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H. von Studnitz schreibt über die Erfahrungen seines Lebens

Eine Ergänzung zum Thema : "Was ist Wahrheit ?" - 1974 hat Hans-Georg von Studnitz (geb. 1907) ein Buch über sein Leben geschrieben, aus dem ich hier wesentliche Absätze zitiere und referenziere. Es kommen eine Menge historischer Informationen vor, die heutzutage in 2018 wieder aktuell sind, zum Beispiel die ungelöste Katalonien Frage aus 1936.

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Endlich mal den warmen englischen Sommer geniessen

Die politischen Wetterwolken konnten dem ungewöhnlich heiteren und warmen englischen Sommer nicht viel anhaben. Die Londoner »Season«, die im Mai beginnt und bis in den Juli währt, genoß ich in vollen Zügen.

Cocktails, Diners, Bälle, Einladungen zu Wochenenden auf dem Lande wechselten ab mit Theaterabenden, Besuch der Rennen in Ascot, der Kricketspiele bei »Lord's« und militärischen Schaustellungen wie dem »tattoo« in Aldershot, das mit jeder Ballettaufführung konkurrieren konnte.

Lord Angus Holden, mit dem ich auf der Rückreise von Indien Freundschaft geschlossen hatte, lud mich nach Glyndebourne ein, einer englischen Villa Hadrian, in der von dem Millionär Christie eine Privatoper unterhalten wurde.

Der Mäzen, Dozent für Kunstgeschichte, hatte sich in die Opernsängerin Audrey Mildmay verliebt. Den Verzicht auf die Ausübung ihrer Kunst und ihr Ja-Wort zur Ehe gewann er durch das Versprechen, auf seinem Landsitz Opern von Mozart zur Aufführung zu bringen.

Die Vorstellungen begannen gegen 17.00 Uhr, wurden nach dem zweiten Akt durch ein Souper unterbrochen und endeten gegen 23.00 Uhr. Wer auf sich hielt, verköstigte sidi auf den das Theater umgebenden Rasenflächen aus einem Picknick-Koffer, die von Asprey in der Bondstreet und Briggs auf Piccadilly in den schönsten Ausführungen besorgt wurden und ein Bestandteil jeder besseren Landpartie waren. Die Saison in Glyndebourne beschränkte sich auf fünf Wochen. Neben Mozart gelangte auch Verdi auf die Bühne. Alle Texte wurden italienisch gesungen.

Die Londoner Stadthäuser waren einfach zu schmal

Die schmalen Londoner Stadthäuser mit ihren im ersten Stock gelegenen Gesellschaftsräumen eigneten sich für die Abhaltung größerer Feste nicht. Um diesem Mangel abzuhelfen, verfiel man auf die Idee, in den Gärten Partyzelte aufzustellen, die, mit Parkett, Heizung und Kronleuchtern ausgestattet, dem Glanz der Ballsäle wenig nachgaben. Bühnenbildner sorgten für die Dekoration.

So ließ Mrs. Philipps anläßlich eines Balles für ihre kanadischen Nichten ihr nicht eben originelles Haus in Kensington durch Stukkateure in das Salzburger Mirabell-Schlößchen verwandeln.

Im Sommer 1938 tanzte man in London den »Lambeth-Walk«, den »Big Apple« und den »Palais Glide«. Auch der »Reel«, ein Hochlandtanz, bei dem Dudelsackpfeifer mitwirkten, stand hoch im Kurs. Da man sich die Namen all der Schönen nicht merken konnte, die man zum Tanz aufgefordert hatte, war es üblich, auf den Tanzkarten auch die Kleiderfarbe einzutragen.

Auch in England erfreulich - eine straffe, volle Büste

Die jungen Engländerinnen bezauberten durch eine straffe, volle Büste, einen makellosen Teint und durch ein dichtes starkes Haar, wie es nur in der jodhaltigen Seeluft von Küstenländern in solcher Pracht gedeiht.

