Sie sind hier : Startseite →  Historie und Geschichte→  Über die "Wahrheit"→  Eine Verkettung von Gedanken→  Führer und Verführte→  Führer und Verführte 08

„Führer und Verführte" - ein Buch aus dem Dezember 1945

Der Autor Hans Windisch hat nach den Aufzeichnungen seiner Vita bereits 1940 angefangen, sein Wissen um die Machenschaften der Clique (Horde) um Adolf Hitler und die Publikationen in den reichsdeutschen Medien aufzuschreiben. Diese Aufzeichnungen sind den Zetteln des Albert Speer in seiner 20-jährigen Haft in Spandau wiederum sehr ähnlich. Auch die Aufzeichnungen des Dr. Eugen Kogan in seinem Buch „Der SS-Staat" beschreiben die nahezu unbekannten Seiten des Hitler Regimes. Sollten Sie hier auf dieser Seite gelandet sein, beginnen Sie bitte hier mit der Einleitung.

.

DAS BÖSE PRINZIP

.

Ein solches Wesen ist entweder weniger als ein Mensch oder mehr als ein Mensch, aber auf jeden Fall ein Unmensch. - Egon Friedell

.

Das persönliche Konto

Hat man noch den Mut, sich für die Deutung der Hauptfigur in Richtung auf den unglückseligen gescheiterten Idealisten einzusetzen, so wird diese Deutung auch bei tolerantester Beurteilung doch stark erschüttert durch einige Tatsachen, die viel eher an die gleichen Brüder mit den gleichen Kappen denken lassen.

Selbst wenn wir die Konzession machen, daß an die Handlungen eines Staatsoberhauptes nicht immer bürgerliche Maßstäbe anzulegen sind, da das höhere Interesse des Volkes zu sehr unbürgerliehen Entschlüssen zwingen kann, selbst dann muß man doch fragen, wem die persönliche Autorschaft gebührt,

..... wenn man an Folgendes erinnert:
.

  1. An den Reichstagsbrand und die damit erzielte Angstpsychose, nämlich die panische Flucht unter den Schutz des Retters des Vaterlandes.
    .
  2. An die nicht einmal genügend getarnten Verfälschungen der „Volksabstimmungen", d. h. an die erpresserische Methode, Entscheidungsfragen so zu formulieren, daß jedes Nein einer Verleugnung des eigenen Volkes gleichkam, da der Begriff Deutschland identisch gesetzt war mit dem Programm der Partei. Wie bekannt waren diese Abstimmungen alles andere als geheim, und es gab aus diesem Gewissenskonflikt kaum einen Ausweg. Jede dieser Abstimmungen war praktisch eine Erpressung und das Ganze eine Komödie mit tragischem Ausgang.
    .
  3. An die Qualitäten der Unterhäuptlinge und Vertrauten, von denen eben die Rede war.
    .
  4. An die unmenschlichen Exzesse des Rassenhasses (erklärbar nur aus dem Ressentiment eines rassischen Mischproduktes) und im Zusammenhang damit an die Erklärung: „In dem Augenblick, in dem Amerika in den Krieg eintrete, werde das jüdische Volk in Europa aufhören, zu existieren."
    .
  5. An die offene Erklärung, man habe von 1933 bis 1939 nicht weniger als 90 Milliarden Mark für Rüstung ausgegeben, - ein Bekenntnis über die Verwendung des Volksvermögens, das alle vorher dem deutschen Volke gegebenen Versicherungen friedlicher Aufbauarbeit Lügen strafte. In diesem Zusammenhang: der gleiche Mann, der außenpolitisch so grobe Täuschungsmanöver in Szene setzte wie den Vorschlag des Westpaktes, der Freundschaft mit Frankreich und der Rüstungsbeschränkungen, hatte in den gleichen wenigen Jahren 90 Milliarden für Rüstung ausgegeben, das sind über 1200 Mark pro Kopf der Bevölkerung. Darunter waren auch die 268 Millionen aus einem der riesigsten Betrugsmanöver aller Zeiten: des Finanzmanövers mit dem „ Volkswagen".
    .
  6. An die Tatsache, daß sich das Deutsche Reich als nicht mehr zahlungsfähig erklärte, während gleichzeitig 90 Milliarden für Rüstungszwecke ausgegeben wurden. Man erklärte alles im Ausland kursierende deutsche Geld für ungültig - ein betrügerischer Bankerott ungeheuren Ausmaßes, würdig der 69 gebrochenen Verträge.

.

Wem gebührt ferner die persönliche Autorschaft, wenn man erinnert:
.

  1. An das zwölf Jahre geübte Verfahren, schon die mutmaßlichen künftigen Gegner vorsorglich und summarisch beiseitebringen zu lassen, sei es über die Konzentrationslager, sei es durch schlichten Mord.

  2. An die Kriegführung mit jungen Mädchen, fünfzehnjährigen Jungen und alten Männern.

  3. An die Vernichtungs- und Todeslager, in der Konzeption schon in „Mein Kampf" niedergelegt, unter Bedauern darüber, daß nicht bereits 1918 dreißigtausend Menschen in Gaskammern unschädlich gemacht worden seien.

