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Hier stehen die Messe- bzw. Veranstalter "Informationen".

Im Unterschied zu unseren überwiegend selbst formulierten Artikeln und Kommentaren sind das die vorauseilenden Lobeshymnen der Redakteure und Pressemenschen sowie der Messe-Ausrichter, der Messegesellschaften und der Veranstalter. Allermeist basieren die auf den vorab verteilten Presse- Informationen der Hersteller oder der Vertriebsfirmen. Nur die wenigsten dieser Lobeshymnen waren "wahr" bzw. hatten sich wirklich erfüllt.
Die Fachblätter und Magazine waren meist (finanziell) darauf angewiesen, solche Artikel unkommentiert zu veröffentlichen, weil da allermeist auch sogenannte "flankierende Anzeigen" (hinzu) geschaltet wurden. Über diese selbstverständlich erfundenen nebulösen ("das gabs doch gar nicht") Zusammenhänge gibt es ausführliche Seiten im Hifi-Museum, weil es dort ganz besonders offensichtlich wurde, wie "das Spiel" funktioniert.

Und: wir sollten unterscheiden zwischen "Zeilen" und "Linien"

Es fällt immer wieder auf, daß selbst gestandene Fach-Redakteure und Fach-Autoren diese beiden Begriffe allzuoft verwechseln, vertauschen oder ungeschickt benutzen. Viele PAL- Kameras konnten trotz nomineller 625 Zeilen nur echte 450 Linien aufnehmen und auch darstellen. Gleiches gilt für Videorecorder, Monitoren und Fernseher aller Hersteller. In den gesamten englisch sprachigen Publikationen sind es die verwechselbaren "lines" (und ab und zu die TV-lines) und man muß Nachsicht walten lassen. "Sie" unterscheiden das ganz selten.

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Das 8. Fernsehsymposium Montreux 18. bis 24, Mai 1973

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Einleitung zu den Vorträgen

Vom 18. bis 24, Mai 1973 fand in Montreux das 8. Internationale Fernsehsymposiuni statt, zu dem sich diesmal mehr als 2000 Teilnehmer angemeldet hatten, Es wurden über 100 Vorträge im Pavillon und zeitweise parallel dazu im Vortragssaal des Montreux-Palastes gehalten. Die mit dem Symposium verbundene Fernsehtechnische Ausstellung fand im nahegelegenen neuen Kongreßgebäude statt.
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Vormittag

Die Veranstaltung begann am Vormittag des 18. Mai mit einer Begrüßungsansprache des Präsidenten des Patronatskomitees und Generaldirektors der schweizerisehen PTT, Fritz Locher, in der er einen Überblick über die Entwicklung des Symposiums seit seiner Einführung im Jahre 1961 gab.

Dann eröffnete der Bundespräsident der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Bundesrat Roger Bonvin, das Symposium und die Ausstellung. Anschließend begrüßte Walter Gerber die Teilnehmer der Veranstaltung.

Mit dem Fernseh-Großbild Projektor „Gretag 5070 Eidophor" wurde dann die BBC-Ballettproduktion „The Relay" und die Aufzeichnung vom Einmarsch der Sportler anläßlich der Eröffnung der Olympischen Spiele in München 1972 vorgeführt.

Nachmittag

Die Nachmittagsveranstaltung wurde vom Chairman Mohamed Mili, Genf, eröffnet. Mit den ersten Vorträgen präsentierten sich traditionsgemäß die Nationen und Organisationen.

„Television in the CCIR"

Jack W. Herbstreit, Genf, sprach in seinem Vortrag „Television in the CCIR" über die Arbeit der Studiengruppe 11. In dem französischen Beitrag „Television en France" gab Eugene Aisberg, Paris, einen historischen Überblick über die Entwicklung des Fernsehens in Frankreich.

das Fernsehen in Japan

Anschließend hielt Iwao Itoh. Tokio. einen gutbebilderten und mit viel Statistik angereicherten Vortrag über das Fernsehen in Japan. Er gab einen Überblick über ausgeführte und in der Planung befindliche Bauvorhaben der japanischen Fernsehgesellschaften und sprach über die Fernsehgewohnheiten seiner Landsleute, die mit durchschnittlich 3 Stunden und 11 Minuten von allen Erdbewohnern am längsten vor dem Bildschirm sitzen.

„Television in the United Kingdom"

Den Vortrag „Television in the United Kingdom" hielt Charles Marshall, London. Er berichtete, daß 95% der Bevölkerung das 1. Fernsehprogramm der BBC, 92% zusätzlich das Programm BBC 2 und 90% darüber hinaus auch das Programm der ITV empfangen können. Etwa 97 bis 98% aller Fernsehteilnehmer haben jetzt Empfänger für die 625-Zeilen-Norm. Der Aufbau einer Senderkette für ein viertes Fernsehprogramm wird in England diskutiert.

„Television in the USA"

„Television in the USA" lautete der Vortrag von Frank Davidoff, New York Er berichtete, daß in den Vereinigten Staaten seit etwa zwei Jahren die Beiträge für das Fernsehen ausschließlich in Farbe produziert werden.

Die Fernsehteilnehmer stellen sich entsprechend auch mehr auf Farbsendungen ein. Im vorigen Jahr gab es in den Haushalten schon genausoviele Farb- wie Schwarz-Weiß-Empfänger. In diesem Jahr ist der Anteil der Farbempfänger sogar auf 60% gestiegen. Das weitere Vordringen der magnetischen Fernsehsignalaufzeichnung in den USA wurde mit einigen Zahlenangaben belegt.

So ist zur Zeit das Verhältnis Live zu Film zu Videoband auf der Produktionsseile 13:35:52% und auf der Sendeseite sogar 13:17:70 Prozent.

„Television in the Federal Republic of Germany"

Den deutschen Vortrag „Television in the Federal Republic of Germany" hielt Erich Böhnke, Technischer Direktor des Sender Freies Berlin. Er sprach über die Weiterentwicklung des Fernsehens in Deutschland und belegte an Hand einiger Zahlen, daß die Farbe beim Fernsehen ihren Siegeszug fortsetzt.

Die Gesamtsendezeit im Jahre 1972 wurde in allen drei Programmen zu mehr als 80% mit Farbbeiträgen ausgefüllt. Zur Zeit besitzen schon mehr als 20% der Teilnehmer Farbfernsehempfänger, und in diesem Jahr erwartet man erstmals, daß genausoviel Farbfernsehgeräte wie Schwarz-Weiß-Empfänger verkauft werden.

Für die Herstellung der Programme sind bei den "Anstalten" in der Bundesrepublik und West-Berlin 24 aktuelle Studios, 21 Produktionsstudios, letztere mit einer Gesamtfläche von 12790 m2, und 21 Fernseh-Ü-Wagen in Betrieb. Insgesamt sind 183 Farbkameras, 108 Filmabtaster und 115 MAZ-Anlagen installiert.

Der Vortragende berichtete dann über die Arbeiten des Instituts für Rundfunktechnik, die rechnergesteuerte Sendekontrolle des SFB und die Aufgaben der Ausbildungsstätte für ausländische Fernseh-Fachkrätte in Berlin. Er sprach außerdem über die Olympischen Spiele in München, für die von den Rundfunk- und Fernsehanstalten das Deutsche Olympische Zentrum, kurz DOZ genannt, gegründet wurde und bei denen mehr als 2.000 Ingenieure und Techniker von fast allen Europäischen Organisationen vorbildlich zusammengearbeitet haben,
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Joe Roizen und „Television at Olympic Games"

Einen ausführlichen und reichbebilderten Vortrag „Television at Olympic Games" hielt Joe Roizen aus Palo Alto in Kalifornien. Er zeigte an den Olympischen Spielen von 1936 bis 1972 insgesamt 36 Jahre Fernsehgeschichte und begann mit Walter Bruch bei den 11. Olympischen Spielen 1936 als erstem Kameramann an einer elektronischen Ikonoskopkamera im Berliner Olympia-Stadion.

Anmerkung : Auchghier wird die (Telefunken-) Legende von Walter Bruch weiter verbreitet.

Er zeigte außerdem einen Übertragungswagen der Fernseh AG, der nach dem Zwischenfilmverfahren arbeitete, und eine der Fernseh Stuben, in die die Bilder damals übertragen wurden. Die Spiele 1948 in London, 1952 in Helsinki und 1956 in Melbourne wurden noch mit geringem fernsehtechnischen Aufwand übertragen.

Erst die Olympischen Spiele in Rom 1960 wurden weltweit gesehen. Die Sportereignisse, durch 40 Schwarz-Weiß-Kameras, 11 Übertragungswagen und 11 MAZ-Anlagen aufgenommen, wurden im Eurovisionsnetz übertragen, an den Flughäfen Ciampino und Fumicino in die 525-Zeilen-Norm umgesetzt und auf Videoband aufgezeichnet.

Die Bänder wurden dann anschließend mit Düsenflugzeugen nach Japan und in die Vereinigten Staaten geflogen und dort in die Netzwerke eingespielt.

In Tokio fand 1964 die erste „Farbfernseh-Olympiade" statt. Es waren bereits 120 Farbkameras und 28 MAZ-Anlagen im Einsatz, und die Bilder von den Ereignissen wurden über die Satelliten Relay I, Telstar und Syncom III in alle Welt übertragen.

Zum ersten Male wurden Fernsehsignale in Zeitlupe wiedergegeben. Die Olympischen Spiele in Mexiko wurden dank der inzwischen betriebsbereiten Synchronsatelliten bereits von 800 Millionen Fernsehzuschauern gesehen.

München 1972 mit 150 Farbkameras, 85 MAZ-Anlagen und 11 farbtüchtigen Zeitlupenmaschinen war ausgesprochener Olympischer Rekord im Fernsehen.

Der 19. Mai Vormittag

Der 19. Mai war dem Thema „Cable Television" gewidmet. Am Vormittag wurden unter Chairman George Hansen, Direktor der Technischen Zentrale der UER in Brüssel, acht Vorträge gehalten, die spezielle Probleme der kabelgebundenen Verteilung von Fernsehprogrammen behandelten.

„Pegelregelung in Kabelanlagen"

Als erster Vortragender sprach G. Thöner (Siemens, München) über „Pegelregelung in Kabelanlagen". Er begründete die Notwendigkeit der Pegelkontrolle und Pegelregelung in breitbandigen Kabelanlagen und erörterte die Pegeländerung infolge Temperaturschwankungen, Alterung der Kabel, Verstärker und sonstiger Anlagenelemente ebenso wie fehlerhafte Veränderungen der Anlage. Zur Pegelkontrolle wird eine selektive Pilotfrequenz an geeigneter Stelle im Clbertragungsbereich der Anlage eingeschleift, in besonderen Pegelverstärkern mit. einem Soll-Wert verglichen und die Abweichung vom Soll-Wert als Stellgröße für die Regelung der Verstärker der Kabelanlage benutzt. Beachtlich scheint die Selbstkritik des Vortragenden: Zwar so viel Kontrolle wie notwendig, aber so wenig wie möglich.

