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Gerhard Redlich in 2002

Gerhard Redlich - der Vater des Autors gr (†) beschreibt den Weg vom Film zum Fernsehen

von Gert Redlich - recherchiert ab Dez. 2008 - Diese Geschichte ist darum so authentisch, weil sie in Verbindung mit den Zeiss-Ikon Firmen-Heften "Bild und Ton" eine ganze Epoche der Mediengeschichte nach dem II. Weltkrieg abbildet.

Die einzelnen Teilgeschichten meines Vaters (er war fast 98 Jahre alt geworden = 1919 -  († Feb. 2017)) habe ich (als Autor dieser Seiten) - so gut es ging - wieder in einen chronologischen Zusammenhang gebracht, weil alles nach so langer Zeit aus dem Gedächtnis herausgesprudelt kam, da wollte ich ihn nicht unterbrechen.

Das dunkle Loch nach dem April 1945

Dieser Bunker (Bild von 1950) war in Hamburg anfänglich weit und breit das einzige intakte Gebäude

Gerhard Redlich war ganz ganz oben in Finnland, als dem (eigentlich schon seit einigen Wochen) besiegten Deutschland endgültig die Puste ausging. Nach seinen Erzählungen mussten sie erst noch bis Sept. 1946 dort oben bei 40 Grad tagsüber ausharren und wurden dann mit minimalem Sack und Pack unter englischer Bewachung per Bahn über Norwegen und per Schiff nach Kiel (im wahrsten Sinne des Wortes) "verfrachtet".

In Kiel am 10.9.1946 angekommen, wurden sie, also die unverwundeten Soldaten, mit Passierscheinen in die von ihnen angegebenen Städte entlassen. Als mein Vater dann in seiner Heimatstadt Hamburg seine total platt gebombte Strasse samt dem nicht mehr vorhandenen elterlichen Wohnhaus (und damit auch seine Eltern) nicht mehr fand und der Hunger aus allen Kellern blinzelte, machte er sich auf zu seiner Frau Valeria nach Berlin-Karow (später Ost-Berlin).
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Fronturlaub 1943 in der heilen Welt in Ellrich

Auch hier gab es nur sehr betrübliche ("russische") Erlebnisse der hübschen jungen deutschen Frauen auszuweinen. Also ging es tagsdarauf mit Sack und Pack gemeinsam weiter zum Geburtsort seiner Mutter nach Ellrich im Ost-Harz. Auch das war insgesamt eine fast zweitägige "Weltreise".

Rechts ein Bild vom Fronturlaub 1943 aus Ellrich / Harz - mein Vater stehend in der Mitte, unsere Mutter Valeria sitzend (Mitte mit Sektgas) mit Schwiegereltern und vielen Tanten und Cousinen kurz nach der Kriegshochzeit. Man sieht es deutlich, das gequälte Lächeln auf manchen Gesichtern.

Ich hatte beim Zuhören und habe immer noch (als Jahrgang 1949) so meine Probleme, diese Endzeit- Stimmung auch nur im Entferntesten zu erahnen oder nachzufühlen. Denn vermutlich wußten "sie" bereits 1943 - oder so gut wie alle Deutschen fühlten es -, daß es kein gutes Ende nehmen würde, vor allem nach der verheerenden Niederlage in Stalingrad im Frühjahr 1943. Dort hatte Deutschland eine Armee mit ca. 320.000 (dreihundertundzwanzigtausend) Mann verloren. (Und davon - Stalingrad - kamen um 1955 - Adenauers Erfolg - nur noch etwas über 6.000 Mann - insgesamt waren es ca 10.000 Gefangene - lebend zurück nach Hause.)

Jetzt aber der Reihe nach:
1935 - Die Ausbildung und der Anfang vor dem Krieg

Einberufung 1938
Abmarsch nach Russland 1940
dann einsame finnische Wälder

Mein Vater hatte in Hamburg "auf Befehl" seines Vaters, meines Opas (damals war das nunmal so) eine dreijährige Elektriker-Lehre absolviert. Von dieser Lehre gab es mancherlei Kuriositäten zu erzählen. So zum Beispiel wurde mein Vater als Lehrling losgeschickt, den soeben verkauften Volksempfänger bei der vom Chef listig überredeten Kundschaft auszuliefern. Doch die hatten noch gar keinen Strom und so erntete mein Vater die schallende Ohrfeige, die eigentlich seinem Chef und Meister gehört hätte.

Im März 1938 war die Lehre endlich abgeschlossen und Vater bekam sofort ein Stelle bei der AEG und war dort sogleich zu einer speziellen Werft "abkommandiert" worden, um ein KDF Schiff (ein "Kraft durch Freude" Vergnügungsschiff) -  eines der ersten großen voll elektrisch betriebenen Schiffe - in Betrieb zu nehmen. Das klappte auch und brachte einen großen (finanziellen) Aufstieg mit sich.

Er bekam nämlich anstelle der 60 Pfennige pro Stunde nun 1.- Reichsmark, und das war damals viel Geld. Dann bekam er im Dezember 1938 über uralte Ellricher Verbindungen seines Onkels ein Angebot von Kurt Forst von der UFA aus Berlin, er solle doch besser Kinos bauen, da würden neue Spezialisten dringend gebraucht.
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Ab 1939 - 3 Monate bei der UFA

Der Umzug nach Berlin und der Einstieg in die Kinotechnik ab Januar 1939 war nur kurz, fast alle jungen Männer mußten bereits im April 1939 "freiwillig" zum Arbeitsdienst für nur 20 Pfennige (pro Tag !!!! und nicht pro Stunde) Und der Arbeitsdienst war noch gar nicht richtig rum, da gab's im Oktober 1939 auch schon die Einberufung zur Wehrmacht - mit der Perspektive, nach Russland geschickt zu werden. Und nach der Grundausbildung saß er auch schon im Zug nach Russland. Doch es kam anders.

Befähigte Radio- und Funktechniker kamen damals in die entferntesten Ecken Europas, denn dort musste man über Funk mit dem OKW Hauptquartier bzw. dem Befehlsstab kommunizieren, also morsen und zwar gut und schnell. Vater musste und wollte morsen lernen - es gab da nämlich merkwürdige Gerüchte - die Besten kämen eben nicht nach Russland - und das hatte sich sehr schnell rumgesprochen.
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Übrigens arbeitete er dort bei der UFA recht kurz bei seinem 15 Jahre älteren Chef Kurt Forst, der später noch einmal eine entscheidende Rolle in seinem Leben spielen sollte.
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ab 1941 - Ruhiges Finnland, am Ende der Welt . . .

Eigentlich war es in Finnland schön, die Finnen waren den Deutschen sehr gewogen, die finnischen Mädels waren groß und hübsch (unser Vater war gerade mal 23 Jahre alt und "noch" ledig !!) und die Tages-Temperaturen waren sehr "abwechslungsreich", wenn man die Spanne von plus 40 Grad tagsüber zu minus 20 Grad Nachts gut findet.

Das mit den Milliarden von Mücken war jedenfalls schlimmer als ein drohender Angriff der Russen, die, wie die Deutschen und Finnen auch, das über 20 km breite und 200 km lange Sumpfland scheuten. Dennoch, es war langweilig, das ewige Lampen und Antennen aufhängen und funken (und morsen), den ganzen lieben Tag lang. Man konnte aber Nachts heimlich unerlaubt BBC hören und bekam mit, wie die Front immer näher an Berlin ran kam - nur, tun konnten sie da oben nichts als warten.

