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Okt. 2010 - Über die alten und neuen Kinos von Wiesbaden

3 bekannte Wiesbadener Namen
Bequeme Sessel in 2010

von Gert Redlich - Als alter Wiesbadener Ur-Einwohner (ich wohne jetzt über 66 Jahre hier) nehme ich natürlich die Wiesbadener Kinos als Beispielobjekte für die Geschichten und Stories über die Kinos der Vergangenheit. Weiterhin zitiere ich aus Beschreibungen und Zeitzeugenberichten Anderer, wie die das gesehen haben.
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2014 - Mit etwas Glück habe ich kürzlich Roland Schütz besucht, der im "Arkaden am Ring" und den anderen Ewert-Kinos die alte und die neue Kino-Technik betreut und bedient. Roland Schütz ist nur ein paar Jahre älter als ich und hat berufsmäßig bereits im April 1965 die ersten Filme (im Wiesbadener "Astoria") vorgeführt.

Er ist einer der ältesten mir bekannten aktiven Vorführer, der jetzt seit 1965 durchgängig im Kino arbeitet und er kennt auch die meisten Wiesbadener Kinos von innen heraus.
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Inzwischen ist diese anfänglich ganz normale "Kinos in Wiesbaden" -Seite sehr sehr lang geworden und wir mussten das auf mehrere Seiten aufteilen.

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Wiesbaden "wollte" mal eine richtige Filmstadt werden . . . .

Das ist Nostalgie pur - in einem kleinen Privatkino im Taunus

Aus alten Berichten und Büchern entnehme ich, daß Wiesbaden wirklich mal ganz groß rauskommen wollte. Und das war lange vor Heinz Rühmann und Gert Fröbe , dem Film-Bösewicht im James Bond Film.

Doch davon ist nicht mehr viel übrig geblieben. Nur wenige Kinos sind nach dem großen Einbruch Ende der 1960er Jahre noch vorhanden, und die mühen sich redlich. Wir haben hier in Wiesbaden keinen dieser Multiplex Paläste mit 7 oder mehr kleinen Sälen. Dafür haben wir (neben den normalen Kinos) 4 vom Staat und von der Stadt finanzierte kulturelle Kinosäle. Doch davon mehr weiter unten.

Der Autor gr erinnert sich an die ersten Jahre in der Innenstadt

1954 - eines der modernen Kinos
Wiesbadener Arkaden Kino heute
Zeitungsanzeige Jan. 1956
es gab schon Cinemascope Filme

Wir Redlichs sind etwa 1959 von einem Vorort eines Vorortes (vom Wi-Dotzheimer Vorort Kohlheck) in die Adelheidstrasse Ecke Oranienstrasse (in der Innenstadt von Wiesbaden) gezogen. Und mein Vater arbeitete noch bis 1961 für die UFA Handel (Düsseldorf) im Büro Frankfurt. Er baute seit 1948 die Bild- und Ton-Technik der Kinos und sollte sie dann modernisieren, "warten" bzw. reparieren.

In Wiesbaden gab es vier oder mehr Unternehmer
, die mehrere größere Kinos betrieben hatten. Das waren . . . .
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  • die Familie Ewert in der Moritzstrasse (Apollo, Atelier, Arkaden, Capitol - teilweise heute noch aktiv),
  • W. H. Zickenheimer (Walhalla, Bambi, Scala),
  • Holger Nocke (mit City, Olympia und Luna) und aus Frankfurt
  • die "Hubertus Wald Filmtheaterbetriebe" Hamburg
  • Rolf Theile (mit Capitol am Kureck, Neuer Filmpalast, UFA im Park und Thalia, dazu in Darmstadt ein zweites Thalia Theater und weitere Kinos in Kassel),

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Rolf Theile zog sich dann (nach dem Unfalltod seines Sohnes in der Wiesbadener Sonnenberger Straße) aus Wiesbaden und aus der Branche zurück. Holger Nocke ist auch irgendwann verunglückt - (tatsächlich) ist er "vom Pferd gefallen" (das ist keine Glosse) und damit war sein Schaffen abrupt zuende. Dann fiel in Verbindung mit dem Urania in der Rheinstrasse auch noch der Name Paul, an den sich aber sonst keiner mehr erinnern konnte.

In den kleinen Vororten gab es noch einige "Einzelunternehmer" wie den Herrn Karl Huthmann (in Wi-Dotzheim und auf dem Kohlheck) und den Herrn Hammer (in Wi-Bierstadt) und den Max Adler samt seinem Neffen Herrn Sandner (in Wi-Biebrich am Rheinufer), die auch diese Vorstadt-Kinos dort betrieben hatten. Doch davon später.
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Das Taunus Theater im Jahr 2012

Und es gibt seit langer Zeit ein weiteres, auch sehr altes, aber wenig bekanntes Kino der Amerikaner, das "Taunus Theater". Es liegt gegenüber dem uralten Sportplatz an der Frankfurter Straße Ecke B455, also gegenüber der (übertrieben vornehm benannten) "Brita Arena". Dieses Kino ist aber nur den Militärangehörigen zugänglich.

Von Wiesbadenern weniger besucht wurden die drei Kinos des Bernhard Schilling und seiner Frau Luzi in Östrich-Winkel, Mittelheim und Geisenheim im Rheingau.
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Faszinierend war immer wieder die Projektionstechnik . . .

ein Cinemascope Filmmuster mit Lichtton und vielen Kratzern
damals richtig kostbar und teuer - eine Cinamescope Optik

. . . aus solch einem kleinen Zelluloid Bildchen ein so großes Bild auf der Leinwand zu "machen". Vor allem die Cinemascope- Technik ab 1954 war beeindruckend für alle, die da etwas näher hingeschaut hatten.

Das einzelne Bild sah auf dem Filmstreifen zum "Schiessen" (also zum Lachen) aus. Die waren die Menschen dort alle "rappeldürre", einschließlich Gert Föbe und anderen besonders wohlgenährten Filmstars.

In dem "Ufa im Park"- Kino (heute Caligari), in dem ich 1964/66 das Vorführen gelernt hatte, war es immer wieder ein Erlebnis, nach der Breitbild-Wochenschau nun das dicke schwere Anamorphot (rechts im Bild) vor die normale Linse (das sogenannte Standard- Projektions- Objektiv) zu wuchten.

Und dann wurden die seitlichen schwarzen Vorhänge - das sind die Begrenzungen der eigentlich riesig breiten Bildwand - noch weiter auf das Cinemascope-Format (Verhältnis 2,33:1) "aufgefahren", also bis an den Anschlag . . . . . und dann ging es richtig los.
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Ganz kurz noch etwas zur Historie der meisten Kinos :
Wenn aus einem Theater oder Tanzsaal ein Kino wurde . . .

Die "Steilprojektion", wenn der umgebaute Theater-Saal besonders steil war

Es gibt schon ein paar sichtbare Merkmale über die Herkunft eines Kinos. In den meisten umgebauten ehemaligen Theatern oder alten Tanzsälen war der Fußboden im Saal eben - besser gesagt waagrecht eben. So war es beispielsweise im Walhalla, im Apollo, im Thalia und im Scala und in den meisten Vorstadtkinos. Das waren alles alte Variete- oder Tanzsäle.

In den speziell fürs Kino neu gebauten oder komplett umgebauten Sälen war der Fußboden meist zur Bildwand hin leicht abfallend (oder verblüffender Weise sogar ansteigend). Natürlich gab es auch Ausnahmen, zum Beispiel im ehemaligen Residenz-Theater, und im heutigen Caligari (ehemals UFA-Palast), bei dem der alte Theater-Saal zur Bühne hin auch leicht abfallend war bzw. heute noch so ist. In einem ehemaligen Kino in der Rheinstraße, heute ein Optikergeschäft, war es dagegen umgekehrt, so ist der Fußboden heute immer noch leicht abfallend - aber von der Bildwand weg.

In Köln war ich vor vielen vielen Jahren mal in einem relativ kleinen aber recht hohen Kino, das als ehemaliges elitäres Variete- Theater mit 5 Rängen selbst im Parkett extrem steil nach unten - zur ehemaligen Theater-Bühne hin - abfiel. Der Lichtstrahl der Projektoren (siehe Bild rechts) ging ganz steil auf die tief unten im Saal stehende Bildwand. Die trotz dieser ganz speziellen Projektionstechnik immer noch leichten trapezförmigen Verzeichnungen des Bildes wurden durch schwarze Vorhänge abgedeckt.
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Die Reihenfolge der Kinos hier ist nahezu willkürlich !!

Es war einmal - ein Foto aus 2016
Das Walhalla als Lusttempel 1900
Ein Plan aus 1906

Das Walhalla Kino in der Mauritiusstraße 3 - Ecke Hochstättenstraße

Das Walhalla Theater hatte bereits vor der Jahrhundertwende, also vor 1900 mit viel Tamtam als "Spezialitäten-Theater ersten Ranges" begonnen.

Hier konnte man in einem "Grand Restaurant" speisen und sich in einem Vielzweck-Theatersaal für damalige (prüde) Verhältnisse amüsant unterhalten lassen, ähnlich den Pariser Theatern jener Zeit.

Bei großen "Bühnenschauen" gab es Gesangsdarbietungen, Konzertmusik, Pantomime, Ballett, Zauberkünstler, Liliputaner, Tierdressuren, sogar Akrobaten und Artisten.

Selbst, als das "Walhalla" dann vor allem Kino war, wurden noch solche Attraktionen geboten - einschließlich Wassermusik. Vor fast jedem Film gab es ein Beiprogramm (oder Vor-Programm) auf der Bühne, berichtet ein Zeitzeuge von seinen ersten Kinobesuchen. (Es ist ein Schiersteiner Bub, der heute im Nov. 2010 genau 84 Jahre alt ist.)

Es dauerte und dauerte, bis endlich das eigentliche Programm anfing. Bei den anfänglichen Stummfilmen spielte ganz rechts oben in einer art Loge der Organist zu den Bildern auf der Kinoorgel (beinahe wie damals im UFA-Palast, dem heutgen Caligari). Die Betreiber hatten dort bis vor dem Krieg auch eine große Kinoorgel.

Ein Teil der Bilder stammt aus dem Fundus von D. Schaller Wiesbaden.
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Rückblende in die Jahre 1950 bis 1965.

Ein Blick ins Jahr 1907
Ein Rest vom verblichenen Glanz
Der Eingang im Herbst 2010
Das Foyer im 1. Stock

Das Wiesbadener Walhalla Filmtheater war selbst für einen jugen Kinofan etwas Besonderes, es hatte nämlich als ehemaliges Variete-Theater richtig nostalgischen Flair, selbst für mich, einen damals 15 jährigen Jungen. Das Walhalla (und das Bambi Kino unten im Keller sowie das Scala Theater) wurden in jener Zeit von Herrn Wilhelm. H. Zickenheimer  (Sohn des August Zickenheimer) betrieben.

