Dezember 2008 - Der Vater des Autors gr beschreibt den Weg vom Film zum Fernsehen.
Diese Geschichte ist darum so authentisch, weil sie in Verbindung mit den Zeiss Ikon Firmen Heften "Bild und Ton" eine ganze Epoche der Mediengeschichte nach dem II. Weltkrieg abbildet.
Ich (als Autor dieser Seite) habe die Teilgeschichten meines Vaters (inzwischen 90 Jahre alt = Baujahr Mai 1919) so gut es ging wieder in einen chronologischen Zusammenhang gebracht, weil alles nach so langer Zeit aus dem Gedächtnis herausgesprudelt kam, da wollte ich ihn nicht unterbrechen.
Das dunkle Loch nach dem April 1945
Gerhard Redlich war ganz ganz oben in Finnland, als dem (eigentlich seit einigen Wochen) schon besiegten Deutschland endgültig die Puste ausging. Nach seinen Erzählungen mussten sie erst noch bis August 1945 dort oben bei 40 Grad tagsüber ausharren und wurden dann mit minimalem Sack und Pack unter englischer Bewachung per Bahn und Schiff über Norwegen nach Kiel verschifft.
In Kiel angekommen wurden sie, also die unverwundeten Soldaten, mit Passierscheinen in die von ihnen angegebenen Städte entlassen. Als mein Vater dann in seiner Heimatstadt Hamburg seine total platt gebomte Strasse samt elterlichem Wohnhaus (und damit auch seine Eltern) nicht mehr fand und der Hunger aus allen Kellern blinzelte, machte er sich auf zu seiner Frau Valeria nach Berlin-Karow (später Ost-Berlin).
Auch hier gab es nur sehr betrübliche (russische) Erlebnisse der jungen Frauen auszuweinen. Also ging es tagsdarauf sofort gemeinsam weiter in den Geburtsort seiner Mutter nach Ellrich im Harz. Auch das war insgesamt eine fast zweitägige "Weltreise".
Rechts ein Bild vom Fronturlaub 1943 aus Ellrich/Harz - mein Vater stehend in der Mitte, unsere Mutter Valeria sitzend Mitte mit Schwiegereltern und Tanten kurz nach der Kriegshochzeit. Man sieht es deutlich, das gequälte Lachen auf manchen Gesichtern.
Ich hatte beim Zuhören und habe immer noch (als Jahrgang 1949) so meine Probleme, diese Endzeit- Stimmung auch nur im Entferntesten zu erahnen oder nachzufühlen. Denn vermutlich bereits 1943 wußten oder fühlten so gut wie alle Deutschen, daß es kein gutes Ende nehmen würde, vor allem nach der verheerenden Niederlage in Stalingrad im Frühjahr 1943. Dort hatte Deutschland eine Armee mit ca. 320.000 (dreihundertundzwanzigtausend) Mann verloren. (Und davon kamen etwa 1950 - Adenauers Erfolg - nur noch ca. 6.000 lebend wieder zurück nach Hause.)
1938 - Die Ausbildung und der Anfang vor dem Krieg
Mein Vater hatte in Hamburg eine Elektriker Lehre abgeschlossen und war danach bei der AEG zu einer Werft abkommandiert worden, um ein KDF Schiff und/oder ein voll elektrisch betriebenes Schiff in Betrieb zu nehmen. Das klappte auch und brachte einen großen (finanziellen) Aufstieg mit sich.
Mein Vater bekam anstelle der 60 Pfennige pro Stunde nun 1 Reichsmark, und das war damals viel Geld. Dann kam 1938 über alte Verbindungen (über den Großvater) ein Angebot der UFA aus Berlin, er solle doch Kinos bauen, da würden neue Spezialisten dringend gebraucht.
Der Einstieg in die Kinotechnik von 1938 war nur kurz, alle jungen Männer mußten "freiwillig" zum Arbeitsdienst für nur 20 Pfennige (pro Tag !!!! und nicht pro Stunde) Und der Arbeitsdienst war noch gar nicht richtig rum, da gab's auch schon die Einberufung zur Wehrmacht. Befähigte Radio- und Funktechniker kamen in die entferntesten Ecken, denn dort musste man über Funk mit dem Hauptquartier kommunizieren, also morsen !! Vater musste und wollte morsen lernen, denn nur die Besten kamen eben nicht nach Russland, so schnell hatte sich das rumgesprochen.
