Sie sind hier : Startseite →  Historie und Geschichte→  1983 - 100 Jahre Fernsehen

Vorwort zu einem Artikel in einer 1983er "Gesundheitszeitung"

Der nachfolgende Fernseh-Artikel aus 1983, eine "schön-gefärbte" Laudatio auf das 100 Jahre alte Fernsehen, ist von ganz vielen Mythen, Unwahrheiten und aufgehübschten Legenden durchwoben.

Vielleicht wußte es der Autor Wilhelm Keller nicht besser oder er war von der Chef-Redaktion der BfA Zeitung dazu angehalten, ganz bewußt nur die positiven Seiten der Geschichte und des Mediums Fernsehens darzustellen.


Was auf jeden Fall angemerkt und bedacht werden muß, ist, daß die NS-Zeit von 1933 bis 1945 in diesem Artikel ganz gepflegt übergangen (oder verschwiegen oder verdrängt) wird bzw. gar nicht vorkommt. Sowohl der Reichs-Sendeleiter Hadamowsky wie auch Reichs-Propagandaminister Josef Göbbels übten nämlich in den 12 Jahren gewaltigen Druck auf alle Funk-Medien und die Beteiligten aus.

Auch die Erwähnung des späteren Mr. PAL Walter Bruch in allen Bereichen vor 1959 entspricht nicht den tatsächlichen Gegebenheiten und ist dem geschickt lancierten Telefunken Presesematerial von 1965 entnommen und auch hier kommentarlos und kritiklos wiedergegeben. Der Name Walter Bruch kommt in den hunderten von seriösen historischen Seiten von Oberpostrat Dipl.-Ing. Gerhart Goebel und in den Büchern von dem damaligen Telefunken Fernseh-Chef Dr. Fritz Schröter überhaupt nicht vor. Das mit der Bruchschen Fernsehkanone und einem Walter Bruch als erster Fernseh-Kameramann ist sehr zweifelhaft auf nicht belegbaren Telefunken Werbe-Informationen aufgebaut.

.

1883 bis 1983 - Ein Medium feiert Jubiläum

Wer in den Annalen des ehemaligen Kaiserlichen Patentamtes in Berlin blättert, entdeckt fast zwangsläufig die Geschichte des Fernsehens. Fast alles, was zum heutigen Fernsehen führte, wurde hier zum Patent angemeldet. Angefangen vom ersten Fernsehpatent der Welt bis hin zum elektronischen Fernsehen des Jahres 1930.

Das spätere Reichspatentamt Berlin und dessen Nachfolge-Institution, das Deutsche Patentamt in München, registrierten den hundertjährigen Weg von 1883 bis 1983 als nahezu lückenlose Geschichte eines Mediums, das von Berlin aus die ganze Welt eroberte!

Namen und Patentnummern markieren eine mediengeschichtliche Epoche von mehr als drei Erfindergenerationen. Und hinter jedem dieser „Fernseh"-Patente steckt das Schicksal von Persönlichkeiten, die ihr Leben der Entwicklung dieses Mediums gewidmet haben.
.

Das welterste Fernsehpatent trägt die Nummer DRP 30 105; Klasse 21, Elektrische Apparate und beschreibt ein „Elektrisches Teleskop" zur Fernsichtbarmachung von Bildern: „Der hier zu beschreibende Apparat hat den Zweck, ein am Ort A befindliches Objekt an einem beliebigen Ort B sichtbar zu machen", . . . leitete der junge Berliner Student der Naturwissenschaften, Paul Nipkow, seine Patentschrift ein.

Die Idee hatte er schon als Primaner, die Lösung fand er erst am Tage seines 23. Geburtstages - am 22. August 1883 - beim Schein seiner Geburtstagskerze; auf seiner Studentenbude im Nordwesten der Stadt, in der Philippstraße 13a.