Sobald diese entzückenden Geschöpfe in den Ehestand traten, begann ihr physischer Verfall. Innerhalb weniger Jahre verwandelten sich lebenslustige, sinnliche Najaden in hagere, in »Tweed« gehüllte Ladies, deren Bewegungen nichts von der Grazie ihrer Mädchenjahre anhaftete. Zuwenig Liebe und zuviel Sport, Mangel an Sex und Überfluß an Drinks mochten die Erklärung sein.

Wenn irgendwo in der Welt, so hat die Natur in England den Mann üppiger bedacht. Dient in Paris alles den Frauen, so scheint in London alles für Männer gemacht. In den Londoner Herrenklubs erinnern die vom Fußboden bis an die Decke reichenden Spiegel an die Boudoirs Pariser Kurtisanen. Avenuen von Luxusläden wie die Burlington-Arcade wenden sich vor allem an Gentlemen. Um den Herren der Schöpfung dreht sich alles, um das Weib als Krone der Schöpfung sehr wenig.

Ein selterner Abstecher ins Privatleben

In Ascot verweigerte mir das Hofmarschallamt den Zutritt zur »Royal Enclosure« mit der Begründung, daß meine »ehrenwerte Person« infolge einer vorausgegangenen Scheidung die Voraussetzung für eine Aufforderung, in den Schatten der königlichen Familie zu treten, für die obendrein fünf Pfund Sterling erlegt werden mußten, nicht erfülle.

Auch geschiedene Frauen wurden in der »Royal Enclosure« nicht geduldet. Allein bei Diplomaten drückte man ein Auge zu.

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In England unüblich oder selten - die Vorausschau

Die Fahrt zu Veranstaltungen wie Ascot nahm Stunden in Anspruch. Schon damals zeichnete sich die Londoner Bannmeile durch dichten Verkehr aus. Gewann man endlich das offene Land, so bewegte man sich auf so schmalen und so kurvenreichen Chausseen, daß es einiger Virtuosität bedurfte, um entgegenkommenden Fahrzeugen ohne Karambolage auszuweichen.

Die Straßenränder säumten zusammengebrochene Autos, deren Insassen sich auf Matratzen unter dem Wagen wohnlich eingerichtet hatten, um sich im Schein einer Taschenlampe mit dem Schraubenschlüssel an den Eingeweiden ihrer fahrbaren Untersätze zu schaffen zu machen.

Der Engländer liebt Pannen wie alles Unvorhersehbare, das die Monotonie seines Alltags unterbricht und seine Gabe zu Improvisationen testet.

Die englische Mentalität ist durch die See geprägt worden. Die Abneigung sich festzulegen, Bindungen einzugehen, die nicht jederzeit auflösbar sind, bestimmt Verfassungsleben, Rechtswesen und Außenpolitik.

Weil der Engländer in der Seefahrt immer wieder mit Situationen konfrontiert wurde, auf die er sich nicht vorbereiten konnte, lehnt er es überhaupt ab, sich rechtzeitig zu wappnen. »Bereit sein ist alles«, das Wort, das dem Deutschen keine Ruhe läßt, bedeutet dem Engländer gar nichts.

Die englische Küche

Die oft viele Monate andauernde Abgeschiedenheit auf Segelschiffen erklärt vieles, das dem Kontinentalen am Engländer unbegreiflich anmutet: die frugale Küche, die fanatische Tierliebe, in der sich die Vergötterung der Schiffskatze fortsetzt, die Neigung, aus der durch das Bordleben bedingten Not der Homosexualität eine klassisch verbrämte Tugend zu machen, den Hang zur Romantik und die Unfähigkeit, Frauen glücklich zu machen.

Das Londoner Nachtleben streifte die Eierschalen der Hafenkneipe, aus der es hervorging, nie ganz ab. Britische Vorstellungen von französischer Küche, von kontinentalen Ausschweifungen bleiben im Provinziellen stecken.

Londons eigene Ansicht im Spiegel

So sehr London heute (gemeint ist 1974) darauf sieht, als Hauptstadt der europäischen Dekadenz seinen Rang zu halten - den Bemühungen, Exzesse zu veranstalten, haftet etwas Rührendes an.