Nach langer Zeit wieder einen Beruf ausüben . . . .
Eigentlich war es in Finnland schön, die Bewohner waren den Deutschen gewogen, die Mädels waren hübsch und die Temperatur sehr "abwechslungsreich", wenn man die Spanne von plus 40 Grad zu minus 20 Grad gut findet. Das mit den Milliarden von Mücken war jedenfalls schlimmer als ein drohender Angriff der Russen. Dennoch, es war langweilig, das ewige Lampen aufhängen und funken (und morsen), den ganzen lieben Tag lang. Man konnte nachts heimlich unerlaubt BBC hören und bekam mit, wie die Front immer näher an Berlin ran kam, nur, tun konnten sie da oben nichts als warten.
So sehnte er sich wieder nach Hause, Kinos bauen, das war sein Traum. Sie hatten fast keine Ahnung, was sich da im Bombenhagel in der Heimat wirklich abspielte.
Herbst 1945 - Tiefe Frustration und Sondieren des Machbaren
Fast alle, die 1945/46 Hamburg und Berlin durchlaufen hatten (also mit eigenen Augen gesehen hatten), hatte das schiere Entsetzen gepackt. Kilometer um Kilometer war alles, aber auch alles kaputt, platt. - Ganze Arbeit.
Auch in der fast schon friedlichen Provinz im kleinen Ellrich am Südharz wirkte das nach und erst der Hunger trieb zur Besinnung. Er brauchte eine Arbeit, schnell, denn seine Frau, unsere Mutter, war auch hungrig. Sein alter Chef Kurt Forst von der UFA war inzwischen auch in Ellrich eingelandet und hatte in einem kleinen Kaff in der Nähe (aber im russischen Sektor) aus alten Vorkriegs-Brocken ein Mini-Kino zusammen gestückelt.
Und dafür brauchte er einen Film-Vorführer. Damals 1946/47 mußte man imer noch wie vor und im Krieg einen Vorführschein haben, selbst direkt nach dem Zusammenbruch der gesamten Staatsautorität. Der Nitrofilm war zu gefährlich. Mit "einflußreicher" Hilfe (heute im Dez 2008 zahlt Siemens für solche "Hilfe" eine Milliarde Euro) dauerte der Schein nur mal einen Vormittag (anstelle von vier Tagen oder ganzen Wochen) und Vater hatte (wieder) einen "Job", obwohl man das damals noch nicht so nannte.
Und wieder hat er ein bißchen Glück gehabt.
Unsere Mutter jedoch weniger, sie muss Nächte lang geweint haben, einmal wegen der mehrfachen Erlebnisse mit den Russen in Berlin und dann aber doch vor Freude, daß unser Vater als einer der ganz wenigen jungen Männer mit 2 gesunden Armen und zwei Beinen aus dem Krieg nach Hause zurück kam. Das war zigfaches Glück für einen Mann im besten Alter.
Das kleine Kino lief erstaunlich gut, die Menschen hatten eine wenn auch bescheidene Möglichkeit, im seligen Glück der Anderen zu schwelgen und zu träumen, jedenfalls diese eineinhalb "kurzen" Stunden lang und der Kinobesitzer Kurt Forst bekam einen lukrativen Ruf aus Frankfurt, wieder zur UFA zu kommen und dort Kinos zu bauen.
Das kleine Kino jedoch war innerhalb von 3 Tagen von der SBZ- (= Ostzonen-) Administration verstaatlicht und Vater flog auch sofort raus, er war nämlich nicht in der Partei. Dieses Ellrich liegt übrigens direkt an der Zonengrenze auf der Ostseite in der sogenannten 5km Sperrzone (die es ja eigentlich nie gab), so schnell ging das auf dieser Seite Deutschlands.
Und Herr Forst holte meinen Vater auch wieder sofort zu sich und übertrug ihm den Bereich Karlruhe. Dort bei den Amerikanern und Engländern ging es am schnellsten aufwärts. Mein älterer Bruder war (im Dez. 1947) bereits geboren und ich war irgendwie schon in der Produktion, meine Mutter musste daher bei "Schwiegermuttern" in Ellrich im Ossiland bleiben.
