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Hier stehen die Messe- bzw. Veranstalter Informationen

Im Unterschied zu unseren überwiegend selbst formulierten Artikeln sind das die vorauseilenden Lobeshymnen der Redakteure und Pressemenschen sowie der Messe-Ausrichter, der Messegesellschaften und der Veranstalter. Allermeist basieren die auf den vorab verteilten Presseinformationen der Hersteller oder Vertriebsfirmen. Nur die wenigsten dieser Lobeshymnen hatten sich wirklich erfüllt.
Die Fachblätter und Magazine waren meist (finanziell) darauf angewiesen, solche Artikel unkommentiert zu veröffentlichen, weil da allermeist auch sogenannte "flankierende Anzeigen" (hinzu) geschaltet wurden. Über diese Zusammenhänge gibt es ausführliche Seiten im Hifi-Museum, weil es da ganz besonders offensichtlich wurde, wie "das Spiel" funktioniert.

Wir sollten unterscheiden zwischen "Zeilen" und "Linien"

Es fällt immer wieder auf, daß selbst gestandene Fach-Redakteure und Fach-Autoren diese beiden Begriffe allzuoft verwechseln, vertauschen oder ungeschickt benutzen. Viele PAL- Kameras konnten trotz nomineller 625 Zeilen nur echte 450 Linien aufnehmen und auch darstellen. Gleiches gilt für Videorecorder, Monitoren und Fernseher aller Hersteller. In den gesamten englisch sprachigen Publikationen sind es die verwechselbaren "lines" (und ab und zu die TV-lines) und man muß Nachsicht walten lassen. "Sie" unterscheiden das ganz selten.

Vorwort aus dem Jahr 2021 - beim Erstellen der Seite:

Die für uns wichtigste Vostellung im Herbst 1975 war der paukenschlag der Robert BOSCh / Fernseh aus Damtstasdt mit dem brandneuen BCN 1" Magnetbandsystem, das den Wettbewerbern AMPEX und RCA den eiskalten Schweiß auf die Stirn bzw. den Rücken runter getrieben hatte. Ampex wußte - wie später auch Willi Studer - daß ihnen jetzt die Stunde geschlagen hatte. Denn von jetzt an galt es, ums Überleben zu kämpfen.

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Die 9. Fernsehtechnische Ausstellung Montreux 1975

von W. WEINLEIN - Dipl.-Ing. Wolfgang WEINLEIN ist Leiter der Fernseh-Betriebstechnik beim Südwestfunk, Baden-Baden. (FERNSEH- und KINO-TECHNIK - Nr. 7/1975)

Was der Wettbewerb um die „Goldene Rose von Montreux" für die Programmschaffenden, das ist das alle zwei Jahre in Montreux stattfindende internationale Fernsehsymposium mit der damit verbundenen Technischen Ausstellung für die technisch Interessierten.

Im Laufe der Jahre wurde die unter der Schirmherrschaft der Schweizerischen Post- und Fernmeldebetriebe (PTT) stehende Veranstaltung zu einem Ort der Begegnung, der Kontakte und des Gedankenaustausches unter den Fernsehingenieuren aus aller Welt.

  • Anmerkung : Das war die absolut einmalige Gelegenheit der Fernsehmacher hinter dem eisernen Vorhang, mit West-Kollegen zusammenzukommen.


Nicht nur die Zahl der an dem Symposium Teilnehmenden steigt von Mal zu Mal - dieses Jahr waren es etwa 4.000 Teilnehmer -, sondern auch das Interesse, sich an den Vorträgen und Referaten zu beteiligen, nimmt ständig zu. So waren in diesem Jahr insgesamt 182 Fachvorträge zu verzeichnen.

Aber auch die Fernsehtechnische Ausstellung (23. bis 29. Mai 1975) wird jedesmal umfangreicher und größer. Die dem 9. "Internationalen Fernsehsymposium" angegliederte Technische Ausstellung nahm in der Kongreßhalle und im benachbarten Pavillon eine Fläche von 7.200 m2 ein, und 130 Aussteller aus 15 Ländern führten ihre neuesten Erzeugnisse vor.
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Rückblick

Während vor zwei Jahren besonders die mit Zeitcode arbeitenden elektronischen Schneide- einrichtungen für 2" MAZ-Bänder große Aufmerksamkeit fanden, standen in diesem Jahr die tragbaren elektronischen Farbkameras zusammen mit kleinen transportablen Magnet- aufzeichnungssystemen im Hinblick auf den zukünftigen „elektronischen Journalismus" im Vordergrund des Interesses.

Das Angebot reichte von der Reportagekamera „KCN" und der tragbaren Videoaufzeichnungs- anlage „BCN 20" der Robert Bosch Fernsehanlagen GmbH (Fernseh) über das aus Kassettenrecorder und Einröhren-Farbkamera bestehende Reportagesystem „VO-380-0P/DXC-1600P" von Sony und dem RCA-„Newsmakersystem" oder der handlichen Farbkamera „HL-33" der japanischen Firma Ikegami bis hin zu der von Ampex entwickelten tragbaren Dreiröhren-Farbkamera „BCC-2", die zusammen mit dem weiterentwickelten 2"-Recorder „VR 3000 B" eine weitere Möglichkeit für ein elektronisches Reportagesystem bietet.


Das absolute „Highlight" der Ausstellung war jedoch - wenn auch unantastbar hinter einer Glaswand - das Labormuster einer farbtüchtigen, röhrenlosen CCD-Kamera (CCD = charged Coupled device - Ladungsverschiebeelemente) der RCA, über die bereits kurz im Heft 2/1975 auf Seite 46 berichtet worden ist.

Wenn auch noch 8 bis 10 Jahre vergehen mögen, bis die ersten röhrenlosen Farbkameras in den Studios Eingang finden, so hat RCA doch eindrucksvoll demonstriert, daß die Zukunft bereits begonnen hat.

Auf dem Sektor der Magnetbandaufzeichnungsgeräte fand die vor allem von den deutschen Besuchern so lange erwartete, studiotüchtige 1"-Aufzeichnungsanlage „BCN" der Fernseh große Beachtung.

