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"Es" kam nicht aus Europa, es kam Ende 1968 aus Japan

Aus einem der ersten SONY Prospekte 1969

"Es", das war das erste erschwingliche semiprofessionelle Videogerät für alle. Ebenso wie Max Grundig viel viel später den Slogan benutzte: Hifi ist für alle da", so krempelte SONY ab Mitte 1968 den ganzen etablierten Markt der 16mm Filmtechnik komplett um. Gleichzeitig setzte SONY damit auch die Startmarke für eine ganz neue Industrie, die es bislang noch nicht gab, die Video-Industrie.

Und natürlich war Sony dort der Marktführer, jedenfalls eine Zeit lang. Nur wenige Firmen sprangen in Deutschland auf diesen neuen Zug auf. Wer damals zögerte und nicht den gewissen "Zukunftsgeist" geatmet hatte, der wurde gnadenlos abgehängt.

Einer der progressiven weitsichtigen Geister war der damalige "Vertrieb für Projektionslampen TSI" des Herrn W. Kruschel in Frankfurt. Er schickte seine Werbebriefe zielgenau an die ziemlich gleichen "Adressen", an die damals auch die Firma SONY (von Akio Morita 1947 aber in Japan) die ersten japanischen SONY Tonbandgeräte adressierte, an die Schulen und Universitäten.

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TSI DEUTSCHLAND schreibt im Herbst 1968 :

Betr. Sony Fernseh-Aufzeichnungs- und Übertragungsanlage
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Das Anschreiben Herbst 1968
1968 - Die erste SONY s/w Videoanlage mit offenen Spulen mit Halbzoll Band

Sehr geehrte Herren!
Da sich verschiedene Bildstellen für die Anschaffung von Fernseh- Aufzeichnungs- und Übertragungsanlagen interessieren, möchten wir auch Sie gern auf diese neue Anlage aufmerksam machen.

Wie Sie mit einem normalen Tonbandgerät den Ton aufnehmen, löschen und konservieren können, sind Sie mit diesem Video-Gerät in der Lage, Ton und Bild aufzuzeichnen. Das Magnetband, auf dem sich Ton und Bild befinden, kann ebenfalls wieder gelöscht und neu verwendet werden. Selbstverständlich können auch reguläre Fernsehsendungen auf "Band" genommen werden.

Mit Hilfe einer derartigen "Video-Anlage" sind Sie völlig selbstständig in der Lage, Geschehnisse aller Art, soweit sie auch vom menschlichen Auge gesehen werden können, auf Band zu konservieren, um sie sofort oder zu jedem beliebigen Zeitpunkt wieder abspielen zu können. Bereits vorhandene Unterrichtsfilme oder auch nur Teile daraus, können sofort auf "Magnetband" überspielt werden.

Die Wiedergabe erfolgt entweder über ein Monitorgerät oder auch, nach einem kleinen Umbau, über jedes handelsübliche Fernsehgerät.

Ausserdem kann von einem Bandgerät als "Zentralstelle" gleichzeitig über beliebig viele Fernsehgeräte oder Monitore gesendet werden.

Gerade im Unterrichtswesen bieten sich viele Verwendungsmöglichkeiten an: So können z.B. experimentelle Vorgänge (Physik, Chemie, Biologie usw.) gleichzeitig, und von Seiten der Anlage völlig geräuschlos, auf "Magnetband" in Bild und Ton aufgezeichnet werden; gelingt das Experiment, dann kann diese Aufzeichnung jederzeit, überall und immer wieder vorgeführt werden; ist das Experiment dagegen nicht gelungen, wird das Band einfach wieder gelöscht und es sind nicht einmal Bandkosten entstanden.