1949 - eine sehr lange Zeit ist es jetzt her
Der Autor gr (Sohn Gert), also ich, hat im Juni 1949 das Licht der Welt erblickt und habe aus diesem Grund die Erste FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung - Nummer 1 ) vom 1. Nov. 1949 "ausgegraben" und einige Artiekl eingescannt, um einen unverfälschten Eindruck dieser Zeit zu dokumentieren.
Es wird noch mehr zum damals aktuellen Umfeld in Westdeutschland geben aus dem Jahr 1949 und aus dieser FAZ Ausgabe. Klicken Sie mal rauf.
1948/49 - Und jetzt ging es sichtbar aufwärts.
In Karlsruhe angekommen, komplettierte das UFA Team eines der ersten großen Lichtspieltheater mit über 1200 Plätzen. Das war auch damals schon recht groß. Nur in den ganz großen Städten wie Berlin und München gab es vor dem Krieg Kino-Paläste mit 2400 Sitzplätzen. Und wie zu erwarten war, waren die nach dem Krieg alle platt, eben platt gebomt. Wie war das mit dem "Wind sähen und Sturm ernten" ? Hat doch tadellos geklappt.
Im Gegensatz "zum Osten" sah man hier "im Westen" wirklich, es tat sich etwas. Die Währungsreform hatte wahre Wunder gewirkt, selbst bei diesem eingebrannten tiefen Frust in den Gesichtern der Überlebenden und in deren Gehirnen.
Die Kinos in der Gegend waren fast jeden Abend voll. Gezeigt wurden die "ausgeleiertsten" und blödesten Schnulzen (ist unsere heutige Meinung) und die bezüglich der Perspektiven ausgehungerten Menschen kamen in Scharen. Die vorderen billigen drei Reihen kosteten 40 Pfennige (für Kinder nur 20 Pfennige) und hatten nur Holzsitze. Man sollte sich ein Kissen mitbringen, das war also angebracht.
Die mittleren Reihen waren schon etwas bequemer, also leicht und dünn gepolstert und die Reihen waren auch etwas weiter auseinander aufgestellt und kosteten von 60 Pfennigen bis zu einer D-Mark. Die wirklich edlen Reihen waren im Kino schon immer ganz hinten und hatten dicke Polster für damals richtig teure 1,20 Mark (DM).
1949 - in der Gegend um Karlsruhe sprossen die Kinos
Ja, sie sprossen geradezu aus der Erde, die neuen großen Film- theater oder Lichtspielhäuser, teilweise gigantische Kino-Paläste. Wie die alten Bilder meines Vaters belegen, waren die alle erstaunlich groß, fast so wie mehrere hier in Wiesbaden. Es war der Beginn eines grenzenlos scheinenden Booms.
Jetzt war vor allen hochwertige Projektions- und Ton-Technik für große Kinos gefragt. Verfügbare neue Kinomaschinen baute zu der Zeit nur noch das alte Zeiss Ikon Ernemann Team in der Nähe von Dresden. Und die Ossis brauchten auch damals 1948 schon harte Devisen um jeden Preis. Damit waren Sie nicht so abhängig von den Russen und der SBZ Regierung. Im Ossiland gab es nämlich wieder die alten legendären Ernemann 7b Projektoren, zwar technisch in die Jahre gekommen, aber ein Vorkriegs Welterfolg. Die Dresdner brauchten eigentlich nur nach den alten Plänen vom alten Ernemann zu produzieren.
Auch die Aldler Lichtspiele in Wiesbaden Biebrich in einer erhalten gebliebenen Turnhalle wurden in dem als erstes von der "UFA Handel" nach dem Krieg in Wiesbaden eingerichtetem Kino zwei funkel nagel neue Ernemann 7B aus Dresden eingebaut. Das war damals eine große Investition für den Besitzer Max Adler im Jan. 1949.
1949 - Kinomaschinen aus Dresden
Der ehemalige (Vorkriegs-) Chef, Alexander Ernemann, hatte sich auch bereits im Westen niedergelassen, es war viel zu offensichtlich, was sich da drüben in der SBZ (hieß bei uns nur Ostzone) bei den Russen tat. Zumal konnte er nicht verhindern, daß dort "seine" Maschine gebaut wurde. Also musste ein neue und natürlich moderne viel bessere Konstruktion her.
