosch im Programmbereich Unterhaltung.

Und Günter Bartosch hatte neben seiner Arbeit und seinen Büchern so einiges aufgeschrieben, was er damals alles so erlebt hatte. In 2013 habe ich die ganzen Fernseh- und Arbeits-Unterlagen erhalten und die Erlaubnis, die die Allgemeinheit interessierenden Teile zu veröffentlichen.
Die Einstiegsseite zu den vielen Seiten beginnt hier.

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"Das Bildtelefon kommt"

Fernsehhistorischer Bericht von Günter Bartosch im Jan. 1998

"Das Bildtelefon kommt !" - so verkündete es die Telekom ihren Kunden mit einem Faltblatt kurz vor Weihnachten 1997. Natürlich macht das Bildtelefon nur Sinn, wenn mindestens zwei Gesprächspartner entsprechende Apparate besitzen.
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Typisch Telekom - typisch Monopolist

So wird "das Paar" verkauft für 2.298.- DM, die Monatsgebühr (ohne Gespräche) beträgt 193,02 DM, und die Telekom droht darüber hinaus an: "Mindestmietzeit 3 Jahre".

Kommt nun das Bildtelefon mit Macht ?

Selten hatte es eine Errungenschaft der modernen Technik so schwer, sich durchzusetzen, wie das Bildtelefon, das längst eine Selbstverständlichkeit sein könnte. Immerhin wurde es schon vor rund 70 Jahren entwickelt und 1929 zum erstenmal vorgestellt.

Uralt - zu sehen auf der Funkausstellung 1929 in Berlin

Auf der Großen Deutschen Funkausstellung 1929 vom 30. August bis 8. September in Berlin zeigte das Reichspostzentralamt eine neue Apparatur für "gegenseitiges Fernsehen und gleichzeitigem Sprechen zwischen zwei Orten".

In größerem Abstand voneinander waren in einer Messehalle zwei Fernsprechzellen aufgebaut, jede mit einer Sende- und Empfangsanordnung für Fernsehen ausgerüstet. Der Sender arbeitete mit Nipkow-Scheibe und Lichtstrahlabtastung.

"Oberhalb der Lichtöffnung für den abtastenden Lichtstrahl erscheint das Bild des Sprechpartners, den man nun in allen seinen Bewegungen verfolgen kann", hieß es in einem Bericht.

Und ein Zeitungsreporter meldete:
"Großen Zuspruch finden die Fernsprechzellen, von denen die eine in viertelstündiger Ablösung von drei niedlichen Mädchen besetzt ist, während durch die andere das Publikum der Ausstellung hindurchwandert. Jeder kann für kurze Zeit mit der hübschen Partnerin Worte und Mimik wechseln. Er spricht mir ihr und sieht sie gleichzeitig an der Wand erscheinen, während drüben in der anderen Zelle sein eigenes Bild mit der Sprache hörbar wird."

Diese erste Demonstrationsapparatur wurde 1930 dem Deutschen Museum übergeben, bei dem die Vorführungen fortgesetzt wurden.

Es gab damals nur ein 30-Zeilen-Bild

Das damalige 30-Zeilen-Bild war für Übertragung auf größere Entfernungen zu schwach. Durch eine Erhöhung der Zeilenzahl und der Rasterfrequenz wäre der "Sprechgast" so sehr vom Abtaststrahl geblendet worden, daß er das Bild des Partners kaum noch hätte wahrnehmen können. Deshalb mußten erst neue Entwicklungen mit der Braunschen Röhre als Empfangsgerät durchgeführt werden.

auf der Funkausstellung 1935 deutlich besser

Während der Berliner Funkausstellung 1935 stellte die Deutsche Reichspost zwei neuartige Fernseh-Sprechzellen vor. Teilnehmen konnten daran Besucher, denen "das Glück einer hierfür eingerichteten Verlosung günstig war".

Im Jahre 1935 wurde auch das erste koaxiale Fernsehkabel zwischen Berlin und Leipzig verlegt. Am 21. Eebruar 1936 meldete das "Berliner Tageblatt" (Nr. 88 65. Jahrgang)als Schlagzeile :
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Fernseh-Sprechdienst Berlin - Leipzig

Die Pressestelle des Reichspostministeriums teilt mit: Die Deutsche Reichspost hat im Rahmen der Entwicklungsarbeit auf dem Fernsehgebiet auch Fernsehversurhe über weite Entfernungen auf Kabeln durchgeführt.

