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1961 macht die "UFA-Handel" dicht - alle werden entlassen

Aus den aufgefundenen Unterlagen des Kinotechnikers Gerhard Redlich entnehmen wir, daß es der UFA Tochter "UFA Handel GmbH" in Düsseldorf und Frankfurtam Main zum Mitte/Ende 1961 ertragsmäßig nicht mehr gut ging - jedenfalls angeblich. Doch bei etwas tieferer Recherche stößt man als Redakteur auf eine Menge an Informationen aus den wenigen Jahren zuvor. Und aus den Provionsberichten dieses einen Technikers könnte man folgern, es ginge wieder aufwärts - nach dem Untergang vieler Kinos. Bei den geretteten Zeitungsausschnitten fand sich dann ein typisch reißerischer Artikel aus der "allseits so beliebten" BILD-Zeitung vom 16. August 1960.

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UFA Film-Boß Arno Hauke tritt ab
Nach dem Fünf-Millionen-Verlust

Düsseldorf 16. August 1960 - Seit Tagen versetzen sensationelle Gerüchte die Film- und Finanzwelt in helle Aufregung: „Der große Filmboß der Ufa wird entlassen! Arno Hauke hat gekündigt!"

Bild-Redakteurin Christi Ursula Camphausen besuchte Hauke in seiner Düsseldorfer Wohnung. Er deutete an, daß er nicht auf seinen Posten zurückkehren werde! Er stehe bereits in „weitreichenden Verhandlungen" mit anderen Firmen. „Die Ufa ist wie ich, die hat stabile Beine, die wirft nichts um!" Dieser Ausspruch stammt von Arno Hauke (38), dem Generaldirektor des Ufa-Konzerns, einem der einflußreichsten Filmbosse Europas. Dieser Ausspruch scheint - zu allermindest, was Hauke betrifft - jetzt nicht mehr ganz zu stimmen.

Auf Anfrage von BILD bestätigte die Ufa-Pressestelle: Es kam zu schweren Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Ufa-Aufsichtsrat und Generaldirektor Hauke. - Man kann von einem Zerwürfnis sprechen. - Gewisse „Abwicklungsarbeiten" sind schon im Gange. - Herr Hauke ist zwar nicht fristlos entlassen worden. - Jedoch ist eine „verhältnismäßig kurzfristige" Vertragslösung in seinem Falle durchaus möglich.

Der Chef der größten deutschen Film-Firma mit seiner Frau - So war es auf dem Berliner Filmball 1959: Wenn immer Arno Hauke und seine Frau Ingrid zigarrenrauchend in der Öffentlichkeit auftauchten, hieß es: „Aha - Herr und Frau Generaldirektor. Auf den Zigarrenbanderolen prangte die Aufschrift „Sir Arno".

„Sir Arno", wie Hauke genannt wird, hat es also offenbar doch von seinen „stabilen Beinen" geworfen. Daß die Beine der UFA auch nicht mehr ganz so stabil sind, ist möglicherweise die Ursache für den UFA-Krach.

Hauke hat im letzten Geschäftsjahr die runde Summe von 5,4 Millionen Mark herausgewirtschaftet - allerdings in „roten Zahlen" -, das bedeutet: 5,4 Millionen Verlust. ! Und das ist selbst für die UFA kein Pappenstiel.

  • Anmerkung : Wir sind im Jahr 1960 und da waren 5 Millionen DM etwa so viel wie heute vielleicht 100 Millionen EUro.


Als Hauke diese Zahlen am 28. Juli 1960 bekanntgab, sprach man in Filmkreisen von einer Kapitulation.
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Die größten UFA-Pleiten waren:

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  • „Das Totenschiff",
  • „Kein Engel ist so rein",
  • „Liebe, Luft und lauter Lügen".


