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Über die Fernsehtechnik bis 1945 - ein Artikel aus 1950

Beim Lesen dieses Artikels sollte man folgendes im Hinterkopf behalten:
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  1. Bis 1933 wurde bereits der Patriotismus in den Vordergrund gestellt.
  2. Von 1933 bis 1939 wurde die deutsche Fernsehtechnik propagandistisch als "urdeutsch" ausgeschlachtet.
  3. Ab 1939 bis 1945 war die gesamte Fernsehtechnik absolut geheim - strengste Geheimhaltungssache.
  4. Ab 1945 bis weit in die 1990er Jahre wurde immer noch in den alten Erinnerungen geschwelgt. Denn eigentlich hätten wir den Krieg ja beinahe gewonnen, aber halt nur eigentlich.

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Selbstverständlich dürfen wir diese Gedanken und diese Denkweise den hier genannten Autoren nicht vorwerfen, denn sie haben einen großen Teil ihres Lebens in dieser NS-Zeit verbracht. Ähnlich wie später nach 1989 mit den Deutschen aus dem Osssiland prägt eine so lange Zeit der Indoktrination das gesamte Denken, dem man sich auch noch so trickreich nicht entziehen konnte.

Hier geht es also nur um die entwickelte Technik der Fernseh GmbH im Detail, weniger um das Drumherum, das Sie aus diesem Artikel hier entnehmen können.

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Über die Entwicklung der Fernsehtechnik bei der Fernseh G.m.b.H. 1939—1945

Zusammengestellt von H. Bähring, W. Dillenburger, R. v. Felgel-Farnholz, Th. Mulert, F. Rudert, H. Strübig
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Im Jahre 1939 wurde aus zeitbedingten Gründen (Anmerkung: Im Klartext waren es Geheimhaltungsgründe der Wehrmacht und der Gestapo) die laufende Veröffentlichung interessanter Neuentwicklungen auf dem Fernsehgebiet in Deutschland eingestellt. Es erscheint daher angebracht, nunmehr rückschauend eine zusammenfassende Übersicht über die wichtigsten seither von der Fernseh G.m.b.H. erzielten technischen Fortschritte zu geben und auf diese Weise Rechenschaft abzulegen über die von deutschen Fernsehtechnikern geleistete Entwicklungsarbeit.
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Einleitung

Die Entwickung der Fernsehtechnik in Deutschland, die in der Hauptsache von den Firmen Fernseh G.m.b.H., Radio A.G.D.S. Loewe, C. Lorenz A.G. und Telefunken G.m.b.H. durchgeführt wurde, hatte im Jahre 1939 eine solche Höhe erreicht, daß der Zeitpunkt gekommen schien, das Fernsehen auf breiter Basis dem Dienst der Allgemeinheit nutzbar zu machen. Die Anlagen für den Gegenseh-Sprechverkehr über Kabelverbindungen .zwischen den Städten München, Nürnberg, Leipzig, Berlin und Hamburg waren fertiggestellt und in Betrieb, der Anschluß weiterer Städte an dieses Netz war geplant.

Der Fernsehsender in Berlin war mit zahlreichen betriebsicheren Anlagen zur Fernsehübertragung von Filmen, Diapositiven, Bühnenszenen und Freilichtaufnahmen ausgestattet, auch der Fernsehsender Brocken war fertig. Der erste große Projektionsempfänger zur Projektion von Fernsehbildern im Format 3X4 m war aufgestellt, der Bau weiterer derartiger Anlagen in Vorbereitung und die Serienfertigung eines von der deutschen Fernsehindustrie in Gemeinschaftsarbeit hergestellten Helmfernsehempfängers angelaufen.

In den Jahren 1939 bis 1945 hat die Fernsehentwicklung keineswegs geruht. Die nachstehend eingehender geschilderte Entwicklungsarbeit der Fernseh G.m.b.H. ist durch das Bestreben gekennzeichnet, die Fernsehgeräte kleiner und leichter als bisher zu bauen und den Leistungsverbrauch weitgehend herabzusetzen. Die Betriebssicherheit mußte wesentlich erhöht und ein einwandfreier Betrieb auch unter ungünstigen Umständen ermöglicht werden.

Rauhe Behandlung der Geräte sowie starke Erschütterungen sollten die Betriebsfähigkeit nicht beeinträchtigen. Ferner bestand die Forderung nach weitgehender Vereinfachung der Bedienung; sie wurde durch Stabilisierung der Spannungen und Einbau selbsttätiger Regelorgane erfüllt. Schließlich mußten durch Festlegung geeigneter Normen für drahtlose Übertragung eine unbedingt sichere Synchronisierung gewährleistet und eine einwandfreie Ausregelung von Feldstärkeschwankungen sowie ein großer nutzbarer Modulationsbereich für den Bildinhalt erreicht werden.

Trotz der zahlreichen Hemmnisse und Erschwerungen der Kriegszeit wurden beachtenswerte Fortschritte erzielt.

Es gelang, ortsbewegliche kleine Fernsehanlagen, sogenannte Reportageanlagen, zu bauen, die vollautomatisch, ohne Senderbedienung arbeiten. Bei nur 10 Watt Senderleistung konnten Fernsehübertragungen zwischen Kraftfahrzeugen in hügeligem Gelände bis zu 7 km, zwischen Flugzeugen sogar bis zu 300 km durchgeführt werden. Die luftdicht gekapselten, höhen- und tropenfesten Empfänger liefern helle, für Betrachtung bei Tageslicht geeignete Bilder. Die vollständige Anlage zur Fernsehübertragung, also Kamera, Sender mit allen Hilfseinrichtungen und Empfänger ist in 3 Kästchen untergebracht, die praktisch keinerlei Bedienung erfordern, wodurch sich zahlreiche neue Anwendungsmöglichkeiten ergeben.

Reportageanlagen in Serienfertigung

Diese serienweise hergestellten Reportageanlagen haben sich im Betrieb bewährt. Die technische Vervollkommnung der Fernsehgeräte erlaubte es, auch Probleme der Fernmeldetechnik mit den Mitteln der Fernsehtechnik zu lösen. Bei der „Schnellbildübertragung" wurde es ermöglicht, Schriftstücke und Bilder in nur V25 Sekunde durch Druck auf eine Auslösetaste fernzuübertragen, am Empfangsort photographisch zu registrieren und das Empfangsbild sodann in einer Sekunde zu entwickeln.

Interessant ist ferner, daß es bereits im Sommer 1940 erstmalig gelungen ist, Fernsehsendungen mit mehr als 1000 Zeilen zu übertragen und dabei scharfe, brillante Empfangsbilder zu erzielen.

