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Günter Bartosch (1928 - 2013†) schrieb viel (sehr sehr viel) über und aus seine(r) Zeit beim ZDF in Eschborn und Mainz .....

Der ZDF Mitarbeiter Günter Bartosch war 30 Jahre beim ZDF - also von Anfang an dabei -, ebenso wie sein deutlich jüngerer Kollege Knapitsch. Angefangen hatte sie beide bereits vor 1963 in Eschborn, H. Knapitsch in der Technik, Günter Bartosch im Programmbereich Unterhaltung.

Und Günter Bartosch hatte neben seiner Arbeit und seinen Büchern so einiges aufgeschrieben, was er damals alles so erlebt hatte. In 2013 habe ich die ganzen Fernseh- und Arbeits-Unterlagen erhalten / geerbt und dazu die Erlaubnis, die die Allgemeinheit interessierenden Teile zu veröffentlichen.
Die Einstiegsseite zu den vielen Seiten beginnt hier.

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FERNSEHHISTORISCHER RÜCKBLICK (November 1990)

von Günter Bartosch im Nov. 1990

Ein Rückblick in die Fernsehgeschichte um einige Jahrzehnte fördert Interessantes zutage. Es gilt, einiger besonderer Ereignisse vor 60, 50, 40 und 30 Jahren zu gedenken.

60 Jahre ist es her, da legte der junge Physiker Manfred von Ardenne den Grundstein für unser heutiges weltumspannendes Fernsehen.

Zwei Jahre vorher war das Fernsehen gerade an die Öffentlichkeit getreten, fand Aufmerksamkeit, konnte aber nur ein schatten- und schemenhaftes kleines Bild vorweisen.

1930

1930 steckte das neue Medium zwar schon fest in den Kinderschuhen und Pioniere wie der Engländer John Logie Baird, der in Berlin tätige Ungar Denes von Mihaly und der Leipziger Professor August Karolus führten die Nipkow-Scheibe und ihre Weiterentwicklungen der Perfektion entgegen, doch waren sich die Fachleute bereits darüber im klaren, daß dem mechanischen Fernsehen mit der rotierenden Lochspirale physikalische Grenzen gesetzt seien.

Es war Manfred von Ardenne, der Mitte Januar 1930 in einem Vortrag an der Technischen Hochschule Berlin darauf hingewiesen hatte, daß der Einsatz der Braunschen Röhre das Fernsehen auf einen elektronischen Weg führen könne, auf dem alle sich auftuenden mechanischen Schwierigkeiten zu meistern seien.

Manfred von Ardenne und die elektronische Lichtpunktabtastunge

Manfred von Ardenne ließ es nicht bei seinem Hinweis bewenden. Er experimentierte selbst und konnte bereits wenige Monate später, am 14. Dezember 1930, in seinem Berliner Labor das Ergebnis vorführen.

Stolz präsentierte er den ersten elektronisch arbeitenden Bildgeber mit Lichtpunktabtastung (Flying Spot Scanner). Damit war die Richtigkeit seiner Überlegungen bewiesen, und das Elektronische Fernsehen startete in die Zukunft.

Die Radio-AG D.S. Loewe entwickelte das Fernseh-"System Manfred von Ardenne" mit einem Filmgeber für 100 Zeilen und einem Empfänger für ein 9cm x 11,5cm großes Bild.

1936

Die gesamte deutsche Geräteindustrie wendete sich dem Bau von elektronischen Empfängern zu. Sendeseitig wurde hingegen noch jahrelang die mechanische Abtastung verwendet.

Die ersten elektronischen Kameras kamen 1936 in Berlin bei den Olympischen Spielen zum Einsatz. Manfred von Ardenne, heute in Dresden lebend, gebührt Anerkennung und Ehrung für seine wegweisende Initiative - eine von vielen, die der universell begabte Wissenschaftler der Welt vermittelt hat.

Vor 50 Jahren

Vor 50 Jahren, mitten im immer härter werdenden Krieg, rettete sich das Fernsehen vor der drohenden Einstellung seiner Sendungen, indem es sich selbst "kriegswichtig" machte.

Es gereicht ihm zur Ehre, daß es sich dabei einer humanitären Aufgabe verschrieb. Ab Dezember 1940 wendete sich das Fernsehen den Verwundeten und Kriegsversehrten zu.

