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Achtung: Artikel und Texte aus NS/Hitler-Deutschland 1933-45

Nach der Gleichschaltung der reichsdeutschen Medien direkt nach der Machtübernahme in Februar/März 1933 sind alle Artikel und Texte mit besonderer Aufmerksamkeit zu betrachten. Der anfänglich noch gemäßigte politisch neutrale „Ton" in den technischen Publikationen veränderte sich fließend. Im März 1943 ging Stalingrad verloren und von da an las man zwischen den Zeilen mehr und mehr die Wahrheit über das Ende des 3. Reiches - aber verklausuliert.
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Aus der Fachpresse des In- und Auslandes
Das neue Kodachrom-Verfahren (Mai 1935)

(Nach „Brit. Jl. Phot." vom 3. Mai 1935.)

In den Laboratorien der Kodak Comp, haben L. Mannes und L. Godowsky ein neuartiges subtraktives Dreifarbenverfahren entwickelt, von dem Leistungsproben am 25. April 1935 im Londoner Kodak-Haus gezeigt und höchst beifällig aufgenommen wurden.

Jedem, der diese Bilder sah, mußte, wie der Bericht sagt, die Qualität, Schärfe, Lebhaftigkeit und Naturtreue auffallen. Es wurde eine große Zahl Straßenszenen und ähnlicher Bilder gezeigt, in denen bewegte Teile, wie Palmenblätter, Blumen, wehende Fahnen, nirgend auch nur eine Spur von Farbsäumen oder Farbmängeln erkennen ließen. Andere Sujets legten Zeugnis von der naturgetreuen Wiedergabe der Farben, insbesondere auch der Hautfarbe, ab.
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Vorerst nur auf 16mm-Schmalfilm

Das Verfahren wird vorerst nur auf 16mm-Schmalfilm ausgeführt; Filme dieser Art sind in USA bereits im Handel erhältlich. - Die Belichtung des Spezial-Rohfilmes erfolgt in üblicher Weise, ohne daß ein Filter oder Farbraster zur Anwendung käme.

Die Empfindlichkeit ist so groß, daß man in den meisten Fällen (wenigstens wohl in Gegenden wie Florida) bis 1:8 soll abblenden können.

Der Rohfilm besteht aus der Zelluloidunterlage, auf der fünf Schichten vergossen sind: zunächst eine rotempfindliche Emulsion, darüber eine dünne, mit einem roten Filterfarbstoff versetzte Gelatineschicht, alsdann eine grünempfindliche Emulsion, über ihr eine farblose Gelatineschicht, und zuoberst eine blauempfindliche Emulsion, die mit einem gelben Filterfarbstoff angefärbt ist.

Die Schichten sind außerordentlich dünn, so daß die Gesamtfilmdicke diejenige des gewöhnlichen Negativmaterials nur wenig übertrifft.
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Die Belichtung

Der Vorgang bei der Belichtung ist folgender: Die oberste Emulsionsschicht wird durch die ihrer spektralen Empfindlichkeit entsprechenden blauen Strahlen beeindruckt; sie läßt Rot und Grün passieren, dagegen wird der blaue Anteil des auffallenden Lichtes durch den gelben Filterfarbstoff absorbiert.

Die grünen Strahlen wirken auf die mittlere, grünempfindliche Schicht, durchsetzen diese, werden aber durch die oben erwähnte, rot angefärbte Gelatinezwischenschicht abgefangen, erreichen die unterste Emulsionsschicht also nicht, wohl aber können die roten Strahlen zu dieser gelangen und hier den Rotfilterauszug erzeugen.

Es entsteht somit in der obersten Emulsionsschicht der Blauauszug, im subtraktiven Verfahren also die gelbe Bildkomponente, in der mittleren der Grünauszug, dem das purpurrote Teilbild entspricht, und in der untersten der Rotauszug, welcher die Zeichnung für das blaugrüne Teilbild liefert.