Herr Zickenheimer war einer unserer jüdischen Mitbürger hier in Wiesbaden, dem in der Hitlerzeit im Dritten Reich sehr sehr übel und vor allem danach immer noch übel mitgespielt wurde (nachdem er als einer von ganz wenigen Wiesbadenern den ganzen Schlamassel - er mußte auch ins KZ - lebend überstanden hatte). Er wurde von vielen alten Mitarbeitern der Wiesbadener Behörden und Ämter immer wieder bewußt benachteiligt, wenn es um Genehmigungen oder "sonstige Erlaubnissse" zum Betrieb seiner Kinos (Walhalla, Bambi, Scala) ging.

Um dieser gezielten Diffamierung entgegenzuwirken, krempelte er immer sein Hemd am linken Arm bis ganz nach oben auf, wenn er "auf die Ämter" ging, um jedem demonstrativ deutlich seine auf ewig eintätowierte KZ Nummer zu zeigen. Vermutlich zogen manche dieser damaligen Beamten dann doch den Kopf ein und es ging überraschend schnell mit den Genehmigungen und den Unterschriften.

Der eine Eingang zu den Kassen des Walhalla
lag bereits ein paar Stufen hoch im Hochparterre der Mauritiusstrasse - der andere Eingang ging über einen Zickzack-Schlauch von der Kirchgasse aus zu den beiden Kassen im Foyer im Erdgeschoss, aber das eigentliche große prachtvolle Theater-Foyer lag sogar im 1.Stock. Es gab noch ein weiteres etwas kleineres ebenfalls prächtiges Foyer im 2.Stock - für die honorigen Gäste auf dem großen "Rang", der sich - wie in den älteren Theatern üblich - oben im Halbrund um den länglichen Saal herum zog.

Herr Zickenheimer wohnte natürlich in seinem Walhalla in der Wohnung zur Hochstättenstraße hin und ist irgendwann ganz plötzlich an einem Herzinfarkt verstorben. Das Kino hatte dann sein Erbe - ein Herr Levin - geerbt und weiter verkauft. Eine Zeit lang wurde das Kino auch von der Famile Ewert betrieben. Am Ende gehörte das gesamte Anwesen für 6,5 Millionen DM auch mal der großen Bau-Firma Holzmann und landete damit in der Konkursmasse. Schließlich hat es die Stadt Wiesbaden - noch unter Oberbürgermeister Dr. Müller - zurück gekauft, ähnlich wie das Gebäude des CALIGARI Kinos in der Wilhelmstraße. Seit etwa den 1990er Jahren finden hier hin und wieder kulturelle Veranstaltungen aller Art statt.
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Ein riesiger Vorführraum bzw. "Bildwerferraum"

Ehemals unser Rotlichviertel
Ein teures Grundig TK 819
Eine Anzeige aus 1956
Das Dachgeschoss ganz oben
Die Ostseite des Kinosaales - im EG war damals ein Aldimarkt
Und hier ging es in den Keller unter dem Walhalla in die "Big Apple" Disco

Zum für mich wichtigen Kino-Vorführraum ging es noch eine (weitere) versteckte (Stahl-) Treppe höher - in den (echten) 3. Stock (oder gefühlt in den 4. Stock) ganz hoch unters Dach. Und dort standen sie, die beiden ehemals hypermodernen Ernemann X (10) Maschinen, in dem sehr großen weiträumigen Raum mittig aufgestellt, mit 4-Kanal Magnetton- Tontechnik, Plattenspieler, Diaprojektor und sogar einem richtigen Tonbandgerät. Ein Tonbandgerät hatte damals bei weitem nicht jedes Kino.

Das Walhalla hatte somit den mit Abstand größten Vorführraum eines Kinos, den ich je gesehen hatte. Man konnte fast Fußball spielen. Und der Raum hatte viele Fenster, Fenster hinaus in die "Kleine Schwalbacher" Straße, damals das Rotlichviertel, etwas genauer : der Puff oder das Bordell Wiesbadens. Ich hatte mich (damals als 15jähriger) schon etwas gewundert, warum dort selbst bei Regen und Schnee diese so merkwürdig sommerlich angezogenen jüngeren und auch älteren Frauen - also regelrecht gelangweilt - den ganzen Nachmittag herumstanden. Gedacht hatte ich mir dabei aber (noch) nichts, es war eben so.

Der Kinosaal strotzte vor ehemaligem Glanz, die dicken schulterhohen Sessel oben auf dem Rang waren fast das Feinste, das es (damals) in Wiesbaden gab. Doch die Bildwand für diesen großen Saal war nach meiner Meinung zu schmal. Es war ja mal ein Theater und so ließ sich die Bühne vermutlich nicht mehr baulich verändern. Das Kinoerlebnis eines überbreiten Cinemascope Filmes war trotz der sehr aufwendigen Technik irgendwie bescheiden.

Dort oben im Vorführraum standen nämlich in einem großen massiven Stahlschrank die 4 x 35 Watt Röhrenverstärker, das war der dickste Brocken von ganz Wiesbaden. Die anderen hatten "nur" 4 x 25 Watt (UFA im Park) oder sogar nur 1 x 6 Watt wie in Bierstadt. In diesem Kino habe ich vielleicht ein Dutzend Vorstellungen gezeigt (vorgeführt), weil ich diese Ernemann 10 bedienen konnte. Sonst war ich hier öfter nur zu Gast bei dem Vorführer, der auch nebenan im Thalia und ab und zu unten im Keller im Bambi zu Hause war.

Übrigens, direkt unter dem großen Kinosaal des Walhalla ist eine ebenso große ebenerdige ehemals gewölbeartig verkleidete Einkaufsetage, ehemals der erste große ALDI Laden in Wiesbaden und darunter ist der (damals) weit über die Grenzen Wiesbadens hinaus bekannte Gewölbe-Disko-Keller bzw. Tanzschuppen, in dem über ganz viele Jahre das "Big Apple" des Wolfgang Schott beheimatet war.

Als ich 1975 beauftragt wurde, diesen Keller mit moderner Technik neu zu beschallen, spielten ein Amcrown DC300A Verstärker (2 x 300 Watt) mit 4 Bose 901 Boxen über 2 Stunden lang Ginger Bakers Schlagzeugsolos vom Revox Bandgerät, bis schließlich die Polizei kam. Bei Aldi oben drüber würde die Erde beben und da würden die Konserven-Dosen reihenweise aus den Regalen "rutschen". Das müsse sofort aufhören. Tat es dann auch.
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Nachtrag 2015/2016

Sommer 2016 - Das Walhalla ist schon lange kein Kino mehr. Nach mehreren Besitzerwechseln wurde es dann doch von der Stadt Wiesbaden gekauft, bevor es gänzlich bzw. total verrottet. Der ehemals wunderschöne große Saal oben im 1. Stock steht fast immer leer. Die Heizung ist komplett ausgebaut, weil die Kosten von den diversen Eigentümern nicht mehr aufzubringen waren. Auch der ehemals hochmoderne Vorführraum im 3. Stock soll vollständig geplündert sein. Die große Etage im Ergeschoß ist zum Glück genutzt und langfristig vermietet. Das Kellergeschoß hat einige technische und bauliche Probleme und ein möglicher Gastronom kann die heutigen Sicherheits-Auflagen vermutlich nur mit erheblichen finanziellen Mitteln erfüllen. Vor über 30 Jahren zu den Zeiten des Wolfgang Schott (Big Apple) war das noch anders. Auch von Außen bietet das ehemals attraktive Walhalla Gebäude trotz denkmalgeschützter Fassade einen traurigen teilweise verotteteten Anblick. Ein Teleobjektiv-Foto zeigt den erschütternden Verfall. Doch das soll sich in 2017 alles ändern.

Das Bambi unter dem Walhalla in der Mauritiusstraße 3

Es war einmal - ein Foto aus 2016
Der Kino-Saal 2016

Das Bambi war das erste mir bekannte Kino ganz unter der Erde und damit völlig ohne Fenster und ohne Licht von draußen. Mit dem Vorführer dort kam ich damals "nicht klar" (ich war ja erst 16 Jahre alt), denn er ließ den "Laden" ein wenig verlottern. Ich durfte dennoch gratis rein und zählte immer wieder nur die Anzahl der Notbeleuchtungen, in denen nur noch eine oder gar keine Birne mehr brannte. Das hatte ich dem Vorführer auch so gesagt. Aber er hat es irgendwie "mißverstanden" oder "in den falschen Hals bekommen" und einfach ignoriert. Ich fühlte mich daraufhin dort unten immer leicht "unwohl", "so" tief unter der Erde, obwohl dort später recht moderne Bauer B12 Projektoren ein sehr gutes Bild gemacht hatten. Anfänglich zu Zickenheimers Zeiten waren es nämlich uralte gebrauchte Ernemann VIIB Projektoren mit einem recht schwachen Uniphon 6 Watt Verstärker.

Im Bambi mit seinen damals etwa 240 Plätzen, heute weniger als 120, wurden solche Filme gespielt, die "kulturell" extravagant oder supermodern oder sonstwie "anders" waren und sowieso kein so großes Publikum angezogen hatten. Das Bambi stand mit diesem Genre von Filmen in Konkurrenz zum "Atelier" im Apollo und dem "Filmstudio" in der Wilhelmstrasse. Herr Zickenheimer brauchte das Bambi auch, um an die Renner im Filmgeschäft heran zu kommen. Er musste die langsam auslaufenden "Gurken" auch irgendwo spielen, eben im Keller im Bambi. Gleiches galt und gilt auch für das Apollo. Ein Unternehmer mit nur einem Kino wurde von den Verleihern gnadenlos erpresst. (Das ist übrigens heute noch so.)
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Nachtrag 2015/2016

Seit ein paar Jahren werden im Bambi mehr oder weniger regelmäßig besondere Filme gezeigt, oftmals nur einmal in der Woche. Bei einem vermutlich letzten Besuch im Herbst 2016 war der Saal und das ganze Drumherum so elend versifft und verdreckt, daß ich entsetzt war, wie man solch ein ehemals schönes kleines Kino so auf den Hund kommen lassen konnte. Weder der obligatorische Vorhang vor der Bildwand schien noch da zu sein, nicht mal die damalige Putzbeleuchtung mit zwei Leuchtstofflampen war zu erkennen. Der Staub samt Unrat lag fingerdick in allen Ecken. Dabei kostet heute ein 50 Watt LED Scheinwerfer nur noch marginale 49.- Euro und macht Licht wie ein 1000 Watt Halogen-Strahler - nur zum Saugen oder Putzen ist das genial. Die Entäuschung war schon betrüblich.

