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Günter Bartosch (1928 - 2013†) schrieb viel (sehr sehr viel) über und aus seine(r) Zeit beim ZDF in Eschborn und Mainz .....

Der ZDF Mitarbeiter Günter Bartosch war 30 Jahre beim ZDF - also von Anfang an dabei -, ebenso wie sein deutlich jüngerer Kollege Knapitsch. Angefangen hatte sie beide bereits vor 1963 in Eschborn, H. Knapitsch in der Technik, Günter Bartosch im Programmbereich Unterhaltung.

Und Günter Bartosch hatte neben seiner Arbeit und seinen Büchern so einiges aufgeschrieben, was er damals alles so erlebt hatte. In 2013 habe ich die ganzen Fernseh- und Arbeits-Unterlagen erhalten / geerbt und dazu die Erlaubnis, die die Allgemeinheit interessierenden Teile zu veröffentlichen.
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DAS DRAHTLOSE FERNKINO - 65 JAHRE FERNSEHSPIEL

Auch ein Beitrag zu "100 Jahre Kino" von Günter Bartosch im Sept. 1995

Das Fernsehspiel ist heute auch nicht mehr das, was es einmal war. Diese Behauptung soll keine Kritik an der Qualität sein, sondern sie bezieht sich auf die Präsenz im Programm, Fernsehspiele gehören zum Fernsehen wie die bunten Unterhaltungsprogramme und der Sport.

Doch während die Sportberichte zunehmen und das Unterhaltungsprogramm fader wird, leiden die Fernsehspiele, die das künstlerische Niveau manifestieren könnten, an Ausdünnung. Damit schadet sich das Fernsehen selbst, wenn es "seinem" Spiel keinen gebührenden Platz einräumt.

Fernsehspiel ist etwas anderes als Spielfilm. Dieser braucht die große Leinwand, das Gemeinschaftserlebnis im Lichtspieltheater, jenes ist für den kleinen Bildschirm konzipiert und bietet sich dem Zuschauer als Heimkino dar. Sollte man deshalb des Fernsehspiels nicht auch im Rahmen des Jubiläums "100 Jahre Kino" gedenken ?

Wie alt ist das Fernsehspiel eigentlich ?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, aber seine Wurzeln gehen zurück auf das Jahr 1930. So wie 1895 der öffentlich vorgeführte Film nicht viel mehr als eine Varietee-Nummer war, die zwar verblüffte, aber kaum Beachtung fand und nicht ahnen ließ, was daraus einmal werden würde, so ereignete sich 1930 etwas epochemachendes im Fernsehen, ohne daß es die Öffentlichkeit zur Kenntnis nahm.

Vor 65 Jahren machte das Fernsehen in einem frühen Versuchsstadium gerade seine ersten schüchternen Schritte, und man experimentierte damit herum.

Das "Studio" ähnelte einer Telefonzelle oder einer Photomaton-Kabine, in der gerade mal eine Person vor dem festinstallierten "Abtaster" sitzen konnte - in völliger Dunkelheit, nur schemenhaft beleuchtet von einem flimmernden Leuchtstrahl im Rhythmus der Löcher, die die Spirallochscheibe a la Nipkow an einer Leuchtquelle vorbeirotieren ließ.

Daß sich nun plötzlich drei Akteure, von denen aber immer nur zwei im (Brust-) Bild sein konnten, vor dem Abtaster drängten, um ein Spiel darzubieten, das war etwas neues.

Die britische BBC sendet am 14. Juli 1930 ein Fernsehspiel

Das erste Fernsehspiel, von dem es sogar ein Foto gibt, sendete die britische BBC am 14. Juli 1930 aus dem Experimentierstudio des Fernsehpioniers John Logie Baird in London.

Die drei Akteure spielten Pirandellos Einakter "Der Mann mit der Blume im Mund", und die Sendung soll 30 Minuten gedauert haben. So interessant eine Notiz ist, zwei Jahre vorher sei ein erstes Fernsehspiel in den USA ausgestrahlt worden, darf doch angenommen werden, daß es zu jener Zeit nur das Vortragen von Texten mit verteilten Rollen gewesen sein konnte.