Heiligabend des Jahres 1883

Genau am Heiligabend des Jahres 1883 war die sorgfältig ausgearbeitete Patentschrift fertiggestellt. Nur wenige Tage nach dem Jahreswechsel meldete Nipkow seine Erfindung zum Patent an. Eingetragen am 5. Januar 1884. „Patentiert im Deutschen Reiche vom 6. Januar 1884 ab."

Hierbei handelte es sich um den ersten, brauchbaren Bildfeldzerleger, bestehend aus lichtempfindlichen Selenzellen und einer Scheibe mit spiralenförmig angeordneten Löchern, die als Zerlegungs- und Zusammensetzungsorgan benutzt wurde. Die einzigen, damals noch nicht ganz gelösten Probleme, waren die Verstärkung der Bildsignalströme und die Trägheit der Selenzellen. Im übrigen stimmte alles: Die Idee, das Prinzip, und sogar die praktische Durchführung lag bereits mit den vorhandenen Mitteln im Bereich des Möglichen.

Dennoch fand Nipkow keinen Hersteller, der seine ebenso kühne wie fundamentale Idee industriell auswerten wollte. Resigniert ließ er den Patentschutz zwei Jahre später verfallen. Ab dann war seine Erfindung allen Interessenten kostenlos zugänglich. Und davon wurde reichlich Gebrauch gemacht. Nur zwei Jahre später bildete die Nipkow-Scheibe die Grundlage der Fernsehentwicklung in Deutschland und Europa.

Heinrich Hertz und die elektromagnetischen Wellen

Ausgangspunkt dieses plötzlichen Interesses war wieder Berlin: Vor der Berliner Akademie der Wissenschaften bewies am 13. Dezember 1888 der Hamburger Physiker Heinrich Hertz die Existenz von elektromagnetischen Wellen. Die von ihm entdeckten und nach ihm benannten „Hertzschen Wellen" bildeten die Grundlage der Funktechnik bzw. der drahtlosen Übertragung. Mit dieser Entdeckung gewann die Idee des Fernsehens - auf Basis der Nipkow-Scheibe - eine völlig neue Dimension.

Aus sämtlichen Himmelsrichtungen erschienen Berichte von „Bildabtastern", „Bildschreibern", „elektrischem Fernsehen" - nur kämpften alle vorerst vergeblich mit dem bisher ungelösten Verstärkerproblem. Trotzdem brachte jeder neue Versuch auch neue Erkenntnisse.

Ferdinand Braun und die Kathodenstrahl-Röhre

Es war im Mai des Jahres 1897 in Straßburg. Dem Fuldaer Physik-Professor Ferdinand Braun gelang die Erfindung der „trägheitslosen Kathodenstrahl- Oszillographen-Röhre", die schnelle, elektromagnetische Schwingungen sichtbar machte und speziell zum Studium von Wechselströmen geschaffen wurde.

Ohne es zu ahnen, hatte Professor Braun damit den ersten Fernseh-Bildschirm der Welt gebaut. Zwölf Jahre später wurde er für seine Entwicklung mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Max Dieckmann und der elektronische Bildgeber

Im Jahr 1906 umging der damalige Assistent von Professor Braun, Max Dieckmann, das leidige Verstärkerproblem. Er ersetzte die Abtastöffnungen einer Nipkow-Scheibe durch spiralenförmig angeordnete Kontaktbürsten und tastete damit die aus Metall bestehenden Vorlagen galvanisch ab. Als Bildempfänger „mißbrauchte" Dieckmann die von seinem Lehrer geschaffene Röhre und übertrug - typisch für einen Münchner - einen Maßkrug. Auf dem Bildschirm erschien ein 3 x 3 cm großes Schattenbild.

Durch den Kunstgriff der galvanischen Abtastung gelang es Dieckmann, mechanisch- elektrisch- elektronisches Fernsehen zu demonstrieren.

Die Lieben-Röhre

Im gleichen Jahr erhielt der Österreicher Robert von Lieben das Patent auf ein „trägheitslos arbeitendes Kathodenstrahl-Relais". Ein entscheidender Beitrag zur ersten Verstärkerröhre.

