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Günter Bartosch (1928 - 2013†) schrieb viel (sehr sehr viel) über und aus seine(r) Zeit beim ZDF in Eschborn und Mainz .....

Der ZDF Mitarbeiter Günter Bartosch war 30 Jahre beim ZDF - also von Anfang an dabei -, ebenso wie sein deutlich jüngerer Kollege Knapitsch. Angefangen hatte sie beide bereits vor 1963 in Eschborn, H. Knapitsch in der Technik, Günter Bartosch im Programmbereich Unterhaltung.

Und Günter Bartosch hatte neben seiner Arbeit und seinen Büchern so einiges aufgeschrieben, was er damals alles so erlebt hatte. In 2013 habe ich die ganzen Fernseh- und Arbeits-Unterlagen erhalten / geerbt und dazu die Erlaubnis, die die Allgemeinheit interessierenden Teile zu veröffentlichen.
Die Einstiegsseite zu den vielen Seiten beginnt hier.

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SCHWACHER "UR-KNALL" MIT SPÄTFOLGEN
10 Jahre Kabel-, Satelliten- und privatwirtschaftliches Fernsehen in Deutschland

von Günter Bartosch im Okt. 1993

Am 1. Januar 1984 begann in Deutschland ein neues Fernsehzeitalter. 30 Jahre lang war das deutsche Fernsehen nur von öffentlich-rechtlichen Anstalten hergestellt worden, von der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands (ARD) und dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF).

Nun erhielten zum ersten Mal private Veranstalter die Möglichkeit, Fernsehprogramme zu senden. Ein Vertreter der Privaten, ich glaube, es war PKS-Geschäftsführer Jürgen Doetz, sprach deswegen von einem "Ur-Knall".

Der "Knall" war mäßig !

Er beschränkte sich auf ein paar Sektkorken zur Feier einer kleinen Gesellschaft von Medien- und Pressevertretern in den Redaktionsräumen der Ludwigshafener Zeitung "Rheinpfalz", und das Ereignis war eher ein lokal begrenzter Akt, als daß es überregional besondere Aufmerksamkeit erzielt hätte.

Natürlich waren sich die interessierten Kreise des historischen Augenblicks bewußt, für den deutschen Fernsehzuschauer hingegen fand es unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt.

In den Annalen der Zeitgeschichte stellt sich das Ereignis von von damals schlicht so dar: "1. Januar 1984 - Das Kabelfernseh-Pilotprojekt Ludwigshafen startet den Sendebetrieb. Künftig können 1200 (!) Versuchsteilnehmer acht zusätzliche TV-Programme sowie vier weitere Hörfunkprogramme empfangen."

Was für ein bescheidenes Geschehen ! Und doch: Es war der "Ur-Knall". Wer damals daran noch Zweifel hatte, der weiß es heute, zehn Jahre danach, besser.

Als es am 1. Januar 1961 (noch) nicht erlaubt war.

Mit deutscher Schwerfälligkeit und Gründlichkeit war bis zum Jahresbeginn 1984 viel Zeit für diesen Augenblick vertan worden.

Bereits am 1. Januar 1961 sollte es ein privates Fernsehprogramm in der Bundesrepublik Deutschland geben. Die von Adenauer geführte Bundesregierung beabsichtigte, es unter Kontrolle einer Aufsichtsbehörde, der Deutschland-Fernseh-GmbH, als bundesweites zweites Programm einzuführen.

Veranstaltet werden sollte es von der privaten Gesellschaft "Freies Fernsehen", die sich für Produktions- und Sendezwecke ein Baracken-Camp in Eschborn bei Frankfurt am Main errichtet hatte - das spätere erste Sendezentrum des ZDF.

Der ideologisch geprägte Widerstand der SPD

Dieser frühe Versuch, in Deutschland privatwirtschaftliches Fernsehen einzuführen, scheiterte am Widerstand sozialdemokratisch geführter Bundesländer, die das Bundesverfassungsgericht anriefen.

Dieses entschied, Fernsehen sei Kultur (!), und Kultur sei Ländersache.

