„Führer und Verführte" - ein Buch aus dem Dezember 1945
Der Autor Hans Windisch hat nach den Aufzeichnungen seiner Vita bereits 1940 angefangen, sein Wissen um die Machenschaften der Clique (Horde) um Adolf Hitler und die Publikationen in den reichsdeutschen Medien aufzuschreiben. Diese Aufzeichnungen sind den Zetteln des Albert Speer in seiner 20-jährigen Haft in Spandau wiederum sehr ähnlich. Auch die Aufzeichnungen des Dr. Eugen Kogan in seinem Buch „Der SS-Staat" beschreiben die nahezu unbekannten Seiten des Hitler Regimes. Sollten Sie hier auf dieser Seite gelandet sein, beginnen Sie bitte hier mit der Einleitung.
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III
WAS WIRD WERDEN?
(SYNTHETISCHER TEIL)
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DIE LAGE
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Die Verlierer nach dem Krieg : Keine Rechte, nur Pflichten
Erst aus einer gewissen zeitlichen Entfernung kann in allen Zusammenhängen klar werden, was vorher nur dumpf quälende Ahnung und böser Traum war.
Viele sahen die Zusammenhänge schon früh genug, die meisten sahen sie zu spät, die letzten müssen sie jetzt sehen und zwar durchaus um ihretwillen und weil wir allesamt irgendwie weiterleben müssen, sehr real, gänzlich phrasenlos, völlig ernüchtert und unter irgendeiner menschenwürdigen Idee.
Das Dasein eines jeden von uns liegt in Trümmern, die Bilanz im eigenen Hause haben wir gezogen, und nun ergibt sich als erste Frage:
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Wir stehen einigen unverrückbaren Tatsachen gegenüber.
Erstens steht fest : Wir sind auf unbestimmte Zeit der Gnade oder Ungnade der Sieger überantwortet. Wir sind in der Tat vogelfrei, daran ist nicht zu rütteln und alle etwa noch verbliebenen Werwölfe würden wir besser sofort in Irrenanstalten unterbringen.
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Welcher Lage stehen wir gegenüber?
Neun Zehntel der Menschheit ist sich schlüssig geworden: Deutschland hat keinerlei Rechte mehr, sondern nur noch Pflichten. Das sind Tatbestände, und so wie die Dinge liegen, müssen wir sogar Verständnis dafür aufbringen,
daß die Welt sich zunächst an das hält, was durch Deutschland an Unglück über die Erde gekommen ist.
Wie wir selbst darüber denken, ist eine Sache für sich und wir könnten uns höchstens eines Tages rehabilitieren. Das wäre ein gangbarer Weg.
Vor allem haben sich in unserm Verkehr mit der Welt draußen einige deutsche Methoden und Umgangsformen nun schon mehrfach nicht bewährt. Deshalb steht wohl zweitens fest:
Man kann immer nur das Mögliche wollen. Wer das Mögliche will, muß erst das Unmögliche erkennen.
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(1) Weltweit kein Bedarf an Rettern
Nicht bewährt hat sich:
Das Verfahren mit den Rächern und Rettern deutscher Ehre und mit den Raubzügen ringsum. Es hat sich trotz ungeheuren Aufwandes immer wieder nicht bewährt. Solange wir nicht aus, der Geographie Mitteleuropas ausziehen können und solange andere Völker sich auf Tod und Leben gegen Raubzüge wehren, wird sich auch der Kurzsichtigste von dieser Idee freimachen müssen. Dreifach hat die Welt den Gegenbeweis angetreten: an Deutschland, an Italien, an Japan.
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(2) Weltbeglücker nicht erwünscht
Nicht bewährt hat sich
in diesem Zusammenhang Deutschlands Rolle als Weltbeglücker und als das Volk mit der gottgewollten Sendung. Ein solcher Traum ist sehr schön, aber wir haben es am eigenen Leibe erlebt, aus welcher Quelle er genährt, zu welchem Zwecke er benötigt wurde und zu welcher Katastrophe er geführt hat.
Ebensowenig bewährt hat sich - aus der gleichen Gefühlsverirrung stammend - die Rolle des ewig beleidigten, ewig gekränkten und ewig unterdrückten Volkes, kurz die Rolle der verfolgten Unschuld. Richtig oder nicht - niemand glaubt das.
