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Achtung: Artikel und Texte aus NS/Hitler-Deutschland 1933-45

Nach der Gleichschaltung der reichsdeutschen Medien direkt nach der Machtübernahme in Februar/März 1933 sind alle Artikel und Texte mit besonderer Aufmerksamkeit zu betrachten. Der anfänglich noch gemäßigte politisch neutrale „Ton" in den technischen Publikationen veränderte sich fließend. Im März 1943 ging Stalingrad verloren und von da an las man zwischen den Zeilen mehr und mehr die Wahrheit über das Ende des 3. Reiches - aber verklausuliert.

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Fortschritt im Bogenlampenbau

aus KINOTECHNIK Heft 7 / Juli Berlin 1938 - Cricks, R. H.: Progress in arc lamp design (Fortschritt im Bogenlampenbau). Ideal Kin. 5 (1937), Nr. 59, S. 44

Nach einem kurzen Rückblick auf den Entwicklungsgang der Projektionsbogenlampen bis auf die neueste Zeit (Beckeffekt, rotierende Kohlenstifte, automatischer Kohlennachschub mittels Synchronmotors), beschäftigt sich der Verfasser mit der künftigen Entwicklung und sagt trotz des hohen Vollkommenheitsgrades, der bislang erreicht wurde, für die nächsten 5 Jahre Fortschritte voraus, die denen der letzten 20 Jahre gleichkommen.

Zunächst der Blasmagnet.

Er stellt heute sicherlich nichts Neues dar, doch haben sich hinsichtlich seiner Anwendung gewisse Schwierigkeiten gezeigt, und bei den bestehenden Lampen ist nach Ansicht des Verfassers das Prinzip noch keineswegs voll ausgewertet.

Die Schwierigkeit besteht darin, das magnetische Feld gerade dort zu lokalisieren, wo es benötigt wird und Streufelder zu verhindern, welche den Bogen in unerwünschter Weise beeinflussen. Der Verfasser hat festgestellt, daß durch Schaffung eines magnetischen Feldes die Lichtemission von der rotierenden Positivkohle in einem Ausmaße gesteigert wird, als wenn der Krater eine Vergrößerung erführe, daß aber dem Bogen mit rotierender Positivkohle - ob nun mit oder ohne Magnet - zum Gebrauch in Verbindung mit den heutigen weitwinkligen optischen Systemen doch ein schwerer Mangel anhaftet: indem nämlich der sich bildende tiefe Krater die leuchtenden Gase aufhält, wird auch ein Teil des Lichts abgefangen, und es entsteht ein ziemlich enger Emissionswinkel.

Die rotierenden Kohle

Das Prinzip der rotierenden Kohle scheint in neuerer Zeit durch die Einführung von Kohlenstiften und rechteckigem Querschnitt überwunden zu sein. An sich ist es ja logisch, daß man zur Ausleuchtung eines rechteckigen Fensters eine ebensolche Lichtquelle benutzen müßte, doch zeigt die viereckige Kohle den schwerwiegenden Nachteil, daß sich in ihr ein runder Krater bildet und die umgebenden Ecken und Kanten ungleichmäßige Ausleuchtung des Filmfensters zur Folge haben. Die rechteckige Kohle darf also nicht mit einem Krater, sie muß mit ebener Oberfläche brennen.

Kombination von Magnet und Blasluft

In Deutschland gelang es Siemens, diese Schwierigkeit durch eine Kombination von Magnet und Blasluft, deren Richtung sorgfältig geregelt wird, zu überwinden, Bilder von Krater und Bogen zeigen, daß der rechteckige Kohlenstift vollkommen flach an der Oberfläche und mit dem Gasball vor sich abbrennt.

Das magnetische System von Siemens hat den bestehenden gegenüber den großen Vorteil, daß die Flamme von allen Seiten konzentrisch zusammengedrückt und dadurch gezwungen wird, zentral an der Oberfläche der Kohle zu brennen.

In dem Siemensschen System hat der Luftstrom in erster Linie den Zweck, den Bogen zu zentralisieren und zusammenzudrücken, sowie eine vollkommenere Verbrennung herbeizuführen, was wiederum geringere Rauchentwicklung zur Folge hat.

Ein anderes interessantes Prinzip verfolgt, wie der Verfasser bemerkt, Baird im Zusammenhang mit seinem Fernsehverfahren; auch er ist, wie Siemens für seinen Linsenraster-Farbenfilm, auf ungewöhnlich hohe Lichtstärken angewiesen, und sein Vorschlag geht dahin, den Bogen in ein luftdichtes Gehäuse einzuschließen, durch welches Luft hindurchgepreßt und in dem der Druck auf 5 bis 10 Atmosphären gehalten wird. Es erscheint durchaus möglich, daß der hohe Luftdruck, der dem Bogen höheren Widerstand bietet, eine höhere Bogenspannung und damit eine gesteigerte Lichtemission auslöst.
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Ein Tonaufnahmewagen

aus KINOTECHNIK Heft 7 / Juli Berlin 1938 - Goldsmith, L. T. und Ryan, B. F.: A mobile sound recording Channel (Ein Tonaufnahmewagen). - J. Soc. Mot. Pict. Eng. 30 (1938), Nr. 2, S. 219/226.

