„Führer und Verführte" - ein Buch aus dem Dezember 1945
Der Autor Hans Windisch hat nach den Aufzeichnungen seiner Vita bereits 1940 angefangen, sein Wissen um die Machenschaften der Clique (Horde) um Adolf Hitler und die Publikationen in den reichsdeutschen Medien aufzuschreiben. Diese Aufzeichnungen sind den Zetteln des Albert Speer in seiner 20-jährigen Haft in Spandau wiederum sehr ähnlich. Auch die Aufzeichnungen des Dr. Eugen Kogan in seinem Buch „Der SS-Staat" beschreiben die nahezu unbekannten Seiten des Hitler Regimes. Sollten Sie hier auf dieser Seite gelandet sein, beginnen Sie bitte hier mit der Einleitung.
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BILANZ NACH INNEN
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Heilung an der Niederlage
Was wird werden? - Eine bange Frage an eine dunkle Zukunft. Vorläufig sind wir kein Volk mehr und noch kein Volk wieder. Wir sind heute nur noch eine Gemeinschaft von Enterbten.
Aber das Leben ist wieder wert, gelebt zu werden. Die Luft ist wieder rein um uns, rauh, aber rein. Und nun wäre es wohl vor allem gut, wir könnten eines Tages beweisen, daß das Urteil der Welt „Das also seid ihr" ein Fehlurteil ist und daß es doch etwas anders um uns steht.
In jedem Menschen und in jedem Volke sitzt Gutes und Bestialisches und unter günstigen Umständen wiegt in Menschen und in Völkern das Gute vor. Manche sind in die glücklicheren Umstände hineingeboren, sie haben es leichter, - möchte es ihnen bewußt werden.
Wir haben nichts vergessen und verschwiegen, ......
..... das die Irrtümer der Vergangenheit aufdecken könnte, wir haben die Lage, vor der wir stehen, klar und ohne jede Selbsttäuschung erkannt, wir geben uns keinen Illusionen hin und haben nach rückwärts abgeschlossen.
Wir wissen außerdem sehr gut, daß die Welt außerhalb Deutschlands durchaus nicht aus lauter Tugend und Unschuld besteht, - stärker interessieren uns allerdings zunächst unsre eigenen Fehler.
Materielle Ziele fallen für uns zunächst weg. Aber es gibt noch andere auf der Welt und in unserem Falle wäre es für das deutsche Volk wohl das beste, wenn es erst einmal die Selbstachtung wiedergewinnen könnte, - nennen wir es ruhig das Gefühl, jedem wieder unbefangen in die Augen sehen zu können, keinem mehr verdächtig und keinem mehr Erklärungen schuldig zu sein.
Und wenn wir uns heute über so vieles im eigenen Hause schämen, so wäre das schon der Anfang zu einer neuen Selbstachtung und zu einer neuen Würde. Möge man uns das nicht allzusehr erschweren.
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Lehre für Sieger ???
Sieger zu sein ist eine Verantwortung, vor der Welt und vor dem Schicksal.
Gewiß: erst muß mit dem Messer an das Übel herangegangen werden. Aber die Immunität gegen neue Infektionen ist ein Vorgang in den Säften, ein Lebensvorgang, der von innen heraus erfolgen muß. Noch ist der Organismus dieses Volkes lebensfähig, man muß ihn willig machen, das Übel auszuscheiden.
Das deutsche Volk ist nach furchtbaren Jahren in einer Seelenverfassung, in der es empfänglich ist für die kleinste Spur von Güte und verständiger Lenkung. Hier ist ein Ansatzpunkt, und es wäre bitter, käme es eines Tages zu der Erkenntnis: Auch von dorther ist kein Weg, - „Freiheit", „Recht", haben wir das nicht schon einmal gehört, - auch nur als Worte?
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Bislang ein williges und gehorsames Volk
Das deutsche Volk ist im allgemeinen das, das man ein williges und gehorsames Volk nennen kann - oft zu seinem Unheil allzu gehorsam.
Es gibt eine Menge Völker, die von Haus aus viel temperamentvoller, affektiver, störrischer sind, und wir möchten glauben: so unlösbar kann für Staatsmänner von menschlichem Format die Aufgabe nicht sein, dem deutschen Volke, ohne es zu quälen eine Weichenstellung zu geben, die es niemals wieder in die Arme von -„Rettern" treibt.
Das deutsche Volk will Vertrauen schenken. Das ist nur über Einsichten möglich, nicht über noch so harte Strafe.
Völker, alle Völker haben sehr viel von der Grausamkeit, aber auch der Hingabefähigkeit des Kindes. Man soll das Kind, das mit dem Messer Unheil gestiftet hat, nicht wieder und wieder schlagen, - Vertrauen ist das erste, das es braucht.
Wir haben heute keinen größeren und keinen sehnlicheren Wunsch als den: man möge dem deutschen Volke die Möglichkeil geben, die Würde vor sich selbst und allen Völkern gegenüber wiederzugewinnen.
Der Paria ist ohne Hoffnung. Auch die Sieger hatten und haben zu lernen. Das Lehrbeispiel ist erst rund dreißig Jahre alt. Es zeigte, auf welche Weise ein geschlagenes und in Permanenz bestraftes Volk zu einem Krankheitsherd für die ganze Erde werden kann und wie es schließlich auf die verzweifeltsten Kuren verfällt. Haß schlägt immer wieder zurück.
