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In einer Chronigk gefunden - BOSCH und seine Töchter

Es geht los mit BAUER - Kinoträume werden wahr - Mit Filmprojektoren erlangt Eugen Bauer Weltruhm. (Mehr steht bei der Kinotechnik.)

1907
konstruierte Bauer seinen ersten Film-Projektor. Die Bauer- Projektoren überzeugten nicht nur durch ihre Zuverlässigkeit, sondern besaßen zudem eine entscheidende Verbesserung: lief bei bisherigen Projektoren der abgedrehte Film noch in einen unter dem Projektor stehenden Wäschekorb, so wurde nun der Film auf eine Spule gewickelt. Weitere Verbesserungen folgten:

1910
besaßen Bauer-Projektoren feuerfest verkleidete Filmtrommeln, der Handbetrieb wurde durch den elektrischen Antrieb ersetzt und die Kalklichtlampe wich einer Kohlenbogenlampe.

1914
brachte Bauer sein drittes Modell auf den Markt, das sich durch die Verkapselung der empfindlichen Getriebeteile und ein angebautes Diagerät auszeichnete.

1925
gelang ihm mit dem Linksprojektor abermals ein großer Wurf: die Maschine erlaubte weltweit erstmalig die pausenlose Vorführung eines Films über zwei Projektoren! Bauer baute sein Vertriebsnetz nun aus und lieferte in alle europäischen Länder.

1928
war das Jahr, in dem der Tonfilm den Stummfilm ablöste. Statt wie bisher über Klavier-, wurden nun die Filme über Schallplatte begleitet. Dies brachte jedoch enorme Synchronisationsprobleme von Bild und Ton mit sich.

Eugen Bauer entwickelte das „Nadeltongerät“, dass die synchrone Abspielung von Filmprojektor und Plattenteller erlaubte. Mit dem weiteren Vorantrieb der Entwicklung des Lichttonfilms gelang es schließlich, den Ton direkt auf dem Film aufzuzeichnen.

1932
Mittlerweile war Bauer zum Marktführer im Bereich Kino-Filmprojektoren angewachsen und exportierte ca. 75% der Erzeugnisse ins Ausland. Für die Robert Bosch AG attraktiv genug, im Zuge seiner Diversifizierungsbestrebungen die zukunftsorientierte Firma von 1932 ab nach und nach zu erwerben. Als Tochter der Robert Bosch AG war sie nun unter dem Namen „Kinobauer“ bekannt.
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Immer neue Weiterentwicklungen und neue Generationen von Filmprojektoren und deren Zuverlässigkeit verhalfen Kinobauer schließlich zu Weltgeltung.
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  • Anmerkung : Natürlich ist diese BOSCH/BAUER Historie etwas (viel) geschönt, denn es gab jede Menge Wettbewerb bei den 35mm Projektoren, nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus USA und aus Frankreich. Es ging dabei vornehmlich um die Patente. Mehr darüber steht bei der Kinogeschichte.

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Der Durchbruch für Bauer

1950
Die große Zeit des deutschen Kinos und die Erfindung des Freilichtkinos in den 1950er Jahren brachte für Bauer den Durchbruch. Die unvergessenen Kino-Traumwelten ließen Bauer-Filmprojektoren über die Leinwände tanzen.

Durch die Kooperation von Bauer-Projektionstechnik mit Klangfilm-Tonanlagen der Firma Siemens Anfang der 1950er Jahre konnten unter dem Namen „Bauer-Klangfilm“ hunderte von Lichtspieltheatern ausgerüstet werden und entstand ein weltweites Vertriebsnetz.

1953
Neben dem Bereich der Profi-Ausstattung hatte sich Bauer bereits 1937 auf dem Amateurbereich ein zweites Standbein geschaffen. 1953 brachte Bauer die Doppelachtkamera auf den Markt, die der Beginn einer Entwicklung war, die die Firma zum weltweit umsatzstärksten Hersteller auf dem Gebiet der Amateur-Filmkameras machen sollte.