„Zweiwege-Verstärker mit absoluter Sicherheit"

Der folgende Vortrag von S. Lenefsky {Coral, Hoboken) hatte „Zweiwege-Verstärker mit absoluter Sicherheit" als Thema. Zunächst wurden die erforderlichen Filteranordnungen für den Vor-wärtsverstärker im Bereich 50...300 MHz sowie auch für den Rückwärtsverstärker im Bereich S...25 MHz angegeben, danach die notwendigen Dämpfungswiderstände für den Rückwärtsweg, die sowohl die geringere Streckendämpfung bei den niedrigen Frequenzen ausgleichen als auch die Echodämpfung erhöhen sollen. Eine Durchrechnung des Rauschabstands sowie der in den Verstärkern erzeugten Verzerrungen folgte. Schließlich wurde durch Anwendung einer passiven Verstärker- und Stromversorgungsreserve einschließlich Fehlermeldung ein sehr hoher Sicherheitsgrad erreicht.

„Zweiseitige Daten-Systeme als zusätzliche Dienste in Kabel-Systemen"

„Zweiseitige Daten-Systeme als zusätzliche Dienste in Kabel-Systemen" behandelte der nachfolgende Vortrag, von C. M. Wine von den RCA-Laboratorien in Princeton. Obwohl Unterhaltung die Hauptaufgabe von Kabelverteilantagen sei, wird die Zweiwege-Datenübermittlung in Code-Form zunehmen. Mittels einfacher Techniken lassen sich viele Dienste realisieren, beispielsweise Alarmanlage, Einzelbildübertragung, Femeinkauf, Meinungsumfragen. Fernstudium und weiteres mehr.

Dank der Codierung können in einem 2 MHz breiten Kanal zum Beispiel bei 10.000 Teilnehmern je Sekunde die Alarmanlagen abgefragt werden. Ein Dialog über einen Fernschreiber kostet mehr Zeit: Etwa 900 Teilnehmer können gleichzeitig fernschreiben, wobei ein elektronischer Rechner nebst Speicher die üblichen Pausen im Fernschreibdialog für weitere Fernschreibkanäle ausnutzen könnte. Dieses System, im Labor erprobt, arbeitet zur Zeit in einem VHF-Kabelsystem
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Selektivitätsbedingungen

Auf die Möglichkeiten, mehr Fernsehkanäle im Kabelnetz zu verteilen, wies der Vortrag von H. G. Schwarz, ebenfalls von den RCA-Laboratorien in Princeton. hin. Sein Thema war „Selektivitätsbedingungen, um Nachbarkanal Störungen in einem dicht belegten Kabelnetz zu vermeiden". Die Untersuchungen gelten nur für Kabelnetze mit gleichen Pegeln in allen benutzten Kanälen.

Subjektive Beurteilungen der Erkennbarkeit von Interferenzen aus den Nachbarkanälen bei ungünstigsten Bildvorlagen — Frequenzraster bei Nutz- und Störsender für den Luminanzkanal, Farbbalken lür den Chrominanzkanal — sollten die Maximalbedingungen für interferenzfreien Nachbarkanalbetrieb festlegen. Die für den unteren Nachbarkanal typischen Störungen und die durch den oberen Kanal verursachten Störungen wurden diskutiert, ebenso die erwünschte Filterkurve für das Restseitenbandfiller für Frequenzum Setzer in Kabelanlagen.

Die üblichen Bildvorlagen sind nicht so empfindlich gegen Interferenzmuster wie die Frequenzrasterbilder. Daher wurden Störungen auch bei Bildvorlagen mit wenig Details und geringem Kontrast sowie bei Bildern mit vielen Details und größerem Kontrast beurteilt. Beim ersten Bild lag für 50% der Beobachter die Wahrnehmbarkeitsgrenze der Nachbarkanalstörung um 5 dB über dem üblichen Nachbarkanalpegel, bei dem zweiten Bild sogar um 15 dB Ähnliche Werte ergeben sich, wenn je nach Interesse des Zuschauers sein Blick auf einen Teil des Bildes gelenkt wird, wo die Interferenz Störung gut sichtbar ist, oder bei einer anderen Bildvorlage aut einen Teil, wo die Störung schwer erkennbar ist.
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Planung und Betrieb von Empfangsantagen

Danach sprach R. Scohy (ACEC, Charleroi) über „Probleme bei Planung und Betrieb von Empfangsantagen (Koptstationen) für Kabelanlagen". Will man eine hochwertige Übertragung gewährleisten, muß man die Signale einwandfrei empfangen und für die Weilerleitung geeignet formen. Dabei helfen aufwendige Antennen bei schwachen Signalen und ebenso bei Mehrwegeempfang und Gleichkanalstörungen Speziell zur Reduzierung von Gleichkanalstörungen dient das folgende Verfahren: Einem separaten Videoverstärker werden etwa 1 kHz breite Frequenzbänder im Bareich der hauptsächlichen Gleichkanalstörungen bei 10 .... 20 kHz entnommen und in Gegenphase in richtiger Amplitude dem normalen Videoverstärker zugeführt, um damit dort die Gleichkanalstörungen zu kompensieren. Man benutzt spezielle Empfänger mit rauscharmen Vorverstärkern und befriedigender Nachbarkanalselektion Kanalumsetzungen werden in der ZF-Ebene vorgenommen.

Festlegung technischer Normen für Kabelanlagen

In dem folgenden Vortrag von D. Tartary (CCETT, Rennes) über das „Problem der Festlegung technischer Normen für Kabelanlagen" wurden Überlegungen vorgetragen, die von dem gemeinsamen Institut der ORTF und der französischen PTT angestellt worden sind, um einheitliche Richtlinien für die Übertragungsgüte der Verteilernetze, die Anzahl der zu verteilenden Programme, die Planung des Kabelnetzes, die geeignete Verlegung der Kabel und der Verstärker, die zweckmäßige Belegung der Kanäle und das zweckmäßigste technische Material zu erhalten. Abschließend wurden noch die geeigneten technischen Mittel für die Verteilung der vier nachstehenden Programmarten im Kabelnetz erwähnt: 1. die nationalen, drahtlos zu empfangenden Sendungen der ORTF, 2. die Programme mit lokalen Informationen, 3. eingesandte Beiträge und 4 Unterrichts- beziehungsweise Bildungsprogramme.
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„Koaxial-Kabel mit Schaumstoff-Isolation und Aluminium-Außenmantet"

Den siebenten Vortrag mit dem Titel „Koaxial-Kabel mit Schaumstoff-Isolation und Aluminium-Außenmantet" hielt P. Collet, (Seneffoise-Times, Seneffe). Er wies aut die Vorzüge der schaumstoffisolierten Kabel hin: Sie haben fast so kleine Dämpfungen wie Luftkabel, sind aber weniger durch eindringendes Wasser gefährdet.

Der Außenleiter besteht aus reinem, gezogenem Aluminium und ist nach Firmenangabe dadurch weitgehend gegen Korrosion geschützt. Es wurden amerikanische Benutzer dieser Kabel zitiert, bei denen Kabel bis jetzt 15 Jahre in moorigem Boden ohne mechanische oder elektrische Schaden in Betrieb sind. Der Innenleiter besteht meist aus Aluminium mit metallurgisch aufgebrachter Kupferummantelung.

„Periodische Unregelmäßigkeiten in Koaxialkabeln"

„Periodische Unregelmäßigkeiten in Koaxialkabeln" hieß der Beitrag von M. Jacot {Cäbles Cortaillod, Cortaillod). Periodische Kabelfehler verursachen Frequenzverzerrungen. die zu erheblichen Übertragungsstörungen führen können. Für die Untersuchung wurden besondere Kabel mit Kabelfehlern in regelmäßigen Abständen hergestellt und zusammengeschaltet. Die daran gemessenen Übertragungseigenschaften wurden mit theoretischen Werten eines gerechneten Modells verglichen. Auf Grund dieser Ergebnisse können die Hersteller in ihren Prospekten realistische Werte für Stehwellenverhältnisse und Gleichmäßigkeit des Dampfungsverlanfs angeben.
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Kabelgebundenes Fernsehen

Am Nachmittag des 19. Mai fand unter Vorsitz von George Hansen eine Konferenz über "Kabelgebundenes Fernsehen in den nächsteh zehn Jahren" statt. An diesem Gespräch nahmen folgende Herren teil: H. Brand, schweizerische PTT; W. I. Bresnau. National Cable Television Association und Toleprompter Corporation, New York: R. D. Cahoon, Canadian Broadcasting Corporation: R P. Gabriel, Reditfusion International, London: A. F. Reekie. UER-Zentrale; M. Remy, CCETT, Rennes: L Richard, Coditel-Elek-trobel, Brüssel; H. Rindfleisch, NDR. Hamburg; G. Straschnov, UER, Genf.
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Urheberrechtsprobleme in Kabelfernsehanlagen

Zunächst nannte G. Straschnov Urheberrechtsprobleme, die mit der Ausweitung der Kabelfernsehanlagen auftreten werden. Danach können herkömmliche Gemeinschafts-Antennenanlagen für die Verteilung von Bild und Ton das von den Rundfunkanstalten abgegoltene Urheberrecht auch auf ihren Bereich beziehen. Bei kabelgebundenen Netzen, die über Richtfunkstrecken oder Fernleitungen die Programme ausländischer Rundfunkanstalten ihren Teilnehmern zuführen, sei eine Abgeltung der Urheberrechte erforderlich. Unklarheit herrsche jedoch darüber, wie in den Fällen zu verfahren sei, wenn unter erheblichem technischem Aufwand (hohe Antennenmaste, parametrische Verstärker usw.} ausländische Programme empfangen und über Kabelfernsehanlagen verbreitet werden.

W. I. Bresnau

W. I. Bresnau ging zunächst auf das Programm seiner Firma, der Teleprompter Corporation, ein. Sie bietet ein reichhaltiges Sortiment von Kabelanlagen an. insbesondere für den Dialog mit dem einzelnen Teilnehmer. Im allgemeinen seien Kabelanlagen geeignet, mehr als 20 Fernsehkanäle zu übertragen. Außer den vielen Rundfunkprogrammen, die in den USA ausgestrahlt werden, produzieren beziehungsweise verbreiten diese Kabelnetze eigene Programme. Zusätzliche Programme erwartet man von den Satellitenstationen.