Was in der Experimentierzeit des Fernsehens aus der kleinen Kabine kam - "Kopf und Schultern bis zum obersten Knopf eines Herren-Jacketts", hieß es in einem Pressebericht - konnte sich wohl kaum zu einem Spiel entfalten.

Dennoch entstand 1930 in Deutschland ein Fernsehspiel, allerdings auf Film produziert. Die Deutsche Reichspost, die die Fernsehversuche durchführte, brauchte einen fernsehgeeigneten Streifen für das "drahtlose Fernkino".

Die Berliner Commerz-Film drehte ihn Februar/März 1930 in ihrem "Atelier", Berlin, Chausseestraße 123, Hof, 4 Treppen unterm Dach. Der Titel des etwa 10minütigen "Dramas": "Morgenstunde hat Gold im Munde".

Es waren Vorgaben zu beachten ......

Es waren Vorgaben zu beachten, um dem primitiven, kontrastarmen Fernsehbild von 30 Zeilen gerecht zu werden. So wurden lange Szenen mit ruhigen Bewegungen gedreht, große Dekorationsgegenstände verwendet und Kostüme gewählt, die sich deutlich vom Hintergrund abhoben.

Die Darsteller wurden stärker geschminkt als beim Film; statt strichförmiger Augenbrauen wurden dicke Linien gezogen. "Ein größerer Reichtum des Bildes an Details kann mit dem heutigen Fernsehen eben noch nicht übertragen werden", hieß es damals.

Doch wurde hervorgehoben: "Die Szenen sind nicht mehr nur auf Köpfe beschränkt, es treten auch ganze Personen auf." (!) Anzumerken ist, daß es sich um einen Stummfilm mit Zwischentiteln handelte, da die Fernsehversuchs-Sendungen noch ohne Ton liefen.

Nach seiner Fertigstellung wurde der Film ab Mitte 1930 viele Male ausgestrahlt.

Otto Gebühr in Berlin am 13. Mai 1935 im "Fernsehen"

Nachdem am 22. März 1935 in Berlin der erste regelmäßige Fernsehprogrammdienst begonnen hatte und am 13. Mai 1935 der berühmte Filmschauspieler Otto Gebühr als erster Fernsehschauspieler in der Dunkelkabine als Friedrich der Große aufgetreten war, entwickelte sich so etwas wie eine künstlerische Eigenproduktion des Fernsehens.

In der Hauptsache wurden zwar Filme gesendet, da ihre Ausstrahlung die wenigsten Probleme bereitete, doch traten im abendlichen Programm, das ca. 1 1/2 bis 2 Stunden dauerte, speziell Unterhaltungskünstler auf, die sich solo präsentierten und ihre musikalischen Vorträge selbst begleiteten, wie Carl de Vogt mit der Laute, Ingrid Larssen mit dem Saxophon und Will Glahe mit dem Akkordeon. Dazu gab es Rezitationen, wobei eine der ersten Fernsehkünstlerinnen Else Elster war, und humoristische Einlagen des Komikers Fredy Rolf.

"Das erste Fernsehspiel der Welt" ?? wirklich ??

"Das erste Fernsehspiel der Welt" - laut damaliger Presse - sei am 19. Juni 1935 gesendet worden, anläßlich der Eröffnung einer Fernsehstube im Arbeitsdienstlager Gildenhall bei Neuruppin, etwa 50 km nordwestlich von Berlin.

Doch das, was Carl Heinz Boese, seinerzeit Leiter des Fernsehprogrammdienstes, auf dem Dachgarten im Haus des Rundfunks in Berlin auf Film produziert hatte, war bei näherer Betrachtung eine musikalische Unterhaltungssendung - immerhin die erste umfangreichere Eigenproduktion des Fernsehens.