Aber die Neukonstruktion und Nachfolgemaschine für das Modell Ernemann 7b hier im Wessiland (die spätere Ernemann X) hatte immer noch Macken und wurde (bis ca. Ende 1951) nicht fertig. Es sollte ja auch eine wirkliche Supermaschine werden, munkelte die Buschtrommel. Mehr steht auf den Zeiss Ikon Seiten.
Aber auch die Schalttafeln der Beleuchtung und der Notlichtanlage kamen noch von "drüben". Sie wurden über Schleichwege des Nachts Stück für Stück durch den alten Bahn-Tunnel bei Ellrich in den Westen "verladen". Und sie wurden bezahlt, mit hartem Westgeld, ganz offiziell und direkt an die Zeiss Ikon Dresden.
Es war schon merkwürdig, wir Wessis wollten etwas im Osten kaufen, bezahlen durfte die UFA-Handel auch noch, aber liefern durften die Dresdner nicht, jedenfalls nicht über die Grenzübergänge. Also wurde Nachts geliefert. So war das damals.
1950 - Sesshaft in Wiesbaden
Die UFA vergrößerte das Büro in Frankfurt und bekam 1950 außerdem eine Neubau- Wohnung in Wiesbaden "zugeteilt" und mit etwas Glück bekamen Gerhard Redlich mit Frau und inzwischen zwei Söhnen diese Wohnung, ich war gerade mal etwas über 6 Monate alt.
Wenn ich mir heute anhöre, wie viele "Unternehmer" damals auf den Kino- Boom aufsprangen, es war damals bestimmt so ähnlich wie die Internet Hype 2000/2001. Unser Vater hatte Arbeit ohne Ende, die Kinos hatte er technisch im Griff und es ging aufwärts, immer nur aufwärts.
Im Rückblick, so erzählte es mein Vater, gab es ja fast nichts zur Unterhaltung oder auch Ablenkung aus dem Alltagstrott, insbesondere für Hausfrauen mit Kindern. Sicher, unser Vater hatte einen alten Volksempfänger gangbar gemacht, etwas später hatten wir sogar einen Vorkriegs-Blaupunkt, das war damals noch etwas. Doch Musikhören über Mittelwelle war auch damit ein Graus. UKW kam erst Jahre später so richtig raus (ab 1955).
Wer einmal in einem noch so kleinen Kino war und einen farbigen Tonfilm inhaliert hatte, der wußte, was er für sein Glück brauchte: Kino, Kino und nochmals Kino.
1952 - die Mosel rauf, die Nahe runter
Können Sie sich vorstellen, wie viele kleine Käffer es damals an Mittelrhein, Nahe und Mosel gegeben hatte ? Und dort sollten in ganz kurzer Zeit immens viele Kinos gebaut werden. Jeder Unternehmer versprach sich einen Wettbewerbsvorteil, wenn "er" 4 Wochen früher "online" war als der "Andere" im Nachbardorf neben dran mit einem genauso kleinen Saal oder Zelt oder einem Wirtshaus-Nebenraum.
Jetzt hatte unser Vater Stress und kam Wochen lang nicht nach Hause. Es gab Spesen und Auslösung und "Bakschisch" und das alles wurde gespart. Als ich 6 Jahre alt war, durfte ich erstmals mit in einen Vorführraum kommen. Es war in Östrich im Rheingau und es war eine Ehre.
Ich hatte Wochen vorher vorher schon mal in den (für mich) tollen Zeiss Ikon Prospekten blättern "dürfen" und Vater hatte mir erklärt, was man für ein Kino so alles braucht. Auf meine unschuldige Frage, ob denn diese alten vergammelten schwarzen Kästen wirklich die Kinomaschinen seien, bekam ich eine Ohrfeige und war draußen. Der stolze Kinobesitzer hatte mitgehört.
Sie hören daraus, es wurde damals alles an altem gerade noch laufenden Kino-Material verkauft und verbaut, damit ja der Film lief. Der Gast wollte es sowieso nur Flimmern sehen und hören. Einen Vergleich mit anderen Kinos hatten die Wenigsten.
1954 - Die Kinos wurden noch größer.