Für die ersten Versuche dieser Art diente eine 10 Kilometer lange Fernkabelstrecke zwischen Tempelhof und Charlottenburg. Im Anschluss daran hat die Deutsche Reichspost ein Fernsehkabel zwischen Berlin und Leipzig gelegt.

Vor kurzem konnte auf diesem Kabel eine hochwertige Fernsehübertragung zwischen zwei Fernsehstellen auf 395 Kilometer einwandfrei durchgeführt werden. Es ist das erstemal, dass Fernsehbilder auf eine solche Entfernung auf dem Kabelwege übertragen worden sind.

Nach diesem günstigen Ergebnis ist beabsichtigt, Anfang März zwischen Leipzig und Berlin einen Fernsehkabelverkehr zu eröffnen. In Leipzig wird je eine Fernsehsprechstelle am Augustusplatz und dem Messegelände, in Berlin ebenfalls an zwei Stellen der Stadt iu Betrieb genommen.

1. März 1936, erster Tag der Leipziger Frühjahrsmesse

Das allererste Fernsehtelefonat zwischen zwei Großstädten wurde offiziell am 1. März 1936, dem ersten Tag der Leipziger Frühjahrsmesse, um 11.20 Uhr geführt. Miteinander sprachen der damalige Reichspostminister Freiherr von Eltz-Rübenach und der Oberbürgermeister von Leipzig, Dr. Carl-Friedrich Goerdeler, der später der Widerstandsgruppe gegen Hitler angehörte und nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 als deutscher Kanzler vorgesehen war, Goerdeler wurde als Mitbeteiligter an der Verschwörung zum Tode verurteilt und am 2. Februar 1945 hingerichtet.

Ein "Fernseh-Sprech-Gespräch" von max. 4 Minuten

Nach den Gesprächen der Offiziellen bei der Messe-Eröffnung konnten dann auch in vierminütigem Abstand Pressevertreter, Messeaussteller und Besucher den "Fernseh-Sprechdienst" benutzen. Ab 25. März 1936 wurde dieser Dienst der Öffentlichkeit übergeben.

In Berlin gab es damals zwei Fernseh-Sprechstellen, die eine im Columbushaus am Potsdamer Platz, die andere an der Gedächtniskirche im Haus Kant- Ecke Hardenbergstraße. In diesen historischen Bildtelefonräumen vertreibt heute Beate Uhse ihre Produkte !

Fernseh-Sprechdienst über Nürnberg bis München

Im Mai 1937 kündigte Reichspostminister Dr. Ohnesorge an, der Fernseh-Sprechdienst werde durch die weitere Verlegung der Fernsehkabel nun auch bald mit Nürnberg, "der Stadt der Reichsparteitage", und mit München, "der Hauptstadt der Bewegung", möglich sein. Ferner seien Strecken nach Hamburg, Frankfurt/Main und Köln geplant.

Zunächst wurde Anfang September 1937 der Fernseh-Sprechdienst zwischen Berlin und Nürnberg eröffnet. Dort konnten Besucher im Postamt am Hauptbahnhof "eine neue Schalterhalle vorfinden, in der ihnen neben den bekannten Einrichtungen für Telegrafie, Bildtelegrafie, Fernsprechverkehr und Selbstwählfernverkehr an selbst kassierenden Münzfernsprechern nun auch das modernste Nachrichtenmittel der Welt, der "Fernsehsprecher", zur Verfügung steht".

1.800 km Breitbandkabel für die "Fernsehsprecher"

Die Fachzeitschrift "Der Deutsche Rundfunk" meldete am 19.9.1937 : "Nach Fertigstellung der Breitbandkabelverbindung Berlin - München mit ihren Abzweigungen nach Leipzig und Nürnberg stehen in Deutschland nunmehr über 1.800 km Breitbandkabel für den öffentlichen Fernseh- und Fernsprechdienst zur Verfügung. Auf allen Teilstrecken sind stets 2 gleiche Kabel verlegt worden, so daß zwischen den erwähnten Städten nunmehr ein ständiger Gegenseh-Fernsprechdienst stattfinden kann. (...)