Die Entwicklung

Interessant ist nun das Verfahren der Entwicklung und Farbgebung, das in verschiedenen Etappen erfolgt, für deren jede eine besondere Maschine vorgesehen ist.

Der erste Arbeitsgang besteht in der Umkehrentwicklung. Der Film wird entwickelt, dann wie üblich gebleicht, geklärt, zweitbelichtet und zweitentwickelt. Diese Zweitentwicklung erfolgt in einem Bad, in welchem ein blaugrüner Farbstoff von dem in den Schichten vorhandenen Silber adsorbiert wird; alle drei Emulsionsschichten enthalten also nach dieser zweiten Entwicklung ein intensives blaugrünes Positivbild.

Der Film wird nunmehr sorgfältig getrocknet. - Im nächsten Arbeitsgang wird das blaugrüne Bild der mittleren Schicht in ein purpurrotes übergeführt. Zu diesem Zweck müssen die beiden oberen Emulsionsschichten abermals umgekehrt werden.

Der Film wird ausgebleicht, wobei die Bilder der beiden Oberschichten in Chlorsilber übergeführt und die blaugrüne Farbe aus ihnen entfernt wird. Nach erfolgter Belichtung gelangt der Film in einen Entwickler, der das Chlorsilber schwärzt und an den Silberbildern einen purpurroten Farbstoff ablagert.

In diesem Stadium enthält die unterste Schicht also ein blaugrünes Bild, während sich in der mittleren und obersten Schicht je ein purpurrotes Bild befindet. Dieses Rotbild in der Oberschicht wird nunmehr in analoger Weise, wie eben ausgeführt, in ein Gelbbild übergeführt.

Damit enthält jetzt die unterste Schicht ein blaugrünes, die mittlere ein purpurrotes, die oberste Schicht ein gelbes Farbstoffbild, und es bleibt nur noch, das Chlorsilber aus den Schichten zu entfernen (Ausfixieren), um zu einem reinen Farbstoffbild zu gelangen, das sich als solches durch Kornfreiheit und, da auf nur einer Seite des Schichtträgers aufgebaut, überdies durch Schärfe der Konturen auszeichnet.
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Nicht einfach - eher trickreich

Einfach ist dieser Prozeß - wenigstens in der hier angegebenen Ausführungsform - zweifellos nicht und der vorliegende Bericht läßt manche Frage offen; wir hoffen, bald Näheres berichten zu können.

Kb.

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Der neue Eastman-Super-X-P anchromatic-Negativfilm

(E. H u s e in „Americ. Cinemat.", Mai 1935.)

Die Eastman Kodak Comp, hat ein neues panchromatisches Aufnahmematerial unter der Bezeichnung „Eastman Super X Panchromatic" auf den Markt gebracht, über dessen Eigenschaften der Verfasser folgendes berichtet:

Die Empfindlichkeit des neuen Materials wurde vergleichsweise mit der des „Kodak SS Panchromatic" sensitometrisch bei künstlichem Tageslicht sowie bei elektrischem Glühlicht geprüft. Es ergab sich eine Empfindlichkeitssteigerung um etwa 90%, wenn beide Materialien im Boraxentwickler zum gleichen Gamma (0,68) entwickelt wurden.

Dieser Gammawert wird bei beiden Filmsorten nicht zur gleichen Zeit erreicht, vielmehr beträgt die Entwicklungszeit für Gamma=0,68, beim SS Film 8,6 Minuten, bei Super X Film 12,7 Minuten; würde man identisch belichtete Sensitometerstreifen gleich lange entwickeln, so würde der auf Super X demnach den Eindruck geringerer Belichtung hervorrufen und ein niedrigeres Gamma aufweisen.