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Die Volks- Erzieher
Und sicherlich ist das, das das deutsche Volk jetzt am nötigsten braucht, nicht einmal eine Sache der reinen „Politik", sondern lediglich des gesunden Menschenverstandes, einer Art Arztbegabung.
Es scheint, wir brauchen jetzt eine Zeitlang keine Politiker, weder zuhaus noch draußen, aber wir brauchen Volks-Erzieher, ruhige, klare, ausgeglichene, philosophische Köpfe, Menschenkenner mit sehr viel Güte und Verstand.
Einer würde uns schon genügen. Er hätte dann wahrscheinlich auch Verständnis für die tiefe Tragik dieses Volkes. Und er wäre unsentimental genug, sich zu sagen: hier lohnt es sich, etwas zu formen schon um des wertvollen Rohmaterials willen, hier sind 60 Millionen Menschen, die auf den verständigen Steuermann warten.
Alle Politik, äußere wie innere, hat eine jedem sichtbare Außenhaut - dahinter aber liegt das Eigentliche, das man nicht mit Händen greifen kann: seelische Vorgänge, die ihre eigenen Gesetze haben und die man nur sehr vorsichtig lenken kann.
Zu unserer eigenen Bilanz nach innen gehört es deshalb, daß das Vergangene mit seinen furchtbaren Irrtümern schnellstens für uns erledigt sein muß, daß wir uns über die aktuelle Lage keinen Illusionen hingeben und daß wir anderseits hoffen, man möge es verstehen, den Druck, der jetzt auf uns liegt, so zu dosieren, daß ein neuer Anfang gemacht werden kann.
Dem deutschen Volke eine Chance geben heißt einen Unruheherd aus der Welt schaffen. So würde die Formel für einen realistisch denkenden Staatsmann heißen.
Was von uns aus zu geschehen hat - darüber ist noch zu sprechen.
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Volk im Werden
Überdenken wir aber noch kurz die Lage. Wir hatten gefunden : Deutschland ist am Geist der (Menschen-) Masse zugrundegegangen. Seinem Durchbruch ging eine Funktionsstörung voraus, die mit einer gealterten Kultur zusammen hängt: der Unfähigkeit des deutschen Volkes zur Bildung einer hochwertigen Auslese, einer Elite. Es reichte nur noch zur herrschenden Horde, zu Funktionären des Massengeistes.
Eine erlesene Minorität ist auch heute nicht da. Sie kann sich nur langsam, in Jahrzehnten bilden. Eine neue Elite muß sich jedoch bilden, soll nicht jede Zukunft versperrt sein. Vorläufig aber läßt sich diese Hauptfrage nicht beantworten.
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Der positive Faktor
Als positiven Faktor können wir verrechnen, daß das deutsche Gesammiveau hoch liegt. Trotzdem ist es eine Art Körper ohne Kopf. Ein solcher Volkskörper ist nicht mehr aktionsfähig, in einem Übergangsstadium aber immer noch lebensfähig. Er ist hingelagerte Substanz, ohne Dynamik und von vegetativem Charakter. Aber frei von den Toxinen einer schweren Selbstvergiftung.
Zunächst bleibt vielleicht aus dem Zusammenbruch - dem inneren Zusammenbruch - nichts übrig als ein friedliches Volk von Bauern, Arbeitern und Handwerkern. Ein Volk von Zuschauern am Rande des Welttheaters. Eines Theaters aber, bei dem nur Zuschauer zu sein vielleicht von Vorteil sein könnte ...
Ein Vorteil für die Komponente des deutschen Volkes, die es seit langem vergessen hatte: ein Vorteil für die Dichter, Denker und Philosophen - eine nicht sehr aktive Elite freilich, aber eine Elite auf lange Sicht .....
Und daß das am deutschen Volke - nämlich die geistige, die wahrhaft menschliche Substanz - je untergehen könne: das werden wir nie glauben, niemandem.
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Die Notwendigkeit des Zusammenbruchs
Aber an etwas anderes glauben wir, soviel Bitterkeit es auch enthält: daß der Zusammenbruch nötig war. Wir glauben, nein, wir wissen, daß alte Kulturen sterbende Kulturen sind. Das ist Gesetz in der Geschichte. Einmal versiegen die Quellen, die durch Jahrhunderte geflossen sind.
Das, das mehr und mehr versiegt, ist die biologische Vitalitat des alternden Volkes: Jugend, Spannkraft, innerer Schwung. Täuschen wir uns nicht: die letzte Scheinblüte der „deutschen Sendung" und des deutschen Expansionsdranges waren letzte, verzweifelte Projektionen nach außen von einem Etwas her, das innen verdorrt war.
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Der Zwang zur Auslese
Es mußte ein neues Volk entstehen: bescheidener in seinen (Menschen-) Massen, anspruchsvoller in der Wahl seiner Auslese. Es mußte zu einer wahren Elite gezwungen werden.
Es weiß jetzt: von dorther kam der Verfall, dort setzte er ein, die Frucht war faul geworden. Verdorren oder neue Blüte ansetzen - darum geht es jetzt.
Das deutsche Volk mußte erst die stärkste und zwingendste Idee haben, die ein Volk überhaupt weitertragen kann: es mußte gezwungen werden, ganz von vorn anzufangen oder endgültig zugrunde zu gehen.
Das allein war der geschichtliche - nein, der biologische Sinn eines Ablaufes, der in seiner erdbebenhaften Gewalt über Erdteile hinzog - ein großer Tod um einer großen Geburt willen, aber einer Geburt, die mehr als eine deutsche Angelegenheit war: die Geburt des Weltbürgers.