Unter der dick aufgetragenen Schminke der Bardamen blitzen die blanken Augen von Fischermädchen, die Heringe flinker zu sortieren wissen als Cocktails zu mixen.

In London wird das "Münchner Abkommen" vorbereitet

Bald nach dem Anschluß durchzuckte den politischen Himmel Londons das erste Wetterleuchten der aufziehenden Tschechenkrise. Am 13. Mai 1938 erschien Henlein in der britischen Hauptstadt, um die Forderungen zu erläutern, die die Sudetendeutschen Ende März formuliert hatten.

Im August entsandte die britische Regierung Lord Runciman zu einer Enquete in die Tschechoslowakei. Mit Chamberlains Flug nach Godesberg am 15. September trat die Krise in ihre entscheidende Phase.

Zwei Wochen lang schwebte Europa zwischen Krieg und Frieden, bis am 29. September 1938 in München das Abkommen geschlossen wurde, das den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges (Anmerkung : aber nur) um ein Jahr hinausschob.

Willkommen für Chamberlain, den Friedenskünder

Am 30. September kehrte der britische Premier aus München zurück. Wir fuhren nach Heston Airport bei London, um den Mann zu begrüßen, der so viel für die Rettung des Friedens getan hatte.

Noch während wir auf dem Rollfeld warteten, landete ein Sportflugzeug mit dem weißhaarigen Luftfahrtminister Lord Londonderry im Cockpit. Sproß einer in Irland begüterten Familie, Gatte einer gefeierten Gastgeberin, die im Londonderry-house am Hydepark einen der letzten großen Salons im Vorkriegslondon führte, entstieg der Marquess of Londonderry seiner Maschine mit einer Nonchalance, als habe er eine Fuchsjagd geritten und nicht einen Alleinflug über die tückische irische See hinter sich gebracht.

Er kam gerade noch rechtzeitig, um an der Begeisterung teilzuhaben, mit der Regierung, Diplomatisches Korps und Presse den Friedenskünder Chamberlain willkommen hießen. Pückler und ich standen neben dem Premier, als er ins Mikrofon die berühmten Worte sprach: »I believe it is peace for our time.« (»Ich glaube, wir haben den Frieden für unsere Zeit gesichert.«)

Auf seinem Amtssitz in Whitehall fügte er abends hinzu: »This is the second time in our history that there has come back from Germany to Downing-Street peace with honour6.« (»Zum zweitenmal in unserer Geschichte haben wir aus Deutschland einen ehrenhaften Frieden in Downing Street eingeholt.«)

London war ganz kurz ein Tollhaus

In dieser Nacht glich die britische Metropole einem Tollhaus. Hunderttausende von jubilierenden Menschen zogen singend durch die Straßen und verlangten Chamberlain zu sehen. Seit Hitlers Einzug in Wien hatte keine europäische Hauptstadt einen Staatsmann so gefeiert wie London den aus München heimgekehrten Chamberlain.

Aller Ärger über seine »appeasement policy« schien verflogen. Niemand wagte mehr zu spotten: »Give them Bournemouth«, ein Slogan, mit dem Chamberlain von seinen Kritikern aufgefordert worden war, Hitlers Appetit auf immer neue Territorien durch die Abtretung des am Ärmelkanal gelegenen, populären britischen Seebades Bournemouth zu stillen.

Rückblick der Historiker - Zustimmung

Der englische Historiker A. J. P. Taylor hat Chamberlain später gegen den Vorwurf verteidigt, der Premier habe damals nur auf Zeit gespielt. Eine Auffassung, die auch Oswald Hauser vertritt.

Wer 1938 in London im Schatten von Whitehall lebte, wird dies bestätigen. Chamberlains Hoffnung, den Frieden erhalten zu können, fußte nicht nur auf Berechnung. Daß die Sicherung des Friedens auch britischen Interessen entsprach, ändert daran nichts.

Chamberlain sah die Lage in Mitteleuropa für unhaltbar an, worin ihn Ratgeber wie Sir Horace Wilson, Lord Halifax und Lord Runciman bestärkten.

