Sie sind hier : Startseite →  Magazine und Zeitschriften→  (6) FKT Fernseh- und Kinotechnik→  Kinotechnik-Jahrgang 1936→  1936 - Neues aus der Industrie

Achtung: Artikel und Texte aus NS/Hitler-Deutschland 1933-45

Nach der Gleichschaltung der reichsdeutschen Medien direkt nach der Machtübernahme in Februar/März 1933 sind alle Artikel und Texte mit besonderer Aufmerksamkeit zu betrachten. Der anfänglich noch gemäßigte politisch neutrale „Ton" in den technischen Publikationen veränderte sich fließend. Im März 1943 ging Stalingrad verloren und von da an las man zwischen den Zeilen mehr und mehr die Wahrheit über das Ende des 3. Reiches - aber verklausuliert.
Hier geht es zur einführenden Seite.

.

Neues aus der Industrie

Jan. 1936 - Der Agfa-Magica-Filmvorführapparat

Die Agfa hat mit dem soeben in drei Modellen herausgebrachten Magica-Apparat für das Heimkino etwas Äehnliches geschaffen, wie es der Volksempfänger für den Rundfunk bedeutet.

In der Tat lag der Konstruktion der Gedanke zugrunde, daß 16mm-Heimkino in Verbindung mit den außerordentlich wohlfeilen Ozaphanfilmen, von denen heute ein reichhaltiges Archiv zur Verfügung steht, weitesten Kreisen der Bevölkerung zugänglich zu machen. Deshalb wurde darauf Bedacht genommen, die Bedienung dieser Vorführapparate so einfach zu gestalten, daß man sie selbst Kindern anvertrauen kann, und die Preise trotz sorgfältigst durchdachter Konstruktion denkbar niedrig zu halten. Von motorischem Antrieb wurde Abstand genommen, alle drei Modelle sind für Handantrieb eingerichtet.

Das Modell 1 der Agfa-Magica für 16mm-Schmalfilm ist mit einer Osram-Speziallampe zu 40 Watt für 110 bzw. 220 Volt ausgestattet und liefert bei 2,5m Projektionsabstand eine Bildgröße von 30 x 40cm. Das Fassungsvermögen beträgt 40m Ozaphanfilm; der Preis stellt sich einschl. Lampe und Leerspule auf nur 27.- RM.

Das Modell II besitzt die gleiche Konstruktion wie Modell I, ist jedoch mit Widerstand und Niedervolt-Lampe ausgestattet, wodurch eine wesentlich hellere Bildwiedergabe erzielt wird. Der Preis beträgt einschließlich Lampe, Leerspule und Widerstand 33,50 RM.

Das Modell III ist für höhere Ansprüche geschaffen; es ist nicht nur mit Nach-, sondern auch mit Vorwickeltrommel ausgestattet und besitzt ein Aufnahmevermögen für 140m Ozaphanfilm; der Apparat gleicht im übrigen dem Modell II, der Preis beträgt 44,50 RM.

.

März 1936 - Die neue AEG-Kinomaschine „Euro-M"

Nach mehrjähriger Pause bringt die Kinoapparatefabrik der AEG soeben eine neue Maschine, die „Euro-M", auf den Markt. Hier wurden alle Erfahrungen der letzten Jahre zusammengefaßt, um für das mittlere und kleine Kino einen Projektor zu schaffen, der im Interesse tunlichst niedriger Preisgestaltung frei ist von jedem für den Vorführbetrieb entbehrlichen Beiwerk, der aber alles Notwendige in einer äußerst soliden und zweckmäßigen Ausführung enthält, wie dies gerade für den Betrieb im kleineren Theater besonders wichtig ist.

Die Maschine, die als Rechts- und Linksmaschine gebaut wird, läßt bei näherer Prüfung deutlich erkennen, daß das Augenmerk des Konstrukteurs auf Unkompliziertheit des Aufbaus, Dauerhaftigkeit und größte Einfachheit der Bedienung gerichtet war.

Ein massives, gußeisernes Untergestell (Abb. 1) trägt auf einem Säulenfuß mit großer Grundfläche in einem neigbaren Säulenkopf die Tischplatte für den Aufbau des Projektorwerkes und des Lampengehäuses für die Spiegelbogenlampe.

