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Hier stehen die Messe- bzw. Veranstalter "Informationen".

Im Unterschied zu unseren überwiegend selbst formulierten Artikeln und Kommentaren sind das die vorauseilenden Lobeshymnen der Redakteure und Pressemenschen sowie der Messe-Ausrichter, der Messegesellschaften und der Veranstalter. Allermeist basieren die auf den vorab verteilten Presse- Informationen der Hersteller oder der Vertriebsfirmen. Nur die wenigsten dieser Lobeshymnen waren "wahr" bzw. hatten sich wirklich erfüllt.
Die Fachblätter und Magazine waren meist (finanziell) darauf angewiesen, solche Artikel unkommentiert zu veröffentlichen, weil da allermeist auch sogenannte "flankierende Anzeigen" (hinzu) geschaltet wurden. Über diese selbstverständlich erfundenen nebulösen ("das gabs doch gar nicht") Zusammenhänge gibt es ausführliche Seiten im Hifi-Museum, weil es dort ganz besonders offensichtlich wurde, wie "das Spiel" funktioniert.

Und: wir sollten unterscheiden zwischen "Zeilen" und "Linien"

Es fällt immer wieder auf, daß selbst gestandene Fach-Redakteure und Fach-Autoren diese beiden Begriffe allzuoft verwechseln, vertauschen oder ungeschickt benutzen. Viele PAL- Kameras konnten trotz nomineller 625 Zeilen nur echte 450 Linien aufnehmen und auch darstellen. Gleiches gilt für Videorecorder, Monitoren und Fernseher aller Hersteller. In den gesamten englisch sprachigen Publikationen sind es die verwechselbaren "lines" (und ab und zu die TV-lines) und man muß Nachsicht walten lassen. "Sie" unterscheiden das ganz selten.

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Montreux-Bericht 1993 - Einführung und Interview

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Ankündigung im redaktionellen Teil laut Presseinfo (März 1993)

Internationales Fernsehsymposium Montreux mit erweitertem Vortragsprogramm

aus FERNSEH-UND KINO-TECHNIK Nr. 4/1993

Mit einer Pressekonferenz in Berlin machte Mitte März das kommende Femsehsymposium in Montreux auf sich aufmerksam, das vom 10. bis 15. Juni 1993 stattfinden wird.

Im Rundfunkteil des Symposiums dominieren aktuelle Themen wie Digitalisierung und HDTV bei Produktion und Übertragung, Multimedia- und interaktive Anwendungen, optische Speichermedien, Sender und Satelliten, neueste Produkte für Produktion und Übertragung.

Koordinatoren sind Daniel Kramer, Technischer Direktor, SRG, Schweiz und Dr. Albrecht Ziemer, Technischer Direktor des ZDF. Wichtige Themen im Kabelteil des Symposiums werden sein neue ökonomische Netzkonzepte, Multikanalsysteme für Kabel und Satellit durch Digitalisierung und Videokompression, Smart Card Anwendungen, Neue Businesschancen im Kabel, Kabel kontra Satellit. Koordinator ist Volker Steiner, Direktor für Rundfunk, DBP Telekom.

Neue Höhepunkte vorgesehen

Dazu sind im diesjährigen Symposium zwei neue Höhepunkte aufgenommen worden:

1. Das Wochenendforum (11. und 12. Juni) wird interdisziplinäre Kernpunkte präsentieren, wie Status und Aussichten für High Definition in Kinoproduktion, Multimedia-Fernsehproduktion und Gestaltung, das kreative Potential von High Definition und erforderliche ökonomische Strategien.

2. Am Tag der "zukünftigen Technologien" (14. Juni) werden Visionen neuer Dienste und Produkte gezeichnet einschließlich ihrer Industrie- und medienpolitischen Rahmenbedingungen. In einer besonderen Ausstellung werden die führenden Forschungslaboratorien der Welt einen Blick auf ihre neuesten Arbeitsergebnisse gestatten. Dieses Ereignis koordiniert Dr. Albrecht Ziemer.