So sehnte er sich wieder nach Hause, vielleicht sogar Kinos bauen, das war sein Traum. Die deutschen Soldaten dort oben in Finnland hatten nämlich fast keine Ahnung, was sich da im Bombenhagel in der Heimat wirklich abspielte bzw. abgespielt hatte. Die Post von Zuhause wurde geöffnet und zensiert und es war (den Daheimgebliebenen) bei harter Strafe verboten, die "Kriegslust" (besser: die Kampfmoral) der Soldaten mit Tatsachenberichten aus der Heimat zu untergraben. Ja, wenn sie gewußt hätten . . . . .

Ab Mitte/Ende 1943 war auch der Fronturlaub in die von Bomben zerstörten Großstädte nicht mehr möglich, die Soldaten hätten ja direkt mitbekommen, wofür sie da oben im nordischen Finnland oder in Süditalien wirklich kämpften.
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Sept. 1946 - Tiefe Frustration und Sondieren des Machbaren

Was nun ? Wohin ?
1945: Perspektive = 0
Ellrich im Südharz vor 1945
Vorführschein-Daten

Der Krieg war zwar ab April 1945 vorbei, doch die deutschen Soldaten in Finnland mussten unter der Obhut der Engländer warten, bis sie im August/September 1946 nach Deutschland zurück verfrachtet wurden. Die gesunden Soldaten wurden von den Engländern bei der Ankunft am 10.9.1946 in Kiel aufgefordert, ihren Wohnort oder einen Ort zu benennen, zu dem sie dann vom Anlandehafen aus entlassen werden konnten. Und mein Vater wollte nach Hamburg. Doch fast alle Kriegsrückkehrer, die 1945/46 irgendwo aus der "heilen Welt" (zum Beispiel aus Norwegen) Nachhause kamen und Hamburg und /oder Berlin "durchlaufen " hatten (also alles mit eigenen Augen gesehen hatten), hatte das schiere Entsetzen gepackt. Kilometer um Kilometer war alles, aber auch alles kaputt, platt. - Ganze Arbeit.

Er schlug sich dann nach Berlin durch und das war schon nicht einfach. Dort überzeugte er seine junge Frau, daß sie beide nur im fast vergessenen kleinen Ellrich im Harz bei seinen Eltern und Verwandten eine vernünftige Chance hatten. Es hatte am Ende mehr als 2 Wochen gedauert, vom Anlanden in Kiel über Hamburg und Berlin bis zum Eintreffen bei den Eltern in Ellrich.

Auch in der fast schon friedlichen Provinz in diesem kleinen Kaff Ellrich am Südharz (dort wurde in tiefen in den Fels gehauenen Stollen die V2 Rakete gebaut) wirkte das alles nach und erst der Hunger trieb sie alle zur Besinnung. Er brauchte eine Arbeit, schnell, denn seine Frau, unsere Mutter, war genauso hungrig. Sein Chef und Freund, Kurt Forst von der UFA in Berlin, war inzwischen auch wieder in Ellrich "eingelandet" (er kam wie auch die Mutter meines Vaters aus Ellrich) und hatte in einem zweiten kleinen "Kaff" namens "Bad Sülzhayn" ganz in der Nähe (auch im russischen Teil Deutschlands, also in der SBZ oder Ostzone) aus alten Vorkriegs-Brocken ein Mini-Kino zusammen gestückelt. Es waren alles Technik-Brocken, die bei der UFA in den letzten Kriegstagen "im Nirwana verschwunden" waren.

Und für dieses Kino brauchte Kurt Forst einen Film-Vorführer. Damals 1946 mußte man immer noch, wie vor und im Krieg, einen Vorführschein haben, selbst direkt nach dem Zusammenbruch der gesamten Staatsautorität. Der Nitrofilm war viel zu gefährlich. Mit "einflußreicher" Hilfe (heute im Dez. 2008 zahlt Siemens für eine solche "Hilfe" eine Milliarde Euro Strafe) dauerte der Schein nur mal einen Vormittag (anstelle von vier Tagen oder ganzen Wochen). Mit etwas Glück hatte Vater Redlich am 15.11.1946 (wieder) einen "Job", obwohl man das damals noch nicht so nannte. Den Filmvorführschein bekam er nachträglich ausgestellt, am 19. Dez. 1945 sogar aus Weimar.
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Und wieder hat "er" ein bißchen Glück gehabt . . .

..... unsere Mutter jedoch weniger. Sie muss Nächte lang geweint haben, einmal wegen der mehrfachen "Erlebnisse" mit den Russen in Berlin (sie und ihre Eltern waren den Russen bis Sept. 1946 nahezu hilflos ausgeliefert) und dann aber doch vor Freude, daß unser Vater - als einer der ganz ganz wenigen jungen Männer - mit zwei gesunden Armen und zwei gesunden Beinen aus dem Krieg nach Hause zurück kam. Das war zigfaches Glück für einen Mann im besten Alter. Vater war inzwischen 27 Jahre. Fast 7 volle Jahre - eigentlich die schönste Zeit der Jugend - waren ihm vom großen Führer gestohlen worden.

Das kleine Kino (die Kur-Lichtspiele) in (Bad-) Sülzhayn bei Ellrich auf der russischen Seite der Zonengrenze (im Harz) lief erstaunlich gut, die Menschen hatten eine - wenn auch bescheidene - Möglichkeit, im seligen Glück der Anderen zu schwelgen und zu träumen, (andere sagten Kitsch und Schmalz dazu) jedenfalls diese eineinhalb "kurzen" Stunden lang. Der flexible Kinobesitzer Kurt Forst (wie gesagt - auch aus Ellrich stammend und inzwischen 41 Jahre alt) bekam relativ bald einen lukrativen Ruf aus der amerikanischen Zone aus Frankfurt, wieder zurück zur UFA in den Westen zu kommen und dort auch wieder Kinos zu bauen.

Das kleine Kino in (Bad-) Sülzhayn wurde innerhalb von 3 Tagen nach seinem "Abgang" von der SBZ- (= Ostzonen-) Administration verstaatlicht und mein Vater bekam auch Probleme, er war nämlich nicht in der (kommunistischen) Partei. Dieses Ellrich liegt übrigens direkt auf der Ostseite der Zonengrenze im Harz in der sogenannten 5km Sperrzone (die es ja eigentlich nie gab, wie manche Ossis heute noch behaupten - so schnell ging das Vergessen auf dieser Seite Deutschlands).
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1947 bis 1948 - Über zwei lange Jahre fast ohne Zukunft

Wenn ich alles richtig verstanden hatte, war der "Job" nun dahin und so haben fast alle jüngeren gesunden Männer mit allen Tricks "ge-dealt" und "ge-schoben" und geschmuggelt und getauscht und verhökert und verkloppt, was das Zeug hielt.

Die Geschicktesten unter ihnen wurden dabei reich, die weniger geschickten sind allermeist nicht verhungert. Mein Vater ergatterte irgendwann einen Sack Kohle, tauschte den gegen ein altes schwarzes Damenrad und organisierte damit (jetzt war er mobil) wiederum einen Sack Kartoffeln und schon hatten Sie samt Oma und Opa etwas zu essen. Für einen Liter kostbarer Milch für meinen kleinen Bruder (geb. Dez. 1947) musste er jedesmal 20 Kilomter radeln.