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(3) Kulturmission zwecklos
Nicht bewährt hat sich
im besonderen das Pochen auf die deutsche Kultursendung. Die Generationen der letzten und vorletzten Jahrzehnte haben lediglich bewiesen, daß sie nur einer veräußerlichten, pomphaften Fassadenkultur fähig waren. Alles aber, was die Welt an wirklicher^ alter, deutscher Kultur brauchen konnte, hat sie sich längst einverleibt, soweit sie es verdauen konnte und wollte.
Es liegt hier so, daß der Urenkel, der ewig nur auf die Verdienste seines Urgroßvaters pocht, höchstens peinlich wirkt. Es kommt noch hinzu, daß die übrigen neun Zehntel der Menschheit dies und jenes an der deutschen Kultur sowieso ablehnen, vor allem das, was ohne jenes Unnennbare ist, jenes gewisse Etwas, das das Leben erst lebenswert macht und das vielleicht Charme heißt.
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(4) Die Herrenrolle - ein Mißerfolg
Nicht bewährt hat sich
im ganzen die führende, die Herrenvolkrolle in jedem Sinne. Aus geographischen und aus anderen Gründen sind Herrenvölker von vornherein anders beschaffen. Es erscheint sowieso fraglich, ob mit der Herrenrolle alles Glück dieser Erde verbunden ist. Wahrscheinlich ist es nicht der Fall. Wie es bei den wenigen Ehrengästen in der großen Völkerfamilie zu Haus im einzelnen aussieht, wissen wir nicht genau genug.
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(5) Flucht in die Ausrede
Nicht bewährt hat sich
das Argument „Wir sind betrogen worden". Wir wußten alle sehr bald, wer da am Werke war, und wer dann noch den rauschenden Siegen des Völkerterrors zujubelte, ist nicht „betrogen" worden.
Aber sein Konto beginnt schon früher: seine Leichtfertigkeit oder gar seine Begeisterung für das Abenteuerliche, Brutale, Ordinäre - das war ja die Atmosphäre, in der dann eines Tages die Konzentrationslager gedeihen konnten, das war ja der Boden, aus dem dann alles hervorquoll: brennende Städte, Millionen von Toten, der Jammer der ganzen Welt und die Verachtung aller Völker.
Dieser Geist ist nie „betrogen" worden. Es war genau der Geist, auf den der Dämon mit der Hundepeitsche gerechnet hatte. Er scheint ihn gekannt zu haben. Vielleicht war er gerade deshalb ein Phänomen des Menschenhasses und der echteste Sohn seiner Zeit.
Jeder hat es mit sich selbst abzumachen, ob er nur „betrogen" worden ist. Vom Sieger aber ist nicht gut zu verlangen, daß er Seelenforschung treibt und die Herzen prüft. Kollektive Räusche führen in kollektive Niederlagen.
(6) Die Millionen der Verbraucher
Allzu vieles hat sich nicht bewährt . . .
Wir haben uns nur an die nackten Tatsachen zu halten, die sehr realen und sehr harten Tatsachen, denen wir gegenüberstehen.
Dann steht drittens fest: Was dem deutschen Volke wirtschaftlich und politisch noch bevorsteht, wissen wir nicht. Es hängt sicher auch von Deutschland selbst ab.
Anderseits aber:
Es ist unmöglich, 60-70 Millionen Menschen von der Landkarte wegzuwischen. Sie sind hartnäckig vorhanden. Es ist ein Volk von ebenso vielen Produzenten wie auch Verbrauchern und man weiß nebenbei, daß es ein fleißiges, begabtes tatkräftiges Volk ist, das zu „versklaven", d. h. planmäßig zu verelenden schwer möglich und vor allem höchst unrentabel wäre, weil 60-70 Millionen eines Tages einen erheblichen Absatzmarkt darstellen für das, was man selbst an Überfluß haben wird und auf dem Weltmarkt unterbringen muß. Was nicht untergebracht werden kann, bedeutet Arbeitslosigkeit im eigenen Hause.
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(7) Von vorn anfangen
Viertens aber steht fest:
Es sind Realpolitiker und keine Phantasten, mit denen wir zu tun haben werden. Glauben wird man dem deutschen Volke in seiner Gesamtheit nach den bisherigen Erfahrungen nicht sehr viel. Es wird viel Druck auf uns liegen.
