Sie sind hier : Startseite →  Magazine und Zeitschriften→  (6) FKT Fernseh- und Kinotechnik→  Kinotechnik-Jahrgang 1935→  1935 - Ein Tonaufnahmeverfahren

Achtung: Artikel und Texte aus NS/Hitler-Deutschland 1933-45

Nach der Gleichschaltung der reichsdeutschen Medien direkt nach der Machtübernahme in Februar/März 1933 sind alle Artikel und Texte mit besonderer Aufmerksamkeit zu betrachten. Der anfänglich noch gemäßigte politisch neutrale „Ton" in den technischen Publikationen veränderte sich fließend. Im März 1943 ging Stalingrad verloren und von da an las man zwischen den Zeilen mehr und mehr die Wahrheit über das Ende des 3. Reiches - aber verklausuliert.
Hier geht es zur einführenden Seite.

.

Aus der Fachpresse des In- und Auslandes - März 1935

.

Das Tonaufnahmeverfahren nach Prof. A. Chorine

(B. Gurewitch in „Techn. Cinem.“ Nr. 49, Jan. 1935.)

Das Grundsätzliche des Verfahrens ist in Abb. 1 schematisch dargestellt: In dem konstanten Feld eines Magneten befindet sich das Bändchen (Saite) L, das vom Mikrophonstrom durchflossen wird und entsprechend dessen Stärke in der Zeichenebene oszilliert.

Diese Oszillationen modulieren ein Lichtbündel, das von der punktförmigen Lichtquelle A ausgeht und über ein aus den Linsen B und C und der Zylinderlinse D bestehendes optisches System das Bild eines vor der Lichtquelle angeordneten Spaltes auf dem Filmstreifen F abbildet; dieses Spaltbild mißt 0,02 x 2,5mm.

Sprossenschrift und Zackenschrift

Die Aufzeichnung kann sowohl in Sprossenschrift wie auch in Zackenschrift erfolgen. Im ersteren Falle steht der Spalt parallel zur oszillierenden Saite L und die maximalen Ausschläge derselben sind sehr gering. Indessen hat sich Chorine vornehmlich mit der Ausbildung des Transversalverfahrens beschäftigt und darauf
hingewirkt, den das Bändchen durchfließenden Strom auf ein Minimum herabzusetzen.

Da dessen Stärke in erster Linie von der Größe der Oszillation abhängt, die die vibrierende Saite ausführen muß, bewegten sich die Untersuchungen des Erfinders nach drei Richtungen:

1. Funktionieren bei sehr geringer Stärke des magnetischen Feldes;
2. maximale optische Vergrößerung der Schwingungen der Saite;
3. optische Verdoppelung dieser Schwingungen.

Nach Angaben Chorines ist zu schließen, daß das Bändchen aus Duralumin gefertigt ist und die Abmessungen 0,17 x 0,008 x 18mm besitzt.

Interessante Details vom Objektiv

Die Objektive, mit Ölimmersion oder auch in Luft, müssen zwischen den Polen des Magneten angeordnet werden, damit sie sich recht nahe der Saite zu befinden. Für die normalerweise benutzte 20fache Vergrößerung in der Luft beträgt der Abstand zwischen Linse und Bändchen 0,7mm.

Bei Gebrauch einer Hilfslinse und der oben erwähnten optischen Verdopplung der Amplitude wird eine 80fache Vergrößerung erreicht.

Eine besondere Konstruktion der die Objektive tragenden Pole reduziert noch den für die Oszillationen aufgewendeten Strom so weit, daß die Stromstärke noch nicht 25mA erreicht. Für diese Ströme verläuft die Schwingungskurve des Bändchens vollkommen linear.

Die optische Verdoppelung der Bewegungen des Bändchens geschieht nach der ursprünglich von Chorine getroffenen Anordnung gemäß Abb. 2. Hinter dem Vergrößerungsobjektiv B werden zwei Spaltblenden M2 eingeschaltet, danach die beiden Prismen P1 und P2.

Die diese durchsetzenden Lichtbündel entwerfen auf dem Filmstreifen F zwei korrespondierende Bilder der Blende. P1 liefert von M1 und dem Bändchen H ein um 180° verdrehtes Bild. Das Prisma P2 kehrt das Bild nicht um, sondern dient dazu, die beiden Bildebenen zusammenfallen zu lassen.

In der untersten Reihe der Abb. 2 ist der optische Verlauf in vereinfachter Form dargestellt. III zeigt den Spalt M und zwar die Hälfte der ganzen Länge. In dem Sehfeld IV des Modulators (im Raum des magnetischen Feldes) fällt die Ebene des Spaltbildes mit dem Bändchen zusammen, das die eine Hälfte dieses Bildes bildet.