Wir legen über die 3-teilige Anlage eine Abhandlung mit einer Preisübersicht bei.
Für weitere Auskünfte stehen wir zu Ihrer Verfügung.

mit freundlichen Grüssen
TSI-Frankfurt W. Kruschel

Ausgabe 4. Quartal 1968.
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Anmerkung :

Das uralte AMPEX Logo auf einer der ersten VR1000 von 1958

Bei dieser Ankündigung war natürlich schwarz weiß gemeint. Von Farbe träumten nur die Vollprofis bei den Fernseh- "anstalten". Bei uns war ja gerade mal 1 Jahr vorher die Farbe eingeführt worden. Und dort kostete eine Ampex Maschine VR2000 um die 400.000.- DM. - Und mit dieser SONY Semi-Profitechnik war an Farbe überhaupt nicht zu denken. Auch die bereits volltransistorisierten s/w Vidicon- Röhren Kameras konnten den etablierten deutschen oder holländischen Studiokameras der Profis das Wasser nicht reichen. Dennoch, diese Recorder funktionierten überhaupt erstmal. Jeder konnte jetzt Fernsehbilder aufzeichnen. Es war abermalig ein Startschuß wie damals 1963 mit dem ersten Philips Kassettenrecorder.

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SONY Video Tape Recorder

Fernseh-Aufzeichnung- und Übertragungsanlagen im Ausstellungswesen.
Stellen wir erst einmal die hier abgebildete Fernseh-Aufzeichnungs- und Übertragungsanlage vor: sie besteht aus einer Fernseh-Kamera, einem Aufnahme- und Wiedergabe-Bandgerät für Bild und Ton und einem Monitor.

  • Anmerkung : Dem interessierten Leser fällt sofort auf, daß überhaupt keine Typenbezeichnung genannt wurde. - Warum auch, es gab ja überhaupt nur ein einziges erstes Modell von SONY.


Die Anlage ist zum Festhalten aller optisch/akustischen Ereignisse im täglichen Leben verwendbar und für westeuropäische Fernseh-Normen ausgelegt.

Mit der elektronischen Kamera, die durch ein Kabel mit dem Aufzeichnungsgerät verbunden ist, werden die Objekte aufgenommen und auf Band gespeichert; ein Kontrollbild an der Kamera ermöglicht exakte Aufnahmen überall dort, wo die Helligkeit auch für das menschliche Auge ausreicht. Während der Aufnahme kann auch im Monitor gezeigt werden, was zu jeder Sekunde gerade von der Kamera aufgenommen wird; die Kamera ist mit einem Mikrofon versehen, so daß gleichzeitig mit dem Bild auch der Ton auf das Magnet-Band aufgezeichnet werden kann.

Das aufgenommene Bild und der aufgenommene Ton können nun beliebig oft wieder abgespielt werden. Außerdem kann das Band gelöscht und wieder für eine neue Aufzeichnung verwendet werden. Ein Bild der Aufnahme, das ganz besonders wichtig erscheint, um z. B. näher erklärt zu werden, kann festgestellt und als stehendes Bild gezeigt werden. Sekundenschnell kann eine Wiederholung der gerade aufgenommenen Bild/Ton-Aufzeichnung erfolgen.

Reguläre Fernsehsendungen können direkt auf Band aufgenommen werden. In die Aufnahmen können neue Bilder eingefügt oder Tonaufzeichnungen nachträglich synchronisiert werden.

Es gibt diese Videorecorder bereits bei den Fernsehanstalten und in Bereichen der Wissenschaft und Forschung. Es handelt sich dabei jedoch um relativ große Anlagen für stationäre Zwecke. Eine weiterreichende Verwendung wurde erst möglich, nachdem SONY eine leicht zu transportierende Anlage auf den Weltmarkt brachte, die zudem noch preiswert und sogar auf Mietbasis angeboten wird.

In kürzester Zeit hat sich dieses Bild/Ton-Aufzeichnungsgerät in Wirtschaft und Wissenschaft einen Platz erobert. Ständig steigert sich die Zahl der Anwendungsmöglichkeiten und in nicht allzu ferner Zeit wird der Videorecorder zum Alltagsleben und zwar sowohl zum beruflichen als auch zum privaten Bereich des Menschen gehören.