Aber haben wir die zwölf Jahre Terror vertragen, so werden wir auch den Druck, der jetzt auf uns liegt und der immer noch mehr geschichtlichen Sinn hat als blind wütender Terror, in guter Haltung hinter uns bringen und ohne uns zu entwürdigen. Denn auch demütig zu Kreuze zu kriechen hätte weder Zweck, noch wäre es glaubwürdig.
Deshalb:
Von außen her haben wir nichts zu erwarten als bestenfalls eine vorsichtige abwartende Haltung. Wir können uns also nur von innen her selbst helfen, mit den Händen und mit einem neuen Geist. Wir können also nur von vorn anfangen - diesmal aber anders. Jetzt endlich liegt unser Schicksal in unserer eigenen Hand.
In Summa
Das also sind die vier unabänderlichen Tatsachen, vor denen wir heute stehen. Summieren wir sie alle vier zu einer abschließenden Formel, so würde diese Formel heißen:
Man kann 60-70 Millionen nicht von der Landkarte wegwischen, aber, der Gnade oder Ungnade der Sieger überantwortet, werden wir besser auf Methoden, die sich so wenig bewährt haben, für alle Zeiten verzichten und unser Schicksal aus einem neuen Geist heraus selbst gestalten.
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Erstmalig wird politische und menschliche Mündigkeit vom deutschen Volk verlangt
Man sieht: jetzt erst wird politische und menschliche Mündigkeit vom deutschen Volke verlangt, - niemals vorher, seit Jahrhunderten nicht.
Und es steht jetzt nicht vor einer Frage des Ehrenkodex, - es steht vor einer ganz schlichten Intelligenzfrage.
Nur eines können wir uns in diesem Augenblick nicht leisten: Stolz, falschen oder echten.
Oder wir ziehen es vor, zugrundezugehen, unbelehrbar und unverbesserlich. Jeder hat das Recht auf seine Torheiten, sie gehören zu den Menschenrechten. Aber nur der Narr hat das Monopol auf stets die gleiche Dummheit.
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So viel über den gesunden Menschenverstand in einer Lage, die mit einer Vergangenheit aufgeräumt hat, deren „Idee" dort liegt, wo sie hingehört: auf den Schutthaufen der Geschichte. Oder ?
Der Ausweg „Gewollt war es gut" ...... wirklich ? Eine Analyse:
Es haben sich in der Tat erwachsene Menschen gefunden, die auf folgenden Ausweg verfallen sind:
- „Natürlich war das alles schlimm, sehr schlimm. Aber was der Nationalsozialismus gewollt hat, war gut".
Es ist schwer zu sagen, ob damit eine unfaßliche Naivität zum Ausdruck kommt oder jene rabulistische Unverfrorenheit, die unangreifbar ist, weil sie jenseits der Logik operiert.
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Denn was bedeutet dieser Satz? Eine Ehrenrettung ???
Er bedeutet eine Ehrenrettung nach folgendem Verfahren: Man zieht das „Schlimme" als durchaus nicht dazugehörige Nebenerscheinung einfach ab.
Man zieht ab: das Grauen der Konzentrationslager, zwölf Jahre furchtbarsten Terrors, man zieht die gesamte herrschende Horde ab, man denkt sich eine Schar von pathologischen Verbrechern weg samt allem, was an Perfidie und Tücke zwölf lange Jahre auf Deutschland und der Welt gelegen hat, man zieht hunderttausende von Ermordeten ab und schließlich auch den gesamten Krieg, - kurz man denkt sich die ganze Höllenfahrt dieser zwölf Jahre nachträglich weg und hat dann das, was „gut" und von bester Absicht beseelt war . ..
Dieses Verfahren hat Methode, es entspricht etwa dem Urteil eines Richters, das folgendermaßen lauten könnte: „Der Angeklagte hat eine Reihe scheußlicher Verbrechen begangen. Gewiß, aber die einnehmende Art, wie er seine Opfer zunächst in Sicherheit wiegte, sie mit großzügigen Geschenken an sich kettete, läßt auf eine von Haus aus menschenfreundliche Natur schließen. Auch die Tatsache, daß die Zuwendungen, die er seinen Opfern machte, gestohlen waren, hinderte ihn nicht in seinem Bestreben, Freude zu bereiten".
