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Günter Bartosch (1928 - 2013†) schrieb viel (sehr sehr viel) über und aus seine(r) Zeit beim ZDF in Eschborn und Mainz .....

Der ZDF Mitarbeiter Günter Bartosch war 30 Jahre beim ZDF - also von Anfang an dabei -, ebenso wie sein deutlich jüngerer Kollege Knapitsch. Angefangen hatte sie beide bereits vor 1963 in Eschborn, Harald Knapitsch in der Technik, Günter Bartosch im Programmbereich Unterhaltung.

Und Günter Bartosch hatte neben seiner Arbeit und seinen Büchern so einiges aufgeschrieben, was er damals alles so erlebt hatte. In 2013 habe ich die ganzen Fernseh- und Arbeits-Unterlagen erhalten und die Erlaubnis, die die Allgemeinheit interessierenden Teile zu veröffentlichen.
Die Einstiegsseite zu den vielen Seiten beginnt hier.

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März 1992 - Unterhaltung - das vermißte Vergnügen

von Günter Bartosch Haupt-Redaktion Show - März 1992

  • Anmerkung : Günter Bartosch war insgesamt 30 Jahre dabei - seit den Anfängen 1963 - (vorher war er beim RIAS Berlin und beim Deutschland Fernsehen in Eschborn). Er wurde in 1993 pensioniert. Im März 1992 war er noch in den Diensten des ZDF und als Mann der ersten Stunde war er besonders kritisch mit "seinem" Sender, was da alles abging. Das muß vielen in den Chef-Etagen ganz oben nicht mehr gefallen haben.


Geht es Ihnen auch so: Wenn Sie irgendwo gefragt werden, was denn Ihr Beruf sei, und Sie antworten: "Ich arbeite beim Fernsehen", daß Sie damit eine Lawine lostreten ? Die kommt über Sie - in einer Fülle von Fragen - ........

.... der Grundtenor :
Ja,sagen Sie mal, warum ist das Fernsehprogramm so schlecht?


Was soll man da antworten ?

Versucht man schüchtern zu differenzieren: "Na, sooo schlecht ist es ja nun auch wieder nicht", dann prasselt das nächste Lawinenbrett auf einen herab. Letztlich konzentriert sich alles in dem einen Satz: "Es gibt aber keine Unterhaltung mehr. - So wie früher."
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War früher wirklich alles besser ?

Um mich in meiner Freizeit nicht auch noch mit den beruflichen Problemen herumschlagen zu müssen, verschweige ich oft schon meine Fernsehtätigkeit. Das verschafft mir zwar außerhalb meiner Arbeitsstätte ein bißchen Ruhe, doch keineswegs innerhalb.

Denn hier gibt es viele Kolleginnen und Kollegen, die wissen, daß ich zu denen gehöre, die vor rund 30 Jahren die Hauptabteilung Unterhaltung mit aufgebaut haben.

Das damalige ad-hoc-Unternehmen, der gelungene Start und die sich daran anschließende kontinuierliche Fortentwicklung führten dazu, daß das ZDF jahrzehntelang als "der" Unterhaltungssender galt.

Warum haben wir keine Unterhaltung mehr ?

Und was passiert mir nun heute hier im Hause ZDF ? Ich werde gefragt - immer wieder: "Warum haben wir keine Unterhaltung mehr ? So wie früher."

Die Antwort fällt mir immer schwer. Und damit ich nicht bei jedem dieser Gespräche herum- drucksen muß, druckse ich mal hier auf dem Papier. Dann kann ich künftig vielleicht allen Fragenden den Artikel in die Hand drücken und brauche mich nicht mündlich aus der Affäre zu ziehen.

Bei dieser Quizfrage hätte ich versagt - wegen Sprachlosigkeit

Quiz ist, ob der Kandidat eine Frage beantworten kann oder nicht. Ich bin sicher: Die o.g. Quizfrage nach dem Unterhaltungsprogramm würde ich glatt verlieren. Wegen Sprachlosigkeit.

Erst einmal wäre ich sprachlos über die Formulierung der Frage. Denn daß wir im Programm keine Unterhaltung mehr haben, stimmt ja nicht. Und das, das wir haben, ist, für sich betrachtet, eigentlich auch nicht besser oder schlechter, als wir's hatten.

Unterhaltung ? - Nachts um Null Uhr

Nur: Es ist weniger geworden, und es bietet sich nicht mehr so konzentriert an, wie's einmal war. In manchen Programmwochen muß man die "Unterhaltung" mit der Wünschelrute suchen - und nicht nur bei uns.

