Sie sind hier : Startseite →  Historie und Geschichte→  Zeitzeugen 1 (Kino+Fernsehen)→  Harald Knapitsch III

Ein Zeitungsartikel aus 2008

Der Aar-Bote ist ein Anzeigenblättchen für die Firmen und Geschäfte bei uns im Taunus von Bad Schwalbach über Taunusstein bis Idstein. Ab und zu wird dort ein Bewohner (ein "Einwohner") von einem Mitglied der Redaktion besucht und jemand schreibt dann einen Artikel, was er so gesehen (und verstanden) hatte. So geschah es auch zu Pfingsten 2008.

Ein "Filmpalast" auf dem Dachboden

HOHENSTEIN - Das Kino ist die Leidenschaft von Harald Knapitsch. In seinem Haus in Strinz-Margarethä beherbergt er zwei "Vorführsäle" (es ist etwas sehr übertrieben, die Räume als Säle zu bezeichnen) es sind nur das Dachgecshoß und ein Keller-Raum ausgestattet mit kompletter Kino-Technik. Dieser Artikel ist von Hannelore Wiedemann aus dem Jahr 2008.
.

Das Knapitsch Kino im Keller

In dem dunklen Kellerraum sind schon viele Tränen geflossen. „Hauptsächlich meine", lacht Ingrid Knapitsch. Meistens ist sie die einzige Zuschauerin, die es sich auf dem (viersitzigen) Sofa in dem kleinen Kino bequem macht. Etliche Filme mit Stars wie Mary Pickard oder Fred Astaire flimmerten schon über die zwei mal dreieinhalb Meter große Leinwand - alles alte Spielfilme, die Geschichte schrieben, aber auch Dokumentationen oder historischen Wochenschauen.

Harald Knapitsch ist nicht nur Kinobesitzer, er ist auch der Chef und Vorführer

Währenddessen hat Harald Knapitsch im kleinen Nebenraum, in dem der große alte Projektor aus dem Jahr 1939 steht, alle Hände voll zu tun: So lange der 35-Millimeter-Film surrend über viele kleine Rollen läuft, muss er die Schärfe nachregulieren, die Kohlebogen-Lampe justieren, die Uralt-Technik mit ihren vielen Rädchen am Laufen halten.

Kino - das ist Harald Knapitschs Leidenschaft

Kino - das ist Harald Kna-pitschs Leidenschaft- „von Kindesbeinen an". Und seit er als siebenjähriger Knirps ein Kinderkino geschenkt bekam, hat ihn sein Interesse für Filmrollen, Projektoren, Kameras und Plakate nie mehr losgelassen: „Das ist wie ein Bazillus".

Seit mehr als 30 Jahren trägt der gebürtige Österreicher (Klagenfurt) in seinem Haus in Strinz-Margarethä nun alles zusammen, was mit seiner Leidenschaft zu tun hat. Fast das gesamte Kellergeschoss und den Dachboden füllt seine Sammlung inzwischen aus. Insgesamt 25 Film-Vorführapparate aus der Zeit vor 1939 besitzt der 68-Jährige, darunter auch fünf professionelle, wie sie in Kinos eingesetzt wurden.
.

Als die Zeiten sich änderten

Der älteste professionelle Apparat ist von 1919; bis 1963 verrichtete der Projektor seine Dienste im "Deutschen Haus" in Michelbach - dann trat das Fernsehen seinen Siegeszug an und die kleinen Kinos und mobilen Filmvorführer, die bis dato bewegte Bilder aus aller Welt in Form der Wochenschauen geliefert hatten, verschwanden.

Auch mehrere Filmkameras, zwei Schneidetische, die heute kaum noch jemand bedienen kann, und viele historische Filmprogramme gehören zu dem kleinen privaten Museum. Gut kann sich Knapitsch noch an die Zeiten erinnern, als man noch eine Filmvorführerprüfung brauchte, um im Kino arbeiten zu können - zu dürfen.