Unterhalb der Tischplatte ist der Motor für den Antrieb der Maschine untergebracht. Diese Anordnung ist von besonderem Vorteil bei engen Vorführungsräumen.

Der Tonteil "kann" nachträglich erfolgen

Anschluß- und Verteilerkästen für die elektrischen Anschlüsse und Anlaßapparate sind ebenfalls an der Tischplatte angeordnet. Der Aufbau eines „Europa"-Lichtton-gerätes der Klangfilm kann ohne jegliche Zusatzteile erfolgen.

Das Projektorwerk

Das Projektorwerk (Abb. 2) besteht aus einem allseitig geschlossenen öldichten Gehäuse "aus Leichtmetall" (Stahl war inzwischen rar geworden), in dem das gesamte Getriebe untergebracht ist. Die Antriebswelle, auf der die Riemenscheibe angeordnet ist, ist zugleich als Blendenwelle ausgebildet und treibt über zwei gekreuzte Schraubenräder die senkrechte Hauptwelle des Projektorwerkes an. Von dieser Welle werden sowohl die Einzahnwelle des Malteserkreuzes als auch Vor- und Nachwickelwellen, Tachometer und die Oelpumpe angetrieben.

Der Aufbau des Maltesergetriebes zeigt insofern besondere Vorteile, als die Wirkung des Schwungrades auf die Gleichmäßigkeit des Schaltungsganges durch Vereinigung mit der Einzahnscheibe besonders günstig gelöst ist. Die Einzahnwelle, mit der Einzahnscheibe zusammen aus einem Stück gefertigt, gibt dem Getriebe erhöhte Stabilität. Beide Teile sind aus gehärtetem Material und auf höchste Präzision geschliffen. Auch der Einzahnstift und das Malteserkreuz selbst sind gehärtet und geschliffen.

Die Bildeinstellung erfolgt zentral durch Schwenkung des Maltesergetriebes um die Malteserkreuzachse mittels einer
mehrgängigen Spindel, die eine vollkommen toleranzfreie Regulierung gewährleistet. Sie wird durch ein an der Vorderseite des Projektorwerkes angebrachtes Handrad betätigt.
.

Die Ölung des gesamten Triebwerkes

Die Ölung des gesamten Triebwerkes erfolgt vollautomatisch durch eine im Getriebe eingefügte Öeldruckpumpe, die über ein Verteilersystem das Öl zu sämtlichen Lagerungen führt. Alle Lager sind mit Rücklaufnuten für das Öl ausgestattet, die das Öl in die Ölvorratskammer zurückführen. Das große Ülschauglas ist vom Bedienungsstand aus jederzeit sichtbar.

Für die Kontrolle der Vorführungsgeschwindigkeit ist ein Tachometer mit Zahnradgetriebe angebaut, das in das Oelsystem miteinbezogen ist.

Die Objektivhalterung

Die Objektivhalterung, an der Stirnfläche des Projektiorwerkes angebracht, kann seitlich ausgeschwenkt werden (Abb. 4), so daß die Filmführung für Filmeinlagen und Reinigung leicht zugänglich ist.
Auf der Objektivhalterung ist ein Lichtschutz verschiebbar angeordnet, um eine Blendung des Vorführers zu vermeiden.

Das die Hinterblende aufnehmende Gehäuse, aus Leichtmetall hergestellt, ist mit Kühlrippen versehen und sorgt für gute Ableitung der auf dem Bildfenster konzentrierten Wärme, Ventilationsflächen an der Blende führen zu einer ständigen Luftzirkulation am Bildfenster.

Die Filmführung selbst ist von dem Bildfenster und dem Blendengehäuse durch einen Luftspalt getrennt, so daß eine direkte Wärmeübertragung nicht stattfinden kann. Zur seitlichen Führung des Films ist eine federnde, über die ganze Länge der Filmführung reichende Schiene angeordnet, die seitliche Schwankungen des Films verhindert.

Ein beleuchtetes Kontrollfenster in der Filmführung oberhalb des Bildfensters erleichtert dem Vorführer das richtige Einlegen des Films. Ein nachstellbarer Schieber im Bildfenster dient zur Abdeckung der Tonspur.