1913, kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges, fand von Liebens Kollege und Telefunken-Mitarbeiter Alexander Meissner in Berlin den „Schlüssel" zur Entwicklung leistungsfähiger Röhrensender: Patentiert als „Rückkopplung zur Erzeugung von Schwingungen".

Der Fernseher des Denes von Mihäly

Erst nach Kriegsende wurde die Weiterentwicklung des Fernsehens wieder aufgenommen. 1923 bekam der Wahl-Berliner und gebürtige Ungar Denes von Mihäly ein Patent für sein weiterentwickeltes Bildabtast-System.

Im gleichen Jahr gründete der Berliner Staatssekretär Hans Karl August Bredow gemeinsam mit privaten Rundfunkgesellschaften die „Deutsche Rundfunkorganisation" und appellierte an die Techniker, „neben dem Klang nun auch das lebende Bild durch Funk zu übertragen".

In Anwesenheit des Reichspräsidenten Friedrich Ebert wurde am 4. Dezember 1924 die erste „Große Deutsche Funkausstellung" eröffnet. 268 Firmen stellten elf Tage lang ihre modernsten technischen Errungenschaften vor. Bewundert und bestaunt von 114.000 Besuchern!

Und Paul Nipkow - inzwischen 64jährig und pensioniert - half seiner Ursprungsidee weiter mit einer neuen Erfindung „zur Erzielung des Synchronismus bei Apparaten zur elektrischen Bildübertragung". Damit hatte er die bis dahin beste Lösung des Gleichlaufproblems gefunden: Alle Sender und Empfänger konnten an ein- und dasselbe Wechselstrom-Verteilungsnetz angeschlossen werden.

Der Berliner Funktum vom September 1926

Am 3. September 1926, dem Eröffnungstag der 3. Großen Deutschen Funkausstellung, wurde das neue, 126m hohe Wahrzeichen der Stadt eingeweiht: der Berliner Funkturm. Erbaut von Professor Heinrich Straumer.

Der Chefsprecher der Berliner Funk-Stunde, Alfred Braun, begann die Einweihungs-Feierlichkeiten mit einem Gedicht von Hans Brennert:

Hoch vom Berliner Himmel umblaut
ist ein stählerner Turm gebaut -
steil in die Berliner Luft,
umleuchtet vom letzten Sonnenduft.

Im neuen Berlin - im Berliner Wind
das allerjüngste Berliner Kind!
Berliner Jahre werden gehn;
Sturm wird kommen - der Turm bleibt stehn!

Berliner Jahre gingen - Stürme kamen, aber der Turm blieb stehn! Ein Denkmal für die Elektroindustrie, für die Erfinder von Funk und Fernsehen, das von Berlin aus die Welt eroberte.

Mai 1928 - „Elektrisches Fernsehen"

Im Berliner Labor von Denes von Mihäly erlebte am 11. Mai 1928 ein elitärer Kreis von Beobachtern zum ersten Mal in der Weltgeschichte „Elektrisches Fernsehen". Übertragen wurde ein „transparentes" Bild im 30-Zeilen-Raster aus dem Telegraphentechnischen Reichsamt. Nach dieser sensationellen Premiere beschloß die Deutsche Reichspost - als erste Fernmelde-Hoheitsbehörde der Welt - das Fernsehen nun auch offiziell einzuführen.

Der Fernsehstart 1928

Mit Eröffnung der 5. Großen Deutschen Funkausstellung in Berlin am 31. August 1928 gab das Reichspostzentralamt den „Start frei" für das neue Telekommunikations-System Fernsehen. Vorgestellt wurden die Systeme „Telehor" von Denes von Mihäly und „Telefunken" von Professor August Karolus und Telefunken.

Während Mihäly's System noch mit briefmarkenkleiner Bildgröße von 4 x 4 cm bei 30 Zeilen und 900 Bildpunkten aufwartete, präsentierte Karolus bereits eine Bildgröße von 8 x 10 cm und 96 Zeilen.