Alle Kinos hatten einen Plattenspieler

anfänglich noch Schellack
ein "moderner" DUAL

Im Hifimusem wird beschrieben, daß damals die Volks- empfänger und Wohnzimmer- Radios eine recht bescheidene Klangqualität hatten. Das neue UKW Radio war seit 1952 immer noch am Aufholen und alleine im Kino war so etwas wie "Hifi" und später bei Cinemascope so etwas wie "Stereo" zu hören. In den größeren Kinos war die Musik schon beachtlich im Vergleich zum heimischen Wohnzimmer. Vor allem war erstaunlich, daß die von Schallplatte abgespielte Musik während der Kino-Werbung (meist Werbe-Dias), vor dem Beginn der Vorstellung oder während der Pause und auch vor dem Kulturfilm bereits recht beachtlich klang.

Es wurden nämlich 33er Langspielplatten auf recht primitiven Plattenspielern mit Kristallsystemen und teilweise sogar noch 78er Platten gespielt. Kinounternehmer waren "leider" wirklich sehr "arm" dran, wenn die Rate für den neuen Mercedes fällig war. Da reichte es eben nicht für einen gescheiten Plattenspieler oder gar ein Bandgerät. Dennoch, es klang (damals) erstaunlich gut.
Nachsatz: In der Zeit vor dem Dual 1009 Plattenspieler (von 1963) gab es damals nur ganz ganz wenige sehr teure gute Hifi-Plattenspieler wie den Thorens TD 124.

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Die Kammer-Lichtspiele in der Mauritiusstr. 12

In der Mauritiusstr. 12, also etwas ab vom Walhalla (bergauf in Richtung Schwalbacher Straße) soll es ab 1918 über 1920 hinaus noch ein Kino gegeben haben, die Kammer-Lichtspiele mit 220 Plätzen. Es wurde von der Thalia-Theater GmbH unter Emil Bommert betrieben. Emil Bommert war der Großvater/Vater einer später nach 1945 ganz bekannten Biebricher Fahrschule.

Logo aller UFA-Paläste
1959 war das super modern
auch das Foyer entsprach der Mode
So war es einmal ca. 1960
UFA im Park Leucht Reklame 1962
Der Eingang von der Wilhelmstraße (ist zu)
ganz oben unterm Dach der Technikraum
Normales Breitbild - Die Bildwand für Cinemascope ist noch breiter
Ernemann X Bogenlampe und 4kanal Magnetton Verstärker
Beim Caligari-Hörfest
Der Vorführraum ganz oben in 2010

Zuerst "UFA Palast", dann "UFA im Park", dann "im Park" und jetzt "Caligari" in der Wilhelmstrasse 36

Das Kino hieß 1926/27 ursprünglich "UFA Palast", es war ja auch mal - für damalige Zeiten - ein richtiger Palast an der kaiserlichen Prachtstraße Wiesbadens, der (Kaiser-) Wilhelmstrasse 36.

Die aufstrebende UFA mit ihrer Filmproduktion fand Anfang der 1930er Jahre recht schnell heraus, daß man am Besten auf eigene Kinos vertraut, ähnlich die Warner Brothers in den USA, die ihre Produktionen zuerst auch fast nur in den eigenen Kinos spielten, um die eigenen Filme ohne dauernde Zugeständnisse konkurrenzlos zu vermarkten.

Dort an der Wilhelmstrasse zog übrigens "immer" (also einmal im Jahr) der Kaiser samt Troß und Höflingen vom Bahnhof zum Hotel und zum Staatstheater vorbei. Dafür wurde der "Ufa Palast“ etwa 1926 (zuerst) als Stummfilmtheater im neogotischen Palast-Stil erbaut.

Dieses damals für Wiesbaden gewaltige Kino hatte zwei ebenerdige, durch ein langes und breites Foyer verbundene Eingänge, einen ehemals feudalen von der Wilhelmstrasse 36 (heute eine Passage) und einen etwas einfacheren direkt hinter der Marktkirche am Marktplatz 9, übrigens heute noch. Direkt an diesem Eingang war auch das zweite hintere Kassenhäuschen edel mit Marmor Platten verkleidet. Und direkt gegenüber war der schmale steile Treppenaufgang zu den Büros und zum Vorführraum.

Zum Kinosaal mit damals sagenhaften 950 Sitzplätzen gab es mehrere (4 oder 5) doppelt breite Flügeltüren, sodaß auch viele Besucher gleichzeitig aus dem Foyer bequem an ihre Plätze kamen. Die Bestuhlung war etwa in der Hälfte des Saales durch einen Gang geteilt und man konnte so auf die andere Seite hinüber und von beiden Seiten in die Stuhlreihen hineingehen.

Das war nicht überall so, selbst bei großen Kinos nicht. Der Aufgang zum großen Rang (oder der Empore) war auch recht breit und beeindruckend wie im Theater. Dort oben hat man einen sehr schönen Blick über den ganzen Saal. Und es gab einen Haufen Notausgänge, die in dunklen Ecken mündeten.

Dieses Kino hatte ursprünglich (also ab etwa 1940 bis 1953) die zu seiner Zeit besten Projektoren, die Ernemann VIIB von Zeiss Ikon aus Dresden. Später zu meiner Zeit waren dann nach dem Umbau 1955 (die Amerikaner hatten das Kino 1945 zur Truppenbetreuung beschlagnahmt) schon die ganz modernen Ernemann X (10) Kinomaschinen wie im Walhalla.

Jedoch der Vorführraum unterm Dach war hier (im Vergleich zum Walhalla) lang und schmal, aber ausreichend zum Arbeiten mit mehreren Fenstern zum Wiesbadener Markplatz. Direkt am Eingang war die damals moderne, heute vorsintflutliche Starkstrom- und Lichttechnik und der Batterieraum. Dort standen ein ganzer Raum voller (offener ?) Bleiakkus für die Notstrombeleuchtung. Neben dran war der Durchgang zum begehbaren Dach (also dem Bereich über dem Saal noch unterm Dach, aber über der Deckenverkleidung) mit der Beleuchterbühne.

Das war damals alles sehr aufregend, wenn mal wieder eine richtige Premiere anstand - wie der "russische Hamlet" mit einer richtigen Ansprache zwecks Laudatio und Preisverleihung vorne auf der Bühne direkt vor der Leinwand über ein richtiges Mikrofon. Und dazu gab es einen russischen Film mit über 20 kleinen Filmrollen, alles russisch beschriftet. Wir hatten eine ganze Zeit verbissen die Rolle Nr.1 gesucht, (bis der Dolmetscher kam). Und dann gab es keinen Ausrutscher mehr, es war (wir waren) perfekt.

Zu bemerken ist noch, daß die Amerikaner, als sie 1945 nach Wiesbaden kamen, sich das Kino bis 1955 für Ihre Soldaten-Unterhaltung "reserviert" (= requiriert) hatten, eigentlich genauso, wie es die Deutschen in Prag, Wien, Paris und Amsterdam usw. gemacht hatten. Nach der Rückgabe 1955 wurde das Kino grundlegend modernisiert und war dem Wiesbadener Publikum wieder zugänglich.
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Der Saal war groß, übersichtlich und fast gemütlich, es gab eine Bühne mit einer großen Leinwand, es gab sogar noch einen richtigen Bühnenkeller und weitere versteckte Räumlichkeiten wie die gewaltige Heizungs- und Lüftungsanlage direkt unter der niedrigen schrägen Decke unter dem großen Saal. Der Ventilator mit einem gigantischen Staub- und Flusenfilter war fast 2m groß und hatte gewaltige Puste, wenn er lief.

Wie bei allen dieser größeren Kinos war die Projektions- entfernung schon beachtlich. Anfänglich gab es nur die sogenannten (Kohle-) Bogenlampen, die im Idealfalle etwa 2 Kilowatt an Strom in Licht umsetzten und damit die Bildwand ausleuchten mussten. Der Einfluß von billigen und teureren Objektiven auf die Bildhelligkeit war mir damals noch nicht geläufig.

Auch die drei riesigen Schallwände hinter der Leinwand mit den vermeintlich uralten großen Lautsprechern bekam ich erst viel später zu Gesicht. Ich war dort auch erstmals mit der Problematik eines brummfreien Bühnen-Mikrofones in Berührung gekommen, denn die Verstärker standen ganz ganz oben im Vorführraum und einen sogenannten Saalregler zur Regelung der Lautstärke gab es ja auch noch. Das waren ja auf einmal fast 250m (NF-Ton-) Leitung und es brummte fast nicht, auf jeden Fall weniger als der Plattenspieler direkt neben dem Verstärker.

In diesem UFA Kino in Wiesbaden an den Ernemann X Maschinen habe ich damals 1965-1968 das Vorführen gelernt und bestimmt an die 250 Vorstellungen gezeigt (vorgeführt), davon mindesten 80 mal "Das war der wilde Westen". So lange lief dieser Cinemascope 4-Kanal Magnetton Film, und ohne daß bei uns die vier Magnet-Tonspuren durch irgendeine Dusseligkeit gelöscht wurden. Diesen Film kann ich heute noch fast auswendig.

Auch den Film "Spiel mir das Lied vom Tod" mit Henry Fonda, Charles Bronson und Claudia Cardinale sowie die Komödie "Das Mädchen Irma la duce" mit Jack Lemmon und Shirley MacLaine kann ich heute noch mitsprechen.
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Das Filmstudio in der Wilhelmstraße 38

Der Eingang neben dem Park-Cafe
Zeitungsanzeige Jan. 1956

Von dem Filmstudio habe ich nur in Erinnerung, es war mit nur etwas über 100 Plätzen recht klein und lag direkt rechts neben dem UFA im Park im nächsten Hausflur. Der Saal war irgendwo ganz tief hinten drinnen. Betrieben haben soll es eine Kultur affine ältere Dame ohne finanzielle Interessen, also als soziales kulturelles Engagement. Es ging auch (damals) fast niemand da rein (jedenfalls hatte ich nie irgendwelche Besucher gesehen) in diese (für uns Jugendliche) "komischen" Filme, die dort gezeigt wurden.

Im Filmstudio wurden fast ausschließlich Filme mit dem Prädikat "Besonders wertvoll" gezeigt. Den Vorführer hatte ich auch nie zu Gesicht bekommen, er arbeitete in keinem der anderen Kinos. Irgendwann war es dann zu und man hat nie wieder etwas davon gehört. Es wurde auch nicht vermisst. Laut älterer Zeitzeugen war es sogar eine Besitzerin, die das Kino betrieb (ähnlich wie damals auch das AKI in der Kirchgasse). Es muß ein Hobby Kino (oder ein Kino-Hobby) gewesen sein.