Dazu hat Teleprompter eine aus Segmenten bestehende 25-Fuß-Antenne (~ 7,5 m) mit Empfangsteil entwickelt. Dem „Pay-Television" räumte Bresnau eine gute Chance in Kabeifernsehnetzen ein.

Die kanadischen Kabelanlagen

Danach sprach R. Cahoon über die kanadischen Kabelanlagen, für deren Betrieb es eine eigene Gesellschaft gibt. Anfangs waren Kabelnetze nur in den Landesteilen nahe der USA-Grenze vorhanden, um die zahlreichen US-Programme drahtlos zu empfangen und über die Kabelnetze zu verteilen. Zur Zeit beginnt man damit, diese in den USA ausgestrahlten Programme an der Grenze in Kanada zu empfangen und über Richtfunkstrecken weit in das Landesinnere Kanadas zu übertragen.

Der schweizerische Stand der Kabelanlagen

Den schweizerischen Stand der Kabelanlagen erläuterte H. Brand. Danach ist der Hauptgrund für die Beliebtheit von Kabelfernsehanlagen in der Schweiz die hier gebotene Möglichkeit, eine Reihe ausländischer Sender ohne unzumutbaren eigenen Antennenaufwand über Kabel zu empfangen. Weil kein Punkt in seinem Land weiter als 70 km von der Grenze entfernt ist und sich auf den vielen Bergen genügend günstige Empfangsantennenstandpunkte finden lassen, ist überall der Empfang aus mindestens einem Nachbarstaat möglich.
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Die Bedeutung der Kabelfernsehanlagen für Deutschland

H. Rindfleisch schilderte die Bedeutung der Kabelfernsehanlagen für Deutschland. Hier ist der Hauptgrund für solche Anlagen die Abschattung durch Hochhäuser. Die Möglichkeiten der Einspeisung in Kabelfernsehanlagen über erdgebundene 12GHz-Sender werden in Berlin erprobt. Über die Zusammenschaltung vorhandener Kabelnetze zu Großnetzen ebenso wie über die systematische Unterteilung von Kabelanlagen in verschiedene Netzebenen gibt es zur Zeit noch keine genauen Vorstellungen.
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Kabelfernsehanlagen in Frankreich

Schließlich sprach M. Remy über die besondere Situation der Kabelfernsehanlagen in Frankreich. Hier dürfen im Augenblick nur die nationalen Programme der ORTF übertragen werden. Über die Möglichkeiten, weitere Programme zu produzieren oder zu verteilen, gibt es noch keine konkreter Vorstellungen. Eine Voraussage über die Entwicklung der Kabelanlagen in den nächsten zehn Jahren wagte keiner der Teilnehmer. Eine Diskussion der Konferenzteilnehmer untereinander oder mit den zahlreichen Zuschauern unterblieb leider.

21. Mai - Zehn Vorträge zum Thema „Kameras"

In der Vormittagssitzung am 21. Mai unter Chairman Richard T h e i I e . Direktor des Instituts für Rundfunktechnik in München, wurden zehn Vorträge zum Thema „Kameras" gehalten.
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Aspekte einer ökonomischen Farbfernsehkamera

Als erster berichtete J. Geensen (Philips, Eindhoven) über „Einige Aspekte einer ökonomischen Farbfernsehkamera". Es ist damit zu rechnen, daß sich die elektronische Fernsehproduktion ausweitet. Dabei wird es viele Produktionen geben, in denen zwar bestmögliche Farbbildqualität gefordert wird, in denen aber die Kameras nicht mit allen möglichen Finessen ausgerüstet sein müssen.

Wenn man dies akzeptiert, so kann man nach Meinung des Vortragenden den Kamerapreis bis auf etwa 40 ... 50 Prozent absenken. Die Farbfernsehkamera „LDH 20" wurde unter diesem Aspekt konzipiert. Zur Reduktion dos Preises hat man die allerneuesten elektronischen Bauelemente und Herstellungstechniken angewandt, beispielsweise eine neue Löttechnik. Um die Betriebskosten niedrig zu halten, wurden viele Funktionen zuverlässig automatisiert. Durch die Kompaktbauweise ist es gelungen, auf eine getrennte Kamera-Kontrolleinheit zu verzichten. Durch einfaches Auswechseln von Moduten kann die Kamera als PAL- oder NTSC-Signalquelle arbeiten. Sie ist auch für das Zusammenarbeiten mit einem Diaprojektor, einem 16mm-Filmprojektor und einem SB-Projektor vorgesehen.

Erfahrungen mit dem „LDK 5"-Kamerasystem

Als nächster berichtete M. Cosgrove (Pye TVT, Cambridge - Anmerkung : eine Tochterfirma der Philips) über Erfahrungen mit dem „LDK 5"-Kamerasystem.

Von dieser Kamera wurde zunächst eine Vorserie von 15 Stück gebaut, von denen einige zur Erprobung an Studios in der ganzen Welt gingen. Dabei stellte sich heraus, daß Farbschattierungen im optischen System auftreten können. Die durchgeführten Modifikationen bezogen sich hauptsächlich auf das Prisma. Es bestanden auch einige Probleme hinsichtlich der Anpassung der Kameras untereinander. Dieses Problem wurde weniger wichtig, seit das 25mm-Plumbikon mit erweiterter Rotempfindlichkeit zur Verfügung steht.

Die Erprobung der Kamera zeigte jedoch auch, daß die Anwender die Möglichkeiten der Kamera sehr schätzen. Sie ist in sich so robust, daß es möglich ist, innerhalb einer halben Stunde nach Ankunft Farbbilder mit Rundfunkqualität zu liefern.

Der Vortragende führte ein Videoband vor, das den Austausch von Teilen des optischen Systems zeigte. Während der Arbeit blieb die Kamera eingeschaltet, so daß die Bildqualital laufend beobachtet werden konnte. Sofort nach dem Austausch war die volle Bildqualität wieder vorhanden.

Da diese Kamera mit dem 25mm-Plumbikon bestückt ist, gibt es von der „LDK 5" auch die tragbare Version „LDK 15". Ferner hatte sich ergeben, daß das Plumbikon mit einem Lichtverstärker verbunden werden kann, wodurch man eine Erhöhung der Empfindlichkeit um 14dB erreicht.
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„Neuere Entwicklungen im Bereich der Kamera-Bildaufnahmeröhren"

Anschließend sprach W. E. Turk {English Electric Valve, Chelmsford) über „Neuere Entwicklungen im Bereich der Kamera-Bildaufnahmeröhren". Zunächst diskutierte er die neuen Typen des Leddicons, bei denen eine Verminderung des Nachziehens durch ein Vorlicht auf der lichtempfindlichen Schicht erreicht worden ist.

Die neuesten Entwicklungen des Isocons demonstrierte er mit eindrucksvollen Aufnahmen: Aus einem Flugzeug wurden aus etwa 1000m Höhe bei Mondlicht Aufnahmen gemacht, die die darunterliegende Landschaft klar erkennen ließen.

Das gleiche war auch der Fall bei Viertelmondlicbt und etwa 110 m Flughöhe. Besonders interessant war die Demonstration einer Pyroelectric Camera. Diese Kamera „sieht" in gleicher Weise bei Tag und bei Nacht, da sie ihre Fernsehbilder nur aus der Wärmestrahlung ableitet. So sieht man beispielsweise bei Nacht, ob in einem Auto ein Fenster offen ist. weil dort die Wärme austritt.

Aspekte der Rundfunk-Fernseh-Farbkameras

Im folgenden Vortrag befaßte sich H. D. Schneider (Robert Bosch Fernsehanlagen GmbH, Darmstadt) mit „den zukünftigen Aspekten der Rundfunk- Fernseh- Farbkameras". Die Aufgaben für die Programmproduktion im Fernsehen werden sich im Laufe der Zeit konlinuierlich ändern.

Aus diesem Grunde wird man an ein Kamerasystem in Zukunft immer neue Anforderungen stellen müssen. Kameras, die diesen neuen Forderungen werden folgen können, sind die „KCU 40" und die „KCR". Um das Kamerasystem wandelbar zu halten, hat man sie mit austauschbaren Modulen aufgebaut.

Die Grundausstattung wurde durch Module so erweitert, daß eine automatische Arbeitsweise möglich ist. Die elektronische Produktion hat gegenüber der Filmproduktion einige wesentliche Vorteile. Um sie auch bei aktuellen Berichten wahrnehmen zu können, hat die Firma die leichte und handliche Reportagekamera „KCR" entwickelt. Sie läßt sich genauso handhaben wie eine 16mm Filmkamera.

Für den „electronic journalism" wurde die „KCR" automatisiert. Wegen der kompakten Ausführung der Geräte läßt sich die „KCR" zusammen mit einem relativ kleinen Kraftfahrzeug verwenden. Die Kamerakontrolle kann sowohl mit Kabel als auch drahtlos durchgeführt werden.

„Silizium-Aufnahmeeinrichtung

Einen Einblick in eine sehr zukunftsgerichtete Forschung gaben R. Poirier (Thomson~CSF-LCR, Paris), J. L. Berger und D. Woehrn (Thomson-CSF-GTE, Paris) mit ihrem Vortrag über „Silizium-Aufnahmeeinrichtung mit Ladungstransport (Eimerkettenprinzip)".

Um von der Vakuumröhre als Aufnahmeröhre wegzukommen. untersucht man seit einigen Jahren Festkörper-Aufnahmeeinrichtungen, die in integrierter Technik hergestellt werden. Die Aufnahmefläche besteht hier aus einer Matrixanordnung von lichtempfindlichen Elementen, in denen sich durch Lichteinwirkung eine Ladung bildet. Die Ladung muß in freien Zeiten, beispielsweise in der Vertikalaustastzeit, ausgelesen werden, wobei die Ladungen nach dem Eimerkettenprinzip von Element zu Element weitergeschoben werden. Eine allgemeine Anwendung des Prinzips ist gegenwärtig noch nicht zu erwarten.
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Thomson Farbfernsehkamera TTV 1515

G. de France und J. M, Gaucheron (Thomson-CSF-DRT, Paris) beschrieben die „Farbfernsehkamera TTV 1515 in den Reportagewagen". Die Kamera „TTV 1515" wurde 1970 zum ersten Male vorgestellt und ist nun seit 1973 im professionellen Einsatz. Sie hat folgende verbesserte Eigenschaften: dünnes Kamerakabel mit bis zu 1.600 m Länge, kleineres Gewicht und reduzierte Größe der Kamera sowie der Zubehörteile, Auswechselbarkeit der Objektive, elektronischer Sucher einstellbar und abnehmbar, gute Widerstandsfähigkeit gegen Vibration und Stöße usw. Die Wirkungsweise der Kamera schließt die folgenden Eigenschaften mit ein: gesteigerte Empfindlichkeit, hohe Auflösung und schwaches Rauschen, automatische Kompensation der Länge des Kamerakabels, automatische Rasterdeckung und geringe Leistungsaufnahme.

