Sie sind hier : Startseite →  Magazine und Zeitschriften→  (6) FKT Fernseh- und Kinotechnik→  Kinotechnik-Jahrgang 1935→  1935 - Das „Crosene“-Farbenverf.

Achtung: Artikel und Texte aus NS/Hitler-Deutschland 1933-45

Nach der Gleichschaltung der reichsdeutschen Medien direkt nach der Machtübernahme in Februar/März 1933 sind alle Artikel und Texte mit besonderer Aufmerksamkeit zu betrachten. Der anfänglich noch gemäßigte politisch neutrale „Ton" in den technischen Publikationen veränderte sich fließend. Im März 1943 ging Stalingrad verloren und von da an las man zwischen den Zeilen mehr und mehr die Wahrheit über das Ende des 3. Reiches - aber verklausuliert.
Hier geht es zur einführenden Seite.

.

Aus der Fachpresse des In- und Auslandes - Juni 1935

Das „Crosene“-Farbenverfahren

(Silvio del Sarto in „Int. Phot." 1935, Nr. 2 und 4.)

Während es seit längerem scheinen wollte, als seien die Akten über die additiven Systeme der Farbenkinematographie aus bekannten Gründen nunmehr geschlossen, rührt es sich in dieser Beziehung doch wieder verschiedenenorts.

In Paris macht das Francita-Verfahren in letzter Zeit von sich reden, bei dem die drei Teilbilder durch Strahlenteilung jeweils auf einem Bildfeld normaler Abmessungen entworfen und bei der Vorführung durch einen Projektorvorsatz auf dem Bildschirm wieder vereinigt werden, und das Crosene-Verfahren, über das hier berichtet wird, kennzeichnet sich als ein ähnlicher Vertreter des additiven Systems, allerdings mit zwei wesentlichen Abweichungen.

Zunächst wird das Bild nicht in drei, sondern in vier Teilbilder zerlegt und aus diesen wieder aufgebaut (was an sich nicht neu ist), und dann erfolgt die Zerlegung, einmal durch Aufnahme mittels Bipackfilme und ferner - nun, darüber bringen die Ausführungen des Verfassers, die sich vornehmlich auf Hervorhebung der „Vorzüge" des Verfahrens konzentrieren, keine klaren Angaben.

Fast wie bei der Schwarzweiß-Ausrüstung - nur 4 Rohfilme

Es wird nur gesagt, daß die Aufnahme nach dem Bipacksystem erfolgt, und zwar „mit der Standard-Schwarzweiß-Ausrüstung, die lediglich die Abänderungen zu erfahren hat, die gewöhnliche Bipack-Aufnahmen erfordern, nämlich Anbringung eines zweiten Kassettenpaares und eine geringfügige Justierung der Druckplatte, um den Durchlauf der zwei Negativfilme zu ermöglichen; es bedarf keiner Filter und jedes Objektiv kann benutzt werden".

Unterstellt man (weil nicht recht einzusehen ist, wie ohne Strahlenteilung vier Teilbilder entstehen sollen), daß das Strahlenteilungssystem der Aufnahmekamara - allerdings in beiden Veröffentlichungen! - versehentlich nicht erwähnt wurde, dann bleibt immer noch die Frage offen, wie durch das Bipacksystem die vier chromatisch unterschiedlichen Farbauszüge zustande kommen.

Möglicherweise erfahren die Negativfilme eine entsprechende streifenweise Sensibilisierung; tatsächlich kann das Negativmaterial nur von den Crosene-Laboratorien bezogen werden, wo es, wie der Bericht sagt, einer Behandlung unterzogen wird, „um eine schärfere Trennung der Grundfarben sicherzustellen, ohne dabei etwas an den photographischen Eigenschaften der Emulsion zu ändern“.
.

Herstellung und Entwicklung im Crosene-Laboratorium

Die Entwicklung der Negative erfolgt im Crosene-Laboratorium. Es ist anzunehmen - andernfalls hätte die Verwendung des Bipacksystems keinen Sinn -, daß Front- und Rückfilm je zwei Teilbilder pro Bildfeld enthalten. Diese werden im Crosene-Laboratorium auf der optischen Kopiermaschine derart auf dem Meisterpositiv vereinigt, daß jedes Bildfeld desselben die vier zusammengehörigen Teilbilder enthält.

