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H. von Studnitz schreibt über die Erfahrungen seines Lebens

Eine Ergänzung zum Thema : "Was ist Wahrheit ?" - 1974 hat Hans-Georg von Studnitz (geb. 1907) ein Buch über sein Leben geschrieben, aus dem ich hier wesentliche Absätze zitiere und referenziere. Es kommen eine Menge historischer Informationen vor, die heutzutage in 2018 wieder aktuell sind, zum Beispiel die ungelöste Katalonien Frage aus 1936.

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Seit Frühjahr 1934 bin ich "Scherl"-Korrespondent in Wien

Das Frühjahr 1934 brachte meiner journalistischen Laufbahn eine Wende. Aus Wien wurden in kurzem Abstand zwei Scherl-Korrespondenten ausgewiesen.

Die Vorgänge in Österreich, in welchem die Nationalsozialisten aus der Illegalität gegen das von Klerikalen und Heimwehren unterstützte Dollfuß-Regime kämpften, hatten sich mehr und mehr zugespitzt.

An die Berichterstattung deutscher Pressevertreter wurden außerordentliche Anforderungen gestellt. Sie mußte auf die Bedürfnisse der um ihre Existenz ringenden Wiener Regierung Rücksicht nehmen und durfte doch die Sympathien nicht verletzen, die im Reich für den nationalsozialistischen »Freiheitskampf« in Österreich aufgekommen waren.

Der Donauwalzer wurde auf gefährlich glattem Parkett getanzt.

Meldeten die Korrespondenten die Wahrheit über den NS-Terror, der sich täglich in Bombenanschlägen entlud, so fielen sie in Berlin in Ungnade.

Schrieben sie über die nicht eben zimperlichen Maßnahmen, mit denen Dollfuß seine Widersacher bekämpfte - Konzentrationslager wie Wöllersdorf gehörten dazu -, so bekamen sie am Ballhausplatz Unannehmlichkeiten.

Dieser verzwickten Situation hatte ich es zu danken, daß sich im Scherl-Haus niemand nach Wien drängte und ich ungeachtet meiner Jugend mit der Nachfolge der des Landes Verwiesenen betraut wurde. Soweit ich Neider hatte, rechneten sie damit, daß ich an einer Mission scheitern würde, die zwei alte Füchse den Kopf gekostet hatte.

1934 - Ein seltener Hinweis auf das Privatleben

Meine Begeisterung für die Aufgabe ließ merklich nach, als sich herausstellte, daß ich wegen der von der Berliner Reichsregierung gegen Österreich verhängten 1.000 Reichs-Mark Ausreisegebühr meine mir eben angetraute Frau in Berlin zurücklassen mußte. Der Verlag wollte diese Summe nicht übernehmen, und ich konnte sie noch nicht aufbringen. (Das mit den 1.000 RM Ausreisegebühr wurde im Juli 1936 wieder aufgehoben.)

  • Anmerkung : Von Studnitz hatte also 1934 seine erste Frau Eveline, geb. Baronesse Behr, geheiratet.

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Ein Zimmer im Hotel »Scheissl und Maden«

So quartierte ich mich in Wien provisorisch ein - im Hotel Meissl & Schadn am Neumarkt, im Volksmund »Scheissl und Maden« geheißen, einem älteren Etablissement, dessen Ruf als Familienhotel dem des berühmten »Sacher« kaum nachstand.

Im Restaurant, das im ersten Stock des Hotels lag, wies man mir als Stammplatz den Tisch zu, an dem am 21. Oktober 1916 der österreichische Ministerpräsident Graf Karl Stürgkh unter den Kugeln des Sozialisten Friedrich Adler sein Leben ließ.

Stürgkh starb in den Armen des mich betreuenden Oberkellners Frühmann mit den Worten: »Kalter Kaffee macht schön.« Mangels eines Aufzuges wurde der Kaffee im »Meissl« aus der im Souterrain gelegenen Küche über mehrere zugige Treppen nach oben getragen.

Wie die meisten Speisen kam er dort abgekühlt an, was immer wieder den Protest der Gäste, darunter des Grafen Stürgkh, herausforderte, der täglich im »Meissl« zu speisen pflegte. Die Direktion des gutgehenden Hotels nahm von diesem Übel nicht die geringste Notiz. Sie hatte es nicht nötig, sich mit Nörglern abzugeben.