Im übrigen enthielt das breite Spektrum der ausgestellten Erzeugnisse viele Gerate mit jetzt verbesserten und modifizierten Spezifikationen und Features, die schon vor zwei Jahren zu sehen waren.

Disclaimer - Ausschluß

Selbstverständlich kann dieser Bericht keine lückenlose Beschreibung der zahlreichen Ausstellungsobjekte bringen. Deshalb beschränkt sich die Berichterstattung auf jene Dinge, die dem Verfasser aus seiner subjektiven Sicht interessant zu sein scheinen.
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AEG-Telefunken

Unter der Bezeichnung VCM (Variable Compact Modul) kreierte AEG-Telefunken eine neue Studiotechnik für Tonregieanlagen. Diese kompakte Modultechnik zeichnet sich durch folgende wichtigste und typische Merkmale aus: Anstelle der bisherigen Kabelbäume werden Basisleiterplatten verwendet - eine zum Patent angemeldete neuartige Stromkompensationsschaltung ermöglicht den unsymmetrischen Aufbau der Verstärker -jeweils vier Kanäle sind zu einer Kompakteinheit zusammengefaßt; dadurch wird ein beachtenswerter Platzgewinn erzielt - gute Zugänglichkeit für Service und Wartung -vorgefertigte Planungsunterlagen ermöglichen schnellstens die Zusammenstellung einer kundenspezifischen Anlagenkonzeption, so daß sich sehr kurze Projektierungs- und Fertigungszeiten ergeben.

Die verschiedensten Möglichkeiten der Zusammenstellung von Tonregieanlagen wurden auf dem Stand an einem 20-Kanal-Regietisch und einem tragbaren 6-Kanal-Mischpu!t gezeigt. Der große Regietisch enthält einen neuartigen Aussteuerungsmesser, bei dem eine Speicherelektronik Auskunft über den während eines Programmdurchlaufs aufgetretenen Maximalpegel gibt.
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Ampex International

Auf dem Ampex-Stand sah man unter anderem zwei Versionen der schon bekannten 2"-Magnetbandaufzeichnungsanlage „AVR-2". Über 200 dieser Geräte wurden seit ihrer Einführung im März 1974 in Studios und Ü-Wagen in Betrieb genommen. Ein komplettes „AVR-2"-System besteht aus drei Moduln (Elektronik-Einheit, Bandtransport-Einheit und Kontrollkonsole), die unterschiedliche Einbau- und Aufstellungskonzeptionen zulassen.

Neben der in Standardnorm betriebenen Maschine wurde eine „AVR-2" in Super-high-band-Norm mit Pilotsignal - als ständiger Bezug für Zeit- und Phasenfehlerkompensation -vorgeführt. Neu bei Ampex war die tragbare Farbkamera „BCC-2", (Gewicht 6,8 kg einschließlich Suchermonitor und Objektiv). Die Kamera ist mit drei 1"-Plumbicons ausgerüstet und hat automatische Blendenkontrolle, automatische Farbbalance und Pegelautomatik.

Der 8 kg wiegende Backpack enthält den Taktgeber, einen Videoprozessor und die Stromversorgung. Direkt am Kamerakopf befinden sich die Bedienknöpfe für das Aufzeichnungsgerät. Als Recorder benutzt Ampex eine neue Version der Quadruplex „VR 3000"-Serie mit der Bezeichnung „VR-3000B". Bei 19cm/s Bandgeschwindigkeit wird eine Aufzeichnungszeit von etwa 44 Minuten erreicht. Die „VR-3000B" läßt sich an einen digitalen Zeitfehlerausgleicher „TBC-900" anschließen und ermöglicht dadurch die Wiedergabe eines normgerechten Farbsignals. Wird unmittelbar von der „BCC-2" auf die „VR-3000B" aufgezeichnet, dann entfällt das Backpack für die Kamera.

Eine neue Studio-Farbkamera „BCC-1" (Bild 2) vervollständigt die von Ampex ausgestellten Geräte. Bei dieser Kamera mit ihrem etwas ungewöhnlichen Design, verblüffte das kurze „warm-up", das mit sieben Sekunden bis zum Erreichen der vollen Bildqualität angegeben wurde,
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Angenieux

Die Firma Angenieux, vertreten durch ihre Vertriebsgesellschaft Opticam, zeigte ein breites Programm von Variobjektiven für den Fernsehstudiobereich. Neu darin ist ein 26 kg wiegendes Objektiv 18 x 27,5, das auch bei den „KCU"-Kameras der Fernseh benutzt werden kann, mit zwei eingebauten Range Extendern 1,5 und 2,0, so daß effektiv eine Brennweite von knapp 1.000 mm zur Verfügung steht.
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Barco Elektronik

Bei der belgischen Firma Barco war neben der schon bekannten Monitorserie „CTVM" ein spezielles Farbdatendisplay „CDCT2 HIREM" mit hoher Auflösung zu sehen. Die Auflösung dieses Monitors ist etwa doppelt so hoch wie die eines konventionellen Lochmasken-Monitors; das hat man erreicht durch die 4fache Anzahl von Farbtripeln.
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Robert Bosch Fernsehanlagen GmbH (Fernseh)

Auf dem Stand und auf dem Freigelände stellten die beiden Fachbereiche „Fernsehanlagen" und „Elektronik" der Robert Bosch GmbH ihre Produkte vor.

Mit der „BCN" zeigte "die Fernseh" in Montreux erstmals ein ganz neues 1"-Magnetband- Aufzeichnungssystem in Zweikopf-„Helical Scan Segment Field"-Technik.

Das „BCN"-System besteht aus vier Grundein- heiten, die zu drei kompatiblen Geräteversionen zusammengestellt werden können:

Die „BCN 20" (Bild 3, rechts) als tragbare, batteriebetriebene Ausführung mit 20kg Gewicht. Diese Maschine ist mit einem automatischen Assembling-System ausgerüstet und erreicht 52 Minuten Aufzeichnungsdauer. In Verbindung mit der tragbaren Kamera „KCN" eröffnen sich hier neue Möglichkeiten für den schnellen Reportageeinsatz.