Mitunter können Sie fündig werden nachts um Null Uhr. Denn die "Stillen Stars", die da laufen, sind eine Produktion der HR Show ! Sie haben lieber laute Stars ? Nun, es gibt noch immer die "Hitparade", es gibt die Volksmusikanten, die ins Horn tuten, und Dieter Thomas Heck ist auch noch kein "stiller" Star geworden.

Wir haben zu vieles beerdigt

Aber vieles gibt es nicht mehr ! Und darin, so scheint mir, liegt buchstäblich der Hund begraben. Wir haben zu vieles beerdigt, das "Unterhaltung" ist. Es mangelt an der Vielfalt, die ja ein Merkmal der "Unterhaltung" ist. In dem Maße, in dem die Vielfalt zu Grabe getragen wurde, dünnte sich das Unterhaltungsangebot aus.

Fangen wir beim Kritischsten an, bei der Satire. An der ist immer herumgemosert worden, weil uns ja politisch relevante Kräfte regieren. Solange wurde sie bekrittelt, bis sie an Programmplatz-Entzug vollends einging.

Also abbauen - und zwar gründlich

Und weil wir so schön dabei waren, abzubauen, taten wir es gründlich.

  1. Jazz ?
    Wen interessiert das schon, bringt keine Einschaltquoten - weg damit !
  2. Kabarett ?
    Riecht nach Satire - Finger davon lassen !
  3. Chansons, Liedermacher, Operette, Variete, Zirkus, Show ... ?
    alles alt und verstaubt - weg damit !
  4. Volksmusik ?
    O ja, die ist noch immer "in". Aber bitte mit TED ! (Frage: wer oder was ist TED ?)

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Kein Wunder, wenn das Programm so schlecht ist.

Die Leute wollen das Gefühl haben, das ZDF sei wirklich "i h r" Programm.

Das Programm gestalten Sie, unser Publikum ! Kein Wunder, wenn es schlecht ist.


Und Preise müssen wir vergeben ! Die Leute wollen gewinnen, je mehr desto besser! Die Privaten machen uns das vor. Da können wir nicht zurückstehen ! Nur: Statt eines Autos reicht es bei uns vielleicht für einen Kinderwagen bei "Liebe auf den ersten Blick".

Und überhaupt: Die Privaten !

Die sind natürlich an allem schuld. Sie engagieren uns die besten Leute weg mit Gagen, wie wir sie nie bezahlen könnten, und spielen mit uns Fangen in Sachen Einschaltquoten.

Aber womit ? Mit Sendungen, die wir abgelegt haben. Da feiern fröhliche Urständ der Heino und der Tony Marshall, Vico Torriani, Marianne und Michael, die Hot-Dogs, die Jacob-Sisters. Alles nichts ! Oder ? Jedenfalls reden sie nicht, die Privaten, sie machen !

Vieles ist dabei, was fade, geschmacklos oder unter der Gürtellinie ist. Auch das findet sein Publikum, aber derartiges sollten wir ihnen getrost überlassen. Was wir einst boten, hatte in der Regel Niveau.

Es lief ja auch gut - bis daran herumgedoktert wurde. Als wir 1962 begannen, hatte die Hauptabteilung Unterhaltung fünf Ressorts: Zwei für große Öffentliche Veranstaltungen, eines für Show, Quiz, Bunter Abend, Schlager, eines für Musical, Ballett, Musikalisches Lustspiel und eines für Kabarett, Kleinkunst, Trick- und Puppenfilm. Das war in sich schon ein Programm !

Eines Tages wurde umorganisiert.

Von Stund an gab's die Unterhaltung/Wort und die Unterhaltung/Show. Das war - und ist noch heute - ein so grobes Raster, daß vieles durch die Maschen rutscht.

Ist "Kabarett" Wort oder Show ? Beides ! Deswegen hat es kein Zuhause! Ist "Quiz" Wort oder Show ? Diese Frage ist genial gelöst worden durch die Übernahme des neu-englischen Begriffs "Game-Show". Also ein klarer Fall.

Daß wir bei unserer großen Sendereihe "Der Goldene Schuß" das Wort "Spiel-Show" erfunden hatten, ist vergessen. Außerdem war damals noch echte Show im Spiel.

Laufen "Game-Shows" im Programm ?

Sie laufen sich tot, werden in ihrer Fadheit überstrapaziert und mit jener Hektik abgespult, die unseren Alltag beherrscht und von der wir uns am Feierabend eigentlich erholen möchten. Aber es muß jung und vor allem dynamisch sein.

