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Eine Heft-Seite aus dem Jahrbuch 1935 der "Berliner Illu."

Dies ist ein Einblick in die längst vergessenen 99 Heft-Seiten einer heroisch martialisch überzogenen Verdummungs- und Beschwichtigungs- Propaganda- Zeitschrift der NS Zeit 1935/1936 aus der Reichshauptstadt Berlin. Das AEG Magnetbandgerät "Magnetophon" und das Fernsehen waren bereits erfunden, und die 36. Olympiade warf ihre Schatten voraus. Die Arisierung und die Jundenverfolgung waren in vollem Gange sowie auch die heimliche Aufrüstung von Heer, Marine und Luftwaffe. (Alles gescannt und überarbeitet im Jan. 2016 von Gert Redlich)

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Heftseiten 81/83 - Ein verklärter Blick auf das Japan von 1935
"Japans Gesicht - Nippons Gesicht"

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  • Anmerkung : Es war in Deutschland eigentlich Niemandem entgangen, daß Japan in China eingefallen bzw. einmarschiert war und ab November 1931 die Mandschurei besetzt hielt. Zu jener Zeit waren sowohl China wie auch Russland militärisch so schwach, daß sie dem japanischen Expansionsdrang nichts entgegensetzen konnten. Japan war existenziell auf die Rohstoffe der besetzten Mandschurei angewiesen. Daß das aber ab 1933 bei uns im 3. Reich ganz anders dargestellt wurde, mag eine vorgezogene propagandistische Rethorik oder bereits eine Vorahnung auf die frühen Kriegs- oder Okupations- Planungen des "Führers" gewesen sein.

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In dem Artikel auf der 1. Seite heißt es:

Man hatte sich in der Welt die etwas bequeme Formel vom ,,doppelten Gesicht Japans"" zurechtgelegt, um den Fragen und Überraschungen zu begegnen, mit denen Japan alle Augenblicke aufwartete; heute sieht man jedoch schon klarer und erkennt in all den bunten und oft scheinbar sich widersprechenden Ereignissen die große Linie: Daß das japanische Volk keineswegs im Begriff ist, sich völlig zu verwestlichen, daß es vielmehr lediglich die Mittel westlicher Politik und Technik anwendet, um eine neue Nation aufzubauen, die stärker sein wird als die alte, weil sie umfassender ist und auch die Errungenschaften des Westens umfaßt. Japans Gesicht, jahrzehntelang von Überlagerungen und fremden Schichten verzerrt und unklar gemacht, tritt immer stärker, immer klarer mit eigenem Charakter hervor.

Bild rechts : Das Kaisertreffen im fernen Osten. Am 6. April stattete der Vertreter des- jüngsten Kaiserreichis, Kaiser Kangte von Mandschukuo (im Wagen rechts-), Kaiser Hirohito von Japan, dem Haupt des ältesten Herrschergeschlechtsder Welt (links), seinen ersten Besuch ab. Eine Aufnahme während der Fahrt zum kaiserlichen Palast in Tokio.



Gesandter und Oberkommandierender in einer Person: General Jiro Minami, der Träger der japanischen Macht in Mandschukuo, das in den letzten beiden Jahren der japanischen Einflußsphäre "erschlossen" wurde.

  • Anmerkung : Solch ein verlogener Unsinn - die Japaner sind dort auf dem chinesischen Festland einmarschiert und haben das Land besetzt, so wie es Hitler später mit vielen Staaten gemacht hatte.

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Eine symbolische Geste nach dem Verkauf der Ostchinesischen Bahn an Mandschukuo, dem wirtschaftspolitisch bedeutendsten Ereignis des Jahres im Fernen Osten. Verkäufer war Sowjet- rußland, Vertreten durch den Botschafter Yurenew (links), Käufer der mandschurische Staat, vertreten durch General Ting Shihyuan (rechts). Japans Außenminister Koki Hirota (Mitte) beglaubigt lächelnd dieses Abkommen.

  • Anmerkung : Auch das ist wieder gelogen. Japan war die mächtige Besatzungsmacht und der mandschurische Staat eine Marionette, - wie später die französische Vichi Regierung und Rußland mußte unter Zwang verkaufen und brauchte das Geld.