Die „BCN 40"
besteht aus Tape-Transport- und Elektronikeinheit. Die 65kg wiegende Apparatur ist im Ü-Wagen oder im Studio eine Aufzeichnungsmaschine mit voller Studioqualität und allen notwendigen Einrichtungen für elektronisches und computergesteuertes Editing, für Zeit-Code-Verarbeitung und Interface für digitale Fernsteuerung. Die Aufzeichnungsdauer beträgt 95 Minuten.

Die „BCN 40" wird durch Hinzufügen einer Prozessoreinheit zur „BCN 50" (Bild 3, links) erweitert, die als vollwertige Studiomaschine Aufzeichnung und Wiedergabe in Studioqualität gewährleistet und ein sendefähiges Signal erzeugt. Sie kann durch eine Monitorbrücke mit Oszillograph und Vektoranzeige vervollständigt werden.

Die „BCN"-Maschinen zeichnen die Farbvideosignale direkt - ohne Umsetzung der Farbinformation - auf 1"-Bänder auf. Das System arbeitet bei einer Kopfspur von 80mm Länge mit zwei rotierenden Köpfen, die wechselweise „segmented fields" von 52 Zeilen aufzeichnen beziehungsweise wiedergeben. Sechs Spursegmente ergeben ein Teilbild. Die Bandgeschwindigkeit beträgt 24,3cm/s bei einer relativen Kopf-Bandgeschwindigkeit von 24 m/s.

Bei allen drei Versionen wird der gleiche Scanner eingesetzt; er ist als selbständige Einheit problemlos und schnell austauschbar. Als Kopfmaterial wird Hot-pressed-ferrite-Material verwendet. Die Lebensdauer wurde mit 300 Stunden (Ampex hatte nur 150 Stunden garantiert) angegeben.

  • Anmerkung : Das wurde nach wenigen Monaten auf 1.500 Stunden erweitert - mit Garantie !!


Neben der Videospur sind auf dem Band noch vier weitere Spuren untergebracht: zwei stereogeeignete mit Dolby A-Entzerrung, eine Cuespur sowie eine Kontrollspur.
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Die Bosch Fese Kameras

Die neue BOSCH/Fernseh KCK

Auf dem Gebiet der Kameratechnik zeigte Fernseh eine neue automatisierte Studiofarbkamera „KCK" (Bild 4), die sich durch wahlweisen Koax- oder Multi-wire-Betrieb sowie weitgehende Automatisierung der Betriebs- und Kontrollfunktionen auszeichnet. Das Koaxkabel reicht für den Betrieb bis zu 2.000m Kabellänge, der Multi-wire-Betrieb bis zu 800m.

Mit „OMY 40" (Bild 5) wurde ein neues Kompakt-Telecine-System vorgestellt. An den optischen Multiplexer lassen sich zwei Kameras - eine Hauptfarbkamera und eine Schwarz-Weiß- oder Farbkamera zur Vorschau - einsetzen. Das System hat vier Eingänge.

Zwei Eingänge sind für Filmprojektoren (16mm und 35mm) vorgesehen, die beiden anderen Eingänge für Diaprojektoren; ein Diaprojektor kann durch einen Super-8-Filmprojektor ersetzt werden.

Das System „OMY 40" zeichnet Sich durch folgende Merkmale aus:

- Reproduzierbarkeit sämtlicher Filmarten (Schwarz-Weiß, Farbe, Positiv, Negativ;
- Farbkamera System mit Separate-Luminanz-Technik;
- automatische Betriebs- und Einstellfunktionen;
- integrierte Farbkorrektureinheit;
- integrierter Coder;
- Untertitelaustastung;
- H- und V-Apertur.

Zum ersten Male in Montreux war auch ein vollautomatischer "Farbkorrektor" der Fernseh zu sehen. Zur automatischen Bestimmung der Korrekturgrößen werden vom Bildsignal Meßsignale abgeleitet. Dabei definiert ein Sättigungsschwellen-Detektor die Grenze zwischen Farbstich und Bilddetail und schließt alle höher gesättigten Details von der Farbmessung aus. Korrigiert wird in der FBAS-Ebene, wie dies auch bei der Korrekturanlage „HCCC 407" der Fall ist, die durch einen Umrüstsatz auf vollautomatischen Betrieb umgebaut werden kann.
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Das Freigelände am Seeufer

Auf dem Freigelände am Seeufer führte "die Fernseh" ihre mobilen Übertragungseinheiten vor. Großes Interesse fand hier ein neuentwickelter Reportage-Ü-Wagen (Bild 6). Fahrgestell und Motor sind vom neuen VW-Transporter „LT 31". Das Fahrzeug kann mit zwei tragbaren Kameras „KCR" oder „KCN" und dem Magnetbandaufzeichnungsgerät „BCN 40" ausgerüstet werden. Ein 2fach-Überblender mit 4 Eingängen, 2 Schwarz-Weiß- und 2 Farbmonitoren sowie ein Vierkanal-Tonmischpult vervollständigen die Einrichtung.

In den vergangenen Jahren hat eine Arbeitsgruppe der ARD und des ZDF ein digitales Fernsteuersystem konzipiert, das seine Daten über eine Koax-Ringleitung überträgt und die Bezeichnung AFRA-Bus erhielt. In Anlehnung an das von der AFRA-Gruppe geschaffene vorläufige Pflichtenheft entwickelte die Fernseh ein einfaches Bus-Bedienpult sowie einen Bus-Sender und einen Bus-Empfänger und demonstrierte damit die Fernsteuerung einer MAZ-Anlage. Leider ließen sich bei der Präsentation anhand des aufgebauten Modells die Flexibilität und die wesentlichen Vorteile - beispielsweise nur eine Bedienstelle für eine Anlagengruppe (MAZ, FAT) - nicht in aller Überschaubarkeit demonstrieren.
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Conrac Corporation

Auf engstem Raum mit modernster Technologie entwickelte Conrac einen neuen Farbmonitor mit 46cm-Bildröhre für PAL- und SECAM-Signale. Der Monitor mit der Bezeichnung „Conrac 6000" (Bild 7) zeichnet sich besonders durch ein neuentwickeltes aktives Konvergenzsystem aus. Die Auslieferung dieser „6000"-Serie ist für Anfang 1976 vorgesehen.
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Delta-System

Auf einem kleinen Stand zeigte die Firma Delta-System einige notwendige Kleingeräte und Zubehör, die neben den großen Anlagen eines Fernsehstudios meist unbeachtet bleiben. So waren neben einem Gestell für den gemischten Einbau von 19"- und DIN-Geräten mit Horizontalklimatisierung auch Laufzeitketten, Videoumschalter und Kabelprüfgeräte zu sehen.