  • Anmerkung aus 2020 von Gert Redlich: Da wir in allen ARD/ZDF Programmen jetzt täglich 5 bis 10 Tatorte und sonstige Mord-und-Totschlag Sendungen vorgesetzt bekommen und das 7 Tage in der Woche und das 52 Wochen im Jahr, ist der Zweifel an dem Begriff - Fernsehen sei "Kultur" - absolut angebracht.


Für die Deutschland-Fernseh-GmbH und die Gesellschaft "Freies Fernsehen" bedeutete der Urteilsspruch das Aus, ebenso, wie für die Absicht, Fernsehen von privaten Veranstaltern betreiben zu lassen. Aus der folgenden Initiative der Bundesländer entstand das Zweite Deutsche Fernsehen in Mainz als öffentlich-rechtliche Anstalt.

Beharrlich blieb die SPD (damals) bei ihrer Ansicht, privates Fernsehen sei kapitalistisch und deshalb des Teufels. So verhinderte sie jegliches Bestreben in dieser Richtung, buchstäblich bis zum "Geht-nicht-mehr".
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Und dann war jeder Widestand zwecklos - es ging nicht mehr

Erst als die reale Gefahr drohte, private ausländische Konkurrenten könnten mit eigenen Fernsehsatelliten - von ganz oben aus dem neutralen Himmel - deutschsprachige Programme anbieten, ließ man sich mühselig zum Zugeständnis kleinster Schrittchen bewegen.
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Das Umdenken kam 1980 - notgedrungen

Die Bundespost hatte mit moderner Technik, verteilt über die Bundesrepublik, kleine Gebiete verkabelt, in denen schon mehrere tausend Fernsehteilnehmer erreicht werden konnten.

1980 ließen sich auch die Ministerpräsidenten der SPD-regierten Länder dazu erweichen, der Einrichtung von Kabelpilotprojekten zuzustimmen - aber nur als Versuch und nur für die Dauer von drei Jahren und nur in Verbindung mit einer wissenschaftlichen Begleituntersuchung !

Für diesen Langsamstart in die sich technisch und wirtschaftlich rasant verändernde neue Medienwelt wurden vier Kabelnetze geplant - in Ludwigshafen am Rhein, München, Dortmund und Berlin.

Mit Grollen nahm die SPD den Plan der rheinland-pfälzischen Landesregierung auf, in Ludwigshafen auch private Fernseh- und Hörfunkveranstalter zuzulassen.

Das ging der anti-kapitalistischen Einstellung so sehr gegen den Strich, daß sofort gekontert wurde, im SPD-regierten Nordrhein-Westfalen, also im Pilotprojekt Dortmund, hätten private Unternehmer keine Chancen, das Projekt werde vom WDR und nur mit öffentlich-rechtlichen Partnern durchgeführt.

Eine Trotzhaltung, die sich durch die Realitäten bald überlebte. (Heute hat das deutsche Fernsehprogramm von RTL seinen Sitz in Köln - Nordrhein-Westfalen !)

Auch das ZDF wollte ins Kabelnetz - mit einem Musikkanal

Aus einem gemeinsamen Start der vier Kabelpilotprojekte wurde nichts. Ludwigshafen blieb im wahrsten Sinne des Wortes "einsame Spitze", nur hier konnte der Zeitplan, am 1. Januar 1984 anzufangen, eingehalten werden.

Doch die Front der Fernsehveranstalter in der sich verändernden Medienlandschaft hatte sich schon formiert. Als erstes erhob das ZDF einen Anspruch, in den Kabelprojekten mit einem neuen Programm vertreten zu sein.

Diese Absicht deckte sich mit dem Wunsch der Bundespost, möglichst viel Neues im Kabel anbieten zu können, denn für die Post ging es darum, durch Gebühren die Investitionen auszugleichen und Einnahmen zu erzielen.

Das ZDF plante die Einrichtung eines "Musikkanals ", der täglich rund vier Stunden lang ein dem Archiv entnommenes Programm in allen Musiksparten zwischen Rock, Pop, Schlager, Volksmusik, Klassik, Oper und Operette ablaufen lassen sollte.