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Und ab hier die heile japanische Welt :



Japans Shakespeare-Übersetzer Professor Shoyo Tsubouchi, der sich als Lebensaufgabe die Übersetzung der Werke Shakespeares wählte, rezitiert vor dem Mikrophon eines Rundfunksenders Szenen aus dem ,,Kaufmann von Venedig".
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Ein Wolkenkratzer aus Glas. Dieses Bauwerk ist das Verwaltungsgebäude einer großen japanischen Zeitung im Herzen der Provinzstadt Kyoto. Seine Wände sind völlig aus Glas hergestellt. Die Flächen tragen in bunten Farben kühne Malereien zeitgenössischer Künstler.

Der Herr der Kalorien.

Professor Saiki richtete eine Schule für Standardernährung ein. Zwei Jahre lang müssen die Schüler und Schülerinnen sich mit dem Problem einer neuen Mahlzeit auseinandersetzen, die nahrhaft, gutschmeckend und billig sein soll.

  • Anmerkung : Japan konnte die Expansion im Westen, also den Einmarsch auf das chinesische Festland und die Besetzung nur noch mühsam schultern. Darum mussten neue Ernährungsmethoden her. In Deutschland hieß das dann später ab 1938 Margarine und Horst Wessel Butter und natürlich Muckefuck, der Kaffee-Ersatz.

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Protestzug der Geishas von Yoshiwara.

Im Januar 1935 erwog die Regierung die Schließung der Freudenviertel, die es seit Jahrhunderten in den größeren Städten gibt und in denen Tausende von Mädchen leben. Umzüge, Pressefeldzüge, Großveranstaltungen spalteten die Nation in "für und wider des Yoshiwara". Eine Abstimmung im Unterhaus ergab am 23. März 1935 das überraschende Ergebnis von 270 Stimmen gegen die Aufhebung bei nur 2 Stimmen dafür.

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  • Anmerkung : In Japan gab es damals nicht nur "ein paar" Bordelle oder Puffs, es gab ganze Stadtviertel. Trotz der jahrtausende alten japanischen Kultur des "niemals das Gesicht Verlierens" gab es auch in Japan verlogene Ecken des menschlichen Seins und der (männlichen) Bedürfnisse.

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Kampf gegen die Tücken des vulkanischen Bodents. Am 21. April forderte ein Erdbeben auf Formosa 3.000 Tote und 11.000 Verletzte. 15.000 Häuser wurden völlig zerstört. Krankenschwestern, die mit dem Flugzeug ins Unglücksgebiet befördert werden, beim Zurechtmachen ihrer Sanitätskoffer.
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Die Nation muß gerüstet sein.


Die Bestrebungen des Luftschutzes finden in Japan eine große Förderung. Auch die Frauen arbeiten mit. Ein Appell von Geishas, die bei den großen Übungen als Sanitätspersonal mitwirken sollen.

Und nochmal : Die Nation muß gerüstet sein . . .

Soldaten der 1. Division, von ihren Angehörigen begeistert gefeiert, verlassen den Bahnhof Shinagawa, um sich an ihren Standort in Nordchina zu begeben.
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  • Anmerkung : Das war das Lachen der Besatzer. Bislang waren die Japaner in den besetzten Gebieten Chinas die Starken und sie konnten dort machen, was sie wollten - und war es auch noch so grausam. Darum lachten sie "noch", genauso wie die deutschen Freiwilligen, die 1914 "für ein paar Wochen" gegen Frankreich gezogen waren. Im Dezember 1945 war ihnen das Lachen dann gründlich vergangen, wie den Deutschen - aber bereits im April 1945. Auffällig ist auch hier, wie die Menschen den rechten Arm zum ...-Gruß hoch reißen. Auch in diesem Bild steckt eine suggestive "Nachricht".

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Nachsatz (zu dieser Seite)

Nach verschiedenen Zeitzeugenberichten damaliger ausländischer Diplomaten sind die japanischen Soldaten wirklich lachend in den "risikolosen" Krieg auf das chinesische Festland gezogen. Denn bislang waren sie (seit 1931) die unumstrittenen Sieger. Über die in diesem Besatzungskrieg gefallenen japanischen Soldaten wurde Stillschweigen gewahrt.

Nach authentischen Zeitzeugenberichten aus Deutschland von 1939 ist hier bei uns niemand von "unseren" Soldaten lachend gegen Polen gezogen, auchnicht nach Jugoslavien oder den tieferen Balkan - und später nach Russland bzw. Stalingrad sowieso nicht.

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