Interessant war ein einfaches digitales Fernsteuersystem „Setast", das zur Übertragung von Schaltfunktionen über Koaxkabel geeignet ist. Im Gegensatz zum komfortablen AFRA-Bus-System ist die Verkabelung hier sternförmig. Das System ist quarzgesteuert und kann in einem Fernsehstudio vom S-Impuls synchronisiert werden. Je Bediengerät sind 256 Informationsbit, die mit Zeilenfrequenz im 1. Halbbild übertragen werden, vorgesehen; die Rückmeldung zum Bediengerät über den Zustand der angesteuerten Anlage erfolgt im 2. Halbbild.

Jetzt kommt eine ganz besondere Story ....

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Echo Science (hier der Original-Text von Herrn Weinlein)

Firmen-Logo
die Pilot 450

Ein tragbares 17,2 kg schweres 1 "-Videoaufzeichnungs- gerät, vorgeführt am Stand von Echo Science (eine Tochter- gesellschaft der Arvin Industries aus Kalifornien) rief bei den Besuchern einige Verblüffung hervor.

Das Aufzeichnungsgerät Pilot-1 Modell „250" hatte sehr viel Ähnlichkeit mit der tragbaren Version aus der gerade eben (also am 1.Messetag) auch vorgestellten „BCN"-Serie der Bosch-Fernseh.

Wie zu erfahren war, wird dieser Gerätetyp schon seit einigen Jahren in staatlichen (und militärischen) Unternehmen eingesetzt (Anmerkung : bei der US-Airforce). Zwar wird hier auch mit einem Zweikopf-System gearbeitet, jedoch mit einem anderen Standard (Anmerkung : es gab zu der Zeit nur den Quadruplex-Standard, später als "A-Format" umgetauft).

Bei dem sogenannten Echo-Science-Format ist die Spur 93,9mm lang und die Aufzeichnungsgeschwindigkeit 40m/s. Das Bild wird in neun Segmente unterteilt. Die Aufzeichnungsdauer beträgt 60 Minuten. Das Videosignal wird zusammen mit einem Pilotsignal (ähnlich „AVR-2") zur Aufzeichnung in eine Super-High-Band-Lage moduliert.

Eine vollwertige Studiomaschine ist das Modell „450", das sich mit 84kg Gewicht auch gut für den Einbau in Reportagewagen eignet. Diese Maschine hat alle von den modernen Quadruplex-Maschinen her bekannten Features, besonders interessant ist (jedoch) die Angabe über die Kopflebensdauer: 1000 Stunden (Ampex nach wie vor 150 Stunden).
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Ergänzung zu den Informationen, die obiger Autor nicht hatte

Tom wird Unternehmer
Tomislav Marjanovic zu seinen Glanzzeiten bei AMPEX

Auf dem Messestand waren der frisch angeheuerte Verkaufs- leiter Europa, Tomislav Marjanovic, und auch ein oder zwei Amerikaner von "Arvin/Echo" und es soll sogar spezielle Montreux Prospekte gegeben haben. Doch die beiden dort ausgestellten Bandmaschinen Pilot 250 und Pilot 450 hatten einen ganz entscheidenden Nachteil, sie hatten nur einen Antriebsmotor für den sogenannten "transport", wir nennen das bei uns das Laufwerks-Chassis.

Als eine Delegation der Bosch/Fernseh etwa 1 Jahr vorher zur Kontaktaufnahme in den USA war, hatte man von Seiten der FESE vorgeschlagen, daß die Arvin/Echo Mannen für die deutsche FESE ein eigenes Broadcast-Studio- Laufwerk konstruieren - selbstverständlich mit 3 Motoren für den rauhen Studio-Betrieb, wie die Ampexer und die von RCA und IVC auch.

Doch der Arvin/Echo Chef hatte das abgelehnt, "ihre" Laufwerke würden doch super funktionieren. Das taten die Geräte ja auch, wenn eine Bandspule im Starfighter oder Phantom 16 von vorne bis hinten am Stück ununterbrochen durchlief und aufzeichnete. Doch beim Fernsehen wird gejoggelt, vor und zurück und immer wieder. Für die FESE- Ingenieure aus der BCM40 (eine 2" Fese)- Entwicklung war es keine Kunst, bei der Besichtigung des schlanken Scanners die technischen Daten zurückzurechnen - heute sagen wir "reverse engineering" dazu. Sie hatten ja gesehen, daß die Qualität edel war und daß das Scanner-System funktionierte.

Daß aber diese "Deutschen" ihre Maschine so schnell auf die Beine stellen würden und dazu auch noch im Geheimen, das war für die Amis der unvorhergesehene KO- Schlag. Ein Patent oder ein Gebrauchsmusterschutz war denen gar nicht eingefallen.

Tomislav Marjanovic wurde am Morgen des zweiten Messetages gleich wieder "gefeuert" und "durfte" mit Tränen in den Augen zurück nach Wiesbaden reisen. Die Amis machten den Stand in Nullkommanix zu und verschwanden ebenfalls. Von dem Arvin/Echo Produkt hatte man im Broadcast-Bereich nie wieder etwas gehört. Die BCN der FESE hatte 1975 (und vor allem wirklich völlig überraschend) allen anderen 2" Wettbewerbern das Wasser abgegraben.

