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Achtung: Artikel und Texte aus NS/Hitler-Deutschland 1933-45

Nach der Gleichschaltung der reichsdeutschen Medien direkt nach der Machtübernahme in Februar/März 1933 sind alle Artikel und Texte mit besonderer Aufmerksamkeit zu betrachten. Der anfänglich noch gemäßigte politisch neutrale „Ton" in den technischen Publikationen veränderte sich fließend. Im März 1943 ging Stalingrad verloren und von da an las man zwischen den Zeilen mehr und mehr die Wahrheit über das Ende des 3. Reiches - aber verklausuliert.
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Bemerkungen zu einigen historischen Vorführungen
von photographischen Bewegungsbildern *)

aus Kinotechnik Heft 18 - September 1936 von Privatdozent Dr. Hans Traub, Greifswald-Berlin.

*) Eine Angabe aller benutzten Quellen würde zu weit führen. Doch sei darauf hingewiesen, daß einen großen Teil dieser Veröffentlichungen nur die gemeinsame Arbeit mit den Seminarbesuchern des Instituts für Zeitungswissenschaft an der Universität Berlin während der Sommersemester 1934 und Wintersemester 1934/35 ermöglicht hat.
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1877/79 Muybridge

Edward Muybridge nahm 1877 mit einer Reihe von einzelnen Kameras, die er nacheinander durch Zerreißen von Fäden sich auslösen ließ, laufende Pferde auf. 1879 wurde eine kleine Auswahl dieser Aufnahmen als Serienbilder in San Franzisko projiziert.

Am 9. März 1891 zeigte er sie in Berlin, etwas später in München. Sein erster Berliner Vortrag fand vor geschlossenem Kreise statt, der zweite in der Urania war öffentlich.

Muybridge sprach englisch. Er zeigte seine Bilder außerdem in England, Frankreich und Österreich. Der weitaus überwiegende Teil dieser Vorführungen bestand aus der Projektion von Stehbildern. Für sein Auftreten in Berlin war ihm der Weg insofern durch den Deutschen O. Anschütz vorbereitet worden, als sich Anschütz geweigert hatte, seine photographischen Diapositive der Urania für den Bau eines Projektionsapparates zur Verfügung zu stellen. Daraufhin lud die Urania Muybridge ein. Die Fachkritik über die wenigen kurzen Serienbilder war abfällig (negativ).

1884/95 Anschütz

Ottomar Anschütz machte im Oktober 1884 mit 24 einzelnen Apparaten, die er nacheinander elektrisch auslöste, Aufnahmen von laufenden Pferden. 1886 erhielt er einen ähnlichen Auftrag vom Preußischen Kriegsministerium für Serienaufnahmen im Kgl. Gestüt zu Graditz und für 100 Serienaufnahmen im Militärischen Reitinstitut zu Hannover, nachdem er bereits vorher vom Kultusministerium in seinen Arbeiten unterstützt worden war.

Bereits am 5. April 1883 hatte man ihn in der Sitzung des „Vereins zur Förderung der Photographie" in Berlin ermuntert, ähnliche Serienaufnahmen wie Marey zu machen. Anschütz führte seine Serienbilder 1887 durch einen Betrachtungsapparat in Berlin und Wien vor. Er benutzte ihn zuerst als „Schnellseher" in gewisser Anlehnung an die alte Wundertrommel, dann als „Elektrotachyskop" mit intermittierender Durchleuchtung kontinuierlich laufender Glasfolien-Phasenbilder.

1891 sah man diesen Apparat auf der Elektrischen Ausstellung in Frankfurt, 1892 in London (Strand 45), 1893 auf der Weltausstellung in Chikago, wo er lange Zeit vor dem Erscheinen des Kinetoskop von Edison aufgestellt war.

1892/95 baute die Firma Siemens 78 solcher Betrachtungsapparate für Geldeinwurf. Mit einer Projektion seiner Serienbilder auf einen 5qm-Schirm begann Anschütz 1894. Er benutzte dazu einen Doppelprojektor. Die ersten Vorstellungen fanden am 25., 29. und 30. November
1894 im Hörsaal des Postgebäudes Berlin, Artilleriestraße, und während des März 1895 zum Eintritt von 1 Mark und 1,50 Mark im alten Reichstagsgebäude statt.