Im Dezember 2010 hat in Bad Schwalbach (im Taunus) das einzige und letzte Kino geschlossen, vermutlich für immer (nein, stimmt nicht mehr, es ist ab Frühjahr 2011 wieder offen - stimmt auch nicht mehr, es ist endgültig zu - für immer - nein, immer noch nicht, es geht wieder weiter). Auch dieses Kino war quasi das Hobby eines begeisterten inzwischen weit über 70jährigen Kino-Betreibers, der mit Leib und Seele an "seinem" Kino hing - bis es dann altersmäßig und vermutlich auch finanziell wirklich nicht mehr ging.

Das KinephonTheather in den 20ern
Das Capitol von der Wilhelmstrasse Ecke Sonnenberger aus gesehen
Hier wurde 1957 Sissi über Wochen vor leerem Saal nachgespielt
Ab den 60ern vergammelter Kulturtempel ohne Flair
Schwere Kisten mußten in allen Kinos bis rauf in den Vorführraum

Das Capitol am Kureck (Taunusstr.1 - Ecke Wilhelmstraße)

Das "Capitol am Kureck" war ehemals ein kleines edles Variete-Theater für Kurgäste (andere sprechen von einer Gemäldegalerie) und wurde erst später zum Kino umgebaut.

Das Gebäude wurde 1917 als "Kinephon-Theater" mit 220 Plätzen gebaut und ab 1920 von Georg Cammerer betrieben. Eine andere Quelle spricht ab 1937 vom "Capitol am Kochbrunnen", Taunusstraße 1 mit 288 Plätzen. (Der Kochbrunnen ist heute noch schräg gegenüber.)

Laut der Firmengeschichte der Ewerts gehörte das "Capitol am Kureck" von 1938-1953 zu den Filmbetrieben Erich Ewert. Dann wurde es bis zur Schließung Ende 1965 von Rolf Theile betrieben.

Ein Chronist schreibt: Wiesbaden nahm am 3. Oktober 1965 von seinem ältesten existenten Filmtheater Abschied, dem Capitol. Das am Kureck (Taunusstrasse Ecke Sonnenberger Strasse) gelegene Haus weicht einem Büroneubau. Ein Festival mit 21 von Filmkritikern ausgesuchten Titeln bildete den Abschluß der 63 Jahre, in denen die ehemalige Gemäldegalerie als Lichtspielhaus diente. Die erfolgreichsten Filme des Festivals: »Ninotschka«, »Faust«, »Kinder des Olymp« und »Tatis Schützenfest«. Das im Besitz von Hans Schiffmann befindliche Theater war stets verpachtet. Anmerkung: Dort wurde 1966 das sogenannte "Raiffeisen-Hochaus" der Wiesbadener R&V Versicherung gebaut, die aber in jetzt 2010 dort ausgezogen sind.

Besonders markant (für uns Techniker) war der wie ein Schwalbennest hinten ganz ganz oben angeklebte Projektionsraum (bei uns Vorführraum genannt) mit zwei uralten Ernemann IV Vorkriegs-Projektoren samt Klangfilm-Europa-Junior Tonanlage. Der Vorführraum klebte an der, der Wilhelmstraße abgewandten Seite zum Hang zu und hatte eine endlos lange dünne und sehr sehr steile Eisentreppe ohne Überdachung. Jede Berufgenossenschaft hätte sich heute alleine über den Genehmigungsantrag tot gelacht.

Eingang und Foyer fielen dem Krieg zum Opfer, aber hinter der provisorischen Fassade befand sich glücklicherweise immer noch der intakte Zuschauerraum mit ca. 300 Plätzen. Noch Ende der Dreißiger Jahre gab es im Capitol die Stehplätze für 50 Pfennig. Begehrt waren nach dem Krieg vor allem die (warmen Steh-) Plätze an den beiden Heizungen.

Bis 1958 gehörte auch das "Capitol" am Kureck zu den Ewert-Filmbetrieben. Heute steht dies weithin sichtbare Raiffeisen-Hochaus auf dem Grund und Boden. Wie damals bei dem Hertie Neubau in der Luisenstraße mußten diese Kinos den Neubauten weichen.
Ein Teil der Bilder stammt aus dem Fundus von D.Schaller Wiesbaden.

Die Reihenfolge der Kinos hier ist nahezu willkürlich !!

Das alte Thalia (Film-) Theater in der Kirchgasse 72

Bühne und Vorhang zur Eröffnung des (alten) Thalia 1914
Beispiel eines anderen enorm langen Saales aus der Zeit vor Cinemascope - beachten Sie, wie klein die Bildwand hinter dem Vorhang damals war.
Der ehemalige schmale Eingang um 2010 - heute wieder anders.
Einblick in den Schlauch heute - man kann noch bis ganz hinten durch sehen
Thalia Werbung 1949 - beachten Sie: es gab 6 Vorstellungen am Tag

Das alte Thalia Filmtheater lag in der Kirchgasse auch (wie die beiden neuen Kinos) hinten im Hinterhof mit dem Kino-Saal fast direkt Wand an Wand neben dem Walhalla-Saal. Das Thalia wurde bereits 1913/14 gebaut und vor 100 Jahren am 31.1.1914 eröffnet.

Das Bemerkenswerte daran ist, damals 1913 wurde der große Saal ganz neu als Kino erbaut, ein richtiges Kino. Fast überall wurden nur vorhandene Tanzsäle umgebaut. Es stand anfänglich unter der Leitung von "Direktor" Emil Bommert aus Wiesbaden Biebrich. Die späteren Theater-Leiter hießen ganz früher natürlich "Theater-Direktor". Später ab 1943 wurde das Kino von Rolf Theile aus Frankfurt betrieben, der nach dem Unfall-Tod seines Sohnes in den 1960er Jahren (hier auf der Wiesbadener Sonnenberger Straße) alle seine Kino-Aktivitäten mangles Nachfolger einstellte.

Bei den ursprünglichen 450 Plätzen waren angeblich Preise von 0,50 bis 1,85 RM ausgewiesen. Es gibt noch eine Aufzeichnung von 1920, da waren es schon 500 Plätze. Um 1937 übernahm die Palast-Lichtspiele AG aus Stuttgart den Betrieb und es wurde auf ca. 800 Sitzplätze ausgebaut. In 1952 wurde es nochmals modernisiert und dem Stand der Zeit angepaßt. (Das alte Thalia Kino wurde 1987 ?? oder war es 1995 abgerissen.) Der Umbau auf Cinemascope kam aber erst 1955.

Der alte letzte Eingang/Zugang von der Kirchgasse ging etwas seltsam durch einen recht langen schmalen Schlauch, die beiden Notausgänge ganz hinten neben der Leinwand landeten ebenfalls wie beim Walhalla hinten in einer kleinen Seitenstraße, der Hochstättenstraße, also direkt im ehemaligen Wiesbadener Puff bzw. Bordell.

Dieses Kino war ein großer hoher ebenerdiger sehr lang gestreckter Saal (etwa 1954) mitbestimmt 900 Plätzen (angeblich anfänglich aber nur 500 bis 600) mit einer enormen Projektionsentfernung. Einige sich widersprechende Aufzeichnungen sprechen von 692 Plätzen. Wer von denen die wohl gezählt hatte ? Dazu hatte das Kino in seiner Glanzzeit eine richtige kleine Bühne von 7m x 3m, für ein Kino sicher ungewöhnlich. Die Bühne wurde später sicher zurückgebaut zugunsten vieler Reihen mit billigen Holzstühlen.

Eine Film-Gazette berichtet 1953 : Im Theaterraum stehen neue, grüne Hochpolsterstühle von Löffler; gut versetzt, denn man verzichtete auf eine Reihe. In der Loge: Schlaraffia-Hochpolster mit Kunstlederbezug.

Die Ausstattung der 60er Jahre war nicht so nostalgisch gediegen wie im UFA im Park oder gar im Walhalla, jedoch zeitgemäß modern und mindestens die ersten 15 billigen Reihen ganz vorne (wieviele?) hatten noch harte Holzklappstühle. Ich habe dieses Kino niemals voll erlebt. Die Kino-Zeit war 1964 vermutlich schon vorbei.

Der Vorführraum wurde durch ein Labyrint von Treppen und Gängen und einem Bohlenweg draußen unter freiem Himmel über das Dach erreicht. Das war schon hammerhart, denn die wöchentlichen neuen Filmrollen (im Transportkoffer) wogen Einiges und bei Eis und Schnee war es eigentlich eine Zumutung, diese schweren Transportkisten hier rauf schleppen zu müssen.

Das andere Kino in Wiesbaden, das auch solch eine hahnebüchne Qual für die Vorführer war, war das alte Capitol am Kureck (vor dem Abriss). Dort mußte der Vorführer eine endlos lange stählerne nicht überdachte Außentreppe zu seinem kleinen ungeheizten Vorführ-Kasten (Vogelnest) hinaufsteigen.

Die Bauer B8 mit Bedienkonsole

Im Thalia rasselten zwei Bauer B8 Projektoren. Die waren damals (wie alle Bauer Kinomaschinen) schwarz (Hammerschlaglack) lackiert und sahen aus wie vor dem II.Weltkrieg. Technisch waren sie angeblich auf der Höhe der Zeit, auch wenn sie für mich sehr laut waren, doch optisch ?? In diesem Kino lernte ich mit den Bauer Maschinen das andere Überblenden von einer Film-Rolle auf die Nächste. Zwischen den gewohnten komfortablen modernen Ernemann X (10) Projektoren aus den Nachbar- Kinos und diesen BAUER B8 Projektoren lagen nämlich (ergonomische) Welten.

Man mußte nach dem ersten Kreuzchen oben rechts in der Ecke auf der Leinwand den (mit bereits gezündeter Bogen-Lampe) vorbereiteten Projektor von Hand (blind !) ankurbeln und dann etwas später mit einem großen Hebel den Motor zuschalten. Dann erst beim zweiten Kreuzchen draußen auf der Leinwand, auf die man ja unablässig durch das kleine Fenster "stierte", wurde der Film (also der Projektor) umgeblendet (überblendet). Dieser Vorführraum war auch nicht besonders geräumig und zu sehen ga es dort oben auf dem Dach nur gurrende Tauben (damals schon) und verrostete Antennen auf den tristen schwarzen Schieferdächern. Es hat dort wenig Spaß gemacht. (Ich war damals erst 16. Jahre alt.)

Das alte Thalia Theater wurde abgerissen

. . . und es wurden zwei neue kleinere Kinosäle gebaut. Einer heißt heute wieder Thalia und der zweite heißt Hollywood. Der Eingang war eine Zeit lang der alte lange Schlauch durch das Häusermeer, doch der ist inzwischen vermietet. Hier der neue Eingang - er liegt direkt an der Westwand des Walhalla Saales am Ende einer kleinen Sackgasse.