Diese erfolgreichen Entwicklungsarbeiten, auf die im nachstehenden näher eingegangen wird *), sind insbesondere im Hinblick auf die unmittelbar bevorstehende Wiedereinführung des Fernsehens in Deutschland von Bedeutung.

*) Da verschiedene Unterlagen verlorengingen, konnte die Arbeit nicht vollständig mit Bildern versehen werden.

Fernsehnorm und Synchronisierungsverfahren

Die 1937 in Deutschland eingeführte Fernsehnorm mit 441 Zeilen, Zeilensprungverfahren, 25 vollständigen Bildern pro Sekunde, positiver Modulation (Bildweiß entspricht größter Trägeramplitude) und Lückensynchronisierung entsprach nicht allen Wünschen. Durch Einführung der sogenannten negativen Modulation ließ sich die Bildqualität bei schwacher Empfangsfeldstärke verbessern, da die Störimpulse dann keine die benachbarten Bildpunkte überstrahlenden Aufhellungen, sondern weniger störende dunkle Bildstellen hervorrufen. Überdies ermöglichen positive Synchronisierimpulse eine einfache Fadingregelung **).

**) Bei Festlegung der neuen (vorläufigen) deutschen Fernsehnorm wurden diese Erkenntnisse berücksichtigt.

Die Entwicklung neuer, besonders stabiler Synchronisierverfahren wurde notwendig, weil im Gegensatz zu den bisherigen Fernsehanlagen, bei denen der Abstand zwischen Sender und Empfänger konstant war, bei den neuentwickelten ortsbeweglichen Fernsehanlagen mit starken Schwankungen der Empfangsfeldstärke gerechnet werden mußte. Wichtig war auch eine weitgehende Unempfindlichkeit gegen Störungen, welche das „Herausfallen" einzelner Zeilen oder Zeilengruppen mit Sicherheit verhindern sollte, da erfahrungsgemäß dies die Erkennbarkeit des übertragenen Bildes viel stärker stört als Helligkeitsstörungen im Bildinhalt selbst.

Auflistung der Synchronisierverfahren

In den Jahren 1940/41 wurden u. a. nachstehende Synchronisierverfahren durchgebildet:

  • 1. Quarzsteuerung
    Senderseitig und empfängerseitig befinden sich möglichst genau übereinstimmende Steuerquarze für die Erzeugung der Zeilenfrequenz. Durch Verwendung von Thermostaten wird ein phasengleicher Lauf für einige Minuten gewährleistet. Dann ist im allgemeinen ein Nachregeln der Phase bzw. eine Nachregelung der Frequenz notwendig.
  • 2. Synchronisierung durch besonderen Sender
    Es kann ein vorhandener Sender (z. B. Rundfunksender) verwendet werden, dessen Frequenz gleich der Synchronisierfrequenz oder einem Vielfachen von ihr ist. Im Fernsehsender und im Fernsehempfänger wird durch je eine besondere Einrichtung die Trägerfrequenz des Rundfunksenders empfangen, gegebenenfalls nach Frequenzteilung als Mutterfrequenz zur Steuerung der Zeilenkippgeräte verwendet und durch Frequenzteilung daraus die Bildsynchronisierfrequenz gewonnen. Bei ortsveränderlichen Anlagen ändert sich im allgemeinen die Differenz zwischen der Laufzeit der Bildsignale und der Laufzeit der vom Rundfunksender her übertragenen Synchronisierzeichen. Zum Ausgleich dieser Laufzeitunterschiede ist ein Phasenschieber notwendig, der laufend bedient werden muß.
  • 3. Mitnahmesynchronisierung
    Sender und Empfänger enthalten je einen Generator zur Erzeugung der Zeilen Synchronisierfrequenz. Vom senderseitigen Generator werden die Zeilensynchronisierimpulse übertragen, der empfängerseitige Generator durch Mitnahme synchronisiert und die Bildwechselfrequenz daraus durch Frequenzteilung abgeleitet. Kleine Abweichungen in der Eigenfrequenz der Generatoren machen sich durch eine Änderung der Phasenlage der Bildzeilen bemerkbar; sie können am Empfänger durch eine Feinregelung der Generatorabstimmung ausgeglichen werden. Die Phasenlage des Bildes kann durch kurzzeitige stärkere Verstimmung (z. B. 2 bis 3%), die ein Durchlaufen des Zeilengenerators und damit der Bildphasenlage bewirkt, eingestellt werden. Eine gute Stabilität des Generators ist im Sender und Empfänger wichtig.

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Durch Verwendung temperaturkompensierter Kreise läßt sich für Temperaturschwankungen zwischen —10° und +70° auch unter schwierigen Betriebsbedingungen eine Stabilität der Frequenz von 10 hoch—3 erreichen. Dieses Verfahren ergibt eine besonders stabile Synchronisierung, welche auch bei stärkeren Störungen oder Reflexionen, bei denen das Bild schon unkenntlich ist, praktisch nicht unterbrochen wird; denn auch bei Ausbleiben einiger Synchronisierzeichen läuft der Generator im Empfänger weiter und steuert die Kippgeräte. Da nur die kurzzeitigen Zeilenimpulse, nicht aber die (üblicherweise wesentlich länger dauernden) Bildwechselimpulse übertragen werden, ist eine besonders einfache, schnell wirkende Fadingautomatik möglich.

Das Mitnahmeverfahren läßt sich beim Empfang von Bildsynchronisierzeichen (also wenn diese nicht durch Frequenzteilung aus den Zeilensynchronisier-zeichen abgeleitet werden) wegen der niedrigen Frequenz nicht anwenden, da — abgesehen von dem großen Aufwand für Schwingungskreise so niedriger Frequenz — eine Einstellung der Phasenlage infolge der notwendigen großen Zeitkonstante des Systems praktisch unmöglich ist.
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Die Technik im Detail

Auf, Grund der Überlegung, daß durch Differenzbildung zweier der Zeilenfrequenz benachbarter Frequenzen auch die Bildwechselfrequenz gewonnen werden kann, wurde ein Abtastverfahren entwickelt, bei dem auf den Kathodenstrahl zwei senkrecht zueinander stehende Ablenkfelder mit sinusförmigem zeitlichen Verlauf, aber verschiedener Frequenz einwirken, so daß sich ein „Raster" aus einander schneidenden Ellipsen ergibt.

Beispielsweise erzeugen zwei Sinusschwingungen von 10.000 und 10.050 Hz ein „Raster" von 200 Zeilen bei 50 Bildwechseln pro Sekunde. Beide Generatoren können vom Sender durch Mitnahme gesteuert werden und auch beide gleichartig gebaut sein, was die Fertigung vereinfacht. Die auftretenden Schwierigkeiten hinsichtlich genauer Übereinstimmung der Kurvenform und Phasenlage zwischen Sendergeneratoren und Empfängergeneratoren konnten dadurch überwunden werden, daß die Sinusströme durch Sägezahnströme ersetzt wurden, wodurch ein Diagonalraster mit senkrechten und waagerechten Rückläufen entsteht.

