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Achtung: Artikel und Texte aus NS/Hitler-Deutschland 1933-45

Nach der Gleichschaltung der reichsdeutschen Medien direkt nach der Machtübernahme in Februar/März 1933 sind alle Artikel und Texte mit besonderer Aufmerksamkeit zu betrachten. Der anfänglich noch gemäßigte politisch neutrale „Ton" in den technischen Publikationen veränderte sich fließend. Im März 1943 ging Stalingrad verloren und von da an las man zwischen den Zeilen mehr und mehr die Wahrheit über das Ende des 3. Reiches - aber verklausuliert.

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20 Jahre Zeitschrift „Kinotechnik"

aus KINOTECHNIK Heft 10 / Okt. Berlin 1938 - von Leopold Kutzleb
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Im September 1919 wurde der Öffentlichkeit das 1. Heft der neu gegründeten Zeitschrift „Die Kinotechnik" übergeben.

Unter der Überschrift „Was wir wollen" war ihm ein von den Herausgebern Guido Seeber und Willi Böcker, sowie der Schriftleitung unterzeichnetes Geleitwort vorangestellt, in dem auf die merkwürdige Tatsache hingewiesen wurde, daß trotz der gewaltigen Ausdehnung, welche die Kinematographie in der verhältnismäßig kurzen Zeit ihres Bestehens bereits genommen hatte, in Deutschland noch keine Zeitschrift bestand, die es sich zur Aufgabe stellte, alle die unendlich vielen Erfahrungsergebnisse, die Gedanken, Verbesserungsvorschläge, Mitteilungen, Anregungen und Fragen zu sammeln, die sich aus der täglichen berufsmäßigen Beschäftigung mit der Filmherstellung ergeben, in der der Kinofachmann durch Vertreter der reinen Wissenschaft über die grundlegenden theoretischen Fragen seines Berufs unterrichtet wird, durch seine Berufsgenossen Näheres über die Resultate ihrer Arbeiten erfährt und zu ihnen über seine eigenen praktischen Erfahrungen sprechen kann.
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  • Anmerkung : Das war wirklich ein einziger Satz !!!!

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Diesem Mangel abzuhelfen, war die Aufgabe, welche die Gründer der neuen Zeitschrift sich gestellt hatten und für deren Durchführung wir ihnen heute zu danken haben. Da die Schriftleitung es verstand, durch Behandlung aktueller Fragen den Inhalt der Zeitschrift interessant zu gestalten und sich hierzu Mitarbeiter von Geltung und Ruf gesichert hatte, fand die „Kinotechnik" schnell Eingang in den Kreis derer, für die sie bestimmt war, nämlich aller Praktiker und Wissenschaftler, die an der Technik des Films einschließlich der zahlreichen Grenzgebiete interessiert sind.

„Die Kinotechnik" wurde in einer glücklichen Stunde geboren

Nicht zu Unrecht schrieb der damalige Schriftleiter einige Monate später: „Die Kinotechnik" wurde in einer glücklichen Stunde geboren: ihre Zeit war gekommen, der Boden für sie war bereitet.

Der Stand der deutschen Kinoingenieure war in seinen Leistungen und in seiner geistigen Reife weit hinausgewachsen über den Durchschnitt des technischen Mittelmaßes.

Es fehlte ihm fraglos an einem geistigen Zentralorgan, an einem Kristallisationspunkt, an einem Zusammenhalt. Nicht um Führer zu werden im Staate der deutschen Kinoingenieure, sondern um ihnen als Wortführer zu dienen, wurde diese Zeitschrift gegründet.

Und eine Reihe der bedeutendsten Männer unter unseren Filmtechnikern bedienten sich von Anbeginn an der neuen Zeitschrift in diesem Sinne. Es knüpften sich bald enge Bande persönlichen Verständnisses zwischen Mitarbeitern und Herausgebern.

Das gleiche Streben zeigte sich schnell überall: Zusammenschluß, unmittelbaren Gedankenaustausch, Einigung über die wichtigsten Fragen des Berufs."
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Jetzt kommt eine Menge "Schmus" !!!

Diese Ausführungen erschienen in dem Zeitpunkte, als das erwähnte Streben nach Zusammenschluß durch die Gründung der Deutschen Kinotechnischen Gesellschaft soeben seine Verwirklichung gefunden hatte; sie lassen das Streben der Schriftleitung durchblicken, ihrer Zeitschrift auch einen Anteil am Verdienst dieser Gründung zu sichern.