Was die Körnigkeit anbetrifft, so erweist sich das neue Material trotz nahezu doppelter Empfindlichkeit als mindestens ebenso feinkörnig wie Kodak SS. Die Farbenempfindlichkeit beider Filmsorten ist praktisch die gleiche. - Der Verfasser hebt die Überlegenheit des neuen Super X besonders für Nachtaufnahmen und Hintergrundprojektionsaufnahmen hervor.
Kb.

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Ein Vortrag im Nov. 1935 über das Kodachromverfahren

Herr Dr. Busch wandte sich alsdann seinem zweiten Thema, dem
Kodachromverfahren zu. Auch hier können wir uns hinsichtlich der Ausführungen selbst kurz fassen; das Prinzip dieses neuartigen, subtraktiven Dreifarbenfilms wurde in „Kinotechnik" Nr. 10, 1935, S. 175, bereits kurz erläutert, überdies gelangt das Vortragsmanuskript in einem der nächsten Hefte zum Abdruck.

Es sei nur zusammenfassend erwähnt, daß es sich weder um einen Imbibitions- noch um einen Farbenausbleichprozeß handelt, vielmehr werden die Farbstoffe, aus denen sich letzten Endes die Teilbilder in den drei übereinanderliegenden Emulsionsschichten des Filmmaterials aufbauen, durch die jeweilige Zweitentwicklung im Umkehrprozeß erzeugt; man könnte also von einem "Farbentwicklungsverfahren“ sprechen.

Gleich dem Linsenrasterverfahren hat es den Vorteil, daß nicht zunächst in einer Spezialkamera mit Strahlenteilungssystem die drei negativen Farbauszüge gewonnen werden müssen, sondern daß die Aufnahme mit jeder Kinekamera hergestellt werden kann; mit dem Imbibitionsverfahren, z. B. Technicolor, teilt es den Vorzug, daß die drei Farbbilder auf einer Seite des Schichtträgers übereinanderliegen, somit also nicht die störenden Unschärfen auftreten können, wie sie den Verfahren mit doppelseitiger Beschichtung eigen sind.

Bislang einmalige Vorzüge

Darüber hinaus besitzt der neue Kodachromprozeß aber Vorzüge, die bisher von keinem anderen Farbenverfahren erreicht wurden. An erster Stelle ist hier die große Lichtökonomie im Aufnahmeprozeß zu nennen; da bei Freiaufnahmen im allgemeinen ohne jedes Vorsatzfilter, bei Kunstlichtaufnahmen nur mit einem leichten Kompensationsfilter gearbeitet wird und da, wie schon erwähnt, jede Strahlenteilung entfällt, ist der Mehrbedarf an Licht gegenüber einer Normalaufnahme so gering, daß es, wie der Vortragende bemerkte, genügt, die Blende um eine Blendenzahl weiter zu öffnen, als sonst üblich.

Dadurch erweitert sich nicht allein der Anwendungsbereich gegenüber anderen Farbenverfahren erheblich, sondern es werden auch die Kosten für eine Aufnahmeoptik extremer Lichtstärke erspart, und der mit einer solchen verbundene Mangel geringer Tiefenschärfe vermieden.

Eine bedingungslose Deckung der drei Teilbilder

Ein weiterer, sehr beachtlicher Vorzug des Kodachrom-verfahrens ist die bedingungslose Deckung der drei übereinanderliegenden Teilbilder, die sich zwangsläufig aus der unmittelbaren Aufnahme des Endproduktes durch ein Objektiv ergibt; farbige Säume, eine in der Farbenphotographie bekanntlich recht häufige Fehlererscheinung, sind hier also nicht zu befürchten. - Als weiterer Vorzug muß die Tatsache vermerkt werden, daß das Verfahren durchaus zwangsläufig arbeitet; dadurch, daß aus der richtig geleiteten Entwicklung ohne weiteres das Optimum der Farbenwiedergabe hervorgeht, entfällt die Notwendigkeit, für die einzelnen Szenen zunächst durch Vorproben die Bedingungen für die richtige Farbgebung zu ermitteln, wodurch sehr viel an Zeit und Geld gespart wird.

