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Achtung: Artikel und Texte aus NS/Hitler-Deutschland 1933-45

Nach der Gleichschaltung der reichsdeutschen Medien direkt nach der Machtübernahme in Februar/März 1933 sind alle Artikel und Texte mit besonderer Aufmerksamkeit zu betrachten. Der anfänglich noch gemäßigte politisch neutrale „Ton" in den technischen Publikationen veränderte sich fließend. Im März 1943 ging Stalingrad verloren und von da an las man zwischen den Zeilen mehr und mehr die Wahrheit über das Ende des 3. Reiches - aber verklausuliert.

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Das Farbfilmverfahren von Prof. Roux

aus KINOTECHNIK Heft 5 / Mai Berlin 1938
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Auf einer Sitzung der französischen Filmtechniker hielt Prof. Roux im Jahre 1937 einen Vortrag über Farben-Kinematographie. Nach dem Bericht in „Techn. Cinem." [9 (1937), S. 905] besprach er das von Ihm selbst entwickelte additive Vierfarben-Verfahren.

Die Hinzunahme der vierten Farbe (reines Gelb) ergab sich aus dem Umstande, daß der Konstrukteur die Teilbilder auf je einem normalen Bildfeld des Kinefilms anordnet, so daß bei nur drei Farben ein Viertel jedes Bildfeldes ungenutzt bleiben würde. Die Einschaltung des Gelb soll in der Endwirkung einen beträchtlichen Fortschritt gegenüber dem Dreifarbenbild bringen.

Neu ist diese Maßnahme natürlich nicht, weder das Vierfarbenbild, noch die Vierteilung des Kinebildfeldes; wo Konstrukteure aber zwecks Erleichterung der gleichzeitigen Aufnahme ihrer Teilbilder zur Anordnung derselben auf einem normalen Kinebildfeld schritten, benutzten sie entweder für jedes Teilbild ein eigenes Objektiv oder sie bewerkstelligten die Aufnahme durch nur ein Objektiv, das entsprechend der Teilbilderzahl zerschnitten wurde - in beiden Fällen ist das Auftreten von Parallaxe, also von Farbsäumen, im fertigen Bilde unvermeidlich, da den Teilbildern der Stereoeffekt anhaftet.
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Die Spezialoptik nach Roux

Um diesen Mangel zu beheben, benutzt Prof. Roux für Aufnahme und Wiedergabe eine Spezialoptik, die nachstehend schematisch dargestellt ist. Sie besteht aus dem Frontobjektiv A, von gleicher Art und Brennweite wie die üblichen Kameraobjektive, das ein Bild normaler Filmbildgröße in der Ebene eines Caches entwirft, der in der objektseitigen Brennebene von C steht, das Bild also ins Unendliche zurückwirft. Demzufolge wird jeder Teil des Objektraumes, der innerhalb des Tiefenschärfenbereichs des Kollimators ein Bild gibt, durch ein ebenes Bild im Unendlichen ersetzt. Man kann nun diese Ebene im Unendlichen von jeder gewünschten Stelle aus aufnehmen und wird immer identische Bilder erhalten, sofern nur die optischen Achsen der einzelnen hierzu benutzten Objektive einander parallel laufen, da es bei Abbildung einer Ebene keine Parallaxe gibt.

Bild 1. Schematische Darstellung der Aufnahme- und Wiedergabeoptik nach Prof. Roux

Vier Objektive

Tatsächlich sind, wie beifolgendes Bild erkennen läßt, hinter dem Kollimator vier Objektive angeordnet; ihre Brennweiten sind gleich der Hälfte derjenigen von C, jedes Objektiv liefert also ein Bild, dessen lineare Abmessungen halb so groß sind, wie die des vom Frontobjektiv A entworfenen Bildes. Vor jedem Objektiv ist ein Farbfilm in das aus dem Kollimator austretende parallele Strahlenbündel eingeschaltet. -

Sind die Brennweiten der hinteren vier Objektive einander genau gleich, so erhält man vier Bilder, die sich korrekt zur Deckung bringen lassen. Dies trifft nun, wie Prof. Roux selbst zugibt, streng genommen nur für die Punkte im Tiefenschärfenbereich des Kollimators zu, während für alle anderen Parallaxe besteht, er betonte aber, daß sich für diesen restlichen Raum die verbleibende Parallaxe - wie eine einfache Rechnung ergibt - auf das Quadrat des Verhältnisses der Brennweite des Kollimators zu der des Frontobjektivs beschränkt; diesem Verhältnis kann man aber jedes gewünschte Ausmaß geben, da hinsichtlich der Brennweite des Kollimators keinerlei Beschränkungen bestehen.

