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Ein Kameramann schreibt über seinen Berufs-Traum

Juni 2026 - Am Ende ist es ein 550 Seiten Galopp durch die Weltgeschichte - vom Ende des Nationalsozialismus über die Ostzone Deutschlans, den Sprung in den Westen Deutschlans und ein tiefer Einblick in das Russland der Perestroika der 1980er Jahre.

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1989 - Rückkehr in den Kölner WDR

Ab Beginn des Jahres 1989 arbeitete ich wieder im „Mutterhaus", also für den WDR in Köln. Während meiner Abwesenheit von immerhin fünf Jahren hatte sich viel verändert. Für mich war eine neue Platzierung angesagt, am besten durch die dominierende Zugehörigkeit zu einer Redaktionsgruppe.

Eine Rückkehr zur Tagesschau-Redaktion, für die ich zwanzig Jahre lang gearbeitet hatte, war wenig attraktiv. Aufgrund organisatorischer und technischer Entwicklungen war sie für mich zu provinziell geworden. Durch die Gründung vieler neuer Auslandsstudios, die direkt nach Hamburg lieferten, war an Blitzreisen zu Auslandsbrennpunkten nicht mehr zu denken. Selbst innerhalb unseres Sendegebietes war Tagesschau Köln nicht immer gefragt.

Berichte aus NRW konnten auch die neuen Landesstudios in Bielefeld, Siegen, Wuppertal und Dortmund liefern. Meine alten Tagesschau-Kollegen erklärten ironisch, alles rund um den Kölner Dom gehört jetzt konkurrenzlos der Tagesschau Köln.

Es hatte sich in den 5 Jahren viel verändert.

Längere Filmproduktionen, gar im Ausland, vergab der WDR zunehmend an private Firmen, die ohne gefühlte Bindung an Arbeitszeitordnungen oder Tarife billiger produzieren konnten. Um die wenigen noch vom WDR produzierten Features balgte sich ein Dutzend qualifizierter Kameraleute.

Aufträge für Tagesreportagen oder Magazine wie Monitor, Markt, Ratgeber Recht oder Wissenschaft wurden von einer Zentraldisposition, einer Art Pool für Kamerateams, vergeben.

Diese Zentraldisposition versuchte mir beizubringen, dass ich für anspruchsvolle Produktionen schwer zu vermitteln sei: „Sorry, Herr Romboy, Sie kennt hier keiner mehr." In der Tat, viele meiner Weggefährten aus Redaktion oder Regie waren zwischenzeitlich avanciert oder gar pensioniert worden.

Kein Wunder, ich selbst war ein Mann, der auf die Mitte Fünfzig zuging. Die nachwachsende Generation von Redakteuren, Autoren, Reportern und Regisseuren arbeitete erfolgreich mit jungen Kameramännern, die in den letzten Jahrzehnten bei uns, den Älteren, als langjährige Assistenten tätig waren und auf durch Pensionierung oder Ausscheiden freiwerdende Planstellen gewartet hatten.
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Eine Zusatzbeleuchtung wurde fast nicht mehr gebraucht

Auch im Bereich der Aufnahmetechnik hatte sich eine wesentliche Veränderung vollzogen. Bis 1980 wurde, von großen Live-Übertragungen abgesehen, alles, was außerhalb der Fernsehstudios stattfand, mit Filmkameras aufgenommen. Für diese separate Aufzeichnung von Bild und Ton war ein Drei-Mann-Team - Kameramann, Kameraassistent und Tontechniker - notwendig.

Wegen der niedrigen Lichtempfindlichkeiten der Filmmaterialien mussten Innenräume fast immer zusätzlich beleuchtet werden. Für Bilder aus großen Sälen bei Parteitagen, Gewerkschaftskundgebungen oder ähnliche Tagungen waren die Filmkameraleute auch für die Platzierung der zahlreichen notwendigen Scheinwerfer zuständig.

Als Beispiel: Für die Messehalle in Köln waren minimal vier Scheinwerfer a 5.000 Watt und fünf a 2.000 Watt notwendig. Dafür waren ein LKW und mindestens vier Beleuchter nötig. Der Einsatz einer neuen Generation von elektronischen Kameras mit tragbaren Aufnahmegeräten verminderte diesen Aufwand Jahr für Jahr. Zusatzlicht wurde zunehmend überflüssig und das Kamerateam bestand nur noch aus zwei Mann. Tontechniker waren in Personalunion auch Kameraassistenten.

Für uns, die erfahrenen Filmkameramänner, ein schmerzlicher Vorgang. Ein großer Teil unserer Qualifikation - richtiges Belichten, richtiges Farbfiltern und die Herrschaft über Scheinwerfer - entfiel. Unsere Arbeitsergebnisse waren über einen Kontrollmonitor sofort und überall sichtbar. Damit entfiel auch die alleinige Verantwortung für die Bilder.
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Die elektronischen Kameras mit ihren Automatiken

Bei der Verwendung einer Filmkamera, z. B. bei Auslandsreisen, waren unsere Arbeitsergebnisse mitunter erst nach Wochen und der Bearbeitung durch das Kopierwerk sichtbar. Für solche Projekte überlegten Auftraggeber lange, welchem Kameramann sie bedenkenlos ihren Film anvertrauen konnten.