  4. An den nahezu unfaßlichen Zynismus der Worte: er werde dem Volke keine Träne nachweinen, das dieser letzten Prüfung nicht gewachsen sei - zu einer Zeit als das deutsche Volk bereits unter Strömen von Blut im Verenden lag.

  5. An die gedankliche Konzeption und die spezielle Ausbildung einer Prätorianergarde, deren Handwerk buchstäblich der Mord, der Serienmord und der Massenmord war.

  6. An das System der „verbrannten Erde", d. h. die vollständig sinnlose Zerstörung Deutschlands dann und gerade dann, als der Krieg militärisch seit langem verloren war, somit also an die theatralische Heroisierung des eigenen Untergangs durch ein Vernichtungswerk von nie dagewesenem Umfang, - ein Herostratentum, das alle geschichtlichen Vorbilder weit hinter sich lassen sollte, „gigantisch", „einmalig" auch hier.

.

Hitler, ein Genie der Entartung

Dies alles müssen wir als das persönliche geistige Eigentum der Wolfsseele betrachten, die dem deutschen Volke zwar nicht ein tausendjähriges Reich, aber einen Totentanz zu tausendjähriger Warnung bereitet hat.

Alles Menschliche ist dem Irrtum unterworfen. Man wird jedoch lange in der Geschichte der Menschheit suchen müssen, ehe man auf ein Wesen solcher Prägung trifft, und schon diese wenigen Daten und Stichproben lassen den einen sicheren Schluß zu: wie demnach das beschaffen sein mußte, was ein Unglücklicher dieser Art einem Volke als Lehre, als Weltanschauung zu geben hatte.

Und da die Suggestivwirkungen sowohl des sehr Guten wie des sehr Bösen gleichgroß sind, so konnte es dieser verwahrlosten Seele gelingen, das Gesicht eines ganzen Volkes umzuprägen - nach seinem Bilde und wenn auch nur so lange wie das Böse und Bösartige Macht haben kann.
.

Moralische oder gar politische Maßstäbe absolut untauglich

Wenn man also versucht, eine der größten Menschheitstragödien in ihren Zusammenhängen zu verstehen, so sind konventionelle, moralische oder gar politische Maßstäbe nicht mehr tauglich, sondern man muß in größeren Komplexen denken.

Man stößt auf Übermenschliches, Untermenschliches, ja Außermenschliches, und man wird sich entschließen müssen, den Dämon des deutschen Volkes, den Erlöser mit der Hundepeitsche, als ein wahres Genie der seelischen Entartung zu betrachten, als ein Prinzip, als ein Naturereignis jenseits jeder Diskussion.

Erst in die konventionelle Begriffssphäre projiziert kann man ein Wesen dieser Art als einen überlebensgroßen Menschenverächter - als die Inkarnation des Bösen -, als einen Giganten des Verbrechens an ganzen Völkern, kurz als das böse Prinzip bezeichnen.

Selbst eine verwilderte und verwahrloste Seele hat noch etwas Menschliches. Zwischen uns aber lebte der Träger eines Wahns von außermenschlichen Dimensionen, letzten Endes doch ein Vollstrecker des Schicksals. Die Menschheit war an dem Geiste, den er verkörperte, erkrankt.

Es war ein außermenschlicher Geist und sie hat ihn wieder abgestoßen. In ihm verkörperte sich ein Prinzip, das dieser Zeit den Stempel aufdrückt: was wir bisher barbarisch nannten, ist abgegriffen und matt gegen das Maß der seelischen Verwahrlosung, dessen nur der entartete Kulturmensch fähig ist - wir werden es noch öfter feststellen.
.

*

Deutschland ist uns ein Vaterland, unsere Heimat

Das war Deutschland, das Opfer des Retters, das Land, auf dessen Rücken wieder einmal Gott mit dem Teufel stritt. Aber es ist für so viele von uns ein Vaterland, nämlich eine Heimat.

Gewiß, für den vagen, oft so künstlichen und von Machtbesessenen jeder Art so oft mißbrauchten Begriff des Vaterlandes und der nationalen Ehre sind schon Ströme von Blut sinnlos geflossen, überall auf der Erde, er war von je das suggestivste Schlagwort der Massenverhetzung und, zum Moloch inkarniert, hat dieses mißbrauchte Prinzip Aderlaß auf Aderlaß gekostet.

Aber bei alledem ist doch in jedem von uns die Liebe zu einer Heimat, in der wir verwurzelt sind und an die uns unterirdische Ströme binden. Wir trauern über das glücklose Schicksal dieser Heimat. Und wenn auch wir mit dem Argument der „kommenden Geschlechter" arbeiten wollen - wir nehmen an, daß sie diesmal einiges zu lernen vorfinden: an uns.

Man muß sich freilich immer wieder fragen, wie etwas derartiges an letzter innerer Verderbtheit zwischen uns groß werden konnte, und man muß dann zu der ehrlichen Erkenntnis kommen: es war ein Zerrbild dessen, was in Deutschland von jeher Geschichte gemacht hat, nämlich eine Schicht robuster Gefängniswärter über einem Volke von Untertanen.

