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Günter Bartosch (1928 - 2013†) schrieb viel (sehr sehr viel) über und aus seine(r) Zeit beim ZDF in Eschborn und Mainz .....

Der ZDF Mitarbeiter Günter Bartosch war 30 Jahre beim ZDF - also von Anfang an dabei -, ebenso wie sein deutlich jüngerer Kollege Knapitsch. Angefangen hatte sie beide bereits vor 1963 in Eschborn, H. Knapitsch in der Technik, Günter Bartosch im Programmbereich Unterhaltung.

Und Günter Bartosch hatte neben seiner Arbeit und seinen Büchern so einiges aufgeschrieben, was er damals alles so erlebt hatte. In 2013 habe ich die ganzen Fernseh- und Arbeits-Unterlagen erhalten / geerbt und dazu die Erlaubnis, die die Allgemeinheit interessierenden Teile zu veröffentlichen.
Die Einstiegsseite zu den vielen Seiten beginnt hier.

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Ein Jubiläum: 25 Jahre "in Farbe"

von Günter Bartosch Juli 1992

Vor 25 Jahren begann das Zeitalter des Farbfernsehens in Deutschland. Maßgebend daran beteiligt waren die Zahl 25 und das ZDF.

Der Start erfolgte zur Eröffnung der 25. Großen Deutschen Funkausstellung am 25. August 1967 in Berlin, und die erste große Farbschau des deutschen Fernsehens war die 25. Sendung der ZDF-Spielshow "Der Goldene Schuß".

Der Medienrummel um Lou van Burg

Nur der eine, der zum 25. Mal hätte dabei sein können, war ausgesperrt: Der Spielmeister dieser Sendung, Lou van Burg. Kurz zuvor war er aus Gründen, die heute niemand mehr nachvollziehen kann, vom ZDF gefeuert worden.

  • Anmerkung : Dieser Wissensstand aus 192 stimmt leider überhaupt nicht. Das war billigstes Bildzeitungsniveau, extrem schlecht recherchiert und unwahr wiedergegeben. Lou van Burg war nie beim ZDF angestellt, darum konnte er vom ZDF weder geschaßt noch gefeuert werden, wie die Bildzeitung behauptete. Er war bei der Schweizer Produktionsfirma angestellt, mit der es Mißverständnisse gab. Lou van Burg war äußerst charmant zu Frauen und daher ein Frauen-Idol ähnlich Udo Jürgens (der ebensoviele Verehrerinnen mit Nachause "einlud") und sein intimes Verhältnis mit seiner Assistentin wurde als Aufhänger und Grund ganz groß aufgebauscht und herausgestellt.


Zum ersten Mal wurde deshalb in der 25. Sendung die Tele-Armbrust von Vico Torriani in Aktion gesetzt. Damit war sie fest in Schweizer Hand, denn auch der Erfinder dieses einmaligen Fernsehgeräts, Hannes Schmid, und der Produzent, Werner Schmid, kamen, wie Torriani, aus der Schweiz.

  • Anmerkung : Sie war auch vorher in schweizer Hand, denn nur Lou van Burg kam aus Belgien, der Rest kam aus der Schweiz.

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Das 2" Videoband sei gelöscht ??

Wenn in diesem Bericht farbige Fotos aus der damaligen Sendung gezeigt werden, so sind sie die einzigen noch vorhandenen Dokumente der historischen Fernsehshow. Denn die Magnet-Aufzeichnung der Live-Sendung vom 25. August 1967 ist gelöscht worden. Es ist ja nicht das einzige, was dem mangelndem Geschichtsbewußtsein im ZDF zum Opfer gefallen ist.

Der 25. August 1967 war stolzer Tag für das ZDF

Der 25. August 1967 war für das damals gerade fünf Jahre alte ZDF ein stolzer Tag. In Gemeinsamkeit mit der ARD hatte man sich schon frühzeitig unter den konkurrierenden Farbsystemen NTSC, SECAM und PAL für die Anwendung des deutschen PAL-Systems, das ohnehin das überzeugendste war, entschlossen und das Farbfernsehen in einer langen Entwicklungsphase vorbereitet. (Natürlich mußte das verwendete System auch für Schwarzweiß-Geräte empfangbar sein.)