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In der Biedermannsmaske
Sehen wir uns nun an, was in unserem Falle „gut" war, besichtigen wir die Lockmittel, die die Opfer zunächst sicher zu machen hatten. Dann finden wir: es hat kaum eine brauchbare „Idee" des Nationalsozialismus gegeben, die nicht gestohlen war, - man prüfe die Liste (im Buch auf Seite 150).
Mit diesem Lager an gestohlenem geistigen Gut - etwas getarnt und etwas umfrisiert - und unter der Maske der Solidität und der Biederkeit wurde das Unternehmen gegründet. Dies also war der Fundus der stets bereitliegenden Köder und Lockmittel.
Daß er der systematischen Narkotisierung eines ganzen Volkes galt, daß er das Zuckerbrot zur Peitsche war, daß er der Inszenierung des geriebensten politischen Gangsterstreichs aller Geschichte diente und daß er das Anlagekapital einer Rotte von Bankerotteuren und skrupellosen Abenteurern darstellte - das ziehen wir ab?
Das ziehen wir ab und erklären:
Alles was recht und billig ist, aber daß nur gute Qualität gestohlen wurde, beweist doch wenigstens den Schönheitssinn des Unternehmens ......
Ja, wir sind noch viel einsichtsvoller, wir begreifen durchaus: wollten zu wenige an diese schönen Dinge glauben, weil ihnen die Geber zu verdächtig waren, - was blieb dann anderes übrig, als kurzerhand alles zu erschlagen, was sich um keinen Preis beglücken lassen wollte? Dann mußten automatisch eines Tages die übrigbleiben, die sich beglücken ließen.
In der Tat. Daß sie dieses Glück billiger hätten haben können, scheint ihnen noch nicht klar geworden zu sein, ebensowenig wie die Tatsache, daß in Deutschland selbst das Wertvolle entwertet und entwürdigt wurde vom Geist der Schaubude.
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Die philosophschen Betrachtungen des Autors Hans Windisch
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Im Niemandsland des Geistes
Man sollte überhaupt denken, es sei überflüssig, derlei heute noch zu diskutieren. Das ist jedoch ein Irrtum. Denn vom besonderen Falle abstrahiert und auf das Grundsätzliche hin betrachtet, erhärtet das Argument „Gewollt war es gut" einen psychologischen Tatbestand.
Nämlich, daß die Spekulation auf die Dummheit des Massemenschen noch immer die bestgesicherte Erkenntnis ist, die wir zwischen Himmel und Erde besitzen.
Man muß schließlich zu der resignierten Einsicht kommen: die Problemlösung, die einer Masse einleuchten soll, ist niemals die wirkliche, echte und fast immer komplizierte, sondern die, die verblüfft und zwar durch eine noch nicht dagewesene Unverfrorenheit und eine unbedenkliche Verdrehung der Tatsachen.
Sie überwindet spielend unübersteigliche Hindernisse, indem sie sich von unten her durchwühlt. Der große Philosoph, der uns schon seit langen Jahren eine Geschichte der menschlichen Dummheit versprochen hat - und dieser tibermenschlichen Aufgabe noch immer nicht Herr geworden ist - wird klar unterscheiden müssen : zwischen schicksalhafter, gewissermaßen ehrlicher Dumpfheit und Tumbheit einerseits und jenem Narrentum von bösartiger Unbelehrbarkeit anderseits, das ein formendes Prinzip in der Geschichte ist.
Dummheit und Sinnverdrehung
Einer sehr großen, laut verkündeten, erbarmungslosen Dummheit haftet stets das Charakteristikum der Unerschütterlichkeit und der hohnlächelnden Sinnverdrehung an.
Sie sagt unter allen Umständen „Wieso denn?" und darum ist sie vermutlich die einzige Geisteshaltung, die unbesiegbar ist. Sie bedient sich des entwaffnenden Mittels, die eigentlichen Schwierigkeiten kurzerhand weg zu eskamotieren, alle Grundannahmen menschlichen Denkens zu unterlaufen und von rückwärts her wieder in voller Größe dazustehen.
Somit nehmen wir zur Kenntnis:
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Was der Nationalsozialismus gewollt hat, war gut.
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Als erschütternde Beweise dessen hat er uns diejenigen hinterlassen, die er davon zu überzeugen wußte, - hier nimmt das Narrentum bereits majestätische Formen an.