Sammeln von aktuellen Ereignissen

R. D. Schneider (CBS, New York) sprach über „Erfahrungen der CBS mit dem elektronischen Sammeln von aktuellen Ereignissen". Aktuelle Ereignisse sind ein ganz wesentlicher Teil des Fernsehprogramms. Früher benutzte man zur Bildaufnahme vorzugsweise 16mm-Film. Die Entwicklung der Reportage-Farbfernsehkamera „Mini-Cam" hat zu einem handlichen Gerät geführt, das sich ebensoleicht handhaben läßt wie eine 16mm-Filmkamera. Die ganze Elektronik einschließlich eines Magnetaufzeichnungsgeräts läßt sich in einem Kraftfahrzeug unterbringen.

Die elektronische Bildaufnahme hat damit den wesentlichen Vorteil, daß die aktuelle Berichterstattung schneller erfolgen kann als mit Film, weil die Filmentwicklung entfällt. Die CBS ist außerdem der Auffassung, daß die aktuelle elektronische Berichterstattung bei Berücksichtigung aller Fakten billiger ist als die mit Film.

Der Vortragende führte einen sehr interessanten Film vor. Zu einem aktuellen Ereignis schickte man ein Team mit Filmkamera und ein Team mit „Mini-Cam". Startbedingungen und Aufnahmebedingungen waren für beide Teams gleich. Der Bericht des Teams mit den elektronischen Kameras war früher fertig als der des Filmteams. Die Resultate der beiden Teams wurden ebenfalls gezeigt, wobei das elektronische Resultat auf Film umgespielt worden war.

Trotzdem konnte man den Eindruck gewinnen, daß die Bildqualität des umgespielten elektronischen Resultats besser war als die der Filmaufnahme. Die Magnetaufzeichnung erfolgte mit einem IVC-Recorder mit digitaler Zeitkorrektur. Wegen des großen Anfalls an aktuellen Ereignissen mißt die CBS der elektronischen Aufnahme wesentliche Bedeutung bei.

Farbfernehen mit 24 gesättigten Farben

P. W. Zwart (MOS. Hilversum) sprach über systematische Farben für die Szenengestaltung und die Kamerajustage. Mit dem Start des Farbfernsehens zeigte es sich, daß die im Schwarz-Weiß-Fernsehen übliche Methode zur farblichen Gestaltung der Szene nicht mehr ausreichte, weil das Bild auf dem Farbfernsehschirm häufig nicht der Erwartung entsprach.

Für die Szenengestaltung wurde deshalb eine Reihe von Grundfarben ausgesucht, mit denen sich zahlreiche andere Farben in verschiedenen Grauabstufungen herstellen lassen. Auch achromatische Farben für die Kamerajustage wurden ausgesucht. Für die Farbzusammenstellung ging man von den Farben der elektronischen Farbbalken aus und vom Vektorskop. So erreichte man 24 gesättigte Farben, die mit einer gewissen Näherung auf dem Vektorskopschirm etwa um den gleichen Winkel auseinanderliegen Jede Grundfarbe läßt sich mit einer Anzahl von Schattierungen herstellen, so daß man eine Palette von 216 Farben ermischen kann.

Die 24 Grundfarben können auch entsättigt werden, wobei wieder jede schwachgesättigte Farbe in mehreren Schattierungen herstellbar ist, so daß sich weitere 156 Farben ergeben. Die Grundfarben zum Mischen sind „Decorol"-Farben der Farbenfabrik Nevelak W. V., Amsterdam.
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Neues Konstruktionsprinzip für Variobjektive

K. Macher (Schneider, Bad Kreuznach) stellte ein „Neues Konstruktionsprinzip für Variobjektive mit großem Brennweitenbereich" vor. Bei Kameraaufnahmen benutzt man heute überwiegend Objektive mit veränderbarer Brennweite. Dabei werden an diese Objektive Anforderungen gestellt, die sich teilweise widersprechen.

Aus diesen sich teilweise widersprechenden Wünschen führten Überlegungen zu einem neuen Konstruktionsprinzip für Objektive mit veränderbaren Brennweiten. Ein derartiges System besteht aus mindestens zwei Variatorteilen mit sieben optischen Wirkungsgruppen. Zwischen drei feststehenden positiven Gruppen bewegen sich zur Brennweitenänderung drei negative Wirkungsgruppen in Richtung der optischen Achse. Durch die Ausdehnung der Bewegungsvorgänge auf vier Schiebeglieder werden die Schiebewege gegenüber einem System mit nur zwei verschiebbaren Gruppen, wie sie bisher meist üblich waren, bei gleichem Brennweitenbereich erheblich verkürzt.
So ist es möglich, bei mechanisch gut beherrschbaren Schiebewegen einen extrem großen Brennweitenbereich mit ortsfester Bildlage stufenlos zu durchfahren. Die Brechkraftverteilung der einzelnen Wirkungsgruppen untereinander kann ohne übermäßige Anspannung erfolgen, was sich vorteilhaft auf die Bildfehlerkorrektion und auf die Empfindlichkeit der Steuerkurven auswirkt.

Für das Schneider-"TV-Variogon" werden folgende Daten angegeben: 2,1 ... 6.3/ 20 .... 600mm, Format 12,85mm x 17,12mm (1 1/4"-Bildröhre), Entfernungseinstellung Unendlich bis 0,85mm, Durchmesser L 130 mm, Scheitelhöhe E 403mm, Schnittweite in Luft 63,5mm, Glasweg aus BK7 67mm, Glasgewicht 3,6 kg.
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achmittagssitzung am 21. Mai

Die Nachmittagssitzung am 21. Mai unter der Oberschritt „Videorecording" wurde vom Chairman Joseph A. Flaherty (GBS, New Vork) eröffnet.

Entwicklung einer neuen Aufzeichnungsnorm

Der erste Vortrag, ein Gemeinschaftsbeitrag von M. Favreau [Thomson-CSF, Paris) und Joseph Roizen (IVC, Sunnyvale) behandelte ausführlich die Überlegungen und Gründe, die zur Entwicklung einer neuen Aufzeichnungsnorm führten.

Einmal sind es die mechanischen Gegebenheiten bei den Bandtransporten der bestehenden Quadruplex- und Helicalscan- Systeme, zum anderen die durch die Norm festgelegten FM-Bereiche, die einige wünschenswerte Verbesserungen nicht zulassen.

Durch Benutzung eines 2"-Bandes mit segmentierter Schrägspuraufzeichnung unter einem Winkel von 19° glaubt man, den mechanisch bedingten Unzulänglichkeiten der bestehenden Systeme am besten begegnen zu können. Bei einem kleinen Kopfraddurchmesser und einer 180°-Omega-Umschlingung werden mit zwei Ferritköpfen in einer 133mm langen Spur 52 Zeilen aufgezeichnet. Der große Freqenzbereich der Ferritköpfe (~ 3 ... 18 MHz) ermöglicht die Erhöhung der Modulationsfrequenz auf 12 MHz für Bildweiß bei 3 MHz Freqenzhub. Dieser „Super-High-Band"-Standard bringt folgende Vorteile:

1. Verbesserung des Störabstands bei gleichbleibender nutzbarer Bandfläche beziehungsweise Erhaltung eines guten Störabstandes bei Verringerung der nutzbaren Bandfläche. Bei der vorgestellten Lösung wurde ein guter Kompromiß zwischen den beiden Möglichkeiten gewählt. Es wurden 44,6 mm der Breite des Bandes für die Videomodulation benutzt. Dadurch bleibt ausreichend Platz für die Unterbringung von insgesamt fünf Longitudinalspuren. Davon sind zwei Spuren für Qualitätsfonaufzeichnungen vorgesehen, während die drei restlichen Spuren für Kontroll-, Cue- und Adress-Signale reserviert sind.
2. optimale Ausnutzung beider Seitenbänder und minimale Moire-Effekte,
Diesen Fakten trug die von IVC, Thomson-CSF und Rank-Cintel gemeinsam entwickelte neue 2"-Schrägspurmaschine Rechnung.

Das Servosystem (für diese Maschine)

Als nächster Vortragender sprach Donald E. Morgan [International Video Corporation) über das Servosystem, das speziell für die vorgenannte studiotüchtige Zwei-Kopf- 2"-Helicalscan- Maschine entwickelt wurde. Er erläuterte eingehend die Wirkungsweise der drei Servokreise - Bandzugsteuerung, Drumsteuerung und CapstanSteuerung — an Hand von Blockschaltbildern. Als Antrieb für die Kopftrommel findet ein Bpoliger, kollektorloser Gleichspannungsmotor Verwendung, dessen sinusförmige Treiberspannung nach dem bekannten Verfahren des Selbstvergleichs mittels einer optisch codierten Scheibe in Frequenz und Phase nachgeregelt wird. Der Capstanservo besteht aus einem geschlossenen Regelkreis. Eine Digitatkontrolle erlaubt neben der bildgenauen Capstanregelung einen kontinuierlich veränderbaren schnellen Vor-und Rücklauf, der besonders für den automatischen Suchlauf beim elektronischen Schnitt von Wichtigkeit ist.

Das vorgestellte Servosystem bietet alle Voraussetzungen zur optimalen Synchronisierung bei kleinstmöglichen Zeitfehlern, wie es für eine studiotüchtige Videobandmaschine erforderlich ist.
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Die 1"-Helicalscan-Anlage „BCR"

H. Förster (Robert Bosch Fernsehanlagen GmbH, Darmstadt) und H. J. Kraakmann [Philips, Eindhoven) berichteten dann über die von beiden Firmen gemeinsam entwickelte studiotüchtige 1"-Helicalscan-Anlage „BCR". J. Kraakmann erklärte ausführlich den mechanischen Aufbau des Laufwerks. Er wies besonders auf die Präzision hin, mit der die „Plattform" justiert und montiert werden muß.

Mit einem Lasersystem wird die genaue Lage der Capstanwelle festgelegt, die für alle anderen mechanischen Elemente als Bezugspunkt dient. Das 1" breite Band umschlingt die Kopftrommel in einer Omega-Schleife. Außer dem kombinierten Aufnahme-Wiedergabe-Ferritkopf, der vorjustiert in Sekundenschnelle auswechselbar ist, befinden sich auf der Kopftrommel noch ein Lösch- und ein Über-Band-Kopf. Letzterer ermöglicht unmittelbar während der Aufzeichnung die (unkorrigierte) Bildkontrolle. Das Band hat neben der Bildspur (Neigungswinkel 2,5') noch zwei Tonspuren, eine Cue- und eine Kontrollspur.