Hauke
(38) ist bei den Filmschauspielern nicht sonderlich beliebt. Trotzdem versuchte er, in künstlerischen Dingen mitzureden. Seine Frau, die frühere Fernsehansagerin Ingrid Ernest (26), wollte er zum großen UFA-Star machen. Aber daraus wurde bisher nichts. Erst kürzlich nahm man ihr die Rolle in „Heldinnen" weg, die ihr zugedacht war.
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In Fachkreisen herrscht die Ansicht, daß der Filmboß ein Opfer der allgemeinen Filmkrise geworden ist. Ob Haukes Beine vielleicht doch noch stabiler sind, als die der UFA, wird sich zeigen. Man munkelt nämlich, daß er beim zweiten Fernsehen wieder auftauchen wird .........
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Eingeweihte Kreise wußten zu dieser Zeit über die Finanzlage:

Nach diversen Berichten hatte die UFA etwas mit der AEG/Telefunken "Aktien Gesellschaft" gemeinsam. Beide hingen am Tropf der deutschen Goßbanken und deren Wohl und Wehe. Sowohl die UFA wie auch die AEG waren also so nicht lebensfähig. Und sowohl bei der UFA wie auch bei der AEG stiegen die Schulden Jahr für Jahr. Die jeweiligen Generaldirektoren, Manager oder Bosse vertrösteten auf den Aktionärsversammlungen die anwesenden Banker jedesmal aufs Neue mit phantastischen Aussichten auf tolle Gewinne in der Zukunft. Der anvisierte Zeitrahmen blieb aber jedesmal nebulös im Dunst der Zukunft.

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In verschiedenen Spiegel-Artikeln konnte man nachlesen:

Es gab schon Gründe dafür. Mehr kommt auf eigenen Seiten.

1959 - Wer war Arno Hauke ?

In der Film- und späteren Fernseh-Branche, die wirklich recht klein ist, gab es mehrere schillernde Figuren, neben Arno Hauke auch den Chef der Wiesbadener Videothek Programm, der mit den Berliner Havel-Studios grandios in die Pleite geritten war.

Im Spiegel schreibt der Verfasser etwas überspitzt, teilweise etwas polemisch über Arno Hauke :

In der Tat gebietet Arno Hauke über das größte Film- Imperium des westeuropäischen Kontinents. Die UFA kann - was keine andere Filmfabrik des Festlands westlich der Elbe vermag - Filme in eigenen Ateliers drehen, in eigenen technischen Studios entwickeln, schneiden, mischen und kopieren. Sie kann diese Filme dann über eine eigene Verleih-Organisation vertreiben und in den eigenen, marmorverkleideten UFA-Palästen abspielen. Und sie kann schließlich über eine eigene Export-Organisation ihre Filme ins Ausland schicken. "Die UFA ist wie ich", sagt Konzernherr Arno Hauke, "die hat stabile Beine, die wirft nichts um."

Mit ihm, dem einstigen Betriebsprüfer, ist auf der Szenerie des deutschen Films eine pralle Genre-Figur erschienen, die von dem gezierten Auftreten etwa der Bavaria-Herren oder dem Wohnküchen-Gemüt des Berliner Produzenten Kurt Ulrich gleich weit entfernt ist. Seine Vorliebe für harte Vokabeln und harte Getränke haben ihm den Spitznamen "Sir Arno Doornkaat" eingetragen, eine Etikette, die er ebenso wohlig zur Kenntnis nimmt, wie er den Ruf und die Attitüde eines urigen Managertyps genießt. Zweifellos verdeckt seine gepflegte Generaldirektor-Garderobe, die mit Japanperle, markstückgroßen Manschettenknöpfen und einem zierlichen Einkaräter (am linken kleinen Finger) dekoriert ist, den hemdsärmeligen Habitus eines Konzerngründers aus den siebziger Jahren.

Das kernige Vokabular des einstigen Oberleutnants einer Nebelwerfer-Abteilung hat die zivilen Anfechtungen der Nachkriegszeit ungetrübt überstanden - sein erklärtes betriebs- psychologisches Ziel ist es, den Konzern so zu leiten, "daß die Kameraden wissen, der Kumpel (Hauke) ist in Ordnung". Er liebt es, die 1,92-Meter-Figur in einen Sessel gefaltet, die Zigarre steil im Mundwinkel, seine Reden in Skatspieler-Manier durch Klopfen der Fingerknöchel auf die Tischplatte zu begleiten und sich seine eigenen Pointen mit einem explosiven, wohlgefälligen Lachen zu danken.

