Juni 2026 - Das ist der Anfang der unfertigen Seiten - erst mal alle Texte korrigiert - die saubere Strukturierung und die über 500 Bilder kommen noch - es geht weiter - jede Nacht ....
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Wir gehen ins Jahr 1977
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September 1977 - Die Ermordung Hanns Martin Schleyers
Der 5. September 1977 begann mit langweiligem Bereitschaftsdienst für die Kölner Tagesschau-Redaktion. Gegen 16.30 Uhr fuhr ich nach Hause in Richtung Bergheim. Seitlangem, wegen der ständigen Staus auf der Aachener Straße, benutzte ich als Schleichweg die Friedrich-Schmidt-Straße. Dort, am Stadtwald, begann die Raschdorffstraße. Die war Einbahn und nur über die Vincenz-Statz-Straße zu erreichen. Ein mir bekannter Weg.
In der Raschdorfstraße 10 wohnte bei seinem Köln-Aufenthalt der Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer. Wurde irgendwo gestreikt, riefen die Tagesschau-Redakteure Schleyer an, um vor laufender Kamera eine Stellungnahme zu erhalten. Zweimal war ich für solche Statements in seiner Wohnung.
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Sofort zurück nach Köln, Schleyer ist entführt worden!
Gegen 17.30 Uhr, gerade wollte ich zu Abend essen, ein Anruf: „Sofort zurück nach Köln, Schleyer ist entführt worden!" Gegen 20.00 Uhr versuchten wir mit dem Teleobjektiv vom Stadtwald aus erste Einblicke in die Vincenz-Statz-Straße zu bekommen. Alles war weitläufig abgesperrt, Polizeischeinwerfer beleuchteten den Tatort.
Zu erkennen waren Schleyers Mercedes 450 und ein weiteres Fahrzeug. Daneben abgedeckte Leichen. Was war passiert? Als Schleyers Wagen in die Straße bog, hatten Gangster vor das Begleitfahrzeug einen Kinderwagen gerollt. Notbremsung des Polizeifahrzeugs. Schüsse aus mehreren Maschinenpistolen töteten drei junge Polizisten, auch Schleyers Fahrer wurde ermordet.
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Die Terroristen hatten Schleyer mitgenommen
Aus dem Fonds des Wagens, unverletzt, wurde der Arbeitgeberpräsident gezogen und entführt. In ganz Nordrhein-Westfalen wurden Straßenzüge und Autobahnauffahrten gesperrt. Großfahndung in der gesamten Republik.
Diese Fahndungsmaßnahmen wurden von mir begleitet, zum Teil durch Abhören des Polizeifunks, aber vor allem durch Hinweise der Redaktion. Für sowas hatten wir Autotelefon. Filmen konnten wir nur Polizeiwagen aller Kaliber oder die Fahrzeuge anderer Journalisten, die, wie wir, Schleyer oder seine Entführer suchten. Das war nicht ungefährlich.
Auch wir wurden öfters gestoppt und blickten in die Läufe entsicherter Maschinenpistolen. Glücklicherweise in die der Polizei.
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Material für eine Sondersendung „Brennpunkt"
Irgendwann gaben wir auf. 24.00 Uhr Dienstschluss steht für den 5. September in meinem Kalender. Am 6.9. drehte ich bis in die Dunkelheit am Tatort und in seiner Umgebung. In Zäunen, Häusern und Bäumen steckten noch Geschosse. Anwohner und Polizeisprecher wurden von Peter Bauer und anderen interviewt. Der WDR brauchte Material für seine Sondersendung „Brennpunkt".
Die nächsten fünf Tage und Nächte waren vier Kamerateams der Tagesschau in Dauerbereitschaft. Mein Kalender zeigt Dienstzeiten von 2.00 Uhr nachts bis 11.oo Uhr morgens, 16.00-24.00 Uhr und 00.00-10.00 Uhr an.
Unser Schlaf in WDR-Räumen oder im Dienstwagen wurde jede Nacht unterbrochen. Irgendwo gab es Verdächtiges zu filmen. Die Polizei durchsuchte Häuser oder Autos. Dramatische Verfolgung eines Ford Mustang. In dem saß aber nur ein Besoffener, der aus Angst um seinen Führerschein eine Polizeisperre durchbrochen hatte.