1969
Seit 1969 expandierte Bauer durch die Gründung von Fabriken bzw. Gesellschaften zur Herstellung und dem Vertrieb seiner Erzeugnisse im Ausland auch räumlich.
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Das Ende der Erfolgsgeschichte von Bosch-Photokino kam jäh. Mit dem massenhaften Einzug des Fernsehapparats in die privaten Stuben in den Siebziger Jahren blieben auch die potentiellen Kinobesucher lieber daheim. Ein Massensterben der Großkinos setzte ein, das den Markt für große Kinomaschinen dramatisch schrumpfen ließ.

Ebenso brach der Absatzmarkt für Bauer im Amateurfilmbereich seit Ende der Siebziger Jahre ein, als billigere Konkurrenzprodukte aus dem asiatischen Raum den Markt überschwemmten und damit Bauer den Garaus bereiteten.

Siebzig Jahre Erfolgsgeschichte hatte somit ihr abruptes Ende gefunden.
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Nochetwas mehr über BOSCH und BAUER

Woanders stand etwas über BOSCH und BAUER

Noch 1926 waren unter der Leitung der Direktoren Hans Walz, Karl Martell Wild und Hermann Fellmeth sämtliche Möglichkeiten der Diversifikation ernsthaft geprüft worden. Ziel war, das Unternehmen BOSCH vom „Krisenbarometer“ Automobilindustrie unabhängiger zu machen.

Auf diesem Hintergrund ist der Einstieg von Bosch in die Produktion von Elektrowerkzeugen, von Plattenspielern und Radios (Blaupunkt), die Entwicklung von Kühlschränken und die Forschung im Fernsehbereich (Fernseh GmbH) zu sehen.

Auch der Erwerb der Eugen Bauer GmbH aus Stuttgart-Untertürkheim, der sich damals sehr erfolgreich mit der Produktion von Tonfilm- und Schmalfilmprojektoren beschäftigte, im Jahre 1932, steht in diesem Zusammenhang. Dieses Geschäftsfeld musste zu Beginn der 1980er Jahre aufgegeben werden, weil es nicht mehr rentabel war.

  • Anmerkung : Als ein großer Flop erwies sich der Kauf der BRAUN/NIZZO Schmalfilmsparte von der BRAUN Mutter Gillette. Die BAUER Oberen hatten nicht erkant, daß die neue Home-VIDEO Technik - aus Japan anfänglich von SONY als Video 8 eingeführt - den Super8 Schmalfilm in ganz kurzer Zeit ablösen sollte. Die Amerikaner von Gillette waren da wesentlich weitsichtiger und zukuftsorientierter.

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Bosch und das Fernsehen:
Die Entwicklung des Pantoffelkinos

Nur wenige erinnern sich in unserer schnelllebigen Zeit daran, dass die Firma Bosch maßgeblich an der Durchsetzung des Fernsehens in Deutschland beteiligt war. Im übrigen ist das Prinzip des Fernsehens älter als mancher glauben mag. Bereits 1884 entwickelte der deutsche Ingenieur Paul Nipkow einen elektrischen Bildabtaster (Anmerkung : aber nur in der Theorie !!!), der es ermöglichte, Bilder von Gegenständen elektrisch zu übertragen. Nipkow benutzte dazu eine später nach ihm benannte Scheibe, die schneckenförmig von außen nach innen in festen Abständen Löcher aufweist. Diese Nipkow-Scheibe dreht sich zwischen dem abzubildenden Gegenstand und einer fotoelektrischen Selenzelle.

Nacheinander fällt durch die Löcher das Bild jeweils einer bestimmten Partie des Gegenstandes auf die Selenzelle. Diese moduliert einen elektrischen Strom, der beim Empfänger eine Glühbirne speist. Das heller beziehungsweise dunkler werdende Licht der Lampe wird durch die Löcher einer synchron drehenden zweiten Nipkow-Scheibe auf eine Projektionsfläche geworfen, wo wiederum ein Bild des Gegenstands erscheint.