War Hauke wirklich abgehoben ?

Die konzerneigenen Film-Künstler betrachtet er mit derselben Mischung von Besitzerstolz, Wohlwollen, Mißtrauen und Verwunderung, die etwa ein Zoodirektor den schillernden Dschungeltieren seiner exotischen Abteilung entgegenbringt. "Was meinen Sie, wie schwer das ist, die Künstler an der Leine zu halten. Die sind doch wie wilde Tiere."

Hauke ist bereit, ihnen Bewegungsfreiheit zu gewähren, aber nur innerhalb des Geheges. "Wenn die Grenzen übeschritten werden, müssen gleich die roten Lampen brennen. Ich sage immer: Die Fuge an Bach - Zahlen und Bilanzen an mich." Deshalb hat Hauke zur Betriebsführer-Maxime erkoren: "Die Longe muß straff sein, damit die Pferdchen traben."

Was diesen Sprüchen freilich einen, realen Gehalt gibt, ist die im Konzern weithin gefürchtete Tatsache, daß sich in Haukes analytischem Verstand verwickelt, erscheinende Probleme schnell auf die elementaren Grundzüge reduzieren, eine Fähigkeit, die Ufa-Vorstandsmitglied Dr. Neudeck so beschreibt: "Herr Hauke übersetzt Kisuaheli in Bankdeutsch."

Arno Hauke, der gelernte Betriebswirt, beherrscht das Finanzvokabular und weiß es in Vollendung anzuwenden, so daß Produzent Kurt Ulrich, der mit 0,5 Prozent am Aktienkapital des Konzerns beteiligt ist, nach einer Hauptversammlung klagte: "Also weeste, Sir Arno, du hast ja wunderschön geredet, aber mit soviel Fremdwörter. Kannste mir das nicht nochmal erklären, so, wie wenn wir immer Filme besetzen?"

Die UFA, seine UFA gut verkaufen . . . .

Derartige Einwendungen braucht Hauke allerdings nur selten zu befürchten. Überall, wo er nicht als Galionsfigur die Ufa zu repräsentieren hat, pflegt er seine Gedanken mit Worten zu artikulieren, die in Kurt Ulrichs Ohren durchaus vertraut klingen müssen.

Eine Verhandlungsdirektive Haukes an das Ufa-Vorstandsmitglied Dr. jur. Helmut Neudeck, einen ehemaligen Landgerichtsrat, lautete beispielsweise: "Macht den Kumpels klar, daß wir mit den andern halbe-halbe machen und denen unser Kissen untern Hintern schieben." In ähnlich lockerem Jargon verkehrt Hauke mit seinem Aufsichtsratsvorsitzenden, dem Düsseldorfer Direktor der Deutschen Bank, Eberhard Claus Freiherr von Ostman, einem, laut Hauke, "Kumpel, mit dem sich prima arbeiten läßt".

In der Tat hat sich zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzenden und dem Ufa-Chef ein kontaktschnelles Arbeitsverhältnis entwickelt. Während Hauke es dem Freiherrn organisatorisch erleichtert, seine Aufsichtspflichten auch in der anregenden Atmosphäre eines Filmateliers wahrzunehmen, sorgt Ostman seinerseits dafür, daß der Aufsichtsrat den Projekten Haukes pünktlich Anteilnahme entgegenbringt. Hauke: "Wenn ich den Ostman anrufe und sage, hör' mal, Baron, ich habe hier 'ne Idee, dann trommelt er schon am nächsten Morgen die Kameraden vom Aufsichtsrat zusammen."