Im Sender werden hierbei von zwei Muttergeneratoren zwei um die Bildwechselzahl verschiedene Frequenzen erzeugt, welche zwei gleichartige Zeilenkippgeräte synchronisieren, deren Rücklauf-Austastimpulse zum Empfänger übertragen werden. Diese Impulse synchronisieren im Empfänger zwei Generatoren durch Mitnahme, welche ihrerseits zwei gleichartige Kippgeräte steuern. Bei Einkanalbetrieb sind die Anforderungen an die Frequenzkonstanz der Muttergeneratoren sehr groß; ihre größten Frequenzschwankungen müssen kleiner sein als die halbe Differenz der Mutterfrequenzen, da der Mitnahmezwang so klein gemacht werden muß, daß ein Generator nicht auf die nahe benachbarte Frequenz des anderen Generators anspricht. Dieses Abtastverfahren ermöglicht bei geringem Aufwand eine sehr sichere Synchronisierung und die Anwendung niedriger Bildwechselzahlen, wobei die Übertragung der Bildwechselfrequenz und die hierfür sonst erforderlichen Bauelemente großer Zeitkonstante wegfallen. Im Jahre 1944 wurde eine derartige Anlage für 300 Zeilen bei 20 Bildwechseln in Betrieb genommen.

Aufnahmegeräte

Ausgehend von den letzten vor dem Kriege gebauten Aufnahmegeräten wurden verschiedene neue und wesentlich verbesserte Fernsehkameras entwickelt, bei deren Bau das Streben nach immer weitergehender Verkleinerung aller Abmessungen richtunggebend war. Durch gedrängten Aufbau und Verkleinerung aller einzelnen Bauelemente wurde es schließlich möglich, die Fernsehkamera mit den Verstärkern, Impulsgebern, Kippgeräten und zahlreichen Hilfseinrichtungen zu einer baulichen Einheit zusammenzufassen und mit dem drahtlosen Sender und den Stromquellen in verhältnismäßig kleinen Fahrzeugen unterzubringen.

Bei der Entwicklung dieser Kameras mußten einige neue Gesichtspunkte berücksichtigt werden. Während beim bisherigen Senderbetrieb nur gut geschultes Personal die Kamera bediente, sollte diese nunmehr auch ohne Bedienung einwandfrei arbeiten. Dies erforderte den Einbau von Hilfseinrichtungen, welche ein befriedigendes Arbeiten auch bei schwierigen Betriebsbedingungen (Spannungsschwankungen, Schwankungen der Beleuchtungsstärke) gewährleisten sowie eine selbsttätige Einstellung der Kamera auf günstige Aufnahme- und Übertragungsbedingungen bewirken. Zum Ausgleich der bei Außenaufnahmen häufig auftretenden großen Lichtschwankungen wurden versuchsweise Blenden eingebaut, die sich automatisch, z. B. in Abhängigkeit vom Photokathodenstrom einstellen.

Wichtige Betriebsspannungen werden mittels Glimmlampen stabilisiert, der Heizstrom der Bildzerlegerröhre durch einen Eisenwasserstoffwiderstand, der Gleichstrom für die Elektronenlinse der Bildzerlegerröhre durch eine besondere Röhrenschaltung konstant gehalten. Durch eine sogenannte Schwarzsteuerung mit nachfolgender automatischer Verstärkungsregelung wird unabhängig vom Helligkeitsumfang der übertragenen Objekte stets der ganze für die Bildübertragung zur Verfügung stehende Modulationsbereich durchgesteuert.

Während bisher in den einzelnen Bauteilen der Fernsehgeräte die für den speziellen Verwendungszweck am besten geeigneten Röhren verwendet wurden, sollte aus Gründen der leichteren Ersatzteilhaltung die Zahl der Röhrentypen weitgehend eingeschränkt werden. Es gelang schließlich, Verstärker, Regelautomatik, Kippgeräte, Impulserzeugung einschließlich Muttergenerator bei insgesamt 29 Röhren mit nur 2 Röhrentypen (RV12 P2000 und RL12T1) zu bestücken.
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Die Aufnahmeoptik (1 : 2,8; f = 35 mm) und die Bildspeicherröhre, deren Empfindlichkeit Fernsehaufnahmen bis herab zu 50 Lux Beleuchtungsstärke zuläßt, sind in der Längsachse angeordnet. Die einzelnen Bauteile der Kamera, wie z. B. Verstärker, Kippgeräte und dergleichen sind auf einzelnen Teilchassis montiert, welche die Bildspeicherröhre in der Kamera umgeben (Abb. 1 und 2). Diese Teilchassis sind elektrisch durch Steckverbindungen miteinander verbunden, so daß sie nach Lösen einiger Befestigungsschrauben leicht ausgewechselt werden können.

Das zu übertragende Bild wird auf der Photokathode der Bildspeicherröhre abgebildet und hiervon auf der Speicherelektrode ein im Verhältnis 1:5 vergrößertes elektronenoptisches Abbild erzeugt, das durch den im „Sporn" der Röhre erzeugten Kathodenstrahl abgetastet wird. Die am Ausgang der Bildspeicherröhre (Abb. 3) abgenommenen Signale werden dem hoch-ohmigen Eingangswiderstand (1MQ) eines RC-gekoppelten Verstärkers zugeführt, so daß in dem für Klingerscheinungen (Mikrophonie) der ersten Röhre kritischen Frequenzbereich die Eingangsspannung verhältnismäßig hoch ist und Klingerscheinungen, welche die Bildübertragung stark stören, mit Sicherheit vermieden werden.

Der durch den hohen Eingangswiderstand sich ergebende Abfall der Eingangsspannung im Bereich der hohen Frequenzen wird durch zweimalige Gegenkopplung im Verstärker wieder ausgeglichen und ein praktisch gleichmäßiger Amplitudengang der Verstärkung bis etwa 3,0 MHz erzielt. Die Synchronisierzeichen für Zeile und Bild werden durch Bremsgittermodulation einer Verstärkerstufe zu den Bildsignalen hinzugefügt.