EIN MYTHOS WIRD FABRIZIERT

.

Magie mit System

Wir brauchen Klarheit bis ins Letzte, über uns und über das, was hinter uns liegt.
Zum Bilde des Retters gehört das System, das Verfahren, das er und seine Leute anwandten. Dieses System der Bildung eines Mythos muß durch und durch erkannt und durchschaut werden, damit dieser Mythos seine magische Kraft verliert.

Eine Überzeugung läßt sich korrigieren, ein Irrtum läßt sich erkennen, - nur ein Mythos läßt sich nicht ohne weiteres ausrotten, denn er ist Vernunftgründen nicht zugänglich.

Er sitzt im Blute, er ist Gefühl, Affekt, er ist Sache des Glaubens, nicht des Verstandes, kurz er ist eine religiös betonte Seelenhaltung. Ihn zu schaffen, zu nähren und zu erhalten ist die Priesterwissenschaft aller Zeiten. Denn hat man die Seelen, so hat man die Köpfe und die Hände - und die Macht. Aber es ist wesentlich, wer sie hat.
.

Das Göttliche gemeint und das Dämonische geschaffen

Wir haben nicht zu entscheiden, inwieweit die Menschheit dem Wesen aller Dinge, dem Weltgeist, der Gottheit oder wie man es nennen will näher ist durch den Mythos, wir haben lediglich festzustellen, daß sie ihn offenbar braucht und man darf ganz allgemein sagen, daß er sehr oft das Göttliche meinte und das Dämonische schuf.

Aber abseits alles Göttlichen oder Teuflischen interessiert uns hier lediglich die Technik, nach der ein Mythos planmäßig gemacht werden kann. Diese Technik ist das Handwerk der Messiasse aller Zeiten, der echten und der unechten.

Man sollte freilich hoffen, sobald der Gläubige das wohlbedachte System in der Herstellung eines Mythos klar erkennt, müsse er sich von der seelischen Infektion befreien können und zwar durch einen anderen seelischen Prozeß: durch das peinliche Gefühl, systematisch präpariert worden zu sein. - Opfer einer Spekulation auf die Dummheit zu sein.

Vielleicht genügt es auch, an den kalten Zynismus zu erinnern, mit dem der neue Messias den Grundsatz verkündet hatte: „Ein Volk fällt einer großen Lüge leichter zum Opfer als einer kleinen."

Also je größer die Lüge und je skrupelloser der Lügner, desto sicherer der Erfolg. Mit anderen Worten: man kann ein Volk nie für leichtgläubig und dumm genug halten.

Magie des Wortes

Der Mythos von der gottgewollten Mission des deutschen Volkes, vom tausendjährigen Reiche und vor allem die förmliche Verheiligung des Messias und Erfüllers dieser Mission war das Fundament eines Systems, das sich methodisch vor allem an die Jugend, an unkritische Köpfe und an die Masseninstinkte und Massenwünsche wandte.

Diesen Mythos sogar zu „beweisen" wurde ein Heer von Halbwissern und Viertelwissenschaftlern eingesetzt, die, bis hinab zur Provinzpresse, „heiligen Glauben" herstellten.

Die fertigen Klischees dieses heiligen Glaubens flossen unausgesetzt von oben her bis in die feinsten Kanäle. Die Aufnahmefähigkeit eines Volkes für das, was ihm schmeichelt und die bereitwillige Verarbeitung von Scheinargumenten kann man seitdem nie überschätzen.

Es scheint in der Tat nichts so absurd zu sein, daß es nicht auf die Dauer geglaubt würde. Man kann einem Volke „heilige Überzeugungen" einstampfen. Schon gewisse Worte und Redewendungen haben bei der Führung von Massen eine geheimnisvolle Magie, sie sind mit Vernunft und Beweisgründen nicht zu bekämpfen, vor allem weil sie vieldeutig und darum ohne Substanz, „geheiligt" und darum nicht definierbar, also unangreifbar sind.
.

Die bei den Nazis geheiligten Worte

Es sind Worte wie „Freiheit", „Mission", „Gerechtigkeit", „Verräter", „Knechtschaft", „geheiligtes Recht", Worte, über denen der Weise ein Leben verbringen könnte und mit deren Nimbus die Versammlungsredner seit zehntausend Jahren erfolgreich jonglieren.

Es sind Begriffe, die nie veralten, eben wegen ihrer Vieldeutigkeit und Konturlosigkeit, und ihre fortgesetzte feierliche Wiederholung gewinnt dem Versammlungsredner von vornherein die (Menschen-) Massen, auch dann, wenn sie völlig Unsinniges rechtfertigen sollen.

Bonaparte sagte, es gäbe nur eine einzige ernsthafte Redefigur: die Wiederholung.
.

Die Verkettung der Wiederholung

Hat man einige Jahre Zeit, so wird das, was heute nichts als schmeichelhafte Behauptung ist, morgen schon zur stillschweigenden Voraussetzung und übermorgen zur selbstverständlichen Tatsache, die man ja schon oft genug gehört hat und mit der es sich kaum anders verhalten kann. Ganz abgesehen davon, daß in unserem Falle noch starke Erinnerungen an das deutsche Wesen vorhanden waren, an dem die Welt genesen sollte.
.