An diesem Tag werden auch der deutsche Post- und Telekommunikationsminister Dr. Bötsch, sein Vorgänger Dr. Schwarz-Schilling und EG-Vizepräsident Bangemann zu wichtigen politisch strategischen Themen Stellung nehmen.

Das Internationale Elektronische Film Festival wird parallel zum Symposium Programme präsentieren, deren künstlerische Schöpfungen mit digitaler Technologie und HDTV-Produktion erzielt worden sind. Manfred Durniok, Produzent, Berlin, koordiniert das Festival.

Die "Highlight Session" (Sonntag, 13. Juni) wird der Rolle des Fernsehens als "Kraft zur Vereinigung" bei der Überwindung des Eisernen Vorhangs gewidmet. Peter Ustinov präsentiert diesen Höhepunkt.

Im vollständig fertiggestellten Kongreßzentrum zeigt vom 11. bis 15. Juni, jeweils von 10-18.00 Uhr, die Technische Ausstellung von Montreux die professionelle Welt des Fernsehens.

Trübe Aussichten ?
Ein Gespräch mit Francis Héricourt

Symbolischer hätte es kaum sein können - der Himmel schüttete Wasser aus allen Eimern auf die gebeutelten Teilnehmer des 18. TV-Symposiums in Montreux. Der Regen spülte dabei scheinbar auch ein Thema in den Gully, daß es so nicht verdient hätte: MAC in seinen Varianten und HDTV.

Nachdem noch im vergangenen Jahr ein Aktionsplan eine HDTV-Förderung in Höhe von 850 Millionen Ecu (1,7 Mrd. DM) vorsah, mußte er auf Drängen Londons geändert werden.

Jetzt werden allgemein Produktionen im Format 16:9 gefördert, freilich nur mit 228 Millionen Ecu (450 Millionen DM). Dieser Betrag ist läppisch genug, erstreckt sich doch seine Verteilung über 4 Jahre und betrifft im Prinzip alle EG-Staaten.

Sendeanstalten und Produktionshäuser sollen so in die Lage kommen, die Mehrkosten für die Breitbild-Produktion zumindest teilweise aufzufangen. Ob das freilich auch die Übertragung forciert, ist fraglich.

In Deutschland zeichnet sich das Ende von D2-MAC ab.

Doch zur Zeit kann nur mit D2-MAC das 16:9-Format übertragen werden, eine Alternative wäre PALplus. Das Verfahen war aber als terrestrische Antwort für Broadcaster auf den Satelliten-Standard zu sehen. Und für Frankreich steht wohl PALplus kaum zur Diskussion.

In Montreux ergab sich die Möglichkeit, ein Gespräch mit Francis Hericourt, dem Generaldirektor von Thomson Broadcast, zu führen. Nach seiner Schätzung dürften in Frankreich bislang nur 200.000 D2-MAC-Empfänger im Einsatz sein. Und von einer terrestrischen D2-MAC-Variante ist plötzlich auch keine Rede mehr.

Wie lange wird es noch D2-MAC in Frankreich geben?

Bis 1997 bestimmt noch. Erst dann werden digitale Übertragungen stattfinden, so daß es dann wohl keine Notwendigkeit für D2-MAC mehr geben wird. Man sollte sich aber auch erinnern, daß D2-MAC im Prinzip eine Entwicklung der Broadcaster ist. Auch die EBU wollte MAC. Wir von der Industrie verpaßten jedoch das richtige Fenster zum Einstieg, kamen zu spät.

Als die ersten Satelliten in Betrieb gingen, hätte auch D2-MAC laufen müssen. Dazu hätten wir mehr Power benötigt. Jetzt wird aber mit PAL und Secam gearbeitet, und da bleibt für D2-MAC nur ein Nischenmarkt übrig.

Wird bei Thomson an einem "Secamplus" gearbeitet?

