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Günter Bartosch (1928 - 2013†) schrieb viel (sehr sehr viel) über und aus seine(r) Zeit beim ZDF in Eschborn und Mainz .....

Der ZDF Mitarbeiter Günter Bartosch war 30 Jahre beim ZDF - also von Anfang an dabei -, ebenso wie sein deutlich jüngerer Kollege Knapitsch. Angefangen hatte sie beide bereits vor 1963 in Eschborn, H. Knapitsch in der Technik, Günter Bartosch im Programmbereich Unterhaltung.

Und Günter Bartosch hatte neben seiner Arbeit und seinen Büchern so einiges aufgeschrieben, was er damals alles so erlebt hatte. In 2013 habe ich die ganzen Fernseh- und Arbeits-Unterlagen erhalten / geerbt und dazu die Erlaubnis, die die Allgemeinheit interessierenden Teile zu veröffentlichen.
Die Einstiegsseite zu den vielen Seiten beginnt hier.

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Ein sehr persönlicher Nachruf für Ehrenfried Klauer

Adieu Ehrenfried !

Nun bist Du gegangen von dieser Welt. Wir waren Kollegen im ZDF, anfänglich auch Kollegen im Personalrat, und Rudolf Blank hat in einem Nachruf Deine Tätigkeit im ZDF als Mitglied des Personalrats und als Redakteur und Kommentator für die Weltraumfahrt gewürdigt. Deine Berichte waren immer so hautnah, als wärest Du  selbst dabei gewesen beim Flug zum Mond.

Aber Du und ich, wir kannten uns seit 1939 und sind ein Stück des langen Lebens-weges gemeinsam gegangen. Ich denke daran und möchte es kurz skizzieren. Es ist natürlich ein ganz persönlicher Rückblick, und ich frage mich, ob das für die Mitarbeiter des ZDF von Interesse ist. Ich überlasse es deshalb den Kollegen der Kontakt-Redaktion zu entscheiden, ob sie meinen Nachruf in die Zeitschrift aufnehmen wollen.
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Wir sind die „Zeitzeugen“

Ein Bild von mir im April 1944 - wir waren jetzt Luftwaffenhelfer und damit Soldaten

Aber wenn 82-jährige (und das war auch Ehrenfried Klauer) zurückblicken, so tun wir das immer im Sinne der aktuellen Medien, denn wir sind das, was man „Zeitzeugen“ nennt. Insofern kann es wohl auch interessant sein für die jüngeren Kolleginnen und Kollegen, die die Nazizeit, den Krieg und die unmittelbare Nachkriegszeit nicht miterlebt haben - froh sollen sie sein.

Ehrenfried und ich gingen 1939 in die gleiche Oberschule im Berliner Bezirk Wedding. Wir waren 15 Jahre alt, da wurden wir von der Schule aus eingezogen zum Kriegsdienst. Die Nazis nannten uns „Luftwaffenhelfer“, doch das war nichts anderes als Flaksoldat. (Übrigens hatten wir einen Luftwaffenhelfer- Kameraden - leider haben wir ihn nie kennen gelernt, denn er war in Bayern eingesetzt - der ist heute Papst !- in 2009)

Mit harter militärischer Ausbildung wurden wir mit den Flakkanonen und der Luftabwehr vertraut gemacht, meist im direkten Kriegseinsatz, denn die deutschen Städte wurden schon intensiv bombardiert. Wir erlebten Tages- und Nachtangriffe in unserer Stellung in Berlin-Tegel Anfang 1944.

Doch nach kurzer Zeit wurden wir verlegt, in Güterwagen der Reichsbahn gepfercht, bei denen der Boden mit Stroh belegt war, und mit unbekanntem Ziel abtransportiert. Wir landeten nach zwei Tagen Fahrt in der Untersteiermark in Marburg an der Drau, ein erobertes Gebiet Jugoslawiens, das nun den südlichsten Zipfel des Großdeutschen Reiches bildete.

Um es kurz zu machen: Gott-sei-Dank überstanden wir die Luftangriffe und den Krieg - dort sogar im Partisanengebiet. Ehrenfried und ich wurden getrennt, als wir aus dem „Luftwaffenhelfer“-Dienst entlassen wurden, um nun als inzwischen 16-jährige „richtige“ Soldaten zu werden. Ich überlebte in Berlin - und ich überlebte auch die Eroberung durch die Rote Armee - und traf etwas später wieder mit Ehrenfried zusammen.
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Beide lebten wir nach 1945 noch in Berlin

Und wir begannen unser Berufsleben. Beiden wohnten wir im freien West-Berlin im französischen Sektor, Ehrenfried arbeitete im britischen Sektor bei der britisch lizensierten Tageszeitung Telegraf und ich im RIAS - der amerikanische "Rundfunk im amerikanischen Sektor".

Und beide nahmen wir mit unserer Arbeit in den Medien (diesen Begriff gab es damals noch nicht) Position gegen das kommunistische System im sowjetischen Sektor ein. Eine Situation in Berlin, die sich heute wohl keiner mehr vorstellen kann.

Kurz vor Weihnachten telefonierte ich noch mit Ehrenfried. Anlaß war ein Jubiläum für ein Ereignis aus der Nachkriegszeit: Die Inbetriebnahme der ersten neugebauten U-Bahnstrecke von der Seestraße nach Tegel. Wir hatten an der feierlichen Eröffnungsfahrt teilgenommen.

Und Du erinnertest mich noch, dass Du bei der Fahrt neben Willy Brandt gesessen hattest, der damals Regierender Bürgermeister von Berlin war. Ihr wart angenehm im Gespräch vertieft, und Du hattest wohl auch mit ihm ein Interview für den „Telegraf“ verabredet.

Um den persönlichen Rückblick abzuschließen: Schließlich wurden wir ZDF-Kollegen und waren von Anfang an dabei. Wieder ist einer der Pioniere gegangen.

Adieu Ehrenfried.
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