Und seien wir uns auch klar, daß das Wesen des Narren doch wohl irgendwelchen biologischen Sinn im Weltganzen haben muß, denn sonst bestünde es nicht.
Es ist eine Art magnetischer Minuspol, der in einem geistigen Niemandsland liegt, und damit ist es in der Tat ein richtunggebendes Prinzip.
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Die Ichbestätigung der Zukurzgekommenen
Die verflossenen zwölf Jahre haben uns das Wesen einer resolut und mit eiserner Stirn formulierten Dummheit als sehr ernst zu nehmenden Faktor erkennen lassen. Sie hat ihren Platz in der Naturgeschichte, sie ist mehr als ein Schimpfwort: sie ist die Ichbestätigung der Zukurzgekommenen.
Tastet man sie an, so trifft man auch ein Lebenszentrum. Für den Betroffenen zwar ist Narrheit ein Segen, ihm ist wohl. Aber seine Multiplikation ins Massenhafte kann sich eines Tages zum Naturereignis auswachsen.
Prüften wir ohne alle Illusionen die Lage Deutschlands, so mußten wir finden: sie ist nach außen so hoffnungslos, daß diesen Resten nur durch eine Reorganisation von innen her zu helfen ist.
Nur die Kategorie derer, von denen wir eben sprachen, ist der Ansicht, man habe im Grunde nur abzuwarten, bis sich die Sieger ihrerseits den Garaus machen, genauer gesagt: bis Deutschland, als das gegebene Glacis (das freie Schussfeld vor der Festungsmauer) hierfür, dank einiger weniger Atombomben frei ist von jeder lästigen Zivilbevölkerung ......
MOLOCH ALS ERZIEHER
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Der Bankerott der Väter
Im Grunde genommen ist in unserer Lage weniger etwas zu „tun" als vielmehr etwas zu unterlassen und zu vergessen, alles nämlich, was mit dem tödlichen Wahn zusammenhängt, der Deutschland schließlich zugrundegerichtet hat: der Herrenvolkwahn, der Wahn von der deutschen Mission in der Welt.
Das ist schwer! Denn es gibt erstens weitaus mehr Toren als vernünftige Leute in der Welt, zweitens aber lebt ja eine ganze Generation unter uns, die bis in die Tiefe mit dem Gifte des deutschen Wahns infiziert ist und deren Jugenderlebnis eben dieser Wahn war, also ein sehr schwer auszumerzendes Erlebnis.
Denn Jugend ist gläubig, und schließlich könnte auch der Druck, unter dem wir bis auf weiteres leben werden, sehr leicht wieder neue Vaterlandsretter auferstehen lassen, es könnte sich ein neuer Mythos um den Dämon mit der Hundepeitsche bilden, man könnte ihm eine sentimentale Märtyrerkrone aufsetzen, der Romantiker im Deutschen könnte sich wieder in die Tat hinein verlaufen, hinein in einen neuen Totentanz.
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Verschieben wir den aktuellen Zeitstempel (Dez. 1945) auf die Jahre nach 2015 und die damals neue Partei
"Alternative für Deutschland" = AFD
Es sind gerade mal etwas mehr als 65 Jahre vergangen und das nachfolgende Szenarium ist auf einmal wieder da. Lesen Sie mit Aufmerksamkeit, was der Autor Windisch im Dezember 1945 zu Papier gebracht hatte :
Hans Windisch schreibt im Dezember 1945 :
Gerade weil Jugend nicht realistisch, sondern idealistisch denkt, soll man nicht meinen, daß das, das für uns erledigt ist, auch für sie verschwunden ist, - es kann nämlich gar nicht im Handumdrehen weggewischt sein.
Zwölf Jahre sind für junge Menschen eine lange Zeit, und eine vollständige seelische Imprägnierung läßt sich nicht von außen her wegwischen.
Seien wir uns also vollkommen klar: die gesamte Jugend der 80 Millionen des einstigen Großdeutschland ist zwölf Jahre lang systematisch für den Krieg und für eine gefährliche Utopie erzogen worden.
Alles Tatendurstige, Drängende, Idealistische an dieser Jugend ist mit größtem Raffinement umgebogen worden: über den Spieltrieb zur Aufgabe, zum Lebensinhalt.