Zum 1. Juli 1983 wurde die Redaktion Kabelversuchsprojekte eingerichtet, die mit den Vorbereitungen begann.

Und auf einmal ging es richtig los ....

Unvorhergesehenerweise ergaben sich die größten Schwierigkeiten im Bereich der Rechteklärung für die Wiederholung von ZDF-Produktionen und per Lizenz erworbenen Sendungen in einem neuen Programm.

Es zeigte sich bald der Umfang: Rund 4.000 Produktionsteile mußten jährlich für den "Musikkanal" in teilweise schwieriger Form geklärt werden.

Für die ARD meldete der für Rheinland-Pfalz zuständige Südwestfunk in Ludwigshafen einen Bildungskanal an ("Bildungsprogramm im weitesten Sinne") unter dem Titel "Der schlaue Kanal".

Ferner sah die Bundespost die Einspeisung des englischen Satelliten-Programms "Sky Channel" als "Satellite TV" vor sowie der französischen Programme "France 3", "Antenne 2" Und "Television francaise", die in Ludwigshafen zwar terrestrisch empfangbar waren, jedoch nur mit hohem technischen Aufwand.

Dazu gesellten sich im Kabel die ohnehin ortsüblichen Programme ARD, ZDF, Hessen 3, SWF 3 und Bayern 3, ferner wurden zwei Sonderkanäle eingerichtet, der sogenannte "Offene Kanal" nach dem Motto "Jeder kann mitmachen" und ein "Bürgerservicekanal".

Und es gab beachtenswerte "Neue"

Beachtenswert waren naturgemäß die fundierten Neuen ! Neben dem "ZDF-Musikkanal" und dem "Schlauen Kanal" des SWF gehörten dazu die privaten Veranstalter.

Als Neugründung trat die Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk (PKS) mit Sitz in Frankfurt auf den Plan, ins Leben gerufen vom Münchener Filmhändler Dr. Leo Kirch in Verbindung mit dem Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband.

Geschäftsführer wurde Jürgen Doetz, der aus der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei von Ministerpräsident Bernhard Vogel kam und - so der Journalist Henno Lohmeyer - von ZDF-Programmdirektor Alois Schardt für diese Aufgabe empfohlen worden war.

Den aktuellen Dienst der PKS übernahm die Frankfurter Allgemeine Zeitung, für die Kindersendungen engagierte sich der Otto Maier Verlag, Ravensburg, Eine weitere private Gründung war die Erste Private Fernsehgesellschaft (EPF), eine Verbindung der Ludwigshafener Zeitung "Rheinpfalz" mit dem Landessportbund Rheinland-Pfalz.

Während die Kirch-Initiative PKS sich naturgemäß als sehr potent und vom Spielfilmangebot her programmstark erwies, konnten die Blütenträume der EPF nicht reifen.

Als machbar erwies sich nur ein tägliches rund einstündiges lokales und regionales Programm, was natürlich als Angebot für die neuen Kabelkunden zuwenig war.

Und wieder kam das ZDF zu Hilfe

Mit dem richtigen Gespür für die Zukunftsentwicklung sprang ZDF-Intendant Prof. Dieter Stolte in die Bresche. Am 27, Juli 1983 wurde ein Kooperationsvertrag zwischen EPF und ZDF abgeschlossen, der vorsah, einen Kanal gemeinsam zu betreiben.

Hierzu schuf die Mainzer Anstalt das Programm ZDF-2. Dabei handelte es sich um zeitversetzte Ausstrahlung von Sendungen des ZDF-Hauptprogramms, also ein Angebot in veränderter Reihenfolge und in anderer Mischung, teilweise in Schwerpunkten zusammengefaßt.

Eine neue Sendezentrale in Ludwigshafen und die AKK

Für das Kabelpilotprojekt mußte in Ludwigshafen eine neue Sendezentrale eingerichtet werden, und ein neues Kontrollorgan war zu schaffen.

Bei diesem handelte es sich um die Anstalt für Kabel-Kommunikation (AKK) mit 40 Mitgliedern, zusammengesetzt aus den einschlägig bekannten "gesellschaftlich relevanten Gruppen".

