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Günter Bartosch (1928 - 2013†) schrieb viel (sehr sehr viel) über und aus seine(r) Zeit beim ZDF in Eschborn und Mainz .....

Der ZDF Mitarbeiter Günter Bartosch war 30 Jahre beim ZDF - also von Anfang an dabei -, ebenso wie sein deutlich jüngerer Kollege Knapitsch. Angefangen hatte sie beide bereits vor 1963 in Eschborn, H. Knapitsch in der Technik, Günter Bartosch im Programmbereich Unterhaltung.

Und Günter Bartosch hatte neben seiner Arbeit und seinen Büchern so einiges aufgeschrieben, was er damals alles so erlebt hatte. In 2013 habe ich die ganzen Fernseh- und Arbeits-Unterlagen erhalten / geerbt und dazu die Erlaubnis, die die Allgemeinheit interessierenden Teile zu veröffentlichen.
Die Einstiegsseite zu den vielen Seiten beginnt hier.

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Günter Bartosch im Juli 1995 - Drei Nachrufe

Zu den bedrückendsten Aufgaben eines Chronisten gehört es, das Ableben von Freunden, Kollegen, Weggefährten mitteilen zu müssen. In diesem Falle trifft es auch noch den Historiker für Fernsehgeschichte, denn gleich mehrere haben uns verlassen, denen wir Achtung und Anerkennung entgegenbrachten, weil sie als Pioniere des Fernsehens zu historischen Persönlichkeiten geworden waren. Achtung, Anerkennung, Ehrerbietung werden wir ihnen weiter zollen und uns darum bemühen, daß ihre Verdienste nicht vergessen werden.

Verlassen haben uns der ehemalige Oberpostdirektor Dipl. Ing. Gerhart Goebel im Alter von fast 89 Jahren, der Pionier des deutschen Nachkriegs-Fernsehens Dr. rer.nat. Walter Schwarz, der kurz vor seinem 85. Geburtstag verstarb, und der Fernsehkonstrukteur und Entwicklungsleiter Dipl. Ing. Hans Robert Groll im 73. Lebensjahr. Alle drei waren unserem Verein verbunden, und ihr Rat und ihre Unterstützung waren uns stets sehr wertvoll.
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Nachruf 1
Oberpostdirektor Dipl. Ing. Gerhart Goebel (89 Jahre)

Gerhart Goebel hat das wohl fundierteste Werk über die deutsche Rundfunk- und Fernsehgeschichte bis zum Schicksalsjahr 1945 und die frühe Nachkriegszeit verfaßt.

Es gibt keine Quelle, die eingehender und verläßlicher wäre. Jeder der sich heute über Rundfunk- und Fernsehgeschichte in Deutschland informieren will, kann nicht umhin, auf das zurückzugreifen, was Gerhart Goebel im Archiv für das Post- und Fernmeldewesen zusammengetragen, in allgemeinverständlicher Weise beschrieben und mit viel Bildmaterial veröffentlicht hat.

Mit ihm hat uns ein profunder Kenner der Materie Funk- und Fernsehen verlassen, der auch nach dem Kriege und bis zu seinem Tode die Entwicklung der Medien beobachtet und kommentiert hat.

Besondere Anerkennung gebührt seiner Geschichtsschreibung und seiner fleißigen Materialsammlung auch deshalb, weil im Krieg durch die Zerstörung der deutschen Städte viele wichtige Unterlagen vernichtet worden waren.

Noch spätere Generationen werden, wenn es um Funk- und Fernsehgeschichte in Deutschland geht, den Satz zu hören bekommen: "Da müssen Sie mal bei Goebel nachlesen. ! Dies Denkmal hat er sich selbst gesetzt; in die Trauer um seinen Tod mischt sich die Hochachtung für seine Pioniertaten in Sachen Fernsehgeschichte.

Nachruf 2
Dr. rer. nat. Walter Schwarz (84 Jahre)

Dr. rer. nat. Walter Schwarz, geboren am 23. März 1910 in Trier, war nach seinem Physikstudium in der Forschungsabteilung der Deutschen Luftwaffe und der Reichsstelle für Hochfrequenzforschung tätig. Im Rahmen seiner Aufgaben kam er auch mit den Raketenversuchen in Peenemünde in Kontakt.

