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Günter Bartosch (1928 - 2013†) schrieb viel (sehr sehr viel) über und aus seine(r) Zeit beim ZDF in Eschborn und Mainz .....

Der ZDF Mitarbeiter Günter Bartosch war 30 Jahre beim ZDF - also von Anfang an dabei -, ebenso wie sein deutlich jüngerer Kollege Knapitsch. Angefangen hatte sie beide bereits vor 1963 in Eschborn, H. Knapitsch in der Technik, Günter Bartosch im Programmbereich Unterhaltung.

Und Günter Bartosch hatte neben seiner Arbeit und seinen Büchern so einiges aufgeschrieben, was er damals alles so erlebt hatte. In 2013 habe ich die ganzen Fernseh- und Arbeits-Unterlagen erhalten / geerbt und dazu die Erlaubnis, die die Allgemeinheit interessierenden Teile zu veröffentlichen.
Die Einstiegsseite zu den vielen Seiten beginnt hier.

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Zur ZDF-Geschichte: Zeitzeugen gesucht

von Günter Bartosch am 3. Januar 1999

Die Kontakt-Redaktion (das ist die ZDF Hauszeitschrift für die Mitarbeiter) hat klar erfaßt, was Sache ist. Ich zitiere aus Heft 1/1999: "Das ZDF hat die Rundfunkgeschichte dieses Jahrhunderts mitgestaltet und geprägt ... Kontakt sucht Zeitzeugen, die ZDF-Geschichte geschrieben und miterlebt haben ... Denn die Zukunft hat nur, wer die Vergangenheit kennt."

Vieles ist bereits nicht mehr "vorhanden" - gelöscht

Hoffentlich zeitigt diese Aufforderung Wirkung. Aber wäre das alles ? Ein Medium wie das Fernsehen kann nicht deutlicher seine Geschichte darstellen als mit seinen Sendungen !

Ich habe oft beklagt, daß viele bedeutende Produktionen aus den ersten zwölf Jahren unseres Programms leichtsinnig gelöscht worden sind.

Heute, aus Anlaß der Aufforderung der Kontakt-Redaktion, will ich im Gegenteil darauf verweisen, daß immer noch sehr interessante und attraktive Sendungen im Archiv lagern, die geeignet sind zu dokumentieren, wie das ZDF die Zeiten mitgeprägt hat.

"Aus dem ZDF-Archiv" - "Glanzlichter der Reportage"

Hin und wieder keimt etwas auf in der Programmgestaltung von diesem Selbstbewußtsein. Da gibt es gelegentliche Rückblicke unter dem Titel "Vor 30 Jahren", und kürzlich lief eine kleine Reihe "Glanzlichter der Reportage" unter dem Oberbegriff "Aus dem ZDF-Archiv".

Aber wann läuft dies ? Nachts ! Aus Verlegenheit, um den Bildschirm nicht schwarz zu lassen ?

Wie sagte Intendant Prof. Stolte auf der Personalversammlung ? "Wir müssen qualitative Argumente anbringen. Die Unverwechselbarkeit und Unverzichtbarkeit des ZDF ist das zentrale Thema, auf das wir mit unserem Programm konkret antworten müssen."

Das gilt für das beginnende Jahrhundert ebenso, wie es für jenes galt, das gerade zuende geht.

Warum - warum ... Fragen über Fragen

Warum begnügen wir uns bei "Glanzlichtern" aus dem ZDF-Archiv mit wenigen Sendungen zu nachtschlafener Zeit ?

Warum legen wir in unserem Programm nicht deutlich Zeugnis ab für die Unverwechselbarkeit des ZDF ? Zeigen wir doch, was wir (noch) haben. Schlecht war es nicht - wir hatten mal den Slogan "Klasse Fernsehen".