Der "Neue Filmpalast" in der Schwalbacher Straße 8

Der Eingang in der Schalbacher Straße 1956
blick in die Schwalbacher Straße
kurz vor dem Abriss 1964

Auch dieses Kino war etwas Besonderes in der Wiesbadener Kinolandschaft. Der Filmpalast war ein riesiges Kino mit 920 Plätzen, eigentlich im Hinterhof zwischen Schwalbacher- und der Karlstrasse. Die ganze vordere Häuserzeile wurde 1964 zwecks Stadtautobahn abgerissen. Heute steht dort auf dem damaligen Grundstück des großen Saales ein Parkhaus.

Zu ebener Erde ging man damals durch eine hohe und doppelt breite aber triste Einfahrt oder Hofzufahrt in den sehr großen Hinterhof - direkt vor die Eingänge der flächenmäßig ebenso großen und ca. 8m hohen riesigen Turnhalle des "Turnerbundes".

Das Kino "saß" dort "oben drauf".
Man mußte vorher unter freiem Himmel eine Menge (römischer) Stufen erklimmen, um im Foyer bis an die Kassen zu kommen. Auch dieses Kino hatte einen großen Rang über der normalen Zuschauer-Ebene. Dorthin musste man dann noch mehr Stufen erklimmen, um dort hoch zu kommen.

Der Theaterleiter dort war der sympathische Horst Stöver aus Köln mit seinem typischen Kölner Dialekt, hier bei uns elegant auffällig. (Hinzu kam seine wegen ihrer Oberweite äußerst attraktive Ehefrau Giesela samt ihrer ebenso hübschen wie oben herum gut "ausgestatteten" Tochter.) Die Büros waren in diesem Gebäude großzügig über mehrere Ebenen verteilt. Der Hammer war der Vorführraum ganz ganz oben. Es waren (gefühlt) bestimmt "7" Etagen zu erklimmen, a 3m Höhe vom Eingang ganz unten ab der Strassen-Ebene aus gezählt, immer durch dieses triste nackte Nottreppenhaus und natürlich gab es für die Mitarbeiter KEINEN Aufzug.

Auch hier musste der Vorführer die schweren Filmkästen hoch und runter schleppen. Obwohl die Technik (damals) vom Feinsten war, war auch dieses Kino mit an die 900 Plätzen nie richtg voll. Dort oben arbeiteten zwei damals moderne Ernemann X Projektoren mit einer Telefunken-Cinevox Tonanlage. Der Neue Filmpalast besaß auch eine recht große Bühne von 9,2m x 5m, sodaß die Cinemascope Leinwand doch schon ein fast gewaltiges superbreites Bild hergab.

Wie oben bereits gesagt,
die gesamte Straßenfront zwischen Dotzheimer und Rheinstraße mit allen Häusern rund um die Nummer 8 wurde etwa 1964 zwecks "Verbreiterung der Schwalbacher Straße" komplett abgerissen. Und anstelle des ehemals riesigen Kinosaales und des Turnhallengebäudes steht dort heute ein Parkhaus.

Mehr über die Neueröffnung nach dem Umbau 1955 lesen Sie hier.

Das Arkaden am Ring (Bleichstraße 45-47 / Ecke 1. Ring)

Hinter diesem Eckgebäude liegt der Saal im Innenhof
Der neue 6KW Beamer macht ein tolles Bild
und bei gedimmten Licht spüren Sie das edle Kino-Ambiente

Es war und ist das größte Kino (zumindest das mit der größten Bildwand) in Wiesbaden, das nach dem Krieg 1955 neu gebaut wurde. Später gab es für kurze Zeit (etwa 1957 bis 1960) den Residenz Palast in der Luisenstraße (heute das Luisenforum) mit annähernd 1200 Plätzen und einer geringfügig größeren Bildwand.

Das Arkaden Kino ist in einem Innenhof inmitten von Wohn- fronten (aber mit mehreren Metern Abstand) gebaut worden, sodaß die dortigen Miet-Parteien (seit dem Umbau mit einer THX Kinoton-Anlage) zumindest bei Juressic Park (und jetzt im November 2012 bei James Bond) den Film samt Erdbeben fast hautnah und live (und vor allem gratis) miterleben können. So schlimm sei es aber nicht mehr, sagt Herr Schütz, der die Technik bedient.

Die sogenannte Bildwerferanlage (damals anfänglich Fabrikat Philips, dann kamen zwei 70mm Bauer U2 Projektoren) war von Anfang an auf das 35mm Cinemascope und 70mm Breitbild ausgelegt und technisch das Beste, das Wiesbaden Anfang der 60er Jahre zu bieten hatte. Die Bildwand war damals bei Cinemascope gigantische 16m breit (man nennt das dann voll aufgefahren) und 6,9m hoch. Der Vorführraum wohnt teilweise über den Zuschauern im Parkett, denn das Arkaden hat keinen Rang bzw. keine Empore.

Von den damals etwa 800 oder 900 (teilweise spartanischen) Sitzplätzen sind heute etwa 450 dicke komfortable Kino-Sessel übrig geblieben. Die bequemen weiten Abstände der Sitzreihen sind der Tribut an das (finanzielle) Überleben.

Ein Blick in die Technik des heutigen "Arkaden am Ring"

Die Technik schaltet und steuert Roland Schütz seit vielen vielen Jahren vom 1. Stock aus. Er hat auch so gut wie alle gängigen Filmprojektoren schon mal bedient und kennt sich nach ca. 45 Jahren (angefangen hatte er im April 1965) hervorragend gut aus.

Wie in fast allen Kinos, ist der Vorführraum
(oder auch Bildwerferraum genannt) aus (ehemaligen) Feuerschutzgründen immer absolut separat zu erreichen. Dazu sind die kleinen Gucklöcher (= Bildfester) zum eigentlichen Kinosaal immer mit massiven automatischen Feuerschutzklappen und dazu noch mit dickem feuersicheren Panzerglasscheiben ausgerüstet.

Doch der normale 35mm (Normal-) Film sowie der auch 35mm breite Cinemascope Film und auch der super tolle 70mm Film ist bald am (technologischen und finanziellen) Ende. Die moderne Technik der ganz neuen Beamer macht Vieles einfacher. Hier steht "auch einer", ein sehr aufwendiger digitaler 6 Kilowatt starker "Kinoton" Beamer für die 3D Projektion. Der ist inzwischen voll "Bildschirm gesteuert" und hat das Film-Programm der ganzen Woche auf großen Raid-Sytemen gespeichert und alle Filme sind sofort abrufbar.

Natürlich können nach heftiger Intervention von Herrn Schütz immer noch 35mm / 4-Kanal Magnetton Filme sowie 70mm 6-Kanal Magnettonfilme komplett von den zwei Bauer U2 Maschinen gespielt werden. Selbst die beiden Lichttoneinheiten, eine davon inzwischen mit einem roten Laser ausgestattet, sind immer noch verfügbar.

Die beiden letzten Bilder zeigen die Magnetplatteneinheit des Dolby Surround Sytems sowie den LCD Bildschrim zur Porgrammsteuerung des Beamers.

Die Beamer-Technik ist für Tage im Voraus planbar, programmierbar und läuft nahezu vollautomaisch ab. Das ist eine erhebliche Erleichterung gegenüber früher, jedenfalls solange alles funktioniert. Denn innen drinnen ist diese Technik um Dimensionen komplizierter.

Der Residenz-Palast in der Luisenstraße 42

Das Residenz- "Theater" auf der rechten Seite
Zeitungsanzeige Jan. 1956
Ein Traum aus der Erinnerung

Der Residenz-Palast in der Luisenstraße (heute in 2012 Luisenforum) direkt gegenüber der heutigen Parkhaus-Auffahrt des Karsch-Hauses war (meines Wissens nach) eine allzu kurze Kino-Episode von Wiesbaden. Es war nämlich das mit Abstand größte aller Wiesbadener Kinos. Zum Kino umgebaut wurde es angeblich bereits 1921. Wann es nach dem Krieg dann modernisiert bzw. zu einem Kino-Palast umgebaut wurde, es könnte vermutlich sehr spät um 1954 gewesen sein (wegen der damals modernen Ernemann X Projektoren).

Abgerissen wurde der "Palast" bereits um 1960 zugunsten eines Kaufhauses. Während der Abbruchphase war die ganze Frontseite zur Luisenstraße offen und man konnte die gewaltigen Dimensionen des großen 1275 Plätze Kino-Saales sehen. Der war deutlich größer als das heutige "Arkaden am Ring". Geleitet wurde der Palast von drei Personen: Kuno Kerber, Marlies Kerber und Otto Börker.

Das "Residenz Theater" war ursprünglich ein großes sehr renommiertes (privates) Schauspielhaus, es wurde schon 1922 das "Kleine Haus" des Staatstheaters und blieb es bis zu seinem Untergang in den Brandnächten von 1945. Die Bühne vor und hinter der Bildwand war bestimmt auch riesig.

Im Residenz war bis zum Abriss die allerneuste Technik an Projektion, Licht und Lautsprechern zu sehen. Dort standen wie in vielen anderen großen Kinos zwei Ernemann X Projektoren. Der Kinosaal (mit den 1275) Plätzen war mit (blauem oder rotem ?) Samt sehr gediegen und luxuriös ausgekleidet und schimmerte sogar während des Abbruches noch gespenstisch magisch, als wollte er rufen "Was tut ihr mir an". Ich wohnte ja kaum 400 m entfernt in der Adelheidstraße und ging jeden Tag nach der Schule zur Baustelle. Denn ich konnte damals nicht verstehen, wie "man" solch ein tolles Kino einfach so abreissen durfte und auch konnte.

Irgendwann stand nur noch die große Leinwand vor dem bereits halb abgerissenen leeren Wohnhaus dahinter, (das dann auch komplett abgerissen wurde). Wollte die Bildwand denn niemand haben ? Und dann war da am Ende nur noch ein großes tiefes Loch genau wie in meinen jugendlichen Vorstellungen von der Vernichtung dieser ehemals sicher sehr teuren Investition. Diese zentrale Lage hatte auch dem späteren Kaufhaus Hertie kein Glück gebracht. Heute (wir haben 2010) ist Hertie auch schon Geschichte und wieder ist etwas Anderes drinnen (das Luisen-Forum).

Eine Anekdote ist auch noch erhalten über den ehemaligen schlauen Besitzer (wer war das ?), der die Grundfläche des kleinen schmalen Schlauches eines unterirdischen Notausganges zur Schwalbacher Straße den Käufern im Vertrag "unterschlagen" (bzw. einfach nicht genannt) hatte und aufgrund dieses "Mißgeschickes" (angeblich) eine weitere Million raushandeln konnte. Und eine Million DM war damals 1959 sehr sehr viel Geld.