Nun war der große Augenblick des Starts gekommen. Die Freigabe des Farbfernsehens in Deutschland, (die DDR folgte erst 1969) ereignete sich im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der Funkausstellung.

Ort der feierlichen Handlung war die Halle 23 ("Schwermaschinenhalle") des Ausstellungsgeländes unterm Funkturm in Berlin. Diese Halle hatte die ARD zu einem großen Farbfernsehstudio hergerichtet.

Die Eröffnung begann um 9.30 Uhr zunächst noch in schwarzweiß. Unter den zahlreichen Festrednern befand sich auch ZDF-Intendant Professor Dr. Karl Holzamer, der darauf hinwies, daß allein das ZDF bis zu diesem Zeitpunkt für die Farbfernseh-Technik und -Erprobung 21,7 Millionen DM aufgewendet habe. Er merkte an, daß das Fernsehen durch die Anwendung der Farbe seine Ausdruckskraft nunmehr steigern könne.

Genau um 10.58 Uhr sollte die Show in Farbe beginnen

Seine Voraussage erfüllte sich venige Minuten später während der Ansprache von Willy Brandt, der die Funkausstellung in seiner Eigenschaft als Vizekanzler der Regierung Kiesinger eröffnete.

Es war genau 10.58 Uhr als er auf den großen Knopf an seinem Rednerpult drückte, von dem der Farbfernsehzuschauer gleich darauf sehen konnte, daß er rot war.

Und immer wieder wird auf einer Panne herumgeritten ???

Doch das Farbfernsehen begann mit einer Panne ! Der rote Knopf war nur eine Attrappe. Der sogenannte "Burst", der "Farbhilfsträger" des Bildes, mußte im Übertragungswagen durch eine Steckverbindung zugeschaltet (Anmerkung : und an einem Gerät umgeschaltet) werden.

In der Aufregung des historischen Augenblicks geschah das bereits, als Willy Brandts Daumen in der Großaufnahme noch in der Schwebe war, so daß das farbige Bild schon eine Sekunde vor Niederdrücken des Knopfes erschien. Das Publikum, das auf einer großen Eidophor- Farb-Leinwand die Umschaltung miterleben konnte, quittierte den überraschenden Vorgang mit einem Lachen.

Von jetzt an war es "bunt" .... das Fernsehen

Nun waren zwar die Zuschauer farbig, der Redner und das Orchester, doch alle waren so festlich dunkel gekleidet, daß erst das folgende Ballett Farbe ins Bild brachte. Ein Kritiker beschrieb den ersten Farbeindruck so:

"Die Tänzerinnen oben weiß, weißrot der Rock, gelb der Unterrock; grüne Westen der Tänzer, schwarzweiße Schachbretthosen. 'Nacht in Venedig' vor blaugrauem Hintergrund, keine Farborgie, nur der behutsame Übergang in eine neue TV-Ära." - Die erste farbige Ansage war in diesem Falle eine "Absage", gesprochen von Edith Grobleben, der Fernsehansagerin des SFB.

  • Anmerkung : Hier im ZDF natürlich kein Wort von Vivi Bach und Dietmar Schönherr, die beide die ARD Show gekonnt moderierten.


Die noch in altem Schwarzweiß mit buchstäblich farblosen Rednern begonnene Eröffnungsveranstaltung mit Farbeffekt firmierte als "Gemeinschaftsübertragung von ARD und ZDF"; sie wurde technisch ausgeführt vom NDR und organisatorisch vom SFB.

Nicht unwesentlich war der künstlerische Beitrag vom ZDF ...

Nicht unwesentlich war der künstlerische Beitrag vom ZDF, denn die musikalische Leitung der Festveranstaltung oblag Generalmusikdirektor Hermann Hildebrandt, der als festverpflichteter Mitarbeiter des ZDF die "beliebten Sonntagskonzerte unter dem Titel "Wie schön ist doch Musik" ins Leben gerufen hatte.

Als weitere Gemeinschaftssendung von ARD und ZDF in Farbe wurde von 14.3o bis 16,10 Uhr der französisch-italienische Spielfilm "Cartouche, der Bandit" übertragen im Rahmen eines sogenannten "Farb-Test-Programms".