Schon Hans Rosenthal war "Dalli-Dalli", aber es war eben Hans Rosenthal. Wer kam nach ihm und dem großen Peter Frankenfeld ? Carrell ist noch da, und Kuli kommt wieder - halbherzig.

Es kamen Gottschalk und Elstner. Letzterer stand sich selbst im Wege und ist offensichtlich nur noch Legende, genauso wie der einst so hochgelobte Günther Jauch, der aber den Job "Unterhaltung" eigentlich gar nicht machen wollte.

Und Gottschalk ? Wie viele Jahre geben wir ihm noch bei seinen Verschleiß-Erscheinungen ? Er erinnert sehr an Boris Becker und Steffi Graf: Ein paar Jahre ganz oben sein, abkassieren und dann - hoffentlich - vom Ruhm leben.

Sie waren die richtigen Stars und vor allem zugkräftig

Rosenthal, Frankenfeld, Kulenkampff, Robert Lembke, Carrell waren/sind 40 Jahre dagewesen (dieser Text ist aus 1992), Lou van Burg, Wim Thoelke 30 ! Sind diese Zeiten vorbei ?

Wenn diese Dauerhaftigkeit nicht mehr gegeben ist und diese Persönlichkeiten nicht mehr zur Verfügung stehen, dann müssen wir andere Schritte gehen, zumal wir vergessen haben, Nachwuchs aufzubauen und zu fördern.

Wir müssen kleinere Brötchen backen, doch so viele und so fix, daß die Brötchen immer frisch und knackig sind.

"Das Leichte ist das Schwerste, das es gibt."

Haben wir solch ein Konzept ? Von den etlichen Hauptredaktionsleitern Unterhaltung, die im ZDF vorüberzogen, war oft der Spruch zu hören: "Das Leichte ist das Schwerste, das es gibt."

Ich habe dieser Selbstschutzbehauptung immer entgegengehalten: "Das Leichte ist durchaus nicht schwer, es wird uns nur schwer gemacht."

Der bürokratische Apparat mit den "Stoffbewilligungsanträgen"

Wie kann man leicht sein mit einem bürokratischen Apparat, der wichtiger geworden ist als die Produktion von Sendungen ? Was soll aus einem Programmvorhaben werden, das mit einem "Stoffbewilligungsantrag" zu beginnen hat ?

Und dann folgen Anträge für Autoren, Komponisten, Künstler, Architekten, Kostümbildner, Honorare, Musiktitel, Preisvergabe, Mitarbeiter, Studios, Gerätschaften, Requisiten, Dienstreisen und ... und ... und.

O heilige Einfalt ! Was Sankt Bürokratius in den 30 Jahren des Bestehens unseres Hauses an Vorschriften, Richtlinien, Anweisungen, Formularen und vor allem an Antragspflichten und Begründungsforderungen produziert hat, verdüstert das helle Licht der Scheinwerfer, in dem es eigentlich glitzern und gleißen sollte.

Die Produktion von Sendungen ist ein einziger Hindernislauf

Die Produktion von Sendungen ist ein einziger Hindernislauf durch Antrags- und Genehmigungsverfahren. Wenn die Mitarbeiter endlich so weit sind, daß sie eine Produktion beginnen können, sind sie längst lustlos geworden oder sie sind kurz vor dem inneren Abschalten.

Dann attestiert ihnen noch der um Sprüche nie verlegene Herr Dr. Thoma von der privaten Konkurrenz RTL plus, sie seien "verbeamtete Unterhaltungsredakteure mit Studienratsgehalt" und er verkündet: "Das Niveau dieser Herren ist nicht so hoch, wie es sein sollte."

Im Grunde hat er ja recht, wenn wir mal vom dem Niveau absehen, für das Dr. Thoma, der Herr über "Tutti-Frutti" und Hella von Sinnen natürlich prädestiniert ist. An den "Studienratsgehältern" wird sich bei uns leider kaum etwas ändern.

Es gibt da nämlich die "Programmverhinderer"

Tatsächlich haben Programmverhinderer höhere Bezüge als Programmgestalter. Spaßmacher sind hierzulande immer noch Gaukler, die man bedient, indem man ihnen ein paar Münzen in den Hut wirft.

Während die Leute von Showbusiness und Entertainment in England und den USA zu einer angesehenen Gruppe der Gesellschaft gehören, sind sie in der "!Anstalt" des kulturellen und politischen Lebens wie ein notwendiges Übel, und es ist angezeigt, diesem leichtlebigem Völkchen den nötigen Ernst sowie Anstand und Kultur "beizubringen".