Die Kamera enthält als Taktgeber einen besonders frequenzstabilen Muttergenerator, von dessen Schwingungen sämtliche zur Steuerung der Kippgeräte und zum Betrieb der Bildspeicherröhre und zur Synchronisierung benötigten Impulse durch Frequenzteilung abgeleitet werden. Die Zeilenablenkung erfolgt durch ein Transformatorkippgerät [1], welches als Kippröhre und als Linearisierungsdiode je eine Röhre (RL 12T1) enthält. Der Sägezahnstrom für die Bildablenkspulen wird von einer Röhre (RV12 P2000) geliefert, welche mittels RC-Rückkopplung zum Schwingen gebracht ist. Neben dem Spulensystem zur Ablenkung des Abtaststrahls befindet sich ein kleines durch Gleichstrom erregtes Hilfsjoch, welches den durch die Schrägstellung des Spornes verursachten Trapezfehler ausgleicht. Das beim Abtastvorgang entstehende Störsignal wird durch Impulse kompensiert, die von den Kippgeräten abgeleitet und den verstärkten Bildsignalen hinzugefügt werden.

Die Stromversorgung dieser Aufnahmegeräte erfolgt über einen Transformator mit Wechselstrom von 500 Hz, den ein batteriegespeister rotierender Umformer liefert.
Diese Kameras wurden in mehreren einander ähnlichen Typen serienweise gebaut. Durch sorgfältige Planung der Fertigung, Zerlegung der Schaltung in einzelne Baugruppenteile und Entwicklung besonderer Prüfverfahren gelang es, diese Serienfertigung erfolgreich durchzuführen, obwohl ein großer Prozentsatz der Hilfskräfte nur notdürftig angelernt oder berufsfremd war.

Außer den vorstehend beschriebenen Baumustern wurden noch andere Aufnahmegeräte gebaut, z. B. eine Kamera, die an Stelle des optischen Sucherbildes eine kleine Kathodenstrahlröhre von 6cm Durchmesser enthält, auf deren Schirm das von der Kamera aufgenommene Bild unmittelbar sichtbar ist.

Auf Grund der Überlegung, daß bei Bildspeicherröhren der dielektrische Verschiebungsstrom der Speicherelektrode gleich den Schwankungen des vom Raster zur Anode fließenden Sekundärelektronenstromes ist, wurden versuchsweise Röhren gebaut (Abb. 4), bei denen dieser Elektronenstrom in einem Sekundärelektronenverstärker vervielfacht wird. Die zugehörige Kamera ist ähnlich den vorstehend beschriebenen Baumustern, jedoch der veränderten Röhrenform durch entsprechende Ausnehmungen im Chassis angepaßt. Zu Versuchszwecken wurde schließlich nach eine weitere Kamera entwickelt, welche besonders klein und leicht transportabel sein sollte, wobei die Anforderungen an die Bildqualität bewußt etwas herabgesetzt wurden. Die Kamera hat einen Durchmesser von nur etwa 20cm und eine Länge von etwa 35cm.

Es wird darin eine Bildspeicherröhre mit Durchsichtkathode verwendet, deren äußere Bauform einer üblichen Kathodenstrahlröhre ähnlich ist, die jedoch statt des Leuchtschirmes eine durchsichtige, lichtempfindliche Speicherelektrode enthält (Abb. 5).

Zur drahtlosen Übertragung (Zweiseitenband, Bandbreite ±2MHz) der von der Kamera gelieferten Signale wurde bis herab zu 3,5m Wellenlänge ein kleiner Sender mit fremderregten Gegentaktpentoden (RS 381) bei Bremsgitter- und auch Steuergittermodulation verwendet. Im Dezimeterwellengebiet (etwa 70cm) wurden selbsterregte Trioden in kombinierter Diodenlast-und Gitterspannungsmodulation benutzt. Die Trioden (TU50) und Dioden (DU10) waren von der Fernseh GmbH für diesen Zweck entwickelt und gebaut worden.

Die Übertragung der Fernsehsignale erfolgte mit verschiedenen Wellenlängen und unter verschiedenen Einsatzbedingungen. Sehr gute Ergebnisse wurden mit Sendern von 20W ohne Antennenreflektor erzielt. Bei einer Wellenlänge von 10m wurden zwischen kleinen Schiffen mit einer Antennenhöhe von nur etwa 3,50m über dem Wasser etwa 40km überbrückt, ohne daß auch bei stärkerem Seegang Reflexionen bemerkbar waren. Eine Wellenlänge von 3,50m ergab zwischen Fahrzeugen in schwach hügeligem Gelände gute Übertragung bis auf 7km, während über See die von einer nur wenige Meter hohen Sendeantenne ausgestrahlten Sendungen bei einer Empfängerhöhe von 4000m bis auf 300km übertragen wurden.

Die bei Ultrakurzwellen auftretenden Reflexionserscheinungen, welche insbesondere die Fernsehübertragung zwischen Flugzeugen beeinträchtigen, wurden durch Richtstrahlantennen vermieden, und es gelang, mit 70cm Wellenlänge bei nur 10W Strahlungsleistung unter Verwendung von Yagi-Antennen mit drei Wellenleitern und einem Reflektor zwischen Flugzeugen in größerer Höhe Entfernungen von 150km zu überbrücken.

Empfangsgeräte

Durch die Konstruktion des deutschen Fernseh-Einheitsempfängers [2] und kombinierter Rundfunk- und Fernsehempfänger [3,4] für direkte Bildbetrachtung (Bildformat 31,5 x 27,5cm) bzw. für Bildbetrachtung in einem aufklappbaren Linsenrasterschirm (Bildformat 40 x 50cm) war im Jahre 1939 ein gewisser Abschluß in der Entwicklung von Heimempfängern erreicht. Es mußten nunmehr Empfänger für ortsbeweglichen Betrieb entwickelt werden, die für Reportagezwecke, Einbau in Kraftwagen oder Flugzeuge und als Kontrollempfänger auf Kabelstrecken besonders geeignet sein sollten.

Trotz der vielseitigen Anwendung der Geräte genügte infolge zweckentsprechender Normung von Amplitude und Polarität der Bildsignale und Synchronisierzeichen die Herstellung von nur zwei Typen. Der eine Gerätetyp ist der Universalempfänger mit einer Bildgröße von 8 x 9cm und einer Anodenspannung von 6kV, ausgeführt als Bildschreiber (sogenannter Kurzschlußempfänger) oder als kompletter drahtloser Empfänger.

Der zweite Gerätetyp ist ein Hochleistungsempfänger mit einer Bildgröße von etwa 11 x 12cm und einer Anodenspannung von 12kV, ausgeführt als Bildschreiber großer Helligkeit für Bildbetrachtung bei Tageslicht. Infolge der hohen Anforderungen an Schärfe und Helligkeit der Empfangsbilder wurde eine Neuentwicklung kleiner, scharfzeichnender Kathodenstrahlröhren sowie ein entsprechender Aufwand bezüglich Verstärker, Kippgeräte und Hochspannungserzeugung notwendig. Aus Zweckmäßigkeitsgründen wurden Taktgeber, Zeilenkippgeräte und Hochspannungserzeugung in beiden Typen gleichartig gebaut.