Im normalen Sendebetrieb blieb es bei Live-Darbietungen von meist einer Person in der dunklen Kabine des Fernsehlaboratoriums der Deutschen Reichspost in der Charlottenburger Rognitzstraße.

1936 - Emil Mechaus Linsenkranzabtaster

Das änderte sich allerdings, als ein neues Gerät, ein sogenannter "Linsenkranzabtaster", im Juli 1936 zum Einsatz kam und im Herbst eine auf sechs qm erweiterte Dunkelbühne eingerichtet worden war.

Die immer noch starre Vorrichtung bot nun die Möglichkeit zu einem größeren Blickwinkel. Dadurch konnten mehrere Personen im dunklen Raum agieren. Das nutzten die Fernsehleute aus.

Zum ersten Mal wurde am 7. November 1936 ein "Kurzspiel aus dem Fernsehlabor" angekündigt mit dem Titel "Das Schaukelpferd". Es war ein rund 10-minütiger Propaganda-Sketch für das NS-Winterhilfswerk.

Es agierten drei Personen. WHW (Winterhilfswerk)-Hörspiele des Rundfunks gaben dann auch die Grundlage ab für drei weitere Kurzspiele dieser Art.

Das vermutlich erste Kriminalstück

Am 5. Februar 1937 erschien das vermutlich erste Kriminalstück im Fernsehen. Es war von der Fernsehmitarbeiterin Marta Krüger unter dem Pseudonym Lore Weth geschrieben worden, hieß "Der Stein des Schreckens" und dauerte 30 Minuten. Lore Weth verfaßte in der Folge zahlreiche weitere Stücke, meist Kurzspiele.

1937 - Hauptbetätigung : Unterhaltung

Beim Fernsehen tätig wurde im Mai 1936 Arnolt Bronnen, ein dubioser Dramatiker der Weimarer Republik. Obwohl jüdischer Abstammung, die er leugnete, hatte er aus den zwanziger Jahren einen Gönner in Joseph Goebbels.

Zwielichtig blieb Bronnen auch beim Fernsehen, doch vermittelte er mit seiner schriftstellerischen und dramaturgischen Begabung der entstehenden Gattung Fernsehspiel bedeutende Impulse.

Im Frühjahr 1937 betätigte er sich auch als Regisseur, unter anderem mit einer Inszenierung von Ludwig Thomas "Waldfrieden" am 24. Februar 1937 in Länge von 40 Minuten. Am 10, April 1937 wurde die erste Fernsehoperette "Erika im Schwalbennest" gesendet mit fünf Darstellern auf der Dunkelbühne - Text: Lore Weth, Musik und Klavierbegleitung: Paul Noack-Ihlenfeld, Regie: Willi Bai.

Es sei ein "bewußt primitiv geschriebenes und ebenso inszeniertes Stück", ließ man dazu verlauten, weil man auf die verschiedensten technischen Schwierigkeiten Rücksicht zu nehmen habe. Immerhin wurden hierbei zum ersten Mal in größerem Umfang auch gemalte Kulissen eingesetzt.

Hier fällt der Name : Kurt Wagenführ

Die Schwierigkeiten hatten sich zwar nicht geändert, doch vergrößerte sich ab Mitte 1937 das Programmangebot an kurzen und längeren Spielszenen.

Rückblickend sah der Fernsehkritiker und -historiker Kurt Wagenführ in dieser Zeit die "Geburt des Fernsehspiels". Neben Einaktern gab es von Adolf Weber verfaßte "visualisierte Hörspielszenen", heitere Stücke wie "Gast im eigenen Heim" von Hermann Krause (17.9.1937) "und weitere Kriminalspiele, teilweise sogar bis zu einer Länge von 50 Minuten.

Auch der Schriftsteller Hugo Hartung schrieb damals schon für das Fernsehen. Da man nur live senden konnte, wurden alle Stücke mehrfach wiederholt.