Vor- und Nachwickelrolle haben 32 Zähne. Die 16zähnige Malteserschaltrolle ist nach einem Spezialverfahren gefräst und geschliffen. Die Befestigung erfolgt zentrisch durch Konusschraube. Die Andruckrollen können durch Exzenterverstellung der Filmdicke entsprechend eingestellt werden.

Außer dem bereits erwähnten Pilotlicht für die Bildstricheinstellung kann das Projektorwerk auch mit einer Brandschutzeinrichtung und mit Luftdüsen für zusätzliche Filmkühlung ausgestattet werden.
.

Der Feuerschutz für den Nitrofilm

Die Feuerschutztrommeln haben ein Fassungsvermögen von 1.000m Film. Zur Erleichterung der Bedienung beim Einsetzen der Filmrollen ist das Trommelgehäuse in der Mitte geteilt. Der Filmeinführungskanal ist mit einer großen mitlaufenden Brandschutzrolle ausgestattet (Abb, 5), die sich der Filmgeschwindigkeit des durchlaufenden Films jederzeit anpaßt.

Dadurch ist größte Filmschonung bei höchster Brandschutzwirkung erzielt. Die Seitenteile des Feuerschutzkanals sind zur Erleichterung beim Filmeinlegen und Reinigen aufklappbar, werden jedoch bei geschlossener Trommel gegen unbeabsichtigtes Öffnen gesichert.

Das Lampengehäuse

Das Lampengehäuse ist mit Asbestfütterung ausgestattet und zweitürig ausgeführt. Form des Gehäuses und Ausbildung der Kaminanschlußhaube begünstigen den freien Abzug der erwärmten Luft. Im Lampengehäuse können alle bekannten Lampentypen untergebracht werden.

Für die neuen Kinomaschinen sind zwei Lampentypen vorgesehen, die auf Wunsch auch mit automatischem Kohlennachschubwerk ausgerüstet werden können.

Die kleine Ausführung kann mit Spiegeln 170, 200 und 250 mm Durchmesser ausgestattet werden. Auf einem gußeisernen Fuß ist das Getriebe der Lampe auf zwei Säulen verstellbar angeordnet. Die Hauptspindel dient gleichzeitig zur Verstellung beider Kohlen und ist durch eine Überwurfkappe gegen Verschmutzung geschützt. Die Brennpunktverstellung erfolgt durch Spiegelverschiebung auf dem Hauptrahmen.

Für die Neigung und Schwenkung des Spiegels zur Zentrierung auf das Bildfenster sind weit zurückstehende Spindelknöpfe angeordnet. Beide Kohlen werden durch zentrische Kohlenzangen gefaßt, die durch Spindelschrauben festgeklemmt werden können. Die Halterungen haben lange Schlittenführung.

Die große Ausführung der Spiegelbogenlampe wird mit Paraspiegel 250mm Durchmesser ausgestattet. Die Hauptbedienungsspindel wird durch Querantrieb, der unmittelbar hinter der Abschlußwand des Lampengehäuses angebracht ist, betätigt. In der Normalstellung erfolgt der Vorschub beider Kohlen gemeinsam zum Ausgleich des Kohlenabbrandes. Bei Auskupplung können beide Kohlen in der gleichen Richtung bewegt und dadurch die Brennpunktverstellung vorgenommen werden.

Für die Zusatzeinrichtungen, wie Kohlennachschubwerk, Brandschutzeinrichtung, Trommelbeleuchtung und deren Anschluß sind besondere Schaltkästen entwickelt, die je nach Ausrüstung der Maschine ausgeführt sind und auf der Bedienungsseite an der Tischplatte unterhalb des Lampenkastens angebracht werden können. Leichte Montage und Ausführung der Installation ist dadurch auch für Nachlieferung einzelner dieser Teile gewährleistet.

.

März 1936 - Die Lorenz - Stahlton - Maschinen

Von der C. Lorenz A.G., Berlin-Tempelhof, ist das Magnetton-System, über das wir beim Aufkommen des Tonfilmes auf Grund der Arbeiten Dr. Stilles berichteten *1), stetig weiterentwickelt worden, und hat, wenn es sich auch für den Tonfilm aus verschiedenen Gründen
nicht durchsetzen konnte, doch als Nachrichtenmittel bereits Bedeutung erlangt und dürfte als solches in Zukunft noch sehr viel mehr in den Vordergrund treten.