Taktgeber

Bei der Anwendung der Mitnahmesynchronisierung muß im Empfänger aus der übertragenen Zeilenfrequenz durch Frequenzteilung die Bildwechselfrequenz erhalten werden. Hierfür wurde ein kleiner, zuverlässiger Taktgeber entwickelt, welcher drei Teilerstufen mit abgestimmten Transformatoren enthält. Aus der Zeilenfrequenz von 11.200Hz werden die beiden Frequenzen 350 und 400Hz abgeleitet und in einer Mischstufe überlagert, so daß sich die Bildwechselfrequenz von 50Hz ergibt.
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Kippgeräte und Hochspannungserzeugung

Als Zeilenkippgerät wird für alle Fernsehempfänger das zu hoher technischer Vollendung entwickelte Transformatorkippgerät verwendet und zur Linearisierung des Sägezahnstromanstieges parallel zu den Ablenkspulen eine vorgespannte Diode angeordnet. Während bisher die Diodenvorspannung durch Spannungsabfall an einem kapazitiv überbrückten Widerstand erzeugt wurde und sich die aufgenommene Gleichstromleistung größtenteils im Widerstand in Wärme umsetzte, gelang es, durch eine neue „Energierückgewinnungsschaltung" diese Verluste einzusparen.

Hierbei wird dieser Widerstand durch den Innenwiderstand des Kippgerätes selbst ersetzt. Bei gleichbleibender Kippleistung wurde es möglich, die Leistungsaufnahme aus dem Netzgerät gegenüber üblichen Kippschaltungen wesentlich, bei Hochleistungsempfängern sogar auf etwa ein Drittel zu verringern. Die Leistungsaufnahme beträgt beim Universalempfänger nur 6W (hiervon 1W Heizleistung der Kippröhre), beim Hochleistungsempfänger 13W (hiervon 6W Heizleistung).

Die Anodenspannung für die Kathodenstrahlröhre wird durch Gleichrichtung der während des Zellenrücklaufs am Kippgerät auftretenden hohen Spannungsimpulse erzeugt [5]. Die Anodenleistung der Kathodenstrahlröhre wird daher ohne nennenswerten Energiemehrbedarf vom Kippgerät gedeckt und ist in den obengenannten Zahlen bereits enthalten. Die Anodenspannung von 6kV (beim Hochleistungsempfänger 12kV) wird in drei Stufen erzeugt. Die zur Gleichrichtung der Spannungsimpulse dienenden Gleichrichterröhren können infolge ihrer sehr kleinen Heizleistung von nur 0,1W direkt aus dem Kipptransformator geheizt werden. Infolge der hohen Impulsfrequenz der gleichgerichteten Impulse ist zur Siebung der Anodenspannung nur ein kleiner Ladekondensator von etwa 200pF erforderlich.

Praktisch genügt hierfür die Kapazität zwischen dem auf Anodenpotential befindlichen leitenden Innenbelag und der geerdeten äußeren Metallisierung des Kolbens der Kathodenstrahlröhre. Um bei dem hohen Innenwiderstand der Hochspannungsquelle (bis zu 12MQ) Spannungsschwankungen infolge der schwankenden Stromaufnahme der Kathodenstrahlröhre zu vermeiden, wird die Belastung durch eine kleine, gegenphasig gesteuerte Kompensationsröhre konstant gehalten.

Durch geschickte Aufteilung der Wicklungen und Wahl geeigneter Materialien konnten sehr kleine Abmessungen des Kipptransformators (Abb. 6) erzielt und das Gewicht auf 100g verringert werden. Als Bildkippgerät wurde im Universalempfänger ein Transformatorkippgerät mit ferromagnetischem, Ablenkjoch, im Hochleistungsempfänger ein Verstärkerkippgerät (siehe unten) verwendet.

Universalempfänger

Der Aufbau dieses Empfängertyps ist aus Abb.7 gut erkennbar. Die äußere Form ist dem Durchmesser (130mm) und der Länge (270mm) der Kathodenstrahlröhre angepaßt. Das Amplitudensieb, die Kippgeräte und die Hochspannungserzeugung aus dem Zeilenkippgerätisind mit der Halterung und dem Ablenkspulensatz der Kathodenstrahlröhre zu einer konstruktiven Einheit verbunden; die für die verschiedenen Verwendungszwecke benötigten Verstärker- und Taktgeberchassis sind leicht auswechselbar.

Der Bilclschreiber enthält für den Empfang niederfrequenter Signale nur einen Endverstärker, der die genormte Eingangsspannung von 1V Spitze auf etwa 30V zur Aussteuerung der Kathodenstrahlröhre verstärkt. Für drahtlosen Empfang werden ein Zwischenfrequenzverstärker und wahlweise ein Vorverstärker für den Empfang im Dezimetergebiet (etwa 400MHz) bzw. im UKW-Gebiet (etwa 60 bis 90MHz) eingesetzt.

Im Dezimeterwellen-Vorverstärker wird der Eingangskreis durch eine symmetrische Lecherleitung gebildet, deren eines Ende zu den Anoden einer Mischdiode führt und deren anderes Ende durch eine verstellbare Kurzschlußbrücke abgeschlossen wird. Die symmetrische Antennenzuleitung ist über ein Anpassungsglied an die Anoden der Mischdiode geführt. Die Oszillatorspannung wird im Gegentakt auf das Eingangssystem induziert und an der Kathode der Mischdiode wird die Zwischenfrequenz abgenommen.

Der UKW-Verstärker enthält Vorstufe, Mischstufe, Oszillator und erste ZF-Stufe. In der Vorstufe wird eine besonders rauscharme und steile Pentode (LV4) verwendet, welche bei 70 MHz und einer Bandbreite von 5 MHz eine lOfache Verstärkung ergibt. Die Mischung
erfolgt zur Verringerung des Rauschens additiv.- Der Empfänger kann durch satzweise auswechselbare Spulen auf 5 Frequenzkanäle eingestellt werden. Die Frequenzkonstanz der Kreise ist so hoch, daß sich eine Nachstimmung erübrigt.

Der Zwischenfrequenzverstärker enthält drei Stufen nit steilen Pentoden (LV1); die Gleichrichtung erfolgt in einer Gegentaktdiode (LD1). Die Gesamtverstärkung des Empfängers ist im Dezimetergebiet etwa 30.000fach, im UKW-Gebiet etwa 100.000fach. Die Empfindlichkeit (am Ende des Antennenkabels für Nutzleistung gleich Rauschleistung) beträgt im Dezimetergebiet 25uV, im UKW-Gebiet 8uV (gemessen an 120Q).