Alle Bemühungen umsonst. Keine Resultate. Am 12. Oktober, sieben Tage nach dem Überfall, wurde unter meiner Leitung die Kölner Kirche St. Engelbert ausgeleuchtet. Für Filmaufnahmen und eine Live-Übertragung am nächsten Tag. Es ging um die Trauerfeier für den durch die RAF-Gangster ermordeten Heinz Marcisz, den Fahrer Martin Schleyers.
Am 18.10. fand man im Kofferraum eines Autos den ermordeten Arbeitgeberpräsidenten. Schon vor der Schleyer-Entführung hatten die roten Verbrecher im April und Juli den Generalbundesanwalt Buback nebst Fahrer und Jürgen Ponto, den Vorstandssprecher der Dresdner Bank, erschossen.
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Für die Jüngeren kurz die Hintergründe:
1968 fanden in Berlin und anderen großen Städten unter Führung eines gewissen Rudi Dutschke Studentendemonstrationen statt. Angriffsziele waren die USA wegen ihres Krieges gegen die kommunistischen Kräfte in Nordvietnam und die kapitalistische, imperialistische bürgerliche Ordnung der Bundesrepublik.
Außer Beifall vieler Linksliberaler erhielten die Demonstranten kein positives Echo in der Bevölkerung der Bundesrepublik. Die Bewegung verpuffte. Einige dieser politischen Wirrköpfe gingen als linke Terrorgruppe in den Untergrund. Damit klar war, wohin der Hase laufen soll, nannten sie sich „Rote Armee Fraktion" - RAF. Finanziert wurde ihr Kampf für eine „bessere Gesellschaft" durch Banküberfälle.
Ihre ersten Anführer Ulrike Meinhof und Andreas Baader und einige andere wurden nach und nach festgenommen. Im April 1977 wurden die noch lebenden, einige hatten Selbstmord begangen, wegen Bankraubs, Sprengstoffanschlägen und vier Morden in Stuttgart verurteilt.
Hanns Martin Schleyer wurde als Geisel genommen, um verurteilte und festgenommene RAF-Leute freizupressen. Als das scheiterte, hat man ihn, nunmehr nutzlos, ermordet. Nach Schleyers Tod gingen die heimtückischen Banküberfälle, Sprengstoffanschläge und Attentate noch zwanzig Jahre weiter. Bis zum Zeitpunkt ihrer Selbstauflösung 1998 hatten die RAF-Leute 34 Menschen getötet. Der größte Teil ihrer Opfer waren Führungspersönlichkeiten aus Diplomatie, Wirtschaft und Politik.
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Dozent an der SRT - Schule für Rundfunktechnik
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Meine Arbeit als „Medienpädagoge"
Wichtiger Teil meines Berufslebens wurden im Verlauf der Jahre zunehmend Lehrtätigkeiten. Es begann Mitte der 19siebziger Jahre. In Zusammenarbeit mit meinem Kameramann-Kollegen Appeldorn versuchte ich, WDR-Kameraleute in Kursen „Richtiges Beleuchten"zu qualifizieren.
Appeldorn und ich waren die einzigen, die vor ihrem WDR-Eintritt zu Beginn der sechziger Jahre in der Filmindustrie gearbeitet hatten. Er im Kulturfilmbereich, ich in den DEFA-Spielfilmstudios. Die richtige Platzierung von Scheinwerfern hatten wir in der Arbeit mit 35 mm-FarbpImmaterial gelernt.
Seit 1976 war ich mehrmals im Jahr Gastdozent an der Schule für Rundfunktechnik in Nürnberg. Mein Kurs-Thema: „Besondere Aufnahmeverfahren". Die SRT Nürnberg war für die Aus- und Weiterbildung der Rundfunk- und Fernsehmitarbeiter der Bundesrepublik, Österreichs und der Schweiz zuständig.
Die Staatliche Kunstakademie in Düsseldorf
Im WDR, einem Unternehmen mit fünftausend Mitarbeitern, war ständig Fort- und Weiterbildung angesagt. Volontäre, Reporter, Redakteure und Regisseure besuchten meine Kurse „Die Objektivität der Objektive" und „Bildgestaltung durch Abbildungsgrößen und Linienführung".