Von der Lorenz A.G. wurde die in der Abbildung wiedergegebene Stahlton-Band-Maschine, die im besonderen auch für Musikaufnahmen bestimmt ist, sowie das hauptsächlich zur Sprachaufnahme geeignete Textophon ausgebildet, das als Grundstein für ein neuzeitliches Organisationssystem zur Registrierung und Auswertung telephonisch oder persönlich geführter Gespräche (Textothek) bestimmt ist.

Das Textophon ist eine kleine, elektrisch betriebene Maschine, bei der ein ganz besonders hochwertiger dünner Stahldraht, auf den die Gespräche elektromagnetisch aufgezeichnet werden, während des Betriebes von einer Spule zur anderen gespult wird.

Werden die Aufzeichnungen nicht mehr benötigt, so lassen sie sich leicht entfernen, indem man den Draht über einen Löschmagneten laufen läßt; das Material kann also immer von neuem benutzt werden.

Ein Spulensatz reicht für eine Gesprächsdauer von 20 Minuten aus und kann jederzeit schnell gegen einen anderen ausgetauscht werden.
Diese Art der elektromagnetischen Aufzeichnung gesprochener Worte ist unbedingt betriebssicher, sehr viel bequemer und zuverlässiger als jedes Mitstenographieren und schließlich dadurch ausgezeichnet, daß vertraulich geführte Gespräche, deren Aufzeichnung wichtig ist, nicht von einer stenographierenden Person mitgehört werden müssen.

Die Geräte selbst sind einfache, kleine Zusatzgeräte, die an den Fernsprecher wie ein zweiter Hörer angeschlossen werden. Für die Aufnahme mündlicher Verhandlungen oder zum Diktat wird ein Mikrophon angeschlossen. Diese Zusatzgeräte dienen zur Fernsteuerung der Textophon-Maschine. Je nachdem, ob ein Ferngespräch oder eine persönliche Unterredung aufgezeichnet werden soll, werden entsprechende Druckknöpfe der Steuerstelle betätigt.

Die Abhörstelle des Textophons und auch die Textophon-Maschine selbst steht bei kleinerem Geschäftsbetrieb meistens bei der Schreibmaschine, wobei der mit Kopfhörer abgehörte Text, der beliebig oft wiederholt und mit einstellbarer Lautstärke abgehört werden kann, als „Textogramm" niedergeschrieben wird, - Bei größerer Inanspruchnahme dieser Einrichtung können mehrere Textophon-Maschinen zu einer „Textophon-Zentrale" vereinigt werden; sie ist gewissermaßen ein Speicher für alle Telephongespräche und schriftlich niederzulegenden Verhandlungsbeschlüsse.

Die beiden vorstehend genannten Lorenz-Stahlton-Maschinen wurden mit Erfolg in den Nachrichtendienst der Olympischen Winterspiele in Garmisch- Partenkirchen, z. B. für Reportagen, eingesetzt.

.

Kodachrom-Entwicklungsanstalten

Das neue (16mm) Kodachrom-Verfahren, über das wir bereits ausführlich berichteten, erfreut sich außerordentlicher Beliebtheit bei den amerikanischen Filmamateuren. Einer Mitteilung in „International Photographer" vom Januar 1936 entnehmen wir, daß die Eastman Kodak Comp, neuerdings auch in Chicago eine Entwicklungsanstalt eröffnet hat, während sich je eine bereits in Rochester (Stammsitz) und Los Angeles in Betrieb befindet.

.

Die Normung auf der Leipziger Messe

Der Deutsche Normenausschuß, als Zentralstelle aller Vereinheitlichungsarbeiten in Deutschland, ist auch zur diesjährigen Frühjahrsmesse gemeinsam mit dem Verein Deutscher Ingenieure in Leipzig wieder vertreten.

Auf dem Stand 601/602 im Obergeschoß der Halle 9 werden sowohl Auskünfte über die Normung erteilt als auch Druckschriften abgegeben und Bestellungen auf Normblätter angenommen. Eine Sammlung der deutschen Normen, deren Zahl zur Zeit rund 5.800 beträgt, liegt zur Einsichtnahme aus.