Die Celluloid-Filme, die damals auf den Projektoren liefen, waren aus Nitrocellulose - ein hochexplosiver Stoff, der heute unter das Sprengstoffgesetz fällt. „Das brennt wie Benzin", weiß der pensionierte Bildingenieur vom ZDF; Kino war zu dieser Zeit nicht immer ein ungefährliches Vergnügen. Auch Knapitsch hat seine Nitro-Filme längst an das Bundesarchiv abgegeben, bei denen sie sicher verwahrt werden. Die Filme in den rund 500 Dosen, die zu seiner Sammlung gehören, sind alle aus einem extrem reißfesten flammwidrigen Kunststoff, der jetzt Sicherheitsfilm genannt wird.
.

Der Sammler unter Gleichgesinnten

Der Sammler, der natürlich Kontakte zu vielen Gleichgesinnten quer durch die Republik unterhält, interessiert sich aber nicht nur für die Technik. Wie Filme entstehen, wie Regisseure Ideen umsetzen, mit welchen Problemen sie zu kämpfen hatten - über solchen Fragen hat der Cineast viele Bücher verschlungen.

Rund 250 Handbücher stehen in seiner Kino-Bibliothek; nur die Filmzeitschriften - die hat er wieder abgestoßen. Knapitsch geht es - anders als anderen - nicht um Masse, sondern um Klasse. Was er nicht mehr gebrauchen kann, gibt er wieder aus der Hand, tauscht es vielleicht gegen ein anderes Exponat, das ihm noch fehlt, um seine Sammlung abzurunden.

Die dürfte inzwischen auch einen ansehnlichen Wert erreicht haben: etwa 25.000 Euro, schätzt Knapitsch (jetzt in 2008), könnte er in Sammlerkreisen erzielen. (Das ist aber längst vorbei. Die Sammler sind alle in diesem Alter und wollen ihre Sammlungen zu Höchstpreisen abgeben.)

Dabei hat er nur zu Beginn einmal einen größeren Betrag investiert; seitdem hat er Neuerwerbungen überwiegend eingetauscht.
.

Die Kino-Atmosphäre - das Ambiente

Zur Leidenschaft fürs Kino gehört freilich auch echte Atmosphäre. Die hat Knapitsch in seinem (nicht beheizten) „Sommerkino" auf dem Dachboden geschaffen. Der Dachstuhl bildet das Gerüst für ein aus roten Stoffbahnen bestehendes Zelt mit einer ansehnlichen Leinwand an der Stirnseite.

Zwei Deckenleuchter tauchen den Mini-Filmpalast in ein unwirkliches Licht. Allerdings waren die neun Original-Holzsitze mit den Reihennummern 13, 14 und 15 nur ein einziges Mal zu einer Vorstellung im „Sommerkino" vollbesetzt. Bei einem Besuch von anderen Sammlern nämlich.

.

Harald Knapitsch ist im Dez. 2024 im Alter von 84 verstorben

Die ehemals auf einen hohen Wert geschätzte Sammlung war fast nicht mehr unterzubringen, teilweise nicht mal zu verschenken. Die Bücher und Hefte sind jetz in unserer Fernseh-Redaktion in Wiesbaden um Scannen gelandet, 2 Autos voll. Viel andere ehemals wertvolle Utensilien wurden mit Mühe verschenkt um nicht im Wertstoffhof zu landen.
.

- Werbung Dezent -
Zur Startseite - © 2006 / 2026 - Deutsches Fernsehmuseum Filzbaden - Copyright by Dipl.-Ing. Gert Redlich - DSGVO - Privatsphäre - Redaktions-Telefon - zum Flohmarkt
Bitte einfach nur lächeln: Diese Seiten sind garantiert RDE / IPW zertifiziert und für Leser von 5 bis 108 Jahren freigegeben - Tag und Nacht, und kostenlos natürlich.