Für die Sendezentrale mit einem Studio, Bearbeitungs-, Sende- und Redaktionsräumen wurde das frühere Rotationsgebäude der Zeitung "Rheinpfalz" umgebaut; eine erste Probesendung veranstaltete man dort am 20. Oktober 1983, der Anschluß ans Kabelnetz erfolgte einen Monat später.

Zum Fernmeldeturm Mannheim wurde eine neue Glasfaserstrecke zur Übertragung der AKK-Kanäle gelegt.

Am 1. Januar 1984 startete das neue Medienzeitalter

Das neue Medienzeitalter am 1. Januar 1984 begann um 10 Uhr mit einem Privat-Programm dreier junger Männer aus Ludwigshafen, die unter dem Titel "Rückblick auf 1984" eine fiktive Dokumentation zum gerade beginnenden "Orwell-Jahr" ablieferten.

Um 10 .30 Uhr ging die PKS auf Sendung, um 16.15 Uhr der "ZDF-Musik- kanal" (nach kurzer Ansprache des Intendanten bezeichnenderweise mit der Sendung "So schön wie heute, so müßte es bleiben"), um 17 Uhr der "Schlaue Kanal" von SWF und um 18 Uhr die EPF, die um 18.50 Uhr von ZDF 2 abgelöst wurde, wobei allerdings die 19 Uhr-heute-Sendung als fester Bestandteil enthalten war.

Das also war der matte "Ur-Knall" ........

.... wobei festzuhalten ist, daß das ZDF mitten dabei war. Einen wirksameren Knalleffekt allerdings brachte der nächste Tag, der 2. Januar 1984 !

Was scheren uns die politischen Eiertänze der SPD

Die cleveren Luxemburger scherten sich nicht um das deutsche Rundfunkrecht und die politischen Eiertänze, zu denen die Haltung der SPD zwang - sie starteten ein eigenes privates deutsches Fernsehprogramm (täglich mindestens fünf Stunden am Abend) und strahlten es terrestrisch in die Bundesrepublik ein.

RTL-PLUS erreichte im Saarland, in der Westpfalz und in Teilen von Nordrhein-Westfalen auf Anhieb wesentlich mehr deutsche Zuschauer als die AKK in Ludwigshafen, die sich anfänglich mit geschätzten 1.200 Kabelteilnehmern begnügen mußte.

Bei RTL-PLUS engagierte sich neben der "Saarbrücker Zeitung" und der "Rhein-Zeitung" der Medienkonzern Bertelsmann, der bei PKS nicht zum Zuge gekommen war.

Die "Rhein-Zeitung" konnte für ein regionales Fensterprogramm eineinhalbjährige Erfahrung mit einem eigenen Stadtfernsehen in Koblenz einbringen - derartiges hatte es also schon gegeben !

Ein Name stach heraus - Dr. Helmut Thoma von RTL

Damals übrigens begann der aus Wien stammende Dr. Helmut Thoma, der schon seit 1982 zu RTL gehörte, nicht nur seine dortige Fernsehkarriere als Programmdirektor, sondern auch als Sprücheklopfer.

Er empfahl das RTL-PLUS-Programm als "erfrischend anders" - die Zeitungskritik vermerkte dazu: "Vom RTL-Anspruch 'erfrischend anders' können nur Optimisten reden, denn gut war das Programm nicht."

  • Anmerkung : Man liest aus den Sätzen, Günter Bartosch hielt nicht viel von ihm. Seine Mitarbeiter sehen das aber völlig anders. Er war in 25 Jahren der sympatischste Chef, den sie je hatten, sagte mir im Frühjahr 2020 ein alter RTL Mann aus der oberen Hirarchie von RTL.

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1983 - der erste europäische Fernsehsatellit ECS 1 brachte Streit

Stürmisch verlief die Entwicklung weiter. Tatsächlich stand der "Ur-Knall" auch im Zusammenhang mit dem Weltall. Im Orbit, auf einer geostationären Umlaufbahn, schwebte seit Juni 1983 der erste europäische Fernsehsatellit ECS 1 (European Oommunication Satellite). Auf ihm waren für Deutschland zwei Übertragungskanäle vorgesehen.