Dann ging das mit den (amerikanischen) West-Zigaretten in der Ostzone los. Es gab da nämlich einen recht berühmten Eisenbahntunnel (von Ellrich nach Walkenried) unter der Zonengrenze hindurch. Die im Westen brauchten nämlich elektrische Schalttafeln für ihre Kinos und die russischen Soldaten wussten damit nichts anzufangen. Die allermeisten Russen wußten auch nach Kriegsende noch nicht, was Strom war und warum Glühlampen glühten. Viele Soldaten kamen aus den hintersten Ecken des großen Russlands und kannten zwar eine Kalaschnikow, aber die Elektrizität kannten sie bis dahin nicht.
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November 1948 - die Wende im Leben von Gerhard Redlich

Eine richtig harte D-Mark (West)
oder sogar 2 DM

Nachdem dem Kurt Forst (inzwischen war er 44 Jahre alt und Gerhard Redlich war 28) sein Kino in Sülzhayn "genommen" = enteignet wurde, wann genau weiß mein Vater nicht mehr, (es könnte Mitte 1947 gewesen sein) hatte mein Vater natürlich auch keine Arbeit mehr und war nur noch am Schrotteln und Organisieren, um die Familie am Leben zu erhalten. Im Dezember 1947 war nämlich Nachwuchs (mein Bruder Edgar) angekommen.

Und dann trudelte im November 1948 dieser alles ändernde Brief (einen Absatz weiter unten) aus dem Westen - aus Frankfurt - ein. Im Westen hatte es nämlich im Juni/Juli 1948 ziemlich überraschend eine Währungsreform gegeben und dort gab es jetzt eine neue harte Währung, die neue D-Mark.

Auf einmal konnte man dort drüben (wieder) alles kaufen.
Und man bekam auch "richtiges" (werthaltiges) Geld für seine Arbeit, mit dem man dann wirklich alles kaufen konnte.
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Wiesbaden den 7.11.1948

An der Wand rechts hängt solch eine Schalttafel
Fast 65 Jahre alt - ein ganz rares seltenes Dokument für eine den Krieg überdauerte Freundschaft
die von nun an das Leben von Gerhard Redlich verändern sollte - es ging ab nach Westdeutschland

Lieber Gerhard ! und Frau und Edgar !

Ich habe Deinen Brief vom 5.11.1948 bekommen und alles andere mit Herrn P. geklärt. Es war alles ein bischen überstürzt und es hat geklappt, die Tafeln (gemeint sind elektrische Schalttafeln für Kinos aus Dresden) sind gut hier angekommen (also im Westen) und wurden auch richtig gebraucht.

Wegen der großen (Schalttafel) wird Herr P. noch mit Dir sprechen, damit diese ebenfalls nach hier kommt. Meine Pakete sind gut, wenn auch durchgewühlt, hier angekommen. Die Sachen von Bad Sachsa bringe bitte auf den Weg nach hier, aber achte auf stabile Verpackung. Die Auslagen an Unkosten lasse Dir bitte von meiner Frau geben.

Ich hoffe, daß Ihr alle wohlauf sein, was ich von mir auch sagen kann. Hier ist unheimlich viel zu tun, aufzubauen und manchmal weiß ich nicht, wo ich anfangen soll. Es geht von Morgens bis Abends.

Und nun zu Dir Gerhard. Du fährst mit mir nach Neujahr am 3.1.1949 nach hier, um bei der UFA Handel Ffm. eingestellt zu werden. Ich habe folgendes vor:
Du bekommst ca. 350.- bis 400.- DM Gehalt und 15.- DM Tagesspesen. Deine Tätigkeit soll in der Hauptsache in der Störungsbeseitigung mit Verkauf bestehen, gleichzeitig verbunden mit Kundenbesuchen und Verkäufen, ich hoffe, hier noch eine Provision für Dich herauszuschlagen, was mit sicher auch gelingt.

Wegen der fachlichen Dinge mach Dir nicht allzu große Sorgen, das bringe ich Dir schon bei und im Übrigen bist Du ja auch nicht auf den Kopf gefallen. Dies Position ist eine sehr angenehme und wird Dir viel Freude machen. Dan kannst Du auch für die Deinen etwas Gutes tun.

Ich hoffe, daß ich Dir hiermit einen Stein vom Herzen genommen habe
und betrachte es als ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk von mir. "Wir werden den Laden schon schmeissen."

Alles andere persönlich und mündlich dort. Schreibe mir aber bitte wieder, jeder Brief, den man bekommt, ist eine Freude. Nun grüsse auch Deine Eltern und Deine liebe Frau und den kleinen Edgar recht herzlich von mir und ich verbleibe Dein

Kurt Forst

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Anmerkung: Ein (versprochenes) Gehalt von ca. 350.- D-Mark (West !) war für damalige Ossi-Verhältnisse gigantisch gut und üppig. Das war nach so vielen Jahren der Entbehrung ein so toller Lichtblick, über den sich meine Eltern wochenlang gefreut hatten. Meine Eltern hatten nämlich nur eine einzige kleine Mansarde im alten Ellricher Postamt unter dem Dach über den Schwiegereltern. Heizen konnte man damals 1947 nur die Küche unten drunter. Kohle war lange rationiert. Opa Max Redlich war bei der Post und jetzt war er der Amtsleiter des Ellricher (Miniatur-) Postamtes. Und die Schwiegermutter Selma Redlich war aus Prinzip extrem neugierig, obwohl mein Bruder bereits geboren war. Das Verhältnis zu unserer Mutter Valeria trübte sich zunehmend ein.

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abgezeichnet von Kurt Forst
Hier Gerhard Redlich links mit den beiden Kollengen Loos und Ruhe rechts - dazwischen der Chef.

Mitte April 1949 hatte Gerhard Redlich den ersehnten UFA Anstellungs-Vertrag ...

Es hatte geklappt mit der Anstellung bei der UFA. Was mein Vater (inzwischen 30 Jahre alt) damals aber nicht beachtete oder nicht wußte, und das wußten sowieso nur wenige involvierte Nachkriegsdeutsche, die UFA als riesiger Medienkonzern war bei den Alliierten als das propagandistische Grundübel der Volksindoktrination der NS-Diktatur / Herrschaft ausgemacht worden.

Der UFA Konzern mußte !! völlig zerschlagen werden (ähnlich den IG Farben), damit sich das Ganze nicht nochmal wiederhole - so jedenfalls war der Grundtenor aller Aktivitäten der drei westlichen Militärregierungen.

Alle UFA-Abteilungen oder UFA-Ableger standen unter der Kontrolle der US Finance & Property Control, der amerikanischen Militäradministration.

Unterschrieben hatte die Bescheinigung sein damaliger Freund und Protektor - Kurt Forst, der ihm ja diese Anstellung beschafft hatte.

Kurt Forst war inzwischen wieder Abteilungsleiter der UFA Handel in Frankfurt und Karlsruhe, verließ aber die UFA recht bald und ging zu Erwin Schulz zu Zeiss Ikon in Frankfurt - nur ein paar Häuser weiter in der Taunusstr. 44.
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Er bekam - wie versprochen - sogar 450.- DM (West)

Das war damals sehr viel Geld, vor allem in D-Mark West. Natürlich war das mit wochenlangem Aussendienst bzw. Montage im Feld verbunden. Übrigens hatte mein Vater bereits im Februar 1949 bei der UFA angefangen.