Am Abend dann erfolgte die Sendung des "Goldenen Schusses" live aus der Berliner Deutschlandhalle, Mitwirkende waren die Opernsänger Lisa della Casa und George London, die aktuellen Hit-Sänger Marquis of Kensington und David Garrick, sowie Manuela und Charles Aznavour.

Und natürlich: Die Farbe ! Bühnenbildner Heinz Brendel hatte sie bewußt sparsam verwendet - die Fotos zeigen es. Vor farbig wechselnden Hintergrund setzte er farbige Versatzstücke, wie z.B. vergoldete Säulen, oder er überwölbte eine Showband mit einem Regenbogen.

Vico Torriani und die Tele-Armbrust

Vico Torriani demonstrierte die Fernbedienung der Tele-Armbrust in einem überdimensionalen rot ausgelegten Schatzkästchen. Die farblichen Haupteffekte überließ Heinz Brendel der Kostümbildnerin Beatrice Kothe, die die Kostüme der Künstler und des Balletts mit besonderer Sorgfalt farbig gestaltet hatte.

Zum 25. Mal war das Orchester Max Greger dabei, und Regisseur Kurt Ulrich setzte die Spielshow zum 25. Mal in bewährter Weise ins Bild. Sie alle hatten vorher schon Farbfernseh-Erfahrung gesammelt !

Die Hauptredaktion Unterhaltung des ZDF hatte in der Zeit vom 29. Mai bis zum 7. Juni 1967 bereits ein Farbfernseh-Programm hergestellt und auf der neuen farbtauglichen MAZ produziert.
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Viel peinlicher waren die holländischen Farbkameras !!

Wir waren dazu ins niederländische Eindhoven in das Studio der Firma Philips gezogen, in welchem uns (Philips LDK3) Farbfernsehkameras und die technische Einrichtung zur Verfügung standen. Redakteur Hans Roth hatte ein buchstäblich buntes Musikprogramm unter dem Titel "Immer wieder jung" (womit immergrüne Melodien gemeint waren) zusammengestellt und nun wurde die allererste Farbproduktion des ZDF aufgezeichnet.

Beteiligt daran waren alle, die hinter den Kameras die Livesendung "Der Goldene Schuß" während der Funkausstellung gestalten sollten, also auch der Bühnenbildner, die Kostümbildnerin und der Regisseur.

  • Anmerkung : Die ersten Farbkameras der Darmstädter FERNSEH funktionierten nicht richtig und wurden nach Darmstadt zurückgeschickt. Das deutsche Farbfernsehen mußte mit Philips LDK3's beginnen, wie peinlich.

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Noch eine kleine Anekdote

Erzählt sei eine kleine Anekdote von dieser Produktion: Nach der Aufzeichnung eines Liedes, das Roberto Blanco sang, setzten wir uns erwartungsvoll in den Regieraum, spannungsgeladen, wie die Farbe nun vom MAZ-Band käme.

Wir waren begeistert, es sah großartig aus. Da ertönte aus dem Hintergrund die Stimme von Roberto Blanco, der schelmisch bemerkte: "Nun braucht ihr uns Farbige, nicht wahr ?" - "Immer wieder jung", die erste Farbproduktion des ZDF, wurde eine sehr ansprechende Unterhaltungssendung. Warum sie erst am 13. März 1968 ins Programm kam, wissen die Götter.

Wer hat das Videoband wirklich gelöscht ?

Wenn Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, heute diese Sendung ansehen wollen, erhalten Sie die ZDF-typische Auskunft, sie sei gelöscht worden.

Doch, o Fernseh-Wunder, es gibt sie noch ! Aufmerksame und geschichtsbewußte Kollegen, die sich um die Gründung eines "Museums für deutsche Fernsehgeschichte" in Mainz bemühen, haben das 2 Zoll-MAZ-Band buchstäblich vom Müll gerettet ! Wenigstens ein historisches Programm, das vor der Vernichtung bewahrt werden konnte, übrigens mutmaßte nach dem Farbfernsehstart ein Zeitungsberichterstatter, daß Willy Brandts roter Schaltknopf nun wohl ins Fernsehmuseum wandern werde.

