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Günter Bartosch (1928 - 2013†) schrieb viel (sehr sehr viel) über und aus seine(r) Zeit beim ZDF in Eschborn und Mainz .....

Der ZDF Mitarbeiter Günter Bartosch war 30 Jahre beim ZDF - also von Anfang an dabei -, ebenso wie sein deutlich jüngerer Kollege Knapitsch. Angefangen hatte sie beide bereits vor 1963 in Eschborn, H. Knapitsch in der Technik, Günter Bartosch im Programmbereich Unterhaltung.

Und Günter Bartosch hatte neben seiner Arbeit und seinen Büchern so einiges aufgeschrieben, was er damals alles so erlebt hatte. In 2013 habe ich die ganzen Fernseh- und Arbeits-Unterlagen erhalten / geerbt und dazu die Erlaubnis, die die Allgemeinheit interessierenden Teile zu veröffentlichen.
Die Einstiegsseite zu den vielen Seiten beginnt hier.

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Erinnerungen : DIE MAINZELMANNCHEN IN HOLLYWOOD

von Günter Bartosch am 9. März 1999

Als ich 1962 zum ZDF in die Hauptabteilung Unterhaltung kam, übernahm ich die Leitimg der Abteilung "Öffentliche (Fremd-) Veranstaltungen". Solch ein Unikum gab es mal.

Es bedeutete, daß in meinem Ressort öffentliche Veranstaltungen mit Auftragsproduzenten durchgeführt werden sollten. Dadurch kam ich wieder zusammen mit dem agilen Schweizer Produzenten Werner Schmid, mit dem ich im RIAS-Berlin schon Musiktitel im Schweizer Folklore-Stil aufgenommen hatte.
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Der Schweizer Werner Schmid

Werner Schmid, sein Bruder Jo und seine Schwester Claire waren nach dem Kriege kreuz und quer durch Amerika getingelt und hatten als singendes und jodelndes Trio "Geschwister Schmid" den Amerikanern so etwas wie Alpen-Hillbilly vermittelt.

Aus diesen Zeiten besaß Werner Schmid gute Kontakte zu Künstlern und Produzenten des amerikanischen Show-Business. Er war es, der dem ZDF anbot, uns fürs Programm Disney-Sendungen zu vermitteln.

Ich war begeistert von diesem Vorschlag und hatte keine Mühe, meinen Chef Otto Meißner von der Bedeutung dieses Angebots zu überzeugen.

Aber wir waren in Mainz, und in den Leitungsebnen des Hauses schien es Bedenken zu geben; vielleicht hielt man - klassikerbewußt -, wie das damals nicht selten vorkam, Walt Disneys Zeichentrickfiguren für typisch amerikanische Subkultur. Jedenfalls verzögerte sich die Zustimmung zu diesem Vorhaben.

Da erwies sich Werner Schmid als tatkräftiger Produzent. Er preschte vor, wartete nicht ab, bis das letzte Okay und bis das Geld kam, sondern finanzierte vor und arrangierte einen Drehtermin für die erste Sendung der ins Auge gefaßten Sendereihe bei Walt Disney in dessen Studios.

Klar, daß er einen Repräsentanten des ZDF dabei vor Ort haben wollte, um Disney die Solidität seiner Kontakte in Deutschland zu dokumentieren.
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Der amerikanische Zoll und die Mainzelmännchen

Der amerikanische Zoll war seinerzeit - 1964 - etwa so wie der Zoll oder die Vops der DDR. Ein unwirscher Zöllner durchwühlte mein Gepäck nach der Ankunft in New York und förderte den Karton mit den "Mainzelmännchen" zutage.

"What's this ?" wollte er wissen. Ich sagte: "Puppets for Walt Disney." Bevor ihm die Kinnlade herunterklappen konnte, schaltete sich schnell Werner Schmid, der Amerikaerfahrene, ein und erklärte: "We are on the way to Hollywood to have an interview with Mr. Disney for •••", und nun sagte Werner etwas, das mich verwunderte.

Er sagte nicht "... for Second German Television", was den Zöllner sicherlich wieder stutzig gemacht hätte, denn was ist ein zweites deutsches Fernsehen, er sagte: "... for German Television Chanel 2".

Das verstand der Amerikaner, seine Skepsis über die merkwürdigen Püppchen wich, und die Mainzelmännchen durften nach Amerika einreisen.

Die Disney-Studios in Hollwood in Burbank/Kalifornien

Ich hatte dann in den Disney-Studios in Hollwood (genauer in Burbank/Kalifornien) Gelegenheit, sie dem verehrten Meister des Zeichentrickfilms persönlich zu überreichen, und Disney ließ sich die Bedeutung der Mainzelmännchen eingehend erklären.

Die Geschichte interessierte ihn sehr, stand sie doch in einer gewissen Beziehung zu seinen eigenen Schöpfungen.

Es ist auch ein Foto gemacht worden von der Übergabe der Mainzelmännchen an Walt Disney. Ich habe es leider nie bekommen.

Auch eine von mir erbetene Suchaktion von inzwischen befreundeten amerikanischen Kollegen in den Disney-Studios förderte es nicht zutage. Das möglicherweise kulturhistorisch bedeutende Fotodokument "Walt Disney empfängt die Mainzelmännchen" ist verschollen. Schluz.

von Günter Bartosch am 9. März 1999
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Ein Brief an die Walt Disney Company

Herrn Hubay-Cebaian Kölner Str. 10 65760 Eschborn

Sehr geehrter Herr Hubay-Cebaian,
unser Mitarbeiter Günter Bartosch hat mehr als zehn Jahre lang Walt-Disney-Sendungen für das ZDF betreut. Über den Beginn der Zusammenarbeit und seine persönliche Begegnung mit Walt Disney im Jahre 1965 schreibt er nun einen Erinnerungsartikel für unsere Zeitschrift "ZDF-Kontakt", die lediglich ein kostenloses, internes Informationsblatt für die ZDF-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter ist.

Wir würden gern diesen Artikel mit einem Foto von Walt Disney und einer Micky Maus-Zeichnung (Micky zieht grüßend einen Zylinderhut) schmücken und bitten hiermit höflichst um Ihre Genehmigung für den Abdruck.

Die Vorlagen sind vorhanden.
Bitte übermitteln Sie uns Ihre Nachricht per Fax. Wir hoffen sehr auf Ihre Zustimmung. Herr Bartosch übernimmt es, Ihnen ein Belegexemplar zukommen zu lassen.

Vielen Dank
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