Bestimmt nicht. Das wäre der gleiche Fehler, wie er in Deutschland mit PALplus gemacht wird. Die Industrie ist nicht sonderlich daran interessiert, denn PALplus ist eine defensive Strategie der Broadcaster, um nicht an Einfluß zu verlieren. So, wie man sich von D2-MAC verabschiedet hat, sollte man sich jetzt auch von PALplus zurückziehen.

Wie ist die Situation von HD-MAC ?

Das ist ein ausgezeichnetes System, und jetzt müssen wir Kunden dafür finden. Dabei haben uns die Broadcaster im Stich gelassen. Zunächst wollten alle das System, und jetzt schauen alle nach den USA, wo auch wir intensiv an digitalen Verfahren arbeiten.
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Sind mehr Programme wichtiger als die Qualität:

Sicherlich sind anfangs viele Programme reizvoller als eine besonders gute Bildquatität. Beim Rundfunk gab es das auch - zunächst machte jeder Programme in Hülle und Fülle. Dann kam FM-Stereo und jetzt haben wir zum Teil sogar schon digitale Übertragung über Satellit. So ähnlich wird wohl auch die Entwicklung bei HDTV sein. Erst wenn wir Hunderte von Programmen haben, wollen die Zuschauer das breite Bild und vor allem mehr Details. Das wird aber womöglich erst der Fall sein, wenn es den flachen Bildschirm in Serie gibt. Und das dürfte wohl noch mindestens 10 Jahre dauern. Im übrigen ist es nicht die Aufgabe der Industrie allein, Standards zu setzen. Wir entwickeln Werkzeuge, mit denen die Broadcaster produzieren und senden können. Dabei passen wir uns so gut wie möglich deren Bedürfnissen an, kommen aber dann nicht weiter, wenn plötzlich niemand mehr unsere Werkzeuge will. Das wird für uns sehr teuer.
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Gibt es für HDTV überhaupt noch eine Chance?

Machen wir uns nichts vor - HDTV ist eine japanische Entwicklung und für viele allein deshalb eine gute Sache. Daß MUSE aus heutiger Sicht nicht mehr das modernste Übertragungsverfahren ist, wissen wir alle. Aber in Japan bleiben die Auftraggeber bei ihren Zusagen, die Industrie hat dort die notwendige Planungssicherheit.

Es wurden Geräte entwickelt, die nun auch in den Geschäften stehen. Sicherlich bewegt sich da zur Zeit nur wenig, aber das ist ja ein weitweites Problem und hat nichts mit den großen und teuren HDTV-Geräten zu tun, wobei ich nicht zu sagen vermag, wie die großen Kisten in die kleinen Wohnungen passen. HDTV ist aber auch keine Idee von heute - wir sollten die Technik nutzen, um zunächst mehr Programme zu übertragen. Das ginge auch mit HD-MAC ausgezeichnet. In einem HD-MAC-Kanal können wir mit Multi-MAC vier D2-MAC-Programme in 16:9 übertragen.
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Hat die Industrie aus MAC gelernt?

Technisch schon. Unsere Konverter von NTSC nach PAL bzw. Secam sind ein Ergebnis dieser Arbeiten. Aus dem HD-MAC-Transcoder von 1250/50 nach 1125/60 machten wir ein Produkt für 625/525. Unser Fehler war, daß wir zunächst den Standard umgesetzt und erst dann Kunden gesucht haben. Der Kunde muß heute sagen, was er will und braucht. Dann können wir arbeiten. Jetzt sind wir aber in der vertrackten Situation, daß wir ein ausgezeichnetes Produkt haben, wofür es kaum Nachfrage gibt. Da müssen wir uns noch etwas einfallen lassen. Im institutionellen Bereich sehe ich für HD-MAC noch gute Chancen.
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Wann sehen Sie HDTV?

Frühestens im Jahr 2000. Und auch dann zunächst nur im Kino !

R. Bücken in FERNSEH-UND KINO-TECHNIK 47. Jahrgang Nr. 7-8/1993

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