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Eine Heft-Seite aus dem Jahrbuch 1935 der "Berliner Illu."

Dies ist ein Einblick in die längst vergessenen 99 Heft-Seiten einer heroisch martialisch überzogenen Verdummungs- und Beschwichtigungs- Propaganda- Zeitschrift der NS Zeit 1935/1936 aus der Reichshauptstadt Berlin. Das AEG Magnetbandgerät "Magnetophon" und das Fernsehen waren bereits erfunden, und die 36. Olympiade warf ihre Schatten voraus. Die Arisierung und die Jundenverfolgung waren in vollem Gange sowie auch die heimliche Aufrüstung von Heer, Marine und Luftwaffe. (Alles gescannt und überarbeitet im Jan. 2016 von Gert Redlich)

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Heftseiten 92/93 - Die verschleierte Wahrheit in der Überschrift:
"MÄNNER die uns der Tod entriß"

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  • Anmerkung : Bis etwa 1937 kam es öfter vor, daß mißliebige - aber bei den Volks- genossen beliebte - Parteigenossen irgendwie auf halbwegs legalem und vermittelbarem Wege aus den Ämtern gedrängt oder entfernt wurden. Ab etwa 1937 änderten sich die NS-Gepflogenheiten radikal. Ab dann hatten auf einmal solche auf der "Abschuss-Liste" stehenden und dennoch reichlich verdienten Parteigenossen ganz merkwürdige Unfälle und sogar richtige Flugzeugabstürze, die nie aufgeklärt wurden bzw. auch nicht weiter verfolgt wurden. Jedenfalls gab es immer besonders populistisch heroische Beerdigugen mit allem Pomp und NS-Trara.
  • Das beste Beispiel war der in den letzten Kriegsmonaten in den Selbstmord getriebene - aber zuvor hochgepuschte beliebte Feldmarschall Rommel, der ein monumentales Staats-Begräbnis erhielt. So gut wie alle Führungskader der NS-Regierung, der NSDAP und auch die Famile wußten, daß dem überhaupt nicht so war. In den deutschen Zeitungen dieser Zeit gab es unisono solche verlogenen Texte wie auf dieser Seite. In den folgenden Texten dieser Seite ist mit Sicherheit so einiges versteckt, das dem normalen Leser damals überhaupt nicht sonderbar erschien.

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Die Portrait-Bilder der Personen sind etwas wirr und in verschiedenen Größen auf den beiden DIN A3 Seiten verteilt. Die Überschrift ist schon extrem groß.

Bild 1
Bild 2

Bild 1 - Gauleiter und Reichsstatthalter Wilhelm Loeper, einer der ältesten Mitkämpfer des Führers, starb nach längerer Krankheit am 23. Oktober 1935. Schon 1931 eroberte er das Land Anhalt dem Nationalsozialismus. Dort bot er dem Reichs-Arbeitsdienst die erste Arbeitsmöglichkeit. Seit 1924 warer Gauleiter von Anhalt.

Bild 2 - Der Präsident der Reichstheaterkammer, Ministerialrat Otto Laubinger, verstarb am 27. Oktober 1935 nach schwerem Leiden. Er hat in den ersten Monaten und Jahren des Neuaufbaus Außerordentliches bei der Arbeit für ein neues deutsches Theater geleistet.

Bild 3
Bild 4

Bild 3 - Axel Holst stürzte auf dem großen Reit- und Fahrturnier in Berlin am 26. Januar 1935 mitten im Reiterkampf tödlich. Er war einer der erfolgreichsten Turnierreiter, die je in Deutschland im Sattel saßen.

Bild 4 - Der Zeppelinführer Hans- Kurt Flemming erlag am 15. Februar 1935 den Folgen einer Operation. Er war neben Eckener, Lehmann und v. Schiller Deutschlands erfolgreichster Zeppelinkapitän. Ursprünglich Seeoffizier, war er Mitkämpfer der Schlacht am Skagerrak.

Drei Meister der technischen Wissenschaften schieden aus dem Leben.

Bild 5 - 6 und 7

Bild 5 - Einer der ersten Chemiker Deutschlands, Geheimrat Dr. Earl Duizberg, der Vorsitzende des Aufsichtsrats des von ihm geschaffenen gewaltigen Industrieunternehmens I. G. Farben, starb am 19. März 1935 im 74. Lebensjahr.

  • Anmerkung : Da die I.G. Farben bei der Entwicklung des Magnetbandes eine recht große Rolle gespielt hatten, ist dort mehr aus der Historie überliefert. Die I.G. Farben wurde per NS-Regierungsbeschluß aus den verschiedenen deutschen Chemiunternehmen "zusammengeführt". Es war mit Sicherheit nicht freiwillig und der genannte Geheimrat hatte nur diesen "Befehl" aus Berlin auszuführen.


