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Günter Bartosch (1928 - 2013†) schrieb viel (sehr sehr viel) über und aus seine(r) Zeit beim ZDF in Eschborn und Mainz .....

Der ZDF Mitarbeiter Günter Bartosch war 30 Jahre beim ZDF - also von Anfang an dabei -, ebenso wie sein deutlich jüngerer Kollege Knapitsch. Angefangen hatte sie beide bereits vor 1963 in Eschborn, H. Knapitsch in der Technik, Günter Bartosch im Programmbereich Unterhaltung.

Und Günter Bartosch hatte neben seiner Arbeit und seinen Büchern so einiges aufgeschrieben, was er damals alles so erlebt hatte. In 2013 habe ich die ganzen Fernseh- und Arbeits-Unterlagen erhalten / geerbt und dazu die Erlaubnis, die die Allgemeinheit interessierenden Teile zu veröffentlichen.
Die Einstiegsseite zu den vielen Seiten beginnt hier.

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WIE KAM DER FUSSBALL INS FERNSEHEN ?

Historischer Bericht von Günter Bartosch anläßlich der Fußballweltmeisterschaft vom März 1994

Was wäre Fernsehen ohne Fußball !
Andererseits: Was wäre Fußball ohne Fernsehen ?

Wenn in diesem Jahr die Fußballweltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten von Amerika durchgeführt wird, so handelt es sich um ein bahnbrechendes Ereignis. Zum ersten Mal in der Geschichte des Fußballs sind die USA Austragungsort der Spiele.

Fußball, wie ihn fast die ganze Welt kennt, ist nicht gerade US-amerikanischer Nationalsport. So erhoffen sich nicht nur die Fußballverbände der Welt, sondern auch Sportier und Fans von den Spielen in den USA, daß sich auch das 258 Millionen-Volk der Gastgeber künftig mehr für diesen Sport begeistern wird.

Eines ist sicher: Die Fernsehsender der USA werden diesmal ausführlicher und umfassender als bisher ihren Zuschauern Fußballspiele nahebringen. Und für die übrige Welt macht es die Satelliten-Technik möglich, nahezu live dabeizusein. Dem Fernsehen stehen wieder einmal große Tage bevor !

Als Deutschland Austragungsort der Spiele war

Mit dem Abenteuer der ersten Fußballweltmeisterschaft in den USA verbinden sich für Fußball und Fernsehen mehrere historische Ereignisse, 20 Jahre ist es her, daß die Bundesrepublik Deutschland Austragungsort der Spiele war.

Fernsehübertragungen lieferten ARD und ZDF im Rahmen der gemeinsamen Gründung DOZ. Dieses "Deutsche Olympia-Zentrum" war für die Funk- und Fernsehaktivitäten zu den Olympischen Spielen 1972 in München entstanden und hatte bereits hervorragende Leistungen vollbracht.

Das DOZ war weitergeführt worden, um auch die Berichterstattung für die Fußbaliweltmeisterschaft abzuwickeln. Finanziert wurde DOZ mit Hilfe der Lotterie "Glücksspirale", die noch heute existiert und unter anderem Mittel für den Breitensport bereitstellt.

Der Anteil des ZDF an den Übertragungen

1974 hatte das ZDF die Übertragungen der Spiele aus dem Rheinstadion Düsseldorf und dem Westfalenstadion Dortmund übernommen. Insgesamt waren hierbei 220 Mitarbeiter tätig.

Zum Einsatz kamen 17 Farbkameras, 4 Schwarzweiß-Kameras, 4 Magnetbildaufzeiehnungsanlagen und zwei mobile Zeitlupenanlagen.

Das ZDF-Studio Düsseldorf stand ausländischen Rundfunk- und Fernsehsendern zur Bearbeitung von Magnetaufzeichnungen und Filmaufnahmen zur Verfügung.

Die Hauptredaktion Sport lieferte zur Weltmeisterschaft 44 Sendungen in Länge von insgesamt rund 58 Stunden. Das Endspiel Bundesrepublik Deutschland gegen die Niederlande am 7. Juli aus dem Olympiastadion München, bei dem die deutsche Elf
von Helmut Schön mit Mannschaftskapitän Franz Beckenbauer siegte, wurde allerdings von der ARD übertragen.

Historiker der Zeitschrift Hörzu notierten, daß den Zuschauern durch Wiederholungen in der Sportberichterstattung bei ARD und ZDF inklusive Zeitlupe und "Fuß-Ballett" rund 1.000 Tore vor Augen geführt wurden, "obwohl nur 97 fielen".