Mit dem neuen Erneman X Projektor konnte die Projektions-Technik richtig große Bildwände in 70m bis 100m Abstand vernünftig ausleuchten und die Kinobesitzer, inzwischen meist große Unternehmen, bauten ganze Paläste mit 2400 bis sogar 3000 Sitzplätzen. In den Zeiss Ikon Heftchen steht mehr darüber. Auch Autokinos und ganz spezielle Vorführkinos wurden konzipiert und gebaut. Der Boom schien grenzenlos zu sein. - Bis das Fernsehen kam ?
Und jetzt könnte man das Attribut "aktuell" steigern. (Das ist natürlich dumm, aber wir lernen ja dazu.) Also, war die Wochenschau angeblich "brand aktuell", das Fernsehen aber war noch "aktueller". (Klingt doch gut oder ?)
Im Fernsehen gab es die Tagesnachrichten jeden Tag um 8.oo abends (Das ZDF gab es vor 1961 noch nicht) und die ersten Fernseher (das waren vielleicht Gurken) waren nach dem Einstieg Max Grundigs in diesen Markt ab 1952 zwar so langsam aber sicher erschwinglich geworden. Doch kaufen konnte die der Normalbürger erst einige Zeit nach 1960.
Ich habe von meinem Vater diese Zeiss Ikon Heftchen geerbt und werde sie alle hier ins Web stellen, denn sie zeigen den Gang der Entwicklung und die vermeintliche Bedrohung des Kinos durch das Fernsehen recht genau auf. Jedenfalls wurde es damals so suggeriert.
Unter den Kinobesitzern ging die Angst um.
Wie kann man dem Fernsehen Paroli bieten und die Besucher halten ? Man könnte Fernsehen auch im Kino anbieten. Da gab es den ersten Eidophor Projektor, doch der war sehr sehr teuer und absolut sensibel.
Dann gab es noch den Saba Telerama Projektor. Der war zwar preiswerter aber recht lichtschwach und mit einem 3m Bild auf der 9m Riesenleinwand machte das überhaupt nichts her.
Auch hatte die amerikanische Film- und Monopol Industrie die ersten super tollen Farbfilme im Cinemascope Breitbildformat mit 4Kanal Magnetton auf den Markt und in die Kinos gebracht und heftigst beworben.
Mit Ambiente gelang nocheinmal ein Aufschub
Was die heutigen Fernsehkonsumenten fast nicht mehr wahr- nehmen, der Besuch eines großen Kinos war damals ein gesellschaftliches Ereignis. Davon sprach man mehrere Wochen. Sie haben es sicher schon mal erlebt, wie lange es dauert, bis ein Boing 747 Jumbo Jet mit 350 Sitzplätzen alle Passagiere "eingeladen" hat.
Das Füllen eines Filmpalastes mit 2000 Plätzen war damals ein fast einstündiges Ereignis wie in den 90ern, sehen und gesehen werden. Ich erinnere mich, daß manche Nachbarn tagelang vorher bereits erzählt hatten, wann Sie in Wiesbaden oder sogar in Mainz welchen Film besuchen (wolten oder würden). Manchmal wundere ich mich heute, daß damals nicht auch noch Bahnsteigkarten fürs Kino ausgegeben wurden, um die Besucherschar im Ansturm zu besichtigen, wie zum beispiel beim Filmfestival in Cannes.
Doch das mit dem Ambiente reichte nicht mehr aus. Selbst auf diesen "gepolsterten" Stühlen wollte bald niemand mehr Platz nehmen.
1958 - Die Technik wurde verfeinert.
Mein Vater richtete nur noch selten oder eigentlich keine neuen Kinos mehr ein. Es wurde verbessert und verfeinert und natürlich optimiert. Die Kinobesitzer mußten die neuen Xenonlampen anschaffen, widerwillig, weil teuer. Aber die Besucher, also die Kunden, tolerierten die sehr unterschiedlich hellen Bildqualitäten je nach Lust und Laune des Vorführers nicht mehr.
Auch das mit dem Cinemascope Film war jetzt sogar für die kleinsten Land- oder Vorort- Kinos Pflicht. Der Ton wurde verbesert. Was vorher oft quäkte, klang jetzt ein wenig besser. 4-Kanal Magnetton war für die größeren Kinos sowieso Pflicht.
Es geht weiter, bald, die Zeit läuft weg .....
-
und ich habe immer noch 2 Stunden Tonaufnahmen zu verarbeiten.





