Der dumme naive Glaube an die "deutsche Sendung"

Man muß sich klar sein, welche zentrale Bedeutung dieser naive Glaube an die deutsche Sendung hatte: ohne daß darüber noch zu diskutieren war und in aller Unschuld lebte in jedem jungen, jedem oberflächlichen und unkritischen deutschen Menschen das unumstößliche Bewußtsein: wir sind die Besonderen auf dieser Welt, die Auserwählten, die Richtunggebenden, das Schicksal hat es so eingerichtet, und daraus ergeben sich unsere ganz selbstverständlichen Ansprüche.

Wer daran zweifelt, hat den Gang der Weltgeschichte nicht verstanden und ist im Grunde genommen schon deshalb unterwertig und rückständig.
.

Die Fehlschaltung

Es ist klar: Ist das Wesen eines Volkes erst einmal mit diesem naiven Irrtum durchtränkt, so hat sich sein gesamtes Weltbild verschoben, d. h. der Irrtum ist zum Regulativ seines Denkens geworden und dank dieses Schaltfehlers im Zentralbewußtsein kann es dann kaum noch einen Gedanken, ein Gefühl, eine Handlung geben, die nicht in die Irre ginge.

Hier aber, nämlich am falschen Ausgangspunkt des deutschen Denkens liegt eine Art Schlüssel für viele sonst ganz unerklärliche, paradoxe, ja phantastische Begebenheiten in Deutschland, aktiver sowohl wie passiver Natur.

Die feierliche Form nun, der fast religiöse Ritus, in der der Mythos zelebriert wird, die Weihe seiner Symbole lassen schließlich aus einem zweckbetonten freundlichen Märchen das Mysterium erstehen - und das schafft dann die seelische Bereitschaft für alles weitere, für jedes Opfer und für jede Knebelung, das schafft die Seelenhaltung, die alles Verstandesmäßige ausschaltet, die Kritik nicht aufkommen läßt und den Willen lähmt.
.

Das Opiat macht das Hirn immer machtloser

Das Hirn wird immer machtloser gegen das beglückende Opiat, der heilige Schauer stellt sich ein, der „innere Besitz" ist erfolgt. Ja mehr noch: das Evangelium wird Offenbarung, tiefste Gewißheit, es bricht „elementar" aus der Seele des Volkes aus - es ist göttlicher Funke, Erleuchtung, Schicksal geworden.

Mit anderen Worten: der Wille der (Menschen-) Masse oder der Nation ist gebrochen, sie wird Werkzeug, sie ist für die künftige Operation präpariert.

Insbesondere die religiös-schöpferische Komponente bewirkt die erforderliche Haltung jeder Religionswerdung: die des Fanatismus und der Unduldsamkeit.

Im Kleinen und im Großen hat sich dieser Vorgang in der Geschichte der Menschheit so oft wiederholt, daß man seine Gesetze nun kennt. Er ist kontrollierbar, er ist lenkbar, er hat seine Technik, wenn auch seine Intensität stets von der Begabung oder dem Maß von Besessenheit des Messias abhängt.
.

Der Magnetismus der Plattheit

Diese Messias- und Führerbegabung ist eine sehr spezielle. Auch unter Führern kommt Intelligenz und Geistesbildung vor, doch schadet ihnen das eher.

Ihre Wirkung liegt in einer ganz anderen Sphäre und ihre Kraft der Überzeugung, ihr fanatischer Glaube, ihr Aposteltum könnte überhaupt nicht Zustandekommen, wenn sie durch Intelligenz, d. h. durch Verstehen, durch Kritik und Vorbehalte gehemmt wären.

Allein die Stärke ihres Glaubens, ihres Wahns oder ihrer Ichbesessenheit verleiht ihren Worten die große suggestive Kraft. Sie begehen nie den Fehler, etwas beweisen zu wollen, ihr Instrument ist die unerschütterliche, eherne, dreiste, immer wiederholte Behauptung, - das will die (Menschen-) Masse hören.

Und sie sind so geräuschvoll, so impulsiv, so primitiv wie die (Menschen-) Masse selbst, die sich deshalb sofort verstanden fühlt.

Deshalb waren viele der großen Führer der Geschichte, insbesondere die revolutionären, Fanatiker von nur mäßiger Intelligenz, ja oft das, was wir einen beschränkten Kopf nennen, dabei aber von äußerster Konsequenz und Folgerichtigkeit in der Verfolgung ihrer Idee. Diese Engstirnigkeit war notwendige Voraussetzung ihrer Wirkung auf die (Menschen-) Massen: Zwang des Monomanischen.
.

Der Antrieb : Machtwille

Als Phänomen ist der Vorgang der Massenbeeinflussung nicht rätselhaft. Auch ein Volk will sich bestätigt, will sich anerkannt sehen, so wie sein Bändiger sich an ihm bestätigt sehen will.