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Ikegami

Die japanische Firma Ikegami Tsushinki Co. zeigte auf ihrem Stand die handliche, tragbare Farbkamera „HL-33" (Bild 8) mit 7,75 kg Gewicht einschließlich Objektiv (Canon 10 x 12). Das Backpack enthält den Taktgeber, den V- und H-Aperturkorrektor, die automatischen Kontrolleinheiten und den Coder. Es kann wahlweise mit einem Netzgerät oder mit einer Batterie betrieben werden. Das Gewicht liegt je nach Bestückung zwischen 10 und 14 kg.

Das Videosignal kann entweder in einem mitgeführten Recorder aufgezeichnet oder über ein Koaxkabel einer Basisstation zugeführt werden; von hier aus kann auch über dasselbe Koaxkabel die Kamera fernbedient, kontrolliert und ausgesteuert werden. Je nach Koaxkabeityp sind für die Distanz zwischen Kamera und Basisstation bis zu 1,5 km zugelassen; die Rückentrage darf bis zu 170m von der Kamera entfernt sein.

In die Kamera, die seit etwa 1 1/2 Jahren im Handel ist und von der schon über 100 Stück in den USA verkauft worden sind - dem Vernehmen nach soll das "Belgische Fernsehen" ebenfalls eine „HL-33" besitzen -, können 1"- oder W-Plumbiconröhren eingesetzt werden.
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Kodak

Kodak war 1975 zum ersten Male auf der Ausstellung in Montreux vertreten. Mit dem Titel „Film? Film!" zeigte sie einen Streifen, der von Klaus Karch und seinem Kamerateam eigens für diesen Anlaß gedreht worden war. Der auf Eastman Color Negativ II 7247 produzierte Film demonstrierte, daß neben der elektronischen Fernsehproduktion auch der Film als Produktionsmittel im Fernsehen einen Platz eingenommen hat, der dank der Anstrengungen von Chemie, Optik und Gerätetechnik - wie Kamera, Filmabtaster und elektronische Farbkorrektur - ihm bei einer gezielten und weltweiten Kooperation zwischen Elektronik und Film nicht streitig gemacht werden kann.
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Marconi Communication System Ltd.

Neu im Vertriebsprogramm bei Marconi Communication System ist ein von der "Independent Broadcasting Authority" entwickelter digitaler Normenwandler. Der Normwandler „DICE" setzt 525-Zeilen- NTSC-Signale in 625-Zeilen-PAL- oder SECAM-Signale um und umgekehrt. Etwa 8000 integrierte Bausteine und mehr als 15 Millionen Transistoren sind auf relativ geringem Raum untergebracht, der gegenüber den früheren elektronischen Konvertern, die auf analoger Basis arbeiteten, etwa nur ein Drittel des Platzes einnimmt. Die Anlage ist innerhalb 30 Sekunden betriebsbereit und erfordert im digitalen Teil keinerlei Abgleiche oder Einstellungen.
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Memorex

Memorex zeigte ein 2"-Videoband, bei dem vor allem auf eine weitere Reduzierung der Mikrodropouts und die Verbesserung des Farbrauschens Wert gelegt wurde. Das Band soll mit der Typenbezeichnung „Chroma 90E" als Nachfolger des bisherigen „Chroma 90" auf den Markt kommen.
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Minnesota Mining and Manufacturing Company

Die 3M demonstrierte auf Quadruplex- und Helical-Scan- Recordern ihre neuen Bandtypen „Scotch 420" und „Scotch 455". Beim „Scotch 420", einem Videoband für 2"-Maschinen, scheint es durch verfeinerte Fertigungstechniken gelungen zu sein, sowohl das Breitbandrauschen als auch das Chroma-rauschen zu reduzieren.

Nach Angaben des Herstellers soll bei diesem Band der Störabstand um 2dB (Luminanz) beziehungsweise um 5dB (Chrominanz) besser sein als bei den bisherigen Bändern. Allerdings muß der Kunde für dieses Band auch mit einem 10 ... 15% höheren Preis rechnen. Mit dem neuen Videoband soll auch ein neuer Bandcontainer eingeführt werden, der die Spulen vor Feuerschäden schützt. Er besteht aus einem Kunststoff, der sich bei Brand innerhalb 14 Sekunden selbst löscht.
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Philips

Die Philips1 Gloeilampenfabrieken präsentierten dem Besucher wieder eine breite Palette ihrer Produkte, 2/3"- und 1"- und 1 1/4"-ATC-Plumbiconröhren mit Lichtberieselung und erweiterter Rotempfindlichkeit waren ebenso zu sehen wie Tetroden für Bereich-I- und -IIISender oder 25kW- und 45kW-Klystrons für VHF-Sender.

Die bekannte „LDK"-Kamerafamilie mit der Studiokamera „LDK5" und der tragbaren „LDK15" wurde um ein weiteres Mitglied, die „LDK25", bereichert. Diese Kamera soll eine Lücke zwischen den einfacheren Kameras mit begrenzten Spezifikationen und den hochklassigen Kameras mit Ihren vielseitigen Möglichkeiten schließen.

Der größte Teil der hier verwendeten Module ist identisch mit den Bausteinen, die in der „LDK5" und „LDK15" eingesetzt sind. Standardmäßig ist die Dreiröhren-Kamera mit den neuen ATC-Plumbiconröhren XQ1080 ausgerüstet. Anstelle der XQ1080-Röhre kann die „LDK25" -wie übrigens auch die „LDK5" und die „LDK15" - mit dem Plumbicon-Bildverstärker „41XQ" bestückt werden.