Der UFA Vertrag - Ein Glückstreffer,
der erste Arbeitsvertrag nach dem Krieg und auch noch bei einer großen vermeintlich krisenfesten Firma, wie alle gehofft hatten - die UFA war 1949 immer noch Europas größter Filmproduzent

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1949 - eine sehr lange Zeit ist es jetzt her

"Archäologischer Kintopp" ? aus der FAZ vom 1.11.1949 !!

Der Autor (also ich, Sohn Gert) habe im Juni 1949 das Licht der Welt erblickt und so habe ich aus diesem Grund die erste FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung - Nummer 1 - vermutlich ein Reprint) vom 1. Nov. 1949 "ausgegraben" und einige Artikel eingescannt, um einen unverfälschten Eindruck dieser Zeit zu dokumentieren.

Es wird noch mehr zum damals aktuellen Umfeld in Westdeutschand geben aus dem Jahr 1949 und aus dieser FAZ Ausgabe. Klicken Sie mal drauf.

Dazu habe ich alle UFA Briefköpfe der verschiedenen Epochen von 1949 bis 1961 gefunden. Und natürlich einen Artikel über den obersten UFA Chef Arno Hauke, der die UFA-Millionen in den Sand gesetzt hatte. Auch im Wiesbadener Büchlein "Hollywood am Kochbrunnen" steht eine Menge über die Probleme der UFA.
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1949 - Und jetzt ging es sichtbar aufwärts.

In Karlsruhe angekommen, komplettierte das UFA Team eines der ersten großen Lichtspieltheater mit über 1200 Plätzen. Das war auch damals schon recht groß. Nur in den ganz großen Städten wie Berlin und München gab es vor dem Krieg Kino-Paläste mit 2400 Sitzplätzen. Und wie zu erwarten war, waren die nach dem Krieg alle platt, eben platt gebomt. Wie war das mit dem "Wind sähen und Sturm ernten" ? Hat doch tadellos geklappt.

Im Gegensatz "zum Osten" sah man hier "im Westen" wirklich, es tat sich etwas. Die Währungsreform hatte wahre Wunder gewirkt, selbst bei diesem eingebrannten tiefen Frust in den Gesichtern der Überlebenden und in deren Gehirnen.

Die Kinos in der Gegend waren fast jeden Abend voll. Gezeigt wurden die "ausgeleiertsten" und blödesten Schnulzen (ist unsere heutige Meinung) und die bezüglich der Perspektiven ausgehungerten Menschen kamen in Scharen. Die vorderen billigen drei Reihen kosteten 40 Pfennige (für Kinder nur 20 Pfennige) und hatten nur Holzsitze. Man sollte sich ein Kissen mitbringen, das war also angebracht.

Die mittleren Reihen waren schon etwas bequemer, also leicht und dünn gepolstert und die Reihen waren auch etwas weiter auseinander aufgestellt und kosteten von 60 Pfennigen bis zu einer D-Mark. Die wirklich edlen Reihen waren im Kino schon immer ganz hinten und hatten dicke Polster für damals richtig teure 1,20 Mark (DM) und das Knutsch-Sofa zu zweit kostete 1,50 DM pro Person.
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1949/1950 - in der Gegend um Karlsruhe sprossen die Kinos . . .

mit bis zu 2000 Plätzen
anfänglich die 4:3 Bildwand
Die E VIIb aus dem Ossiland
ein Ernemann VIIb Projektor vm VEB aus Dresden
die neue Ernemann 10

Ja, sie sprossen geradezu aus der Erde, die neuen großen Film- theater oder Lichtspielhäuser, teilweise gigantische Kino-Paläste. Wie die alten Bilder meines Vaters belegen, waren die alle erstaunlich groß, fast so wie mehrere hier in Wiesbaden. Es war der Beginn eines grenzenlos scheinenden Booms.

Jetzt war vor allen hochwertige Projektions- und Ton-Technik für große Kinos gefragt. Neue Zeiss Kinomaschinen baute zu der Zeit noch das alte Zeiss Ikon Ernemann Team in der Nähe von Dresden. Natürlich gab es noch Eugen Bauer in Stuttgart und Philips aus Holland und Frieseke & Hoepfner aus Erlangen und noch eine Firma aus Hamburg.

Doch die UFA-Technik wollte Zeiss Maschinen haben. Und die Ossis brauchten auch damals 1948 schon harte Devisen um jeden Preis. Damit waren Sie nicht so abhängig von den Russen und der SBZ Regierung. Im Ossiland gab es nämlich wieder (oder noch) die alten legendären Ernemann 7b Projektoren, zwar technisch in die Jahre gekommen, aber ein Vorkriegs Welterfolg. Die Dresdner brauchten eigentlich nur nach den alten Plänen vom alten Ernemann zu produzieren.

Auch die Adler Lichtspiele in Wiesbaden Biebrich in einer erhalten gebliebenen Turnhalle wurden in dem als erstes von der "UFA Handel" nach dem Krieg in Wiesbaden eingerichtetem Kino zwei funkel nagel neue Ernemann 7B aus Dresden eingebaut. Das war damals eine große Investition für den Besitzer Max Adler im Jan. 1949. Aber da war ich ja noch gar nicht auf der Welt.
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1949 - Kinomaschinen aus Dresden

Der ehemalige (Vorkriegs-) Chef, Alexander Ernemann, hatte sich auch bereits im Westen niedergelassen, es war viel zu offensichtlich, was sich da drüben in der SBZ (die sowietisch besetzte Zone hieß bei uns über Jahrzehnte sowieso nur die "Ostzone") bei den Russen tat. Zumal konnte er nicht verhindern, daß dort "seine" Maschine gebaut wurde. Also musste ein neue und natürlich moderne und viel bessere Konstruktion her.

Aber die Neukonstruktion und Nachfolgemaschine für das Modell Ernemann 7b hier im Wessiland (die spätere Ernemann X) war immer noch nicht fertig und wurde (bis ca. Ende 1951) nicht ausgeliefert. Es sollte ja auch eine wirkliche Supermaschine werden, munkelte die Buschtrommel. Mehr steht auf den Zeiss Ikon Seiten.

Auch die Schalttafeln der Beleuchtung und der Notlichtanlage kamen noch von "drüben". Sie wurden über Schleichwege des Nachts Stück für Stück durch den alten Bahn-Tunnel bei Ellrich in den Westen "verladen". Und sie wurden bezahlt, mit hartem Westgeld, ganz offiziell und direkt an die Elektrofirmen und an Zeiss Ikon Dresden.

Es war schon extrem merkwürdig, "wir" Wessis wollten etwas im Osten kaufen, bezahlen durfte die UFA-Handel auch noch, - sogar in der neuen starken Westmark, der 5 mal so wertigen D-Mark, aber liefern durften auch die Dresdner nicht, jedenfalls nicht über die offiziellen Grenzübergänge. Also wurde Nachts geliefert - durch diesen dunklen Tunnel in Ellrich. Es war zwar leicht gefährlich wegen der Russen, aber so war das damals.
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1950 - Familie Redlich - jetzt sesshaft in Wiesbaden

Endlich eine eigene Wohnung
Die Eulenstraße in Dotzheim - Kohlheck am Ende der Welt
Wir wohnten hier im Paterre
Ein gigantisches Traumkino

Die UFA baute das Büro in Frankfurt aus und bekam 1950 für ihre Mitarbeiter eine (1) richtige echte Neubau-Wohnung in Wiesbaden Dotzheim, aber auf dem Kohlheck am hintersten Ende der Welt direkt am Waldrand "zugeteilt".