Und wie alternde Völker sterben - dieses Beispiel galt für alle.
Alle Symptome weisen darauf hin, daß das imperialistische, das künstliche Deutschland in sich unmöglich und ein endgültig gescheitertes Experiment ist. Umgekehrt spricht alles dafür, daß ein locker gefügtes, föderalistisches Deutschland eine Welt im kleinen sein wird. Erst dann werden sich wahrscheinlich die vielfältigen Begabungen und Eigenarten der deutschen Stämme voll entwickeln, - Kräfte, die dem imperialistischen Deutschland zum Opfer fielen um einer künstlichen politischen Ideologie willen.
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DER NEUE MENSCH
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Not zwingt zum Wesentlichen.
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Klüger durch Erfahrung
So tief tragisch das deutsche Schicksal ist - wir haben eines nicht zu vergessen: wir tragen nur ein Stück Menschheitsschicksal. Die Erde ist ringsum wund. An alle, keineswegs nur an uns, tritt jetzt die Frage heran: wer an diesem Schicksal zu wachsen vermag.
Es soll sich entscheiden, wem daraus nicht - oder nicht nur - erweiterte Grenzen, neue Wirtschaftsräume, politischer Machtgewinn zuwachsen, sondern menschliche Werte - sofern er darauf überhaupt Gewicht legt.
Unter menschlichen Werten wollen wir nicht einmal hohe ethische oder kulturelle Ideale verstehen, sondern ganz schlicht die Summe der persönlichen Freiheit und des Glücks, die dem Einzelnen erreichbar ist.
Denn "der" Staat ist der beste und menschenwürdigste, der nicht die ehrenvollsten und ehrgeizigsten Ziele auf Kosten seiner Bürger hat, sondern der, der ihnen die größtmögliche Summe von Wohlergehen und Freiheit verbürgt.
Gerade uns tauchen da Zweifel auf, ob sowohl ein Großbankier wie auch ein Kellerbewohner in einem reinen Machtstaat diese größtmögliche Summe von Glück für den Einzelnen verkörpern.
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Andere wünschenswerte Grundlagen
Es hat sogar den Anschein, als seien wir mit diesem Zweifel anderen Völkern etwas voraus. Wir haben sehr bittere Erfahrungen mit machtpolitischen Einrichtungen und ihren Konsequenzen für den Einzelnen gemacht. Wir können uns denken, daß das Leben eines Volkes, um menschenwürdig zu sein, sich auch noch auf ganz anderen Grundlagen aufbauen läßt.
Zum Beispiel mit etwas weniger Ehrgeiz und dafür bedeutend weniger gefährdet. Vielleicht sieht gerade deshalb unsre Zukunft schon bedeutend weniger trüb aus, vor allem dank der Summe von guten, wertvollen und schöpferischen Eigenschaften unseres Volkes.
Im übrigen aber sind wir in gewisser Hinsicht jetzt das erfahrenste Volk der Erde:
Wir haben es erlebt und erlitten, wie dieses Volk auf allen Gebieten des Lebens in die platteste Veräußerlichung und Verflachung hinein getrieben wurde, wie es zu einem riesenhaften Organismus aus Machtwahn und Großmannssucht aufgetrieben wurde, innen hohl, nach außen ein Koloß, ein „mächtiges" Volk, ein Herrenvolk.
Und was war das Ergebnis für jeden Einzelnen?
In demselben Maße, in dem die Aufblähung wuchs,
schwand die Freiheit der Persönlichkeit dahin, gingen
die einfachsten menschlichen Grundrechte verloren und
alles, das das Leben lebenswert machte.
Der letzte Rest von persönlicher Freiheit, der Freiheit des Denkens, der Freiheit der Entschlüsse über das eigene Schicksal wurde dem Moloch geopfert, der die eigenen Kinder fraß.
Wir wissen jetzt also ganz besonders gut, was eine Volksgemeinschaft aus Leibeigenen ist. Wir wissen, was Macht, was Kraftentfaltung nach außen für den Einzelnen bedeutet. Und wir dürften jetzt ein Vorurteil dagegen haben .....
Noch eine andere Überlegung drängt sich auf:
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Das Prinzip des größten Aufwandes
Das Einzelwesen ist nur Partikel eines Ganzen, der Nation, des Volkes. Aber Ziel aller Anstrengung des Ganzen ist doch zuletzt immer nur die Daseinsform, das Lebensniveau des Einzelnen. Ist das klar, so gibt es zwei Lösungen:
Soll für jeden Einzelnen ein Niveau von gewisser Höhe erreicht werden, so ist das westeuropäische Verfahren, um es an einem Bilde klarzumachen, etwa Folgendes:
Tausende strömen vor einem Gipfel von zehnfacher Niveauhöhe zusammen, legen Seilbahnen hinauf und tragen den Felsen in jahrelanger Arbeit ab, bis er das gewünschte Niveau für die Gesamtanlage erreicht hat. Das ist als Gemeinschaftsleistung bewundernswert und zugleich eine Demonstration a) der Höhe des Könnens, b) der kollektiven Kraftentfaltung.
Es ginge natürlich aber auch so, daß jeder zuhaus bleibt und sich auf dem nächsten zehn Meter hohen Hügel anbaut.
Das bedeutet: über das Ganze unseres industrialisierten Lebensstiles gesehen leben wir nach dem Prinzip des größten Aufwandes, der turbulentesten Aktivität, energetisch nach dem Prinzip des kräftefressenden Umweges.