Meinungsjongleure sind zur Zeit die einzigen Artisten

Höherwertiger ist es im Programm, das Zeitgeschehen auszuquetschen in die Kreuz und in die Quer. Meinungsjongleure sind die einzigen Artisten, die derzeit stattfinden. Die Unterhalter haben es schwerer mit dem leichten.

Die Produktion großer Sendungen ist Teamarbeit, das ist zwar eine Binsenweisheit, doch hat man das im ZDF längst vergessen - wenn man es überhaupt jemals gewußt hat. Wir schaffen uns ein Team für eine Programmserie, suchen uns engagierte Mitarbeiter, machen sie mit den Arbeiten vertraut, bilden sie heraus - und wenn sie richtig eingearbeitet und nützlich sind und zum wesentlichen Teil eines funktionierenden Teams gehören, müssen sie gehen, weil sie 110 Tage beschäftigt waren.

Wer etwas kann, geht zu den "Privaten"

Adieu, Kollegin, adieu, Kollege, setze ein, was Du gelernt hast, bei den Privaten ! Wir wünschen Dir viel Glück !

Immerhin erhalten Protagonisten unserer Sendungen auch bei uns schon Gagen, wie sie ein Hans Rosenthal z.B. sein ganzes Leben lang nicht bekommen hat. Und zwischen den heutigen Animateuren und Hans Rosenthal liegen Welten in der Qualität !

Runter auf die Tiefebene des Herrn Dr. Thoma ?

Wir fangen schon an, uns anzupassen an die Privaten. Begeben wir uns auch auf die Tiefebene des Herrn Dr. Thoma ? Wir bemühen uns kaum um den Erhalt guter Beziehungen zu den wenigen noch vorhandenen guten Autoren und Regisseuren; im Gegenteil, wir verärgern sie uns.

Zum Beispiel bekommen wir es fertig, ihnen die Mehrwertsteuer vom Honorar abzuziehen, anstatt sie draufzulegen, wie es überall sonst und speziell bei unserer privaten Konkurrenz üblich ist.

Wir haben unsere Richtlinien und leiten alles in geregelte Bahnen, teils aus Ignoranz, teils aus Überheblichkeit. Das Vergnügen ist hin, es gibt nichts mehr zu lachen.

Wenn den Machern das Lachen längst vergangen ist

Wie soll es das denn geben, wenn denen, die dafür zuständig sind, das Lachen längst vergangen ist ? Wenn sie eher mit den Zähnen knirschen, als so fröhlich zu sein, daß es ansteckt ?

Eigentlich sollten wir "Lebenshilfe" leisten ! Dieses kluge Wort unseres Gründungsintendanten, unseres Professors,  war einmal Ansporn und Aufgabe für das Programm. Längst ist es vergessen, es sei denn, man meint, Förster, Pfarrer, Nonnen, Landärzte, Lehrer, Kriminalisten in unseren Sendungen würden ausreichend dafür sorgen.

Zwar ist die landläufige Meinung, Lachen sei gesund, doch was schert uns das. Wir zeigen die Welt wie sie ist ! Die Kollegen aus dem wichtigen Bereich von Politik und Zeitgeschehen warnen, mahnen, rügen, moralisieren, reden den Leuten ins Gewissen und servieren ihnen die täglichen Leichen der Welt in Großaufnahme zum Abendbrot. Bei diesem Verständnis von Lebenshilfe braucht sich niemand zu wundern über den Mißmut, der die Leute befällt.

Heiterkeit und Schwerelosigkeit finden nicht statt. Neun Hauptredaktionsleiter Unterhaltung gab's in 30 Jahren ZDF - war das nötig ?

Einer hat die Talfahrt programmiert .......

....... in der wir uns befinden. Tat's und verschwand, um ein freier Mann zu sein - mit Aufträgen vom ZDF. Wer selbstherrlich meint, nur er selbst habe die besten Ideen, wer die redaktionelle Schöpfungsarbeit verkümmern läßt und nichts weiß von der Vielfalt mit der sich Witz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung vermitteln lassen, ist wie ein Schneider, der nur Konfektionsware verkauft.

Und heute ? Heute ist die Schau-was-kommt-von-draußen-rein-Welle ausgebrochen ! Was woanders gut ist, muß doch auch bei uns sein Publikum finden, das wäre doch gelacht. Derzeit - hier wie überall -besteht das Fernseh-Unterhaltungsprogramm aus Geschwätz, Selbstdarstellung, Humtata, Preisverleihung, Hanswursterei und Musik, die zugeklatscht wird.