Durch die elektronische Kamera wurde das beliebiger. Ergebnisse jeden Drehtags konnten abends im Hotel besichtigt werden. Natürlich beherrschte ich die elektronischen Kameras, mussteja bisweilen mit ihnen arbeiten. Doch ich liebte sie nicht und fühlte mich weiter als Filmkameramann.
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Ausflug in die Medizin-Welt

Bei einem der immer seltener werdenden Filmdrehs lernte ich den verantwortlichen Redakteur Karl Franken des einmal im Monat ausgestrahlten Medizin-Magazins kennen. Wir konnten miteinander und lernten, uns zu schätzen.

So wurde ich ständiger und einziger Kameramann dieser Magazin-Beiträge und übernahm in seiner häufigen Abwesenheit auch die Regie. Für mich das Wichtigste: Ich durfte weiter mit Film arbeiten. Elektronische Aufnahmegeräte waren sündhaft teuer und der WDR unterhielt weiterhin ein immer überflüssiger werdendes Filmkopierwerk.
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Hier wurde noch auf Film aufgenommen

Kurz und gut: Einigen wenigen Produktionen, so auch dem Medizin-Magazin, wurde gestattet, bis auf weiteres mit Film zu arbeiten. Für mich bedeutete das: die nächsten fünf Jahre. Mit ins „Medizinboot" holte ich mir als Kameraassistenten Hans-Peter Wietbrock, einen tüchtigen jungen Mann, den ich seinerzeit als Kamera-Praktikanten ausgebildet und sein Verbleiben im WDR veranlasst hatte.

Vorwiegend arbeitete er bei mir als Co-Kameramann, bei den vielen Aufnahmen in Operationssälen. Mein fester Tontechniker wurde Wolfgang Jansen, der später, als die Film-Zeit zu Ende ging, auch mein letzter Assistent im WDR wurde.

Die nächsten Jahre innerhalb des WDR

Mit dem Medizin-Magazin hatte ich für die nächsten Jahre innerhalb des WDR wieder einen ständigen Auftraggeber. Langfristig vorausplanend produzierten wir in Blöcken von einer bis sechs Wochen über das Kalenderjahr. Die gesamte Palette der Medizin war unser Thema, vom Schwangeren-Schwimmen über neue Diagnoseformen und Therapien bis zu Demenz und dem Lebensende auf Palliativ-Stationen. Unzählige Stunden und Tage standen wir Seite an Seite mit den Chirurgen in den Operationssälen. Neben den Krankenhäusern und Reha-Kliniken in den Metropolen der Bundesrepublik filmten wir auch in der DDR, der Schweiz, Österreich, Spanien und Russland.

Fahrt in eine neue DDR

Eines der größten Erlebnisse meines Lebens war das alle überraschende Ende der DDR. Jede Nachricht, jeden Fernsehbeitrag habe ich mit heißem Herzen verfolgt, von Anfang an von einer kurzfristigen Wiedervereinigung überzeugt. Noch wenige Monate vor dem Mauerfall im November 1989 hattte ich mir nicht vorstellen können, dass das Ende der deutschen Teilung in meine Lebenszeit fallen würde.

Zu Beginn des Jahres 1990 erhielt der CDU-Politiker Kurt Biedenkopf das Angebot, eine Professur im Bereich Wirtschaftswissenschaften an der Leipziger Karl-Marx-Universität zu übernehmen. Seine Amtseinführung sollte ich filmisch begleiten. Mit meinem Team, alles geborene und gestandene Westdeutsche ohne jedwede Beziehung zu Mittel- und Ostdeutschland, startete ich am 1. April in Richtung der „Hoch"-DDR.

Im Gegensatz zu meinen jüngeren Kollegen verfolgte ich freudig erregt die Nachrichten im Autoradio, die immer mehr ein Ende der DDR ankündigten. In meine Agitation für ein Gesamtdeutschland hinein sagte mein damals etwa 30 Jahre alter Mitarbeiter Hans-Peter Wietbrock: „Alles schön und gut, auch ich gönne den DDR-Leuten, dass sie ab jetzt ein freieres Leben führen und in die Welt reisen dürfen. Aber ich verstehe nicht, warum Helmut Kohl diese DDR-Leute Deutschland anschließen will."

Beifall von Seiten der anderen Kollegen in meinem Wagen. Ich war nahezu sprachlos.
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Grenzübertritt in einer neuartigen Form

Freundliche Grenzerund Zöllner, die auch mal lachten und nach „woher" und „wohin" fragten. Als erstes passierten wir Eisenach mit seiner Wartburg. Ich fing an zu dozieren: „Hier hat Luther 1520 die bis dahin lateinische Bibel in ein lebendiges Deutsch übersetzt und die Grundlage für eine deutsche Schriftsprache gelegt."

Bei der Weiterfahrt, vorbei an Jena, musste ich erwähnen, dass Friedrich Schiller in dieser Stadt als Professor für Geschichte lehrte und das nahe Weimar aus gutem Grund Goethe-Stadt genannt wird.

Nach dem ersten Abendessen in Leipzigs „Auerbachs Keller", der war dem westdeutschen Redakteur bestens bekannt, denn Goethes „Faust" war Pflichtstoff in den Abiturklassen, wurde ich für meine Kollegen zum Stadtführer.