Wir sind nicht aktiv, um zu leben, sondern wir leben, um Aktivität zu entfalten, und es hat den Anschein, als wünschte sich der Mensch dieser Zeit vor allem durch übermäßige, atemraubende Geschäftigkeit und durch abenteuerliche Experimente über irgendetwas hinwegzutäuschen und der eigenen inneren Unrast zu entlaufen. Auf diese neurasthenische Komponente, die sehr tiefe Ursachen hat, wird noch zurückzukommen sein.
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Das Prinzip des Minimalanspruchs
Es läßt sich aber trotzdem denken, daß ein Volk, das Dinge erlebt hat wie das unsere und vor allem nach einem Schock von derartiger Härte doch etwas nachdenklich wird, d. h. daß es sich eines Tages ganz schlicht fragt: Wozu im Grunde der Aufwand?
Ein erreichbarer Minimalanspruch muß auf direktem Wege leichter zu verwirklichen sein als ein hypothetischer Maximalanspruch auf weiten Umwegen, samt allen seinen Fährnissen und der Chance des völligen Scheiterns.
Ob ein Volksganzes gegen alle Stachel der inneren Unrast dieser philosophischen Erwägungen fähig ist, bleibt eine Frage für sich. Jedoch diktieren in unserem Falle auch einige äußere Umstände mit, d. h. sie führen praktisch zu diesen Konsequenzen.
Was wir für unseren Teil erfahren haben ist: wie ungeheuer das Risiko der höchsten Kraftentfaltung und der abenteuerlichen Umwege ist und vor allem das der hypothetischen Maximalansprüche.
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Der Lebensstil des Massenhaften
Das aber ist mehr und mehr der Lebensstil des westeuropäischen Menschen geworden, ein Lebensstil, den man etwa mit dem eines Mannes vergleichen kann, der auf der Jagd nach dem Besitz mehr und mehr zum gehetzten Sklaven seiner Idee und seines Besitzes geworden ist, während doch sein bescheidenster Angestellter ein Leben in Frieden, Anstand und Selbstbesinnung führt.
Man sieht auch hier: Masse, Massenhaftigkeit und Maßlosigkeit auf der einen Seite, Gemessenheit und Ausgeglichenheit auf der anderen, der quasi privaten Seite, dort, wo das Einzelschicksal seinen eigenen Gesetzen gehorcht.
Es ist sehr wohl denkbar, daß uns aus diesen Erkenntnissen heraus ein neuer Lebensstil erwächst, der Stil einer Sammlung nach innen anstelle explosiver Kraftentfaltung nach außen, - schon deshalb, weil diese Kraftentfaltung unterbunden ist.
Im ganzen wäre dies eine Haltung, die sagt: mag der riskante Umweg Erfolg haben oder nicht: unter allen Umständen absorbiert er das Leben selbst, d. h. er verbraucht in enormer Weise das Mittel, mit dem der Zweck erreicht werden soll. Der Verschleiß ist unter allen Umständen so groß, daß die gesamte Operation sich selbst aufhebt.
Wenn dieser Standpunkt Resignation ist, so wäre Resignation damit die weiseste und menschenwürdigste Haltung, die überhaupt denkbar ist. Indes sich rings in der Welt abenteuerliche Risiken abspielen, hat dieser Lebensstil den rein praktischen Vorteil der Stetigkeit, die zum Ziele führt, den Vorteil einer Disposition auf lange Sicht.
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Der Lebensstil des Maßes
Ganz allgemein darf man sagen: hat die Zeit erst einmal die schlimmsten Spuren des Krieges eingeebnet, so würde das Dasein in den Völkern der zweiten und der dritten Linie (Generation ??) für den Einzelnen vermutlich lebensvoller, sinnvoller, reicher, freier, kurz: es würde „persönlicher" werden.
Mit der Aussicht auf diesen inneren Gewinn für die Persönlichkeit - ein Gewinn, von dem die vielbeschäftigten Herrenvölker auch von Ferne noch nichts ahnen - fehlt diesem Lebensstil noch nicht einmal das, das jeder Lebensstil braucht: die Lockung irgendeiner Zukunft, irgendeines Zieles, nämlich: hartnäckig dahin zu arbeiten, daß die Freiheit und Freizügigkeit des Individuums in aller Stille und ohne abenteuerliche Massenaktionen gewährleistet ist, - Aktionen, die eben diese Freiheit automatisch aufheben.
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Besonnener durch Not
Wenn klar ist, wo die Werte, um die sich das Leben lohnt, bestimmt nicht sitzen, also nicht an den Stellen, an dnene es um Aufblähung, Mächtentfaltung, Herrenvolk-Gelüste geht, so ist für uns im Grunde genommen alles klar.
Denn dann ist mit Händen zu greifen, wo geradezu eine deutsche Chance sitzt: dort nämlich, wo künftig alle schwächende Aufblähung nach außen wegfällt, wo sich ein Volk auf sich selbst konzentrieren und auf sich selbst besinnen kann, wo es um die Schaffung ganz schlichter menschlicher Werte geht, kurz, wo ein Volk die Möglichkeit hat, seine Persönlichkeit zu entwickeln.
Setzen, wir doch irgendeinen Fall als Beispiel, daß es durchaus ohne Großmannssucht, ohne gefährlichen Ehrgeiz und trotzdem mit sehr viel Haltung und sehr viel Persönlichkeit geht: Schweden, Norwegen, Dänemark, die Schweiz - Völker, mit denen wir nahe verwandt sind, Völker, die die Achtung der ganzen Welt haben und in denen man menschenwürdig lebt, auch ohne jegliche „Sendung". Und ohne Raubgelüste.