Beide steigern sich gegenseitig und aneinander, und immer sind es letzten Endes die allzu guten Kenner der menschlichen Seele, die großen Menschenverächter, die irgendwie Zukurzgekommenen, die die Kälte und den eisernen Tierbändigerwillen aufbringen, zu beugen, was sie enttäuscht, verletzt oder überhaupt nicht beachtet hat.

Sie allein auch besitzen die fast magischen Kräfte der Verführung, der Suggestion, der Willenslähmung, den Kobrablick und die Rattenfängerbegabung den (Menschen-) Massen gegenüber, den Blick, den Tonfall der großen gefährlichen Ichbesessenen.

Der Machtwahn ist ihr Dämon, aber ihr System war zu allen Zeiten das gleiche. Wie dieses System gehandhabt, wie es gepflegt und wie es genutzt wird, - das hat das deutsche Volk erlebt und erlitten.
.

Der deutsche Mythos - eine Brunnenvergiftung

Der deutsche Mythos, klug abgestimmt auf das Stück vom Romantiker und auf das Stück vom Soldaten, das der Deutsche mit sich herumträgt, war allerdings ein Irrtum, denn es gab noch einige andere Völker in der Welt, Völker, die nicht bereit waren, die Kosten dieser Heilsbotschaft zu tragen, und so bleibt nach diesem Ergebnis im Grunde nichts weiter zu bemerken, als daß der deutsche Mythos eine Brunnenvergiftung größten Stiles war, zu schön, zu primitiv und zu selbstmörderisch, aber wohl auch zu sehr fabriziert, um länger als einige Jahrzehnte leben zu können.

Zwar werden wir später sehen, daß ein Volk überhaupt nicht leben kann, daß es ohne jeden Zukunftswillen ist ohne eine Leitidee, von der es vorwärts getragen wird. Aber der Unterschied zwischen einer tragenden Idee und einer Wahnidee ist zu offensichtlich als daß er noch zu diskutieren wäre.
.

DIE „WELTANSCHAUUNG"

.

Für jeden etwas - eine Weltanschauung

Die Weltanschauung, um die es sich hier handelt, war für tausend Jahre berechnet. Nach zwölf Jahren hatte sie sich erledigt. Das dürfte vor allem daran liegen, daß es eine Weltanschauung auf Kosten anderer war, diese anderen sie aber energisch ablehnten.

Selbstverständlich bedurfte der streitbare deutsche Mythos eines Reglements, eines Katechismus. Wir Deutschen lieben Weltanschauungen, bei denen alles in Ordnung ist.

Die fertig gelieferte Weltanschauung kam einer dritten Komponente im deutschen Menschen entgegen, der bei sich zu Haus zu viel Romantiker und für seine Nachbarn zu viel Soldat ist: dem Schulmeister in jedem guten Deutschen.

Während Raubvölker sonst ohne jede philosophische Bemühung einfach auf Raub ausziehen, war es gut, den Deutschen, die etwas schwerfällig sind, eine philosophische Untermauerung mitzugeben, eine fertige Weltanschauung, aus der sich unumstößlich ergab, daß Raub nicht Raub, sondern ein wahres Glück für die Betroffenen sei.
.

.... aber eine besondere Weltanschauung als Selbst-Portrait

Die „Weltanschauung" nun ist oder sollte doch sein: die eigentliche und neue „Idee" des Ganzen, berufen und berechtigt, zunächst Deutschland und dann ganz Europa von Grund auf umzubauen, ihm eine „neue Ordnung" zu geben. Auf dem Mythos von der deutschen Mission verankert sollte sie das Exerzierreglement darstellen, nach dem zu glauben, zu leben und gegebenenfalls zu sterben war.

Es ist noch heute schwer zu sagen, worin nun diese Weltanschauung eigentlich bestand, sie wurde lediglich "gehabt". Und sie konnte doch wiederum unmöglich "gehabt" werden, da sie - und das war wirklich neu - nichts weiter als ein unvereinbares Gemenge von Lesefrüchten eines Halbgebildeten darstellte.

Sie brachte für alle Fälle und in Form von Gemeinplätzen jedem  etwas: etwas Germanentum, etwas Neuchristentum, etwas Neuheidentum, viel, sehr viel Sowjetrussisches, etwas Blut und Boden, mehr als genug an Rassenwahn, sehr viel Herren- und Übermenschentum und hiermit das, worum es eigentlich ging: die Heiligung der Gewalt.

Kombination von Hinterhof, Kasernenhof und Schlachthof

Im übrigen aber war sie eine in sich unmögliche Kombination von Hinterhof, Kasernenhof und Schlachthof. Aber auch sie hatte, wie das Parteiprogramm, den Vorteil, daß sich jeder an das halten konnte, was ihm am besten zusagte.

Es war eine so reichhaltige Weltanschauung, daß ihr nicht zu widersprechen war, weil sie aus Widersprüchen und Unvereinbarem bestand, - eine Weltanschauung, die gewissermaßen immer wieder auf die Beine fiel. Dieses chaotische Nebeneinander und Durcheinander, das etwa dem ungeordneten Wissensbestand eines sechzehnjährigen Sekundaners entsprach, diese Trümmersammlung auf einen Nenner zu bringen, ist selbst den gesinnungstüchtigsten Halbwissenschaftlern nicht gelungen, es wäre lediglich denkbar, daß die Vereinigung des Unvereinbaren im Hirn ihres Schöpfers möglich war. Insofern war sie eine Art Selbstportrait: es war die Schaubuden-Weltanschauung einer Tierbändigerseele.
.