Der dortige Staatssicherheitsdienst - genannt der »Kiberer«

Wie in allen Wiener Herbergen und Kaffeehäusern, stand das Personal des »Meissl« in engen Beziehungen zum Staatssicherheitsdienst, dessen geheime Agenten im Volksmund »Kiberer« hießen.

Im unruhigen Jahr 1934 hatten die Kiberer mit der Ausforschung und Überwachung von Fremden viel zu tun. Auch mir wurde ein Kiberer zugeteilt, der mir wie ein Schatten folgte.

Im Laufe der Zeit hatte ich viele "Schatten"

Als ich an einem heißen Julitag, aus Berlin zurückgekehrt, mich im Bade erfrischte, öffnete sich plötzlich die Verbindungstür zu meinem Schlafzimmer. Durch den Spalt schob sich der Kopf meines Kiberers, nickte mir freundlich zu und ließ mich mit der größten Selbstverständlichkeit wissen, daß er mein Gepäck bereits untersucht und nichts Verdächtiges gefunden habe.

Dieser Agent war der Vorreiter vieler anderer, die sich im Laufe der Jahre an meine Fersen heften sollten. Ich habe an dieser Praxis sowenig Anstoß genommen wie an der Überwachung meines Telefons. Noch spielte ich mit Geheimpolizisten Versteck, was ihre Teilnahme an meinem Tun nur gesteigert hätte.

In Berlin sicherte ich mir bei Botschaftsdiners die Gunst der mir aufwartenden, für die Gestapo arbeitenden Lohndiener, indem ich ihnen vor Beginn des Essens zwanzig Mark Trinkgeld zusteckte. Sie hüteten sich, diese Einnahmequelle zu verschütten, und verzichteten gern darauf, meine Konversation zu überwachen.

In Wien beinahe über mein lockeres Mundwerk gestolpert

Während ich mit den österreichischen Stellen schnell einen Modus vivendi fand, versuchte mir einer meiner Vorgänger Steine in den Weg zu werfen, indem er mich denunzierte.

Ich hatte seiner in Wien verbliebenen Frau einen Höflichkeitsbesuch gemacht, und dabei waren mir einige freie Bemerkungen über die Zustände im Reich entschlüpft. Ich wurde nach Berlin gerufen, wo mich der Staatssekretär Hanke im Propagandaministerium mit einer Anzeige vertraut machte, die mich auf das übelste verleumdete. Hanke zeigte jedoch Verständnis und ließ mich mit blauem Auge davonkommen.

  • Anmerkung : Beim Lesen dieses Absatzes konnte ich mir immer noch nicht vorstellen, warum hunderte anderer Denunzierter sofort in den Kellern der Berliner Gestapo verschwanden, von Studnitz aber nicht. Das kommt aber dann später.

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Der Ballhausplatz und die auswärtigen Korrespondenten in Wien

Die auswärtigen Korrespondenten in Wien stützten sich auf Nachrichtenhändler, die über enge Beziehungen zu Behörden, Politikern und Parteien, zu den Gewerkschaften und Heimwehren, zur Bahn und Postverwaltung verfügten.

Was sie dort erfuhren, gaben sie gegen eine monatliche Pauschale weiter. Vom Arbeitseifer und der Zuverlässigkeit dieser Zuträger hing der Erfolg eines in Wien akkreditierten ausländischen Korrespondenten ab.

Ich wurde so rechtzeitig ins Bild gesetzt, daß ich schon während meines ersten, auf sieben Uhr früh festgesetzten Telefonats mit der Scherl-Zentrale über alles unterrichtet war, was sich im Laufe der Nacht ereignet hatte.

Bei der österreichischen Regierung lag die Betreuung der Presse in den Händen des Gesandten Ludwig, der den Klerikalen nahestand und als die graue Eminenz am Ballhausplatz galt. Er war eine der beschlagensten und zugleich mächtigsten Persönlichkeiten der Christlich-Sozialen, mit großem Einfluß auf den Bundeskanzler Engelbert Dollfuß. Ludwigs Gewohnheit, Journalisten stundenlang warten zu lassen, rettete meine Karriere.