Im Dezember 1937 - ein richtiges Fernsehstudio

Die bedrückende Enge des Fernsehlabors hatte ein Ende, als am 13. Dezember 1937 im Deutschlandhaus, schräg gegenüber vom Haus des Rundfunks in Berlin, das erste richtige Fernsehstudio Deutschlands in Betrieb genommen wurde.

Dieses besaß eine Dunkelbühne von 5x8 m, deren Boden schräg nach vorn geneigt war, um optische Tiefe zu erzielen. Der größere Bewegungsspielraum machte nun erst wirklich Fernsehspiele als Direktsendungen möglich, ohne daß sie vorher auf Film aufgenommen werden mußten.

Der offizielle Fernsehdienst in England kam später

In England hatte man eineinhalb Jahre später als in Deutschland mit dem offiziellen Pernsehdienst begonnen, dafür aber mit einem besseren technischen Standard.

Von Anfang an waren auch im Studiobetrieb elektronische Kameras im Einsatz. Hier brauchte das Fernsehen nicht mehr im dunkeln stattzufinden. Der englische Fernsehsender im Alexandra-Palace in London verfügte über zwei große Studios, 20x9 m und 7,6m hoch, und die Einrichtung glich dem eines Tonfilmateliers.

Am ersten offiziellen Sendetag, dem 2. November 1936, soll neben "Mr. Pickwick", der ersten Oper im Fernsehen, auch das erste Fernsehspiel "Marigold" gesendet worden sein.

Bald unternahm man auch größere Versuche, zu denen "Macbeth" mit Laurence Olivier ebenso gehörte wie Stücke von George Bernard Shaw.

Und natürlich typisch englischer Humor

Überliefert ist, daß der irische Spötter sich Mitte 1937 ganz unprogrammgemäß bereitfand, am Schluß eines seiner Stücke vor die Fernsehkamera zu treten.

Dort erklärte er, die Fernsehzuschauer hätten es doch besser als die Theaterbesucher, denn sie könnten mitten im Stück weglaufen, wenn es ihnen nicht gefalle.

Im übrigen bäte er die Zuschauer um Entschuldigung, daß er der Verfasser dieses lächerlichen Stückes sei.

Hans-Jürgen Nierentz wurde einer der ersten Fernseh-Intendanten

Das deutsche Fernsehen hatte im April 1937 in Person des 27jährigen Hans-Jürgen Nierentz einen ersten Fernseh-Intendanten bekommen. Er war Parteimitglied der NSDAP und hatte sich als Autor nationalsozialistischer Hörspiele im Sinne der herrschenden Machthaber bewährt.

Zwar hatte er Alkoholprobleme und geriet in Intrigen, doch steckte er als Schriftsteller eine Linie im Programm ab, die sich für die weitere Entwicklung und Niveauanhebung des Fernsehspiels als günstig erwies.

Im Mai 1938 machte sich der Autor W. Hoeppner-Flatow, der zusammen mit Christine Großmann ein Fernsehspiel "Weg ohne Ende" um die große Schauspielerin Caroline Neuber geschrieben hatte, in der Fachpresse Gedanken über die Dramaturgie des Fernsehspiels. Eine "gespielte Conference", die erläuternde Verbindung von


wie und wo geht es weiter ?????


die Seite 6 fehlt ?????????

hier geparkt

ZDF-Kontakt Artikel "Das drahtlose Fernkino" 2. Teil Bildunterschriften

1 Studioszene des Fernsehspiels "Das Flaschenteufeichen", im 1958 elektronisch eingerichteten Fernsehstudio im Deutschlandhaus•

2 Das erste Domizil des ilachkriegsfernsehens in Deutsehland; Flakbunker auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg 1951«

Wiederbeginn? Fernsehspielprobe auf engstem Raum im Studio des Flakbunkers 1951*

4 Zum ersten Mal Kabarett im Fernsehen, mit gemalten Kulissen
und elektronisch gesendet von der Funkausstellung Berlin 1937»

Günter Bartosch, Wiesbaden / 8. Jan. 1995

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