Während sich derartige Anlagen als praktisches Kommunikationsmittel in weiten Gebieten des Handels und der Industrie, in der Werbewirtschaft, im sportlichen Leistungstraining, an den Universitäten und Hochschulen bereits eingeführt hat, mißt man der Anwendung im Messe- und Ausstellungswesen ganz besondere Bedeutung bei. Es liegt im Wesen einer Ausstellung begründet, daß innerhalb weniger Tage auf kleinstem Raum die wirkungsvollsten Effekte erzielt werden müssen. Überzeugende Verkaufsunterstützung, maximales Beeindrucken der Interessenten und Kunden von der eigenen Leistungsfähigkeit, Bewahrung und Ausbau des Firmen- oder Marken-Images.

So kann den Besuchern des Messestandes mit wenigen Handgriffen eine gewünschte Sendung, die vorher im Werk oder an anderer Stelle „auf Band" genommen wurde, in Bild und Ton gezeigt werden. Es genügen nur einige Magnetbänder und der Aussteller ist in der Lage, wie aus einer „Filmothek" alles das vorzuführen, was für den Interessenten von Bedeutung sein kann. Der Umfang dieses Verwendungsbereiches ist unerschöpflich und reicht von allen Sparten der Produktion hin zu den vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten eines Produktes beim Konsumenten.

Eine derartige Fernseh-Präsentation ist eine äußerst wirkungsvolle Unterstützung des Verkaufsgespräches auf dem Messestand. Ton und Bild überzeugen auch hier mehr als 1000 Worte. Praktisch ist es also möglich, ohne großen Aufwand und auf dem geringen Platz des Messestandes, dem Kunden einen Überblick über das gesamte Werk und seine Produktion, kurz gesagt, über alles was man demonstrieren möchte, zu geben. Die Arbeit des Standpersonals wird wesentlich erleichtert, wenn Erklärungen auch optisch illustriert werden.

So können z. B. große Maschinen und Anlagen oder auch mikroskopische Vorgänge, die auf dem Messestand nicht ausgestellt sind, den Interessenten immer wieder aufs neue gezeigt werden. Außerdem bietet die Aufzeichnungsanlage ganz von selbst den enormen Vorteil, stets die allerletzten Produkte und Erkenntnisse zu zeigen, selbst wenn man erst einen Tag vor Messebeginn damit fertig wurde. Gestern fabriziert, heute demonstriert, schneller und aktueller geht es kaum.

Es ist sehr vorteilhaft, Demonstrationen, die auf dem Messestand durchgeführt werden, einerseits für spätere Verwendung zu speichern und andererseits über mehrere mit der Kamera gekoppelte Monitore einem großen Kreis von Messebesuchern zu zeigen. Dadurch kann die Publizität beliebig vervielfältigt werden. Selbstverständlich können auch bereits vorhandene Industrie- und Werbefilme, sowie Fernseh-Spots über beliebig viele Monitore gesendet werden. So können z.B. auf der Messe Publikumsbefragungen über Fernsehspots erfolgen, die „offiziell" noch gar nicht existieren, eben nur zur Erforschung der Meinung. Man braucht wenig Phantasie, um weiters Anwendungsbereiche ausfindig zu machen.

Die Praxis erweist es immer wieder, daß die Verantwortlichen für die Gestaltung eines Messestandes,einer neuen Idee auch immer wieder neue Impulse zu geben vermögen. Es ist heute noch nicht abzusehen, was uns die Zukunft auf diesem Gebiet beschert. Man denke nur daran, daß jetzt Firmen komplette eigene Fernsehprogramme direkt auf dem Stand selbst produzieren und senden und selbstverständlich für später auch noch aufzeichnen können. Gibt es im Verlauf einer kurzen Messe eine einfallsreichere Werbung um die Gunst seiner Majestät des Kunden?

