1924 - Das Buch eines Österreichers ..... "Mein Kampf"
Von Gert Redlich im Okt. 2026 - Das "in den Verkehr bringen" von "Mein Kampf" war über Jahrzehnte verboten. Nur wenige konnten sich ein Bild davon machen, was dieser Adolf Hitler (oder war es ein Ghostwriter ?) da wirkich von sich gegeben hatte. Bei uns im Gymnasium in Wiesbaden in der Geschichts- Stunde (= Geschichts-Unterricht) wurde dieses Buch noch 1965 nicht mal erwähnt. Vermutlich waren einige der älteren Lehrer innerlich immer noch Anhänger des Führers oder eines Führer-Staates.
Später - als ich über 18 (und am Ende dann doch ohne Abitur) aber noch unter 30 war, geisterten alle möglich Mythen und Legenden um dieses offensichtlich "verschollene" Buch herum.
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In ersten Artikeln von Interesse (meinem Interesse als Heranwachsender) konnte man in den 1970er Jahren einiges von damals lesen. Andeutungen standen aber bereits im SPIEGEL von 1949. (Wir haben alle diese SPIEGEL Ausgaben gebunden - über 15 Jahrgänge.
Es war klar, daß so gut wie alle übrig gebliebenen Deutschen im April 1945, als es wirklich zuende war, mit diesem Adolf Hitler und (seinem ?) Nazi-Deutschland nicht zu tun hatten. Und es war klar, daß man an diesem Ende auch nichts mehr deuteln oder beschönigen konnte.
Und so "entfernten" die Überlebenden alle Hitler-Bilder und Hitler Köpfe und natürlich auch alle 12 Millionen "Mein Kampf" Bücher aus den noch unzerbombten (also nicht abgebrannten) deutschen Wohnungen, von den deutschen Komoden und aus den deutschen Vitrinen und Bücher-Schränken.
In dem biografischen Buch von Max Grundig berichtet der noch junge Max (geboren Mai 1908) aus den ersten Nachkriegstagen, daß in Nürnberg und Fürth Berge von Partei- und Militärklamotten verbrannt wurden, als die siegreichen Amerikaner einrückten und die Offiziere die Villen und größeren Häuser für ihren Bedarf requirierten.
Ein Hitler-Bild an der Wand bedeutete den sofortigen Rausschmiss aller Bewohner, die anderen Bewohner hatten zumindest ein paar Stunden Zeit oder einen Tag Zeit und durften auch einige ihrer Sachen mitnehmen.
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Der Kameramann Manfred Romboy (geb. im Sept. 1936) beschreibt in seiner Biogafie, daß er als 9jähriger noch in den ersten Wochen nach Einmarsch der Amerikaner in Leipzig den in der Hitlerjugend über Jahre gedrillten Hitlergruß völlig unbedarft gezeigt hatte. Seiner nebenstehenden Mutter rutschte das Herz nicht nur in die Hose sondern noch weiter runter. Die Amis waren aber verständnisvoll und lernwillig, daß der Bub nichts dafür konnte. Das war damalige gelungene Indoktrination der HJ. Der Bub hatte den plötzlichen Umschwung gar nicht verstanden.
Jedenfalls waren alle Nazi-Symbole und die Millionen von Hitlerbüchern auf einmal alle weg - die hatten sich buchstäblich in Luft (oder war es Rauch) aufgelöst. Schlagartig war kein Deutscher mehr für Hitler. Alle waren auf einmal dagegen "gewesen".
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Jetzt ist (s)ein Buch da, sogar ein altes Exemplar aus 1933.
Nachdem ich eines der überraschendsten Bücher aus 1932 durch Zufall bekommen hatte - und dazu diverse Biografien duchgearbeitet hatte, ist die Lektüre von "Mein Kampf" ins Blickfeld geraten.
Was steht da wirklich drinnen. Was davon nutzen die rechtsradikalen Gruppierungen oder rechtspopulistischen Parteien ?
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Und jetzt war verblüffend, immer mehr Journalisten schrieben
.... was da in diesem geheimnisvollen Buch stehen würde. Als in 2013 hier in West-Deutschland eine alternative Partei gegründet wurde, schien die Welt noch in Ordnung zu sein. Als aber im Jahr 2015 die "Alten" (die drei Professoren) ausgebootet wurden, wandelte sich die AFD in eine rechtspopulistische Organisation und ganz plötzlich wuchs das Interesse, wie das mit der Machtübernahme im Feb./ März 1933 passieren konnte.
Da hatte doch mal einer in 1923/24 ein Buch geschrieben - sogar im Gefängnis, das müsste man(n) dann doch mal lesen. Im Sept. 2026 haben wir ein solches Original bekommen. Und ganz vorab, was immer der Adolf - der Österreicher - dort für Deutschland geträumt oder geplant hatte (er war ja juristisch immer noch kein Deutscher), im April des Jahres 1945 wußten alle, es hatte nicht funktioniert - Deutschland war nach den 12 Jahren Nazi-Herrschaft gänzlich ruiniert. Und Östereich verkroch sich in einer fiktiven Opferrolle, die aber gar nicht stimmte.
Es dauerte (nach 1945) über 20 Jahre, bis auch dort die Wahrheit gesagt werden durfte. Und genau das lesen Sie in "Mein Kampf", wenn Hitler bereits 1924 davon träumt, daß die Östereicher ja sowieso Deutsche seien. In 1924 bezeichnet er Österreich bereits als die deutsche "Ostmark".