Der 25. Juli 1934 in Wien - Dollfuß wurde ermordet

Am 25. Juli 1934 war ich auf mittags zwölf Uhr zu Ludwig in das Palais Kaunitz am Ballhausplatz bestellt worden. Als ich um 12 Uhr 45 Minuten noch nicht vorgelassen wurde, bat ich die Sekretärin um einen neuen Termin und machte mich auf den Heimweg.

Ich hatte gerade den Heldenplatz vor dem Kanzleramt überquert, als Lastwagen mit Putschisten in den Hof des Palais fuhren, seine Ausgänge verbarrikadierten und die Regierung unter Arrest setzten.

Bei dem Getümmel fielen Schüsse, die Dollfuß schwer verletzten. Um 15.45 Uhr erlag er seinen Verwundungen. Während der Handstreich auf die Regierungszentrale gelang, scheiterte er in den Bundesländern, in denen die Regierung die Oberhand behielt.
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Der SS-Kommandant hatte sich abgesetzt und ich hatte Glück

Gegenmaßnahmen liefen an, in deren Verlauf Truppen das Kanzleramt umstellten und die Putschisten zur Übergabe aufforderten. Jetzt stellte sich heraus, daß sie über keinen Sprecher verfügten.

Der Kommandant der SS-Standarte, die auf das Kaunitzpalais angesetzt wurde, hatte seine Leute im letzten Augenblick verlassen. Auch die politischen Drahtzieher waren nicht mit von der Partie gewesen. Die eingeschlossenen Putschisten befanden sich in einer Lage, die sie intellektuell überforderte. Wäre ich nur acht Minuten später aus dem Vorzimmer Ludwigs aufgebrochen, so hätte ich mich einer Bitte, für die Putschisten zu verhandeln, nicht entziehen können. Ich wäre dieser Rolle kaum gewachsen gewesen und hätte mir mit großer Wahrscheinlichkeit den Zorn sowohl Berlins wie Wiens zugezogen. Mein Unvermögen, warten zu können, bewahrte mich vor diesem Dilemma.

Ganz erstaunlich, Berlin war besser unterrichtet als ich

So erfuhr ich das Vorgefallene erst gegen 14 Uhr, in dem Augenblick, als ich meine Wohnung in der Argentinerstraße verlassen wollte, um mich für den Nachmittag des heißen Tages in das gegenüberliegende Schwimmbad des Theresianums zu begeben. Mein Informant, ein Ungar, der das Gras wachsen hörte, setzte mich von dem Drama in Kenntnis, dem ich mit knappem Vorsprung entkommen war.

Wenig später fuhr ich mit meinem australischen Kollegen Selkirk Panton nach Preßburg. Dort wollten wir versuchen, unsere Zentralen in London and Berlin anzurufen, die wegen Unterbrechung des Nachrichtennetzes von Wien nicht mehr erreicht werden konnten. In Berlin wußte man jedoch längst Bescheid und zeigte sich über Einzelheiten unterrichtet, von denen ich keine Ahnung hatte.
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Franz v. Papen wurde Botschafter in Wien

Die volle Wahrheit über das Geschehen sickerte erst allmählich durch. Es hatte den deutschen Gesandten Dr. Franz Rieth unvorbereitet getroffen.

Er erlebte damals den Zusammenbruch einer Welt, der anderen deutschen Missionschefs erst 1939/40 widerfahren sollte, wenn ein nächtliches Telegramm aus Berlin sie aufforderte, vor Morgengrauen den Text einer Kriegserklärung zu übergeben.

Ohne den Gesandtschaftsrat Dr. Günther Altenburg, der kühles Blut bewahrte und darauf sah, daß die deutsche Vertretung nicht kompromittiert werden konnte, wäre die durch den gewaltsamen Tod des österreichischen Bundeskanzlers ausgebrochene internationale Krise noch gravierender geworden.

Daß sie keine militärischen Folgen hatte, der von Mussolini angedrohte Marsch der Italiener über den Brenner nicht stattfand, war nicht zuletzt dem Geschick Franz v. Papens zu danken, den Hitler am Tage nach dem mißglückten Putsch zum außerordentlichen Botschafter und bevollmächtigten Minister des Reiches in Wien ernannte.