Die Schilder im Normformat A 4 mit dem Aufdruck „Wir verwenden Dinormen" bzw. „Wir liefern nach Dinormen", deren sich die Aussteller in den vergangenen Jahren gern bedienten, werden auch in diesem Jahre wieder kostenlos zur Verfügung gestellt. Firmen, die diese Hinweistafeln auf ihrem Stand aushängen wollen, werden gebeten, die benötigte Anzahl möglichst bald beim Deutschen Normenausschuß, Berlin NW 7, unter Angabe von Hallen- und Standnummer anzufordern.

.

Sixtus von Gossen & Co

April 1936 - Unter dieser Bezeichnung hat die Firma P. Gossen & Co., Erlangen, die als eine der ersten mit dem elektrischen Belichtungsmesser auf den Markt kam, soeben ein Instrument herausgebracht, das auf Grund der in den letzten Jahren gesammelten Erfahrungen entwickelt wurde. Die Lichtempfindlichkeit ist viermal so groß wie die des „Ombrux", auch sind die bei diesem Instrument vorhandenen Tabellen in Fortfall gekommen, da der Sixtus für die Einstellung aller DIN- und Scheinergrade, Blendenzahlen und Belichtungszeiten einen durch eine einzige Drehung bedienbaren Ring besitzt. Der Sixtus benötigt kein Bereitschaftsetui, ist vielmehr mit einer Schutzklappe ausgestattet, die man zum Gebrauch des Instruments zurückschiebt und nach unten fallen läßt; einschließlich dieser Schutzklappe ist er nur halb so groß wie der Ombrux mit Bereitschaftstasche. Der Preis beträgt 38 RM. Kb.

.

Eine wahrhaft internationale Filmbesetzung bei United Artists

aus Kinotechnik Heft 14 - Juli 1936 -
In Selznicks „International Technicolour" Picture „The Garden of Allah" spielt Marlene Dietrich die Rolle einer Belgierin. Ihr Gegenspieler, Charles Boyer, der Franzose ist, spielt einen Russen. C. Aubrey Smith, ein Engländer, spielt einen Franzosen. Basil Rathbone, ein anderer Engländer, gibt einen Italiener, und Tilly Losch, die Oesterreicherin ist, spielt eine Araberin. Der Pole Richard Boleslavski führt Regie und das Ganze spielt in Algier.

.

Neues aus der Industrie

Die Welte-Lichttonorgel

aus Heft 22 - November 1936 von Dr. Paul Hatschek
.
Von dem bekannten Orgelbauer Edwin Welte und seinem Werkmeister Faaß wurde in Zusammenarbeit mit Telefunken und Klangfilm eine Lichttonorgel hergestellt, deren Spieltisch vollkommen mit dem der üblichen Orgeln übereinstimmt, während die Orgeltöne nicht durch Pfeifen, sondern durch die Wiedergabe von Lichttonaufzeichnungen erzeugt werden.

Abb. 1 zeigt schematisch das hierbei verwendete System, wobei M einen Antriebsmotor bedeutet und S eine von ihm angetriebene Glasscheibe, auf der ein einziger Ton in Form eines geschlossenen Kreisrings aufgezeichnet ist, so daß man die gezeigte Einrichtung als Orgel mit einer einzigen Pfeife auffassen kann.

Die Tonlampe L, die Optik O, die Photozelle F und der Verstärker V samt Lautsprecher entsprechen vollkommen der von der Tonfilmwiedergabe her bekannten Einrichtung. Durch Anschlagen einer Taste am Spieltisch wird durch Vermittlung eines Relais die Klappe P aus dem Lichtweg herausgeschwenkt.

Da die üblichen Pfeifenorgeln einen Umfang von fünf Oktaven zu je 12 Tönen haben, so würde eine Orgel mit einem einzigen Register das Vorhandensein von 60 Aufzeichnungsreihen mit den zugehörigen Klappenrelais und Abtasteinrichtungen verlangen.
.

Eine Vielzehl von 60 Pfeifen

Tatsächlich aber enthält jede Pfeifenorgel eine Mehrzahl von Registern, d. h. Gruppen von je 60 Pfeifen untereinander gleicher Klangfarbe, so daß mindestens sovielmal 60 Tonaufzeichnungen vorhanden und abspielbar sein müssen, wie die Orgel Register hat. Dies bedingt eine Mehrzahl von Aufzeichnungsscheiben, deren jede wiederum eine Mehrzahl von Aufzeichnungsreihen enthält.