Das sitzt fest, und was heute „nicht geht", könnte eines Tages wieder unterirdisch auftauchen, schon deshalb, weil es ein grausames Gesetz zu sein scheint, daß jede Generation ihre bitteren Erfahrungen selbst machen muß, - Väter hatten noch stets unrecht.
Es wird viele Jahre dauern, ehe diese Jugend, die dank des Krieges, dank des billigen Dünkels und dank der „Weltanschauung", die man in sie eingefüllt hat, nichts weiß und nichts kann, das Gift wieder ausgeschieden hat.
Und nichts liegt jungen Menschen näher als ein Evangelium der „Kraft", Jugend will erobern.
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1945 - Die jungen Menschen von 15 bis 3o Jahren
Es sind also Millionen, es sind alle jungen Menschen von 15 bis 3o Jahren, deren Lebensgrundlagen jetzt eingestürzt sind und denen wir für einen verlorenen Glauben nicht das mindeste zu geben haben außer der Versicherung, daß der Geist, in dem sie erzogen worden sind, ein Ungeist war, und daß die Wahrheit, die man sie gelehrt hat, ein höchst gefährlicher Irrtum war.
Und bei alledem dürfte die Autorität, die wir Älteren der nächsten Generation gegenüber haben, keine allzu große sein: wir beginnen erstens mit einem Schuldbekenntnis und uns haftet das Odium der Verlierer an. Mit uns hat die junge Generation eine Verrechnung!
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Die wichtigere Mission
Aber wir haben dieser jungen Generation etwas zu sagen.
Wir haben etwas in sie einzupflanzen. Wir können ihr unserseits ein Märchen erzählen. Es hat eine Moral, die mit Händen zu greifen ist und es hat den Vorzug der Wahrheit:
Wie ein ganzes großes Volk aus der Verantwortung flieht, als es eines Tages nicht mehr weiter weiß, wie es sich einen Diktator bestellt, der ihm alles Mißliche und Verfahrene abnehmen soll, ja, der überhaupt das Denken für dieses ganze Volk übernehmen soll.
Denn so begann es. Und der Diktator übernahm das Denken. Er übernahm es so gründlich, daß aus dem, das wir Heimat und Vaterland nannten, ein einziges Zuchthaus und schließlich das Schlachthaus eines Molochs wurde.
Wir wollen der Jugend erzählen, wie dieses Volk in der Tat seinen Herren, nämlich seinen Dämon gefunden hatte, einen Dämon, der begriffen hatte: was so hilflos und so instinktlos war, das mußte die Peitsche bekommen.
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Die Gemeinschaft der Enterbten - unsere Erkenntnisse
Wie dann die eine Hand das Zuckerbrot hielt und die andere die Peitsche zischen ließ, wie für ein paar Almosen, aus den Spargroschen dieses selben Volkes, alle menschliche Würde mit Füßen getreten wurde, wie dieses Volk in Unnatur erstickte, wie Millionen zu Duckmäusern und verkrochenen Knechten wurden um ihr kleines Leben, verfangen in einer Maschinerie der Heimtücke.
Und wie der Retter aus aller Not dieses Volk zum erstenmale in seiner Geschichte zu einer Volksgemeinschaft zusammenschmiedete, aber mit Ketten und zu einer Gemeinschaft der Entrechteten.
Das haben wir zu sagen, nämlich die Wahrheit.
Und wie die Dummen zu Knechten abgerichtet wurden und die Bösartigen zu Antreibern. Und wie die Luft um uns und in uns verpestet war, wie nicht nur wir, sondern die ganze Erde zitterte, auf was alles der Dämon noch verfallen würde, er und die abenteuerlichen Gestalten seines Gefolges.
Wie das Billige, Ordinäre und Massenhafte Trumpf war, der Kasernenhofton und die hohle Rhetorik.
Wie selbständiges Denken an Selbstmord grenzte, wie der Bruder den Bruder als Angeber fürchtete und wie, als alles längst verloren war, der Retter Deutschlands noch um jede Stunde Zeitgewinn für sein elendes Leben kämpfte, mochte alles darüber zugrunde gehen, - ja es sollte zugrunde gehen, denn auch das war ein Ruhm: der größte Vernichter aller Zeiten zu sein.
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Und wenn die deutsche Jugend das alles NICHT hören will
Es ist freilich möglich, daß die deutsche Jugend das alles hören und doch nicht voll erfassen wird. Ihr Idol von Mannestum, menschliche Größe und Heroismus könnte bereits allzu tief Wurzel gefaßt haben.