Nun entfachte sich der Streit um die Belegung dieser beiden Kanäle. Wieder sträubte sich die SPD gegen eine private Nutzung. Doch der Medienexperte der SPD, Bundesgeschäftsführer Peter Glotz, riet den Genossen zur Aufgabe der TV-Blockade gegen private Veranstalter.

Die SPD tat sich schwer mit dem Schritt rückwärts

Er hatte Erfolg mit seiner Mahnung; am 23. Februar 1984 beschlossen die Ministerpräsidenten der elf Bundesländer in Bonn, daß es künftig neben dem bisherigen System auch private Veranstalter geben könne. Das öffentlich- rechtliche Bildschirm-Monopol war zuende.

Der sogenannte "Westbeam" des ECS1

Daraufhin erhielt am 28. März, wenige Tage vor Beginn des Kabelpilotprojekts in München, das "ECS-Konsortium", eine Kooperation von insgesamt 21 privaten Fernsehanbietern mit einer Gruppe von Zeitungsverlegern, von der AKK in Ludwigshafen die Genehmigung zur Nutzung des sogenannten "Westbeams" des Satelliten ECS 1.

Der sogenannte "Ostbeam" des ECS1

Auf diesen Satellitenkanal wurde das PKS-Programm übernommen. Der für den Empfang in Deutschland schlechter geeignete "Ostbeam" wurde dem ZDF zugesprochen, das den Kanal für die Verbreitung des Programms ZDF 2 nutzte.

Die Abstrahlungen von ECS 1 konnten nur mit Großanlagen der Bundespost eingefangen werden und fanden, wie schon seit 1.1.84 in Ludwigshafen mit "Sky Channel" praktiziert, ausschließlich für die Verteilung in bestehende Kabelnetze Verwendung.

Das Satellitenfernsehen in Deutschland begann am 1. April 1984

Dennoch: Das Satellitenfernsehen in Deutschland begann am 1. April 1984 im Zusammenhang mit dem Start des Kabelpilotprojekts im Münchener Osten (mit anfänglich 500 Teilnehmern !) - und das ZDF war dabei ! Der "Ur-Knall", so schwach er auch war, hatte einiges bewirkt.
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Als auch die Bundespost plötzlich aufgewacht ist

Nun entdeckte die Bundespost plötzlich auch regional verfügbare freie terrestrische Frequenzen, deren Vorhandensein die Beamten bisher immer geleugnet hatten.

Stadtsender entstanden in vielen Orten und wurden über Satellit und über Kabel mit Programm beschickt. Und die Anbieter formierten sich neu, aus Provisorien wurden fundierte Unternehmungen.

"3SAT -Satellitenfernsehen des deutschen Sprachraums"

Den Anfang machte wieder das ZDF. In seiner Sitzung vom 25. Mai 1984 billigte der Fernsehrat eine Vorlage von Intendant Stolte über die Einrichtung eines deutschsprachigen Gemeinschaftsprogramms von ZDF, ORF (Österreich) und SRG (Schweiz).

Es erhielt den Namen "3SAT -Satellitenfernsehen des deutschen Sprachraums". Am 30. November 1984 endete das Programm ZDF 2 und wurde ab 1. Dezember von 3SAT abgelöst.

Das also war die Geburtsstunde eines Programms, dem sich nun auch die ARD anschließt, die am 30. November 1993 ihr Satellitenprogramm 1 PLUS, das sie am 29. März 1986 "begonnen hatte, einstellt und sich von da an am 3SAT-Programm beteiligt.
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Und es gab die Neugründung SAT 1

Im Verlauf des Jahres 1984 war auch aus der PKS und dem ECS-Konsortium die Neugründung SAT 1 geworden, die mit Beginn des Jahres 1985 das PKS-Programm ablöste.
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Das neue Medienzeitalter hatte sich flutartig ausgedehnt

Erst am 1 . März 1985 startete das Kabelpilotprojekt in Dortmund, Die SPD-Regierung dort, noch immer trotzig, ließ private Veranstalter nicht zu. Doch deren Ausbreitung war nicht mehr aufzuhalten.

