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Zum Tod von Hans-Joachim Rödel - Ein Nachruf von G. Bartosch

Februar 2009

Lieber Achim !

Wir kannten uns seit 1949, aber erst aus der Nachricht Deiner Frau, dass Du verstorben bist, erfuhr ich, dass Dein voller Vorname Hans-Joachim war. Auch im Kreis der ZDF-Kollegen warst Du immer nur „der Achim“.

Deine Frau kannte ich noch länger. Wir besuchten dieselbe Schule und standen dann gemeinsam als junge Schauspieler auf der Bühne eines Jugendtheaters im Berliner Bezirk Wedding. Auch Du warst Theatermann. Du hattest die Geschäftsführung des kleinen, feinen Theaters im British Center am Kurfürstendamm, wo viele später sehr bekannte Schauspieler gleich nach dem Krieg ihre Laufbahn begannen. Als Du Christin heiratetest, war das eine richtige Theaterehe. Beide wart ihr als typische Berliner in Sprechrollen beim RIAS-Berlin und beim SFB beschäftigt.

Als ich beim ZDF eintrat, verwies ich Hauptabteilungsleiter Karlheinz Bieber auf Deine Kenntnisse in Sachen Theater als Schauspieler und als Organisator. Leider klappte es damals nicht mit einer Festanstellung, aber Du konntest freiberuflich für das ZDF tätig sein. Eines Tages aber warst Du dann doch ein festangestellter Kollege von mir in der Abteilung Unterhaltung und Produzent zahlreicher Sendungen. Mit Deiner Frau Christin bezogst Du ein kleines Haus in Wackernheim.

Lange vor der Erfolgsserie „Unser Charly“ hattest Du entdeckt, dass Affen in Fernseh-Unterhaltungssendungen begeisternde Darsteller sein können. Nach vielen Einzelproduktionen übernahmst Du dann 1970 eine neue Sendereihe „3 mal 9“ mit Wim Thoelke zugunsten der „Aktion Sorgenkind“. Die letzte Sendung dieser Reihe am 27. Juni 1974 war - so ist in einem Fachbuch vermerkt - „die meistgesehene ZDF-Sendung aller Zeiten“ mit einer Einschaltquote von
87 % und einem Spendenerlös von 25 Millionen Mark für die „Aktion Sorgenkind“.

Es folgte im Anschluss die Serie „Der Große Preis“. Für die Vorbereitung jeder einzelnen Sendung verbrachtest Du Tage - manchmal auch Nächte - mit den Autoren Rolf Merz und Gerhard Hagen in deren Wiesbadener Domizil. Was zum Schornstein herausqualmte, kam aus euren Köpfen bei dem Bemühen, unzählige Quizfragen und Beiträge für diese Sendereihen auszuarbeiten, die für viele, viele Jahre erfolgreicher Bestandteil des ZDF-Programms waren.

Sie machten Wim Thoelke zu einem der großen Sympathieträger des deutschen Fernsehens.  Berühmt wurden dabei auch Loriots Figuren Wum und Wendelin.

Alle Drehbücher der Reihe „Der Große Preis“, die Deinen Stempel trugen, befinden sich noch im Archiv unseres geplanten Fernsehmuseums in Wiesbaden. In den letzten Jahren zog es Dich zur Familie Deiner Frau nach Bayern. Von dort hast Du die Welt verlassen.

Als alter Freund wünsche ich Dir Gottes Segen und weiß mich darin einig mit den vielen Kolleginnen und Kollegen, die jahrzehntelang gut und angenehm mit Dir zusammengearbeitet haben.

Günter Bartosch  
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