Wir blicken noch weiter zurück - vor 40 Jahren

Waren die Aktivitäten für die Fußballweltmeisterschaft 1974 ein Markstein für das ZDF, so war vor 40 Jahren das Endspiel um die Weltmeisterschaft 1954 ein epochemachendes Ereignis für das Fernsehen überhaupt.

Fußballfans wissen natürlich, daß am 4. Juli 1954 in Bern die deutsche Mannschaft von Sepp Herberger mit ihrem Kapitän Fritz Walter überraschend über die Ungarn siegte.

Zum ersten Mal war damals das Fernsehen bei einer Fußballweltmeisterschaft dabei, konnten Zuschauer über Landesgrenzen hinweg im Rahmen der gerade gegründeten Eurovison das spannende Spiel am Bildschirm miterleben, und zwar in den acht Ländern Bundesrepublik Deutschland, Schweiz, England, Frankreich, Belgien, Niederlande, Dänemark und Italien.

1952 - der regelmäßige Programmdienst nach dem Krieg

Gerade erst 1 1/2 Jahre vorher hatte das deutsche Fernsehen offiziell seinen regelmäßigen Programmdienst nach dem Kriege begonnen. Fernsehen war noch etwas ungewohnt. Neues und wurde von der Allgemeinheit kaum zur Kenntnis genommen.

Am 2. Juni 1953 - die Krönungsfeierlichkeiten

Das erste Fernsehereignis, das die Nation bewegte und das ahnen ließ, wie völkerverbindend das Fernsehen wirken kann, war die Übertragung der Krönungsfeierlichkeiten für die englische Königin Elizabeth II. aus London am 2. Juni 1953.

Da es damals in der Bundesrepublik nur rund 5.000 private Fernsehteilnehmer gab, hatten die Fachgeschäfte ihren großen Tag. Eine bessere Werbung für den schleppenden Absatz ihrer Geräte konnten sie sich nicht denken. Sie stellen Empfänger in die Schaufenster, vor denen sich die Zuschauer stauten, um Augenzeugen der Krönung der englischen Königin zu werden.

Das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft 1954

Den zweiten Schub, das Fernsehen in Deutschland populär zu machen, brachte die Übertragung des Endspiels der Fußballweltmeisterschaft 1954. Auch sie versammelte die Masse der Fernsehzuschauer vor den Schaufenstern der Fachgeschäfte, doch standen nun auch schon viele Fernsehgeräte in Kneipen und Gaststätten: Fernsehen als Gemeinschaftserlebnis, wie es heute leider nicht mehr existiert.

Der deutsche Sieg löste eine Welle der Begeisterung aus, von der auch das Fernsehen profitierte. Waren am Anfang des Jahres 1954 rund 11.650 Fernsehteilnehmer angemeldet, so stieg ihre Zahl bis zum Ende des Jahres auf 84.728. Der Fußball boomte das junge Fernsehen empor ! Fernsehen und Fußball sind eine gute Symbiose.
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Doch wie kam überhaupt der Fußball ins Fernsehen ?

Die erste Live-Übertragung eines Fußballspiels hängt unmittelbar mit den ersten elektronisch durchgeführten Sendungen des Fernsehens zusammen.

Sie erfolgten anläßlich der Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Im Olympiastadion fing die große, von Walter Bruch (Anmerkung : das stimmt nicht !) und Emil Mechau konstruierte nagelneue elektronische Ikonoskop-Kamera das Geschehen ein.

Das damalige 180-Zeilen-Bild war zwar, mit heutigen Maßstäben gemessen, kein gutes Bild, doch schmälerte das natürlich nicht die Sensation des völlig neuen Miterlebens.

Das erste Fußballspiel, das im Olympiastadion ausgetragen wurde, war die Vorschlußrunde Italien - Norwegen am Nachmittag des 10. August 1936. Es war somit das erste vom Fernsehen übertragene Fußballspiel.

Es folgten Spiele am 11. und 13, August sowie das Endspiel Italien - Österreich am 15. August 1936, bei dem Italien 2 : 1 siegte.

Es ist eine Schande !

Von den damaligen Ausscheidungsspielen, vielleicht sogar vom Endspiel, gibt es noch Aufnahmen des Fernsehens, hergestellt im sogenannten Zwischenfilmverfahren.

Sie lagern ungepflegt und unsortiert im Bundesarchiv, fernsehhistorisches Material, dem niemand Beachtung schenkt, schon gar nicht das Fernsehen selbst. Um es deutlich zu sagen: Es ist eine Schande !