In der nahen Thomaskirche besuchten wir das Grab Johann Sebastian Bachs und später den um 1900 errichteten Prachtbau des Reichsgerichtes. Tage später, nach Besuch des Völkerschlachtdenkmals, der Deutschen Bibliothek, der Nikolaikirche und des größten Kopfbahnhofs der Welt, des Leipziger Hauptbahnhofs, hatte ich meinen „Westdeutschen" beigebracht, dass Mitteldeutschland kein Ausläufer Sowjetrusslands ist, sondern wichtiger Bestandteil Deutschlands.
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Absolute Mehrheit der CDU in Sachsen Dank Biedenkopf

In der Leipziger Universität begrüßte mich Kurt Biedenkopf als Moskauer Bekannten. Dass Professor Biedenkopf die Universitätsräume des frisch hinausgeworfenen SED-Pateisekretärs bezog, war von tiefer symbolischer Bedeutung.

Außer zu seiner Antrittsvorlesung begleiteten wir Biedenkopf auch zu seinem ehemaligen Elternhaus in Zschkopau bei Merseburg. Von 1939 bis 1945 besuchte er dort das städtische Gymnasium. Biedenkopfs Vater war technischer Direktor der dortigen Buna-Werke, die ohne Verwendung von Naturkautschuk Reifen produzierten.

Vor der Übergabe der mitteldeutschen Gebiete an die zukünftige russische Besatzungsmacht im Juli 1945 hatten die Amerikaner alle Spezialisten dieser Werke, darunter auch Biedenkopfs Vater nebst Familie, in die amerikanische Zone transportiert.

Um bei den Landtagswahlen im Oktober90 kandidieren zu können, wurde Biedenkopf in seiner Leipziger Zeit Staatsbürger der DDR. Unter seiner Führung erreichte die CDU in Sachsen die absolute Mehrheit. Kurt Biedenkopf wurde im wiedervereinigten Deutschland Ministerpräsident des Freistaates Sachsen. Dieses Amt übte er erfolgreich bis ins Jahr 2002 aus.
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März 2000 - Noch mal Moskau

Neben meinen Tagesaufgaben in Köln war ich in den folgenden zehn Jahren noch mehrmals in Moskau, zum Beispiel 1993 für einen Film zum 50. Jahrestag der Tragödie Stalingrad. Bei meinen auch privaten Russland-Besuchen konnte ich die schwierigen, teilweise anarchischen Geburtswehen sehen, die dieses Land auf dem steinigen Weg von der kommunistischen Diktatur zu einem jetzt freien demokratischen Land erleben musste.

Als ARD-Kameramann weilte ich das letzte Mal im März 2000 in meinem geliebten Moskau. Anlass war die Wahl Wladimir Putins zum Staatspräsidenten. Nach seiner Wahl interviewte die ARD den neuen russischen Präsidenten in einer Live-Obertragung aus dem malerisch am Moskwa-Ufer gelegenen Baltschug-Kempinski-Hotel.

Es war meine erste und letzte persönliche Begegnung mit Putin. Unsere kurzen Wortwechsel, es ging dabei um Sitzpositionen und Ansteckmikrofone, führten wir auf Deutsch, weil ich von ihm wusste, dass er besser Deutsch als ich Russisch sprach.

Ansonsten waren meine Sprachkenntnisse gefragt. Die Technik dieser Live-Übertragung lag in den Händen des russischen Staatsfernsehens. Als Ko-Kameramann hatte ich auf Hans-Peter Wietbrock bestanden, dem ich in unseren Frei-Zeiten mein persönliches Moskau zeigen konnte, als vergnüglichen Abschluss meiner Tätigkeiten in Russland.

Nochmal zurück in den Juni 1999

Mein Abschied vom internationalen Bildjournalismus fand kurioserweise in Köln statt. Vom 18. bis 20. Juni 1999 trafen sich die Vertreter der acht wichtigsten Länder in der Domstadt. Von Bill Clinton über Tony Blair und Jacques Chirac bis zu Boris Jelzin waren alle Staatschefs vertreten.

Gastgeber war Bundeskanzler Gerhard Schröder. Vorrangige Konferenzthemen waren die Friedenserhaltung, eine weitere Demokratisierung der Welt, die Terrorismusbekämpfung und das wirtschaftliche Wachstum.

Es war für mich auch ein Wiedersehen mit internationalen Kollegen, denen ich das erste Mal im Pariser Elysee-Palast zu Zeiten von Präsident de Gaulle und Bundeskanzler Adenauer begegnet war und die ich auch bei Staatsbesuchen in Moskau wiederholt getroffen hatte.

Es war mir immer eine ungetrübte Lust gewesen, mit ihnen in den entscheidenden Momenten um die besten Positionen für beste Bilder zu kämpfen. Meine Schauplätze in Köln waren der Gürzenich, das Römisch- Germanische Museum und für das große Gruppenbild die Podeste am Kölner Gürzenich. Die besten Aufnahmen gelangen mir vor dem Hauptportal des Kölner Doms von der dort versammelten Clinton-Familie.
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Abschieds-Drehs für den WDR

Meine offizielle Pensionierung nach fast neununddreißig interessanten und mitunter aufregenden Dienstjahren erfolgte am 30. September 1999. Darüber hinaus habe ich sporadisch weiterhin für den WDR gearbeitet.