Die beim Betrieb in Fahrzeugen bekanntlich auftretenden schnellen starken Schwankungen der Empfangsfeldstärke werden zwischen 100uV und 1V durch eine Regelautomatik kleiner Zeitkonstante (1/100 Sekunde) verzerrungsfrei ausgeregelt; bei l00facher Zunahme der Antennenspannung wächst die Ausgangsspannung nur um 20%. Die Antennenspannung sollte für ein gut sichtbares Bild und einen Modulationsgrad des Trägers von wenigstens 60% im Dezimetergebiet 100uV, im UKW-Gebiet 30uV betragen.

Die Bedienung des Empfängers ist einfach und beschränkt sich nach Einstellung der Mitnahmesynchronisierung auf gelegentliche Nachstellung der Grundhelligkeit, da die Strahlschärfe infolge Stabilisierung von Fokussierstrom und Hochspannung nicht nachgestellt werden muß und auch die Spannung zwischen „schwarz" und „weiß" durch die Regelautomatik praktisch konstant gehalten wird.

Hochleistungsempfänger

Dieser höhen- und tropenfeste Empfängertyp (Abb. 8) sollte besonders kleine äußere Abmessungen aufweisen. Es war daher zunächst notwendig, eine sehr helle und scharfe, besonders kurze Kathodenstrahlröhre zu entwickeln, da deren Länge für die Tiefe des Empfängers maßgebend ist. Die Länge der Röhre läßt sich bei gegebenem Bildformat verringern, wenn es gelingt, den Kathodenstrahl über einen größeren Winkel abzulenken, ohne daß die Randschärfe merklich abnimmt.

Es wurde eine Röhre für 12kV Anodenspannung entwickelt, welche bei einem Schirmdurchmesser von 12cm eine Länge von nur 30cm besitzt und einen Strahlablenkwinkel bis zu 60° (± 30°) gestattet. Das Zeilenkippgerät und die Erzeugung der Hochspannung wurden bereits oben erläutert. Das Bildkippgerät mußte gegenüber dem Universalempfänger noch weiter verkleinert werden; es enthält einen Zweiröhren-Multivibrator (RV 12 P 2000), der eine Verstärkerröhre (LV 1) steuert. Die Strahlablenkung erfolgt durch ein neuartiges, besonders kleines Ablenkjoch, bei dem sich der von der Gleichstromkomponente des Sägezahnstroms erzeugte magnetische Gleichfluß innerhalb des Joches, der magnetische Wechselstromfluß hingegen nur über den Ablenkraum schließt.

Als Bildschreiber ist das Gerät zum Empfang niederfrequenter Fernsehsignale bestimmt und enthält einen zweistufigen Verstärker, der die Kathodenstrahlröhre mit maximal 150V Ausgangsspannung steuert. Verstärker und Kippgerät sind an dasselbe Anodenspannungsgerät angeschlossen, dessen Siebmittel sehr knapp bemessen sind. Durch eine Gegenkopplung gelingt es, störende Rückwirkungen des Bildkippgerätes auf den Verstärker zu verhindern. Für den drahtlosen Empfang wird noch ein entsprechendes Zusatzgerät vorgeschaltet.

Um trotz einer gedrängten Bauweise den schon im Hinblick auf die Höhe der Anodenspannung erforderlichen guten Isolationszustand auch unter ungünstigen Betriebsbedingungen aufrechtzuerhalten, wurde der Empfänger in einem zylindrischen Gehäuse von 170mm 0 und 370mm Länge luftdicht eingeschlossen. Da eine ausreichende Wärmeableitung durch Strahlung oder direkte Luftkühlung nicht möglich war, mußte die der Leistungsaufnahme des Empfängers von 50W entsprechende Wärmemenge durch metallische Wärmeleitung derart nach außen abgeführt werden, daß keine übermäßigen Betriebstemperaturen im Innern auftreten.

Die Röhren sind von Aluminiumhülsen umgeben, die in Bohrungen dicker Aluminiumscheiben sitzen, welche die in den Röhren entwickelte Wärme direkt an das von einem kühlenden Luftstrom umspülte Gehäuse ableiten. Die Kathodenstrahlröhre wird von den einzelnen Bauelementen konzentrisch umgeben.

Diese sind auf scheibenförmigen Aluminiumchassis befestigt, welche in der Mitte eine Öffnung für die Braunsche Röhre haben und elektrisch durch Mehrfachstecker, mechanisch mittels durchgehender Führungsstangen untereinander verbunden sind. Diese leicht lösbaren Verbindungen gewährleisten trotz des sehr gedrängten Aufbaues eine gute Zugänglichkeit der einzelnen Bauteile. Aus den Abb. 9 und 10 ist der Aufbau des Gerätes gut erkennbar.

Röhrentechnik
(1) Bildspeicherröhren

Die bereits im Zusammenhang mit den Aufnahmegeräten kurz beschriebenen Bildspeicherröhren, insbesondere des Typs IS9 (Abb. 4), wurden weitgehend vereinfacht, Metallelektroden soweit als möglich durch leitfähigen Belag auf dem Glas ersetzt und durch Vorrichtungsbau die erforderlichen glastechnischen Toleranzen eingehalten, so daß schließlich die Bildspeicherröhren mit einer Empfindlichkeit von 40uA/Lumen auch von ungelernten Hilfskräften in Serienbau gefertigt werden konnten. Von den verschiedenen Sonderentwicklungen seien nachstehend einige erwähnt.
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Da die Empfindlichkeit der normalen Bildspeicherröhren nur einige Prozent der theoretisch erreichbaren Empfindlichkeit beträgt, liefen bei der Fernseh G.m.b.H. seit 1936 Entwicklungsarbeiten mit dem Ziele einer möglichst lOOprozentigen Umsetzung der Lichtenergie in elektrische Impulse. Tastet man die Speicherelektrode einer Bildspeicherröhre mit langsamen Elektronen ab, so wird die durch die Sekundärelektronenemission erfolgende Entladung der Speicherelektrode weitgehend verringert.

Das Orthicon

Derartige Röhren — in USA Orthicon [61] genannt — müssen eine spezielle Elektronenoptik für den Abtaststrahl besitzen, um trotz der geringen Elektronengeschwindigkeit eine genügende Strahlschärfe aufzuweisen. Es gelang schließlich, die hierfür notwendigen Netzelektroden auf photochemischem Wege herzustellen und mit Erfolg zu verwenden.

1944 wurden die ersten Bildübertragungen mit diesen Röhren mit 441 Zeilen entsprechend der damals gültigen deutschen Fernsehnorm durchgeführt, wobei gute Empfangsbilder erhalten wurden.