Wie angemerkt, Nipkow erdachte ausschließlich die Theorie, die dann 20 Jahre lang geschlafen hatte !!!

Zunächst wusste niemand etwas mit dieser Erfindung anzufangen. Mehr als vierzig Jahre später experimentierte dann der Schotte John Logie Baird mit einer Nipkow-Scheibe. Dabei gelang ihm 1925/26 erstmals die Übertragung eines Gesichts. Als Baird 1928 schließlich sogar per Seekabel ein Fernsehbild von London nach New York senden konnte, interessierte sich die Industrie für die Sache. Unter den Interessenten war auch Robert Bosch.

Die Gründung der "Fese"

Er gründete am 3. Juli 1929 in Berlin mit mehreren Partnern, unter ihnen Baird, die „Fernseh AG", Bosch-Kürzel „FESE". Der Erfolg der neuen Firma war zunächst jedoch mehr als bescheiden. Schließlich gestattete die Nipkow-Scheibe lediglich Bilder geringer Auflösung in langsamer Folge, nämlich 12 ½ Bilder pro Sekunde mit je 30 Zeilen, zu wenig für eine praktische Nutzung.

Einen ersten Durchbruch brachte schließlich eine bei der FESE in Zusammenarbeit mit der Universität Hamburg 1933 entwickelte Hochvakuum-Bildröhre zur Bildwiedergabe. Als dann 1936 zur Bildaufnahme sogenannte Sondenröhren, später dann auch Ikonoskopkameras entwickelt wurden, stand dem vollelektronischen Fernsehen nichts mehr im Wege. So konnten beispielsweise alle wichtigen Ereignisse der Olympischen Spiele in Berlin mit (damals !!) modernen FESE-Kameras aufgenommen, in einer Regiezentrale verarbeitet und an die UKW-(Fernseh-) Sender weitergegeben werden.

Allerdings gab es 1936 noch kaum Empfangsgeräte. Die Zuschauer in Deutschland (ANmerkung : Unsinn - nur inberlin imStadtgebiet !!) verfolgten die „Life-Übertragungen" in öffentlichen Fernsehstuben, von denen es nicht allzu viele gab. So blieb für das Gros der Bevölkerung 1936 zur Information doch wieder nur der Rundfunk und die Kino-Wochenschau.

Bis 1939 waren alle Partner von Bosch aus der Fernseh AG ausgeschieden (worden ??, nein, quasi vom Göbbels-Ministerium rausgedrängt bzw. rausgworfen und enteignet worden) und die Firma wurde analog zum Mutterhaus in eine GmbH umgewandelt.

April 1945 - alles war zuende - nein, nicht ganz

Der Zweite Weltkrieg unterbrach zwar die Entwicklung des deutschen Fernsehens und der FESE, konnte beide aber nicht stoppen. An Weihnachten 1952 konnte mit Billigung der Alliierten der reguläre Fernsehbetrieb in Deutschland aufgenommen werden. Die FESE, inzwischen in Darmstadt ansässig, konzentrierte sich in der Folge ganz auf die Entwicklung und Herstellung von Aufnahme- und Studiogeräten. Den Fernsehempfängerbau überließ sie einer anderen Bosch-Tochter, der Blaupunkt GmbH in Hildesheim.

Die weitere Entwicklung der FESE war zunächst eine Erfolgsgeschichte. Immerhin lieferte das Unternehmen zur Olympiade 1972 in München fast sämtliche Studio- und Übertragungseinrichtungen, natürlich für den 1967 in der Bundesrepublik eingeführten Farbfernsehbetrieb.

Doch der Beginn der 1980er Jahre markiert einen Wendepunkt. Zunehmende Konkurrenz aus dem Ausland, nicht zuletzt aus Fernost, führte schließlich 1986 zur Einbringung des Unternehmens, das seit 1972 Robert Bosch Fernsehanlagen GmbH hieß, in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Philips, aus dem sich Bosch später ganz zurückzog. Damit fanden fast sechs Jahrzehnte Fernsehen bei Bosch ihren Abschluss.
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