H. Förster setzte den Vortrag mit einer Beschreibung des elektronischen Teils der Anlage fort Die Studioversion „BCR 60" enthält alle Einrichtungen, die für Produktionsaufgaben und normgerechte Wiedergabe notwendig sind. Eine Zeitfehler- kompensationseinheit mit einem Regelbereich von +5us reduziert den etwa ±1us großen Jitter auf ±25ns. In einer Feinkorrekturstufe wird durch Vergleich des Burst mit dem Studiofarbträger eine Ausgangsstabilität von +2,5ns erreicht.

Gleichzeitig werden Geschwindigkeitsfehler — die sich bei Helicalscan-Systemen anders als bei Quadruplex-Systemen auswirken — auf ein Minimum korrigiert. In einem speziellen Regenerierverstärker werden dem Videosignal — auch in der durch die Einkopfabtastung bedingten Signallücke — neue Synchronsignale zugesetzt. Ein voll farbtüchtiger Drop-out-Kompensator ersetzt fehlende Information nach dem „One-line-delay"- Verfahren. Ein „Editor" ermöglicht manuell ausgelöstes elektronisches Schneiden und mit dem Zeitcode das rechnergesteuerte automatische Schneiden.

Vor- und Nachteile der Schragspur-Sysleme

Charles E. Anderson (Ampex Corporation, Redwood City) gab eine Übersicht über die Vor- und Nachteile der Schragspur-Sysleme und der Quadruplex-Maschinen. Er kam zu dem Ergebnis, daß die Vorteile des Quadruplex-Transversalverfahrens immer noch sehr attraktiv sind und sich noch verbessern lassen, wenn man sich entschließen würde, einige kleine, jedoch wesentliche Änderungen an einigen Parametern vorzunehmen.

Diese vorgeschlagenen Änderungen haben zwar ein neues, nicht standardisiertes Bandformat zur Folge, bringen aber gleichzeitig auch eine erhebliche Kostensenkung. Nach eingehenden Forschungen und Untersuchungen in den Ampex-Laboratorien würden diese Modifikationen folgende Punkte betreffen:

Reduzierung des Kopfraddurchmesser um etwa 1,5mm und des Bandandruckschuh- Durchmessers von 26,24mm auf 24.8mm. Dadurch wird der Kopf-Band-Andruck verringert; das bedeutet kleinere Zeit- und Phasenfehler (einfachere Kompensationseinrichtungen) und die Möglichkeit der Verwendung von Ferritköpfen.

Eine Änderung der Form des Andruckschuhs soll eine Beschädigung des Bandes beim Kopfeintritt verhindern, wobei gleichzeitig Platz für eine zweite Qualitätstonspur geschaffen wird. Ferner hat man eine Verminderung der Capstangeschwindigkeit erwogen.

Diese möglichen Änderungen wurden bereits bei der SMPTE diskutiert, die eine ad-hoc-Gruppe mit der Prüfung und Überarbeitung dieser Ideen beauftragte.
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Ein automatisches elektronisches Schnittsystem

Über ein automatisches elektronisches Schnittsystem (SAME) berichtete C. Akrich (ORTF. Paris). Im Gegensatz zu den zeit-codeorientierten Systemen benutzt das hier vorgeschlagene Verfahren auf der Cuespur aufgezeichnete tonfrequente Impulse zur Auslösung eines Insert- oder Assemble-Schnitts.

2"-Video-Kassettenrecorder „TCR 100"

Über praktische Erfahrungen mit dem 2"-Video-Kassettenrecorder „TCR 100" sprach P A. Dare (RCA, Channel Islands). In sieben Ländern werden bereits Cartridge-Recorder dieses Typs mit großem Erfolg eingesetzt. Bei einigen Sendeanstalten, beispielsweise der London Weekend TV, bestreiten „TCR 1O0"-Geräte schon einen Großteil des Programmanteils. Als besonders rationell hat sich der Time-sharing-Betrieb zwischen der Quadruplex-Maschine „TCR 70" und dem Cartridge-Recorder „TCR 100" erwiesen. Eine Fülle von Zahlenbeispielen über die Kassettenmengen einzelner Stationen, über Auslastungsdaten einzelner Maschinen sowie über die am Tag insgesamt wiedergegebenen Kassetten-Takes unterstrich die weite Verbreitung der „TCR 100".
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Thema Cartridge-Recorder

Ebenfalls zum Thema Cartridge-Recorder sprach E. S. Busby [Ampex, Redwood City). Die einfache und schnelle Programmier- mögllchkeit eines Programmablaufs und der schnelle Zugriff zu den einzelnen Kassetten prädestinieren den Kassettenrecorder auch für die Produktion und die elektronische Nachbearbeitung.

Ampex erweiterte ihre 2"-Kassettenanlage „ACR 25" für einen ökonomischen Einsatz im Produktionsbetrieb. Zeichnet man die einzelnen Takes einer Produktion auf Einzelkassetten auf, dann kann schon unmittelbar nach Beendigung der Aufzeichnung, ohne langwieriges Aussortieren und Erstellen eines assemblierten Masterbandes, der gesamte Szenenablauf in chronologischer Reihenfolge wiedergegeben werden. Änderungen In der Szenenlänge und Szenenfolge lassen sich durch schnelles und einfaches Umprogrammieren ausführen Dadurch kann man den gesamten Nachbearbeitungsvorgang einer elektronischen Videoproduktion wesentlich kürzer und wirtschaftlicher gestalten. Ferner ermöglicht eine „ACR 25"-Anlage bei günstiger Verteilung der entsprechenden Kassetten auf die beiden Transporteinheiten einen gleichzeitigen kombinierten Aufnahme- und Wiedergabebetrieb. Alles in allem steht mit der „ACR 25" eine Anlage zur Verfügung, die bei einem Minimum an manuellen Funktionen ein Maximum an Wirkungsgrad erreicht.

„Computerkontrollierte Schneideverfahren"

W. Habermann (IRT. München) setzte die Vortragsreihe fort mit einem Beitrag zum Thema „Computerkontrollierte Schneideverfahren". Der Einsatz der ausgezeichneten, jedoch sehr kostenaufwendigen Quadruplex-VTR-Maschinen sollte auf die Programmproduktion und die Programmsendung beschränkt bleiben.

Der Nachbearbeitungsprozeß von elektronischen Produktionen soll soweit als möglich mit weniger teueren Anlagen, die 2"-Maschinen entlastend, in getrennten Bearbeitungskomplexen durchgeführt werden. Auf dem Montreux-Symposium 1971 wurde mit dem System „CMX 600" eine Anlage vorgestellt, die von der technischen Konzeption her wohl eine nahezu ideale Lösung ist, jedoch vor allem wegen der Benutzung von Speicherplatten viel zu teuer war.

Die Idee des IRT war, ein System zu entwickeln, das einerseits soweit als möglich die technischen Vorteile der „CMX'-Anlage besitzt, andererseits jedoch mit weitaus geringerem Kostenaufwand realisierbar ist. Daher wählte man zur Festlegung der Schnittadressen 1"-Helicalscan-Recorder.

Habermann erläuterte an Hand von Blockschaltbildern die vier Schritte eines Produktions- und Bearbeitungsvorgangs, wie er mit der IRT-Anlage ablaufen kann. Während der Erstellung des Urban-des werden Bandnummer, Szenennummer und Takenummer in einen Rechner gespeichert, so daß am Ende der Aufzeichnung bereits eine komplette Produktionsiiste zur Verfügung steht Im zweiten Schritt wird eine Arbeitskopie des Urbandes auf zwei Schrägspur-Maschinen (hier Grundig „BK 200") erstellt.

Die Schnittbestimmung und Simulation auf den 1"-Maschinen erfolgt miltels des Rechners im dritten Schritt. Die Schnittdaten können auf eine C 90-Kassette ausgegeben werden oder unmittelbar zur rechnergesteuerten Schnittausführung (auf den Quadruplex-Maschinen) benutzt werden (vierter Schritt). Der Rechner ermittelt, wo eine bestimmte Szene auf dem Masterband zu positionieren ist, und setzt dann Stück für Stück wie bei einem Puzzlespiel — wobei das Ur-band nur einmal die Köpfe passiert — die Szenen auf dem Sendeband zusammen. Eine vorproduzierte Schnittdemonstration unterstrich die Perfektion dieses Verfahrens.
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Schnittsystem auf Klein-Computern

Ein ähnliches System stellte H. Shephard (Central Dynamics, Kanada) vor. Das Herz dieses Systems ist ein handelsüblicher Klein-Computer, der den gesamten Schneidevorgang einschließlich der Steuerung eines Trickmischers und Überblenders kontrolliert. Eine sehr großzügige Software verleiht dieser Anlage eine große Flexibilität. Je nach Adaptierung auf spezielle Recorder (Quadruplex, Helicatscan, Audio) sind Off- und On-line- Betrieb möglich. Zur Kommunikation zwischen Operator und Rechner dienen ein Monitordisplay und ein spezielles Keyboard. Auf dem Monitor werden alle ablaufenden Vorgänge numerisch und mittels graphischer Diagramme angezeigt. Ein Plattenspeicher ermöglicht die Speicherung der Schnittdaten von 600 Szenen. Die Daten können über Konsolschreibmaschine und Lochstreifen ein- beziehungsweise ausgegeben werden.
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Automatischer Programmablauf mit 1"-Helicalscan-Kassetten

Der Vortrag von David J. Edmonds (IVC, Sunnyvale) zeigte eine Möglichkeit für den automatischen Programmablauf mit 1"-Helicalscan-Kassetten. Das IVC-System „BCR 200" besteht aus sechs oder zwölf Kassettenautomaten mit Aufnahme- und Wiedergabe-Elektronik. Die Kassetten können entweder im Automaten bespielt werden oder aus Open-reel-Aufzeichnungen konfektioniert werden. Zur Wiedergabe werden die Reihenfolge und die Länge der einzelnen Beiträge programmiert, so daß ein kontinuierliches Abspielen eines ganzen Programmbeitrags möglich ist.
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VCR-Recorder mit elektronischer Schneideeinrichtung

Der letzte Vortragende dieses Tages. G. Foerster {Philips, Wien), beschrieb das neue Modell eines Philips-VCR-Recorders mit elektronischer Schneideeinrichtung. Der Kassettenrecorder "N 1520" ist eine Weiterentwicklung des semi professionellen Modells „N 1500". Zusätzliche Features eröffnen diesem Kassettenrecorder Möglichkeiten zum aktuellen Studioeinsatz und auf der Nachbearbeitungsebene. Neben der wesentlichen Modifikation auf Electronic-Editing (Insert und Assemble) hat das Gerät noch folgende weitere Änderungen und Neuerungen: Video-Eingang und -Ausgang, stehendes Bild, zwei getrennte Tonspuren, Erweiterung der Bandbreite auf 3,2 MHz für Schwarz-Weiß-Signale, Drop-out-Kompensation. EE-Signal, automatische Pogelkontrolle und einiges mehr. Eine detaillierte Erläuterung über die technische Durchführung dieser Modifikationen rundete den Vortrag ab.