Aber vielleicht könnte man dieser Jugend dann klarmachen, wie dieses Mannestum und diese menschliche Größe in der Nähe aussah. Schon ein Symptom und eine Charakteristik könnte dazu genügen, wie etwa dies: wie das Idol dieser Jugend die Menschheit zum mindesten um eine neue, langsame, qualvolle Todesart bereichert hat, - Generalobersten und Feldmarschälle an den zwei schaukelnden Enden eines Doppelgalgens auf und niederwippend und langsam, sehr langsam zu Tode gedrosselt.
Und dies dann gefilmt, sorgfältig und lebensvoll gefilmt für den Heros der deutschen Nation, für das Idol der deutschen Jugend, den „Kinderfreund" der Postkarten-Propaganda.
Freilich ist es möglich, daß uns die Jugend auch das nicht glaubt, so, wie es auch uns unfaßlich ist, - stünde es nicht aktenmäßig fest.
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Und auch das haben wir der Jugend zu sagen:
wie die, die die Hoheitsträger der deutschen Nation waren, sich verkrochen, sich in Verkleidungen, mit falschen Namen und falschen Barten und billigen Selbstmorden davon machten oder auch von nichts wußten, statt sich zu stellen und gerade zu stehen für das, das ihr Werk war, - in der Tat: Männer! Die Männer, die die Geschichte dieses Volkes in die Hand genommen hatten ......
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Tausend Jahre Apokalypse
Davon wollen wir der jungen Generation erzählen und wir wollen hinzufügen:
- Wehe der Menschheit und uns allen, wenn es anders gekommen wäre! Wir werden jetzt wieder Menschen sein. Anders aber wäre Satan selbst auf die Erde gestiegen und hätte hier sein tausendjähriges Reich begründet: ein ganzer Erdteil unter der Hundepeitsche. Noch weitere Millionen unschuldiger Toter und noch weitere Konzentrationslager mit Bergen von Leichen, - Europa im Zeichen der Apokalypse.
Hier haben wir Deutschen jetzt unsere Mission! Im eigenen Hause haben wir sie! Und nicht etwa aus sentimentalen Gründen, - erinnern wir uns: schon nach rund zehn Jahren war in der Jugend die Katastrophe des ersten Weltkrieges vergessen. Muß jede Generation ihre traurigen Erfahrungen selbst machen?
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Aber wenn das alles die Jugend immer noch nicht läutert .....
Aber wenn alles das, was wir zu sagen haben, vielleicht doch noch nicht tief genug eindringen sollte, dann wollen wir das Gift in dieser Jugend anders entgiften: wir wollen ihr nur ein paar Bilder zeigen, ein paar Bilder aus den Konzentrationslagern, - und mit denen wollen wir sie dann allein lassen.
Von allem, was wir dieser Jugend an deutscher Kultur zu zeigen haben, sind es nur diese Bilder, und wir wissen sehr wohl, warum. Denn erst muß das Gift ausgeschieden sein, das des Rassenhasses und das der Machtanbetung. Es sind rein arische Schöpfungen, die man auf diesen Bildern sieht ...
Wir brauchen dann nichts mehr von „Irrtum" und „Irrlehre" zu erzählen.
Halten wir aber dann dicht daneben das Bild dessen, der das Evangelium der Gewalt predigte, des Führers in das tausendjährige Reich, des leuchtenden Vorbilds, das sich beiseitedrückte, als es Rede zu stehen galt, des großen Magiers, der das deutsche Volk mit dem deutschen Mythos vorpräparierte für die Schlachtbank, - des Heilands mit der Hundepeitsche.
Des Mannes, der noch im Tode log, dessen Testament auch noch den Eingang zur Ewigkeit bespie, - der Wolf verkleidet zur Betschwester.
Und geben wir ruhig zu, daß er ein Führer war, aber ein Führer in den Abgrund und von jenem blutigsten Schlage, den die Weltgeschichte kennt: dem der Blutsäufer Pizarro, Cortez und Dschingis Khan. Und geben wir auch zu, daß es beinahe ein tausendjähriges Reich gegeben hätte; ein Reich Satans auf Erden, eine Spottgeburt aus Dreck und Feuer ........
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