Es gab auch Ablehnung

Im Unterschied zu Churchill, Eden, Duff Cooper und Vansittard, die die Deutschen fürchteten, die Italiener verachteten und die Diktatoren haßten, war Chamberlain nicht abgeneigt, einer "gerechteren" europäischen Ordnung, als Versailles sie errichtet hatte, Geburtshilfe zu leisten.

  • Anmerkung : Wie bei unserem Hauptthema (Was ist Wahrheit ?) stellt sich auch hier die Frage : Was ist gerecht ?


Vor die Wahl gestellt, Europa Hitler oder Stalin zu überlassen, entschied er sich für ersteren als das in seinen Augen geringere Übel. Mit beißender Ironie erinnerte Taylor daran, daß diejenigen, die sich am heftigsten gegen Chamberlains »appeasement«-Politik gewandt hatten, die größte Empörung zeigten, als sie in der Folge scheiterte.
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Neuer englischer Außenminister - Lord Halifax

Chamberlains Überzeugungen liehen Lord Halifax seinen Rückhalt. Dieser Hocharistokrat, der als Lord Irwin Vizekönig von Indien gewesen war und Baldwin als Minister für Landwirtschaft gedient hatte, wurde am 25. Februar 1938 von Chamberlain mit der Nachfolge Edens als Außenminister betraut.

In Halifax versicherte sich Chamberlain einer Persönlichkeit, mit deren Ansehen und Autorität sich im Vorkriegsengland keine andere messen konnte. 1881 als Sohn eines in großen Verhältnissen lebenden Grundbesitzers geboren, besaß Edward Wood alle Eigenschaften, die der Engländer an den Angehörigen seiner Oberschicht bewundert.

Wie Wilhelm II durch Geburt mit einem verkrüppelten linken Arm behaftet, war er wie dieser durch Disziplin und Schulung zu einem glänzenden Reiter und Schützen geworden. In Eton erzogen, Student in Christchurch, glücklich verheiratet, Harmoniumspieler, versäumte der von seinem Vater zu tätigem Christentum angehaltene spätere Lord Halifax keinen Gottesdienst.

Die Legende von Lord Halifax

Auf dem Lande bei sich zu Hause in uralten Anzügen herumlaufend, umgaben ihn in Indien als Generalgouverneur göttliche Ehren, die ihn in den Augen seiner Kritiker dazu verleiteten, enge Beziehungen zu dem Herrgott über sich herzustellen.

Sein Biograph Lord Birkenhead bezeichnet es freilich als Legende, daß Halifax mit Gandhi, kniend im Gebet vereint, eine Lösung der indischen Frage durch den Himmel gesucht habe.

Seinen Mitmenschen traute dieser Mann nichts Böses zu. Was ihm über Gewalttaten aus dem Dritten Reich berichtet wurde, hielt er für unglaubwürdig. Daß Halifax die Fähigkeit abging, sich in die Denkweise der Diktatoren zu versetzen, darf als sicher gelten.

Gleichwohl sollte er staatsmännischen Ruhm in zwei Ländern ernten, die britischem Wesen nicht weniger entgegengesetzt wraren: als Vizekönig in Indien und als Botschafter in Washington.

Meine Begegnungen mit Chamberlain und Halifax

Chamberlain bin ich zweimal, Halifax des öfteren begegnet. Im Typus ließ sich Halifax am ehesten mit Sir Alex Douglas-Home vergleichen, den ich am 29. Juli 1971 interviewte. Das Temperament, mit dem Churchill politische Fragen erörterte, lag ihm fern.

Halifax war mehr ein Heiliger als ein Staatsmann, mehr Kirchenfürst als Außenminister. Das Urteil, daß Halifax, der einen der größten Namen Englands trug und höchste Ämter versah, im Buch der Geschichte allenfalls mit einer Fußnote erwähnt werden wird, teile ich nicht.

Er verkörperte ein England, das Hitler unerreichbar blieb und das erst die Folgen des Zweiten Weltkrieges zerstören sollten.

Der Earl of Halifax war eine Institution, deren moralische Autorität nicht einmal von der des Erzbischofs von Canterbury übertroffen wurde.