Anmerkung : Über die bescheidene Bildqualität wurde kein Wort verloren.
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Vormittag des 22. Mai

Am Vormittag des 22. Mai leitete P. Hansen, Kopenhagen, als Chairman das Symposium.

Verfremdung und Einfärbung von Luminanzsignalen

Dann referierte G. Högel, München, über einen im Institut für Rundfunktechnik entwickelten Farbtrickgenerator für die Verfremdung und Einfärbung von Luminanzsignalen. Das Grundprinzip dieses Geräts beruht auf der synthetischen Erzeugung von Farbartsignalen und der Verfremdung des Eingangsbilds durch Polaritätsumkehr oder Umrißbildung.

Die Anlage besteht aus drei Einheiten: dem Umrißzeichner mit Mischer, dem Farbteil und dem Bedienpult. Das Bedienputt kann bis zu 200m von der Elektronik entfernt aufgestellt werden. Der Umrißzeichner ermöglicht die Kombinationen positiver oder negativer Umrißbilder mit dem positiven oder negativen Originalbild unter Verwendung des eingebauten Mischers.

Der Farbteil der Anlage liefert zwei unabhängig voneinander in Farbton und Farbsättigung einstellbare Chrominanzsignale, deren Eintastsignale aus den Luminanzanteilen abgeleitet werden. Anschließend wird die Farbinformation zum Luminanzanteil addiert. Eine weitere Variante ergibt sich durch die Möglichkeit, die Farbart durch Ton- oder Bildsignale zu beeinflussen. Die entsprechend aufbereiteten Ton- beziehungsweise Bildsignale steuern an Stelle der manuellen Bedienung die Phasenschieber, so daß sich die Farbart in Abhängigkeit von einem Rhythmus- oder Videosignal selbst verändert. Diese vielfältigen Trickmöglichkeiten wurden an Hand einer Magnetband-aulzeichnung demonstriert.

Farbkorrekturgerät für FfMS-Signale

Im letzten Vortrag dieser Sitzung sprach dann D. Poetsch, Darmstadt, über ein Farbkorrekturgerät für FfMS-Signale der Robert Bosch Fernsehanlagen GmbH. Einleitend schilderte der Vortragende den Einfluß verschiedener Faktoren auf die Qualität der Farbwiedergabe.

Auf dem Weg von der zu übertragenden Szene über die Filmaufnahme, Filmentwicklung und Filmabtastung verursachen falsche Belichtung, falsche Entwicklung und falsche Abtastereinstellung Farbfehler. Oftmals stehen nur ungeeignete Kopien zur Verfügung. Durch eine elektronische Farbkorrektur lassen sich deren Farbfehler weitgehend beheben.

Zwei Möglichkeiten sind bekannt: die Korrektur der AGB-Signale und die Korrektur des codierten FBAS-Signals. Um auch MAZ-Aufzeichnungen und sonstige Produktionen am Studioausgang korrigieren zu können, hat die Fernseh ein universell einsetzbares Farbkorrekturgerät entwickelt,
Das FBAS-Signal durchläuft das Gerät mit 400ns Verzögerung ohne Demodulation oder Aufspaltung des Signals; die Korrekturgrößen werden trägerfrequent erzeugt und am Ausgang zum FBAS-Signal addiert. Die Korrektursignale können in der V-Lücke störungsfrei ein- und ausgeschaltet werden.
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Die Farbkamera für die Filmabtastung

Als erster Vortragender berichtete J. J. Clarke (RCA, Camden} über neue Entwicklungen an der Farbkamera für die Filmabtastung. Zunächst wurden rückblickend kurz die Entwicklungsziele auf Grund der gewonnenen Erfahrungen aufgezeigt. So führten beispielsweise die unterschiedlichen Abtastereinstellungen zu der bekannten Schwarzwert- und Weißwert-Automatik. Mit einer weiteren Automatik-Schaltung konnten die Kontrastprobleme bedeutend besser gelöst werden. Im wesentlichen erläuterte der Vortragende die Arbeitsweise des automatischen Farbbalanceausgleichs, eine Einrichtung, die mit der neuen Generation der Abtastkameras eingeführt worden ist. Die Vorzüge der verschiedenen Automatik-Schaltungen ergeben eine verbesserte Wiedergabequalität der abgetasteten Farbfilme.

Die Kamera läßt sich über einen Multiplexer an die verschiedenen üblichen Wiedergabeeinrichtungen, beispielsweise 35mm-, 16mm- oder Super-8mm-Projektoren und Dia-projekioren adaptieren.

Konzeption einer Film- und Dia-Abtastanlage

D. A. Pay (Marconi, Chelmsford) berichtete über die neue Konzeption einer Film- und Dia-Abtastanlage. Sie besteht im wesentlichen aus zwei Filmprojektoren für 16mm- oder 35mm-Film, zwei Diaprojektoren mit jeweils 30 Dias, einem Mulliplexersystem. einer Farbkamera „MK VIII" für die Bildübertragung und verschiedenen Automatik- und Kontrolleinrichtungen sowie einer Schwarz-Weiß-Kamera für die Vorschau der nicht auf geschalteten Wiedergabekanäle.

In dem Bericht wurde das Muitipiexersystem ausführlich behandelt, und ebenso wurden verschiedene bemerkenswerte Einrichtungen der Anlage erläutert. Mit dem Spezial-16mm-Film-Transportsystem ist trotz des Sperrgreifersystems ein Schnellstart möglich und ebenso auch die Tonwiedergabe, beispielsweise Magnet-Randspur, innerhalb einiger Millisekunden.

Der Film läßt sich vom Stillstand bis zur doppelten Normalgeschwindigkeit ohne erkennbare Bildstörungen vorführen. Das spezielle Filmtransportsystem erleichtert außerdem das Rangieren des Films und erreicht bei schnellem Vor- und Rücklauf die 1Ofache Normalgeschwindigkeit. Automatische Schleifenformer sorgen bei Schnellstop und Schnellstart für die richtige Schleifenlänge. Eine elektronische Bildzähleinrichlung und eine entsprechende Schaltlogik ermöglichen den programmierten Ablauf.
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Das neuentwickelte 16-mm-Filmtransportsystem

Als Ergänzung zu dem vorhergehenden Vortrag erläuterte R. A, Alabone (Marconi, Chelmsford) das in der beschriebenen Anlage benutzte neuentwickelte 16-mm-Filmtransportsystem. Die bisher bekannten Filmtransportsysteme und eine sorgfältige Studie über die Erfordernisse der Filmabtastung im heutigen Fernsehen waren die Grundlage neuerer Entwicklungsziele auf diesem Gebiet. Die wesentlichen Bestandteile des neuen Transportsystems mit einer von der Abtastmechanik getrennten Auf- und Abwickeleinrichtung einschließlich der verschiedenen Schall- und Servofunktion wurden ausführlich behandelt.
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  • Die Nachmittagsvorträge des 23. Mai behandelten Fragen der Automatisation.

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„Rundfunk-Aufomatisation"

Chairman war F. W. de Vrijer, Eindhoven. Als erster Vortragender sprach Kenneth P. Davies [Central Dynamics, Montreal) über „Rundfunk-Aufomatisation". Während man allgemein die Jahre von 1960 bis 1969 als den Beginn der Computer-Ära betrachtet, blieben die Rundfunkanstaften von dieser Enlwicktung zunächst noch ziemlich unberührt.

Erst als etwa 1970 die Klein- und Kleinstrechner (gemeint waren die PDP8 und PDP 11 Computer von DEC) in größeren Stückzahlen auf den Markt kamen und sich das Verhältnis von Hardware- zu Softwarekosten änderte, fanden Rechner Eingang in den Rundfunkbetrieb.

Soll ein Rechnersystem beim Rundfunk wirtschaftlich arbeiten, dann muß es sehr gründlich vorbereitet werden. Eine sorgfältige Untersuchung der Zielvorstellungen, der Hardware- und Softwarekosten sowie des zu erwartenden Nutzens ist erforderlich.

Besonderes Augenmerk ist auf die Optimierung der Kommunikation mit dem System zu richten. Baut man auf den Erfahrungen mit bisher benutzten Einzelsystemen für Lichtsteuerung, Schnittbearbeitung, Sendeabwicklung und Senderüberwachung auf, so scheint es zweckmäßig, ein umfassendes System modular aufzubauen.

Die Hauptaufgaben eines umfassenden Systems lassen sich in drei Gruppen einteilen. Die erste Gruppe umfaßt On-Iine-Schaltungen von Ton und Bild, Überblendungen sowie Starts von Abspielmaschinen. Hier werden Ausführungszeiten von weniger als einer Sekunde gefordert. Ausführungszeiten von ein bis zehn Sekunden benötigt man für vorbereitende Schaltungen, Off-Iine-Schnittbearbeitung und das Aktualisieren von Dispositions- und Sendefahrplänen.

Zur dritten Gruppe gehören statistische Ausarbeitungen, für die Zeiten bis zu einigen Stunden ausreichend sind. Man kann ein derartiges System mit einem einzigen Großrechner realisieren. Diese Lösung ist jedoch sehr teuer und die Programmierung schwierig; der Rechner muß im 24-Stunden-Betrieb arbeiten, und das System ist ziemlich langsam. Bei Ausfall des Rechners steht das ganze System.

Andere ausgeführte Anlagen benutzen zwei gekoppelte Rechner, wobei der erste alle Off-Line-Aufgaben bearbeitet und der zweite die technische On-line-Steuerung übernimmt Bei Ausfall können sich die Rechner gegenseitig ersetzen. Die Ausfallrate einer solchen Anlage ist geringer als bei dem ersten System; die Kosten sind aber etwa gleich hoch.

Eine dritte Lösung besteht aus einem übergeordneten Leitrechner in Verbindung mit intelligenten Terminals in Form von Kleinrechnern. Der Vortragende beschrieb eine solche, bei Westinghouse Broadcast seit etwa einem Jahr arbeitende Anlage.