Die Konzernzentrale des "Flimmer-Reiches"

Ein präziser volkswirtschaftlicher Sachverstand ermöglicht es Hauke, die Konzernmechanik souverän zu handhaben und das komplizierte Konzerngebilde zu beherrschen - eine Aufgabe, an der ein Filmproduzent von durchschnittlicher Kontur scheitern müßte. Im fünften Stock des Betonpalastes, den sich der Ufa-Chef für rund 780.000 Mark in Düsseldorf errichtet hat, laufen alle Fäden des weitverzweigten Flimmer-Reiches zusammen, dessen einzelne Schwester-, Tochter- und Beteiligungsgesellschaften zwar handelsrechtlich selbständig existieren, jedoch durch Organ-Verträge oder die gemeinsame Konzernspitze eng miteinander verknotet sind. An einem Schreibtisch von der Größe eines Billard-Tisches, mit Hilfe einer Spezial-Telephon-Anlage, die über 24 Leitungen verfügt, regiert Hauke den Konzern, den er selbst als "das zur Zeit florierendste Unternehmen der deutschen Filmwirtschaft" bezeichnet.

Haukes Lebensstil im Kreuzfeuer

Der private Lebensstil des Konzernherrn hatte sich mittlerweile dem Umfang des Unternehmens angepaßt. Zusätzlich zu seiner Düsseldorfer Acht-Zimmer-Villa, die Hauke als "schlichtes Eigenheim" bezeichnet, richtete er sich im Prominentenviertel des Berliner Grunewalds ein Haus ein, das nicht nur wegen seiner voluminösen Plüschmöblierung, sondern vor allem auch wegen seiner vorzüglich bestückten Hausbar in Filmkreisen den besten Ruf genießt.

Berichte über Haukes öffentliche Auftritte

In der Leitzordner-Kolonne des Konzern-Aktenschranks in seinem Direktionszimmer steht auch eine "persönliche Pressemappe", in der sogar alle Klatschberichte über Haukes öffentliche Auftritte nachzulesen sind. Hauke nimmt sich stets Zeit, besonders schmeichelnde Textpassagen selbst mit Lineal und grüner Tinte zu markieren und sie zudem interessierten Besuchern zu erläutern.

Finanzen, Steuern und Paragraphen sind nicht alles

Haukes Herrschaft über das Ufa-Imperium gründet sich auf eine ausgepichte Finanztechnik und auf die Steuer- und Aktienrechts-Paragraphen, die ihm vertraut sind - vertrauter jedenfalls als die künstlerischen Sehnsüchte seiner Produktionsleiter oder Regisseure: "Wenn mir einer ankommt und redet was von großen Projekten, dann sage ich nur: ,Nu komm, Kollege, laß uns mal rechnen. Die Mark hat immer noch zwei Stellen hinter dem Komma.' Soll'n mal seh'n, wie die in die Knie gehen. Bei mir gibt's kein Bohei." Bei Hauke sind eher Order entgegenzunehmen, die Vokabeln wie "Kontenplan", "Wertberichtigungen", "Abschreibungen" und "Zentralbuchhaltung" enthalten.

Sir Arno widmet sich den Kontenbüchern und den Abrechnungen mit der Hingabe eines Finanzbeamten, der Einkommensteuer-Erklärungen eines notorischen Steuersünders nachzurechnen hat. Aber diese für den Herrn einer Traumfabrik ungewöhnliche Leidenschaft ist mehr als eine Arabeske. Sie ist der Schlüssel zu ,der Selbstsicherheit, mit der Arno Hauke bisher im Filmgeschäft operierte, und sie ist zugleich der Schlüssel zu der Frage, wie es dem gelernten Betriebswirt, der vom Film keine Ahnung hatte ("Wußte nur, daß die Leinwand vorn und der Projektor hinten ist"), gelingen konnte, den zerstückelten und zum Tode verurteilten Film-Konzern, den größten Europas, entgegen den Anordnungen der Alliierten wieder aufzubauen.

Eine besondere UFA Kultur im Düsseldorfer UFA Haus

Dem konzerneigenen Hang zum "inflationistischen Geschäftsgebaren" freilich gedachte der Diplom-Kaufmann Arno Hauke wie einst zu Zeiten der Treuhandverwaltung entgegenzuwirken. Er gab die Parole aus, daß der Betrieb "wie ein Postamt" zu führen sei. "Die meinen immer, der Hauke hat 'ne Banknoten-Druckerei im Keller. Dieses milliardärhafte Auftreten hat dem Film ja den Ruf genommen." Sein Ziel sei es, predigte Hauke seinen Mitarbeitern, daß der Film des Begriffs Industrie würdig werde.