Für den Weltspiegel flog ich vom 17. - 20. Dezember 99 nach Moskau und, wie schon beschrieben, im März 2000 zu den russischen Präsidentschaftswahlen. Hin und wieder holte mich danach für Kurzreportagen die Redaktion „Zeit für Tiere" hinter die WDR-Kamera.

Für diese unspektakuläre Sendereihe erfolgte auch am 23. Mai 2001 mein letzter Drehtag für den Westdeutschen Rundfunk, für den ich das erste Mal Mitte Juni 1961 einen Film gedreht hatte.
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Neuer Beruf: Ausstellungs-Kurator

Nach unserer Rückkehr aus der Sowjetunion gewann unsere im vergangenen Jahrzehnt gewachsene filmhistorische Sammlung an Bedeutung, auch für unsere weitere Lebenszeit.

Eine erste kurze Pressenotiz über die Eröffnung des Filmmuseums Romboy in unserem bescheidenen Einfamilienhaus führte zu Angeboten, auch an anderen Plätzen auszustellen. Zuerst im September 1988 in den Kölner Messehallen als Sonderschau während der Weltmesse der Fotografie, „Photokina".

Unter dem anspruchsvollen Titel „Foto-Heimkino-Fernsehen - Über die Sehnsucht des Menschen, Fernes nah zu sehen" zeigten wir dort einige historische Foto- und Filmkameras, die dazu gehörigen Projektoren und eine historische Videokamera des WDR.

1989 folgte in Wesseling unsere Ausstellung „175 Jahre Fotografie". Diese Ausstellungen erzeugten Aufmerksamkeit und blieben nicht folgenlos.

Unseren ersten großen Fernsehauftritt hatten wir im Herbst 1989 in der WDR-Live-Sendung „Gesucht-Gefunden" unter der Redaktion von Rainer Nohn. Im WDR-Studio waren wir, neben vielen anderen Filmgeräten, mit einem funktionierenden Tonfilm-Wanderkino „Sonolux II" vertreten.

Für die Vorführung und Sendung hatte ich mit einer Handkurbelkamera aus dem Jahre 1923 einen Demonstrationsfilm gedreht. Dieser Live-Sendung folgte wieder Presseaufmerksamkeit. Zeitungen aus allen Winkeln der Bundesrepublik schrieben Artikel über das Sammlerehepaar und seine Exponate.

Krönung: ein Bericht in der auflagenstarken „Bild am Sonntag" unter dem Titel „Der Herr der 100 Kameras". In den nächsten Jahren wurde unser Filmmuseum zum Selbstläufer. Öfters besuchten uns Fernsehteams. Für eine Live-Sendung des Südwestfunks aus Mainz fuhren Vera und ich mit zwei vollgepackten Autos ins dortige Fernsehstudio.
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Wie es bei den Romboys weiterging

Neben den zahlreichen Gebäuden für Studios und Verwaltung in der Kölner Innenstadt gehört zum WDR auch ein umfangreiches Freigelände mit Studios und Filmbauten am Stadtrand Kölns.

Sowohl in der Sommersaison 1991 als auch 1992 veranstaltete der WDR dort Tage der offenen Tür unter dem Titel „Hollymünd". Zu besichtigen waren Studios und Dekorationen der populären Fernsehserien „Lindenstraße" und „Verbotene Liebe", der Requisitenfundus, Werkstätten und in einem gesonderten Pavillon die Ausstellung des Filmmuseums Romboy „Kino - Heimkino - Fernsehen".

Große Teile unseres Museums waren für diese Ausstellung der „Hollymünd"-Tage ins Außengelände Köln-Bocklemünd gewandert. Die „Hollymünd"-Tage des WDR waren auch mit einer sonntäglichen Live-Sendung verbunden. Unter der redaktionellen Verantwortung von Ulla Moeller kamen in diesem musikalisch umrahmten Unterhaltungsprogramm wechselnde Gäste aus Film, Rundfunk und Fernsehen zu Wort, darunter prominente Schauspieler wie Anthony Perkins, Hildegard Knef oder Ingrid van Bergen.

An einem der Sonntage hatten Vera und Manfred Romboy Ehre und Vergnügen, besondere Exponate ihrer Sammlung auch in Funktion zu zeigen. Im Oktober 1995 öffnete die Internationale Briefmarkenmesse „Philatelia" in den Messehallen am Rheinufer ihre Pforten. Diesmal unter dem Motto „100 Jahre Film ".

Aus diesem Anlass hatten viele Länder, darunter auch die Bundesrepublik, Sondermarken herausgegeben. In einer der Messehallen war es möglich, in einem Sonderpostamt der Bundespost den begehrten Sonderstempel „100 Jahre Film" zu erhalten. Im Auftrage der Kölner Messegesellschaft gestalteten Vera und ich eine Sonderausstellung „100 Jahre Film".

Außer einem Film-set mit Tonfilmkamera, Mikrofon, Klappe und Scheinwerfern zeigten wir auf einigen hundert Quadratmetern Ausstellungsfläche professionelle historische Filmkameras und Projektoren aus der Zeit zwischen 1900 und 1960.