So wurde z.B. von der Fernsprechstelle Berlin am Potsdamer Platz ein Bild zunächst nach München und von dort wieder zurück nach Berlin übertragen.

Diese Strecke entspricht einem Kabelweg von etwa 1500 Kilometern Länge (mit 42 Verstärkerfeldern von je etwa 36 km Länge). Selbst nach der Zuschaltung des Abzweigs nach Leipzig (mit nochmals 6 Verstärkerfeldern) ergab sich noch über eine Gesamt-Kabelstrecke von 1.735 km eine durchaus brauchbare Übertragung der Fernsehbilder."

Juni 1938 - "Bremen - Schlüssel zur Welt"

Auf der Ausstellung "Bremen - Schlüssel zur Welt" konnten auch die Bremer in den Wochen vom 25. Mai bis 19. Juni 1938 mit dem Fernsehsprechen Bekanntschaft machen.

Die Fernseh AG hatte zwei neue Fernsehsprechstellen aufgestellt, in denen man das Bild des Gesprächspartners in einer Größe von ungefähr 30 x 35 cm sehen konnte.

Ab Juli 1938 nun auch München angebunden

Mit München wurde der offizielle Fernsehsprechdienst am 12. Juli 1938 aufgenommen. Beim Bildformat 5x6 übertrug das Kabel 180 Zeilen mit rund 40.000 Bildpunkten 25mal in der Sekunde bei einer Frequenz von etwa 500.000 Hz.

Zur Aufnahme dienten Lochscheiben, während für die Wiedergabe Braunsche Röhren zur Anwendung kamen.

Neu : Das lautsprechende Telephon

Als Neuerung wurde erstmals das von Ministerialrat Gladenbeck entwickelte "lautsprechende Telephon" eingesetzt, mit dem die oft aufgetretenen Probleme der Rückkopplung beseitigt werden konnten.

Die Vorrichtung stellte eine Vereinigung eines dynamischen Lautsprechers mit einem dynamischen Mikrofon dar. Ein besonderes System bewirkte, daß dann, wenn in der ankommenden Leitung Sprechstrom floß, der Mikrofonstrom durch einen gegenphasigen Strom unterdrückt wurde, so daß Rückkopplung nicht entstehen konnte.

Bis 1938 wurde noch gebaut ..... - aber dann ......

Noch 1938 setzte die Reichspost den Ausbau des Kabelnetzes fort, und der Fernseh-Sprechdienst sollte auch zwischen Berlin und Hamburg sowie zwischen Berlin und Frankfurt am Main ermöglicht werden.

Dazu hieß es in einer Pressemeldung vom 13. Juli 1938: "Das Fernsehkabel Berlin - Frankfurt a.M. wird zugleich an die Fernsehsender auf dem Brocken und auf dem Feldberg im Taunus (die damals im Bau waren) angeschlossen, so daß nach Fertigstellung der Bauarbeiten Prankfurt wohl als erste deutsche Stadt an das Fernseh-Rundfunkprogramm von Berlin angeschlossen werden wird !

Dazu kam es allerdings nicht mehr, der Krieg verhinderte diese Pläne.

Die Leitung Berlin - Hamburg wurde noch fertig

Allerdings konnte die Kabelleitung zwischen Berlin und Hamburg noch fertiggestellt werden. Ab 15. Dezember 1938 war es zunächst möglich zwischen Fernsehsprechstellen in den Postämtern Jungfernstieg und Altona 1 zu telefonieren, allerdings nicht öffentlich, sondern nur amtsintern. Ein Jahr später waren dienstliche Fernsehgespräche zwischen Berlin und Hamburg möglich. Im Juni 1940 mußte der örtliche Fernseh-Sprechdienst in Hamburg, über den täglich etwa 20 Gespräche durchgeführt wurden, zugunsten des Fernsehempfangs aus Berlin eingestellt werden.