Kaum wohl ahnte er damals, daß die Raketentechnik und das Fernsehen, dem er sich 1948 zuwendete, später im Satellitenzeitalter eine enge Verbindung eingehen würden.

Beim NWDR in Hamburg gehörte Dr. Schwarz zu den Männern der ersten Stunde des Nachkriegs-Fernsehens. Maßgeblich war er an der Festlegung der neuen Norm von 625 Zeilen beteiligt.

1953 wurde er zum technischen Leiter des NWDR-Fernsehens berufen, 1960 übernahm er als Technischer Direktor die Aufgabe, für die neugegründete Gesellschaft "Freies Fernsehen" die Technik aufzubauen.

Wenn dieses damals geplante erste privatwirtschaftliche Fernsehprogramm auch durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts nicht zur Funktion kam, so war doch damit der Grundstock für das Zweite Deutsche Fernsehen gelegt, denn das funktionsfähige Fernsehcamp Eschborn der "Gesellschaft Freies Fernsehen" wurde 1962 zum ersten Sendestudio des ZDF.

Wieder war Dr. Schwarz dabei, diesmal als Leiter der Hauptabteilung Technische Planung. Noch einmal - bevor er 1975 in den Ruhestand trat - erhielt er 1968 eine herausragende Aufgabe.

Ihm wurde die Leitung des Bereichs Technik des Deutschen Olympiazentrums (DOZ) in München übertragen. Er war damit verantwortlich für den Aufbau und die technische Durchführung der Sendungen von den Olympischen Spielen 1972, den ersten Großeinsatz der Farbfernsehtechnik.

Zwei Jahre später betreute DOZ die Übertragungen von der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland. Dr. Schwarz, von allen Mitarbeitern geschätzt und geehrt, vor allem auch, weil er trotz seiner hochgestellten Position immer ein freundlicher Kollege war, verstarb am 14. Harz 1995.
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1992 - Hans Rudolf Groll wird 70

Hans R. Groll - Ein Pionier der Eernsehtechnik wird 70 !

Der 15. Dezember ist ein Festtag für unser Mitglied Hans R. Groll, denn es ist sein 70. Geburtstag. Seine Lebensarbeit galt der Fernsehtechnik, und hier hat er erfolgreich gewirkt.

Nahezu 32 Jahre war der gebürtige Frankfurter bei der Firma Bosch Fernseh in Darmstadt tätig, zuletzt als technischer Leiter des Geschäftsbereichs Fernsehanlagen, bis er Ende 1982 in den Ruhestand trat.

  • Anmerkung : Nach meinen Informationen war er lange Jahre bei der Robert Bosch GmbH in Stuttgart, bevor er zur Fernseh GmbH nach Darmstadt delegiert wurde.


Kurz zuvor wurde der Diplom-Ingenieur mit der Richard Theile-Goldmedaille ausgezeichnet. Gewürdigt wurden damit seine Verdienste auf dem Gebiet der deutschen Fernseh-Studiotechnik.

Unter anderem zeichnete er verantwortlich für die Entwicklung der KCU-Farbkamera und der Magnetband-Aufzeichnung im BCN-Verfahren, dem weltweit erfolgreichen 1 Zoll-System. Doch auch der Außenreportage verschaffte Hans R. Groll neue Möglichkeiten mit der tragbaren Reporter-Kamera KCN und der seinerzeit leichtesten und kleinsten Kamera KBF.

Wir gratulieren unserem Mitglied herzlich zum runden Geburtstag und wünschen Hans R. Groll besonders Gesundheit und Wohlergehen - übrigens gleichzeitig auch seiner Frau, die am gleichen Tage Geburtstag hat.
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Nachruf 3
1995 - Hans Rudolf Groll verstorben (73 Jahre)

Hans Rudolf Groll hatten wir vor drei Jahren an dieser Stelle zu seinem 70, Geburtstag gratuliert. Niemand hätte gedacht, daß wir schon so bald seinen Nachruf veröffentlichen müssen.

Doch eine schwere Erkrankung ließ ihm keine Chance mehr, Hans R. Groll befand sich seit 1982 im Ruhestand nach einem schaffensreichen, stets dem Fernsehen gewidmeten Leben.