Darüber hinaus bereitete ich Redaktionsvolontäre auf ihre spätere Zusammenarbeit mit Kamerateams vor. Vorrangig war die Betreuung der Kameravolontäre unserer Abteilung Filmaufnahme. 1976 hatte die Staatliche Kunstakademie in Düsseldorf ihr Ausbildungsspektrum durch eine Filmklasse erweitert.
Außer den Vorlesungen zu lauschen wollten diese Hörer das Filmen lernen, am besten von einem, der täglich mit der Kamera unterwegs war. Mit dieser Vorgabe bat der Unirektor den WDR-Intendanten um Hilfe. Produktionsdirektor Töldte erinnerte sich an meine Dozententätigkeiten in Nürnberg, denn er musste sie jedes Mal genehmigen.
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Ich wurde "berufen"
Kurzum, ich wurde gefragt, zeigte Interesse, sprach mit der Akademieleitung und wurde berufen. Im Herbst 1977 begann meine Tätigkeit als Lehrbeauftragter für Kamera und Film der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf. Bis April 1983 lehrte ich dort Filmen in Praxis und Theorie.
Meine Lehrveranstaltungen waren ganztägige Blockseminare, jeweils an bis zu zehn aufeinanderfolgenden Tagen, zweimal pro Semester, also bis zu vierzig Tage pro Jahr.
Es war mir, dem Volksschulabgänger von 1950, Ehre und Vergnügen, als Lehrender durch ein Portal zu gehen, über dem die Namen Anselm Feuerbach, Caspar David Friedrich, Wilhelm von Schadow und Schnorr von Carolsfeld zu lesen waren.
Wichtigste Begegnung in Düsseldorf: die mit Joseph Beuys, der nach einem früheren Rausschmiss in einem Seitenflügel seine „Free University" unterhielt. Einige Male, zuletzt bei einem Professorenrundgang durch die Klassen, habe ich mit ihm, dem Liebenswürdigen, kurze interessante Gespräche führen können.
Die Galionsflgur der Düsseldorfer Akademie war Nam June Paik.
Offizieller Professor und Leiter der Film- und Videoklasse war der preisgekrönte Koreaner Nam June Paik. Er, der freundliche Multikünstler, lebte in den USA und erschien ein-, zweimal im Jahr mit Pressefotografen, die ihn im Kreise meiner Studenten fotografierten. Lehrveranstaltungen führte er nicht durch. Der Düsseldorfer Akademie diente er als Galionsflgur.
Mir empfahl er, für die Studenten die neuesten Videokameras und Mischpulte aus Japan zu kaufen. Schon mit zweihunderttausend DM wäre man dabei. Sehr lustig. Die Kunstakademie verweigerte mir den Kauf von Filmmaterial in Höhe von fünfhundert DM, das sei mehr, als jährlich für Gips ausgegeben würde.
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Romboys Filmpartys - bei Romboys zuhause
Meine bescheidenen Bezüge als Lehrbeauftragter flossen in Filmpartys, zu denen ich nach Semesterschluss unsere Studenten einlud.
Meine Wohnung war groß genug für zwanzig Gäste und einen großen 35mm Filmprojektor. Ab Nachmittag zeigte ich bis in die Morgenstunden berühmte Spielfilme aus meiner Filmkopien-Sammlung. Dabei wurde permanent gegessen und getrunken, bis in unseren Küchenschränken nur noch Katzenfutter zu finden war.
Sechs Jahre lang begleiteten solche Filmpartys meine Arbeit an der Kunstakademie. Ohne meine tüchtige Frau hätten solche Veranstaltungen nicht stattgefunden.
Als Verbindung zu meiner Akademietätigkeit blieb die Freundschaft zu einem meiner ehemaligen Studenten, Kay Uwe Kaul, den ich nicht nur ausgebildet habe. Durch meine Kontakte zur Fernsehwelt konnte er erfolgreich als Kameramann arbeiten. Später wurde er Fotokünstler und präsentierte seine Arbeiten im In- und Ausland. Als Brotberuf qualifizierte er sich für die Hard- und Softwarewelt der Computer. Für meinen ungeliebten aber notwendigen Umgang mit der digitalen Welt ist er mein Betreuer und Lehrer.