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Ehrlichkeit, Anständigkeit, Echtheit und Maß
„Persönlichkeit", „Besinnung" - es gab eine Zeit in Deutschland, die weit zurückliegt und in der ein Dom, ein Bauernhaus, ein Buch, ein Schrank, ein Lied, ja sogar ein Schuh, ein Stuhl, ein Brief ohne jede laute Reklame in der Tat eine Weltanschauung verkörperten, ein selbstverständliches Bekenntnis zu Ehrlichkeit und Anständigkeit, zu Echtheit und Maß, zu Haltung und Persönlichkeit.
Es gab in Deutschland Dinge und Gedanken, die das Leben lebenswert machten, vor langer Zeit. Und sie waren doch nur der äußere Niederschlag einer Gesamthaltung, die noch keine verstiegenen Herrenvolk- Ansprüche und noch keine Mission in der Welt kannte.
Diese Haltung war sogar in aller Stille aristokratisch, patrizisch, im gleichen Maße wie die des Dritten Reiches plebejisch, ja ordinär war.
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Die deutsche Ehre
Auch die deutsche Ehre lag damals auf einer anderen Ebene, sie wurde erst später von weißglühenden Patrioten, von ehrgeizigen Generalen und eifernden Professoren in alleinige Verwaltung genommen und in Kasernen verpflanzt.
Dort ist sie dann zum militärischen Kommando geworden und von dort ist sie uns auch wieder abhanden gekommen und sucht sich nun eine neue Menschheit.
Was alles ist dem deutschen Volke als Ehre und als ehrenwert präsentiert worden, wie ist es um dieser Ehre willen entehrt worden!
Vergottung der Gewalt, Vergottung des Staates, Vergottung der Ehre, - das ist der verzweifelte Geist, der unaufhaltsam dem Abgrund zusteuert, - dorthin, wohin er gehört.
Eine neue Menschheit, - damit haben wir wohl den Kern dessen berührt, das uns heute an diesem tiefsten Punkte unsrer Kurve als Volk einzig und allein weiterhelfen kann. Diese neue Menschheit in Deutschland wird von selbst da sein, sobald die alte als das erkannt wird, was sie war: so oberflächlich, so grob materialistisch und so gedankenlos und von allen guten Geistern verlassen, daß jeder gewöhnliche Straßenredner und jeder ehrgeizige General ihr einreden konnte, worauf sie selbst noch nicht gekommen war: sie sei derart wertvoll, daß sie Ansprüche auf halb, möglichst aber ganz Europa habe.
Der Straßenredner und der General meinten aber durchaus sich.
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Wiedergeburt
Dieser Traum ist ausgeträumt, und er war ja wohl in der Hauptsache die irre Idee von Leuten, die zu Anständigerem nicht taugten als zum Aufwühlen eines friedfertigen Volkes, dazu in einer Zeit, als es diesem Volke bitter schlecht erging.
Das ist vorbei, genau so, wie es mit dem Wirken dieser Unglücklichen vorbei ist. Und da es auf dem Wege über die Ausdehnung und Veräußerlichung erwiesenermaßen nicht geht, so ist der neue, - und das heißt der alte - deutsche Mensch gewissermaßen wieder freigelegt, und wir alle, wir Leute um fünfzig, die wir die deutsche Tragödie in zwei Weltkriegen miterlitten haben, - wir
haben jetzt wieder eine neue, große, eine fast schon aufgegebene Hoffnung.
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Wir wollen sie so fassen:
Unsere neue Hoffnung - Bürger dieser Welt zu sein
Wir fühlen uns in erster Linie als Menschen, als Bürger dieser Welt, wenn auch in die Zufälle eines ganz bestimmten Volkstums hineingeboren, das wir nicht verleugnen. Uns stehen alle nahe, in der ganzen Welt, deren Denken gleichfalls nicht durch Rassenoder andere Vorurteile verzerrt ist. Wir wissen jetzt, was aus einem Volke und mit einem Volke werden kann, das Haß und Mißtrauen vergiftet haben. Deshalb möchten wir lieber unter Menschen leben statt unter Hassern. Wir möchten ihre Sprache wieder verstehen, und wir möchten auch selbst wieder verstanden werden. Dann wäre das Land, dessen Sprache wir sprechen und in das wir hineingeboren sind, wieder eine Heimat.
Doch das ist nicht unsere ganze Hoffnung.
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Der neue deutsche Mensch ???
Ein großer Teil deutscher Kultur und Tradition ist materiell nicht mehr vorhanden. Vielleicht ist das gut. Es war zu sehr Erbe, sein Besitz machte bequem, zufrieden und großsprecherisch.
Aber auch die Dokumente und der Geist des tausendjährigen Reiches, der Geist des Künstlichen, Krampfhaften und Großsprecherischen ist nun wohl versunken, wir sind kuriert von allen Experimenten, die gewaltsam eine Zukunft schaffen wollten für etwas, was schon längst nicht mehr da war: der ehrliche, anständige, nachdenkliche deutsche Mensch, der sich nicht entfernt um Reklame für seine Person und auch nicht für Flugplätze in der Südsee und um Ölquellen im Irak kümmert, weil sich damit geschäftigere Völker befassen sollen, Völker, deren Ehrgeiz und deren Talente auf diesem Gebiete liegen, Herrenvölker vielleicht.