Anfangs veranstaltete man mutmachende Programme "Verwundete spielen für Verwundete", doch reifte dabei der Gedanke, das Programm grundsätzlich in die Berliner Lazarette zur Unterhaltung der Verwundeten zu übertragen.

Daraus wurde die große Kriegsaktion des Fernsehens in Berlin, das so bis in die letzten Kriegstage fortgeführt werden konnte.

Die erste große Fernseh-Liveshow

Es wird hierüber noch eingehender zu berichten sein, wenn sich 1991 der Tag jährt, an dem die große Fernseh-Liveshow 50 Jahre alt wird.

Die Verwundetenbetreuung sicherte jedenfalls dem Fernsehen in Deutschland den Fortbestand und stellte seine Mitarbeiter "uk" (unabkömmlich), während sonst die wehrfähigen Männer als "kv" (kriegsverwendungsfähig) zum Dienst in der Wehrmacht eingezogen wurden.

Seine Aufgabe, für verwundete Soldaten zu senden, ermöglichte dem deutschen Fernsehen schließlich auch die größte und perfekteste Leistung in seiner damaligen Entwicklung: Das hervorragend ausgestattete und organisierte Besatzungs-Fernsehen mit vielen französischen Mitarbeitern in Paris von 1943 - 1944.

Vor 40 Jahren

Was 1944 endete, begann nach dem Kriege wieder - vor genau 40 Jahren. Am 27. Nov. 1950 eröffnete der NWDR in Hamburg seinen Fernseh-Versuchsbetrieb. Damit gab es erstmals nach 6 Jahren in Deutschland wieder regelmäßig gesendetes Fernsehen, zunächst dreimal wöchentlich.

1952 - offizieller Programmdienst

Es steckte erneut in den Kinderschuhen und brauchte noch mehr als zwei Jahre, bevor es zu Weihnachten 1952 offiziell den Programmdienst aufnahm.

Zugleich mit dem Versuchsbeginn wurde im Luftschutz-Hochbunker auf dem Heiligengeistfeld das erste Fernsehstudio der Nachkriegszeit eingerichtet und am 29. Januar 1951 in Betrieb genommen.

Vor 30 Jahren

30 Jahre ist es nunmehr her, daß sich das erste private Fernsehprogramm in Deutschland anschickte, mit seinen Sendungen zu beginnen. In Eschborn bei Frankfurt am Main war jene Barackenstadt entstanden, die später - als "Telesibirsk" bezeichnet - das erste Sendezentrum des ZDF wurde.

Errichtet hatte diese Anlage die Gesellschaft "Freies Fernsehen", um von dort Programme für die "Deutschland-Fernsehen GmbH", einer überregionalen, von der Bundesregierung geführten Fernsehanstalt (später fälschlich "Adenauer-Fernsehen" genannt) zu senden.

  • Anmerkung : Es war nicht "fälschlich" als "Adenauer-Fernsehen" tituliert worden, das war absichtlich und diffamierend und Adenauer kränkend bzw. verletzend gemeint, nämlich aus der politischen SPD Ecke heraus publiziert worden.

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1960 - auf Vorrat in den Riva Studios in München produziert

Fernsehspiele und Unterhaltungssendungen produzierte das "Freie Fernsehen" in den Riva-Ateliers in München-Unterföhring, in Eschborn führte der Aktuelle Dienst bereits probeweise Nachrichtensendungen unter dem Titel "Weltschau" durch - übrigens von unserem langjährigen Vorsitzenden Horst Gotzmer gestaltet.

Die Sendungen dieses ersten privaten Fernsehprogramms sollten am 1. Januar 1961 beginnen. Den hektischen Vorbereitungen in Eschborn wurde aber am 17. Dezember 1960 ein vorläufiges Ende bereitet durch eine einstweilige Anordnung des Bundesverfassungsgerichts, vor dem die (SPD-regierten) Bundesländer gegen die Absicht der Bundesregierung geklagt hatten, ein eigenes bundesweites Fernsehen zu veranstalten.

Februar 1961 - das berühmt-berüchtigte "Fernsehurteil"

Am 28. Februar 1961 kam dann mit dem berühmt-berüchtigten "Fernsehurteil" das endgültige Aus für das private Fernsehen.

Sage und schreibe 23 Jahre lang bis zum 1. Januar 1984 hat dieses Urteil privates Fernsehen in Deutschland verhindert.

von Günter Bartosch im Nov. 1990

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