Ein undankbarer Auftrag für von Papen

Papen, der am 20. Juni 1934 als deutscher Vizekanzler zurückgetreten und den Erschießungen am 30. Juni 1934 (es wurde Röhm Putsch genannt) entgangen war, nahm nach einigem Zögern den undankbaren Auftrag an.

Er verknüpfte die Annahme jedoch mit Bedingungen, die eine Wiederholung der Ereignisse vom 25. Juli 1934 ausschließen sollten und denen Hitler zustimmte.

Mitte August trat Papen seinen Wiener Posten an, wobei ihm ein eisiger Empfang zuteil wurde. Kurt v. Schuschnigg, der als Bundeskanzler die Nachfolge von Dollfuß angetreten hatte, beschränkte sich auf die notwendigsten Kontakte.

Der österreichische Adel, der zum westfälischen Adel, dem Papen angehörte, enge verwandtschaftliche Beziehungen unterhielt, boykottierte den deutschen Botschafter. Papen ließ sich diese Behandlung nicht verdrießen und bemühte sich, mit allen Bevölkerungskreisen in Verbindung zu treten.

Gesellschaftliche Affronts wie bei einem Golfabend, wo man Papen stundenlang warten ließ, meisterte er mit der vollendeten Liebenswürdigkeit, die diesen Grandseigneur zu keiner Stunde seines an Erfolgen und Rückschlägen reichen Lebens verließ.

War das eine politische Verpflichtung ??

Papen stand für vieles, für das ich eingetreten bin. Er war ein Edelmann, der die politische Verpflichtung des Adels ernst nahm und keine Befriedigung darin fand, auf seinen Gütern zu sitzen und abschußreife Hirsche mit »Adolf« und »Hermann« anzusprechen.

Ein tief religiöser, dabei dem Leben zugetaner Mann, ein überzeugter Monarchist und glühender Patriot, war Papen nicht blind gegen die Wandlungen seines Zeitalters.

Wie so viele : Freude am Spiel um die Macht

Er suchte ihnen gerecht zu werden, indem er den Dienst an der Nation seinen persönlichen Gefühlen überordnete. Sicher war Papen nicht frei von politischem Ehrgeiz, hatte er Freude am Spiel um die Macht. Wer wollte ihn dafür tadeln!

Kein Historiker hat den Bischof von Autun und Herzog von Talleyrand dafür gerügt, daß er der Kirche und der Revolution, Napoleon und den Bourbonen diente. Gewiß hatte der Zentrumspolitiker Papen entscheidenden, von ihm niemals bestrittenen Anteil an der Bildung der Regierung Hitler, dem er den Weg zu Hindenburg öffnete. Daraus eine geschichtliche Schuld abzuleiten ist absurd.

Dieser Vergleich mit Lenin hinkt - leider

So wie Lenin auch ohne das ihm von der kaiserlich-deutschen Regierung zur Verfügung gestellte Bahnabteil aus der Schweiz nach Rußland gelangt wäre, wo er sich an die Spitze der Revolution setzte, hätte Hitler auch ohne die Hilfestellung Papens die Macht erobert.

Nachdem der Volkssouverän mehrheitlich für NSDAP und KPD gestimmt und sich für antidemokratische Parteien entschieden hatte, die Reichswehrgeneralität des Herrn v. Hammerstein aber nicht willens war, die bewaffnete Macht gegen die Nationalsozialisten einzusetzen, konnte niemand Hitler aufhalten.

War von Papen wirklich der »Steigbügelhalter« des Diktators

Was die Zeitgeschichtler Franz v. Papen nicht verzeihen, ist weniger seine Rolle als »Steigbügelhalter« des Diktators als die Tatsache, daß dieser Aristokrat der erste Deutsche von Rang war, der gegen Hitler aufstand, der mit dem »Kabinett der Barone« sich in einem beispiellosen Alleingang den von Hitler in Marsch gesetzten geschichtlichen Kräften entgegenwarf, der nach dem Scheitern dieses Versuches mit seiner Marburger Rede der Welt die heraufziehende Gefahr signalisierte. Dieses Dokument des Widerstandes ist von keiner späteren Kundgebung übertroffen worden.