Immer wieder - die Heiligung der Gewalt

Da sie aber in erster Linie die Gewalt heiligte, war es eine Art gebrüllter Weltanschauung, sie ließ sich zwar nicht diskutieren, aber sie ließ sich in Kommandos zerhacken. Im ganzen war ihr Zuschnitt für das Niveau derjenigen gedacht, die irgendwann einmal etwas von geistesgeschichtlichen Problemen gehört hatten und die nun mit so geringem Aufwand in der Lage waren, eine Weltanschauung zu "haben", während sie sonst mit dem gesunden Menschenverstand ausgekommen waren.

So rief denn die Schicht, die berufen war, das deutsche Volk zu führen, in die Welt hinaus: Wir haben eine Weltanschauung und zwar ist es eine Weltanschauung wie sie noch nicht dagewesen ist, - was in der Tat stimmte.
.

Eine groteske Tatsache

Es ergibt sich somit die groteske Tatsache: außer der Mythe, der kanonisierten Wahnidee von der deutschen Sendung - also einer bloßen Behauptung - hat es in der Tat niemals eine nationalsozialistische Weltanschauung gegeben, sondern nur den von unzähligen Vätern stammenden Bastard einer Weltanschauung.

Hier bekam jeder Esel seine eigene Mohrrübe vorgehalten, und sich zu diesem enzyklopädischen Kuriosum zu bekennen, hieß doch eben: keinen der unvereinbaren Standpunkte einnehmen zu können, zu keiner einheitlichen Betrachtungsweise gelangen zu können, kurz: eben keine Weltanschauung zu haben.

Oder aber man versteht unter dem Begriff Weltanschauung etwas gänzlich Neuartiges, nämlich: jedes nur denkbare Gegenargument mit der Faust niederzuschlagen, in Siegheilrufe auszubrechen und denen zu befehlen, die keine oder die falsche Weltanschauung haben.
.

Neu : die emporkommenden Massemenschen

Selbstverständlich war diese Weltanschauung auch irgendwie zeitgeboren, sie hatte ihre soziologischen Wurzeln: sie war eine Aktion des emporkommenden Massemenschen und seiner urtümlichen Triebhaftigkeiten, verkleidet in eine „Idee" und behängt mit abgegriffenen Gemeinplätzen, sie war ein patriotisch gefärbter Syndikalismus der direkten Aktion, also das Prinzip der nackten Gewalt, die auf jede Diskussion verzichtet. Auf die Wucht ihrer (Menschen-) Massen gestützt war sie kühl zugegebener Rückfall in das Faustrecht, psychischer Infantilismus.

Zugkraft des Vulgären

Es ist dann auch nicht verwunderlich, daß dieser neuartig rabiate Ungeist aus allen Lagern der Unzufriedenen, der Glücksritter, der Abenteurer und der Gescheiterten, aber auch aus der Gegend der Schwerindustrie und der Konjunkturbedürftigen Zuzug fand, ja von dorther wurde die neue Weltanschauung sogar finanziert, was gleichfalls neu an ihr war.

Dieses seltsame Mittelding zwischen Faustrecht, grimmigem Ulk und Geistesverwirrung hatte in den bedrücktesten Vorkriegsjahren Deutschlands nur die eine lichte Seite, daß es eine nicht abreißende Flut sehr geistreicher, scharf ätzender politischer Witze im Gefolge hatte, - man sah, der Geist war noch nicht abgetötet im deutschen Volke, es durchschaute das Abstruse dieser „Weltanschauung", - das aber war das einzige Ventil, das sich von oben her auf keine Weise verstopfen ließ.

Im Grunde hatte man den Kern all dieser pathetischen Gaukeleien begriffen („Ein Volk - ein Führer - ein Theater"). Aber es war bereits zu spät, die Ausgänge dieses Theaters waren bereits hermetisch geschlossen, die festlich gestimmte Menge war in die Falle gegangen.

Billige Schlagworte, Zynismus, Rassenhaß, Kasernenhofgeist und sehr viel Größenwahn: das war die Substanz dieser Weltanschauung, die gedanklich nichts als die theatralische Vorführung eines Vacuums war, - heroisierte Ignoranz.
.

Der Wille zum Grenzenlosen

Daß sich diese herausfordernde und rabiate Weltanschauung für (gesistig) Minderbemittelte in Deutschland überhaupt zeigen durfte, muß seine tieferen Gründe haben, denn sie wäre anderswo zweifellos undenkbar gewesen.

Etwas derartiges hängt nicht in der Luft, es fällt nicht vom Himmel herab in das Hirn eines Wirrkopfes, sondern es muß, wenn auch nicht dem Inhalt, so doch dem Charakter nach Vorgänger haben.

