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Will Tremper - Autor, Journalist und Filmemacher 1928-1998 †

Seine Lebensbiografie - Erstausgabe aus 1993
Dann noch einmal nachgedruckt in 1996

Will Tremper war im Sept. 1928 in einem kleinen Kaff am Rhein geboren worden und war somit bis zum 16. Lebensjahr gänzlich im 3. Reich aufgewachsen.

Bei Kriegsausbruch 1939 war er 11 Jahre und im April 1945 war er gerade mal 16 1/2 Jahre alt. Durch den erlebten "Endsieg" des 2. Weltkriegs und den ganzen indoktrinären NS-Zirkus wurde auch ihm ein großer Teil seiner Jugend gestohlen.

Er hat in seinem Leben richtigen echten Hunger und viele Entbehrungen und Enttäuschungen sowie auch richtigen Wohlstand durchlebt, mehrere Mißerfolge zu verkraften gehabt und auch Erfolge zu verkünden und war mit seiner 4. Frau Celia immerhin 38 Jahre verheiratat.

Er wollte schon immer zum Film und hatte am Ende 3 Filme über das Drehbuch maßgeblich gestaltet und 4 eigene Filme "gemacht" und somit eine große Zahl mehr oder weniger bekannter Namen kennengelernt, und zwar von allen Seiten, auch von den menschlichen Abgründen her.

Er selbst war kein Kind von Traurigkeit, dazu hatte er in den letzten 12 Monaten des Krieges zuviel erlebt, und alles in einem Alter, in dem Jugendiche noch lernbegierig und lernfähig waren und immer noch sind.

Das alles schreibt er in seiner eigenen sehr ausführlichen 540 Seiten langen ersten Biographie und dazu in seiner eigenen legeren und vor allem sehr deutlichen Sprache. Er lamentiert nicht drum herum, auch wenn es einigen anderen Zeitgenossen nicht gefällt.

Die 2. Ausgabe seiner ersten Biografie kam 1996 raus, 2 Jahre vor seinem Ableben mit 70 Jahren. Sie ist nahezu wortgleich zur ersten Ausgabe von 1993. Über die Auflage ist bislang nichts herauszufinden.

In 1997 schrieb er seine zweite Biografie über seine Filme.
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Will Tremper war beim Formulieren gnadenlos direkt ......

In seinem frühen Bestreben, eigene Filme zu machen, kam Will Tremper automatisch mit allen Größen der Filmwirtschaft zusammen und erlebte die Welt hinter den wunderschönen aber täuschenden Glitzerkulissen hautnah. Bei seiner direkten und deutlichen Kritik nahm er kein Blatt vor den Mund, so sehr hatte ihn das korrupte und teils verlogene Verhalten der falschen geldgierigen Film-Bonzen geärgert.

Natürlich machte er sich damit nur wenige bis gar keine Freunde (Freunde nur bei den Chefs der Boulevard-Zeitungen), eher eine Menge Feinde (durch die Einblicke in die damalige eigentlich geschlossene Clicke der Filmwirtschaft). Und solche internen fast konspirativen Geschichten wollte die Filmwirtshaft einschließlich aller mit dem Film verbundenen Personen, Sternchen, Vereine und Verbände, auch derer hier in Wiesbaden im Biebricher Schloß, nicht nach draußen dringen lassen - sehr ähnlich wie in der katolischen Kirche in den Jahren ab 2015, als dort viele unschöne strafbare "Geschehnisse" aufgedeckt wurden..

Es ist heute noch schleierhaft, wie manche der damaligen Firmen und Regisseure und Produzenten an die Bonner Subventionen für ihre Filme gekommen sind. Will Tremper nahm diese fast immer geheimen Machenschaften gnadenlos "aufs Korn".
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Und so finden Sie in der Film- und Kino-Historie einige sehr verschiedene Biografien über Will Tremper.

Einige große (deutsche) Magazine und Zeitschriften waren sehr wohl an der Offenlegung der "Machen- schaften" der Filmwirtschaft - vor allem der oberen Etagen - sehr interessiert. Beispiele dafür sind die Veröffentlichungen über die UFA von 1960und 1961. Als Autor dieser Seiten hatte ich durch unseren Vater Gerhard Redlich einige frühe Einblicke in diese Art von indirekten Erpressungen und brutalen branchenüblichen Nötigungen durch die Film-Verleih-Firmen.

Ich fragte damals aus Neugierde den Kunden und Freund meines Vaters, Bernhard Schilling aus Mittelheim am Rhein, warum er neben dem großen wichtigen Kino in Öestrich/Winkel (damls war das Mittelheim) auch noch in Geisenheim und in Öestrich weitere teils kleine Dorf-Kinos hatte. Also Geisenheim war ok, denn dort gab es ein Vakuum, aber das Haupt-Kino in Oestrich-Winkel brauchte er, damit er der Erpressung seiner Verleiher ein Gurken-Kino für abgehalfterte Schmarren nachweisen konnte. Nur derjenige Kinoebsitzer bekam die besuchermäßigen umsatzstarken Renner bei den neuen Filmen, wenn er auch die nicht mehr verleihbaren abgenudelten Gurken irgendwo weiter spielte (dudelte).

In Wiesbaden zum Beispiel waren es das kleine Bambi Kino unten im Walhalla-Keller und das kleine Silva-Lili (unten im Keller) des großen Silva (oben drüber ebenerdig). Auch aus Mainz und Frankfurt weiß ich noch genügend Beispiele für solche "Reserve"-Kinos, die auch nie kostendeckend liefen. Es war der Erpressung der Verleiher geschuldet. Und Will Temper machte daraus für "Die Zeit" 5 Artikel unter dem Titel :
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"Erfahrungen in einer verrotteten Industrie"

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  • Teil 1: Die Zelluloid-Verkäufer (22.07.1966)
  • Teil 2: Die Zelluloid-Belichter (19.08.1966)
  • Teil 3: Die Atlas-Krise (16.09.1966)
  • Teil 4: Deutschland, deine Sternchen sind schnuppe (30.09.1966)
  • Teil 5: Eklärungen an Eides Statt (21.10.1966)

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Und auch wieder - selbstverständlich - klagten die angesprochenen und direkt oder indirekt namentlich genannten Firmen und Personen gegen diese Veröffentlichungen.
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Im Nachhinein betrachtet (also aus meiner Sicht - etwa ab dem Jahr 2010) und damit auch entsprechend bewertet - waren das ziemlich unlautere monopolistische Methoden, die sich beim späteren Niedergang des deutschen Kinos und des Films insgesamt fürchterlich gerächt hatten.
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Sollten Sie die Inhalte dieser fünf Artikel als Text vorliegen haben, wäre ich für einen Anruf dankbar.
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