Seine Abneigung gegen die farbigen Bräuche des Filmvolks gehen so weit, daß er seinen Mitarbeitern verbot, in Rollkragen-Pullovern einherzulaufen. Er erteilte selbst leitenden Angestellten einen barschen Verweis, wenn ihm berichtet wurde, daß sie bei irgendeiner internen Feier nicht jene Würde bewahrten, die im Düsseldorfer UFA-Palast gern mit dem ominösen Wort "UFA-like" bedacht wird.

Haukes Einnahmen-Ausgaben Übersicht - täglich

Arno Hauke beginnt in seinem Direktionssaal - "Hier hängen keine Bilder von Filmstars" - jeden Arbeitstag damit, die Abrechnungen seiner Theaterleiter durchzusehen, die per Luft- und Eilpost auf seinem Tisch landen. Um jedwede Versuchungen auszuschalten, hat er, ein minutiöses Schema ausgetüftelt, das seine Kassierer streng beachten müssen. Nicht nur das Kassenergebnis aus den täglichen Kinovorstellungen ist in die Rubriken "Einnahmen aus regulären Vorstellungen", "Einnahmen aus eigenen Sonderveranstaltungen", "Einnahmen aus fremden Sonderveranstaltungen" unterteilt. Da gibt es die "Erträge aus Vitrinenvermietung" und "Einnahmen aus dem Verkauf von Altpapier", und selbst die Groschen, die ihm die Kinogänger für den Aufenthalt in abgelegeneren Räumlichkeiten zahlen müssen, werden gesondert aufgeführt und schließlich, unter einer eigenen Generalkontennummer, in Arno Haukes Konzernhauptbuch eingetragen.

Dieses betriebsorganisatorische Korsett, das er seinem Leinwandreich angemessen hat, ist des UFA-Chefs größter Stolz. Wochen und Monate hat er darauf verwandt, einen "General-Kontenplan" beider Konzern-Dachgesellschaften zu eisinnen, und noch heute kann ihn die Frage, ob die Ausgaben für die bei Verhandlungen dargebotenen Zigarren und Schnapse unter "Repräsentationsspesen" oder als "Aufwendungen Chefsekretariat" abzubuchen sind, hingebungsvoll beschäftigen.

Zweifel am Motor für die Filmproduktion der UFA

Mögen der Versachlichungsprozeß und die pedantische Aktenordnung dem Arno Hauke zwar eine schulbuchmäßige Betriebsführung gestatten, so lassen doch gerade diese Fähigkeiten es fraglich erscheinen, ob der ehemalige Betriebswirt der rechte Motor für eine neue Filmproduktion der UFA ist. Bezeichnenderweise hat Hauke bereits als UFA-Produktionschef einen Mann bestellt, den 52jährigen Kurt Hahne, von dem Hauke selbst sagt: "Der Typ eines großen producers ist er auch nicht. Aber der kann mir wenigstens mit den Künstlern Zahlen richtig rechnen."

Die gepflegte Stille, die in den Räumen der Produktioneleitung herrscht, gemahnt tatsächlich an die Ruhe einer Bankschalterhalle und läßt erkennen, daß zumindest nicht unter Arno Haukes Direktion mit der genialischen Spontaneität gearbeitet wird, die in den Glanzzeiten der alten UFA die Regisseure unter Produktionschef Paul Davidson noch in späten Nachtstunden im Schlafanzug zu Beratungen über einen impulsiv gefaßten Film-Plan zusammentrieb.