Für Schaltaufgaben und die Sendeabwicklung wird das „APC-610-200"-System benutzt. Es besteht aus einem 16K-Rechner mit Platte, Datensichtgeräten, Eingabetastaturen und Fernschreibern für die Protokollierung. Die Programme sind modular aus Subroutinen aufgebaut. Das System ist mit einem zweiten Rechner verbunden, mit dem Daten für Disposition, Sendeablauf und kommerzielle Aufgaben ausgetauscht werden.
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„Zwei neue automatische Schalteinrichtungen in Nordamerika"

Als nächster Vortragender sprach A. B. Ettlinger, New York, über „Zwei neue automatische Schalteinrichtungen in Nordamerika". Bei automatischen Schaltetnrichtungen kann man zwei verschiedene Aufgabenstellungen unterscheiden: 1, die zentrale Steuerung nationaler oder regionaler Netzwerke, wie sie in den USA üblich sind, und 2, die Abwicklung der Schaltungen innerhalb einer einzelnen Rundfunkanstalt.

Zu der zweiten Gruppe gehören die 1973 in Betrieb gegangenen Anlagen von WIAC-TV in den USA und CHCH-TV in Kanada. Beide kommerziellen Stationen wollen sowohl die kaufmännischen als auch die technischen Aufgaben automatisieren, beginnen aber beide mit dem Einsatz eines Rechners für die technischen Schaltaufgaben.

Es werden jedoch schon beim Sendeablauf Daten gesammelt, die nachher kommerziell weiterverarbeitet werden. Beide Stationen verwenden das schon 1971 beschriebene „APC-2000"-System von Grass Valley, das mit einem Digital-Equipment-Rechner (Anmerkung : bei uns unter DEC bekannt) „pdp 8E" arbeitet.

Bei CHCH in Kanada hat der Rechner einen Kernspeicher von nur 4000 Worten und einen Plattenspeicher, während WIAC einen Rechner mit 8K-Speicher ohne Externspeicher benutzt. Bei der kanadischen Anlage lassen sich 1000 Schaltvorgänge einspeichern, bei WIAC nur 230.

Während die Anlage bei CHCH auf einem Blattschreiber das Sendeprotokoll automatisch ausdruckt, um den Auflagen der Aufsichtsbehörde zu genügen, ist das bei der amerikanischen Station erst später und in anderer Form vorgesehen. Die technischen Funktionen beider Systeme sind nahezu identisch. In beiden Fällen ist dafür gesorgt, daß die täglich im Vorlauf gespeicherten Daten für die Sendeabwicklung von der Technik schnell und bequem geändert werden können.

WIAC ist an ein Netzwerk angeschlossen, das über einen Großrechner im Timesharing-Betrieb die gesamte Bearbeitung der Werbe-Einblendungen vornimmt Hierfür besitzt jede angeschlossene Station einen Kleinrechner als Satellit.

Der „pdp 8E"-Rechner erhält Schaltbefehle vom Timesharing-System und gibt Rückmeldungen ab. Die kanadische Rundfunkanstalt ist nicht an ein Netzwerk angeschlossen. Daher benötigt sie auch die große Anzahl speicherbarer Schaltbefehle. Außerdem übernimmt der Rechner hier noch die Buchführung über Werbe-Einblendungen. Abschließend führte der Vortragende noch aus, daß der Einsatz von Rechnern zum Schalten von nationalen Netzen ebenfalls zunimmt.

Während CBS bereits 1964 damit begann, laufen bei den drei anderen großen Gesellschaften NBC, ABC und PBS zur Zeit Projekte, die in zwei Jahren abgeschlossen sein sollen. Bis 1975 sollen dann die großen amerikanischen Netze alle durch Rechner gesteuert sein.
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„Erfahrungen mit einem rechnergestützten Schaltsystem"

Über die „Erfahrungen mit einem rechnergestützten Schaltsystem" sprach anschließend W. E. Jeynes, Hamilton. CHCH-TV ist die drittgrößte unabhängige kommerzielle Rundfunkanstalt Kanadas. Da sie nicht an ein Netzwerk angeschlossen ist, kommen taglich etwa 600 Programmschaltungen vor.

Das im vorhergehenden Vortrag beschriebene System ist nun seit etwa 6 bis 7 Monaten in Betrieb. Besucher stellen meist als erste Frage: wieviel Personal spart man damit? Ebenso wie ein automatisches Getriebe im Auto nicht den Fahrer einspart, kann auch ein Rechner nicht das Personal in der Sendekontrolle ersetzen. Auf längere Sicht wird man sicher mit weniger Personal auskommen, wenn neben automatisch laufenden Sendungen noch andere Aufgaben, beispielsweise Mischungen, vom gleichen Personal abgewickelt werden können.

Auf jeden Fall wird das Personal durch den Rechner von Routinetätigkelten entlastet und kann sich deshalb mehr der Qualitätsüberwachung widmen. Die zweite Frage ist, ob ein automatisches oder ein manuelles System besser sei. Nach Ansicht des Vortragenden ist ein automatisches System bestimmt besser, wenn es alle Aufgaben übernimmt.

Die Sendeabwicklung ist hier nur ein Teilgebiet. Das Gesamtsystem, an dem in Hamilton gearbeitet wird, soll die kommerzielle Auftragsabwicklung genauso umfassen wie die Disposition und Archivierung. Der Vortragende schilderte die Anforderungen, die seine kommerzielle Anstalt an ein solches System stellt.
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Automation von Rundfunkstudios

Der nächste Vortrag von G. Högel und A, Heller, Institut für Rundfunktechnik, München, behandelte ein „Digitales Fernsteuer- und Überwachungssystem (BUS-System) für die Automation von Rundfunkstudios". Rationalisierung im technischen Bereich von Fernsehanstalten ist in drei Stufen erreichbar:

1, Zentralisierung teurer Geräte, wie Filmabtaster und MAZ-Anlagen, und ihre wahlweise Zuschaltung zu den Produktions- und Sendekomplexen;

2. Fernbedienung der Anlagen von den Komplexen aus;

3. Automatisierung der Sendeabwicklung usw.

Die erste Stufe ist bei fast allen Studios bereits verwirklicht, aber der erreichbare Erfolg muß ohne optimale Fernbedienmöglichkeiten gering bleiben.

Die dritte Stufe, Automatisierung von Abläufen, findet derzeit weltweites Interesse, erfordert aber zwingend die Fernbedienung. Die Hauptschwierigkeit bei der Erstellung von Fernbedien- und Automatisationssystemnen liegt in der Vielzahl von Signalpegeln und unterschiedlichen Geräteanschlüssen.

Nach Untersuchungen des NDR entfallen über 50% der Planungs- und Ausbaukosten von Komplexen auf die Fernbedienungs- und Rückmeldeeinrichtungen. Das läßt sich durch Anwendung von Daten-Ringleitungen, wie sie von EDV-Anlagen her bekannt sind, vermeiden.

Bei dem vorgeschlagenen BUS-System werden Steuerinformationen seriell über ein Koaxialkabel übertragen, das durch alle Bedienteile und Geräte geschleift ist. Jedes Bedienteil, auch ein Rechner kann als solches aufgefaßt werden, hat durch Abgabe eines Adreßcode Zugriffsmoglichkeiten zu jedem beliebigen Gerät. Alle von diesem Bedienteil ausgesandten Steuerinformationen werden dann nur von dem adressierten Gerät ausgewertet. Eine zweite, gleichartig aufgebaute BUS-Leitung übermittelt die Rückmeldungen vom Gerät zur Bedienstelle.

Durch Zuteilungsinformationen, die ebenfalls über die beiden Koaxialkabel übertragen werden, lassen sich Zuordnungen von Bedienstellen zu Geräten vornehmen und Doppelbedienungen verhindern. Damit ein solches BUS-System mit Geräten unterschiedlicher Hersteller arbeiten kann, ist eine Normierung der Schnittstellen erforderlich.

An einem Normentwurf wird zur Zeit gearbeitet. Nach Schätzungen des NDR kann ein derartiges System die Planungs- und Ausbaukosten für Fernbedieneinrichtungen um etwa 40% senken. Bedenkt man, daß die für die BUS-Coder und -Decoder benötigten integrierten Schaltungen ständig im Preis sinken, die Personalkosten für Planung und Montage aber steigen, so wird das BUS-System auch in Zukunft wohl die kostengünstigere Lösung sein.
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Automatische Steuerung eines Leitungsnetz-Schalters

R. J. Torpey, Richmond Hill Laboratories, Scarborough, sprach über „Automatische Steuerung eines Leitungsnetz-Schalters". Etwa 20% der Einwohner Kanadas leben außerhalb der Großstädte über 85% der Landesfläche verteilt. Ihre Fernsehversorgung macht große Schwierigkeiten, besonders im hohen Norden.

Bis vor kurzem wurden die Hauptsender über das längste Linkstreckennetz der Welt versorgt, während kleine Stationen im Norden Filme und Magnetbänder zum Abspielen angeliefert erhielten.

Die Berichterstattung über aktuelle Ereignisse verzögerte sich dadurch bis zu zwei Wochen. 1972 wurde der Satellit „Telesat Canada" gestartet, der die Versorgung mit Fernsehen, Telephon- und Datenverkehr für ganz Kanada ermöglicht.

Richmond Hill erhielt den Auftrag zur Erstellung eines automatischen Schaltsystems, das die verschiedenen Programme über den Satelliten an die vier Zeitzonen Kanadas verteilen soll. Das System stellt die logische Erweiterung einer Anzahl automatischer Sendestudios der Canadian Broadcasting Corporation dar.

Es besteht aus einer Kreuzschiene mit 49 Eingängen und 9 Ausgängen. Drei der Ausgänge werden durch einen Rechner automatisch geschaltet. Für jeden dieser drei Programmwege gibt es ein Datensichtgerät mit Bedientastatur. Die Interface-Elektronik ist so ausgelegt, daß ein einziger Rechner die drei Programme gleichzeitig unabhängig voneinander steuern kann.

Eine Realzeit-Uhr ermöglicht die Zeitanzeige in der Kopfspalte auf den Sichtgeräten. Die Videokoppelpunkte der Kreuzschiene sind mit diskreten Transistoren bestückt, da derzeitig erhältliche integrierte Schaltungen den Anforderungen an Zuverlässigkeit und Sperreigenschaften nicht voll genügen.

Die Übersprechdämpfung der 49 x 9-Kreuzschiene liegt bis 5 MHz über 60dB. Die Steuerelektronik schaltet die Koppelpunkte in der V-Lücke und zeigt über je zwei 7-Segment-Anzeigen je Ausgang den Schaltzustand an. Die getrennte Tonebene wird von der gleichen Steuerelektronik mitgeschaltet.

Da ein Rechner den Kreuzschienenverteiler steuert, können Pegelumsetzer und Prellschutzschaltungen in der Steuerelektronik entfallen, die beim Anschluß normaler Drucktasten erforderlich wären. Ein zusätzliches Handbedienfeld mit völlig getrenntem Interface ermöglicht parallel zur Rechnersteuerung manuelle Eingriffe in den Schaltzustand.