Ein Idyll werden wir trotzdem nicht erleben, denn kein Volk ist heute „aus der Welt".
Dann ist das deutsche Volk frei von allzu bequemer Tradition und frei von billigem Ehrgeiz. Dann muß uns der neue deutsche Mensch kommen, - weniger laut, weniger imposant und weniger unerfreulich für alle Nachbarn und alle draußen in der Welt.
Er wird kommen, weil er jetzt andere, neue Wege gehen muß. Ging es nicht mit der Ausdehnung und Veräußerlichung, so bleibt nur das andere: Konzentration, Verinnerlichung. Und damit ist der neue Sinn gegeben, die Konsequenz aus einem so beispiellosen Zusammenbruch:
So wertvoll zu sein wie möglich und andere Völker in Frieden zu lassen. Dann kann keine Politik, auch keine Gewaltpolitik ein Volk zerstören, das etwas ist und etwas kann.
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Sinn und Zweck des Mannes (Hitler) ?
Ohne den Sinn einer inneren Wiedergeburt wäre die furchtbare Katastrophe, die über Deutschland hereingebrochen ist, nichts als eine Schlächterei gewesen, kurz vor dem Untergang aller menschlichen Vernunft.
Dann war das der Sinn und Zweck des Mannes, der Deutschland einem tausendjährigen Pieiche entgegenführen wollte, des Heilands, der es erlösen wollte, des Heilands mit der Hundepeitsche.
Was ist Macht ?
Was ist denn Macht? Das Stärkste in der Welt sind niefit die größeren Industrien, die größeren Luftflotten, die größeren Wirtschaftsräume und die geräuschvolleren Parlamente - das Mächtigste in der Welt ist der Gedanke.
Die Tat kann nur glänzen, der Gedanke leuchtet, er vermag Jahrtausende zu erleuchten und seine Gewalt ist zuletzt immer die größere. Und nur der Gedanke ist es, der so oft mit den Wunden versöhnt, die die Tat schlägt.
Es gibt einen Gedanken für Deutschland.
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NIMM KRAFT AUS DEINER SCHWÄCHE
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Irrtümer, die tödlich waren
Es ist nicht nur billige Spruchweisheit und schöne Phrase, mit der praktisch nichts zu beginnen ist,- es ist ein sehr realistisches energetisches Rechenexempel. Wir sind schwach, sehr schwach, weil wir die Besiegten sind und weil wir von langer Krankheit geschwächt sind.
Aber wir sind ja letzten Endes nur um die Kräfte geschwächt, die uns früher abgezapft wurden, für „Einmaliges", „Gewaltiges", „Gigantisches". Es liegt auch alles Schreckliche nicht mehr auf uns, was uns körperlich, geistig und seelisch zermürbt hat.
Alles das war vergeudete Kraft. Trotzdem ist es richtig, daß keine Reserven und keine Möglichkeiten vorhanden sind, die im alten Sinne verwendet werden könnten. Also muß das Vorhandene in einem neuen Sinne, in einer neuen Richtung angesetzt werden.
Wer aus Leichtfertigkeit oder aus Fügung heraus das Unglück hatte, zum Krüppel zu werden, kann sich nach der Heilung vielleicht „umschulen"?
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Der Mensch - lügen und sich selbst belügen
Wäre das deutsche Volk an dieser letzten und furchtbarsten Prüfung noch nicht gereift, so wäre es reif, endgültig zu verschwinden. Niemand wird es hindern.
Freilich, der Mensch ist nicht nur das einzige Wesen auf der Welt, das den göttlichen Funken in sich spürt, sondern auch das einzige Wesen, das lügt und das die Neigung hat, sich selbst zu belügen.
Vielleicht entstammt beides demselben Drang, aber solange sich die Ansichten über das, was von Gott und was von Satan ist, nie ganz decken, ist es doch wohl besser, heiligen Räuschen künftig ganz aus dem Wege zu gehen, bei den Tatsachen zu bleiben und sich weder aus der Vergangenheit heraus - noch in die Zukunft hineinzulügen. Denn wir haben keine Vergangenheit mehr, kaum eine Gegenwart, und können alles nur auf die Zukunft setzen.
Wollen wir Kraft aus unsrer Schwäche ziehen, so muß jedem einzelnen unter uns für alle Zeiten klar sein, woher die Schwäche kam. Daß der Mensch sich irrt und daß sich Völker irren, ist schließlich keine Seltenheit. In unserem Falle aber geht es jetzt um alles.
Deshalb:
- Ein Experiment, das zweimal zu den gleichen furchtbaren Katastrophen geführt hat - dieses Experiment ist demnach untauglich, ganz gleich wie man über nationale Ehre oder Freiheit oder Lebensraum oder über irgendwelche Sendung denkt und was alles man für unrecht oder untragbar hält.
- Von einem ähnlichen Experiment jemals wieder etwas zu erwarten oder auch nur dem Geiste nachzuhängen, der dazu geführt hat, wäre Selbstmord.
Sich über diesen Punkt jemals Täuschungen hinzugeben, würde an Schwachsinn grenzen. Aus einer Täuschung dieser Art aber stammt die Schwäche, aus der wir nun Kraft ziehen sollen. Oder praktisch gesprochen: einem Volke, das diese Erfahrungen hinter sich hat, bleibt somit nichts übrig als das Steuer herumzureißen und sich eine möglichst wertvolle, möglichst würdige und gewissermaßen private Aufgabe in der Welt zu suchen.