Eines der großen Hotels in Wiesbaden
mit einem riesigen Speisesaal
Die Kinoeröffnung in 1936
gerammelt volles Kino in 1955
Zeitungsanzeige Januar 1956
Die Aussenansicht etwa 1963/64
Die Kinos heute in 2010

Das Apollo in der Moritzstraße 6

Das Apollo Kino in der Moritzstraße 6 war ehemals das "Hotel Wiesbadener Hof" mit einem großen Ballsaal oder Tanzsaal.  Das war zu einer Zeit, als die eigentliche Stadt Wiesbaden am Rheinbahnhof (dort steht heute die Rhein-Main-Halle) und am Landeshaus aufhörte.

In dem Hotel gab es nur ganz oben im Vorderhaus eine Wohnung, in der in den 30er Jahren die Großeltern (unseres Zeitzeugen) gewohnt hatten.

Der Rest war Hotel. Aus dem "Hotel Wiesbadener Hof" wurde später, warum auch immer, eine Gaststätte mit Saal und aus den Hotelzimmern wurden weitere Wohnungen.

1936 eröffnete (Großvater) Erich Ewert in diesem Saal der Gaststätte das "Apollo" Kino, ein damals mittelgroßes Filmtheater mit 400 Plätzen. Der Vorführraum war in einem der ehemaligen Hotelzimmer in der Vorderfront zur Moritzstrasse untergebracht. Die Leinwand war ganz hinten am Ende des Saales.

Nach dem II. Weltkrieg so in den 50ern standen dort dann auch zwei moderne Ernemann X Projektoren mit einem Europa-Klarton Verstärker.

Das Apollo hat sich bis heute gehalten, musste aber 1963 viel Raum an das kleinere Atelier und ab 1979 an weitere 3 Minikinos,  das Alpha, 1982 das Beta und 1990 das Gamma abgeben.

Der Bedarf für die großen Kinos flaute bereits ab 1958 immens ab.

Noch 1958 hatten Erich Ewert und sein Sohn (beide bereits verstorben) den Kinotechniker Gerhard Redlich auf dem Kohlheck besucht, um ein (Neudeutsch:) "Service Level Agreement" auszuhandeln, also eine (sonntägliche) Schnellst-Hilfe- Vereinbarung auch für Feiertage.

Vater Redlich war weit und breit der am nächsten gelegene Kino-Fachmann für Samstage und Sonntage, denn vor allem an Wochenenden mußten die Kinos damals laufen, fast um jeden Preis.

Im Apollo werkelten später ebenfalls zwei Ernemann X Projektoren mit einem 20 Watt Klangfilm Verstärker.

Heute betreibt der Enkel Manfred Ewert alle Kinos in Wiesbaden.

Bezeichnenderweise hat die Familie Ewert, die später so gut wie alle Wiesbadener Kinos betrieb, 1927 mit einem "Kino für Jedermann" angefangen. Es befand sich in der Bleichstraße 5 (später das Olympia) und hieß wirklich so.


Auf dem Bild von 1956 sieht man, daß die Kinos über Jahre gerammelt voll waren, also richtige "Goldgruben", bis dann so um 1960 das Interesse dramatisch abflaute.


Das Atelier im Apollo sowie Alpha, Beta und Gamma

da kommt noch etwas

Es war einmal "Leuschs Projektions-Theater" in der Morizstr. 37

In einer alten Liste haben wir dieses Kino gefunden:
1917 Leuschs Projektions-Theater, Morizstrasse 37

Die Einkaufsstraße in Wiesbaden
Aktualitäten Kino
so sah es 1956 dort aus
hier war das AKI, heute die City Passage
Die Wochenschau von FOX
Ein Plakat von 1964
Zeitungsanzeige Jan. 1956

Das Aktualitäten Kino "AKI" (später Royal) in der Kirchgasse 50

Das Wiesbadener AKI (lag direkt gegenüber vom alten Karstadt Haus und war ein sogenanntes "Aktualitäten Kino". Dort liefen meist 3 Rollen Film (a etwa 20 Minuten) Stunde um Stunde teilweise 24 Stunden lang, (wenn sie nicht gerissen sind). Es gab da die Werbung, den Kulturfilm, die Brüller und Renner mit Dick und Doof oder Charlie Chaplin oder Pat und Pattachon und gleich vier Mal die obligatorische aktuelle Wochenschau von FOX tönend und Blick in die Welt und noch zwei weitere. Und irgendwie kam man sich immer vor wie auf oder in einem Bahnhof. Dieses AKI hier war aber nicht in einem Bahnhof wie die 18 anderen AKIs, es war eine zentrale Innenstadtlage.

Alle AKI Kinos lagen natürlich möglichst ebenerdig, waren sogar erstaunlich niedrig und voller Qualm und von der Kasse stolperte man sogleich in den Kinosaal. Anfänglich gab es den Vorführer, die Kassiererin und die Platzanweiserin. Letztere wurde irgendwann eingespart und man stolperte einfach selbst in den abgedunkelten Saal. Wurde in den Anfängen, als das AKI noch proppen voll war, etwa alle 2 Stunden der Saal "geräumt", lief das Stundenprogramm später einfach nur noch durch. Die Kinos waren sowieso nicht mehr voll zu bekommen und ob da ein paar Besucher eine Stunde oder 4 Stunden saßen, machte keinen Unterschied mehr, im Gegenteil, es fühlte sich "gut besucht" an.

In dem Wiesbadener AKI mit erstaunlichen ca. 340 Sitzplätzen lag der Vorführraum oben im erstenStock und hatte eine bescheidene (in die Jahre gekommene vielleicht wenig gepflegte) Projektionstechnik. (Darum rissen dort die Filme so oft.) Auch der Ton war damals sehr bescheiden mit dem 6 oder 10 Watt Philips Verstärker. Dafür kostete der Besuch für einen Durchlauf auch nur 30 Pfennige (später dann 50 Pfennige).

Übrigens das Mainzer AKI (hieß CIty) lag ein paar wenige Stufen hoch in der Spritzengasse 2-4. Die Technik war damals ebenfalls gerade noch lauffähig, der Zirkus mit dem dauernden Raus und Rein der Besucher war genauso ungemütlich. Dort flimmerte sogar das Bild, daß es sogar mir als Bub auffiel.

Es müssen alte Ernemann 5 oder Bauer B5 Vorkriegsmodelle gewesen sein (es waren ältere Philips FP5), die man draußen im Vorraum und sogar im Saal jederzeit vernehmlich hören konnte. Der Saal war vielleicht 3 bis 4m hoch und die Projektionsfenster mit dem Lichtstrahl etwa 2,20m über dem Fußboden (am Eingang). Jeder Besucher, der auf dem erhöhten Bereich hinter der letzten Reihe direkt unter den Projektionsfenstern im Dunklen auf die andere Seite rüber huschen wollte, unterbrach mit seinem Kopf mehr oder weniger lange das Bild, jedenfalls, bis das gesamte (Zuschauer-) Volk lautstark murrte.

Irgendwann brachten die AKIs nur noch Pornos und irgendwann waren sie dann alle dicht.

Dieses hier in Wiesbaden wurde aber von der Betreiberin noch verkauft. Das Film-Echo schreibt in Ausgabe 23/1966: Die Monopol-Filmtheaterbetriebe übernehmen ab 30. September 1966 die Räume des AKI und eröffnen am 7. Oktober 1966 an gleicher Stelle in Wiesbaden das Royal-Filmtheater. Es erhält nach Renovierung und Neueinrichtung eine edle teure 70mm Todd-AO-Anlage, die zweite in Wiesbaden neben dem Arkaden am Ring. In dem Haus mit etwa 450 (wirklich ?) Plätzen wird der Reihenabstand auf ca. 1,20 m erhöht, um den Besuchern einen entsprechenden Komfort zu bieten. Geschäftsführer ist Holger Nocke. 1970 wurde das ROYAL-Kino von der Ewert Gruppe übernommen und dann schließlich geschlossen und gänzlich verkauft.

Das Odeon-Theater in der Kirchgasse 18

In der Kirchgasse gab es einmal noch ein weiteres Kino. Schon 1917 mitten im 1. Weltkrieg wurde das Odeon-Theater eröffnet. Etwa 1920 wurde es zu den "Odeon-Lichtspielen" umgebaut bzw. umgetauft. Die damals 227 Plätze wurden von einem Georg Cammerer betreut. Wann es aufgegeben wurde, ist nicht bekannt.

Ob hier das Biophon drinnen war ?

Die Monopol-Lichtspiele in der Wilhelmstr.

Von dem gleichen Georg Cammerer wurden 1920 die 1917 eröffneten "Monopol"-Lichtspiele ???  (evtl. im Hotel Monopol das Biophon) übernommen. Die Inhaber waren bis 1920 Ed. u. Am. Beckel aus der Wilhelmstr. 12. Das Kino hatte damals 220 Sitzplätze. Wann das Kino aufgelöst wurde, ist nicht bekannt.

Hotel Kaisersaal Dotzheimer Strasse

Ob diese beiden Bilder dem nachfolgende "Scala Kino" zuzuordnen sind, ist unklar, denn es gibt keine Zeitzeugen mehr, die das bestätigen oder korrigieren können.

Lange nach der Theaterzeit 1955
Der Torbogen links war mal der grosse Eingang
nichts ist übrig geblieben

Das Scala-Theater in der Dotzheimer Straße 19

Der Kinounternehmer W. H. Zickenheimer hatte neben dem Walhalla und dem Bambi auch noch das große "Scala Kino" mit 850 Sitzplätzen.

Der Kinosaal müsste früher auch mal ein sehr großer Tanzsaal gewesen sein und das war er später auch wieder, genannt "Western Saloon". (Pferdestall war falsch - der war in der Goldgasse.) Der damals imposante Eingang führte ebenerdig durch das Vorderhaus ganz hindurch in den dahinter liegenden sehr großen und hohen Saal.

Von der gewaltigen Bühne liest man, sie sei 12m x 8m x 11m groß gewesen. Ich erinnere mich an eine sehr breite riesige Cinemascope Leinwand von durchaus 12 Metern Breite, denn während der Kinozeit war von der Bühne ebenso wie im Walhalla und im Ufa im Park / Caligari so gut wie nichts zu sehen. Zu seinen Kinozeiten rasselten dort zwei Philips Projektoren.

Offensichtlich war aber der riesige Saal (bzw. das Dach) in den späten 70ern so baufällig, daß die Reparatur zu teuer wurde und er dann nach 1989 abgerissen werden mußte. Das Vorderhaus steht noch. Hinten - dort stand früher der große Saal - ist heute (2010) eine große Freifläche.