Von dem hier beschriebenen Tonaufnahmewagen wurden 7 Stück von der RCA für die Warner Bros. Pictures Inc. gebaut. Sie sind in ihrer Güte festen Tonaufnahmeapparaturen gleichzusetzen und gegen diese austauschbar.

Der Aufbau

Auf dem Fahrgestell eines üblichen Ford-Zweitonners ist die Aufnahmeanlage samt Zubehör in zwei getrennten Räumen untergebracht. An der Rückseite des Wagens ist die Tür zum eigentlichen Aufnahmeraum. Rechts und links von der Tür, durch besondere Klappen zu öffnen, Kabelmagazine und die Anschlußtafel für die Mikrophonleitungen (bis zu 300m Entfernung).

Im Raum selbst links die Verstärker- und die Stromverteiler- und Reglertafeln in Gestellform, am Ende auf einem Tisch das Tonaufnahmegerät, darunter Kassettenbehälter für 10 Doppelfilmkassetten.

Die Verstärker werden von der 110-Volt-Batterie über einen 250-Volt-Flugzeugdynamo unter Vorschaltung geeigneter Siebe mit Spannung versorgt. Außer der 110-Volt-Motorbatterie ist noch eine 8-Volt-Batterie für die Verstärker und eine 14-Volt-Batterie für die Tonlampe vorhanden.

Ohne die Batterien aufzuladen, kann man zwei volle Tage und Nachte Aufnahmen machen. Der Aufnahmeraum wird auch als Dunkelkammer verwendet.

Der vordere Raum des Wagens enthält die Umformer und alle in der Szene benötigten Einzelteile und kann, wenn gewünscht, auch als Mischraum für den Tonmeister dienen. Das Mischpult besteht aus einem Kasten mit drei Reglern für die drei Mikrophone, ferner Regel- und Meßvorrichtungen für Heiz- und Anodenstrom der Vorverstärker.

Die Vorverstärker sind ebenfalls transportabel und liefern mit zwei Stufen eine Verstärkung von 48db. Der Geräuschpegel der gesamten Verstärkeranlage, wenn alle Maschinen laufen, beträgt -65db bezogen auf 100% Aussteuerung.

Der Frequenzgang ist geradlinig (+1db) von 40 bis 9.000 Hz für Musikaufnahmen. Bei Sprache werden die Tiefen abgesenkt (6db bei 100 Hz) durch einen Entzerrer im Vorverstärker; durch ein 80Hz-Hochpaßfilter wird ein scharfer Abfall unterhalb 100 Hz erreicht und durch ein 9000-Hz-Tiefpaßfilter alle Frequenzen oberhalb 9.000 Hz unterdrückt. Im allgemeinen ist der Frequenzgang zwischen 1.000 und 7.000 Hz um 3db angehoben.
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Londons neuestes Luxuskino - das Odeon-Theater

aus KINOTECHNIK Heft 7 / Juli Berlin 1938 - London's latest luxury super-Kinema (Londons neuestes Luxuskino). Ideal Kinema 5 (1937), Nr. 60, S. 4/24.

An Stelle der alten Alhambra ist auf der Ostseite von Leicester Square durch die Odeon-Theatergesellschaft ein Lichtspielhaus mit 2.300 Sitzplätzen, das Odeon, errichtet worden, das zu den schönsten und bestausgestatteten Londons zählt.

In Nachstehendem wird an Hand der ausführlichen Beschreibung des Theaters in „Ideal Kinema" über einige besonders interessierende technische Einrichtungen berichtet.

Die Projektionswand.

Als Projektionsfläche wurde die bereits in anderen Odeon-Theatern bewährten „Stableford-Metallwand" gewählt, da sie die drei Hauptbedingungen, welche von einer Projektionsfläche gefordert werden: höchstes Reflexionsvermögen, größtmögliche Schalldurchlässigkeit über den gesamten Frequenzbereich und Dauerhaftigkeit sowohl der Wand als solcher, wie auch der reflektierenden Fläche, am vollkommensten erfüllen soll.

Von der Herstellung des als vorteilhaft erkannten Metallschirms durch Befestigen perforierter Metallplatten auf einer wabenförmigen Unterlage wurde Abstand genommen, da eine solche Wand umständlich anzufertigen und aufzustellen und sehr schwer von Gewicht, aus allen diesen Gründen zudem verhältnismäßig teuer sein würde.

Man entschied sich deshalb dafür, als Projektionswand eine einzige dünne Metallfläche ohne Unterlagerahmen zu benutzen, die lediglich auf dem üblichen Spannrahmen befestigt wird. Die mit diesem Projekt auftauchenden Probleme der Handhabung einer derartig großen, dabei verhältnismäßig dünnen Metallscheibe, sowie des Resonanzeffektes wurden nach umfangreichen Versuchen mit dem erwähnten „Stableford-Ganzmetallschirm" gelöst, der sich nach dem Bericht ebenso leicht aufstellen läßt, wie eine Gewebewand, und eine größere Lebensdauer besitzt, als das Theater selbst, sofern er nicht durch äußere Einwirkungen beschädigt wird.