Inzwischen hatte auch RTL-PLUS terrestrische Stadtfrequenzen belegen können und war über Satelliten in Kabelnetze eingestiegen. Als das letzte der ursprünglich geplanten vier Kabelpilotprojekte in Berlin anläßlich der Funkausstellung am 28. August 1985 in Betrieb genommen wurde, waren private Veranstalter ungehindert dabei.

Von der einstmals vorgesehenen Begrenzung der Kabelversuche auf drei Jahre sprach inzwischen niemand mehr. Das viel zu lange verhinderte neue Medienzeitalter hatte sich flutartig ausgedehnt und wäre niemals rückholbar gewesen.

Der Satellit ASTRA konnte 16 Programme abstrahlen

RTL-PLUS und SAT 1 etablierten sich, weitere private Programme kamen hinzu, wie PRO 7 und TELE 5, der Satellit ASTRA sorgte für Heimempfang von zunächst 16 Programmen via Satellitenschüssel und steigerte sich enorm, als nach der deutschen Wiedervereinigung die neuen Bundesbürger auf Satellitenempfang setzten, um am inzwischen größer gewordenen Programmangebot teilhaben zu können.

Eigentlich wäre nach Jahrzehnten politischer Reglementierung nun die elektronische Medienwelt in Ordnung gewesen, wenn, ja wenn nicht die Notwendigkeit gewesen wäre, sich aus Werbeeinnahmen zu finanzieren.

Als die Werbeeinnahmen plötzlich umgelenkt wurden

Die privaten Sender waren zu 100% auf diese Gelder angewiesen, das ZDP muß immerhin nach den Bestimmungen seines Staatsvertrags einen großen Teil seiner Ausgaben durch Einnahmen aus Werbesendungen decken und Überschüsse sogar noch für kulturelle Zwecke an die Bundesländer abführen.

Auch die ARD ist auf Werbeeinnahmen angewiesen. Was jahrelang wie von selbst sprudelte, ist plötzlich am versiegen. Plötzlich ? Es war vorhersehbar, man hatte zehn Jahre Zeit, sich darauf einzustellen.

Der "Werbekuchen" hat sich neu aufgeteilt, glücklich sein damit können auch die Privaten nicht. Einigen gelang der Weg aus den roten Zahlen, doch die Strecke zu den erhofften großen Gewinnen ist noch lang und steinig.

Als die Werbung nervtötend überhand nahm .....

Allgemein ist eine Stagnation eingetreten. Parallel zur Politikverdrossenheit ist eine Fernsehverdrossenheit der Zuschauer aufgekommen.

Die Hauptursache: Nervtötende und Spielhandlungen unterbrechende Werbung !

Dr. Thoma jagt inzwischen - wenigstens rhetorisch - nach dem Phantom des Fernsehens. Das sind Zuschauer im Alter zwischen 25 und 50 Jahren, die - angeblich - für Fernsehwerbung besonders empfänglich seien.

Ist das nicht die Flucht nach vorn, ist das nicht der ebenso sinnlose wie verzweifelte Versuch, der Stagnation zu entrinnen ?

Thoma, der sonst gern mit hohen Einschaltquoten für das RTL-Programm renommiert, will auf den größeren Anteil der Zuschauer über 50 Jahre verzichten ?

Die Angst im Nacken ....

Nein, die Angst um die künftigen Werbeeinnahmen sitzt ihm genauso im Nacken wie allen anderen Fernsehveranstaltern, einschließlich ARD und ZDF !

Thoma sucht wenigstens nach einem Rezept - wenn's auch nicht hilft -, wir (gemeint ist das ZDF) jedenfalls haben erst gar keines !

Der vor zehn Jahren erfolgte, von den meisten kaum wahrgenommene "Ur-Knall" hat seine Spätfolgen. Erbarmt sich der Herr der Schöpfung, für das Fernsehen in Deutschland das Licht von der Finsternis zu scheiden ?

von Günter Bartosch am 18. Okt. 1993
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