Der Entwicklungsprozeß ist allerdings, wie schon aus der a. a. O. gebrachten Schilderung zu ersehen war, sehr kompliziert. Der Eastman Kodak Co. ist es aber gelungen - und das war die Voraussetzung für die Einführung des Verfahrens in die Praxis -, den Entwicklungsprozeß auf maschineller Grundlage so zu meistern, daß sich derselbe praktisch nicht schwieriger auswirkt, als etwa der des normalen Umkehrverfahrens.
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Jetzt ein Bezug auf die ästhetischer Beziehung

Bestimmend für die Eignung eines Farbenfilmverfahrens ist aber letzten Endes doch seine Leistung in ästhetischer Beziehung. Es ist dem Vortragenden besonders zu danken, daß er durch Vorführung mehrerer hundert Meter von Kodachrom- Bildstreifen, von denen bei weitem der größte Teil von ihm selbst gelegentlich einer Reise in USA aufgenommen war, der Versammlung Gelegenheit bot, sich selbst ein Urteil zu bilden, wobei besonders betont werden muß, daß es sich hier nicht um eine Aneinanderreihung ausgewählter, besonders gut gelungener Aufnahmen handelte, sondern daß auch weniger befriedigende Bilder in der Rolle belassen waren; dies ermöglichte, nicht nur die optimale, sondern auch die durchschnittliche Leistung beurteilen zu können.

Es muß zugegeben werden, daß die letztere auf einem beachtlich hohen Niveau steht, so daß die begeisterte Aufnahme und bereits weitgehende Anwendung des neuen Kodachromverfahrens seitens der amerikanischen Kinoamateure, von der der Vortragende berichtete, durchaus verständlich ist.

Die Farbenpracht der herbstlichen Landschaft, die sich vor den Zuschauern auftat, gab ganz besondere Gelegenheit, die Leistung des Verfahrens in das rechte Licht zu setzen; es waren Bilder zu sehen, die wahren Gemälden glichen. Beachtlich gut kommt die Hautfarbe, wie besonders einige Badeszenen am Strande erkennen ließen, bemerkenswert ist auch die gute Durchzeichnung in den Weißen der Bilder sowie im allgemeinen die vorzügliche Transparenz der Farben, die sich durch leuchtendhelle Bilder trotz Vergrößerung der Schmalfilme auf eine (allerdings Silber-) Wand von etwa 1,5 m Breite bekundete.

Der Vorsitzende dankte Herrn Dr. Busch namens der Gesellschaft für die interessanten Vorträge und Vorführungen und bemerkte, daß der außerordentlich lebhafte Beifall der Versammlung für sich gesprochen habe.

Bezüglich des Kodachromverfahrens wurde zunächst nach dem Preis gefragt; die Antwort, daß dieser einschließlich Entwicklung nur 25 Prozent über dem Kodak-SS-Material liege, überraschte allgemein merklich. - Von anderer Seite wurde gefragt, wann mit dem Erscheinen des Kodachrommaterials für Normalfilm zu rechnen sei, worauf Herr Dr. Busch erwiderte, daß an der weiteren Ausdehnung des Verfahrens in verschiedener Richtung gearbeitet werde, Termine aber nicht angegeben werden könnten. - Eine Frage nach der Lichtechtheit der Farben des Kodachromfilmes wurde dahingehend beantwortet, daß diese für die Bedingungen der Projektion vollkommen ausreichend sei; im übrigen sei auch die Möglichkeit vorhanden, absolut lichtechte Farben herzustellen.

Nachdem der Vorsitzende Herrn Dr. Busch nochmals gedankt hatte, schloß er um 10.15 abends die Sitzung.
Eine lebhaft besuchte Nachsitzung fand im Franziskaner-Bräu statt.    L. Kutzleb.

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