Das "City" in der Langgasse 5-7

Das Gebäude dieses ehemaligen recht großen Kinos in der Nähe der kleinen Langgasse gegenüber der Schützenhofstraße können Sie heute noch bewundern. Es war äußerlich trotz der diversen Umbauten über lange Zeit nahezu erhalten geblieben. Uns Wiesbadenern ist meist die "Kaufhalle" in Erinnerung. Es war quasi das alte Kino mit einer Zwischendecke und einer damals neuen Rolltreppe in der Mitte.

Heute steht dort immer noch das zweigeschossige Sport-Kaufhaus, jedenfalls in 2010 war es noch so. Das kann sich aber monatlich ändern. Das "City" war eines der ersten Kinos in Wiesbaden mitten im Stadtkern, das wegen der extremen Besucherflaute (ab 1958) dann etwa 1963 dicht gemacht und zur Nutzung als Kaufhaus umgebaut wurde. Gleiches geschah auch mit dem Regina Palast in Biebrich.

Zum Kinosaal mußte man am seitlichen Eingang eine ganze Menge Stufen erklimmen, wie auch im Neuen Filmpalast und im Walhalla. Der Saal lag nämlich im ersten Stock und war merkwürdig schräg nach oben gebaut, die Bildwand war erhöht aufgestellt und die Projektoren (es waren bereits die neuen preiswerteren Ernemann 9) guckten schräg nach oben. Auch die Hälse der Besucher mußten nach oben schaun. Das war für Wiesbaden fast einmalig (ähnlich dem Union in der Rheinstrasse), denn in den meisten Kinos war der Zuschauerraum leicht abfallend runter zur Bildwand konzipiert. So konnte der Zuschauer im Normalfall geradeaus schaun und das war deutlich weniger ermüdend.

Zwei weitere Kinos in der Bleichstraße, das Olympia in Nr. 5 und das Astoria (auch Urania) in Nr. 30

Das Olympia in der Bleichstraße 5
Das Astoria in der Bleichstraße 30
Ein Blick auf den seit langem umgebauten Kino-Saal

In der Bleichstraße gab es noch zwei weitere kleinere Kinos, eines in der Bleichstraße 5 (das spätere Olympia) und eines in der Bleichstraße 30. Zu diesen beiden Kinos hatte ich nie so rechten Kontakt, und zu den frühen 1960er Pornos hatte ich auch keinen Draht. Es fiel nur auf, daß dort selten jemand (meist jemand Männliches) rein oder raus kam.

Das mit den Kinos in der Bleichstrasse hatte in der Nr. 5 eigentlich schon 1927 mit einem kleinen Kino (der Familie Erich Ewert) namens "Kino für jedermann" angefangen. Es war wirklich das spätere Olympia in der Nummer 5. An der uralten Verkleidung des Hauses Nr. 5 unterhalb des Balkons kann man das Aussehen aus den Gründerjahren erkennen. Heute jagt ein Bistro das nächste. Der eigentliche Kinosaal war ebenfalls im Hinterhaus und man ging durch eine Torfahrt hindurch. Im Olympia werkelten für ca. 210 Plätze (andere sprechen von 197) zwei uralte AEG Projektoren (Vorkriegsmodelle) ebenfalls mit einem alten Klangfilm Verstärker. Besitzer und Theaterleiter war 1937 ein Herr Geo Schäfer, später siene Frau Grete Schäfer.

Das zweite Kino in der Bleichstrasse Nr. 30 startete 1921 als "Urania-Lichtspiele" mit heren Zielen. "Es soll sich in erster Linie mit der Vorführung wissenschaftlicher Filme befassen." Irgendwann wurde es in Astoria umbenannt. Im Astoria werkelten für die 210 Plätze zwei Bauer B6 mit einem zur damaligen Zeit sehr edlen Klangfilm 20 Watt Verstärker. Das war viel und laut und gut. Besitzer und Theaterleiter war damals erst Paul Lehr und später Theodor Schroer.

Das Luna (auch Germania) in der Schwalbacher Straße 57

Das Luna in der Schwalbacher Straße 57 direkt neben einem Parkhaus auf der Seite zur Kirchgasse (oberhalb der Wartburg) hat eine bewegte Vergangenheit. So liest man: Es begann 1917 als "American- Biograph- Theater". Dann etwa 1920 hieß es unter Julius Levie "Germania-Lichtspiele" und hatte 227 enge Plätze. Ab 1937 hieß es dann "Luna-Ton-Theater" und wurde von Fritz Else geleitet.

Andere Quellen schreiben: Damals soll es über 140 Sitzplätze gehabt haben und von Elisabeth Else geleitet worden sein (sicher vor der Porno-Zeit). Die mir unbekannten Askania Projektoren mit einem Klangfilm Verstärker kamen in dem kleinen Saal mit der Bühnenbreite von ca. 4m (x 2,75m) sicher ganz gut zurecht.

Dieses kleine Porno-Kino gibt es heute noch. Mit nunmehr vielleicht 60 Plätzen konnte man es getrost übersehen. Es war meines Wissens nach schon vor 1960 für erwachsene Männer reserviert. Draußen in den Schaufenstern hingen wenig aussagekräftge Filmplakate und Bilder und rein oder raus kam selten jemand. Slogan damals wie heute: Komm rein und habe Feude".

Das Kammer (oder Victoria ?) in der Wellritzstrasse 49

Das "Victoria ??" oder Kammer oder "Passage Cinema im Westend" Kino steht fast am Anfang der Wellritzstrasse (Nr.49) (seit langem Einbahnstrasse vom 1.Ring her) aber noch vor der Walramstraße, mit wenigen Stufen fast ebenerdig in einem Hinterhof. Inzwischen soll es zu einem multikulturellen Kulturzentrum gewandelt werden, nachdem die Wellritzstraße (samt Umfeld) fest in türkischer Hand ist.

Laut anderer Quellen soll es auch mal "Passage"-Programmkino geheißen haben. Darüber sind nur wenige Informationen verfügbar. Inhaber war ein Otto Roos aus Dotzheim. Das Bild für die 350 Sitzplatze machen zwei Askania AP XII Projektoren und den Ton ein Elac TV 25/2. Eine richtige Bühne mit 8m x 5m x 5,5m gab es auch.

Dazu soll es in der Wellritzstrasse Nr.1 sowie in der Wellritzstrasse Nr. 6 auch noch Kinos gegeben haben. Siehe ganz unten in der Tabelle.

Es gab da noch ein Kino in der Wellritzstr.6

In alten Quellen habe ich gelesen, in der Wellritzstr. 6 gab es ab 1917 die "Westend-Lichtspiele" (später auch Kammer ?). Ab etwa 1920 hieß es dann "Lichtspielhaus Westend" und hatte 227 Plätze. Der Eigentümer war ein Herr Wilhelm Gottschalk. Eine Quelle spricht auch noch von einem Kino Namens "Victoria-Lichtspiele" ab 1917 in der Wellritzstr. 1.

Das Union Theater (auch mal Royal) in der Rheinstraße 47

Dieses Kino hat auch eine längere Vergangenheit. 1917 als "Royal-Biograph-Theater" von dem Wiesbadener Ernst Müller mit ca. 200 Plätzen gebaut und/oder eingerichtet, wurde es 1920 zum Union-Theater mit nur noch 180 Plätzen unter der Leitung von Heinrich Voß. 1937 übernahm es Wilhelm Kuroczik aber mit nur noch 158 Plätzen.
Heute ist es ein größeres Wiesbadener Optikergeschäft. Das relativ kleine Kinosaal war mit dem Bürgersteig ebeneerdig. Die Fußbodenneigung war zur Bildwand aufwärts ausgerichtet und man mußte schräg nach oben auf die Bildwand schaun. Das war schon damals mühselig und es gab verrenkte Hälse. Damit war diesem Kino keine Zukunft vergönnt. Zwei Bauer B6 Projektoren mit einem Lorenz Kinoton Verstärker waren für den kleinen Saal vermutlich ausreichend. Auch hier gab es eine richtige Bühne mit 5 x 3 x 4 Metern.

In der Rheinstraße 1 sowie in der Nr. 41 sollen auch mal Kinos gewesen sein. Siehe ganz unten in der Tabelle.

1917 Das Imperial-Biograph-Theater in der Rheinstr. 41 - nicht zu verwechseln mit dem Biophon in der Wilhelmstrass 6-8

Inzwischen ist diese anfänglich ganz normale "Kinos in Wiesbaden" -Seite sehr sehr lang geworden und wir mussten das auf mehrere Seiten aufteilen.

Ein großes Kino, das nur wenige kennen :
Das TAUNUS Theater (auf dem Hainerberg bei den Amerikanern)

Gegenüber dem uralten Sportplatz an der Berliner Straße (verlängerte Frankfurter Straße - Ecke 1. Ring), großspurig jetzt Brita Arena genannt, liegt auf der kleinen Anhöhe des Hainerbergs das amerikanische Einkaufszentrum und in diesem Areal liegt das "TAUNUS Theater".

Im August 2012 durfte ich endlich mit viel Geduld und Glück einen Blick in dieses amerikanische Kino auf deutschen Boden werfen. Mehr lesen Sie hier.

Zwei besondere Kinos in Wiesbaden:
In 2008 eröffnete das "Murnau Filmtheater"

Das Murnau Filmtheater mit etwa 100 Plätzen ist im Murnau Haus am Wiesbadener Hauptbahnhof in 2008 ganz neu erbaut worden. In dem Haus wohnt natürlich auch die heutige Murnaustiftung, die das historische Film- und Kultur- Erbe der (zerschlagenen) UFA bewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich macht.
Mit dieser Ansiedlung von Murnaustiftung und "Freiwilliger Selbstkontrolle der Filmwirtschaft" (und weiteren filmbezogenen Organisationen) soll an die ehemaligen Filmaktivitäten in Wiesbaden unter den Eichen angeknüpft werden.

Die Haupteingang Ende der 50er Jahre
Die große Halle voll besetzt mit 3500 Gästen
Grossprojektion bei einer Veranstaltung
Der 23. Deutsche Filmtheater Kongress 1993
Der neue Eingang im Jahr 2006

Da habe ich doch glatt noch "Eines" vergessen, das mit Abstand größte aller Wiesbadener "Kinos"

Es ist die große alte Rhein-Main-Halle (heutige Halle Nr.1) in ihrer ursprünglichen Form mit nur einer großen Halle. Diese Halle 1 wurde 1957 eröffnet und war mit 40m x 50m Fläche der Hammer weit und breit. Es gab eine Vielzahl großer senkrechter motorisch bewegter (Außen-) Blenden an den beiden Längsseiten zum Verdunkeln des großen Saales und ein auffahrbares Dach oben drüber, also damals mit allen Schikanen geplant und gebaut. Und es gab 2 moderne Ernemann X Projektoren wie im "UFA im Park". Der Projektionsabstand war eine Sensation, der war mit nahezu 50m ebenfalls gigantisch für die 2KW Bogenlampen.