Von der CBC wird für alle automatischen Anlagen gefordert, daß Handschaltungen gegenüber der Rechnersteuerung vorrangig sind und sofort wirksam werden, ohne daß durch zusätzliche Bedienung die Rechnersteuerung unwirksam gemacht werden muß. Die beschriebene Anlage sollte Ende Juni 1973 in Betrieb gehen.
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zusätzlicher Informationen in der vertikalen Austastlücke

Als letzter Vortrag des Tages folgte eine Ausarbeitung von H. Großkopf und K.Vogt, Institut für Rundfunktechnik, München, über „Die Übertragung zusätzlicher Informationen in der vertikalen Austastlücke".

In der 25 Zeilen breiten Vertikal-Austastlücke des Fernsehsignals läßt sich ein Datenfluß von 250 kBd mühelos übertragen. Die zur Zeit verwendeten genormten Prüf-Zeilen nutzen hiervon nur einen Bruchteil aus. Zur Überwachung von Übertragungseinrichtungen während laufender Programme eignet sich die Prüfzeilentechnik in Verbindung mit speziellen Oszilloskopen hervorragend.

Das IRT stellte vor zwei Jahren in Montreux eine Meßautomatik vor, die eine automatische Auswertung der Prüfzeilensignale ermöglicht. Lineare Signalverzerrungen, die bei Richtfunkstrecken auftreten können, lassen sich ohne großen Aufwand mit Hilfe von fünf einfachen Netzwerken und einer speziellen Meßautomatik, welche die Signale der Zeile 17 auswertet, automatisch korrigieren.

Zur lückenlosen Überwachung der Übertragungswege sollten Prüfzeilen an der frühestmöglichen Stelle dem Videosignal zugesetzt und auch auf Magnetbänder mitaufgezeichnet werden. In letzter Zeit ist ein gesteigertes Interesse an Datenübertragung in der Vertikallücke feststellbar. In der Bundesrepublik Deutschland laufen Versuche zur Quellenidentifikation von Signalen und zur Meßwertübertragung mittels Datenzeilen.

Es wird ein Bi-phase-Code nach Vorschlägen der IBA verwendet In einer Zeile lassen sich 12 Worte zu je 8 bit übertragen. Andere Untersuchungen befassen sich mit der Übertragung von Zeitcode-Informationen und mit Fernschaltung und Fernsynchronisierung über die Datenzeile. Größeren Nutzen verspricht die zukünftige Verwendung der Vertikallücke zur Übertragung zusätzlicher Informationen an den Fernsehzuschauer. Gedacht ist hierbei an Untertitel - besonders für Gehörgeschädigte -, an Programmvorschau oder aktuelle Informationen.

Es gibt auch bereits mehrere Vorschläge zur analogen Übertragung von Faksimiles innerhalb der Austastlücke. Schließlich sind Untersuchungen angestellt worden, mehrere Toninformationen zeitgerafft in der V-Lücke zu übertragen. Mit nur einer Zeile je Tonkanal läßt sich zwar keine hohe Qualität erreichen, jedoch eine ausgezeichnete Sprachübertragung. Zur preiswerten Verwirklichung dieses Verfahrens fehlen aber heute noch billige Analogspeicher in integrierter Halbleitertechnik auf dem Markt.

Ein neuer Normwandler in Digitaltechnik

Die letzte Sitzung des diesjährigen Symposions am Vormittag des 24. Mai (Chairman: Norbert Wassiczek, Wien) befaßte sich außer mit Normwandlerproblemen vor allem mit Sonderanwendungen der Fernsehtechnik außerhalb des Rundfunks.

Als erster Vortragender sprach A. D. Stalley (IBA, London) über einen neuen Normwandler in Digitaltechnik, der Signale mit 525 Zeilen und 60 Halbbildern in die europäische Norm (625 Zeilen, 50 Halbbilder) transformiert.

Dazu müssen grundsätzlich folgende drei Funktionen realisiert werden:
1. Verlängerung der Halbbilddauer, entsprechend einer Frequenzänderung von 60 auf 50 Hz;

2.   Vergrößerung   der  Zeilenzahl   und   Korrektur   der   Zeilendauer;

3.   Umformung der NTSC-Farbinformation in PAL- oder SECAM-Signale

Im Gegensalz zu älteren Ausführungen solcher geräte werden mittlerweile ausschließlich integrierte Digitalschaltkreise benutzt. MOSFET-Schieberegister haben die früheren Analogspeicher abgelöst, was wiederum erst durch schnelle Analog-Digital- beziehungsweise Digital-Analog-Wandler möglich wurde, die aus handelsüblichen integrierten Schaltkreisen aufgebaut sind.

In diese Schieberegister wird die Information im Zeitablauf der Eingangsnorm eingespeichert und ohne Qualitätsverlust mit der Zeitbasis der Ausgangsnorm ausgelesen. Die notwendigen Bewegungs- und Zeileninterpolationen werden noch vor der D-A-Wandlung in der digitalen Ebene rechnerisch und damit optimal vorgenommen.

Auch die Aufteilung in Luminanz und Chrominanz erfolgt in integrierten Schaltungan. Somit ist keinerlei Abgleich für die beschriebenen drei Wandlungs-Grundfunktionen notwendig, und die erforderliche Einlaufzeit beträgt nur eine Minute. Das am Ende des Vortrags vorgeführte MAZ-Band zeigte dann auch tatsächlich Bilder von erstaunlicher Qualität und fast ohne Störeffekte.
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Verbesserungen beim elektrooptischen Normwandler

Im folgenden Vortrag berichtete W. Dillenburger (Robert Bosch Fernsehanlagen GmbH, Darmstadt) über Weiterentwicklungen und Verbesserungen beim elektrooptischen Normwandler, der auf den prinzipiellen Vorschlägen von Jäschke und Wendt basiert.

Die Schwierigkeiten liegen hierbei vor allem darin, ausreichende Auflösung und Schärfe zu erhalten, Flimmereffekte zu vermeiden und trotz der Körnigkeit der verwendeten Bildröhren einen guten Störabstand zu erreichen. Hinzu kommen spezielle Farbprobleme wie „Farbbandbreite" und „Farbtreue", Verglichen mit älteren Modellen ist der vorgestellte neue Normwandler in mehreren Punkten verbessert worden.

Durch die Benutzung größerer Bildröhren (165mm Durchmesser) ließ sich der elektrooptische Schärfeverlust auf der Bildröhrenseite praktisch ausschalten: die erreichbare Schärfe hängt somit ausschließlich vom verwendeten Plumbikon ab.

Durch die neuen Bildröhren von EMI ließ sich auch der Störabsland verbessern, und durch den gleichmäßigeren Weiß-Referenz-Impuls trägt diese Röhre ferner zur Reduzierung der Flimmereffekte bei. Schließlich wurde das bekannte EVR-Referenz-system verlassen und auch nicht das Wendische Prinzip angewandt. Statt dessen hat man zugunsten höherer Stabilität und größerer Farbbandbreite ein neues Referenz System eingeführt: Referenzträger 4 MHz, Farbträger 1.33 MHz, gewonnen durch Teilung aus dem Referenzträger.

Der erreichte Störabstand für ein Black-burst-Signal wurde mit 44 dB unbewertet beziehungsweise 56 dB bewertet angegeben. Eine abschließende Demonstration zeigte deutliche Qualitätsverbesserungen gegenüber dem Vorläufermodell.
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ein 313-Zeilen-Signal für Fernsehtelephon-Anwendungen

Dann berichtete L. J. van de Polder (Philips, Eindhoven) über die Normwandlung normaler Fernsehsignale in ein 313-Zeilen-Signal für Fernsehtelephon-Anwendungen. Ausgehend von der Forderung nach weitgehender Kompatibilität mit der normalen Fernsehnorm, schlug er eine Bildwechselfrequenz von 25 Hz bei 313 Zeilen je Bild vor. Das bedeutet, daß nur die Hälfte aller angebotenen Zeilen verwendet wird.

Die Normwandlung läßt sich dann sehr einfach mit nur zwei Schieberegistern zur Speicherung je einer Zeile, einer 1-Zeilen-Verzögerungsleitung und einigen elektronischen Schaltern durchführen. Das Fernsehtelephon-Signal hat 1 MHz Videobandbreite. Durch wirksame Interpolationsmaßnahmen und trotz etwas vergrößerter Zeilenabstände — verglichen mit der 625-Zeiien-Norm — entsteht ein recht guter Bildeindruck. wie die Vorführung eines Systems zeigte, das mit A-D-Wandler, digitalen Schieberegistern und D-A-Wandler arbeitet. Besonders wichtig ist bei dem vorgeschlagenen Prinzip die Möglichkeit, mit relativ einfachen Mitteln durch Zeitkompression aus dem 313-Zeilen-Fernsehtetephon-Signal wieder ein der Rundfunknorm entsprechendes 625-Zeilen-Signal zurückzugewinnen.
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Fernsehsystem zur Verkehrsüberwachung im Mont-Blanc-Tunnel

Als nächster Vortragender berichtete A. Bruno (Msgneti Marelli, Mailand) über ein Fernsehsystem zur Verkehrsüberwachung im Mont-Blanc-Tunnel. Dort sind 39 Kameras in Abständen von etwa 300m im Tunnel vibrationsfrei montiert: drei zusätzliche Kameras dienen zur Überwachung der äußeren Zufahrtsbereiche. An jedem Tunnelende befindet sich ein Überwachungszentrum.

Auch hier ergab sich das Problem, über ein Koaxialkabel mehrere Kamerasignale zu übertragen. In diesem Falle wählte man die HF-Kabelübertragung mit 6 MHz Kanalabstand, wobei sechs Kamerasignale über ein Kabel geführt werden und somit insgesamt sieben Kabel erforderlich sind. Eine automatische Verstärkungsregelung kompensiert den temperaturabhängigen Kabelfrequenzgang. Über eine Telephonleitung wird die gesamte Fernbedienung aller Kameras abgewickelt. Im Überwachungszentrum steht für je acht Kameras ein Monitor mit Wahlschalter zur Verfügung. Über die bloße Fernsehübertragung hinaus werden auch hier Maximal- und Minimalgeschwindigkeit der Fahrzeuge ermittelt und ein 1 "-Schrägspur-Recorder wird beispielsweise bei Geschwindigkeitsüberschreitung automatisch gestartet, um den Vorfall aufzuzeichnen.
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Abschluß und Ankündigung

Nach diesem letzten Vortrag beschloß der Direktor des Symposiums (R. Jaussi, Montreux) die diesjährige Veranstaltung mit einem Dank an alle Vortragenden und an den mit Organisation und technischer Abwicklung betrauten Personenkreis und lud zum nächsten Symposion ein, das vom 23. bis 29. Mai 1975 stattfinden soll

(FERNSEH- UND  KINO-TECHNIK 1973  Nr. 10)

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