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1981 bekam ich sogar eine Planstelle beim WDR
1981 zog der WDR die Konsequenzen aus meinen Lehrtätigkeiten. Weil der Bedarf an Aus-, Fort- und Weiterbildung anstieg, wurde, auf mich zugeschnitten, eine neue Planstelle geschaffen. Als 1. Kameramann wurde die Ausbildung der Kameravolontäre, die Weiterbildung der Kameraleute und später ihre Umschulung von Film- zu Video-Kameramännern meine Hauptaufgabe. Um meine Glaubwürdigkeit als Ausbilder zu erhalten, wurde vereinbart, dass ich für zwei Filme pro Jahr die Bürotätigkeiten unterbrechen darf.
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Es folgte mit 1982 ein interessantes Jahr
Zu meiner Fort- und Weiterbildung wurde ich vier Wochen zur Bavaria-Film nach München entsandt. In Köln musste ich viele Stunden in langweiligen Sitzungen verbringen. Es gab Besseres.
Auf internationalen Tagungen in Paris und Genf durfte ich die kamerabezüglichen Interessen der ARD verteidigen. Es ging um die in Europa in Gang befindliche Umstellung der Reportage-Teams vom 16mm-Film auf das neue "Video-ENG" (Electronic News Gathering).
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Als Ausbilder im Baskenland
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Mai 1982 - Lust auf vier Wochen Spanien ?
Nach dem Tod des spanischen Diktators Franco erreichten nach jahrelangen Kämpfen die Basken, bis dahin eine spanische Provinz, eine Art Teil-Souveränität als „Autonome Gemeinschaft Baskenland". Vitoria, auf baskisch Gasteiz, wurde die neue Hauptstadt und Sitz einer baskischen Regierung. Auf dem Regierungsbau wehte stolz die Baskenfahne, an Gedenktagen ertönte eine Baskenhymne.
Eins grämte die Basken: Das empfangbare Fernsehprogramm, ein halbstaatliches, war spanisch und kam aus Madrid. Die Regierung beschloss die Gründung eines eigenen baskischen Fernsehens.
Und das keinesfalls in Zusammenarbeit mit den verhassten Spaniern. Die Basken beauftragten Studio Hamburg, Deutschlands größten Dienstleister für Film und Fernsehen, alle nötigen technischen und gestaltungstechnischen Voraussetzungen in Vitoria zu schaffen.
Im Mai 1982 klingelte mein Büro-Telefon. Chefkameramann Walter H. Schmitt fragte, ob ich Lust auf vier Wochen Spanien hätte. Dort müssten Journalisten den Umgang mit Video-Kameras und dem neuen Aufzeichnungsverfahren U-matic highband-System lernen. Einen Monat unbezahlten Urlaub würde er genehmigen.
Mein Honorar müsste ich mit Studio Hamburg aushandeln. Mit denen einigte ich mich schnell.
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Was ist zu tun im Baskenland ?
Rückfragen bezüglich meiner Tätigkeit im Baskenland könnten sie aber nicht beantworten. Ihr Studioleiter, ein Österreicher, sei seit Monaten vor Ort. Der sei mein Partner. Nach der Landung auf dem Flugplatz in Vitoria erwartete und begrüßte mich dieser österreichische "Studio-Hamburg-Mann".
Er war schlecht gelaunt. Ich käme zu spät. Zeit wäre keine mehr. In zwanzig Minuten müsse er in die Maschine nach Wien steigen. Längst sei er urlaubsreif. Auf die Frage, wer sein Nachfolger sei, sagte er „Natürlich Sie".
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Jetzt war ich Studioleiter - in Minuten- und das auf spanisch
„Und die sprachliche Verständigung?"„Keine Angst, Herr Romboy, alle Basken sprechen auch spanisch."
Von mir kam „Aber ich nicht!" Er sagte, schlecht, aber das sei mein Problem. Er hätte als eine der Voraussetzungen für seinen Nachfolger fließende Spanischkenntnisse verlangt. Irgendwo, ob in Wort oder Schrift, war das auf dem Weg von Vitoria über Hamburg nach Köln verloren gegangen.