In Berlin gab es vier Fernsehsprechstellen

Eine vierte Fernsehsprechstelle wurde in Berlin am 1. April 1939 eröffnet, nachdem schon seit 1938 eine dritte auf dem Ausstellungsgelände in Witzleben zur Verfügung stand. Die neue nahm ihren Betrieb im "Haus der Technik" in der Friedrichstraße auf.

Sämtliche Berliner Sprechstellen konnten für öffentliche Benutzung miteinander verbunden werden, darüber hinaus mit den Städten Leipzig, Nürnberg und München. Zu dieser Zeit war auch die Verlängerung nach Wien geplant.

Fernsehsprechen kostete schon Geld, aber noch moderat

Im Ortsverkehr in den Städten mit mehreren Fernsehsprechstellen betrug die Gebühr für ein Gespräch 50 Pfennig, gegebenenfalls zuzüglich eines Betrags von 40 Pfennig für das Herbeirufen des Gesprächspartners zu einem bestimmten Termin.

Für eine Weitverkehrs-Fernsehverbindung wurde nur die doppelte Gebühr wie für ein gewöhnliches Telefonat gleicher Dauer erhoben.

Reichspostminister Dr. Ohnesorge meinte 1938 dazu: "Nicht der augenblickliche Ertrag eines neuen Nachrichtenmittels ist entscheidend für seine Einführung und den Umfang des Ausbaus, sondern allein der geistige und kulturelle Wert, den es einmal für das ganze Volk haben wird."

Fernseh-Sprechdienst für Taubstumme

Von besonderem Wert erwies sich der Fernseh-Sprechdienst für Taubstumme! Die Zeitung "Leipziger Neueste Nachrichten" veröffentlichte am 6.2.1936 einen Bericht über die Probephase der Verbindung zwischen Berlin und Leipzig.

Demnach hatte "Herr T. M. aus Leipzig-Deutsch", der in frühestem Kindesalter die Hörfähigkeit einbüßte, ein "Fern-Seh-Gespräch" mit einem Berliner Jugendfreund geführt. Er äußerte sich dazu begeistert: "Klar und deutlich stand das Bild des Freundes vor mir (...) Und ich sah, was er sagte, las mühelos ab, was er fragte (...) Und er verstand mich ebenso gut."

Eine Fernseh-Sprechanlage ging nach Spanien

Die deutschen Firmen Fernseh AG und Telefunken entwickelten ständig verbesserte Fernseh-Sprechanlagen. Ein Kabinenpaar von Telefunken wurde im November 1938 von der Deutschen Reichspost der Nationalspanischen Regierung geschenkt. Ob dieses für Spanien damals ziemlich sinnlose Spielzeug dort noch irgendwo herumsteht ?

Bessere Fernsehsprechgeräte mit 441 Zeilen

Die Fernseh AG schuf 1938 eine "kleine Fernseh-Sprechapparatur", während die Deutsche Reichspost ein transportables Gerät von Telefunken mit Kathodenstrahl-Abtaster und Projektions-Bildschreiber für eine Bildgröße von 50 x 60 cm 1939 bei der Tagung des Weltpostkongresses in Buenos Aires vorstellte.

Sogar die Umstellung der Fernsehsprechgeräte auf die inzwischen eingeführte 441-Zeilen-Norm wurde noch vorgenommen. Der Krieg jedoch verhinderte ihren Einsatz und die weitere Entwicklung, zumindestens in Deutschland.

Eine Londoner Neuheit auf der Ausstellung 1952

Im August 1952 wurde ein Fernseh-Telefon als Neuheit auf der Londoner Funkausstellung gezeigt, doch setzte sich das Bildtelefon weder in England noch in anderen Ländern durch.

Kommt es nun jetzt ? Wird das Handy mit einer Minikamera und einem Bildschirm von der Größe einer Briefmarke ausgestattet ? Dann kann man es nicht mehr als Statussymbol in der Öffentlichkeit ans Ohr halten, es müßte wohl eher einem Walkman ähneln.

Es ist gar nicht neu und es ist zu teuer - also chancenlos

Das absolut völlig neue Bildtelefon, so wie es jetzt von der Telekom angeboten wird, mit einem 5,5 Zoll-LCD-Farbbildschirm (ca. 14cm) hat vermutlich keine Chance. Bildtelefonieren wird die Welt per PC im www.

Wetten, daß ... ?

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