  • Anmerkung : Von Hitlers Bomben auf London wußte man 1938 noch nichts.


Die reflektierende Oberfläche besitzt eine undurchlässige und geschmeidige Unterlage, durch die gutes Haften, gleichmäßige Pigmentierung und als Folge eine größere Lebensdauer gewährleistet wird. Durch die Art der Perforation konnte die Gefahr beseitigt werden, daß durch unsachgemäßen Neuanstrich die Schalleigenschaften des Schirms eine Verschlechterung erleiden.

Als Vorteil des Stableford-Schirms wird hervorgehoben, daß sich, weil er als Metallfläche vollkommen lichtundurchlässig ist, eine gesteigerte Bildhelligkeit ergibt; im gleichen Sinne wirkt sich der Umstand aus, daß die von der Perforation eingenommene Fläche kleiner ist, als dies bei Gewebeschirmen zu sein pflegt.

Der Gesamtgewinn an Bildhelligkeit soll etwa 15% betragen. - Mit zwei Tonsystemen durchgeführte Untersuchungen ergaben, daß die Schallschwächung bei 10.000 Hz nur 3 1/2 bzw. 4 Dezibel betrug, sich also wesentlich günstiger stellt als bei Stoffschirmen.

ODEON hatte bereits 50 Odeon-Theater

Zur Zeit der Berichterstattung waren annähernd 50 Odeon-Theater mit dem Stableford-Ganzmetallschirm ausgestattet worden und weitere sollten folgen.
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Ein neuer Lautstärkemesser

Das Theater erhielt einen neuen Lautstärkeanzeiger, der von S. B. Swingler und Dr. P. Eisler erfunden und von der Konstruktionsabteilung der Odeon- Theatergesellschaft gebaut worden ist. Der Apparat bewirkt eine exakte Lautstärkeregelung entsprechend den jeweiligen akustischen Verhältnissen und befähigt damit dieses Theater - wie der Bericht sagt: als erstes in der Welt - jede Änderung der Schallabsorption infolge unterschiedlicher Besucherzahl, Zustand der Luft usw. mit der hohen Präzision eines elektrischen Instruments auszugleichen und damit jederzeit dieselbe Güte der akustischen Darbietung sicherzustellen.

Ein mit diesem Gerät zusammen im Vorführraum untergebrachtes neuartiges Photometer der Sound and Cinema Equipment, Ltd., bewirkt selbsttätig eine ständige Regelung der Schirmhelligkeit, so daß diese dauernd auf dem gleichen Stand gehalten wird.
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Die Klimaanlage

Die von der Firma Vacuum Refrigeration, Ltd. eingebaute Klimaanlage liefert jedem der 2.300 Besucher, die das Theater aufzunehmen vermag, stündlich 34 cbm Frischluft und damit etwa 5,7 cbm mehr, als die Luftversorgung gewöhnlich leistet. Die Anlage ist so abgestimmt, daß sie die Temperatur im Gebäude auf 20°C bei 67% rel. Feuchtigkeit hält, wenn die Außentemperatur zwischen 27°C und - 1°C im Schatten liegt. Steigt die Außentemperatur über 27°C, so kann die Raumtemperatur entsprechend erhöht werden, damit der Unterschied zwischen innen und außen 6,7°C niemals überschreitet.

Die Anlage besteht aus 6 gasgeheizten Kesseln zur Dampferzeugung in Verbindung mit einer Vakuum-Kühlanlage zum Entziehen des Feuchtigkeitsüberschusses aus der Luft. - Die Heizung des Theaters erfolgt durch Warmluft und Strahlungs-Heizkörper; eine selbsttätige Steueranlage gewährleistet eine angenehme und gleichmäßige Temperatur in allen Räumen. Die genannten Kessel liefern auch das Warmwasser für die zahlreichen Waschräume.
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Die Brunnenanlage

Das im Theater verbrauchte Wasser wird einer eigenen Brunnenanlage entnommen ; hierzu wurde ein artesischer Brunnen gebohrt, und ein Rohr von 25,5cm Durchmesser auf 183m Tiefe in das unter London ausgebreitete Kreidebecken vorgetrieben. Das Wasser ist ausgezeichnet und als Trinkwasser geeignet; seine Temperatur beträgt während des ganzen Jahres etwa 12°C. Der Pumpversuch bei Fertigstellung des Bohrlochs lieferte 10.450 Liter je Stunde, wobei der Pumpenwasserstand 64m unter der Oberfläche lag. Als Pumpwerk dient eine elektromotorisch angetriebene versenkbare Zentrifugalpumpe, die sich wegen ihres geräuschlosen Arbeitens - der Motor befindet sich unter Wasser - und äußerst geringen Raumbedarfs besonders gut für ein Lichtspieltheater eignet.
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