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2026 - 35 Jahre nach dem Kollaps der Zone werden von "Interessierter Seite" erneut Mythen verbreitet .......

von Gert Redlich im Mai 2026 - Die Ostzone ist seit 1989 vorbei, kollabiert an der eigenen Ideologie. Auch wenn sich die "Oberen" (die greisen weißhaarigen oder glatzköpfigen Opas und Uropas auf den 1. Mai Tribünen) der Ost-Zone über 30 Jahre mit dem Kürzel "DDR" schmücken wollten, für die älteren unter uns Wessis bleibt es die Ostzone mit ihrem Negativ-Image. Und diese bis zu Gorbatschows Zeiten immer noch russisch beherrschte und besetzte Zone war schon regelrecht komisch.
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Also wie war es wirklich im Arbeiter- und Bauern-Paradies ?

Es war 1956, als mein Bruder (Dez. 47) und ich (Juni 49) 6 Wochen nach Berlin "durften" - nach Ost-Berlin .....

1952 - Oma und Opa glücklich mit den Enkeln - links das bin ich

Wir wohnten seit 1950 in Wiesbaden auf nur 45qm Wohnfläche und unsere Eltern wollten auch mal ein paar Wochen echten Urlaub haben, natürlich zuhause.

So "durften" (oder mußten) wir in den Sommer-Ferien zu Oma und Opa nach Berlin, nach Ost-Berlin - in ein kleines Kaff Namens Karow, das lag im Nordosten zwischen Pankow und Buch/Bernau.
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Und Oma und Opa hatten sich immer sehr gefreut, wenn die beiden Enkel für 4 bis 6 Wochen in diese trostlose Ecke kamen, egal was für einen Unsinn wir dort im Ossiland veranstaltet hatten.
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Aber es war alles merkwürdig - sogar für 7-jährige

Fangen war an mit den ersten Eindrücken beim Einkaufen. Omas Häuschen war etwa 1 km von der S-Bahn Station und dem Kaufladen entfernt, also ein guter Fußmarsch - fast jeden Morgen. - Der Laden hieß "Konsum" oder "HO" und wir durften mitkommen. Meinem Bruder und mir fiel natürlich auf, daß über 80% aller Regale dort im sowieso schon düsteren teils schmuddeligen Laden (die Lampen an der Decke oder waren es bereits Leuchtstoffröhen waren arg vergilbt oder verdreckt) leer waren. Da stand einfach nichts drinnen. Auf die kindliche Frage "was verkaufen die hier eigentlich" (so sprach der Kindermund) und Oma sagte leise, "Kind, sei still, sonst bekommen wir hier gar nichts mehr."

Ich erinnere mich deshalb so genau daran,, weil unsere immer liebe und freundliche Oma Tränen in den Augen hatte. "Kinidermund" hatte nämlich ausgesprochen,was sich niemand der anderen Menschen in dem Laden getraut hätte auszusprechen.
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Die Geschichte mit den geschmacklosen Brötchen

Samstags gab es neben dem normalen Brot - es gab da nur eine Sorte Einheitsbrot - "Brötchen". Das waren weiße (bayerische ?) Semmelbrötchen, die bei uns hier im Jahr 2015 niemand mehr kaufen würde, jedenfals nicht mehr nach dem ersten "Eßversuch". Auch bei Redlichs im Westen in Wiesbaden gab es nur am Sonntag Brötchen. Doch die waren frisch und lecker und knusprig. Diese hier waren "sehr flexibel" vielleicht vom Vortag, als der Brotbackofen noch warm war.

Hier war also Eile angesagt, sodaß meine Oma und ich bereits um 7.30 losmarschierten, um pro Person 2 dieser Brötchen zu "ergattern", denn um 9.oo waren die wieder "alle" - bis zum nächsten Samstag. Auf jeden Fall war diesmal ein ganz großer Korb voll mit diesen Brötchen - natürlich hinter dem Tresen - zu erblicken. Und es gab auch dieses Einheitsbrot. Die Regale draußen vor dem Tresen waren nach wie vor nahezu leer.
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Auch hier fragte der "Kiindermund" : Oma, warum kaufst DU so viele davon, die schmecken doch gar nicht. "Kind, es gibt nur diese hier und sonst gar nichts."
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Die Geschichte mit dem kostbaren und raren Suppenfleisch

Ein paar Jahre später bei einem anderen Ferienbesuch in Ost-Berlin wollte uns Oma etwas Besonders bieten, nämlich leckere Gemüsesuppe (Gemüse aus Omas großem Garten) mit Fleisch - mit Suppenfleisch. Irgendwie schien sich herumgesprochen zu haben, daß es an jenem besonderen Tag wieder Fleisch geben würde.

Wir Kinder wußten bereits, Suppenfleisch war die preiswerteste und unterste Kategorie von Fleisch, Steak und Filet waren das Edelste, das es vermutlich nur in Pankow im eingezäunten HO-Laden für die Kommitee- und Partei-Bonzen gab.

Für uns heranwachsende Wessis war in den Jahren vor 1960 Fleisch (und Wurst) ausschließlich eine Frage des Geldes, nie des "Bekommens" oder "Kaufen könnens" an sich. Jedenfalls weckte mich die Oma um 5.30 (Mitten in der Nacht) - Du willst doch mitkommen ?? - Ja wollte ich, Oma sollte nicht alleine gehen, obwohl es schon recht hell wurde.

Um 6 Uhr Morgens hatte sich vor dm HO-Laden am S-Bahnhof Karow eine Menschentraube eingefunden, es gab Fleisch. Ich war nur noch am Staunen, womit man die Leute dort in Karow so früh aus den Federn locken konnte. Oma sagte nur, wenn wir nach 9.00 kommen, ist alles weg - selbst die Knochen - im Schlemmerparadies, der Hauptstadt der DDR.
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Und jetzt kommt es, Oma sagte, sie hätten 2 Gäste aus Westdeutschland. jetzt durfte Sie sogar ein richtig großes 500 Gramm (oder waren es sogar 1 Kilo ?) Stück kaufen, sonst bekäme sie weniger - wieviel weniger weis ich nicht mehr.
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Später nach 1961 wurde es dann richtg kurios.

Denn Walter, der kleine aufgestummte Giftzwerk, tönte lautstark aber unglaubwürdig, niemand wolle eine Mauer (um Berlin) bauen - 6 Wochen später wurde damit angefangen.

Und es war damals für uns Kinder - wir waren inzwischen 12 und 14 Jahre alt, bereits kurios, daß danach unsere gleichaltrigen Verwandten bzw. Freunde aus West-Berlin nicht mehr nach Ost-Berlin rein durften, wir Wessis aus Wiesbaden (West-Deutschland) aber durften das.
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Unser Opel 1700 in West-Berlin - links mein Bruder und ich

Auch war uns Kindern aufgefallen, daß an der Ost-Grenze fast alle Ost-Grenzer den "bösen Blick" hatten. Der pure Neid blitzte ständig aus den Augen, daß wir mit dem OPEL Record 1700 (das stand nämlich hinten drauf) ins Ossi-Land "eindringen" durften. Solch ein Opel war damals ein unerreichbarer Traum für einen jungen Vopo Mann oder Volksarmisten, der ja trotz Anzahlung bis zu 15 Jahre auf seinen Primitiv-Plaste-Trabbi warten mußte.

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Gleichs passierte mir Jahre später auf der Interzonen-Autobahn mit meinem grünen BMW 525. Das war nun der Übertraum, an den die allermeisten Ossis sowieso nicht mal zu denken gewagt hatten und dann kommt so ein 26jähriger Schnösel mit solch einem Auto.
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