In Form einer Laterna Magica, einer Wundertrommel und anderer Exponate war auch die Vorgeschichte des Kinos vertreten. Filmplakate auf den vielen Ausstellungswänden erinnerten an große Kino-Erlebnisse. Beim Anblick dieser Ausstellung wurde uns selbst angst und bange. Wie sollten wir das alles wieder in unserem kleinen Haus verstauen?

In den letzten fünfzehn Jahren hatten unsere filmhistorischen Sammlungen Dimensionen erreicht, die weit über das hinaus gingen, was zwei Privatleute mit ihrem Arbeitseinkommen finanziell, und daran gebunden auch räumlich, verkraften konnten.

Statt fortlaufend Urlaubsreisen zu machen, neue Möbel zu kaufen und des Öfteren die Autos zu wechseln, hatten wir jede nur mögliche Mark in die Sammlungen gesteckt. Zuzeiten des beginnenden Kinosterbens haben wir außerdem mit Hilfe von Freunden, an der Spitze wäre Willy de Haas zu nennen, in der ganzen Bundesrepublik Filmtheater demontiert und ihre Bestände übernommen. Alte Kameras und Filmausrüstungen erwarben wir aus den Beständen verschiedener Film- und Fernsehgesellschaften oder auf internationalen Photographica-Auktionen.
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Für und mit Hollywood-Leuten ein Filmmuseum bauen

Um 1995 expandierte der amerikanische Medien-Konzern Warner Bros. nach Europa. In Spanien wurde nach dem Vorbild des Pariser „Disney-Land" ein Warner-Freizeit-Park errichtet, am Berliner Europa-Center entstand ein Warner-Erlebniskaufhaus. Für das bevölkerungsreiche Ruhrgebiet waren ein Warner-Filmpalast mit neun Leinwänden und seit 1994 ein Freizeitpark im Bau.

Dieses „Freizeitland" firmierte unter „Warner Bros. Movieworld - Hollywood in Germany". Für die fünfundzwanzig Hektar große Anlage war eine Gesamtinvestition von über dreihundertfünfzig Millionen DM vorgesehen.

Achterbahnen und andere Fahrgeschäfte wurden mit Titeln von Warner-Filmen verbunden. Verschiedene Show-Pavillons sollten Hollywood-Feeling erzeugen. Außerdem sollte in zwei Filmstudios tatsächlich gedreht werden.

Der Schweizer Architekt Rolf Roth bekam keine Exponate

Der in den USA beheimatete Schweizer Architekt Rolf Roth, Planer dieser Warner-Anlage, war der Meinung, zu einem Filmthemenpark gehört auch ein Filmmuseum. Dafür wurde ein großes Gebäude mit tausend Quadratmetern Schaufläche errichtet.

Rolf Roth glaubte, dass eines der großen staatlichen oder halbstaatlichen Filmmuseen der Bundesrepublik sein Angebot, dort auszustellen, wahrnehmen würde. Seine Hoffnungen zerschlugen sich. Er hatte nicht bedacht, dass die Bürokratie deutscher Museen jahrelangen Vorlauf verlangte und dass die akademischen Leiter solcher Museen Berührungsängste zu einem Freizeitpark haben könnten.

Der Eröffnungstermin rückte immer näher - gähnende Leere

Der Eröffnungstermin rückte immer näher und im Filmmusemsbau war weiterhin gähnende Leere. Eine Frankfurter Agentur wurde beauftragt, eine Lösung zu finden und brachte das Filmmuseum Romboy ins Spiel. Nach vielen von uns aus zurückhaltenden Telefonaten ließen sich der amerikanische Warner-Designer Read und sein Architekt Roth gnädig herab, in unser Haus nach Wesseling zu kommen.

Ihre Absicht: Von uns Filmgeräte, Scheinwerfer und Plakate zu erwerben, um ihren Bau mit Leben zu erfüllen. Jede Art von Verkäufen lehnten wir von vornherein ab und unterbreiteten stattdessen den Vorschlag, für Warner ein komplettes Filmmuseum auf die Beine zu stellen, das auf Mietbasis im Freizeitpark gezeigt werden könnte. Skepsis oder andere Vorbehalte konnten wir durch Zeigen unserer Exponate und unzähliger Fotos gemachter Ausstellungen zerstreuen.

Der für eine Stunde angekündigte Besuch der Warner-Leute verlängerte sich auf vier Stunden. Gegen Mitternacht waren wir und die Park-Planer per Handschlag vertraglich verbunden, vorbehaltlich einer von mir abzugebenden Präsentation, die der Warner-Vorstand im kalifornischen Burbank akzeptieren müsste. Es folgte manche schlaflose Nacht. Besonders meine Frau meinte, dass das Angebot an Warner für uns ein bis zwei Nummern zu groß wäre.
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Die Zusammenarbeit mit Roth

Die Zusammenarbeit mit Roth war hervorragend. Als ich mit preisgünstigen Prospekten für die vorgesehenen sechzehn Vitrinen bei ihm vorsprach, blitzte ich ab. „So etwas ist nicht der Stil von Warner. Reichen Sie uns bitte Zeichnungen mit Ihren Wünschen ein, danach werden diese Vitrinen gebaut."