Dieser Anspruch soll ihr nicht Streitig gemacht werden; denn es kann wohl nicht zweifelhaft sein, daß das unermüdliche Mahnen und Drängen der Zeitschrift, der Technik im Film die Stellung einzuräumen, die ihrer hohen Bedeutung entspricht, daß die Aufzeigung bestehender Mängel und Schwächen, das Herausstellen von Vorschlägen und Wünschen zur Steigerung des Interesses an der Technik und zur Hebung ihrer Leistungen - daß alles das die Fachwelt hatte aufhorchen lassen und den Boden bereitete, um den auf Gründung einer Fachvereinigung gerichteten Bemühungen Erfolg zu sichern.

Im Grunde waren es ja dieselben Männer, die in klarer Erkenntnis dessen, was dem deutschen Film nottat, einerseits der Zeitschrift durch ihre Mitarbeit das Niveau verliehen, dessen diese zur Erfüllung ihrer Aufgabe bedurfte, andererseits auf den Zusammenschluß der deutschen Film- und Kinotechniker hinwirkten, um die Kräfte zusammenzufassen und der Technik des deutschen Films hierdurch vorwärts zu helfen.

Jetzt „Amtliches Organ der DKG"

So war es eine Selbstverständlichkeit, daß die „Kinotechnik" zum amtlichen Organ der deutschen Kinotechnischen Gesellschaft bestimmt wurde, als diese am 30. April 1920 im photochemischen Hörsaal der Technischen Hochschule Charlottenburg gegründet worden war.

Die Eigenschaft „Amtliches Organ der DKG" finden wir erstmalig im Kopf des Maiheftes 1920 angekündigt; sie ist der Zeitschrift seitdem ständig erhalten geblieben.

Nach dem etwas stürmischen Beginn ihrer Publikationstätigkeit lenkte die „Kinotechnik" im Sommer 1920 in die ruhigeren Bahnen ausschließlich fachlicher Berichterstattung mit gelegentlichen Diskussionen angeschnittener Fragen zwischen Autoren und Lesern über.

Ihrer Devise: „Zeitschrift für die gesamte Wissenschaft und Technik der theoretischen und praktischen Kinematographie" zu sein, ist die „Kinotechnik" in den 20Jahren ihres Erscheinens jederzeit treu geblieben.

Wir finden in den Spalten dieser Zeitschrift nicht nur die Marksteine der Aufwärtsentwicklung, sondern schlechtweg alles behandelt, was auf den Haupt- und Grenzgebieten nur irgend von Interesse sein kann, und zwar je nach Art und Bedeutung von verschiedenen Standpunkten betrachtet und von verschiedenen Autoren behandelt, wobei auch die Stimmen des Auslandes gebührend zu Worte kommen.
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Die Stimmen des Auslandes einbringen

Die weitgehende Berücksichtigung, welche der Stand der Dinge im Ausland in der „Kinotechnik" gefunden hat, verdient besonders hervorgehoben zu werden; einem Wunsche des Vorstandes der DKG entsprechend, setzte Anfang 1926 eine besonders eingehende und sorgfältige Bearbeitung der amerikanischen, englischen, französischen und italienischen Fachpresse durch die Schriftleitung ein, und der Leserkreis wurde durch Referate über alle bemerkenswerten Artikel betreffend die Fortschritte, Arbeitsmethoden und Ansichten des Auslandes auf dem Laufenden gehalten.

Diese vielfach als besonders wertvoll anerkannte Berichterstattung auch über die ausländische Fachpresse machte erst voll und ganz die Zeitschrift zu dem, was sie sein soll und muß: Ein Spiegelbild des Gesamtgeschehens auf dem behandelten Sachgebiet und damit ein nie versiegender Quell für die fachliche Unterrichtung und Forschung.

Die Durchsicht der Bände der „Kinotechnik" ist für jeden Fachmann sicherlich immer wieder anregend und interessant; sie zeigt, wie so manches Problem schon frühzeitig - früher, als man sich heute vielleicht vorstellt - zur Diskussion gestanden hat, und weckt die Erinnerung an viele Dinge, von denen man vielleicht nicht mehr spricht, oder umgekehrt, deren frühe Entwicklungsstadien wohl längst der Vergessenheit anheimgefallen sind, die aber doch bis heute einer endgültigen Lösung noch nicht zugeführt werden konnten.