An mißratenen Bildspeicherröhren würde gelegentlich ein längere Zeit bestehen bleibendes Ladungsbild beobachtet. Nach Untersuchung des Effektes wurde im Jahre 1941 diese Erscheinung technisch nutzbar gemacht, z. B. um empfangene Fernsehsendungen mit anderer Norm (Abtastart und Zeilenzahl) weiterzugeben. Diese von uns „Möko" genannten Röhren — in USA heißen die unabhängig davon entwickelten ähnlichen Röhren Memory Tubes [7] — enthielten als Speicherplatten eine mit Metallsalzen präparierte Aluminiumplatte, auf der durch einen intensitätsgesteuerten Kathodenstrahl ein Ladungsbild aufgebracht wurde.

Dieses bleibt gespeichert und kann durch einen Abtaststrahl (ähnlich wie bei der normalen Bildspeicherröhre) zur gewünschten Zeit, beispielsweise nach mehreren Wochen, einige hundertmal abgetastet und dabei in fast beliebig kleinen Teilbeträgen abgetragen und in einem Fernsehempfänger sichtbar gemacht werden.

Kathodenstrahlröhren

Die zur Großprojektion [8] von Fernsehbildern (Format 3 x 4m) dienenden, mit 80kV betriebenen Projektionsröhren [9] wurden in den Jahren 1940 und 1941 noch weiter verbessert; es gelang, die Lebensdauer dieser hochbelastbaren Röhren auf 500 Stunden zu erhöhen. Die Schärfe und Helligkeit der für den Fernsehempfang verwendeten Kathodenstrahlröhren wurde 1943 und 1944 wesentlich verbessert durch Bedampfung der Leuchtschirme mit Aluminium in Form einer dünnen zusammenhängenden Schicht (Lenard-Fenster) auf der dem Strahlerzeugungssystem zugewendeten Seite. Hierdurch werden störende und die Fleckschärfe ungünstig beeinflussende Aufladungen des Leuchtschirms verhindert.

Bei Anodenspannungen über 6.000V kommt ein merklicher Helligkeitsgewinn hinzu, weil das in Richtung des Strahlerzeugungssystems austretende Licht, dessen Intensität doppelt so groß wie die des nach vorn austretenden Lichtes ist, durch Reflexion am Metallschirm nach vorn abgestrahlt wird, wobei allerdings ein Teil des reflektierten Lichtes im Leuchtschirm absorbiert wird.

Ferner ergibt sich eine Steigerung des Bildkontrastes, da die Metallschicht Aufhellungen des Leuchtschirmes durch das von der Innenwand des Röhrenkolbens reflektierte Licht verhindert. Ausgehend von der Überlegung, daß lang nachleuchtende Substanzen durch kürzerwelliges Licht angeregt werden, ging man in den Jahren 1941 und 1942 zur Herstellung von Doppelschicht-Leuchtschirmen über, bei denen eine lang nachleuchtende Leuchtstoffschicht direkt auf dem Kolbenboden und darüber eine kurz nachleuchtende, den lang nachleuchtenden Phosphor aber erregende Leuchtstoffschicht aufgebracht ist.

Schnellbildübertragung

Bei jeder Art von Nachrichtenübertragung ist es wünschenswert, über einen gegebenen Übertragungskanal, sei es drahtlos oder über Kabel, je Minute möglichst viele Nachrichten, z. B. Telegramme, zu übertragen. Im Frühjahr 1940 wurde ein Übertragungsverfahren durchgebildet, bei dem es möglich ist, ein ganzes Schriftblatt, also z. B. Skizze, Telegramm oder Seite eines Buches, originalgetreu in z. B. Vas Sek. zu übertragen, photographisch zu registrieren und in einer weiteren Sekunde zu entwickeln.

Hierbei wird der Übertragungskanal nur für die Dauer von Vss Sek. belastet. Während ein normales Fernsehabtastgerät das zu übertragende Bild mit z. B. 500 Zeilen bei 25 Bildwechseln pro Sekunde dauernd abtastet, wird bei der Schnellbildübertragung die eigentliche Sendeeinrichtung (Modulationsgerät oder Sender) nur mit Beginn einer Bildabtastung für Vag Sek. eingeschaltet. Es wird zunächst zu beliebiger Zeit von Hand ein Vorbereitungssignal gegeben, das die Einschaltvorrichtung des Senders empfindlich macht für das auf das Vorbereitungssignal folgende Bildzeichen. Der Sender wird dann selbsttätig für die Dauer von 1/25 Sek. eingeschaltet.

In der einfachsten Form wird zunächst durch das Vorbereitungssignal ein Kondensator aufgeladen, dessen Kapazität gerade so groß ist, daß sein Energieinhalt ausreicht, einen Multivibrator zum einmaligen Ablauf zu bringen. Dieser Multivibrator wird dann durch das Bildzeichen einmalig ausgelöst und erzeugt seinerseits den zur Hochtastung des Senders notwendigen Impuls. Empfängerseitig wird ein normales Fernsehempfangsgerät benutzt, dessen Bildkippgerät gesperrt ist und nur einmalig durch einen Impuls am Beginn der Sendung ausgelöst wird. Während der Sendung werden die Zeilensynchronisierimpulse übertragen, so daß das empfängerseitige Zeilenkippgerät nach kurzer Einschwingdauer synchronisiert wird. Damit wird das Bild auf der Kathodenstrahlröhre des Empfängers einmalig geschrieben. Bei genügend langer Nachleuchtdauer der Empfängerröhre kann dann der Text niedergeschrieben werden.

Zur photographischen Registrierung des Empfängerbildes wurde ein besonderes Papier erzeugt (1940), das nach Belichtung durch das Bild der Kathodenstrahlröhre in einer Sekunde durch Bedampfung mit Wasserdampf ausentwickelt wird. In der Schicht des Papiers befinden sich alle zur Entwicklung notwendigen Substanzen in einer solchen Menge, wie sie gerade zur Ausentwicklung benötigt werden. Das Aufzeichnungsgerät enthält einen kleinen elektrisch beheizten Dampfkessel und den Bedampfungsraum. Durch öffnen eines Ventils kann das Papier bedampft werden. Das Bestreben ging nun dahin, ein Papier zu finden, zu dessen Entwicklung nur eine Erwärmung notwendig ist. Auch dieses Problem wurde noch im Jahre 1944 gelöst. Zur Abtastung wurde zunächst ein Sondenrohr [10], später eine Kathodenstrahlröhre [11] verwendet. Der Empfänger enthält eine kleine Kathodenstrahlröhre von 9cm.

Zur Erzielung einer möglichst guten Schärfe bei der zur photographischen Registrierung notwendigen Helligkeit wird eine lange Konzentrierspule benutzt, die sich über den ganzen Hals der Kathodenstrahlröhre erstreckt. Über der Konzentrlerspule ist das Ablenksystem angeordnet, das soweit wie möglich an den Bildschirm her angeschoben wird. Diese Anordnung erfordert eine verhältnismäßig große Kippleistung, bringt jedoch den Vorteil, daß dadurch bei gleichbleibender Schärfe und Helligkeit nur die Hälfte der sonst erforderlichen hohen Anodenspannung benötigt wird.