Der aufgeräumten und keimfreien Atmosphäre der neuen UFA entsprachen auch die Thesen, mit denen der public-relations-Chef des Konzerns, der einstige Rias-Angestellte Hans-Jochen Benzing, zum langerwarteten Start der UFA-Produktion präludierte: "Wir wollen einen UFA-Stil als Visitenkarte des deutschen Films. Wir streben den anspruchsvollen deutschen Problemfilm an. Selbstverständlich lehnen wir den Unterhaltungsfilm nicht ab. Aber auch der UFA-Unterhaltungsfilm soll ein Bildungsgut sein. Übermäßige Busen oder Plattheiten wird es in einem UFA-Film nicht geben."

Die UFA müsse Verluste in Kauf nehmen

Eines der geflügelten Benzing-Worte bewahrheitete sich allerdings recht bald: "Wer sich dem Niveau verpflichtet fühlt, muß auch geschäftliche Verluste in Kauf nehmen." Ehe Arno Hauke, in dem offensichtlich noch immer die Erfahrung der Capitol-Pleite nachwirkte, das Startzeichen zu der mit Spannung erwarteten UFA-Spielfilm-Produktion geben mochte, suchte die UFA sich im Fernsehen zu etablieren.

Der Versuch mit dem Fernsehen

Bereits Ende November 1956 hatte Hauke der sogenannten kleinen Fernsehkommission der westdeutschen Rundfunk-Anstalten die verführerische Offerte unterbreitet, für das Fernseh-Programm 40- bis 55minutige Spielfilme zu einem Freundschaftspreis zu produzieren. Hauke verlangte lediglich ein Drittel der Generalunkosten.

Die Fernsehleute nahmen die Morgengabe des UFA-Konzerns freudig entgegen und schlossen Verträge über die Herstellung von sechs UFA-Fernsehfilmen. Doch schon, nachdem der Bayerische Rundfunk den ersten UFA-Fernsehfilm, das Kostümdrama "Cardillac", vorgeführt hatte, riet die "Frankfurter Allgemeine" den Fernsehleuten: "Lieber hätte man den Skandal heraufbeschwören sollen, den Film abzulehnen, als zwei oder drei Millionen Zuschauern zuzumuten, sich ihn anzusehen."
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  • Anmerkung : Ein Kommentator schrieb : "Die übrigen drei Ufa-Erzeugnisse - "Ali der Meisterdieb", "Cardillac" vom Bayerischen und "Mylord weiß sich zu helfen" vom Hamburger Fernsehen - entstellten durch unedle Einfalt je eine Stunde das Fernsehbild des deutschen Heimgeräts und wurden nicht mehr gesehen, was zu Dank verpflichtet."

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Nur vier der vereinbarten sechs UFA-Filme wurden gesendet (einer wurde vom NWRV Hamburg abgelehnt, das Schicksal des sechsten ist ungewiß), und die Fernsehleitung des Hessischen Rundfunks gestand: "Wir haben unserem Publikum schon manches zugemutet, aber so was würden wir nie wieder machen." Die UFA verlor in ihrem Fernseh-Experiment mehrere hunderttausend Mark und handelte lediglich einen Trostpreis ein: Der Hamburger Fernsehsender gab bei der UFA vier Fortsetzungen eines Kriminalfilms in Auftrag.
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  • Anmerkung: Die Aktivität der Ufa auf dem geschäftlichen Neuland der Fernsehfilm-Produktion wird von den übrigen Filmherstellern mit einiger Besorgnis registriert. Bisher hatte es nämlich kein Filmproduzent gewagt, eine Bindung mit dem Fernsehen einzugehen. Die Filmtheater-Besitzer und Verleiher, von denen die Produzenten beim Verkauf ihrer Ware abhängen, hatten mehrfach erkennen lassen, daß sie nicht einverstanden sein würden, wenn ein Produzent gemeinsame Sache mit dem großen Konkurrenten mache.

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Eine tröstliche Gewißheit

Der Umfang des UFA-Konzerns gestattet dem Arno Hauke immerhin eine tröstliche Gewißheit, die er in einer filmwirtschaftlichen Studie über "Die optimale Größe in der Filmproduktion" gewonnen hat: "Großunternehmen der Filmproduktion werden, wie die Erfahrung lehrt, immer saniert."

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