Nach diesem Meisterpositiv werden durch Kontaktdruck mehrere Negative hergestellt, nach denen sich der Produzent alsdann seine Theaterkopien abziehen lassen kann.

Bei der Besprechung der Vorführung wird nun doch des mit Farbfiltern ausgestatteten Vorsatzsystems gedacht, durch welches die vier Teilbilder auf der Projektionsfläche vereinigt werden.

Es wird gegen das normale Projektionsobjektiv ausgetauscht und befindet sich in einem trommelförmigen Gehäuse von 6 x 18cm Größe.

„Das Ganze ist mikroskopisch genau justiert und die Einzelteile sind unbeweglich gelagert. Die einzige Justierung, die vom Vorführer vorgenommen werden kann, besteht in der Scharfstellung des Bildes auf dem Film". So lautete es in der Veröffentlichung im Märzheft 1935, und man fragte sich unwillkürlich, wie denn der Ausgleich erfolgen soll, wenn eine Kopie geschrumpft ist; denn ein derartiges optisches System, und wenn es noch so minutiös justiert wurde, kann doch immer nur für eine ganz bestimmte Stellung der vier Teilbilder im Bildfelde stimmig sein.

Ist eine Kopie öfter gelaufen, dadurch ausgetrocknet und geschrumpft, so erleiden die vier Bildmittelpunkte eine Verschiebung, der durch entsprechende Veränderung der Elemente des Vereinigungssystems Rechnung getragen werden muß, wenn das Projektionsbild nicht farbige Ränder aufweisen soll. Tatsächlich ist diese Justierungsmöglichkeit, wie der Verfasser in seiner zweiten Veröffentlichung mitteilt, vorgesehen; sie gestattet, Verschiebungen auf 0,0025mm auszuführen.

Alles zusammen scheint recht teuer zu sein

Nun gehören aber erstens die Notwendigkeit solcher Justierungen und zweitens die Unvermeidlichkeit sowie der Preis derartiger optischer Präzisionsinstrumente gerade zu den Umständen, die sich bisher immer als Impedimente für die Einführung additiver Systeme herausgestellt haben.

Und das sei ein Verfahren „revolutionierender Natur"

Daß additive Farbenbilder von unerhörter Schönheit sein können, haben die Miethe’schen Projektionsbilder schon vor Jahrzehnten bewiesen; daß die vom additiven System benötigten Schwarzweißkopien wesentlich billiger sind, als es subtraktive Farbenkopien je werden sein können, ist allgemein bekannt; daß die Umständlichkeit der Wiedergabeverhältnisse bei Systemen wie Francita und Crosene gegenüber früheren Vorschlägen auf additiver Grundlage auf ein Minimum herabgedrückt sind, soll ohne weiteres zugegeben werden.

Weil sie aber überhaupt bestehen, weil die Kopien nicht ohne weiteres auf jedem Projektor laufen können und weil die Gefahr von Farbsäumen immer gegeben ist, deshalb vermögen wir den Optimismus des Verfassers nicht zu teilen, der in dem Crosene-Prozeß ein Verfahren „revolutionierender Natur" erblickt.

Abschließend sei noch mitgeteilt, daß das Crosene-Verfahren von Gabriel Garcia Moreno ausgebildet wurde und sich im Besitz der Crosene Corporation befindet, die ihre Geschäftsräume in New York, ihre Laboratorien in Los Angeles, Kalifornien, unterhält.

Kb.
.

- Werbung Dezent -
Zur Startseite - © 2006 / 2023 - Deutsches Fernsehmuseum Filzbaden - Copyright by Dipl. Ing. Gert Redlich - DSGVO - Privatsphäre - Redaktions-Telefon - zum Flohmarkt
Bitte einfach nur lächeln: Diese Seiten sind garantiert RDE / IPW zertifiziert und für Leser von 5 bis 108 Jahren freigegeben - kostenlos natürlich.