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Ein Gastbeitrag von Friedrich Küppersbusch im Juni 2017

Dieser Gastbeitrag wurde im Juni 2017 im Wiesbadener Kurier abgedruckt.

Der Titel : „Das dürfen Sie alles senden"

GASTBEITRAG - Die Medienlandschaft in Deutschland folgt dem Prinzip des Föderalismus.
(Unser Gastautor Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Autor und TV-Produzent. Bekannt wurde er als Moderator der Politsendung ZAK. Er ist im Beirat des Grimme-Instituts.)

Da gibt es aber etwas zu korrigieren bzw. zu ergänzen.

Eine Stimme Mehrheit ?? (So stimmt das nicht.)

Eine Stimme Mehrheit entschied vor 55 Jahren, dass wir nie „Düsselmännchen" zu sehen bekamen: Weil Landesvater Peter Altmeier jahrelang um ein zweites deutsches Fernsehen gerungen hatte, gönnte man seinem Bundesland schließlich den Zuschlag. Seither wird das ZDF groß geschrieben, vorneweg in Mainz. Düsseldorf ging leer aus.
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  • Anmerkung : Nach gleichlautenden Aussagen von ZDF Veteranen, die von Anfang an (ab 1958) bei der FFG und beim DFG "Deutschland Fernsehen" dabei waren, wurde in der besagten Konferenz am 23.3.1961 erörtert, welches Bundesland noch keine eigene Sendeanstalt hatte und das war Rheinland Pfalz. Und dort wurde entschieden, daß Mainz der ZDF Standort werden sollte.

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Hier beginnt ein Bißchen Glosse

Viel Äther für eine Stadt, die nach Einwohnerzahl die Liga mit pulsierenden Metropolen wie Halle oder Oberhausen teilt.

Föderalismus eben: viele kommen zu Wort. Regionen und Traditionen, Milieus und Kulturen - der Vorwurf „Provinz" hätte Mainz beinahe das attraktive ZDF gekostet. Doch schließlich wollte man aus Vergangenem lernen und nie wieder national gleichgeschalteten Funk.

Drei, die angeblich die Meinungsführerschaft beanspruchen

Um Quoten und Meinungsführerschaft rangeln heute mit den Mainzern die Nachrichten von „RTL aktuell" in Köln, Tagesschau und Tagesthemen aus Hamburg. Sogar das possierliche Spreedorf Berlin beherbergt eine Nachrichtenredaktion; die spärlichen Satl-Nachrichten liefert die Konzerntochter N24 aus Berlin zu.

Die BBC als Vorbild für wertneutrale Berichterstattung . . .

Überschrift : Nachrichten, über die Familien noch am Morgen reden.

Ist das gut? Unsere Nachbarn erwarten und bekommen Hauptstadtnachrichten aus London, Paris, Wien oder Stockholm. Noch stets wird der kompetente, faire und zugleich harte Stil der BBC als Vorbild angesehen. In Österreich brach just eine ganze Bundesregierung zusammen über eine launige Moderation des unerschrockenen News-Anchors Armin Wolf. Und wenn in Deutschland eine Nachrichtensendung „breakfast value" erzeugt - wenn also die Familien noch am nächsten Morgen drüber reden - dann sind es selten Einspielfilme oder lässige Übergaben zum Wetter, sondern Interviews.
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Die Talkschows nur noch als Unterhaltungsschows ??

Hier ist Küppersbusch mit dem Talk-Wanderzirkus voll dabei :

Marietta Slomka vereist fragend Sigmar Gabriel, Caren Miosga bringt Wolfgang Schäuble zum Lachen, Horst Seehofer gewährt Klaus Kleber generös: „Das dürfen Sie alles senden."

Die direkte Konfrontation, das „one on one" als Königsdisziplin des politischen Journalismus gedeiht in Deutschland als seltsam verborgene Blüte.

Die brav föderal übers Land gestreuten Sender behelfen sich mit Schalten und Ü-Wagen. Ganze Talkshows führen geheimnisvolle Doppelleben - die Heimatdeko steht am Senderstandort. Doch wenn's ernst wird und Gäste fehlen, fliegt der Tross nach Berlin und produziert die Sause in einer nachgebauten Studiodekoration. Das kostet Geld und bringt doch, den Gesetzen des Stuhlkreises gehorchend, selten längere Gedankengänge zu den Zuschauern.
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Wenn Streitgespäche bereits vordergründig unecht sind

Für manche beweist der Talk-Wanderzirkus eher schon die These vom journalistisch-parteipolitischen Komplex.

„Die tun so strittig und gehen hinterher zusammen ein Bierchen trinken." Gehässiger: „Systemmedien."

Das hätte dem Erfinder des ZDF gefallen. Bundeskanzler Konrad Adenauer nannte den Rundfunk „ein politisches Führungsmittel" und hatte genau deswegen die Pläne für das spätere ZDF vorangetrieben.

Dieses komische Gebilde, ein totales Instrument des Kanzlers

Als schließlich das Bundesverfassungsgericht sein „Adenauer-Fernsehen" abgrätschte, kommentierte der spätere Bundespräsident Gustav Heinemann: „...dieses komische Gebilde, ein totales Instrument in der Hand des Kanzlers, das ist in der Sicht des Karlsruher Gerichtes ein 'Staatsfunk', schlimmer als wir ihn im Dritten Reich hatten."

Inzwischen haben wir den 'Staatsfunk'

Wutbürger Heinemann könnte mit diesem Zitat heute bei Xavier Naidoos Freunden reüssieren. Sie übersähen gern, dass die Geschichte den anderen Weg wagte. Und heute mehr denn je wagen muss. Internet-basierten Sendern ist ein altertümlicher Standort herzlich egal, sei es auch Mainz. Föderalismus bedeutet: München sieht die Sache anders als Hamburg, was Köln nervt mag Berlin begeistern. Föderalismus bedeutet jedoch auch, dass die direkte und auch harte Konfrontation zwischen Journalismus und Politik zu selten ausgetragen wird.

Kommentar zu obigen Zitaten des Gastbeitrags:

Friedrich Küppersbusch merkt leider nicht an, daß sich ein großer Teil der jungen Bevölkerung ihre Informationen nicht mehr aus dem "Staatsfunk" holt. Nur noch die Alten sitzen den ganzen Tag vor dem Fernseher und saugen sich alles rein, das das gesendet wird.

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