Sogar eine Direktübertragung des Spiels am 15. November 1936

Es waren Pionierzeiten des Fernsehens, in denen man ausprobierte und experimentierte. Für den 15. November 1936 war am Abend im Berliner Fernsehsender Paul Nipkow ein 5-Minuten-Filmbericht über den Fußballkampf Deutschland - Italien vorgesehen, der am Nachmittag im Olympiastadion stattfand.

Kurzentschlossen aber wagte man sich an eine Direktübertragung des Spiels ! Die Kabelleitung zwischen Stadion und Sender bestand seit den Olympischen Spielen, und für das Fußballspiel konnten eine Ikonoskop-Kamera der Reichspost sowie der Reportagewagen mit dem Zwischenfilmverfahren eingesetzt werden.
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Das deutsche Zwischenfilmverfahren

Das Zwischenfilmverfahren ermöglichte die Sofortentwicklung eines gerade aufgenommenen Filmstreifens im Spezialfahrzeug und die anschließende elektronische Abtastung des Films.

Der Bearbeitungsprozeß dauerte ca. 60-90 Sekunden, die Übertragung war von hoher Qualität. Hingegen benötigten die ersten elektronischen Kameras sehr viel Licht.

Obwohl die Wetterverhältnisse an diesem 15. November 1936 günstig waren und die Herbstsonne schien, blieben viele Einzelheiten unscharf, und auch der Ball war nicht immer zu erkennen.

Man half sich über die Runden, indem immer wieder auf das Zwischenfilmverfahren umgeschaltet wurde. So kam es zu der eigenartigen Situation, daß die Zuschauer in den Fernsehstuben Berlins das zweite Tor für die deutsche Mannschaft akustisch durch den Sprecher und das jubelnde Publikum zur Kenntnis nehmen konnten, es optisch allerdings erst rund eine Minute später zu sehen bekamen.

Sport und Fußball - am 26. November 1939

Sport und Fußball blieben wesentliche Bestandteile des Fernsehprogramms. Prominente Sportler wurden im Studio interviewt, berichtet wurde über fast alle Sportarten.

Fußballübertragungen blieben im Programm, bis das Fernsehen Ende August 1944 im Rahmen des "Totalen Kriegs" alle Aktivitäten einstellen mußte.

Das erste vollelektronisch in der verbesserten Fernsehnorm von 441-Zeilen übertragene Fußballspiel fand am 26. November 1939 im Berliner Fernsehsender statt - der Fußball-Landerkämpf Deutschland - Italien, bei dem Deutschland 5:2 siegte.

Hierzu gibt es den Bericht eines Zeitungsreporters, der in der Großbildsteile des Fernsehens im Reichspostministerium die Übertragung verfolgte.

Er schildert, daß die Zuschauer im Saal genauso mitgerissen wurden, wie die 90.000 Menschen, die das Rund des Olympiastadions füllten.

"Der ganze Fernsehraum ist in Aufruhr. Begeistert ruft man selbst es mit: Tor, Tor Tor. (...) Es ist fast so, wenn auch das Bild hin und wieder noch verschwimmt, als ob man selbst am Rand des Rasens steht und den Kampf aus nächster Nähe verfolgt. (...) Das Licht im Saal geht an. Wir sind noch ganz benommen, müssen uns erst wieder in die Wirklichkeit zurückfinden. Wir sind ja gar nicht im Olympiastadion, wir sind in der Leipziger Straße. Vor der Tür fahren die Straßenbahnen vorbei, und das Olympiastadion ist wieder weit, weit entfernt."

1994 - die Fußballweltmeisterschaft am anderen Ende der Welt

1994 finden die Spiele der Fußballweltmeisterschaft für uns am anderen Ende der Welt statt. Die Fernsehtechnik hat sich seit damals kontinuierlich verbessert, die Satellitentechnik macht das unmittelbare Dabeisein an allen Ecken und Enden der Welt möglich.

Seit der Fußballweltmeisterschaft 1970 in Mexiko erscheinen die Spiele farbig auf unseren Bildschirmen. Die Zuschauer von heute aber empfinden genauso wie der Berichterstatter von 1939. Doch ihre Zahl hat sich verändert.

Waren es 1936 und 1939 ein paar Hundert in den Fernsehstuben Berlins und einer in in Potsdam, so belief sich die Schätzung der Zuschauer bei der letzten Fußballweltmeisterschaft 1990 auf Millionen in aller Welt. In diesem Jahr erhofft man sich noch wesentlich mehr, durch das Interesse, das in den USA am Fußballsport geweckt werden soll. Dann ist es 58 Jahre her, daß der Fußball ins Fernsehen rollte.

Historischer Bericht von Günter Bartosch anläßlich der Fußballweltmeisterschaft vom März 1994
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