Bei einem Frontobjektiv von 40mm Brennweite beispielsweise beträgt diese Parallaxe einen Millimeter; mit anderen Worten: der Horizontalabstand von zwei der Blickpunkte beträgt nur einen Millimeter, was durchaus vernachlässigbar ist. Andererseits wird die Tiefenschärfe, bezogen auf die des Frontobjektivs, in einem Verhältnis vergrößert, das ebenfalls eine Funktion der Brennweiten von A und C ist.

Als weiteren Vorzug dieses optischen Systems hob Prof. Roux hervor, daß, entgegen den bekannten Anordnungen mit Strahlenteilung, durch die Zahl der gleichzeitig parallaxfrei belichteten Teilbilder kein entsprechender Lichtverlust eintritt; in der Tat wirkt - abgesehen natürlich von den Verlusten durch Absorption und Reflexion an den zwischengeschalteten Linsen und Filtern - dieselbe Lichtmenge auf den Film, die das erste Normalbild entwirft. Da Objektive großer Lichtstärke benutzt werden können (f: 1,4 bis f: 2), ohne daß die Bildschärfe leidet, ist der Lichtbedarf für Farbenaufnahmen nicht sehr viel größer als für Schwarzweiß.
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Eine normale Eclair-Kamera

Die Filter lassen sich entsprechend der benutzten Filmsorte und den jeweiligen Beleuchtungsverhältnissen ohne weiteres auswechseln, aber auch das Frontobjektiv kann leicht ausgetauscht werden, um jederzeit mit der gerade erwünschten Brennweite arbeiten zu können; dagegen ist das aus Kollimator und Hinterobjektiven gebildete System fest an der Kamera angebracht. Als solche findet eine normale Eclair-Kamera Verwendung.

Die Aufnahme mit dem geschilderten optischen System liefert einen Negativfilm, der auf jedem Bildfeld vier Farbauszüge des aufgenommenen Sujets trägt. Ein solches Negativ kann naturgemäß sowohl nach der subtraktiven, wie nach der additiven Synthese ausgewertet werden.

Prof. Roux gibt dem letzteren Verfahren den Vorzug. Er ordnet vor dem Filmfenster des Projektors einen Satz von vier Objektiven an, die besonders zugeschnitten sind, damit keine Spur des den Wiedergabefilm - eine einfache Schwarzweiß-Kopie des Negativs - durchsetzenden Lichts verlorengeht. Diese vier Objektive sind in eine Normalfassung von 62,5 mm Durchmesser eingebaut, so daß sie ohne weiteres in den üblichen Projektor eingesetzt werden können. Die Justierung erfolgt ein für allemal.
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Die Filmschrumpfung

Prof. Roux berührte noch das Problem der Filmschrumpfung, dem er bei sorgfältiger Pflege der Negative keinen nachteiligen Einfluß zuspricht, da erfahrungsgemäß nach zehnmaliger Vorführung einer Kopie mit konstanten Ausmaßen derselben zu rechnen sei.

Wenn Prof. Roux meint, daß die Schrumpfung für die subtraktiven Verfahren ebenso störend sei, wie für die additiven, so vermögen wir dem nicht ganz zuzustimmen.

Es sei noch an das System der additiven Naturfarben- Kinematographie von Szczepanik (Kinotechnik 6 [1924], S. 323) erinnert, auf das vor etwa 15 Jahren in der Fachwelt viel Hoffnungen gesetzt wurden. Auch er bediente sich einer Vorsatzoptik und zwar eines Telesystems, und ordnete dahinter im parallelen Strahlengang die Objektive an, welche nun ihrerseits die Farbauszüge auf dem Aufnahmefilm zu entwerfen hatten; sie bildeten allerdings nicht, wie hier, eine feste Objektivgruppe, vielmehr waren 18 Objektive zu einer Kette ohne Ende vereinigt, die sich mit derselben Geschwindigkeit wie der kontinuierlich abrollende Film vorwärts bewegte.

Das angestrebte Ziel, parallaxfreie Bilder von bewegten Objekten bei gleichzeitiger Aufnahme durch eine Frontlinse zu erlangen, dürfte, soweit sich nach der vorliegenden Beschreibung urteilen läßt, mit dem von Prof. Roux entwickelten System in vollkommenerer Weise erreicht werden.
Kutzleb
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