Ich wurde mutiger und machte den Vorschlag, dass es schön wäre, wenn sich im Eingangsbereich „Vor- und Frühgeschichte des Films" acht Wundertrommeln drehen würden. Auch das wurde anstandslos genehmigt.

Die dafür nötigen Vitrinen-Entwürfe zeichnete er selbst. Außer den sechs Stellplätzen für Großgeräte durfte ich einen historischen Projektionsraum für Theater-Maschinen der dreißiger Jahre und den dazugehörigen Zuschauerraum mit alten Beleuchtungskörpern und Kinosesseln bauen lassen.

Einschließlich aller Beleuchtungseinrichtungen konnte ich für das Innendekor weit mehr als hunderttausend DM ausgeben. Am 12. März 1996 vereinbarten wir unsere Museumsgestaltung, Mitte Juni verluden die Mitarbeiter einer Spedition den größten Teil unseres Hausmuseums, den wir erst am 24. Juni, ganze sechs Tage vor der Eröffnung, bei Warner auspacken konnten.

Der Grund für diese kleine Katastrophe: Erst am 24. war die Zufahrtstraße zum zukünftigen Museum befahrbar. Nun waren wir Tag und Nacht damit beschäftigt, Geräte aufzubauen, Vitrinen zu bestücken und hundert Filmplakate aufzuhängen.

Als am 30.6.1996 über uns die Hubschrauber mit den Eröffnungsgästen knatterten, standen wir noch vor den letzten leeren Kartons im Blaumann. Gott sei Dank hatten wir die Möglichkeit, alles in einen Lagerraum zu werfen und standen im feinen Zwirn für Fragen der Gäste, unter ihnen der Ministerpräsident von NRW, Johannes Rau, zur Verfügung.
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Eine lange Tag- und Nachtarbeit war zuende

Vera und ich bewegten uns danach am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Die anschließende Rückfahrt ins achtzig Kilometer entfernte Wesseling schafften wir nicht mehr, ohne eine Schlafpause von einer Stunde auf einem Parkplatz einzulegen. Doch all die Arbeit hatte sich gelohnt.

Über eine Million Gäste besuchten pro Jahr „Hollywood in Germany", der größte Teil davon auch unser Filmmuseum. Durch Zukäufe verbesserten und erweiterten wir den Bestand an Exponaten. Als Krönung retteten wir einen alten Kamerakran der UFA vor dem Verschrotten.

Er stand zuletzt im Vorgarten eines Bauernhauses unweit der berlinnahen Grenze zu Polen. Wir haben ihn nach Bottrop ins Warner-Museum bringen lassen und eigenhändig entrostet und lackiert ins Museum gestellt. Zu diesem Zeitpunkt, 1998, waren wir das größte und beste Filmmuseum in Europa.

1999 - Warner will unsere Exponate kaufen

1999, drei Jahre nach der Eröffnung von „Hollywood in Germany", wurden wir zu einem wichtigen Gespräch in die Warner-Geschäftsleitung nach Bottrop gebeten. Zu unserer Verwunderung verlangte das Management statt des laufenden Mietvertrags den Verkauf unseres Museums an Warner, ohne Alternative. Wegen des Umfangs der Museumsbestände war eine Rücknahme durch uns ausgeschlossen.

Für die Benennung des Kaufpreises erbaten wir uns drei Tage Zeit. Es schmerzte uns, das in vielen Jahren Zusammengetragene in fremde Hände geben zu müssen, also war auch Schmerzensgeld zu zahlen. Für die Verkaufsverhandlungen waren wir gut positioniert. Außer allen Exponaten waren auch die Urheberrechte an der Gestaltung bis hin zu allen Texttafeln in unserem Besitz.

Nach wieder schlaflosen Nächten nannten wir als Verhandlungsbasis einen Betrag um 450.000 DM. Unsere Gesprächspartner waren über die Höhe des Verkaufspreises empört und meinten, diese Summe würde der Warner-Vorstand in Burbank keinesfalls akzeptieren. Wir dachten an die Position Schmerzensgeld und zeigten Poker-Gesichter.

Die nächsten Tage waren eine Zitterpartie. Wohin mit dem ganzen Zeug, wenn die ablehnen. Eines morgens klingelte unser Fax und fing an, den Warner-Briefkopf zu drucken. Ich erschrak. Wahrscheinlich die Aufforderung, das Museumsgebäude zu räumen. Stattdessen wurde unser Verkaufspreis angenommen und die Kontonummer unserer Bank erbeten. Erst als diese den Eingang der Summe bestätigte, konnten wir an unseren plötzlichen „Reichtum"glauben.
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Unsere Geldsorgen waren zuende

Jahrelang hatten uns wegen der Museumskäufe Geldsorgen begleitet. (Anmerkung : Das ist ein Teil der Sammler-Krankheit. Jeder verfügbare Pfenning wird für neue Sammlerstücke ausgegeben.)

Aber jetzt öffnete sich der „Hollywood-Himmel", um uns mit Goldtalern für unsere Mühen zu belohnen. Zu Saisonschluss wollten wir die Museums- und Vitrinen-Schlüssel den neuen Eigentümern übergeben. Erstaunt wurden wir gefragt, wer künftig das Museum verwalten und warten sollte.