Es ist der klare Fall eines auf die Spitze getriebenen Prinzips (in diesem Fall der Brachialgewalt). Es ist einer jener Fälle, in denen die Tendenz zur Übersteigerung, zur Überspitzung und der Hang zum Grenzenlosen bis zum Exzeß vorgetrieben wird.

Da die Deutschen alles sehr ernst nehmen, haben sie auch diejenigen zu ernst genommen, die Züge des deutschen Wesens bis ins Absurde steigerten. Der Welt gehören die universellen Geister, die Deutschland geboren hat, Leibniz, Kant, Goethe.

Aber den Deutschen ins Blut übergegangen sind Hegel, Wagner und der späte Nietzsche, somit also die sehr speziellen Künder des Unbestimmten, des Grenzenlosen, des Exaltierten und Extravaganten.

Sie sind Inkarnationen einer sehr deutschen Wesensseite: des in die Wirklichkeit verschlagenen pathetischen Romantikers, der sich berauschen muß, der sich seine trunkene, künstliche Welt baut und den Boden unter den Füßen verliert, ja verlieren will.
.

Der Wille zum Rausch

Es ist klar, daß dies der genaue Gegenpol der westlichen Clarté (Verständlichkeit / Deutlichkeit) ist, des cartesianischen deduktiven Denkens, das sich vor allem selbst beherrscht, ehe es an ein Weltbild geht.

Dagegen ist für das Pathos des Wortrausches nicht Erkenntnis das erstrebte Ziel, sondern der die Sinne umnebelnde Rausch des in Zungen redenden Propheten: die Ekstase, der heilige Rausch.

Man kann das Wesen beider Denkkategorien auch als das klassische einerseits und das gotische, faustische anderseits definieren, nur mit dem Vorbehalt, daß in Deutschland jede pathetische Ungereimtheit und jeder abseitige Anspruch bereits als faustisch gilt.

Das soll wohlgemerkt eine Seite des deutschen Wesens charakterisieren, die Seite, auf der die wilden Männer, die aufgeregten Köpfe, die skurrilen Eigenbrötler und tönenden Worteverkünder stehen. Das „große Publikum" haben die Dialektiker.
.

Das Bildnis des Rattenfängers

In Deutschland hat sofort jede Geisteshaltung Wurzeln geschlagen, die von Stimmungen und Affekten ausgeht, auch alles, was genügend vom Ressentiment und Protestlertum herkommt und sich mit tönendem Prophetenpathos und theatralischer Geste gibt.

Nirgends anderswo konnte beispielsweise die pathetische Clownerie des Übermenschen erfunden und ernst genommen werden, die einzig ein monomanischer Rausch ist und darum von gefährlicher Suggestivität in ihrer Auswirkung *14).
.

  • *14) Hat ein Kunstwerk so reale Auswirkungen, so muß man unterscheiden zwischen hoher künstlerischer Form und dem verzweifelten Radikalismus, dem diese Form dient, in diesem Falle zwischen einer trunkenen, aufgewühlten, dithyrambischen Sprache und dem philosophisch Billigen der Antithese um jeden Preis, zwischen hoher dichterischer Form und dem Absinken jeder sozialen Ethik in „Sklavenmoral", überwindbar nur durch den „Willen zur Macht".
  • Entkleidet von der eingängigen, suggestiven Form ist hier die philosophische Substanz außerordentlich dünn - primitiver, aphoristischer Plakatstil mit starkem Einschlag ins Theatralische und in den dialektischen Bluff. Als Lehre begriffen war dieser gewissermaßen militarisierte Religionsersatz, der sich sowohl zackig und diktatorisch wie altertümlich biblisch gab, zweifellos von ungeheurem Einfluß auf den deutschen Menschen des letzten halben Jahrhunderts. Er war bei aller degenerierten Übermenschenpose eine Philosophie in Schlagworten, fertig zum Mitnehmen, eine Philosophie in Merksätzen für den wildgewordenen Bürger.
  • Diese Antibibel der Deutschen barg jederzeit die Gefahr, daß sich ein erster Übermensch in die Wirklichkeit verlief. Das alles berührt nicht den Ausdruckswert eines Kunstwerkes, das sehr wohl exzessiv sein darf. Aber es gibt extreme Kunstwerke, die wie extrem gefährliche Drogen wirken. Sie nehmen das Extreme zum A usgangspunkt und machen es zum System - darin liegt ihre ansteckende Gefahr für unklare Köpfe.

.

Wenn nur noch die Tendenz zum Rausche übrigbleibt

Da nichts zusammenhanglos geschieht, liegt eine innere Logik darin, wenn schließlich nur noch die Tendenz zum Maßlosen, zum Exaltierten und zum Rausche übrigbleibt, ohne den philosophischen Inhalt, aber ins Klotzige abgesunken und handgreiflich geworden. Aber das Gemeinsame bleibt noch immer sichtbar: als die Flucht des an der Wirklichkeit Gescheiterten in den Wahn.