Ein Markstein auf dem Gebiete der Aufnahmetechnik .......

Als ein Markstein auf dem Gebiete der Aufnahmetechnik erscheint z. B. die zunächst (1927) nur zögernde Einführung des heute auf allen Gebieten als selbstverständlich benutzten panchromatischen Films in die Aufnahmepraxis, damit im Zusammenhang das Erscheinen der elektrischen Glühlampen im Aufnahmeatelier und die Verbannung der ehedem so geschätzten Quecksilberdampflampen aus demselben.

Wir lesen in der „Kinotechnik" über die vielfachen, sehr interessanten Probleme, die sich im Zusammenhang mit diesem einen Beispiel, dem panchromatischen Film, aufrichteten, und die Behandlung, die sie gefunden haben.

Während hier die Dinge sich ruhig abwickelten, überstürzten sich geradezu die Ereignisse, als der Tonfilm - nahezu schlagartig - zur Einführung gelangte; hier galt es für die „Kinotechnik", den Leserkreis mit zahlreichen, ihm teilweise noch vollkommen neuen Begriffen vertraut zu machen, im übrigen aber die Fülle neuer Probleme und Begleiterscheinungen, die auf allen film- und kinotechnischen Gebieten auftauchten, eingehend zu behandeln.

Diese Aufgaben wurden mit solcher Gründlichkeit gelöst, daß die „Kinotechnik" heute eine wahre Fundgrube für den auf diesem Gebiete Suchenden und Forschenden darstellt.
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Jetzt kommt wieder ein sehr langer Satz

Die Zeitschrift vermittelt aber auch eine gründliche Schilderung aller Phasen auf solchen Gebieten, die eine allmähliche, schrittweise Entwicklung genommen haben, wie beispielsweise die Vervollkommnung der Aufnahmekamera vom einfachen, handgedrehten Holzapparat zur modernen, geräuschfreien, motorisch angetriebenen Kamera mit all ihren mehr oder weniger komplizierten Einrichtungen, die Leistungssteigerung der Optik für Aufnahme und Wiedergabe, die Entwicklung des Projektors vom Vorführungsapparat zur Projektionsmaschine mit Hochleistungslampe, die Maschinenentwicklung für Negativ und Positiv, die sensitometrischen Verfahren und ihre Einführung in die Kopieranstalten, die Mittel zur Bestimmung der Belichtungszeit, denen man erst jetzt das verdiente Interesse entgegenzubringen beginnt, die Verfahren der Bildkombination, die Herstellung von Duplikatfilmen, die schrittweise Entwicklung des Farbfilms auf den verschiedenartigen Wegen, die zur Lösung dieses Problems beschritten wurden» das gleiche bezgl. des plastischen Films, der Schmalfilm, im Zusammenhange damit die für ihn geschaffenen Apparaturen und das Umkehrverfahren, die vielumstrittene Feinkornfrage als Emulsions- wie als Entwicklungsproblem, die Hochfrequenzkinematographie, die Röntgenkinematographie usw.
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  • Anmerkung : Das war auch wieder ein einziger Satz !!!!

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Berichterstattung über Lehr- und Unterrichtszwecke

Daneben läuft die Berichterstattung über die Anwendung der Kinematographie für Lehr- und Unterrichtszwecke, sowie als Hilfsmittel der wissenschaftlichen Forschung und technischen Prüfung, ferner die der Normung und die Geschichte der Kinematographie.

Die „Kinotechnik" hat sich bemüht, in den 20 Jahren, ihres Bestehens alles zu bieten, das von einer Fachzeitschrift gefordert werden muß. Daß die einzelnen Jahresbände heute unentbehrlich sind für jeden, der sich über die Entwicklung und den neuesten Stand der Technik auf den verschiedenen Teilgebieten der Film- und Kinotechnik unterrichten will, dankt sie in erster Linie ihren zahlreichen Mitarbeitern.

Zeigt es sich doch immer wieder auf allen Gebieten der Technik, daß eine Zeitschrift nur dann nützliche Dienste in ihrem Fach zu leisten vermag, wenn es ihr gelingt, in enger Wechselbeziehung mit den die technische Entwicklung vorwärtstreibenden" Fachgenossen" das Bild dieser Entwicklung wiederzuspiegeln.

Möge daher auch in Zukunft stets der „Kinotechnik" das Interesse und die tätige Mitarbeit der Ingenieure, Physiker und Chemiker ihres Fachgebietes erhalten bleiben!
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