Bei V sieht man den Doppelspalt M2. Die Platten P1 und P2 sind vor den Spalten angeordnet; die das Bild umkehrende Platte P1 ist ein Trapez. Die auf dem Film entstehenden Bilder, das eine umgekehrt, das andere normal, liegen nebeneinander. Bei VI sieht man deutlich das direkte Bild H und das umgekehrte Bild H2 des Bändchens.
.

Der Chorinesche Modulator

Abb. 3 veranschaulicht die Aufzeichnung einer sinusförmigen Welle mittels der vorstehend beschriebenen Einrichtung; sie läßt eine geringe Phasenverschiebung zwischen der normalen und der umgekehrten Aufzeichnung der Schwingungen des Bändchens erkennen, die sich daraus erklärt, daß der optische Spalt auf dem Film in Form zweier nebeneinander liegender Striche von einer Länge, die gleich der Hälfte jedes Spaltes ist, abgebildet wird.

Die Mittelpunkte dieser Striche liegen nicht auf derselben Geraden, sondern sind gegeneinander um eine Spaltbreite = 0,02mm verschoben. Diese Verschiebung hat eine Reduktion der Schwingungen hoher Frequenz, wo sie mit den Wellenlängen in der Aufzeichnung vergleichbar werden, zur Folge. - Bei der in Abb. 4 dargestellten verbesserten Ausführung der Verdoppelungseinrichtung ist diese Phasenverschiebung vermieden. -

Der primitive Chorinesche Modulator zeigt mit wachsender Frequenz eine Vergrößerung der Amplitude, die auf die schon von 2000 Hz ab auftretende Resonanz zurückzuführen ist.
.

Die Wirkung von einem Tropfen Öl

Chorine fand indessen, daß man zu einer sehr guten Frequenzcharakteristik gelangen kann, wenn man das Bändchen mit einem Tropfen Öl in Berührung bringt, der sich in einem bestimmten Punkte des Bändchens, beispielsweise auf einem Drittel seiner Länge, befindet. Die in diesem Falle erhaltene Frequenzkurve zeigt Abb. 5.

Die Wirkung des Tropfens wird mit seiner Zerlegung des Bändchens in zwei Abschnitte erklärt, durch die gleichsam ein dreifaches gekuppeltes Schwingungssystem geschaffen wird, bestehend aus dem Bändchen im ganzen und den Abschnitten beiderseits des Tropfens.

Durch dieses einfache Verfahren erzielt man eine nahezu getreue Charakteristik der Schwingungen des Bändchens bis zu 12.000-13.000Hz; gleichzeitig kann die Stromstärke beträchtlich vermindert werden. Die Resonanz des Bändchens tritt nur bei 4.000-4.500 Hz auf.
.

Zur Unterdrückung des Grundgeräusches

Zur Unterdrückung des durch den Film erzeugten Grundgeräusches hat Chorine zwei Lösungen gefunden. Bei der einen werden die tonfrequenten Schwingungen durch langsamere Schwingungen eines vom gleichen Transformator abgezweigten Stromkreises mit starker Selbstinduktion überlagert.

Verdoppelt man noch das optische Spaltbild, so erhält man in der Mitte des Tonstreifens eine intensive Aufzeichnung nach Abb. 6, die frei von Grundgeräusch sein soll. - Durch eine andere Anordnung Chorines, die in Abb. 7 schematisch dargestellt ist, wird unmittelbar ein grundgeräuschfreies Positiv des Tonstreifens aufgezeichnet: hier ist parallel zum Sekundärkreis des Transformators über den Widerstand R ein Galvanometer vom Typ Deprez-d'Arsonval angeschlossen, auf dessen Nadelspitze ein kleines Plättchen aufgesetzt ist, während sich am anderen Ende eine Dämpfungseinrichtung besonderer Art befindet.

Der vom Transformator abgenommene Strom bewirkt eine Ablenkung des Plättchens entsprechend dem arithmetischen Mittel des abgezweigten Stromes. Die Ablenkung der Plättchen wirkt verzögernd auf die Aufzeichnung. Die Wirkung der Trägheit (z. B. nach Pausen) läßt sich unterdrücken oder beträchtlich vermindern, indem man das Plättchen genügend weit vom Film entfernt.

Kb.

- Werbung Dezent -
Zur Startseite - © 2006 / 2023 - Deutsches Fernsehmuseum Filzbaden - Copyright by Dipl. Ing. Gert Redlich - DSGVO - Privatsphäre - Redaktions-Telefon - zum Flohmarkt
Bitte einfach nur lächeln: Diese Seiten sind garantiert RDE / IPW zertifiziert und für Leser von 5 bis 108 Jahren freigegeben - kostenlos natürlich.