Die Schatten der Tschechenkrise wollten nicht weichen

Die sich während der Tschechenkrise oft stündlich verändernde Lage stellten an die Londoner Berichterstattung Anforderungen, denen ich durch eine Arbeitsteilung mit Pückler zu entsprechen suchte.

Am Radio und am Telefon hielten wir abwechselnd Wache. Die kriegsmäßigen Vorbereitungen im "Weichbild" von London taten ein übriges, um die Spannung zu erhöhen. In den Parks fuhren Flakgeschütze auf, am nachts von Scheinwerfern abgetasteten Himmel hingen Sperrballone, an den Themsebrücken bezogen Scharfschützen Stellung, der Bau von Bunkern wurde forciert.

Man verhielt sich so, als wenn die Deutschen jeden Augenblick auf der Horse Guard Parade erscheinen und die Feindseligkeiten eröffnen würden. Wir berichteten über alles nach Berlin, nur um uns nach dem Abflauen der Krise dem Vorwurf auszusetzen, wir seien einem Bluff aufgesessen.

Meine Anwesenheit in London wurde zur Gratwanderung

Scherl (der Verlag) hatte mich angewiesen, bis zum Eintreten des Kriegszustandes meinen Posten zu versehen. Gelang es mir nicht, mich im letzten Augenblick der aus England abreisenden Botschaft anzuschließen, so stand mir eine jahrelange Internierung in Aussicht.

Um mich nicht mit meinem Gepäck zu belasten, packte ich alles Entbehrliche in meinen Wagen und bat meinen bei mir zu Besuch weilenden Freund Grolman, vorauszufahren und mich in Holland zu erwarten.

Grolmans Mißgeschick und dennoch Glück

Im kriegsverdunkelten London brachte ich ihn um drei Uhr früh auf den Weg nach Harwich, dort sollte er die Fähre nach Vlissingen nehmen. Am anderen Morgen rief er mich an, um mir mitzuteilen, er habe das ihm mitgegebene Fahrgeld verloren und sitze in Harwich fest. Ich wies ihm telegrafisch eine neue Summe an und ermahnte ihn, sich zu beeilen, da der Krieg jede Minute ausbrechen könne.

Das Geld war kaum abgegangen, als eine Sondermeldung die Einigung in München ankündigte. Zwei Stunden später fand Grolman sich wieder in London ein. Er hatte die Freudenbotschaft am Kai vernommen und war sofort umgekehrt.

und "ehrliche" Engländer

Einige Tage später erschien ein »Bobby«, um mir das verlorene Geld, zwei Fünfpfundnoten (Anmerkng : Das war damals in Egland viel Geld), deren Nummern ich vorsorglich notiert hatte, wiederzubringen. Es war unweit einer Tankstelle von einem zur Schule gehenden Arbeiterkind aufgelesen worden.

Als der Finder es einem Kolonialwarenhändler gegen eine Tüte Bonbons in Zahlung geben wollte, kam diesem die Sache verdächtig vor, und er benachrichtigte die Polizei, die mich als Eigentümer ausfindig machte: ein Stück britischer Solidität inmitten der Probe für einen Weltuntergang.

Abberufung - Unsere Tage in London waren nunmehr gezählt.

Reichspressechef und Propagandaministerium bestanden auf Pücklers und meiner Abberufung, nachdem unsere Berichterstattung höheren Ortes als »defaitistisch« (zögerlich / destruktiv / überkritisch) aufgefallen war.

Pückler traf diese Anschuldigung noch ungerechter als mich. Er hatte am 14. September 1938 im »Daily Sketch« einen Artikel »If Hitler had said in English« und am Tage darauf in »The Times« einen Leserbrief unterbringen können, die wie kaum eine deutsche Äußerung dazu beigetragen hatten, für den deutschen Standpunkt Verständnis zu wecken.

Um die Jahreswende 1938 fanden wir uns zu Hause ein, ohne zu wissen, was 1939 aus uns werden würde.

Damit war meine Zeit in London beendet.

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