Ardenne und das vollelektronische Fernsehen

Die Sensation des Jahres 1930 kam aus Berlin-Lichterfelde: Am 14. Dezember demonstrierte der geniale 23jährige Physiker Manfred von Ardenne vollelektronisches Fernsehen mit einem Raster von 100 Zeilen bei 20 Bildwechseln pro Sekunde. Nur zehn Tage später - am Heiligabend - auf den Tag genau 47 Jahre nach Nipkow - gelang ihm die Übertragung von Bildern und Filmen mit Elektronenstrahlröhren auf Sender- und Empfangsseite.

Der „Fernsehsender Paul Nipkow"

Im Jahre 1933 - auf der 10. Großen Deutschen Funkausstellung in Berlin - stellten nahezu alle Firmen noch mechanische Filmabtaster für 180 Zeilen bei 25 Bildwechseln vor. Gleichzeitig feierte die Nipkow-Scheibe ihr fünfzigjähriges Bestehen und wenig später ihren Abschied.

Im April des Jahres 1934 wurde die neue Fernseh-Norm auf 180 Zeilen bei 25 Bildwechseln festgelegt. Am 22. März 1935 eröffnete der junge Sendeleiter Hadamowsky  den „ersten regulären Fernseh-Programmdienst der Welt" in Berlin.

Dem „Vater des Fernsehens", Paul Nipkow, wurden 1935 späte Ehren zuteil: Am 29. Mai wurde der Berliner Sender Witzleben auf den Namen „Fernsehsender Paul Nipkow" getauft und der 74jährige zum Ehrenpräsidenten der sogenannten Fernsehgemeinschaft ernannt. Am 22. 8., Nipkows 75. Geburtstag, verlieh ihm die Frankfurter Goethe-Universität die Würde eines Doktors der Naturwissenschaften ehrenhalber.

Berlin im Olympia-Fieber

Das immer wieder lancierte Telefunken Foto, auf dem angeblich Walter Bruch drauf ist.

Bei der Fernseh-AG entstanden Bildabtaster nach dem amerikanischen Farnsworth- Prinzip; bei Telefunken vollendete Walter Bruch mit seinen Mitarbeitern die erste, vollelektronische Ikonoskop-Femsehkamera (nach Vladimir Zworykin) für Aufnahmen im Stadion.

Und dann war es soweit: Mit drei verschiedenen Aufnahme-Kameras wurden die täglichen Sportereignisse gefilmt. 16 Tage lang sahen rund 150.000 Zuschauer die Übertragungen in 27 Fernsehstuben rund um Berlin.

Walter Bruch selbst stand hinter seiner riesigen „Kanone" als Kameramann und "filmte" die Wettkämpfe der Nationen. Unter abenteuerlichen Bedingungen - mit einem Gerät, das von fünf Personen bedient, wegen seiner Größe und Unförmigkeit in einem Graben versteckt werden mußte und doch möglichst alle erfassen sollte.

Die Ablösung der Nipkow-Scheibe

Mit dem Jahresende 1936 endete die mechanische Ära des Fernsehens. Die Braun'sche Röhre war auf dem Vormarsch. Der Siegeszug der Elektronik begann mit einer Bildschirmgröße von 31 x36 cm und einer Zeilenzahl von zunächst 375 - später 441 - bei 25 Bildwechseln. Damit stand auch die neue Fernseh-Norm fest.

Das Abenteuer : "Fernsehen machen"

Unter welchen Umständen zu jener Zeit im Berliner Fernsehstudio an der Rognitzstraße Fernsehen „gemacht" wurde, liest sich in den Erinnerungen der daran Beteiligten wie ein Abenteuer-Roman:

Das Studio selbst war kaum größer als ein Wohnzimmer. Die „Bühne" - ein winziges Quadrat, in dem Schauspieler, Sprecher, Akteure in totaler Dunkelheit agieren mußten. Das Viereck war durch Bodenleisten abgegrenzt, die um Himmels willen nicht übertreten werden durften.