Als Hitler 1938 die Österrecher "Heim ins Reich" geholt hatte, wurde immer wieder ein Pressefoto (und auch ein Wochenschau-Film) publiziert, wie bewaffnete Wehrmachtsanghörige den österreichischen Schlagbaum aus den Angeln heben und seitlich verbiegen, um die Kolonne des Führers durchzuwinken. Doch das waren gestellte reine Propagandafotos, die aber nach dem Kriegsende den Amerikaner fälschlich zeigten, Deutschlands Armee hat Österreich okkupert bzw. erobert.
Und solange wie diese Story aufrecht erhalten werden konnte, waren die Österreicher genauso Opfer wie die Polen und die Tschechen. Und dann kamen Filme ans Licht, auch aus russischen Archiven. Die Russen hatten damals in Wien auch erstmal alles beschlagnahmt und weggeschafft.
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Die für uns relevanten Seiten des Buches einzuscannen ist schwer, es ist in einer Unger-Fraktur Schrift gedruckt.
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Es gibt aber seit 2015 eine öffentliche Textversion von "Mein Kampf". Und dazu gibt es folgende Informationen:
- Unmittelbar nach Ablauf des Urheberrechts am 31. Dezember 2015 hat das Institut für Zeitgeschichte eine vielbeachtete wissenschaftliche Edition von „Mein Kampf“ vorgelegt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Freistaat Bayern das Urheberrecht genutzt, um eine Neuauflage des Propagandawerkes zu unterbinden.
- Doch 70 Jahre nach dem Tod Hitlers stand dieser juristische Hebel nicht mehr zur Verfügung. „Mit der kritischen Edition verfolgte das IfZ deshalb eine doppelte Zielsetzung“, erklärt Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte.
- „Zum einen haben wir ‚Mein Kampf‘ als unverzichtbare Quelle zur Geschichte Hitlers und des Nationalsozialismus erstmals in Form einer kritisch erschlossenen und kommentierten Gesamtausgabe der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.“
- Zum anderen galt es, der ungefilterten Verbreitung von Hitlers Propaganda entgegenzuwirken und den über die Jahre entstandenen Mythos um „Mein Kampf“ nachhaltig zu dekonstruieren. „Die Edition des IfZ“, so Wirsching, „war deshalb immer auch ein Beitrag zur historisch-politischen Aufklärung.“
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Die Links zu der Online-Version stehen hier unten :
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https://www.mein-kampf-edition.de/
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https://www.ifz-muenchen.de/mein-kampf
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Hier übernehmen wir die zugehöriige Erklärung des IFZ :
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Was ist das Buch „Mein Kampf“?
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- „Mein Kampf“ ist Hitlers wichtigste politische Schrift. Sie entstand in den Jahren 1924 bis 1926 in zwei Bänden. Während Band 1 in erster Linie stark stilisiert Hitlers Biografie sowie die Frühgeschichte der NSDAP und ihrer Vorläuferorganisation, der Deutschen Arbeiterpartei (DAP), nachzeichnet, steht die Programmatik der Nationalsozialisten im Mittelpunkt des zweiten Bands.
- Große Teile des ersten Bands entstanden während Hitlers Haftzeit im Knast in Landsberg am Lech, nach seinem gescheiterten Putschversuch vom November 1923.
Anmerkung : Der Autor des Buches "Deutschland So oder So", der Amerikaner H.R.Knickerbocker studierte ab 1922 zwei Jahre in München und bekam den Hitler-Putsch leibhaftig mit. Er hatte in dieser Zeit nahezu fließend Deutsch gelernt und beschreibt das in seinem Buch von 1932 authentisch, was damals dort in München abging. Das war für ihn die Steilvorlage, bereits im Winter 1932 !!! die spätere Machtübernahme Hitlers haargenau vorauszusagen. Und diese Voraussage ist das eigentlich Phänomen unseres Interesses.
Dessen Scheitern, die Zeit der Haft und das Verbot der NSDAP unterbrachen Hitlers politische Karriere. Er nutzte diese Zeit, um all das, was er bislang erlebt, gelesen und erdacht hatte, zu einer schriftlich fixierten Ideologie zusammenzuführen und um für seine verbotene Partei eine neue Perspektive und eine neue Strategie zu entwickeln. - Den zweiten Band schrieb Hitler dann nach seiner Haftentlassung, zum größten Teil auf dem Obersalzberg. Mit Hitlers Ernennung zum Reichskanzler im Januar 1933 schnellten die Verkaufszahlen stark in die Höhe; das Buch wurde zum Bestseller: Bis 1945 wurde „Mein Kampf“ in 18 Sprachen übersetzt und über 12 Millionen Mal verkauft.
- Nach dem Selbstmord Hitlers und dem totalen Zusammenbruch des NS-Regimes 1945 übertrugen die alliierten Siegermächte die Rechte an Hitlers Buch dem Freistaat Bayern. Die Bayerische Staatsregierung nutzte das Urheberrecht, um jegliche Neuauflage zu verhindern. Mit dem Erlöschen des Urheberrechts 70 Jahre nach Hitlers Tod stand dieses juristische Instrument aber seit 2016 nicht mehr zur Verfügung.
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Das Geheimhalten des Buches war ein großer Fehler
Den Grund dafür werden wir auch noch evaluieren. Daß wir Gymnasiasten um 1965 mit diesem heiklen Thema unserer elterlichen Vergangeheit nicht konfrontiert wurden, dafür mit ziemlich blöden griechischen und römischen Sagen, Kriegen und Feldherrn, ist mehr als ungeschickt.
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