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Einsicht und Aussicht
Der Lebenswille eines Volkes kann sich so oder auch so betätigen, und sogar ein großes Volk ist noch lange nicht versklavt, wenn es nicht in die vorderste Weltpolitik gehört. Auch einem großen Volke kann bei weitem das Talent und der sichere Instinkt der politisch begabten und geographisch begünstigten Völker fehlen.
Die Begabungen, die Anlagen der Völker sind verschieden und von allen Begabungen ist die politische noch nicht die höchste, ja sie ist ein sehr beunruhigendes Geschenk, und es kann uns vielleicht trösten, daß uns eines künftig erspart bleibt: die ganz besonderen Sorgen der Herrenvölker, über unseren internen, privaten Sorgen, die schwer genug sind, werden wir vielleicht etwas gänzlich Neues entdecken: uns selbst.
Man hatte uns dazu stets sehr wenig Zeit gelassen. Seit rund zweihundert Jahren.
Eine Kultur aufbauen, in Anstand leben und ein zwar armer aber guter Nachbar sein - das ist schon eine sehr schöne Aufgabe, ja geradezu ein Lebensinhalt.
Über alles andere bestimmen wir nicht, - eine Tatsache, die so sicher ist wie die, daß ein Halbtoter höchstens wieder gesund werden, aber kaum noch die Laufbahn eines Athleten einschlagen kann.
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Der Krankheitsherd Europas
Umgekehrt: die Paria-Rolle Deutschlands ist praktisch auf die Dauer nicht durchzuhalten. Die Welt ist heute ein Organismus und ein Fremdkörper in diesem Organismus ist in sich unmöglich. Er wäre wieder ein Krankheitsherd.
Warten wir ab. Die Völker Europas, nein die Völker der ganzen Erde sind mitten in einem Umschmelzungsprozeß begriffen, allein dank des Zwanges, der von der Auswirkung der Atomenergie und der Atombombe ausgeht, und es muß sich früher oder später zeigen, welche Rolle Deutschland innerhalb einer Umbildung zufällt, die Europa heißen wird.
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Die Antwort = „Europa"
Prophezeien ist undankbar. Die Antwort „Europa" ist aber die einzige einigermaßen sichere, die man allen den schwer Beleidigten geben kann, die fragen: „Ihr wußtet doch immer so genau, wie es kommen würde, - wie geht es also jetzt weiter ?"
Wir müssen ihnen diese Frage übrigens zurückgeben, nämlich unserseits fragen: „Somit habt ihr euch also nie überlegt, was ihr möglicherweise anrichten könntet und wißt nun nicht weiter ?"
Wie es auch weitergeht, - es wird dann besser eine „neue Ordnung" ohne euch. Das Schiff liegt besser, wenn der Ballast nach unten gebracht wird".
Was aber, wenn in der Tat die Absicht bestehen sollte, Deutschland systematisch verelenden zu lassen, es zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Niemandsland und die Deutschen zum europäischen Lumpenproletariat werden zu lassen, etwa weil man zum mindesten die lebende Generation für einen hoffnungslosen Fall hält?
Was dann? Genau das fragen wir diejenigen, die Deutschland nach besten Kräften zugrunde richten halfen. Als Antwort haben wir höchstens: ein Krankheitsherd in Mitteleuropa hat schon einmal den ganzen Erdteil in das Chaos gestürzt. Das dürfte denen bekannt sein, die hier zu entscheiden haben. Einige Befürchtungen könnte man nur mit Bezug auf die heute lebende Generation haben und dann ganz besonders für diejenigen, die den Mut haben, uns zu fragen: „Was nun?"
Auf deutsch: Helft euch selbst weiter und damit möglichst auch uns, denn wir waren es ja, die euch für ein tausendjähriges Reich vorgemerkt hatten.
Die verhinderten Herren Europas benötigen wir weniger.
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Reinigung
Wir alle sind ausgezehrt und ausgehöhlt in den schrecklichen 12 Jahren. Müdigkeit, Skepsis und Bitterkeit sitzt tief in uns, denn wir kennen ihn jetzt: den Menschen. Aber das Leben geht weiter, kalt, unbeteiligt, souverän. Mit uns?
Wir leben noch, irgendwie zufällig leben wir noch, vergessen aus einem Totentanz. Das Ganze aber steht jetzt erst vor der Existenzfrage: ob es sich fängt, ob es weiterlebt oder in Lethargie langsam dahinstirbt, in Lösung aufgeht, assimiliert wird und verschwindet. Das ist die einzige, die letzte und die größte Gefahr und sie geht jeden Einzelnen an.
Soll das Leben mit uns weitergehen, so werden wir es sehr methodisch anlegen müssen. Damit das geringe Maß an Kraft, das wir aus unserer Schwäche noch ziehen können, auch nicht im mindesten vergeudet werden kann, wollen wir uns völlig klar sein, auf welche Weise wir bestimmt nicht weiterkommen:
Weder mit Zerknirschtheit, noch mit der Faust in der Tasche. Weder mit der Märtyrermiene, noch mit Flüchen über das Vergangene.
Auch nicht damit, daß man der Vergangenheit nachhängt. Sie ist keine Träne wert, die Geschichte hat sie auf den Schutthaufen geworfen.
Und vor allem werden wir nie weiterkommen mit dem gefährlichen Wahn von irgendwelcher deutschen Sendung. Und schließlich auch nicht mit politischen Utopien, Spekulationen ins Blaue.