Haben wir das nötig ? Was wollen wir eigentlich ?

Es ist nicht nur an der Zeit, sondern höchste Eisenbahn, daß wir uns klar darüber werden, was wir eigentlich wollen.

Unterhaltung - ja oder nein ? Wenn ja, dann nicht kleckern, sondern klotzen. Es ist vieles da, das dazu gehört, insonderheit die Leute mit dem Niveau, das nicht so hoch ist.

Was fehlt, sind die Programmplätze mit dem jeweiligen Geldkästchen. Was fehlt, sind das Wollen und die Unterstützung. Was fehlt, ist die Bereitschaft, Hürden abzubauen, Richtlinien einzuschränken oder zu revidieren, und es der Unterhaltung leichter zu machen. Mehr und mehr hatte man das Leichte mit Bleigewichten behängt. Es ist längst überfällig, diese zur Entsorgung zu geben.

Am 1. April 1963 gab es von Goethes "Faust" (einen Teil)

Als allererste Sendung des ZDF brachten wir am 1. April 1963 das "Vorspiel auf dem Theater" aus Goethes "Faust". Doch nicht von ungefähr ! Es sollte doch eine Zielsetzung sein !

Man darf getrost den alten Goethe mal wieder zur Hand nehmen; hier sei nur zitiert:
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  • Besonders aber laßt genug geschehn !
    Man kommt zu schaun, man will am liebsten sehn.
  • Die Masse könnt ihr nur durch Masse zwingen,
    ein jeder sucht sich endlich selbst was aus.
  • Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen,
    und jeder geht zufrieden aus dem Haus.

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Es gibt so vieles, was wir nicht mehr im Programm haben.

Musical - Theater unserer Zeit - (darin waren wir mal groß) findet nicht mehr statt. Olle Kamellen, immer wieder gern gehört, Operetten- und Filmmelodien, Marschmusik, Musik zum Träumen - nichts mehr da.

Einst gaben sich Hermann Prey und Anneliese Rothenberger die Ehre, fragte Michael Schanze "Hätten Sie heut' Zeit für mich", lockte Michael Heitau in den "Liederzirkus", präsentierte Peter Alexander seine Shows, sagte Vico Torriani "Musik kennt keine Grenzen", hatten wir eine "Starparade", war Harald Juhnke ein Mann für alle Fälle und bildete mit Grit Böttcher ein verrücktes Paar.

Wir haben unsere Felle davonschwimmen lassen.

Adieu, wir brauchen euch nicht mehr, die Zeiten haben sich geändert. Heute muß man anders ein !

Aber wie ? Was wir nicht mehr haben wollten, wußten wir, nicht aber, was es nun sein mußte. Anstatt in der strahlenden Helle der Scheinwerfer zu stehen, wie es das Showbusiness verlangt, tappen wir im Dunkeln.

Macht hell das Licht, das Tor macht auf - es müßte wie Weihnachten sein ! Glauben Sie, das wir das jemals schaffen ?

Wenn ich "wir" schreibe ...... so ist das ZDF gemeint ...........

Um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: Wenn ich "wir" schreibe, so ist das ZDF gemeint. "Wir", das sind nicht die Kolleginnen und Kollegen der "Unterhaltung".

Die wissen sehr genau, was gebraucht wird, und die wissen auch, wie's dazu kam, daß der Zustand so desolat geworden ist. Doch die müßten dringend aufgemuntert werden. Wer "Lachen" machen soll, muß selber fröhlich sein! Im Moment herrscht nur die Stimmung vor: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Das hilft nur zum Überleben, Impulse ermöglicht es nicht.

Die Utensilien der Zauberkunst liegen in der Kiste, fein säuberlich mit Schildchen versehen: Kabarett, Variete, Zirkus, Chansons und Lieder, Schlager, Jazz und Filmmusik, Operette und Musical, Sketche, Bunte Abende, Internationale Folklore, Komponisten- und Textdichter-Porträts, Themen-Shows, z.B. zu Ostern, zum Muttertag, zur Adventszeit, Quiz, Spiel, Rate mal, "... und Ihr Steckenpferd".

Wer allerdings glaubt, man brauche die Trickkiste nur aufzumachen, und alles kommt heraus wie der dienstbare Geist aus Aladdins Wunderlampe, der irrt sich gewaltig. Mit dem Zeug aus der Kiste weiß nur der etwas anzufangen, der sich aufs Zaubern versteht.

Goethe ist immer gut für ein Zitat: "Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen."

von Günter Bartosch Haupt-Redaktion Show - März 1992
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