Der Spielleiter lag auf dem Boden und berührte die Füße der Auftretenden, sobald sie ihren Standort zu verändern hatten. Da sie nichts, aber auch gar nichts sehen konnten, traten sie ihm dabei häufig genau auf die Hand - in der Annahme, daß sie die Leiste unter den Schuhen hätten. Und da Ton und Bild gleichzeitig liefen, durfte der so Gepeinigte keinen Laut von sich geben, um die Übertragung nicht zu stören.

Man installierte - innerhalb der Bühne - eine Bank, auf der sich die zu Filmenden niederlassen mußten. Als Peter Igelhoff eben jene Bank einmal in der Eile und Finsternis verfehlte, mußte er zehn Minuten lang in Kniebeuge vor seinem Flügel zubringen - und spielen!

Nach einer Tiersendung konnte niemand einen gerade aufgenommenen Leoparden dazu bringen, das stockfinstere Terrain zu verlassen - aber die Sendung mußte weitergehen. Vor Angst schlotternd mußte also der Sprecher, Kurt Krüger-Lorenzen, dicht neben dem Tier stehend seine Ansage machen.

In seiner Biographie erzählte „Krülo" auch, daß der jeweilige Regisseur vom Dienst seine Reporter - verabredungsgemäß - zwei- oder dreimal in den Po kniff, um ihnen zu signalisieren, daß sie noch zwei oder drei Minuten Sendezeit vor sich hatten. Für die Damen galten selbstverständlich andere Regeln!

Streiflichter

Telefunken entwickelte 1938 den ersten Rechteck-Bildschirm der Welt. Im Berliner Deutschlandhaus wurden neue Aufnahmeräume gebaut. Fünf deutsche Firmen erhielten den Auftrag, einen „Deutschen Einheitsempfänger" zu konstruieren. Bildgröße: 20x22 cm; Einheitspreis: 650 Reichsmark.

Auf der 16. Großen Deutschen Rundfunk- und Fernseh-Rundfunk-Ausstellung Berlin 1939 ahnte kaum jemand, daß diese Funkausstellung die vorerst letzte sein würde, daß sich die Tore einer Berliner Funkmesse unter dem „Langen Lulatsch" erst 22 Jahre später wieder öffnen würden. Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurde der Fernsehdienst fast aller Länder eingestellt.

Der Neubeginn

Sender Freies Berlin (Fernsehzentrum)
„Durchreise 1955" : Modenschau im SFB-Fernsehstudio
Die Abendschau im Berliner Regionalprogramm

Das in Hamburg und Berlin beginnende Nachkriegsfernsehen beschreibt am besten Professor Emil Dovifat. Er war von 1948 bis 1954 Mitglied des Verwaltungsrates des NWDR und meinte: „Der neue Fernsehanfang war ein zweifacher. Einmal war er geplant, in sauberer Vorarbeit, finanziell, technisch, künstlerisch und politisch; das geschah in Hamburg. Der zweite Anfang daneben war improvisiert aus einfachsten, fast primitiven technischen Anfängen, finanziell so gut wie mittellos, aber begabt, ideenreich, künstlerisch gekonnt, mit Liebe und Leidenschaft dargeboten, dankbar aufgenommen. So geschah es in Berlin."

Im Jahre 1951 hatte Berlin bereits ein tägliches Fernseh-Versuchsprogramm, während sich Hamburg noch mit drei Abenden pro Woche begnügte.

Gegen ein tägliches Abendprogramm protestierten - aus verständlichen Gründen - die Bierbrauer. Sie plädierten für zwei Fernsehabende pro Woche. Mehr nicht! Als sie sich nicht durchsetzen konnten, lösten Kneipenwirte das Problem auf sinnvollere Art: Sie installierten Fernsehgeräte in ihren Lokalen. Von im Jahre 1952 angemeldeten rund 4.000 Fernsehempfängern standen allein 1.632 in Gaststätten.