Diese Aufteilung hat Welte in folgender Art vorgenommen. Die gesamten Töne sind auf 12 Scheibengruppen (von je 2 Scheiben) aufgeteilt, die infolge Zwischensetzung von Getrieben mit verschiedener Geschwindigkeit umlaufen, trotzdem sie von einem einzigen Motor angetrieben werden.

Die Umlaufgeschwindigkeiten sind so bemessen, daß z, B. die gleiche Aufzeichnung auf der ersten Scheibe den Ton C, auf der zweiten den Ton Cis, auf der dritten den Ton D usw. in der Wiedergabe ergibt, so daß bei Stimmung der ersten Scheibe durch Einregelung der Umlaufgeschwindigkeit auch alle übrigen Scheiben die 11 übrigen Töne einer Oktave erzeugen.

Um nun den gewünschten Umfang von 5 Oktaven herstellen zu können, sind auf jeder Scheibengruppe nebst dem Grundton weitere 4 je eine Oktave höhere Töne aufgezeichnet, deren Schwingungszahlen sich somit wie 1:2:3:4:5 verhalten, wobei selbstverständlich die Aufzeichnungen der höchsten Töne dem Plattenrand am nächsten liegen.

  • Anmerkung : Wie bei der 30cm Schallplatte ist dort die Informationsdichte am geringsten, und dadurch die Qualität am höchsten.


Da nun tatsächlich jeder dieser einzelnen Töne auch in mehreren Klangfarben, entsprechend den gewählten Registern aufgezeichnet sein muß, so ergeben sich Aufteilungen der Scheiben nach Art der in Abb. 2 gezeigten, die einen sektorförmigen Scheibenausschnitt darstellt.

18 Aufzeichnungsreihen mit verschiedenen Klangfarben

Auf ihr sind 18 Aufzeichnungsreihen zu unterscheiden, von denen die ersten 15, von außen nach innen gerechnet, als 5 Gruppen von je 3 Tönen zu deuten sind, die gleiche Tonhöhe, aber verschiedene Klangfarbe besitzen.

Die äußersten drei Reihen entsprechen also etwa dem dreigestrichenen C in drei Klangfarben, die folgenden drei Reihen dem zweigestrichenen C in drei Klangfarben usw. Die innersten drei Reihen fallen außerhalb dieses Systems und ihre Einschaltung erfolgt durch Fußpedal.

Aus technischen Gründen wurde die Orgel aus in sich geschlossenen und untereinander gleichen Bauelementen von je zwei Scheiben mit den zugehörigen Klappenrelais, Photozellen, Tonlampen und Optiken zusammengesetzt. -

Der Klang der Orgel ist von dem guter Pfeifenorgeln, wie von zahlreichen Musikern bestätigt wurde, nicht zu unterscheiden. Die Vorzüge liegen in der kleinen Dimensionierung, welche die Unterbringbarkeit in sonst ungeeigneten Räumen und verhältnismäßig einfachen Transport ermöglicht, und in der akustischen Anpassungsfähigkeit, die durch die praktisch unbegrenzte Lautstärke sowie dadurch gegeben ist, daß man Lautsprecher beliebiger Strahlungseigenschaften an beliebigen Punkten des Raums zur Wiedergabe verwenden kann.

Der Wunsch nach Austausch von Registern bedeutet hier nicht den Einbau neuer Pfeifen, sondern nur die Auswechslung einiger Scheiben. Die Tonaufzeichnungen wurden teilweise durch die Aufnahme wirklicher Orgeltöne, teilweise zeichnerisch gewonnen. Die letztere Methode bietet den Ausblick auf Schaffung von Registern oder Klangfarben, die der Pfeifenorgel überhaupt unzugänglich sind.
Dr. Paul Hatschek D.K.G. in 1936

.

- Werbung Dezent -
Zur Startseite - © 2006 / 2024 - Deutsches Fernsehmuseum Filzbaden - Copyright by Dipl.-Ing. Gert Redlich - DSGVO - Privatsphäre - Redaktions-Telefon - zum Flohmarkt
Bitte einfach nur lächeln: Diese Seiten sind garantiert RDE / IPW zertifiziert und für Leser von 5 bis 108 Jahren freigegeben - Tag und Nacht, und kostenlos natürlich.