Fernsehübertragung mit 1029 Zeilen

Im Sommer 1940 wurde erstmalig in der Geschichte der Fernsehtechnik einem "ausgewählten Kreis" (Anmerkung: vermutlich nur Militärs) ein Fernsehbild von mehr als 1.000 Zeilen vorgeführt. Die Übertragung erfolgte nach dem Zeilensprungverfahren mit 1029 Zeilen bei 25 Bildwechseln. Durch den Bau dieser Übertragungsanlage sollte die Frage geklärt werden, mit welchen Mitteln sich Bilder solch großer Auflösung herstellen lassen und ob die Wirkung solcher Bilder den mit der Erhöhung der Zeilenzahl verbundenen Aufwand lohnt. Ferner sollten die Möglichkeiten untersucht werden, diese hochzeiligen Bilder drahtlos oder über Kabel zu übertragen.

Abtastung mit dem Sondenrohr

Als Abtasteinrichtung kam zunächst nur ein Sondenrohr in Frage, da dieses eine mechanisch definierte Abtastblende besitzt und zudem die Bildpunktgröße durch Verändern des elektronenoptischen Abbildungsmaßstabes in gewissen Grenzen variiert werden kann.

Die Bildgröße auf der Photokathode beträgt etwa 5 x 6cm. Bei einer Kathodenempfindlichkeit von 40uA/Lumen ergibt sich nach Verstärkung über einen 21stufigen Sekundärverstärker an einem Widerstand von 500Q ein genügend schrotfreies Bildsignal von etwa 50mV. Die Verstärker übertragen Frequenzen bis 20MHz ohne im Bild sichtbare Laufzeitfehler, die trägerfrequente Bandbreite ist bei Zweiseitenbandübertragung auf ±15MHz begrenzt (30% Amplitudenabfall).

Der Sender

Ein kleiner Sender auf 1,5m Wellenlänge bei etwa 10Watt Antennenleistung, dessen Endstufe am Bremsgitter moduliert ist, wurde gebaut, ebenso der zugehörige Empfänger, dessen Zwischenfrequenzband 40 bis 70MHz beträgt. Der ZF-Verstärker hat 6 Gegentaktstufen mit der Röhre EFF 50. Bei der drahtlosen Übertragung ist es infolge der großen Bandbreite schwierig, Störsender vom ZF-Teil fernzuhalten. Für die Übertragung erwiesen sich Wellenlängen im Dezimetergebiet geeigneter, damit die Mischstufe keinesfalls Frequenzen des ZF-Bandes durchläßt. Versuchsweise wurde auch eine Kabelübertragung über eine Länge von etwa 30m durchgeführt, bei einem Wellenwiderstand des Kabels von 150Q. Diese Übertragungsanlage enthält einschließlich der Modulations- und Demodulationsstufen 27 Verstärkerstufen. Eine Minderung der ursprünglichen Bildqualität war nicht zu bemerken.

Der Empfänger

Es wurden Empfänger gebaut, welche den hohen Anforderungen an Auflösung genügten. Besondere zur Erzielung der großen Aussteuerspannung notwendige Verstärker, deren Endstufe im Gitterstrombereich arbeitete, wurden entwickelt. Auch Projektionsröhren von 18cm 0 wurden hergestellt, wobei die zur Wiedergabe von 1029 Zeilen erforderliche Schärfe durch Verwendung einer langen Konzentrierspule erzielt wurde. Die Empfangsbilder besaßen außerordentlich hohe Brillanz und einwandfreie Schärfe, welche die eines 16mm Schmalfilmbildes übertraf.

Die Versuche ergaben, daß die Übertragung von Fernsehbildern mit 1029 Zeilen mit den zur Verfügung stehenden technischen Mitteln durchaus möglich ist. Die bei Ausschöpfung aller Möglichkeiten erzielbare Bildqualität übertrifft jedoch wesentlich die Anforderungen, die zumindest für Heimempfang an eine gute Bildübertragung gestellt werden.

Die Entwicklung und der Bau der vorstehend beschriebenen Fernsehgeräte war eine Gemeinschaftsarbeit der Fernseh GmbH, an der neben Dr. Rolf Möller und Dr. Ing. Georg Schubert, welche als technische Geschäftsführer die allgemeine Entwicklungsrichtung bestimmten, und den Physikern und Entwicklungsingenieuren auch zahlreiche weitere Mitarbeiter Anteil haben, welche insbesondere die Fülle der damit verbundenen technischen Kleinarbeit bewältigten.

Schrifttumsnachweis

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  • [1] T h. M u 1 e r t und H. B ä h r i n g , Transformator-Kippgeräte. Fernseh Hausmitt. 1 (1939), S. 82—83.
  • [2] R. Andrieu und F. Rudert, Der Einheitsfernsehempfänger El. TFT 28 (1939), S. 249—257.
  • [3] R. Möller und G. Schubert, Die Weiterentwicklung unserer Empfangs- und Bildaufnahmegeräte im Jahre 1939. Fernseh Hausmitt. 1 (1939), S. 153—161.
  • [4] Th. Mulert und F. Rudert, Die beiden neuen Fernsehempfänger DE 8 R und HPE 5 R. Fernseh Hausmitt. 2 (1940), S. 7—12.
  • [5] H. Bähring, Hochspannungserzeugung aus dem Zeilenkippgerät. Fernseh Hausmitt. 1 (1939), S. 220—226 und 2 (1940), S. 84—90.
  • [6] A. Rose, P. K. Weimer and H. B. Law, The Image Orthicon — A Sensitive Television Pick-up Tube. Proc. I. R. E., Vol. 34, pp. 424—432, July 1946.
  • [7] Anrew V. H a e f f, A Memory Tube. Electronics, Sept. 1947, S. 80—83.
  • [8] R. Möller und R. v. Feigel, Fernseh-Groß-bilderzeugung mit Braunscher Röhre. Jahrbuch der Fernmeldetechnik 1939, S. 70—98.
  • [9] E. S c h w a r t z , Entwicklung der Braunschen Fernsehröhre bei der Fernseh A. G. Fernseh Hausmitt. 1 (1939), S. 128.
  • [10] W. Hart mann, Die Bildsondenröhre. Fernseh Hausmitt. 1 (1939), S. 130—134.
  • [11] K. Brückerstein kühl, Lichtstrahlabtaster mit Braunscher Röhre für trägerfrequente und niederfrequente Abtastung. Fernseh Hausmitt". 2 (1942), S. 143—150.

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