Die Empfindlichkeit der Kamera erhöht sich dann um den Faktor 5, sodaß man bei 50 lx Beleuchtungsstärke noch gute Bilder erhält. - Nicht ohne Stolz war am Rande zu hören, daß eine der ersten Plumbiconkameras der Philips-Serie „LDK3" in Schweden eine Briefmarke ziert.
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Die Philips Videorecorder der „BCR"-Serie

Vor zwei Jahren (1973) schon einmal zu sehen waren die Videorecorder der „BCR"-Serie, damals ein Gemeinschaftsprodukt der Firmen Fernseh und Philips. In der Zwischenzeit haben verschiedene Gründe zur Auflösung dieser Symbiose geführt, so daß in diesem Jahr Philips als alleiniger Hersteller wieder ein „BCR'-System präsentierte. Offensichtlich handelt es sich um die gleichen Modelle mit denselben Features und Spezifikationen, die als Prototypen bei der letzten Montreux-Ausstellung schon großes Interesse weckten.

  • Anmerkung : Diese BCR Konstruktionen mit der großen Trommel hatten - wie auch bei Grundig Electronic - nie so richtig funktioniert (ganz speziell bei den Broadcast Anforderungen), weshalb die FESE ja komplett (und erfolgreich) auf die neue BCN Technologie mit dem schlanken Scanner umgestiegen war.


Das Grundgerät ist der Recorder „BCR40" mit 95 kg Gewicht. Es ist als Aufzeichnungsgerät für Ü- und Reportagewagen bestimmt und ermöglicht nur die Kontrolle des aufgezeichneten Signals. Die Version „BCR50", bestehend aus dem Basic-Gerät, einem Zeitbasiskorrektor und einem Prozessor, ermöglicht bei einer Zeitbasisstabilität von ±2.5ns eine voll studiotüchtige Farbwiedergabe.

Die „BCR60" enthält zusätzlich noch eine Monitorbrücke mit Farb- oder Schwarz-Weiß-Monitor und Videooszillograph oder Vektorskop sowie diverse Anwahlmöglichkeiten für das Einrichten und Überwachen der Maschine.

Alle drei Typen sind für "Elektronischen Schnitt" eingerichtet. Über ein Standardinterface sind sie an eines der ebenfalls schon bekannten Schneidesysteme („eds 200" oder „PEC 102") von Central Dynamics anschließbar. Das 1"-Band-Format hat zwei gleichwertige Tonspuren, eine dritte Spur für Zeitcode (oder Ton) und eine Kontrollspur. Das Einkopfsystem schreibt auf eine über 500mm lange Bildspur ein Halbbild. Die maximale Spieldauer beträgt 90 Minuten.
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Rank Organisation

Die Rank Organisation führte ihr gesamtes Videogeräte-Programm vor, darunter auch wieder den 2"-Helical-Scan-Recor-der „VTR9000".

Besonders interessant war jedoch der neuartige Flying-Spot-Abtaster „MK III" (Bild 9) für 35mm- und 16mm-Positiv- oder -Negativfilm mit Capstan-Antrieb. Durch einfaches Auswechseln einiger mechanischer Teile läßt sich der Abtaster auf ein anderes Format umstellen. Der Film läuft kontinuierlich über einen Capstan — ohne Greifer und Zahnrollen —, der über ein Regelsystem gesteuert wird und ständig für die richtige Laufgeschwindigkeit sorgt.

Die Abtastung erfolgt über ein Doppelraster. Kontinuierlich regelbarer Vor- und Rücklauf (Shuttle) bis zur 10fachen Normalgeschwindigkeit ermöglichen das schnelle Auffinden eines gewünschten Takes. Im Stand liefert der „MK III"-Abtaster ein Vollbild, wobei der Bildstrich automatisch eingestellt wird. An zusätzlichen Features sind Filmlängenzählung und Bildzählung — einblendbar in das Monitorbild — sowie automatische Farbbalance zu erwähnen. Beachtenswert sind die vom Hersteller gemachten Angaben über den erreichbaren Störabstand: für den Grünkanal >49dB und für das Luminanzsignal >47dB. Die bei einer Vorführung am Ausstellungsstand gezeigte Bildqualität war sehr überzeugend.
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Recortec International

Auf einem Stand im Pavillon führte Recortec einen Teil ihrer Produkte vor, die ausschließlich auf den MAZ-Bereich zugeschnitten sind. Neben dem bereits bekannten Bandreinigungsgerät „VTC" wurde ein elektronischer Bandlängenzähler gezeigt, mit dem alle 2"-Maschinen der Firmen Ampex und RCA nachrüstbar sind,
Für Besitzer von Quadruplex-Maschinen, die noch nicht die Vorzüge der neueren Anlagen mit Vakuumkammern aufweisen, bietet Recortec den Umbausatz „R-MOD" an.

Die Wechselstromwickelmotoren werden dann durch Gleichspannungsmotoren mit hohem Drehmoment ersetzt, die über eine Servoeinrichtung gesteuert werden. Zusammen mit Umlenkrollen, Ausgleichsarmen, Bandende-Sensoren und einem elektronischen Bandlängenzähler erreicht man mit diesem Bandtransportsystem konstanten Bandzug, kurze (3 s) Start-Stopp-Zeiten und schnelle Umspulzeiten (weniger als 4min für ein 90-Minuten-Band).
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RCA - 1975

Im Brennpunkt stand bei RCA das bereits erwähnte Labormuster einer CCD-Farbkamera. Auf drei (je einem für Rot, Grün und Blau) etwa je 200mm2 großen Chips sind je 320x512 = 163840 Halbleiterelemente aufgebracht, deren Ladungsänderungen als Funktion des einfallenden Lichtes elektronisch (ohne Abtaststrahl) abgefragt werden.

Die Kamera zeigte das Farbbild einer kleinen, speziell aufgebauten und ausgeleuchteten Modell-Landschaft mit Puppen. Das Monitorbild war dem Stand der CCD-Kameratechnik entsprechend als gut zu bezeichnen. Zur Ausleuchtung der — hinter einer Glaswand — aufgebauten Szenerie scheinen hohe Beleuchtungsstärken erforderlich gewesen zu sein. In den nächsten Jahren werden jedoch die Probleme, die diese Kamera heute noch hat, sicherlich gelöst werden, zumal im kommenden Jahr, wie von RCA zu hören war, die Firma eine Schwarz-Weiß-CCD-Kamera auf den Markt bringen wili.