Im Tagebuch meines Vater von 1950 lese ich ganz hinten: Wohnung Wi-Dotzheim, Haus 3, Wohnung 721, Erdgeschoß links, 2 Zimmer, 47,5qm, Eulenstraße 24, mit Licht und Gas !! Da wurde nichts besichtigt oder gar diskutiert, da gabs nur eins - zuschlagen. Es gab nämlich noch bis nach 1953 nur sehr wenige Neubauwohnungen.

Und mit diesem kleinen Bißchen Glück bekamen Gerhard Redlich mit Frau Valeria und inzwischen zwei Söhnen diese kleine wunderschöne Wohnung. Darin gab es sogar eine Badewanne und einen Badewasser-Ofen - ich (der Autor) war gerade mal etwas über 9 Monate alt.

Wenn ich mir heute anhöre, wie viele "Unternehmer" damals 1950/1951 auf den Kino-Boom aufgesprungen sind, es war damals bestimmt so ähnlich wie die später ebenfalls geplatze Internet Hype 2000/2001. Unser Vater hatte Arbeit ohne Ende, die Kinotechnik hatte er technisch im Griff und es ging rasant und steil aufwärts, immer nur aufwärts.

Im Rückblick, so erzählte es mein Vater
, gab es ja fast nichts zur Unterhaltung oder auch Ablenkung aus dem Alltagstrott, insbesondere für Hausfrauen mit Kindern. Sicher, unser Vater hatte einen alten Volksempfänger gangbar gemacht, etwas später hatten wir sogar einen Vorkriegs-Blaupunkt, das war damals noch etwas ganz Besonderes an Radio. Doch Musikhören über Mittelwelle war auch damit ein Graus. UKW kam erst Jahre später so richtig raus (ab 1955).

Wer einmal in einem noch so kleinen Kino war und einen farbigen Tonfilm inhaliert hatte, der wußte, was er für sein Glück brauchte: Kino, Kino und nochmals Kino.
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Die UFA Handel hat's drauf
ein typisches Kino Foyer der 50er
so sah ein Koffer-Projektor aus

1952 - die Mosel rauf, die Nahe runter

Können Sie sich vorstellen, wie viele kleine Käffer es damals an Mittelrhein, Nahe und Mosel gegeben hatte ? Und dort sollten in ganz kurzer Zeit immens viele Kinos gebaut werden. Jeder Unternehmer versprach sich einen Wettbewerbsvorteil, wenn "er" 4 Wochen früher "online" war als der "Andere" im Nachbardorf neben dran mit einem genauso kleinen Saal oder Zelt oder einem Wirtshaus-Nebenraum.

Jetzt hatte unser Vater Stress und kam Wochen lang nicht nach Hause. Es gab Spesen und Auslösung und "Bakschisch" und das alles wurde gespart. Als ich 6 Jahre alt war, durfte ich erstmals mit in einen Vorführraum kommen. Es war in Östrich im Rheingau und es war eine Ehre.

Ich hatte Wochen vorher vorher schon mal in den (für mich) tollen Zeiss Ikon Prospekten blättern "dürfen" und Vater hatte mir erklärt, was man für ein Kino so alles braucht. Auf meine unschuldige Frage, ob denn diese alten vergammelten schwarzen Kästen wirklich die Kinomaschinen seien, bekam ich eine Ohrfeige und war draußen. Der stolze Kinobesitzer hatte mitgehört.

Sie hören daraus, es wurde damals alles an altem gerade noch laufenden Kino-Material verkauft und verbaut, damit ja der Film lief. Der Gast wollte es sowieso nur Flimmern sehen und hören. Einen Vergleich mit anderen Kinos hatten die Wenigsten.

ein Superprojektor
einmal die Woche

1954 - Die Kinos wurden noch größer.

Mit dem neuen Erneman X Projektor konnte die Projektions-Technik richtig große Bildwände in 70 bis 100m Abstand vernünftig ausleuchten und die Kinobesitzer, inzwischen meist große Unternehmen, bauten ganze Paläste mit 2400 bis sogar 3000 Sitzplätzen. In den Zeiss Ikon Heftchen steht mehr darüber. Auch Autokinos und ganz spezielle Vorführkinos wurden konzipiert und gebaut. Der Boom schien grenzenlos zu sein. - Bis das Fernsehen kam ?

Und jetzt könnte man das Attribut "aktuell" steigern. (Das ist natürlich dumm, aber wir lernen ja dazu.) War die Wochenschau angeblich "brand aktuell", so war das Fernsehen aber - noch "aktueller". (Klingt doch gut oder ?)

Im Fernsehen gab es ab etwa 1958 die Tagesnachrichten jeden Tag um 8.oo abends (Das ZDF gab es vor April 1963 noch nicht) und die ersten Fernseher (das waren vielleicht Gurken) waren nach dem Einstieg fast aller deutscher Radiofirmen (es waren 18 an der Zahl) in diesen Markt ab 1952 zwar so langsam aber sicher erschwinglich geworden. Doch kaufen konnte die der (normale) Normalbürger erst einige Zeit nach 1960.

Ich habe von meinem Vater diese Zeiss Ikon Heftchen geerbt und werde sie alle hier ins Web stellen, denn sie zeigen den Gang der Entwicklung und die vermeintliche Bedrohung des Kinos durch das Fernsehen recht genau auf. Jedenfalls wurde es damals so suggeriert. (In Wirklichkeit stimmte es aber nicht !!) - Seit Jan 2014 haben wir durch viel Glück in der Redaktion die 68 dicken Bücher !!! der Fernseh-Informationen lückenlos ab 1950 vorliegen. Dort steht ganz genau, wie sich das Fernsehen mühsam und langsam etablierte.

1956 - die UFA Handel expandierte

Die Firmenleitung der großen UFA war zwar im UFA Glaspalast in Düsseldorf, doch das berührte uns fast nicht. "Wir" hatten ein Auto mit einem D- vorne im Kennzeichen und das stand bei uns in Wiesbaden vor der Tür. Und dann wurde zum Büro Frankfurt (Vertrieb Mitte) ein Büro in Trier eröffnet.

Den fatalen Drang, überall präsent zu sein,
selbst wenn das Personal dafür gar nicht da war, den gab es damals schon. Es war sowieso nur ein Ladenlokal in der Trierer Innenstadt mit Schaufenster, in dem man weiter hinten drinnen auch mal übernachten konnte.

1957 - Es rumorte in der UFA - irgendetwas stimmte nicht

Die Techniker wurden von der "UFA Handel" in Frankfurt zur UFA-Montage- und Fortbildung" in Düsseldorf "übernommen" bzw. übergeben.

1958 wurde der Firmenname wieder geändert ????

1959 - Alle sind wieder bei der UFA Handel

1960 - Von der UFA Düsseldorf zur UFA Frankfurt

Jetzt blickte keiner mehr durch, welche undurchsichtigen Machenschaften da oben in der Konzernspitze getrieben wurden.

1961 - Die UFA-Theater AG kam ins Spiel und zahlte die Gehälter

1958 - Unter den Kinobesitzern ging die Angst um.