Bild 6 - Professor Hugo Junkers, einer der Pioniere der deutschen Luftfahrt, ein vielseitiger Wissenschaftler, Erfinder und Schöpfer der Junkerzwerke in Dessau,
starb an seinem 76. Geburtstag, dem 3. Februar 1935.

Bild 7 - Der Erfinder der Kunze-Knorr-Bremse, Geheimrat Bruno Kunze, starb 80jährig am 12. März 1935. Seinem großen Können verdanken wir die Vervollkommnung und Einführung der Luftdruckbremse bei der Eisenbahn.

Bild 8 und 9

Bild 8 - Dr. Nikolaus Bares, starb am 1. März 1935 im Alter von 64 Jahren. Er war der Nachfolger von Bischof Schreiber, dem ersten Bischof von Berlin. Erst am 2. Februar 1934 hatte er sein Amt angetreten.

Bild 9 - Generaloberst Alexander von Linsingen, einer der ruhmreichsten deutschen Heerführer im Weltkriege, starb am 5. Juni 1935, nachdem er noch im Februar die Glückwünsche des Führers zu seinem 85. Geburtstag entgegennehmen konnte.

Bild 10

Gauleiter Hanz Schemin stürzte am 5. März 1935 mit einem Sportflugzeug tödlich ab. Hans Schemin war bayrischer Kultusminister und Leiter des NS-Lehrerbundes.
Er nahm an der Befreiung Münchens beim Freikorps Epp teil und gründete 1925 den Gau Oberfranken der NSDAP.
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  • Anmerkung :
    Warum diese Person so extrem groß - also ganz deutlich größer als die anderen Portraits auf dieser Seite - dargestellt wurde, ist nicht ersichtlich.

    Das ist einer der ungeklärten Fälle, bei dem man nicht sicher sein konnte, stimmt es oder ist er "abgestürzt worden". In der kurz nach dem 2. Weltkrieg erschienenen Literatur sind einige dieser dubiosen Abstürze ehemals linientreuer NSDAP Mitglieder in ranghohen Positionen - teilweise sogar in einer JU52 mit der gesamten Mannschaft und den Piloten - aufgeführt.

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Tote des Auslands

Bild 11 und folgende

Die junge Königin der Belgier Astrid verunglückte bei einer Autofahrt in der Schweiz in der Nähe von Küßnacht am Vierwaldstätter See am 29. August 1935.

Marschall Lyautey, der für Frankreich Marokko eroberte, verstarb 80jährig am 27. Juli 1935. Er wurde in Marokko zur letzten Ruhe bestattet.

Arthur Henderson, der Präsident der Abrüstungskonferenz, starb am 20. Oktober 1935. Bis zuletzt verheimlichte man ihm den Ausbruch des ostafrikanischen Krieges.

Arz v. Straußenburg, der letzte Generalstabschef der österreich- ungarischen Armee im Weltkrieg, starb in Budapest am 1. Juli 1935.
Er stammte aus siebenbürgischem Geschlecht.

Luigi Razza,  der italienische Minister für öffentliche Arbeiten, stürzte am 7. August 1935 auf einem Dienstflug nach Ostafrika in Aegypten tödlich ab.

Wiley Post, der einäugige amerikanische Rekordflieger, fand am .15. August 1935 in Alaska bei einem Weltfernflug über die Arktis nach Rußland
den Fliegertod.
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  • Anmerkung : Warum diese 6 unbedeutenden und auch in Deutschland ziemlich unbekannten Namen hier aufgeführt wurden, dürfte den Grund haben, eine gewisse Weltoffenheit und Internationalität vorzugaukeln.

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Heftseite 94 . Ein Schwenk zu lächelnden Gesichtern :
"Sportmeister feiern Hochzeit"

Gemeinschaftstrauung in einer Familie.
Die drei bekannten Berliner Ringer Willi, Erich und Karl Bauer traten am gleichen Tage in den Stand der Ehe.

Deutsch-norwegische Trauung in Berlin.
Der hervorragende norwegische Skimeister und deutsche Meister in der Abfahrt und Slalom, Sörensen, heiratete die schwäbische Skiläuferin Martl Schweitzer.

Tennismeister und Filmstar.
Der Welt besten Tennitsspieler, Fred Perry, ging während einer Wettkampfreise durch USA die Ehe mit der amerikanischen Filmschauspielerin Helen Vinson ein.

Meisterhochzeit in Wien. Sepp Staudinger und Mädy Epply wurden im Juni getraut. Beide hatten 1931 die Titel "Europameister im Turmspringen" erobert.

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Und wieder geht es weiter mit "Krieg" - diesmal in Abessinien ...

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