Großes Interesse fand das von RCA vorgestellte „Newsmaker-System", bestehend aus der tragbaren Farbkamera „TK-76" und dem tragbaren Recorder „TR-1000". Die „TK-76", eine Dreiröhren-Plumbiconkamera, wiegt komplett einschließlich Objektiv und Sucher 7,7kg. Zum Betrieb der Kamera ist außer einer über die Schulter tragbaren Stromversorgungseinheit (12V) keinerlei zusätzliches Equipment erforderlich. Die von der Kamera gelieferten Bilder hielten jedem Vergleich mit den Bildern einer Studiokamera stand.

Als tragbares Aufzeichnungsgerät dient der etwa 13,6kg wiegende, mit „U-Matic"-Kassetten bestückbare Recorder „TR-1000". Eine bedingte Farbwiedergabe ist durch den im Aufzeichnungsgerät eingebauten Color-Adapter möglich. Zur studiotüchtigen Wiedergabe wird die Kassette in dem mit Editing und (zusätzlich) einem digitalen Zeitfehlerausgleicher „TBC-1000" versehenen Recorder- und Player-Gerät „TRP-1000" abgespielt.
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Schlumberger Instruments et Systémes

Die französische Firma Schlumberger zeigte vornehmlich tontechnische Ausrüstungen. Ein ansprechendes Design hatte der modular aufgebaute Tonregietisch „UPS 4000" (Bild 10). Die einzelnen Moduln wie Eingangsverstärker, Blender, Entzerrer, Filter, Begrenzer usw. sind aus Spritzguß gefertigt und geben dem Kunden die Möglichkeit, jede beliebige Kombination zusammenzustellen. Durch Verwendung moderner elektronischer Bauelemente wie Feldeffekttransistoren werden ausgezeichnete technische Werte erreicht.

Außerdem sah man bei Schlumberger noch den Magnetbandspieler „DS 16" für 16mm-Magnetfilm (Bild 11). Als Antriebssystem dient eine glatte, elektronisch geregelte Capstanrolle, die für sehr kurze Hochlaufzeit, konstante Bandgeschwindigkeit und guten Gleichlauf sorgt.
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Siemens

Im Vordergrund auf dem Siemens-Stand standen gleich zwei Prototypen einer neuen Einröhren-Farbkamera (Bild 12), die nach dem von Siemens entwickelten System Interplex arbeiten (s. a. Heft 5/1972, S. 137—140). Im Gegensatz zu den üblichen Farbkameras mit drei getrennten Röhren arbeitet die Interplex-Röhre mit einem integrierten Farbenteiler (Farbstreifenfilter).

Über die selbstcodierende Interplexröhre mit den Streifen für Rot-Stopp und Blau-Stopp wird im Bereich von 4,43 MHz ein Multiplexsignal (MAS) geliefert, das in einem Decoder durch Kammfilter in Chrominanz- und Luminanz-signal zerlegt wird. Ferner enthält der Decoder Schaltungen zur Matrizierung der Signale sowie einen synchronisierbaren unverkoppelten PAL-Coder.

Eine der gezeigten Kameras mit den Abmessungen 300mm x 103mm x 115mm war mit einem Interplex-Vidikon XQ 1360 bestückt. Die damit erreichte Bildqualität eines normalen Halbtonbildes bei Blende 2,8 mit 280lx Beleuchtungsstärke war durchaus gut. Der Störabstand im Luminanzsignal lag bei etwa 45dB. Beim Schwenken der Kamera trat jedoch das bei Vidikonröhren (mit normaler Studiobeleuchtung) unvermeidbare Fahnenziehen auf, so daß diese Röhre für Studiozwecke nicht geeignet scheint. Auch wurden bei der Abtastung einer Testvorlage (Auflösungstestbild) an schrägen Kanten störende Muster bemerkt.

Die zweite Kamera war mit dem Interplex-Multidioden- Vidikon XQ 1365 bestückt und zeigte bezüglich der Trägheitserscheinungen weitaus bessere Eigenschaften. Nur scheint es bei dem Multidiodenvidikon noch Probleme mit der Farbgleichmäßigkeit zu geben, die jedoch sicher bis zur nächsten Montreux-Ausstellung beherrscht werden.
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Söding TV

Auf dem Freigelände des Kongreßgebäudes stellte Söding eine mögliche Konzeption für einen 2-Kamera-Reportage- Ü-Wagen vor. Das Fahrgestell dieses Reportagewagens ist das des Mercedes-Leichttransporters „L 307" (Nutzlast 2t, Gesamtgewicht 3,5t, Länge 4,70m, Breite 1,75m, Höhe 2,09m). Den Karosserieaufbau sowie den Innenausbau hat die englische Firma Dell Coach Builders ausgeführt.

Die Video- und Tongestelle sind in Querrichtung eingebaut. Für eine Aufzeichnungsanlage in der Größenordnung einer „AVR2" ist hinter dem Fahrer- und Beifahrersitz Platz. Es bleibt dem Anwender überlassen, welche Video- und tontechnischen Einrichtungen er in dem Wagen installieren will.

Das gezeigte Modell sah auf der Tonseite ein Vierkanal-Mischpult. ein Tonbandgerät „Nagra IV", einen Lautsprecher „OY", einen FM-Festfrequenzempfänger, zwei Mikrophon-Sende- und Empfängeranlagen sowie eine entsprechende Anzahl von Mikrophonen und Zubehör vor, auf der Videoseite zwei tragbare Kameras (zum Beispiel „LDK15"). einen Zweifachüberblender. einen Taktgeber mit Synchronisiereinrichtung, zwei 38-cm-Farbempfänger, einen Schwarz-Weiß-Monitor (24 cm), ein Oszil-loskop sowie die entsprechenden Zubehörteile.

Für die maximal erforderliche Anschlußleistung von 3,5kVA sind für die Versorgung aus der Steckdose ein Netzspannungsregler und ein Trenntransformator vorhanden. Für netzunabhängigen Betrieb können ein Drehstromgenerator, Pufferbatterien und ein Wechselrichter eingebaut werden.