Mehrfache Versuche, das aufziehende Unheil aufzuhalten

Als Reichskanzler, als Vizekanzler, als Botschafter in Wien und Ankara hat Papen immer wieder versucht, das Unheil aufzuhalten, und als dies nicht gelang, am Kurs des Regimes Korrekturen anzubringen. Papen wird nicht vergeben, daß er zumindest im Ansatz eine Alternative zu Hitler bot, die von Zentrum und Gewerkschaften verschmäht wurde.

Er wurde verleumdet, weil er sich in das Bild einer manipulierten Widerstandslegende nicht einfügte. Er teilte dieses Los mit seinem Vorgänger Heinrich Brüning, gegen den sich die Wut der Geschichtsfälscher zu richten begann, nachdem Brünings Memoiren klarstellten, daß er nicht anders als Papen auf Hindenburg gebaut hatte, und nachdem Brüning die Behauptung zerriß, »hundert Meter vor dem Ziel« gescheitert zu sein.

Wäre Papen nicht Offizier und Edelmann, sondern Gewerkschaftssekretär gewesen - seine Marburger Rede schmückte heute jedes Schulzimmer. Universitäten und Plätze wären nach ihm benannt worden. Es würde einen Papenpreis geben - nicht für Vollblüter -, sondern für Dichter und Staatsmänner.

von Papen - eine tragische Gestalt

Papen wird als tragische Gestalt in die deutsche Geschichte eingehen. Was gegen ihn gesagt wird, stimmt nicht, und was sich gegen ihn vorbringen ließe, wird nicht gesagt.

Es steht außer Zweifel, daß Papens Intelligenz, Weltkenntnis und Entschlußfreudigkeit Hitler diplomatische Erfolge verschafft haben, die ihm ohne Papen gar nicht oder nicht so mühelos zugefallen wären.

Papen schloß das Konkordat mit dem Vatikan, das den Nationalsozialismus salonfähig machte. Nach der Ermordung von Dollfuß stellte er einen Modus vivendi mit Österreich her. Später brachte er Kurt Schuschnigg nach Berchtesgaden. Es gelang ihm zweimal, einen Krieg wegen Österreich zu verhindern.

Papen sicherte die Neutralität der Türkei, als nach der Eroberung Griechenlands in Berlin eine Zeitlang erwogen wurde das Land zu besetzen. Die Türken haben ihm das nie vergessen.

von Papen hätte jederzeit emigrieren können

Aus der Retrospektive gesehen, war es ein Fehler von Papen, nicht zu emigrieren, was er - ein sehr vermögender Mann jederzeit hätte tun können. Weil er die Liebe zu seiner Heimat über das politisehe Kalkül stellte, die Pflicht, bei seinen Landsleuten auszuharren, über die Verlockung, eine Exilregierung zu bilden, wurde er schuldig. Schuldig vor wem?

Unter Papen gewann die deutsche Gesandtschaft in Wien noch einmal etwas von dem Glanz zurück, der die Deutsche Botschaft am Hofe der Habsburger ausgezeichnet hatte. Als ranghöchster Beamter stand ihr der Prinz Viktor Erbach vor, ein mit allen regierenden Häusern verwandter Dynast, der mit seiner Gemahlin, einer Gräfin Szechenyi aus großer ungarischer Familie, im Erzherzog-Rainer-Palais eine Geselligkeit entfaltete, die auch eingefleischte Deutschenfeinde nicht zu snobben wagten.

Die politischen Köpfe der deutschen Mission in Wien

Die politischen Köpfe der deutschen Mission stellten der Gesandtschaftsrat Dr. Günther Altenburg und der Militärattache General Wolfgang Muff. Aus Berlin hatte Papen zwei Mitglieder seines Stabes, Fritz Günther v. Tschirschky und den Freiherrn Wilhelm v. Ketteier, mitgebracht, die beide ein tragisches Geschick erwartete.

Tschirschky, der Berliner Parteistellen seit langem suspekt war, entzog sich einem Verfahren, indem er den Dienst quittierte und sich nach England absetzte, von wo er erst nach dem Kriege zurückkehrte. Ketteier, der enge Beziehungen zu österreichischen Legitimisten unterhielt, wurde nach dem Anschluß ermordet und sein Leichnam in die Donau geworfen.

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