Aus Gründen der Vernunft und aus Gründen des Anstandes vor uns selbst besteht die einzige Möglichkeit für uns in einer großen Räumungsarbeit, der Reinigung von der Vergangenheit. Bei uns, vor allem aber bei der deutschen Jugend, bei allen jungen Menschen, die unsrer heute mehr bedürfen als je.
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Nicht Expansion - eher Konzentration
Was aber könnte „Kraft" sein? Eine Kraft, um die es sich lohnt, eine Kraft auf lange Sicht?
Lohnt sich beispielsweise der Ehrgeiz, zu denen zu gehören, die ohne weiteres in der Lage sind, aus heiterem Himmel Faustschläge auszuteilen? Oder gibt es nicht noch ganz andere lebensfähige Daseinsformen?
Dann zeigt die Erfahrung erstens, daß allzu schnell und durch bare Gewalt ins Riesenhafte gewachsene Staatensysteme ebenso schnell wieder in sich zusammengesackt sind, so schnell, als wären sie nie gewesen.
Und es zeigt sich ferner, daß der Weg der Menschheit einzig durch die Etappen bestimmt wird, deren lebendige Substanz in Kultur und Gesittung bestand, in Wissen und Können, in geistigen Werten also, bleibenden Werten, - somit also dem genauen Gegenteil von politischer Machtentfaltung.
Nicht staatliche Riesensysteme haben alle Zeiten überdauert, sondern merkwürdigerweise die Kulturen, die unter politischem und wirtschaftlichem Druck entstanden: im klassischen Athen, im Italien der Renaissance, im humanistischen Mittelalter, in dem winzigen Weimar.
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Die wahren, die menschenwürdigen Werte
Durchweg entstanden diese Hochkulturen in politisch verworrenen, kriegerischen Zeiten. Und in allen diesen Fällen nahm man Kraft aus seiner Schwäche: man erkannte, wo die wahren, die menschenwürdigen Werte liegen.
Und das ist unser Fall. Ja, wir können sogar erwarten, daß der Verlust nach außen einen Gewinn nach innen bedeutet. Es wird nichts Gewaltiges und nichts Gigantisches entstehen, dafür aber wird ein Dach über unserem Kopf sein und das Leben wird es wieder wert sein, gelebt zu werden.
Wenn jemals - jetzt hat das „Deutschland erwache" einen Sinn:
- Das deutsche Volk ist in die entscheidendste und zukunftsreichste Phase seiner Geschichte eingetreten.
Die zukunftsreichste um der wertvollen Anlagen willen, die von jeher in ihm stecken und die jetzt frei geworden sind. Es wird die produktivste Phase sein, erklärlich daraus, daß sie nicht mehr Expansion, sondern Konzentration bedeuten wird.
Denn auf dem Gebiete der nationalen Ehre und der Expansion haben wir schmerzliche Erfahrungen gemacht, und von jetzt ab dürfen wir Experimente dieser Art gern anderen überlassen.
Ob es jemals wieder ein politisch unzerstückeltes Deutschland geben wird, wissen wir nicht, sicher ist aber, daß ein ideell, ein geistig neugeborenes Deutschland weit stärker in der Welt vorhanden sein wird als eine Nation, die es nicht abwarten kann, daß das nächste Unglück über sie hereinbricht.
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Mission nach innen
Gewiß, wir werden weit ärmer sein als je, wir werden auch auf lange Zeit nicht mehr mitreden können in der Welt, - aber wer nicht mitreden kann, kommt auch nicht in die Versuchung, Torheiten zu reden, und mitarbeiten ist besser als mitreden.
Aber vielleicht werden wir bei alledem glücklicher sein? Denn ob die größte Summe von Glück für den Einzelnen mit der Verstädterung, mit riesigen Industrien, mit Volksautos, Kühlschränken, Schnellbahnen und innerer Leere und Unrast zusammenhängt, ist doch wohl sehr fraglich.
Bisher war noch immer das Maß der Industrialisierung auch das Maß für die Proletarisierung eines Volkes. Denn unter noch so günstigen äußeren Umstanden - eines schluckt die Maschine immer: die Persönlichkeil.
Nur reiche Völker können sich dann ein ausgleichendes Gegengewicht leisten. Und auch das kann uns Trost sein: wir werden nicht mehr für die Zerstörung arbeiten. Nicht einmal die Sorgen, Probleme und Konflikte der Machtstaaten werden auf uns liegen, (Anmerkung : Das hat sich in 2024 gerade mal in Wunschdenken aufgelöst) geschweige denn jener Moloch, der den Geist tötete, die Seelen aushöhlte und dem alles Glück und alle Freiheit der Persönlichkeit geopfert werden mußte, der „Volksgemeinschaft" sagte und die Gemeinschaft seiner Opfer meinte, der „Ehre" schnarrte und „Gerechtigkeit" deklamierte und dessen Aushängeschild die gottgewollte deutsche Mission war.
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Missionieren wir bei uns im Lande!
Es ist bitter nötig. Missionieren wir für eine wirkliche Volksgemeinschaft. Nicht wie bisher für eine Gemeinschaft aller Entrechteten, sondern für die innere Gemeinschaft eines ganz bestimmten Menschenschlages: fleißig, zuverlässig, sauber im Denken. Und gute Nachbarn.
Ist das Resignation? Möchten alle Völker der Erde zu allen Zeiten so resigniert gehandelt haben. Möchten sie es wenigstens in der Zukunft tun.
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