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Zum Tod von Otto Meissner - Ein Nachruf von Günter Bartosch

März 2011 - Im Alter von 85 Jahren verstarb am 16. Februar in Berlin der Film- und Fernsehproduzent Otto Meissner. Er gehörte zu den Pionieren in den Anfangsjahren des ZDF.

Nun hat auch Otto Meissner diese Welt verlassen - innerhalb kurzer Zeit der dritte bemerkenswerte Produzent für das deutsche Film- und Fernsehschaffen nach Bernd Eichinger und Helmut Ringelmann. Seit vielen Jahren schon Professor, hatte Otto Meissner ein bewegtes Leben hinter sich, vor allem im Bereich von Film und Fernsehen.

Anfänglich bei der Terra-Filmkunst in Berlin beschäftigt, überlebte er den Krieg als junger Jagdflieger. Danach war er von 1947 bis 1962 als Produktionsleiter bei verschiedenen Filmgesellschaften tätig. Oft erzählte er von den Schwierigkeiten, mit denen er als Herstellungsleiter des Films „Das Wunder des Malachias“ zu kämpfen hatte, als das Budget bei den Dreharbeiten um mehrere Millionen Mark überzogen wurde.

1963 kam er als Hauptproduktionsleiter in der Pionierzeit zum ZDF und wurde 1964 zunächst kommissarisch, dann fest bestallt, Leiter der Hauptabteilung Unterhaltung. In der Nachfolge von Karlheinz Bieber, der schon mit großen Unterhaltungsshows und mit der öffentlichen Teilnahme des ZDF bei der Funkausstellung in Berlin 1963 - wenige Monate nach Sendebeginn - das zweite Fernsehprogramm zu ersten Erfolgen geführt hatte, baute Otto Meissner das Unterhaltungsangebot mit viel Gefühl für Publikumswirksamkeit weiter aus.

Es blieb ihm zwar nicht viel Zeit, denn Ende 1966 verließ er wieder das ZDF, um in Berlin eine eigene Produktionsfirma, die Nova-Film, zu gründen, aber während seiner Zeit als Chef konnten wir gemeinsam den „Goldenen Schuß“, die legendäre Spiel-Show des ZDF, mit Lou van Burg ins Leben rufen und Hans Rosenthal für regelmäßige Quizserien gewinnen; mit ihm begann eine Zusammenarbeit, die später zur großen Sendereihe „Dalli-Dalli“ führte.

Sportmoderator Wim Thoelke erschien im Unterhaltungsprogramm mit „Rate mit - reise mit“, und auch Peter Frankenfelds  „Vergissmeinnicht“ entstand während der Zeit von Otto Meissner. Als absoluter Fachmann für Unterhaltungsfilme wusste er genau, worauf es ankam, um die Fernsehzuschauer für das damals noch neue ZDF-Programm zu begeistern

Mit seiner Nova-Film produzierte er erfolgreiche Fernsehserien, viele davon für das ZDF. Hier erwies sich auch seine Begabung für hervorragende Rollenbesetzung. Bei der ARD war Manfred Krug „Liebling - Kreuzberg“, beim ZDF waren Ulrich Mühe „Der letzte Zeuge“ und Robert Atzorn „Der Kapitän“. Beliebt und bekannt war Atzorn auch als „Unser Lehrer Dr. Specht“. Thekla Carola Wied und Peter Weck glänzten in „Ich heirate eine Familie“, und Harald Juhnke erschien vielfach, so in „Ein Mann für alle Fälle“, „Preußenkorso“ und „Leute wie du und ich“.

Besondere Aufmerksamkeit im ZDF-Programm erzielten  anspruchsvolle Mehrteiler, so die Familiengeschichte „Kartoffeln mit Stippe“ und „Die Durchreise“, eine 6-teilige Produktion, bei der Hauptdarsteller Udo Samel als jüdischer Chef einer Berliner Modefirma zwei Fernsehpreise erhielt.

Der Berliner „Tagesspiegel“ nannte Prof. Otto Meissner im Nachruf „einen der großen Erzähler von Fernsehen in Fortsetzung“.

Die Zeit seiner Tätigkeit als Unterhaltungschef des ZDF war eine schöpferische Episode, die leider viel zu kurz war. Er hat Zeichen und Qualitätsmerkmale gesetzt, die uns in den Anfangsjahren des ZDF große Sympathien der Fernsehzuschauer einbrachten und die er als Eigentümer der Nova-Film auch für unser Programm fortsetzte.

Otto Meissner war ein Garant für gute Fernsehunterhaltung. Wie Helmut Ringelmann mit seinen berühmten Krimiserien im ZDF gebührt Otto Meissner ein besonders ehrendes Andenken für vielgestaltige Programme - vor allem in unserem Haus.

Günter Bartosch im März 2011
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