Dabei ist es wichtig zu wissen, daß die Sony Videorecorder-Anlage sehr handlich ist und in jedem PKW leicht transportiert werden kann. Der Aufbau und die Inbetriebnahme erfolgt mit wenigen Handgriffen innerhalb drei Minuten. Nicht zuletzt diese Mobilität, verbunden mit einer leichten und schnellen Bedienung, garantiert dieser Fernseh-Aufzeichnungs- und Übertragungsanlage einen sicheren Platz in der Werbung und im Verkauf.

Der Preis für eine derartige Anlage beträgt zwischen DM 6.000,- und DM 7.500,- je nach Ausstattung und Ausrüstung. Wir stellen diese Anlage für die Dauer einer Messe oder für besondere Präsentationen auch leihweise für DM 180,- pro Tag zur Verfügung.

Anmerkung : So wurden diese neuen Geräte angepriesen. Das erste Echo war sehr verhalten. Der Preis entsprach immer noch dem eines Kleinwagens. Die Preise sanken erst ab 1972, als die anderen Großen in den Video-Markt einsteigen.

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SONY Video Tape Recorder Nettopreise

Fernseh-Aufzeichnungs- und Übertragungsanlage ohne MW-Steuer in DM
   
1. Magnetband-Aufzeichnungs-und Wiedergabegerät für Bild und Ton, einschliesslich Gema-Gebühren 3.562.-
2. Video-Fernseh-Kamera, komplett einschließlich Koffer, Stativ, Mikrofon und Verbindungskabel 1.590.-
2a) Elektronischer Sucher (Kontrollbild) auf der Kamera 598.00
2b) Vario-Objektiv 20-80mm Brennweite f. die Kamera 678.00
3. Monitor-Gerät für Fernseh-Empfang (1.2.3. Programm), zur Aufzeichnung regulärer Fernsehsendungen geeignet und erforderlich für die Wiedergabe von Videos-Aufnahmen 890.00
   
Gesamtkosten der Anlage komplett 7.318.00

Jedes handelsübliche Fernsehgerät kann für die Wiedergabe von Video- Aufzeichnungen vorgesehen werden. Die Kosten für den Umbau und für die Einbauteile richten sich nach dem Modell und Fabrikat des Fernsehgerätes.

Zubehörteile*

Video-Magnetbänder für Bild und Tonaufzeichnung:
120m = 7 Minuten DM 43.-
380m = 20 Minuten DM 85.-
720m = 40 Minuten DM 153.-
Band-Leerspule DM 15.-
Staubschutzhaube für Recorder DM 35.-
Monitor-Anschlußkabel 10m DM 75.-
Video-Verteiler für den Anschluß mehrerer Monitor-Geräte 189.-
Monitor-Gerät mit 59er Bildschirm DM 1200.-
Kamera-Verlängerungskabel 10m DM 38.-
Kamera-Verlängerungskabel 25m DM 75.-
Mikrofon-Verlängerungskabel 10m DM 24.-
Mikrofon-Verlängerungskabel 25m DM 31.-

Video-Kamera-Schaltanlage zum Umschalten zwischen 4 Video-Kameras, Ausblenden, Überblenden oder Bildaufspaltung, Preis auf Anfrage.
Lieferung: Franko Empfangsstation, einschl. Verpackung. Lieferzeit: 3-4 Wochen nach Auftragserteilung. Zahlung: 10 Tage mit 2% Skonto oder 30 Tage netto.

TSI- DEUTSCHLAND
Film- und Tontechnik -Audio-Visual
6 Frankfurt am Main
Düsseldorfer Straße 19-23
Telefon (0611) 23 72 23 und 23 87 27.

Das war 1968. Inzwischen ist 0611 die Vorwahl von Wiesbaden, also anrufen geht nicht mehr.

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