Ergebnis: Gegen eine Jahrespauschale verblieb bei uns die Leitung und die Schlüsselgewalt. Unsere nie gestellte Frage, warum wir verkaufen mussten, wurde ein Jahr in Berichten der Wirtschaftsteile einiger Zeitungen beantwortet.

1999 befanden sich die Warner-Aktien an den US-Börsen auf Talfahrt. Die Aktionäre verlangten vom Vorstand eine Rückbesinnung auf das Kerngeschäft mit Film- und Musikproduktionen. Alle Europa-Initiativen wurden eingestellt. Das Berliner Warner-Kaufhaus, das Oberhausener Riesenkino und der Freizeitpark „Hollywood in Germany" erhielten neue Besitzer und neue Namen. Für einen Verkauf von Warner Bros. Movie World benötigten die Warner-Leute auch die Besitzrechte am attraktiven Filmmuseum.
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Bis 2006 waren wir nach wie vor die Verwalter des Museums

Beginnend mit der Saison 2000 wechselte der Freizeitpark mehrmals den Besitzer. Doch Verwaltung und Schlüsselgewalt des Filmmuseums blieben bis 2006 in unseren Händen. Dann: Beschluss eines neuen Eigentümers für eine umfangreiche Modernisierung. Statt filmhistorischer Geräte kamen abgehalfterte Neonröhren als Laserschwerter für „Krieg der Sterne" in die Vitrine.

Bezüge auf UFA-Größen wie Hans Albers, Heinz Rühmann, Marika Rock oder Christina Söderbaum flogen raus. Unsere Filmplakate mit Titeln alter Hollywood- oder europäischer Erfolgsfilme waren nicht mehr gefragt. Dafür entstand die Möglichkeit für Besucher, sich als „Seifte" in aktuelle Filmdekorationen einzustanzen.

Bis auf wenige im Vorraum des 3D-Kinos ausgestellte Kameras und Projektoren wurden die alten Ausstellungsstücke des Filmmuseums eingemottet. Um sie zu erhalten, veranlasste ich die Eigentümer, sie im Kölner Auktions-Haus Breker versteigern zu lassen. Einige Lieblingsstücke konnte ich zurückkaufen, der Rest wurde in alle Winde vergeben. Mit einer Ausstellung „Als Oma und Opa ins Kino gingen" im Wesselinger Schwingeler Hof endeten 2006 unsere Ausstellungsaktivitäten.

Als Ausstatter für Film- und Fernseh-Produktionen

Mit Spielfllm- und Fernsehproduktionen blieben wir durch die Bestände des Filmmuseums Romboy als Berater und Ausstatter mit historischen Foto-, Film-und Videogeräten verbunden.

2014 waren wir im Berliner Olympia-Stadion mit zwölf historischen Filmkameras und zehn Pressefotografen der dreißiger Jahre vertreten. Eine Hollywood-Produktion verfilmte das Leben des legendären Leichtathleten Jesse Owens, der bei den Olympischen Sommerspielen 1936 vier Goldmedaillen gewonnen hatte.

Die von Adolf Hitler protegierte Regisseurin Leni Riefenstahl hatte damals für ihre zwei Olympia-Filme Dutzende Kameras aufstellen lassen. Für seinen Film „The Cut" benötigte Regisseur Fatih Akin als Requisit einen großen historischen Stummfilmprojektor. Für seine Bedienung flogen Vera und ich zu einer ehemaligen Karawanserei in Jordanien.

Für Filmaufnahmen in Südtirol wurde für einen Kameramann-Darsteller „Deutsche Wochenschau 1944" eine historische Arriflex-Kamera gebraucht. Also fuhren wir nach Italien. Eine andere Fernsehproduktion benötigte uns für ein Fernsehteam der sechziger Jahre mit Filmkamera, Tonbandgerät und Mikrofon in Spanien.
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Weitere "Einsätze"

Am 16. August 1988 hatten zwei Gangster in Gladbeck eine Filiale der Deutschen Bank überfallen. Durch eine Geiselnahme erpressten sie ein Fluchtauto und kurvten mit zwei Mädchen als Geiseln durch halb Deutschland, die Niederlande, bis nach Köln, ständig von Foto- und Fernsehleuten umgeben, die sie ablichteten und interviewten.

Durch diese Journalistenmauer bot sich für die Polizeikräfte keine Möglichkeit eines Zugriffs. Unter dem Titel „Das Geiseldrama von Gladbeck" sendete die ARD dreißig Jahre später, 2018, einen zweiteiligen Fernsehspielfilm. Die Ausstattung mit historischen Bildjournalisten wurde mir übertragen. Dafür war meine Anwesenheit an fünfzehn Drehtagen bzw. Drehnächten an verschiedenen Orten erforderlich. Meist waren das Zwölf-Stunden-Schichten. Unser Aufwand war beträchtlich. Mitunter hatte ich gleichzeitig zwölf Fernsehkameras mit Aufzeichnungsgeräten und Mikrofonen im Einsatz. Dazu kamen zwanzig Komparsen als Pressefotografen mit funktionierenden Blitzgeräten der 1980er Jahre. Mein bisher größter Auftrag mit Foto-Filmrequisiten.