Er verfügte über mehr als 40 verschiedene Serienbilder. Für die Vorarbeiten hatte Anschütz einen Raum in dem noch unvollendeten Reichstagsgebäude zur Verfügung. 1896 wurde sein Betrachtungsapparat auch auf der Gewerbeausstellung in Berlin gezeigt.
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1891/93 Edison

Die öffentliche Ausstellung des Betrachtungsapparates Kinetoskop auf der Weltausstellung von Chikago 1893 zeigte kontinuierlich bewegte, perforierte Filmbänder mit Laufbildern.

1891 hatte Edison die ersten Laufbilder (laut Patentanmeldung) auf perforierten Filmstreifen aufgenommen. Möglicherweise lag ihre öffentliche Vorführung schon vor 1893. Auch soll bereits eine Projektion in diesen Jahren stattgefunden haben, z. B. am 5. Februar 1894 durch Le Roy.

Sicher ist, daß Edison in den ersten 1890er Jahren im Laboratorium projizierte und die Projektion mit dem Phonograph verband. Seine späteren Projektionsvorführungen mit dem Vitaskop sind seit dem 23. April 1896 bekannt Die gesamten Vorarbeiten gehen bis 1888 zurück.

Den Betrachtungsapparat sah man 1894 in London, November / Dezember 1894 in Paris (Boulevard Proissonniere 20), März 1895 in Berlin (Castans Panoptikum), Januar 1896 in München (Gabriels Panoptikum), Februar 1896 in Wien, Mai bis Oktober 1896 im Edison-Pavillon auf der Berliner Gewerbeausstellung.

Hier sah man neben dem Betrachtungsapparat möglicherweise auch Edisons Projektionsbilder. Mit Sicherheit ist letztes deshalb nicht zu sagen, da im gleichen Pavillon Laufbilder von Lumiere in Projektion gezeigt wurden. Die „Deutsche Automaten-Gesellschaft" hatte nämlich die Auswertungsrechte für die Laufbilderapparaturen von Edison und Lumiere gemeinsam erworben. Am 16. August 1896 brannte es im Pavillon. Am 30. August wurde er wieder eröffnet. Der Schaden betrug 6000 Mark.
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1894/95 Lumiere

Auguste und Louis Lumiere zeigten ihr „kinetoskope de projection" zum ersten Male am 22. März 1895 in Paris. Das Wort Projektionskinetoskop war bisher unbekannt. Sehr bald trat an seine Stelle die Bezeichnung Cinematograph.

Der Aufnahme- und Wiedergabeapparat war der gleiche. Die ersten Laufbilderaufnahmen auf perforierten Filmbändern waren Ende 1894 gemacht. Es folgten Vorführungen am 10. und 12. Juni auf der Jahresversammlung der französischen Photographen und am 11. Juli 1895 in den Räumen der Revue Generale und seit dem 28. Dezember 1895 „dans une salle speciale du Grand Cafe" auf dem Boulevard de Capucins 14.

Die Vorstellung dauerte 20 Minuten. Dieser Kinematograph war zu sehen in London am 17. Februar 1896, in Berlin am 28. April 1896 (Friedrichstr. 65a, I. Etage, Ecke Mohrenstr.), dann im Edison-Pavillon auf der Gewerbeausstellung, in Stuttgart auf der „Ausstellung für Elektrotechnik und Kunstgewerbe" vom 6. Juni bis September 1896, in München im Juli 1896 in den Central-Sälen, in Wien während des März 1896, in Spanien während des Juni 1896, in Serbien während des Juli 1896, in Rumänien während des August 1896, in Amerika während des Mai 1896.

Auch Australien und Indien wurden beschickt. Bis 1897 waren die Apparaturen streng geheimgehalten, ausgenommen einige Skizzen in den wenigen Artikeln der photographischen Fachpresse. Dann wurde die Erfindung an Charles Pathe verkauft. Er hatte seit 1896 amerikanische Laufbilder vorgeführt. Später baute er mit seinem Ingenieur Victor Continsouza 70.000 Projektoren, welche die in Frankreich nicht patentierte Maltheserkreuzschaltung des Deutschen O. Meßter benutzten.