Der SABA Telerama von 1958

Die Umsätze brachen ab 1956 brachial ein, das war schon dramatisch. Alle redeten ab 1958 vom Fernsehen. Wie kann man dem Fernsehen Paroli bieten und die Besucher halten? Man könnte dieses "Fernsehen" ja auch im Kino anbieten. Da gab es die großen Eidophor Projektoren, doch die war sehr sehr teuer (weit über 100.000.- DM) und absolut unhandlich und sensibel. Außerdem brauchte der Eidophor Projektor zwei ganz anders geschulte "Vorführer", nämlich "Fernseh-Menschen", keine "Kino-Menschen".

Dann gab es noch den (seit 1957) ganz neuen "Saba Telerama" Fernseh- Projektor
. Der war zwar (mit etwa 2.990.- DM) deutlich preiswerter, aber dafür recht lichtschwach und mit einem 3-Meter Bild auf der 9-Meter Riesenleinwand machte das überhaupt nichts mehr her.
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Die amerikanische Film- und Monopol Industrie hatte zwar bereits 1954 die ersten super tollen Farbfilme im neuen Cinemascope Breitbildformat mit 4-Kanal Magnetton auf den Markt und in die Kinos gebracht und heftigst beworben. Doch auch deren Zugkraft ließ so langsam wieder nach.

Mit Ambiente gelang nocheinmal ein Aufschub

Ganz vorne Holzstühle, dann Plastik, hinten Polster

Was die heutigen Fernsehkonsumenten fast nicht mehr wahr- nehmen, der Besuch eines großen Kinos war damals ein gesellschaftliches Ereignis. Davon sprach man mehrere Wochen im Voraus und auch danach. Sie haben es sicher schon mal erlebt, wie lange es dauert, bis ein Boeing 747 JumboJet mit seinen 350 Sitzplätzen alle Passagiere "eingeladen" hat.

Das Füllen eines Filmpalastes mit 2000 Plätzen war damals ein fast einstündiges Ereignis wie in den 90ern bei den diversen Filmfestspielen, sehen und gesehen werden. Ich erinnere mich, daß manche Nachbarn tagelang vorher bereits erzählt hatten, wann sie in Wiesbaden oder sogar in Mainz welchen Film besuchen (wollten oder würden). Manchmal wundere ich mich heute, daß damals nicht auch noch Bahnsteigkarten fürs Kino ausgegeben wurden, um die Besucherschar im Ansturm zu besichtigen, wie zum Beispiel beim Filmfestival in Cannes.

Doch das mit dem Ambiente reichte nicht mehr aus. Selbst auf diesen inzwischen "gepolsterten" Stühlen wollte bald niemand mehr Platz nehmen.
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1959 - Die Kino-Technik wurde weiter "verfeinert" - sprich "automatisiert" oder ausgedünnt.

1952 - UFA Abteilungsleiter Kurt Forst (links) und Dr. Mangold von "Rohde & Schwarz" auf einem UFA Messe- stand neben zwei ganz neuen hochmodernen Ernemann X und einem R&S Uniphon Kino-Verstärker

Mein Vater richtete nur noch selten oder eigentlich gar keine neuen Kinos mehr ein.

Diese Zeit des Aufbruchs war einfach rum. Es wurde verbessert und verfeinert und natürlich "optimiert".

Die Kinobesitzer mußten !! die neuen Xenon-Lampen anschaffen, widerwillig, weil teuer. Aber die verbliebenen zahlenden Besucher, also die verwöhnten und anspruchsvollen Besucher (= Kunden), tolerierten die sehr unterschiedlich hellen Bildqualitäten der beiden Projektoren (mit den alten Kohle-Bogenlampen) je nach Lust und Laune des Vorführers nicht mehr.

Auch das mit dem Cinemascope Film war jetzt sogar für die kleinsten Land- oder Vorort- Kinos Pflicht. Der Ton wurde verbessert. Was vorher oft quäkte, klang jetzt ein wenig besser.

4-Kanal Magnetton war für die größeren Kinos sowieso Pflicht. Für die kleineren Vorstadtkinos gab es dann zwar das Cinemascope Bild, aber mit Lichtton, was für ein Schmarren.
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1960 - Bei der UFA ging es rund - vor und hinter den Kulissen - es fehlten 1960 schon etwa 25 Millionen DM oder mehr ...

Angeblich hatte er die UFA ruiniert

Und das war damals wirklich noch viel Geld. Diese Artikel sind im Bereich der UFA Historie zu finden. Diese Seiten kommen noch (bzw. sind inzwischen schon da).
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Inzwischen habe ich die relevanten Unterlagen bezüglich der UFA nachgelesen. (Das steht auf eigenen Seiten.)
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Die "Lex-UFA" - es war nämlich anders

Die Aliierten hatten Ende 1945 beschlossen, das von der Goebbels Propaganda Administration total requirierte und beherrschte Propaganda-Instrument UFA Film komplett zu "entsorgen" bzw. völlig zu zerschlagen.

Es erwies sich dann aber als doch nicht so besonders sinnvoll oder sogar als total unzweckmäßig
, weil damit alle Strukturen, die zur "Um-Erziehung des deutschen Volkes" als notwendig erachtet wurden, weg gewesen wären.

So wurde die UFA stückweise entsorgt bzw. in neue Hände übergeben. Der Bertelsmann Konzern hatte dann einige Jahre die Hand drauf. Die gesamten alten UFA Filme, die "Guten" und die "Bösen" sowie zugehörigen Filmrechte hat die Murnau Stiftung in Wiesbaden erhalten, damit mit diesen Medien in Zukunft vernünftig umgegangen werde.
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1961 - Die UFA Handel GmbH macht den "Laden" dicht.

Das Kündigungsschreiben Sept. 1961

Was mir damals überhaupt nicht verständlich war, ich war ja erst 12 bzw. 13 Jahre alt, war die von den Alliierten beschlossene Auflösung der (Vorkriegs-) UFA und auch der nach 1945 aufgespaltenen Teilfirmen - wie der "UFA Kino Betriebs GmbH" und der "UFA Handel GmbH", deren Auflösung der Bertelsmann Konzern als Rechtsnachfolger so lange wie möglich hinausgezögert hatte.

Im Herbst 1961 war es dann soweit. Der UFA-Konzern hatte über die mißglückte Filmproduktion viele Millionen Schulden (oder Miese) angehäuft. Mein Vater wurde entlassen, angeblich, weil die Firma aufgelöst wurde, und das, obwohl noch einige Aufträge in der jungen Fernsehbranche ausstanden.

Heute weiß ich, daß das für die Amerikaner gefährliche UFA Geflecht (also die für die amerikanische Filmindustrie gefährliche Konkurrenz) beendet werden musste und eigentlich schon viel viel früher. Und mit 25 Millionen Verlust hatte auch die Deutsche Bank ein Wörtchen mitzureden.

Aber es gab da noch eine Menge anderer hahnebüchne "Events"
und wilde "Storys", die die gesamte UFA mit alle Tochterfirmen dem Konkurs nahe brachten.

Das kommt auf den UFA Seiten. Es ist einfach wissenswert, daß da im Nachkriegsdeutschland einiges gründlich schief lief, natürlich von Menschen gemacht.
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1963 - Abgewickelt wurde die UFA Handelsgesellschaft von der Universum Film AG in Düsseldorf


Anfang 1963 - Die restlichen Abwicklungsverträge, Pensionszusagen und Provisionszahlungen erhielten die Mitarbeiter jetzt von der Holding bzw. der Mutterfirma, der Universum Film AG.