Ist beispielsweise die Figur des Nietzsche'schen Übermenschen nichts als die Pathetik eines an sich selbst Berauschten, sublimierte Menschenverachtung aus Selbstvergottung, zeigt sich hier schon ganz klar die Dämonie einer vergeistigten teutonischen Ichraserei, so darf man sich nicht wundern, wenn eines Tages ein ernsthaft Verrückter auftaucht, der dies alles wortwörtlich nimmt, auf seine Weise den Übermenschen spielt, sich sogar demonstrativ neben der Büste des Zarathustra-Verfassers fotografieren läßt und dann der Herde zeigt, was er von ihr hält.

Es ist keine Frage, daß das Denken in Affekten, die heroische Schauspielerei vor dem eigenen Ich in ihm ihren Höhepunkt und ihre Katastrophe gefunden hat. Es ist in der Tat das Ende einer geschlossenen Reihe von Symptomen, die auf diesen Punkt zusteuerten: von der Pathetik über die Ekstase in das Chaos.
.

Von der Pathetik über die Ekstase in das Chaos

Allen diesen Vorläufern und dieser gesamten Seelenhaltung ist das Fehlen einer Nebensächlichkeit gemeinsam, die aber von höchster Bedeutung ist. Denn sie ist eine Form der Überwindung der Welt, die nur dem echten Philosophen eigen ist: es ist ihnen gemeinsam, daß sie nicht lachen oder zum mindesten lächeln können.

Sie geraten sämtlich ins Außermenschliche, Abseitige, Unechte, Verstiegene, soweit sie sich nicht sogar den Dämon vorspielen und dann ernsthaft zu Gehetzten werden, die ihrerseits die Herde hetzen. Doch sie waren Menschen, keine Wolfsseelen.

Aber aus dieser Haltung heraus und auf den Schultern dieser Vorläufer konnte in Deutschland das Zerrbild einer populären Weltanschauung wachsen und sich bis zum Exzeß austoben. Sie war affektiv gehalten und sie hatte Rauschqualitäten, das mußte für sie einnehmen. Und sie war primitiv, trivial und kitschig genug.
.

Weltanschauung als Zweckerfindung

Damit ist aber nur erklärt, was einer solchen absurden „Weltanschauung" förderlich war. Ihr sachlicher Inhalt kann gleichfalls nicht vom Himmel gefallen sein, er muß seine Vorgeschichte haben.

Diese Vorgeschichte ist eine durchaus preußische Vorgeschichte, und was sich zuletzt als Weltanschauung verdichtete, war letzten Endes nichts als der Jahrhunderte alte Anspruch preußischen Junkertums, nur mit dem Unterschied: was früher durch eine kleine, energische Samuraikaste vertreten wurde, geriet in die Hände einer Gruppe zusammengelaufener Abenteurer.

Die rückständige Junkerkaste war kraftlos geworden, sie hatte ihre geschichtliche Mission erfüllt, und nun sanken die Leitideen einer Schicht, die früher immerhin eine Art Auslese war, hinab ins Plebejische oder besser Proletenhafte und nackt Ordinäre.

Ein Evangelium der Gewalt unters Volk bringen

Man sieht hier deutlich, welche Metamorphosen vor sich gehen, wenn die Führung eines Volkes zu den Wortführern der (Menschen-) Masse hinüberwechselt, und es ist klar, daß ein derartiger Abstieg nur in einem kranken Volkskörper erfolgen kann.

Vor allem aber war diese Weltanschauung eine reine Zweckerfindung. Sie war in der Tat die sicherste Methode, mit der sich eine Handvoll Abenteurer der großen (Menschen-) Massen bemächtigen konnten, denn wenn es erst gelingt, ein Volk mit einem Evangelium der Gewalt gründlich zu demoralisieren, so hat man damit die Atmosphäre geschaffen, die alle zu Mittätern macht.

Packt man ein Volk dann noch bei seinem Nationalgefühl, seinem Idealismus, seinem natürlichen Lebenstrieb, so muß man sich mit einer entsprechend aufgezogenen Propaganda unter allen Umständen durchsetzen, - immer vorausgesetzt, daß man die nötige Skrupellosigkeit aufbringt.

Das aus dem Geist der Barbarei Geborene einer solchen Pseudo-Weltanschauung wird am besten aus einem Wort Jacob Burckhardts klar:

  • „Je weniger eine Gewalt ihres rechtmäßigen Ursprungs sicher ist, desto unvermeidlicher drängt es sie, allem Legitimen rings um sich herum den Garaus zu machen."


Man muß noch hinzufügen:

  • „Und ein ganzes Volk zur Verantwortungslosigkeit zu erziehen, - die einen sind der Verantwortung ledig, die anderen niemandem mehr verantwortlich. Dann ist die Bahn frei."

.

- Werbung Dezent -
Zur Startseite - © 2006 / 2026 - Deutsches Fernsehmuseum Filzbaden - Copyright by Dipl.-Ing. Gert Redlich - DSGVO - Privatsphäre - Redaktions-Telefon - zum Flohmarkt
Bitte einfach nur lächeln: Diese Seiten sind garantiert RDE / IPW zertifiziert und für Leser von 5 bis 108 Jahren freigegeben - Tag und Nacht, und kostenlos natürlich.