Wie hat er sich geirrt, der Gute, denn trotz größter Bemühungen des Fördervereins gibt es noch immer kein Mainzer Fernsehmuseum. Und wo ist der historische Knopf geblieben, der laut damaligem Bericht der Bild-Zeitung einen Wert von 2.50 DM hatte ?

Vico Torriani hatte einen guten Einstieg

Der "Goldene Schuß" jedenfalls, die erste deutsche Farbfernsehshow am Abend des 25. August 1967, war ein voller Erfolg. Die Kritiker stellten sowohl der Farbe als auch dem neuen Spielmeister Vico Torriani gute Noten aus.

Weitere Sprüche und Zahlen, die nicht stimmten

Die Farbfernsehgeräte kosteten zwischen 2.300 und 2.700 DM, nur Neckermann machte einen Empfänger für 1.840 DM möglich.

Irgendwie aber muß sich in der nachträglichen Berichterstattung ein Fehler eingeschlichen haben, wenn heute in Fachveröffentlichungen von 6.000 damals verkauften Farbfernsehempfängern die Rede ist.

Der Vorsitzende des Fachverbandes Rundfunk und Fernsehen im ZVEI, Werner Meyer, sprach in seiner Eröffnungsrede zur FunkausStellung davon, daß seit dem 1. Juli 1967 rund 50.000 Geräte, "wenn nicht sogar etwa 10.000 mehr", ausgeliefert worden seien.
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  • Anmerkung : Das ist im Nachhinein korrekt, es waren aber schwarz weiß Geräte. Unter den 50.000 waren aber anfänglich nur etwa 2.000 Farbgeräte. Das hatte der Vorsitzende Werner Meyer gepfegt unterschlagen.

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Zuerst konnten nur wenige die Farbsendungen sehen

Wer keinen Farbfernseher besaß, konnte die Sendungen auf der Funkausstellung betrachten, die mit den vielen (wirklich vielen ????) an den Firmenständen aufgestellten Empfängern bis nach Beendigung der Sendungen geöffnet war.

Außerdem hatten die Fernsehhändler (Anmerkung : in denGroßstädten bundesweit !) in altbewährter Weise Farbfernsehgeräte in ihre Schaufenster gestellt, vor denen sich Menschentrauben bildeten.

Der "Goldene Schuß" war natürlich nicht die einzige Farbfernsehsendung, die von der Funkausstellung kam. Am nächsten Tag bereits folgte die ARD mit einem "Gala-Abend der Schallplatte", bei dem namhafte Künstler und Schlagerstars auftraten. Auch das ZDF veranstaltete weitere Farbaktivitäten: Am 31. August wurde, ebenfalls aus der Deutschlandhalle, die von Peter Frankenfeld moderierte 26. Folge der Quiz-Sendung "Vergißmeinnicht" gesendet und am 3. September das "Aktuelle Sportstudio".

Das berühmte "F" vor einer Sendungsankündigung:

Wenn heute (wir sind in 1992) in den Programm-Zeitschriften Schwarzweiß-Sendungen besonders gekennzeichnet werden, so war das damals genau umgekehrt.

Ein "F" bedeutete: Farbsendung. Doch auch die Sender kündigten jede Sendung in Farbe voller Stolz mit einem besonderen Film-Vorspann an.

Die ARD ließ zu schwungvoller Musik eine Rosette farbenfroh aufblühen, im ZDF drehte sich nach einem musikalischen Motiv aus Max Regers Klaviersuite "Bunte Blätter" ein Glaswürfel und ließ die Farbe des Spektrums in wechselndem Spiel aufleuchten.

Übrigens war der Glaswürfel ein Mainzer Produkt aus dem Hause Schott & Genossen. Wer mehr über die Entstehung des ZDF-Farb-Senderkennzeichens wissen will, schlage im ZDF-Jahrbuch 1967 nach !

"In Farbe" - was damals eine Sensation war, ist heute, 25 Jahre später, eine Selbstverständlichkeit. Doch so achtlos wie das ZDF in seinem Programm vom 25. August 1992 sollte man an dem eigenen großen Jubiläum eigentlich nicht vorübergehen !

von Günter Bartosch Juli 1992

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