Zum Betrieb dieses Wagens ist ein 4-Mann-Team erforderlich. Hinsichtlich der höchstzulässigen Geschwindigkeit soll bereits eine Ausnahmegenehmigung bestehen, wonach dieser Ü-Wagen auch bei Überschreitung des zulässigen Gesamtgewichts von 2,8 t bis zu 120 km/h fahren darf.
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Sony Overseas

Mit einer besonderen Neuheit wartete Sony auf: dem Magnetkartensystem „Mavica" (Bild 14) zur Aufzeichnung und Wiedergabe von Farbsignalen. In einer Schutzhülle steckt die 166mm x 165mm große Magnetkarte für fünf Minuten Aufzeichnungszeit (Bild und Ton).
Bei der Wiedergabe kann das Bild mit normaler Geschwindigkeit, in Zeitlupe vorwärts und rückwärts sowie als Standbild abgetastet werden. Die Karte trägt zwei stereotüchtige Tonspuren. Zur Aufzeichnung oder Wiedergabe wird sie mitsamt Schutzhülle in das Abtastgerät eingeschoben, dann vollautomatisch aus der Hülle herausgezogen und um eine rotierende Kopfscheibe mit zwei Videoköpfen herumgelegt.

Je Spur wird ein Vollbild geschrieben. Während des Aufnahme- oder des Wiedergabevorgangs führt eine Spindel die sich drehende Kopfscheibe langsam über die Breite der Karte. Die Schreibgeschwindigkeit ist 7,5 m/s. Die Auflösung liegt bei etwa 3 MHz, der Störabstand bei 40dB.

Zur Aufzeichnung wird das Luminanzsignal phasenmoduliert und das Chrominanzsignal in einen niedrigeren Frequenzbereich umgesetzt. Die erzielte Bildqualität ist für die vorgesehenen Anwendungszwecke (Industrie, Schule usw.) als gut zu bezeichnen.

Ein modifiziertes Gerät dieses Mavica Systems dient zur Aufzeichnung und Abtastung von Einzelbildern (Elektronische Dias). Diese etwas kleineren Karten haben eine Speicherkapazität von 150 Einzelbildern. Über einen ebenfalls ausgestellten Video-Duplicator (Epiabtaster) lassen sich Bildvorlagen unmittelbar auf die Magnetkarte aufzeichnen. In dem Video-Duplicator wird eine Einröhren-Farbkamera verwendet.

Außerdem waren auf dem Sony-Stand die Reportagekamera „DXC-1600P" und ein tragbarer Video-Kassettenrecorder zu sehen. Die Kamera ist mit einer Trinicon-Streifenröhre bestückt. Die für ein gutes Bild notwendige Beleuchtungsstärke
wurde vom Hersteller mit etwa 1500lx angegeben. Die Kamera mit Objektiv wiegt etwa 3,6 kg, die Kamerakontrolleinheit mit Akku etwa 6 kg. Die maximal zulässige Kabellänge zwischen Kamerakopf und Kontrolleinheit ist ungefähr 11,5 m.

Der tragbare „U-Matic"-Kassettenrecorder wiegt ohne Batterie etwa 12 kg. Leider konnte man auf dem Stand nur statische Bilder sehen, so daß sich über die Bildqualität dieser Reportageanlage keine objektive Aussage machen läßt.
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Tektronix und "Grass Valley Group"

Tektronix stellte zusammen mit der jetzt ebenfalls zum Konzern gehörenden Grass Valley Group ihr neues Oszillographenprogramm sowie Bildmischeinricntungen, Monitoren, Testgeneratoren und automatische Video-Korrekturgeräte vor.
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Thomson-CSF

Die französische Firma Thomson-CSF, die vor kurzem die aus der Columbia Broadcasting System (CBS) hervorgegangene Tochtergesellschaft Thomson-CSF Laboratories gegründet hat, war auf der Ausstellung mit mehreren neuen Produkten vertreten. So sah man allein drei neue komplette UHF- und VHF-Fernsehsender, darunter einen 25kW-UHF-Klystronsender, der außer dem Klystron keine Elektronenröhren mehr enthält.

Die neue mobile 13-GHz-Richtfunkstation „TM 313" zeichnet sich durch ihre besonders robuste Bauweise aus und entspricht in allen Parametern den Bestimmungen der Deutschen Bundespost.

Neben der in „einigen hundert Exemplaren" (Anmerkung : eine typische aber nicht glaubwürdige Eigenaussage) ausgelieferten Studiofarbkamera „TTV 1515" war eine neue tragbare Version dieser Familie zu sehen. Die Dreiröhren-Plumbiconkamera „TTV 1515 P" (Bild 16a) wiegt 8kg. Sie hat einen separat angebrachten elektronischen Okularsucher, der beim Betrieb der Kamera auf einem Stativ durch einen 17cm-Sucher ersetzt werden kann.

Zwischen dem Kamerakopf und dem 12kg schweren Backpack (Bild 16b) ist eine Kabelverbindung bis zu 170m möglich, sodaß in den meisten Anwendungsfällen das Backpack im Wagen betrieben werden kann.

Nach dem äußeren Design ist der neue 16mm-Flying-Spot-Filmabtaster „TTV 2520" fast mit einer MAZ verwechselbar (Bild 17). Er arbeitet mit kontinuierlichem Filmtransport. Der Abtaststrahl wird über einen oszillierenden Spiegel geführt und „folgt" dadurch den sich bewegenden Filmbildern während der Abtastung. Der Film wird in eine Kassette eingelegt: der restliche Ladevorgang läuft automatisch ab. Die Start- und die Stopp-Zeit sind kleiner als eine Sekunde. Der Suchlauf ist von Einzeibildschaltung bis zur 15fachen Normalgeschwindigkeit veränderbar.

An weiteren interessanten Geräten seien noch der komfortable Schriftgenerator „Vidifon" mit allen nur erdenklichen Besonderheiten sowie die optische Bildplatte erwähnt.
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Damit ist die Montreux 1975 Berichterstattug abgeschlossen.

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