Seine Verdienste erwarb er sich auf dem Gebiet der Fernseh-Studiotechnik. Unter anderem zeichnete er als Leiter des Geschäftsbereichs Fernsehanlagen bei der Robert Bosch-Fernseh verantwortlich für die Entwicklung der KCU-Farbkamera und der Magnetband-Aufzeichnung im BCN-Verfahren, dem weltweit erfolgreichen 1 Zoll-System.

  • Anmerkung : Nach den glaubwürdigen Aussagen mehrerer befragter Zeitzeugen aus dem Hause "Fernseh-GmbH Darmstadt", insbesondere Professor Dr. Hausdörfer und seiner Kollegen aus der Digital-Entwicklung, war Herr Groll von Bosch Stuttgart dorthin "delegiert" worden und in seiner Funktion als farbenblinder Chef (kein Scherz !) sehr umstritten. Mehrere Fehlentscheidungen, die nur nie nach draußen drangen, verbrannten bzw. versenkten mehrere Millionen DM.
  • Anmerkung 2: Die professionellen 1" BCN Videorecorder wurden leider weltweit gar nicht erfolgreich vermarktet, weil alles viel zu lange dauerte und weil etwa 3 Jahre nach der Erstvorstellung zur IBC 1974 die Firmen SONY und AMPEX ein besseres und preiswerteres 1" Gerät auf den Welt-Markt brachten. Weiterhin kämpfte die FESE mit enormen Lieferschwierigkeiten, sodaß das Schweizer Fernsehen nach Zeitzeugenberichten viel zu lange warten mußte. In den USA waren Aufträge für mehrere Millionen Dollar abgeschlossen, nur konte die FESE damas gar nicht liefern. Insbesodere die letzte BNC Version vom Typ 52 war ein ewiges Sorgenkind und hatte die Reputation der FESE nachhaltig geschädigt.


Der Außenreportage verschaffte er erweiterte Möglichkeiten durch die Konstruktion leichterer und kleinerer tragbarer Kameras. (Anmerkung : die allesamt Flops wurden).
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Noch nach seiner Pensionierung war er für den Bereich Nachrichtentechnik beim Deutschen Museum in München tätig. Für unser Vorhaben eines Museums für deutsche Fernsehgeschichte schätzten wir immer seinen Rat und seine Anregungen.

Uns ist ein guter Freund und engagierter Mitstreiter verlorengegangen. Wir trauern um ihn und werden ihm und den anderen Verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahren.

Juni 1995 - weitere Nachrufe

Auch ein Kapitel Fernsehgeschichte von Günter Bartosch - das laut handschriftlicher Notitz wegen seiner "Brisanz" bislang nirgendwo veröffentlich wurde.

Zum Fernsehen gehört das Showbusiness, und zum Showbusiness gehören schillernde Persönlichkeiten. Meist erscheinen sie nur für eine vergängliche Episode. Jüngst verstarben zwei, die in der deutschen Fernsehgeschichte ein kurzes Gastspiel gaben.

Dies war zur Zeit des "Freien Fernsehens", das dem ZDF nicht nur Eschborn, sondern auch einiges andere hinterlassen hatte, und das ist gerade mal 35 Jahre her.

Wäre dieses 1960 geplante erste privatwirtschaftliche Fernsehen in Deutschland zum Zuge gekommen, hätten die zwei jene Rolle spielen können, die ihnen vorschwebte.
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Nachruf 4
Hans Raspotnik

Der eine war Hans Raspotnik. Er verstarb am 29. März 1995 in Berlin im Alter von 84 Jahren. Der in Jugoslawien geborene Wahl-Berliner war ein "Hans Dampf in allen Gassen". Im Laufe seines bewegten Lebens war er Zirkusartist, Theaterdirektor, Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und einiges mehr.

1960 glaubte er an einen beginnenden Goldrausch im (privaten) Fernsehen. Er übernahm bei Arthur Brauners CCC die Fernsehabteilung, verschaffte sich in England einen Ü-Zug mit der damals neuen MAZ-Technik (Ampex oder RCA) und verabredete Produktionen mit dem "Freien Fernsehen".