1961 - Bau der Berliner Mauer

Und 1961 - endlich wieder - die Deutsche Rundfunk-, Fernseh- und Phono-Ausstellung in Berlin. Im gleichen Jahr filmte der SFB den Bau der Berliner Mauer und sendete live aus Berlin.

Das PAL Patent

1963: Professor Walter Bruch hatte jahrelang an der Verbesserung des amerikanischen NTSC-Farbfernseh-Verfahrens gearbeitet. Am 3. Januar erhielt er das Bundespatent für sein Farbfernseh-System PAL (phase alternation line). Neben NTSC und SECAM war PAL das dritte Farbfernseh-System der Welt. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte wurde es von rund 60 Ländern übernommen - unter anderem auch von China.

.

Das ZDF begann zu senden

Am 1.4. 1963 feierte das ZDF Premiere. - Die Übertragungen vom Besuch des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy in der Bundesrepublik und West-Berlin waren die bis dahin aufwendigsten live-Sendungen des Deutschen Fernsehens. 40 elektronische Kameras waren eingesetzt, 12 Übertragungswagen, Hubschrauber - sowie 400 Ingenieure, Techniker und Kameramänner.

1964 wurde das 10millionste Fernsehgerät von einer Berlinerin angemeldet!
.

1967 - Die Fernsehwelt wird farbig

Die 25. Große Deutsche Jubiläums-Funkausstellung 1967 fand wieder in Berlin statt und begann mit der langersehnten Sensation: Der ehemalige Regierende Bürgermeister, Vizekanzler Willy Brandt, gab mit einem Knopfdruck den „Start frei" für das Farbfernsehen in der Bundesrepublik und West-Berlin.

Zum gleichen Zeitpunkt fand die Eröffnung des Deutschen Rundfunkmuseums unter dem Berliner Funkturm statt. (inzwischen wieder geschlossen und aufgelöst und in alle Winde zerstreut) - Ab 1971 wurde die Funkausstellung international.

Quizmaster Hans Rosenthal startete seine Sendung „Dalli-Dalli". Zu den Kandidaten dieser ersten Sendung gehörte „Mr. PAL", alias Professor Walter Bruch, der - für alle Zuschauer verständlich - erklärte, warum er „sein" Farbfernseh-Verfahren „PAL-System" nannte - und ihm nicht seinen Namen gab!

1983 - zum Zeitpunkt der 7. Internationalen Funkausstellung in Berlin - sind fast auf den Tag genau hundert Jahre nach Nipkows Erfindung des Fernsehens vergangen, das von Berlin aus seinen Weg rund um die Welt antrat.

Berlin - Ursprung und Herz des Fernsehens. Wer die Entstehung, Entwicklung und Weiterentwicklung dieses Mediums bis hierher verfolgt hat, wird erkennen, daß wohl keine andere Stadt die Bezeichnung „Fernsehstadt" mehr verdient - als Berlin!

Wilhelm Keller im Jahr 1983
.

Anmerkung :

Der unbedarfte Leser hatte das damals natürlich alles für bare Münze genommen, es war ja auch wunderschön aufgehübscht, unproblematisch und vor allem, es war "schwarz auf weiß" gedruckt !! und damit war es ja sowieso schon wahr. Überprüfen konnten das in 1983 die Wenigsten und dazu hatte "man" oder Frau auch gar keine Lust. Und wenn dann in der "Bunte(n)" oder "Quick" oder "HörZu" "das Gleiche" drinnen stand, gab es keinerlei Zweifel mehr - das ist die Wahrheit.

.

- Werbung Dezent -
Zur Startseite - © 2006 / 2018 - Deutsches Fernsehmuseum Wiesbaden - Copyright by Dipl. Ing. Gert Redlich - DSGVO - Privatsphäre - Redaktions-Telefon - zum Flohmarkt
Bitte einfach nur lächeln: Diese Seiten sind garantiert RDE / IPW zertifiziert und für Leser von 5 bis 108 Jahren freigegeben - kostenlos natürlich.