Die UFA Handel wurde dem Namen nach nur noch als Abteilung in Abwicklung ausgewiesen.
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1962 - Mein Vater wechselte mit 43 nach Wiesbaden zur
"Technofilm Kurt Forst KG."

und damit in die 16mm Schmalfilmbranche . . . - . . . doch glücklich wurde er dort überhaupt nicht.

Denn der alte väterliche Freund Kurt Forst, inwischen 58 Jahre alt (also 15 Jahre älter als mein Vater), hatte sich sehr verändert. Er war nicht mehr "der Alte" von der UFA, der sich um seine Mitarbeiter kümmerte wie ein Vater. Er war jetzt selbst Chef und es war seiner Meinung nach sein Geld, das er den Mitarbeitern (es gab ja nur noch einen) zahlen mußte oder sollte.

Eine Ähnlichkeit zum Grundig Chef Max Grundig ist hier angezeigt. Auch der sprach immer nur noch von seinem Geld, das die Mitarbeiter bei Grundig verdienten.

Kurt Forst war Anfang der 50er Jahre von der "UFA Handel Frankfurt" zu der Firma seines ehemaligen Chefs, der "Zeiss Ikon Vertretung Erich Schulz" gewechselt und hatte dann nach wenigen Jahren und einigen "Meinungsverschiedenheiten" seine eigene Firma, die "Technofilm Wiesbaden" eröffnet.
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August 1963 - Meines Vaters größter Fehler :

Die anfänglichen Versprechungen des 1962 in die Enge getriebenen Kurt Forst (sein letzter Mitarbeiter hatte gerade zum Dez. 1961 gekündigt) waren scheinbar glaubwürdig und in Ordnung.

Alle Vereinbarungen bis zur Firmenübernahme durch Gerhard Redlich wurden schriftlich niedergelegt und von allen drei Beteiligten unterschrieben. Doch Kurt Forst (und Tochter Irene) hielten sich später an nichts und brachen alle Verträge. Bereits nach eineinhalb Jahren war mein Vater so unzufrieden und verärgert und auch gekränkt, daß er sich nach "draußen" umsah.

Und so bekam mein Vater als ausgewiesener Kinofilm-Spezialist im August 1963 vom ZDF ein grundseriöses Angebot
, nachdem das Betriebsklima bei der Technofilm stetig am Absinken war.

Und er nahm es nicht an !!! und ließ sich von Kurt Forst wieder oder nocheinmal bequatschen, dort weiter zu machen. Alles würde sich ändern und er - Kurt Forst - würde jetzt zu seinen Zusagen stehen.

Meine Mutter schreibt im Frühjahr 1964 in einem Brief an die Schwiegereltern, daß es deshalb ernsthafte Eheprobleme gegeben habe, dieses ZDF Angebot nicht anzunehmen.
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1964 - Auszüge aus einem Brief an die Schwiegereltern

Dieser Brief gibt fast alles das wieder, das unsere Mutter mitbekommen hatte, nachdem mein Vater mit einem gefährlichen Magengeschwür kurz vor dem "Abnibbeln" im Krankenhaus lag und dann 50% seines zerstörten Magens entfernt werden mußten. Es wäre wirklich beinahe die Endstation geworden.

  • Wiesbaden, den 12.2.1964 / fertig geschrieben am 13.3.1964
    Liebe Mami und lieber Papi!
    Vielen Dank für Eure Post und Euer Paket. Daß unser Paket angekommen ist, begrüße ich sehr . . . . . . .  usw.
    Nun etwas ganz Neues. Herr Forst ist seit dem 7.3.1964 abends im Krankenhaus und wie ich heute durch Mutti hörte, ist Gerd zum Mittagessen früher nach Hause gekommen, weil er wieder im Geschäft sein mußte, da Irene und Fr. Forst ins Krankenhaus wollten, da Forst operiert wäre.

    Was weiteres weiß ich noch nicht.
    Gerd erzählte nur vorher, daß er (Forst) evtl. auch noch etwas am Darm hätte. Sie mußten die Operation früher durchfuhren, da es höchste Zeit war !! Nun wird er wohl auch mehrere Wochen im Krankenhaus bleiben müssen.

    Ich hätte Euch die ganze Angelegenheit schon viel früher geschrieben, aber ich wollte nichts gegen Gerds andere Meinung tun. In den ersten Monaten seiner Arbeit bei ... (= Kurt Forst) habe ich mir schon ein gutes und genaues Bild machen können und dann habe ich mich im Mai bzw. im April 1962 entschlossen, arbeiten zu gehen, weil mir damals (Anmerkung: im Statistischen Landesamt) gleich auf Anhieb 726.- DM geboten wurden.

    Gerd bekam damals so viel, daß wir uns gerade über Wasser halten konnten! Er bekam weder die zugesagte Provision noch Kilometergeld für sein Auto, weil er weder sein Auto einsetzen konnte, noch Kundenbesuche stattfanden. Nach 1 1/4 Jahren hatte er sich dann beim Fernsehen (ZDF) beworben und ihm wurde auch eine ganz annehmbare Stellung angeboten.

    Ich war im August, als die Stellung dann angetreten werden sollte
    , sehr sehr wütend und empört, daß Gerd die Stelle nicht angenommen hatte, zumal ich mich bei Bekannten für Gerd eingesetzt hatte und er mit Fürsprechung dort empfohlen wurde. Ich hielt nämlich nichts mehr von .... (= Kurt Forst) zumal er seinen ersten Teilhaber auch hinausgeworden hatte, seinen zweiten auch und sich ebenfalls mit seiner "Freundin" ewig krachte (Anmerkung : Die Ehe war seit langem kaputt.), die im Mai vorigen Jahres endlich ging, nachdem sie ihr Darlehen bei .... (= Kurt Forst) ablösen konnte.

    Jetzt sind sie dort nur noch zu dritt, ab und zu kommt eine Buchhalterin. Ich hätte wahrhaft Grund genug gehabt, Euch diesen Kleinkram zu schreiben, zumal ich davon überzeugt bin, daß Ihr keinem auch nur ein Sterbenswörtchen erzählt hättet.

    Darum war ich umso mehr empörter, daß er (Kurt Forst) uns in die Schuhe schieben wollte, wir hätten Schlechtes über ihn geschrieben. Ich hätte bestimmt Euch etwas geschrieben, aber nicht über das Kranksein, sondern so, wie es wirklich war. Als Argument hatte ich Gerd gesagt, wenn er sich mit 3 (Partnern) überworfen hat, seine vorhergehenden Angestellten nicht mehr zu ihm zurück wollen, wie kannst Du (Gerd) annehmen, daß er es mit Dir besser macht.

    Fast 2 Jahre hatte Gerd keinen Vertrag. Er hatte ihm versprochen, das Auto auszulösen, weil Gerd nur unter der Bedingung anfangen wollte, (am 1.1.1962), wenn das Auto ausgelöst wird. Bei der Nachfolgefirma der Ufa hatte Gerd genug Zukunft, in wenigstens 2 Jahren das Auto bezahlt zu haben, weil er es als Vertreter einsetzen konnte.

    Nun hatte er Gerd von der Firma Schulz (das war die Zeiss Ikon Vertretung) weggelotst, 1 3/4 Jahre verstreichen lassen, ohne Vertrag, vollkommen in der Luft hängend und mit ihm dann auch nur deshalb endlich einen Vertrag gemacht, weil Gerd sagte, er ginge zum Fernsehen.