In kurzer Zeit machte er glänzende Geschäfte, und er verstand es auch, diese in der Anfangszeit des ZDF fortzusetzen. Sein geschicktes Verhandeln und seine dabei geübte unkonventionelle Vorgehensweise waren im Bereich eines kommerziellen Fernsehens sicherlich angebrachter als beim öffentlich-rechtlichen System.

So kam es, daß sich seine Aktivitäten im Zusammenhang mit der Konsolidierung des ZDF mehr und mehr verringerten, um schließlich ganz aufzuhören. "Was wird aus Raspotnik ?" fragten wir damals und gaben uns selbst die Antwort: "Is sich Artist. Macht sich Salto rückwärts und steht wieder auf Beine." So war es auch. Raspotnik war nach wie vor aus dem deutschen Showbusiness nicht wegzudenken. Noch am 27. Februar d.J. feierte er fröhlich im Kreis von Freunden seinen 84. Geburtstag.

Nachruf 5
Ernest Bornemann

Eine zweite schillernde Persönlichkeit des "Freien Fernsehens" machte jüngst mit seinem Freitod Schlagzeilen. Der im Alter von 80 Jahren dahingeschiedene, als Sexualwissenschaftler, Intimforscher und Schriftsteller bekanntgewordene Ernest Bornemann war - was kaum jemand weiß - für etwa ein halbes Jahr zwischen 1960 und 1961 Programmdirektor des "Freien Fernsehens".

Was für Sendungen sind uns damals versagt geblieben ?
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Nachruf 6
HR (Hauptredaktion) Unterhaltung / Show - MARITA GROSCH - Nachruf für eine geschätzte Kollegin

Es gehört zur Aufgabe des Fernsehens, über Ereignisse in der Welt zu berichten, die nur selten erfreulich sind. Meldungen erschrecken oft durch die Zahl der Toten, die Opfer von Kriegen, Auseinandersetzungen, Katastrophen oder Unglücken wurden. Bei allem Entsetzen, allem Mitempfinden bleiben die Betroffenen anonym, gehören zu einer Gruppe, aus der man niemand kannte. Doch auf einmal steht es neben Dir ! Plötzlich hat sich das Schicksal einen Menschen gegriffen, der zum Team gehörte, mit dem man zusammengearbeitet hat.

Wir beklagen den Tod von Marita Grosch, unserer Maskenbildnerin. Sie war uns allen eine liebe, geschätzte Kollegin. Bei aller Hektik unseres Berufs, besonders bei den Live-Sendungen, blieb sie immer ruhig und gelassen, was sehr wichtig war, da sie unsere oft nervösen Stars und Künstler buchstäblich in ihrer Hand hatte.

Schon früh, mit 16 Jahren, war sie zur Schülerin ihres Vaters Hans Grosch geworden, der sie mit der Kunst einer Fernseh-Maskenbildnerin vertraut machte und sein Können an sie vererbte.

Hans und Marita Grosch standen oft auf dem Nachspann unserer großen Shows, und als Hans Grosch unerwartet verstarb, führte Marita seine Arbeit fort. Unendlich viele große Stars hat sie betreut, ihnen jenes gute Aussehen verliehen, das yor den unerbittlichen Kameras Bestand haben mußte.

Viele Künstler verlangten deshalb immer wieder Marita Grosch als Maskenbildnerin, weil sie mit ihr die besten Erfahrungen gemacht hatten.

Scherznaft verlieh ihr Redaktionsleiter Dieter Weber einmal den Titel "feinsinnige Gesichtsgärtnerin", und die unkomplizierte, heitere Marita nahm das als Ehrentitel entgegen.

Eigentlich hatte sie kaum ein Privatleben; sie ging in ihrem Beruf auf und betreute für das ZDF eine Show-Produktion nach der anderen. Beim "Großen Preis" war sie stets dabei, sie war Maskenbildnerin bei der "Peter Alexander-Show", bei "Musik liegt in der Luft", beim "Grand Prix der Volksmusik" und unendlich vielen anderen Sendungen.

Beim Außendreh für die "Volkstümliche Hitparade" ereilte sie das Schicksal, in einem verunglückten ZDF-Fahrzeug kam sie ums Leben. Es ist wahrlich keine Floskel, wenn wir in unserer Trauer versichern: Wir werden Marita Grosch nicht vergessen und ihr ein ehrendes Andenken bewahren.

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