Alle Hauptredaktionen unseres Senders haben aus nunmehr 37 Jahren ihres Schaffens "Glanzlichter" vorzuweisen:

Fernsehspiel, Theater, Musik, Dokumentation und viele andere. Selbst weniger bedeutende Produktionen bieten ein Spiegelbild dessen, wie das ZDF die Rundfunkgeschichte des ausgehenden Jahrhunderts mitgeprägt hat. Jenes Zweite Deutsche Fernsehen, das sich seinerzeit auch mit seinen Unterhaltungssendungen profilierte und sich Freunde schuf.

Holen wir aus dem Archiv, was wir noch besitzen .....

....... und zeigen wir deutlich die Unverwechselbarkeit unseres Programms. Und verstecken wir das nicht in der Nacht.

Wir haben noch Auftritte von Künstlern, bevor sie berühmt wurden, denn wir hatten immer einen guten Riecher für Talente und beginnende Karrieren.

Viele, die heute berühmt sind oder die ein Comeback feiern können, sind in unseren Sendungen dokumentiert. Diese Sendungen haben ZDF-Geschichte geschrieben und können dazu dienen, "Erinnerungen an die jüngeren Generationen weiterzugeben", wie es Kontakt im Aufruf formuliert.

Hier ein paar Beispiele ....

Wir haben noch Rudolf Nurejew und Margot Fonteyn, Frank Sinatra, Josefine Baker, Maurice Chevalier, Judy Garland, Sammy Davis jun., Ella Fitzgerald und Marlene Dietrich - zum Beispiel.

Sicherlich sind in manchen Fällen die Senderechte abgelaufen, aber sollte es nicht clevere Leute im ZDF geben, die sie mit Geschick wieder aushandeln könnten ?

Die Unverwechselbarkeit des ZDF deutlicher zeigen

Es liegt im Archiv, was unsere Unverwechselbarkeit deutlich machen kann. Fernsehgeschichte ist auch immer Schlagergeschichte.

Wir haben noch die Beatles, die Bee Gee's und Abba, wir haben die Kelly-Familie, als sie noch "klein" war, Heino ohne Brille und Klein-Heintje. Wir haben die Flippers von damals, ja wir können auch eine ganz, ganz junge Stefanie Hertel vorweisen, ein Kind noch.

Aber wir haben auch anspruchsvollere Produktionen wie die mit Anneliese Rothenberger, Hermann Prey, Michael Heitau. Sollen die im Archiv verschimmeln ? Wir haben auch noch Heinz Rühmann, Zarah Leander, Lale Andersen, Paul Hörbiger, und man unterschätze nicht, daß auch junge Leute sich ein Bild machen wollen von Künstlern aus der Vergangenheit, deren Namen noch immer berühmt sind und genannt werden.

Rückblick auf die letzten Jahren meines Wirkens im ZDF

Ich habe in den letzten Jahren meines Wirkens im ZDF ein paar Mal Gelegenheit gehabt, die alten und keineswegs angestaubten
Dinge wieder auf den Bildschirm zu bringen.

Nach meiner Erkenntnis bieten sich zwei Möglichkeiten an. Die eine wäre, die Sendungen in einer speziellen Reihe so ablaufen zu lassen, wie sie sind, gewissermaßen als Dokumentation, als vorgeführtes Museum.

Die andere ist, sie zu renovieren, sie neu zu ordnen und zusammenzustellen und von Moderatoren der jüngeren Generation vorstellen und erläutern zu lassen.

Es ist sieben Jahre her, da machte ich die besten Erfahrungen mit unserer Babette Einstmann, einem Markenzeichen des ZDE, und erzielte mit ein paar dieser Sendungen am Sonntag-Vormittag erstaunlich hohe Marktanteile.

Die Weisheit der Conferenciers und Kabarettisten: "Alter Witz, gut erzählt, wirkt wie neu" läßt sich auch umformulieren:

"Alte Sendungen, gut präsentiert, wirken wie neu". Zeigen wir, was wir haben, und daß wir Tradition haben ! Machen wir deutlich im immer größer werdenden Chor der Programmanbieter: "Wir sind das ZDP !" Unverwechselbar.

von Günter Bartosch am 3. Januar 1999

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