  • Anmerkung : Es ist historisch falsch, daß Meßter das Malterserkreuz erfunden hatte oder eine solche "Schaltung" patentiert hatte. Aber Oskar Meßter lebte damals noch und so war es nicht opportun, etwas Gegenteiliges zu behaupten. - Übrigens völlig baugleich zu unserem späteren Mr. PAL, der ja auch das PAL System nicht erfunden, sondern bekannt gemacht hatte, aber überall als Erfinder herumgereicht wurde.

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1895/97 Skladanowsky

Die Gebrüder Max und Emil Skladanowsky zeigten mit ihrem Bioskop im Rahmen einer Varietevorstellung des Berliner Wintergartens am 1. November 1895 zum ersten Male ihre Serienbilder auf Filmbändern in Projektion. Im Oktober hatte ihre Vorführung vor den Direktoren dieses Unternehmens stattgefunden, Aufnahme- und Wiedergabeapparatur waren verschieden.

Die Wiedergabeapparatur war ein Doppelprojektor, dessen eine Projektion die ungeraden Bilder (1, 3, 5 usw.), dessen andere alle geraden Bilder (2, 4, 6 usw.) abwechselnd an die Wand warfen.

Gezeigt wurden Serienbilder auf 1,5 bis 2m langen Filmbändern. Die Aufnahme muß etwa im Sommer 1895 stattgefunden haben. Die Versuche zum Bau einer Aufnahmeapparatur werden bis 1892 vorverlegt.

Das Engagement zum Januar 1896 an die "Folies Bergeres" in Paris wird durch 2.500 Frank abgefunden, da inzwischen die Filmbilder Lumieres bekanntgeworden waren. Die Direktion bot vergeblich 50.000 Frank zum Ankauf für den Kinematographen.

Die Wintergartenvorführung der Skladanowskys wurde wiederholt im Hamburg im Dezember 1895, in Halle 1.-15. Februar 1896, in Köthen 16.-28. Februar 1896, in Christiania im März 1896, in Holland vom Mai bis 6. Juni 1896, in Kopenhagen vom 9. Juni bis 10. Juli und anschließend bis Ende August in Stockholm.

In der zweiten Hälfte des März 1897 treten die Skladanowskys mit neuem Programm und neuer Apparatur in den Zentralhallen zu Stettin mit Laufbildern auf. Sie zeigen nun u. a, Berliner und Stettiner Straßenszenen. Ihre Aufnahmen wurden auf einem Apparat unbekannter Herkunft etwa im August oder September 1896 gemacht (nach anderen Aussagen wurde der neue Aufnahmeapparat bereits in den ersten Monaten 1896 benutzt).

Auch der Projektionsapparat war jetzt ein moderner Einfachprojektor mit der inzwischen bekanntgewordenen Maltheserkreuzschaltung. Diese Stettiner Vorführung war die erste und letzte der Skladanowskys mit Laufbildern.

Eine Beeinflussung der Erfindungen Lumieres oder Meßters hat nachweislich nicht stattgefunden. (Die Angaben im Inserat vom 6. Januar 1896 im „Artisten" und in Nr. 1134 des „Komet" von 1906/07 halten einer kritischen Untersuchung nicht stand.)

1896

Eine Gruppe von Männern, von denen einige die Lumiere-Vorführung in Paris gesehen haben, eröffnen anscheinend als „Deutsche kinematographische Gesellschaft" in einem Raum des Restaurants Wilhelmshallen zu Berlin, Unter den Linden 21, am 25. April 1896 ein Laufbildtheater. Ihre Vorführmaschine war ein französischer Isolatograph. Während des Septembers machte die Gesellschaft Konkurs.

Oskar Meßter erwarb das Theater für Vorführungen mit seiner eigenen, selbst erfundenen Apparatur. Überdies war der vorhandene Isolatograph bereits völlig unbrauchbar. Jene Gesellschaft ist nicht zu verwechseln mit der „Deutschen Automatengesellschaft", die in Verbindung mit den Gebr. Stollwerck, Köln, stand, und die Auswertungsrechte der Erfindung von Edison und Lumiere auf der Berliner Gewerbeausstellung besaß. Anschütz hatte sich seinerzeit vergeblich an sie um Unterstützung gewandt.