In die Halle wurden anfänglich für Kinovorstellungen bis zu 2500 Sitzplätzen sehr einfache stapelbare Stühle gestellt. Die restlichen 1000 Sitzplätze auf den beiden Tribünen rechts und links eigneten sich nur bedingt fürs Kino. Vom Technikraum oben unterm Dach, der Licht und Ton Regie, konnte man die Halle sehr gut überschauen.

Ein unvergssenes Highlight waren die sehr beeindruckenden Vorführungen der Super-Filme "Windjammer" und "Die Sieben Weltwunder" mit 3 synchronen Cinerama Projektoren, die in weitem Abstand voneinander oben auf dem schmalen Rang aufgestellt waren.

Die drei Projektoren haben überkreuz auf die nahezu halbrunde (auch wiederum gigantisch große) Bildwand (mit über 24m Breite) projiziert. Ich weiß nicht mehr, ob es drei 70mm Streifen waren oder drei 35mm Streifen. Es war in den allerersten Jahren nach der Eröffnung und ich war noch nicht 10 Jahre alt.

Später wurden die Filmvorführungen immer seltener. In den anderen Kinos in Wiesbaden war inzwischen deutlich mehr Komfort und Qualität eingezogen, das "Arkaden am Ring" hatte damals nahezu 1000 Plätze und die großen Kinos "Residenz" und "Thalia" und "Walhalla" und das "UFA im Park" gab es ja auch noch. Dazu war die Akustik in der Rhein-Main-Halle eine Katastrophe, denn dazu war sie ja nie gebaut worden.

Heute wird sich kaum noch jemand an die alten filmischen Großereignisse erinnern, wenn 2000 Besucher in Abendgarderobe in die Halle strömten, um einen Film zu sehen. Meines Wissens nach sind die beiden alten Projektoren seit langem außer Betrieb, denn sie wurden nur noch sporadisch für Konferenzen und Kongresse eingesetzt.

Heute macht man das alles mit einem Beamer. In der Rhein Main Halle hatte ich auch den ersten Philips Farb-Eidophor Projektor in Aktion gesehen, auch von ganz hinten über die gesamte Projektionsentfernung bis auf die Bühne. Und das waren, so glaube ich, immer noch über 45 Meter.

Volker Schlöndorf nennt ein Kino mit Namen Rio

Bei einer Lesung hier in Wiesbaden hat Herr Schlöndorf diesen Namen genannt. Wem ist ein Wiesbadener Kino mit diesem Namen "RIO" bekannt ? Bitte einen Kommentar senden.

Wir suchen alte Bücher und Zeitschriften über Wiesbaden.

Bilder von den Kinos außen sowie innen sind offensichtlich rar. Die Ära der Kinos war irgendwann (wann war irgendwann ?) vorbei und dann wird alles weggeworfen - - oder doch nicht ??

Wenn Sie noch alte Bilder von den Straßen mit den Wiesbadener Kinos haben, wir würden die gerne mal ansehen und fotografieren.

Sie möchten etwas korrigieren oder ergänzen ?

Ich selbst bin Baujahr 1949 und war damals 14 bis 18 Jahre alt. Vieles habe ich von meinem Vater übernommen, der ist inzwischen 97 Jahre (wir haben Okt. 2016) und seine Erinnerungen versinken so langsam in der verklärten Wahrheit der Erinnerung - siehe hierzu ein Beispiel für die verklärte Wahrheit der Erinnerung - aber aus der Hifi-Zeit.

Wenn Sie etwas mehr wissen über Wiesbaden und Mainz und etwas dazu beitragen können, das wäre super. Sie können mich gerne anrufen, ich rufe natürlich zurück oder Sie schreiben etwas in den Kommentar rein.
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Hier ist ein kurzes kleines Kommentar-Formular.

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Inzwischen ist diese anfänglich ganz normale "Kinos in Wiesbaden" -Seite sehr sehr lang geworden und wir mussten das auf mehrere Seiten aufteilen.

Es gab ja noch viel mehr Kinos in Wiesbaden.
Die folgende Liste kommt aus dem Internet, wurde dort vermutlich lange nicht mehr gepflegt.

Die Wiesbadener Kinos, wie sie von "außerhalb" gesehen werden. Im Nov. 2010 habe ich aber dann doch einige Korrekturen vorgenommen und Innenstadt und Vororte aufgeteilt. In den Archiven der beiden Wiesbadener Tageszeitungen wird sicher noch Einiges mehr zu finden sein.

Name und Ort Sitzplätze Bau/Einrichtung
Apollo Moritzstr. 6 656 (5 Kinos) seit 1936
Arkaden Bleichstr. 45-47 535 seit 1955
Astoria (Urania) Bleichstr. 30 220 1920 -
Astoria (Westend-Kino) Wellritzstr. 6 130 vor 1918 -
Auxetophon - Tonbildtheater Dotzheimer Str.?? ??? 1907 -
Bambi unter dem Walhalla Mauritiusstr. 3 133 seit 1950
Biophon / Hotel Monopol Wilhelmstr. 6-8 ??? 1907 -
Biophon (im Hotel Monopol) Wilhelmstr. 6-8 200 1915 - ca.1920
Bioscope Wellritzstr. 20 ???  
Caligari (siehe Ufa im Park) Marktplatz 9 425 umbau 200x
Capitol am Kureck (Kinephon) Taunusstr.1 301 1907-1964
City Langgasse 5-7 233  
Esplanade Friedrichstr. 35 250  
Filmstudio Wilhelmstr. 38 225  
Germania - LS Schwalbacher Str. 57 220  
Imperial Biograph Rheinstr. 41 ??? 1910 -
Kaiser - LS Rheinstr. 1 ??? vor 1918
Kammer - LS Mauritiusstr. 12 204 ca.1920 -
Kino für Jedermann Bleichstr. ?? ??? 1927 -
Kinephon (späteres Capitol) am Kureck    
Kinotheater Schwalbacher Str. 41 ??? vor 1918
Kristall - Palast Schwalbacher Str. 51 550 1920 -
Leusch´s Projektions - Theater Moritzstr. 37 ??? vor 1918
Luna(Rhenania,Germania,American Biograph)
Schwalbacher Str. 57
135 1907 -
Neuer Filmpalast (Paris Ciné) Schwalbacher 8 860 1924 ?? - 1969
Odeon - LS Kirchgasse 18 250 1911 -
Olympia Bleichstr. 5 225  
Radium - LS - wo bitte ??   1913 -
Residenz - Palast Luisenstr. 42 1200 1956? bis 1959
Royal (vorher AKI) Kirchgasse 50 339  
Scala Dotzheimer Str. 19 821 1953 -
Silva- Theater Schiersteiner Str. 68 320 1951-
Silva-Lili Schiersteiner Str. 68 200  
das alte Thalia Kirchgasse 72 ca. 1000 seit 1914
Thalia & Hollywood Kirchgasse 72 786 (2 Kinos) seit 199x
Ufa Palast (dann Ufa Filmtheater,dann Ufa im Park) Marktplatz 9 425 1923 -
Union (Royal Biograph) Rheinstr. 47 158 1914 - ca. 1944
Viktoria (Apollo) Wellritzstr. 1 ??? 1911 -
Walhalla Mauritiusstr. 3 1408 ??? 1918-1990
Westend - LS (Kammer) Wellritzstr. 49 300  
     
Vororte Kastel-Kostheim    
Zentral Kastel wo bitte ?? 500  
Siedlungs - LS Kostheim Pasauer Str. 48 300  
Erstes Kostheimer Lichtspielhaus Hauptstr. 60 ??? ca. 1920 -
Odeon Kostheim Hauptstr. 92 348  
Kino in der Victoriastrasse ??    
     
Biebrich    
Adler-Lichtspiele (ehemals Rheinstr. 24)
heute Adolfsgäßchen
528  
Union (ehemals Wilhelm-Anlage 1)
heute August Laus Str. Ecke Rathausstr.152
??? 1912 -
Regina-Palast - Strasse der Republik 19a 683  
Park-Theater (ehemals Wiesbadener Str. 39)
heute Am Schlosspark 61
400 1916 -
     
Schierstein    
Union Schierstein Dotzheimer Str. 2
(heute Alfred Schuhmann Str.)
180 1916 - 1926 ?
Drei - Kronen - LS Schierstein ehemals
Wilhelmstr. 29 (heute Reichsapfelstraße 22)
312 1927 -
     
Dotzheim    
Rex Dotzheim Römergasse 7 200 ab 1953
Römer - LS Dotzheim Römergasse 12 279 ab 1939
Roxy am Kohlheck Drosselweg 3 280 ab 1957 - 1966
     
Sonnenberg    
Kinotheater Dambachtal 18 ??? vor 1918
Burglichtspiele Sonnenberg Rambacher Str. 15 132  
     
Erbenheim    
Filmtheater Erbenheim (ehemals Mainzer Str. 21) 288  
     
Bierstadt    
Filmbühne Bierstadt (Taunus-LS)
Wiesbadener Str. 32 (jetzt Patrikstrasse)
400  
Gambrinus - LS Bierstadt - wo bitte ??? ??? 1929 -
Reichshallen_Stiftstr.jpg
Biophon-Plan-1906.jpg

Fundstücke aus Herrn Schallers Archiv (ehemals FilmEcho)

Nach unbestätigten Berichten soll es in den Reichshallen in der Stiftstrasse 16 auch Filmvorführungen gegeben haben. Von diesen Reichshallen ist nichts mehr überliefert.


Weiterhin gab es im Hotel Monopol ein Variete und/oder Kino mit Namen "Biophon Theater" in der Wilhelmstraße 6 oder 8.

Wo der Eintrag vom "Hotel Metropol" her kommt, war nicht herauszufinden.

Loge Plato in der Friedrichstraße um 1914

Das ist ein Foto des Hauses "Loge Plato" in der Friedrichstraße gegenüber dem Casinogebäude, vermutlich ein Teil der ehemaligen Gebäude, die gegen Kriegsende zerbomt wurden und auf deren Grundfläche heute die neue Synagoge steht. Hier sollen sogar von Lumiere persönlich die ersten Filme in Wiesbaden gezeigt worden sein.



Ein Teil der Bilder stammt aus dem Fundus von D. Schaller Wiesbaden.

Und noch eines vergessen:
Das Esplanade in der Friedrichstr. 35

1956 ist von einer Umbenennung der Roxy-Lichtspiele in Esplanade die Rede. Es müsste das Gebäude links neben der heutigen Synagoge sein. Alte Fotos wären willkommen, denn die alten Häuser wurden abgerissen und durch Neubauten ersetzt.

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