Ähnliche Aufträge wiederholten sich, manchmal in Monats-, mitunter in Jahresabständen. In 2021 waren unsere zahlreichen historischen Fernseh-, Fotokameras und Tonbandgeräte für Spielfilme über die „Stern-Affäre" mit den Hitler-Tagebüchern und einen Spielfilm über Boris Becker und seine Tennis-Siege im Einsatz. Auch in der erfolgreichen Fernseh-Serie „Babylon Berlin" blitzten unsere Fotokameras der zwanziger Jahre.

Als Filmhistoriker im Club Daguerre

1996, kurz nach der Eröffnung, besuchte eine Gruppe von Fotohistorikern und Fotogerätesammlern unser Museum bei „Hollywood in Germany". Vera und ich entdeckten bei diesen Besuchern vielfältige Übereinstimmungen mit unseren historischen Interessensgebieten.

Es handelte sich um Mitglieder des Club Daguerre, benannt nach dem Franzosen, der seit 1839 als Erfinder der Fotografie gilt: Louis Daguerre. 1997 wurde ich, Vera etwas später, Mitglied dieser Organisation. Wir nahmen an deren Treffen teil und besuchten mit ihnen nationale und internationale Foto- und Filmbörsen. Daraus entwickelten sich Freundschaften, die Jahrzehnte überdauern.

2010 wurde ich als Nachfolger Günter Gymnichs bei der Jahresversammlung in Wetzlar zum 1. Vorsitzenden, also Präsidenten, gewählt. Die Bürde dieses Amtes konnte ich nur auf mich nehmen, weil ich in Vera eine tüchtige Frau als Organisatorin und Sekretärin an meiner Seite wusste. Als nun nomineller Herausgeber der Clubzeitschrift „Photo Antiquaria" gelang es mir in enger Zusammenarbeit mit meinem Freund Klaus Kemper, dem langjährigen Redakteur dieser Zeitschrift, Umfang, Qualität und Erscheinungsdichte zu steigern. Außerdem konnten wir gegen massive Widerstände ein neues prägnantes Club-Logo durchsetzen.

In den sieben Jahren meiner Präsidentschaft war ich weiterhin als Autor für „Photo Antiquaria" tätig. Als Verdienst um diesen Club werte ich, dass es mir gelang, viele unser Jahrestreffen erfolgreich erstmals ins Ausland zu verlegen. 2014 waren wir in Wien, 2016 in Prag und 2017 in Luxemburg. Nach meinem achtzigsten Geburtstag konnte ich das Amt des 1. Vorsitzenden in jüngere Hände legen. Mein Nachfolger wurde der renommierte Fotosammler und Fotohistoriker Dr. Stephan Baedeker.

Resume

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Während unzähliger Kinobesuche in den Jahren meiner Kindheit entstand meine Liebe zu den Leinwandbildern der Lichtspieltheater. Filmfragmente zeigten mir als Entstehungsort der künstlichen Leinwandwelten viele kleine Bilder. Ich beschloss, einer der Männer zu werden, die mit dem Zauberkasten Filmkamera die Welt einfangen wollten.

Mein Buch sollte beschreiben, dass und wie mir das gelang. Nahezu fünfundvierzig Arbeitsjahre habe ich an und hinter Film- und zuletzt Video-Kameras gestanden. Jeder Tag, an dem ich drehen durfte, gleichgültig, wo, für was und unter welchen Bedingungen, war für mich ein erfüllter Tag.

Ich war einer der damals etwa fünfhundert Kameraleute, die in Deutschland Streifen für das „Heimkino" Fernsehapparat lieferten. Durch die Digitalisierung ist die Herstellung von Filmbildern und ihre Verbreitung Alltagssport geworden.

In dieser inflationären Bilderflut sind professionelle Einzelleistungen von Kameramännern und Kamerafrauen selten sichtbar, vielfach überflüssig und nicht immer erwünscht.

So wie heute vielfach mit Bildern umgegangen wird, wäre Kameramann nicht mehr mein Traumberuf.
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Nachsatz

Mit dieser Veröffentlichung wollte ich mein Leben als Kameramann und Bildjournalist beschreiben. Es war mir nur möglich, die unmittelbaren Weggefährten zu erwähnen. All den nicht Erwähnten möchte ich für ihre Freundschaft und Hilfe danken. Es wären zu viele, um sie aufzuschreiben. Mein Privatleben erscheint nur in Randnotizen.

Bleibt zu erwähnen, dass ich nicht als vereinsamter alter Mann leben muss. Außer mir gehört zur Romboy-Familie noch mein Sohn Gerid, dessen Karriere in einem großen Industriekonzern mir große Freude bereitet. Seine Frau Izida hat uns einen Enkel geschenkt: Alexander, der vor dem Master-Abschluss an einer Technischen Universität steht.

Mittelpunkt meines jetzigen Lebens ist meine zwanzig Jahre jüngere Frau Vera. Durch sie kam nicht nur das Glück in mein Leben, sie war auch Kollegin, Privatsekretärin und Ratgeberin. Ohne Vera wären viele, vor allem die filmhistorischen Initiativen meines Lebens, nicht möglich gewesen. Undenkbar, ohne sie ein solches Buch zu schreiben. Vielen Dank, Vera, dass Du mir, einem alten Besserwisser, so viel Deiner Lebenszeit gewidmet hast.

Manfred Romboy ©2022
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Manfred Romboy, Försterweg 9,
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