    Jetzt wurde Gerd im Oktober 1963 plötzlich krank, bekam einfach von heute morgen . . . . Magenprobleme, der Arzt hatte ihm 4 Wochen Bettruhe verordnet. Er hatte ein Geschwür am Darm. Der Arzt meinte, das käme auch gleichzeitig mit vom Ärger. Wenn Gerd sich hätte nicht so viel ärgern müssen, dann wäre es vielleicht nie so schlimm geworden . . . .

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1963 auf dem RCA Messe-Stand
1968 als ausgenutzter Lagerarbeiter

Resume in 1968 :
Hinters Licht geführt oder gar betrogen ?

(von Sohn Gert Redlich im August 2013) Seit ein paar Wochen habe ich die Unterlagen (4 Leitz-Ordner) von vor 50 Jahren gefunden und durchgesehen. Es stimmte also:

Die Voraussetzungen für die Einstellung als Aussendienst- Techniker und Aussendienst- Verkäufer wurden im Januar 1962 mit dem Techno-Film Chef Kurt Forst genau und detailliert besprochen - samt der späteren Übernahme der gesamten Firma Technolfilm KG durch Gerhard Redlich. Es ist alles schriftlich vorhanden. Die geschlossenen Verträge sind auch nach heutigen Maßstäben gerichtsfest und eindeutig.

Darum lohnt es schon, sich die Gegebenheiten der 1960er Jahre nochmal vor Augen zu führen.

Vorweg genommen, es endete im Dezember 1968 im großen Knartsch.
Das langweilige Verpacken von haufenweise primitiven Projektionslampen und das ebenso langweilige Herumbasteln an alten 16mm Schulprojektoren war ja für meinen Vater nur noch eine zeitverschwendende Spielerei (mit Verblödungs-Effekt) im Vergleich zum 35mm Film oder gar dem 70mm Film und den beeindruckenden Projektionsmöglichkeiten in großen Kinos.
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Der erste Technofilm-Vertrag
Die Firma bestand nur noch aus 3 Personen

Kurt Forst (inzwischen 60) respektive seine Tocher Irene (inzwischen 30) (die Firma bestand (mit meinem Vater) nur noch aus diesen drei Personen) hielten sich bereits nach kurzer Zeit nicht mehr an das, das einmal schriftlich vertraglich vereinbart war. Mag sein, daß die schwere Darmerkrankung (vermutlich Darmkrebs) des Kurt Forst im Frühjahr 1964 zu dem Umdenken geführt hatte, daß doch lieber seine Tochter Irene "sein" Unternehmen erben sollte und nicht, wie vereinbart, sein "Freund" Gerhard Redlich.

Auch mit dem Ausschwärmen zum Verkaufen
von Technik klappte es von Anfang an nicht. Der Chef Kurt Forst, der ihn noch 1948 nach Wiesbaden geholt hatte, war inzwischen ein ganz anderer Mensch geworden und war einfach völlig anderer Meinung.
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Wie sich ein Freund verändern kann . . .

Aus heutiger Sicht war Kurt Forst mit seinen 60 Jahren bereits zu alt, um mit der sich wandelnden Technik schritthalten zu können. Es war 1965 bereits abzusehen, daß die 16mm Schmalfilmtechnik - in den Schulen wie auch in der Industrie - durch ein neues Medium, das Video-Magnetband abgelöst werden würde.

Die Neubeschaffung von Schmalfimgeräten war bei der Technofilm (wie auch bei allen Wettbewerbern) extrem rückläufig. Viele Firmen lebten nur noch vom Verkauf der knapp kalkulierten Projektionslampen und schafften aber den Absprung nicht.
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  • Anmerkung: Hier ist ein späteres vergleichbares Geschehniss aus der Schmalfilmbranche ebenso lehrreich wie nachdenklich stimmend. Die Firma Paillard Bolex (CH) verkaufte die Plattenspieler-Tochter Thorens (ebenfalls CH) nach Deutschland, weil angeblich das 8mm Schmalfilmgeschäft viel ertragreicher sei. Wenige Jahre später war Paillard Bolex pleite. Die 8mm Film-Technik war durch die Videorecorder blitzartig unverkäuflich geworden.

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Fast das gesamte letzte Jahr 1968 verbrachte mein Vater im Lager der Techno-Film - mangles eines Lageristen - und verpackte Projektionslampen. Nach einem Magengeschwühr und 7 Jahren ansteigendem Frust verließ Gerhard Redlich (1968) sehr enttäuscht die Firma des "Freundes" und damit diese "Film"- Branche komplett und wechselte zum R+V Versicherungs- konzern in Wiesbaden.

Alleine schon das Kündigungschreiben der Technofilm KG vom Dezember 1968 - jetzt von Irene Forst/Gieße unterschrieben - war eine Frechheit an sich (das liegt hier auch im Original vor).
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Wenn der Chef krank wird . . . .

Aus den Unterlagen könnte ich entnehmen, daß die Erträge der Technofilm in 1968 bis herunter zur Kostendeckung abgesackt waren, weil Kurt Forst krankheitsbedingt nicht mehr agieren konnte.

Neue Produkte waren dadurch nicht mehr in Sicht und der Vertrieb von Projektions- und Scheinwerferlampen in einem gnadenlosen Wettbewerb, in dem es um Pfennige ging, war linear rückläufig und damit aussichtslos.

Als Beispiel sei hier eine damals ganz bekannte 500 Watt Projektionslampe für den sehr verbreiteten Siemens 2000 16mm Projektor benannt, die fast überall für 8,95.- DM angeboten wurde. Die gab es in Frankfurt bereits für 8 Mark 39 und die sollte dann bei der Technofilm nur 8 Mark 32 kosten. Dafür wurden sogar Prospekte gedruckt, die hier vorliegen.

In der neu aufkommenden Videotechnik wäre durchaus Potential gewesen, die Firma zu stabilisieren - wie das Beispiel "TSI Frankfurt" später gezeigt hatte.
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Darum noch ein Blick auf das Jahr 1968

Noch firmierte TSI so
doch bald kam SONY ins Spiel

Nachdem das Klima bei der Technofilm immer unerträglicher wurde, schaute mein Vater öfter bei befreundeten Unternehmen rein. Da gab es in Frankfurt die Firma TSI Deutschland - W. Kruschel, die ihm einen Folgejob angeboten hatten.

Und bei einem unserer Besuche dort, ich durfte Samstags mit, sah ich eine ganz frühe moderne SONY Videoanlage mit Kamera und Magnetbandrecorder.

Aus der TSI Deutschland W. Kruschel wurde ein Jahr später die SONY Werksvertretung für professionelles Fernsehen in Frankfurt.

Das wäre also die längerfristige Persepktive für meinen Vater gewesen, - doch auch er erkannte (leider) das enorme Potential dieser Neuheit nicht. Er wollte nur noch raus aus dieser verflixten Pfrimel- und Bastel- Technik bei der "Technofilm".
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Wo gab es die richtige Perspektive ?

Seine wirkliche Fähigkeit lag im seriösen und kompetenten Verhandeln und Verkaufen - letztendlich sogar von Lebensversicherungen (damals war das noch als seriös zu bezeichnen) - und das mit Erfolg.

Die Ehrungen, Urkunden und Erfolgs-Statuen der R+V haben zwar jetzt keinen Wert mehr, doch sie häuften sich (und stehen alle im Keller).


...... und ich habe immer noch 2 Stunden Tonaufnahmen zu verarbeiten.
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