1896/97 Meßter

Im April 1896 kam Oskar Meßter eine völlig unbrauchbare Nachahmung einer englischen Vorführapparatur für Laufbilder von Paul in die Hand. Paul hatte seit 1894 das in England nicht patentierte Edison-Kinetoskop nachgebaut und selbst eine Aufnahmekamera konstruiert, als er keine Filme von der Edison-Vertretung mehr erhielt.

Während des Februar 1896 führte er handkolorierte Filme in
London vor. Bis Dezember 1896 setzte er etwa 150 Apparaturen ab. 1897/98 ging auch er bei diesen Wiedergabeapparaturen zur Maltheserkreuzschaltung von O. Meßter über. Dieser hatte im Mai oder Juni 1896 den ersten selbst und unabhängig erbauten und für die Zukunft des Filmgewerbes maßgebenden Projektionsapparat für Laufbilder auf perforierten Filmbändern verkauft.

Er ist gekennzeichnet durch eine bestimmte Verwendung eines maltheserkreuzartigen Getriebes zum Zweck einer intermittierenden Fortschaltung des Filmbandes. Ende 1896 waren bereits 64 Vorführmaschinen, davon 42 in Deutschland abgesetzt.

Am 19. September 1896 erwarb er für kurze Zeit das Kino „Unter den Linden". Im November 1896 nahm er als erster Deutscher mit einer selbstkonstruierten Apparatur Laufbilder auf. Seit Ende 1896 bestand ein Vorführvertrag mit dem Apollotheater in Berlin und dem Hansatheater zu Hamburg.

Ende Oktober 1897 erschien sein 115 Seiten starker illustrierter Laufbild- und Apparatekatalog, nachdem schon vorher regelmäßig diese „ersten deutschen Kinematographenfilms" von 75 Mark an inseriert worden waren. 1903 trat Meßter mit den ersten deutschen Tonbildern an die Öffentlichkeit.
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1896/97

Neben Lumieres, Isolas und Meßters Apparaturen wurden in Berlin photographische Laufbilder in Projektion vorgeführt, z. B. im Königsgarten, Leipziger Str. 136 (August 1896), in den Viktoriasälen, Leipziger Str. 134 (September 1896), in der Mauerstr. 66 mit der Apparatur von Försterling (November 1896), in der Karlstr. 28 gegenüber dem Zirkus Renz (Oktober 1896).

Auf der Gewerbeausstellung soll ebenfalls noch ein Kinematograph vorhanden gewesen sein. Auf dem Oktoberfest 1896 in München meldeten sich drei Kinematographen, darunter Krauße und Dienstknecht.

Der in diesen Anmerkungen vorgenommene Unterschied zwischen Laufbild und Serienbild kennzeichnet hauptsächlich zweierlei:

Einmal bringen die Serienbilder nur einige wenige Momente einer Bewegung zur Darstellung und fügen während der Vorführung ihre Endphase stets mit der Anfangsphase wieder zusammen. Es erscheint also kein fortlaufendes Bild, sondern ein sich stets wiederholendes Serienbild. Zum andern findet beim Serienbild zwischen Negativ und Positiv keine wirklichkeitsgetreue Kopie statt.

Vielmehr wird jedes Einzelbild des Positivs in der Wiedergabeapparatur eigens angebracht und zur Projektion ausgerichtet (wie z. B. bei Anschütz), oder die Einzelbilder erscheinen auf dem Negativband in verschiedenen Abständen, so daß für das Positivfilmband jedes Einzelbild ausgerichtet und ausgeschnitten werden muß (z. B. bei den Skladanowskys), bei denen außerdem noch die Trennung in gerade und ungerade Bilder zur Wiedergabe im Doppelprojektor vorgenommen werden mußte.

Zwischen Laufbild und Serienbild besteht also ein prinzipieller Unterschied, um dessen Klarheit willen wir den Begriff Film im Text möglichst vermieden haben.
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Eine historische Zusammenfassung aus 1936

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