Gerätebedienung müsse ich nicht schulen. Das hätte vierzehn Tage lang ein Techniker von Sony gemacht. Formlose Übergabe.
„Hier der Schlüsselbund für die Studioräume. Zeigen Sie im Büro im Regierungsbau dem Pförtner den Schlüsselbund. Der zeigt Ihnen den Weg. Beinahe hätte ich vergessen, Ihnen Autopapiere und Schlüssel zu geben. Als Dienstwagen wartet auf Sie eine schwarze Renault-Limousine. Die steht drüben auf dem Parkplatz. Sie haben ja das Kennzeichen. Ach so, die Studio-Adresse. Hier habe ich sie aufgeschrieben. Lassen Sie sich von einem Taxi gegen Vorkasse den Weg zeigen. Sie fahren einfach hinterher. Sorry, mein Flieger wird aufgerufen. Auf Wiedersehen!"
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Es war Samstag und ich hatte Sprachdefizite
In den Studioräumen erwartete mich zur Begrüßung ein Regierungsbeamter. Der erkannte meine Sprachdefizite und vereinbarte einen Treff am Montag mit einem deutschem Dolmetscher. Im Hotel angekommen, konnte ich weder essen noch trinken. Meine Hände zitterten. Mir brach der kalte Schweiß aus.
Was soll ich hier? Wem soll ich was beibringen? Und das alles, ohne meine blumige Sprache verwenden zu können. Nach dem Abendessen und einigen Gläsern süßen Negros kam ich zu der Erkenntnis: Mich kann nur noch Vera retten. In einem langen Nachtgespräch vergatterte ich die Tüchtige, mir per Luftfracht mein gesamtes Lehrmaterial zu schicken.
Das bestand aus zehn unvertonten von mir hergestellten 16mm-Filmen mit den Titeln: „Die Objektivität der Objektive", „Bildentwurf und Bildgestaltung", „Richtiges Beleuchten und Belichten", „Wirkung von Weichzeichnern und Effektfiltern" und „Besondere Aufnahmeverfahren" usw..
Außerdem benötigte ich zwei Ordner mit Schriftstücken. Vor jeder Vorlesung verfasste ich ein Manuskript, das alle wichtigen Inhalte der Veranstaltung enthielt. Am Schluss verteilte ich Fotokopien meiner Vorträge.
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Ich wollte Zuhörer, keine Mitschreiber
Schon am Montag konnte ich den baskischen Kontaktmann darum bitten, den Inhalt meiner Ordner einem Obersetzungsbüro zu übergeben. Als ich am Montag meinen Kursanten vorgestellt wurde, hatte ich wieder normalen Blutdruck und Herzschlag.
Über den Dolmetscher erläuterte ich das Ausbildungsprogramm: die Qualifizierung von Video-Journalisten in Bildgestaltung, Personenausleuchtung.
Außerdem würde es um qualifiziertes Reportage-Arbeiten auch ohne Stativ gehen und schnittreifes Drehen. Es folgte begeisterte Zustimmung. Mein fehlendes Spanisch würde durch spanische Manuskripte ausgeglichen werden. Ansonsten könnte ich mit der Kamera auf der Schulter alles vormachen. Es wäre live oder als Aufzeichnung sofort auf dem Monitor sieht- und diskutierbar.
In den nachfolgenden vier Wochen musste ich selten um einen Dolmetscher bitten. Was ich lehrte, hatte ich als Filmjournalist und Reportage-Kameramann von der Pike auf in zwanzig Jahren Tagesschau-Arbeit gelernt.
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Auf Spanisch konnte ich nur die Zahlen aufrufen
Gleich zu Beginn lag vor jedem Kursanten ein mit Ordnungszahlen versehenes spanisches Schriftstück. Wenn ich aufrief: „Prueba de Muestra uno, dos, qua-tro oder cinco" konnte jeder nachlesen, um was es ging.
Darüber hinaus gab es den Monitor und meine 16mm-Filme. Meine Hörer waren elf Männer und eine Frau im Alterzwischen zwanzig und dreißig Jahren. Als tätige Zeitungsjournalisten oder Pressefotografen waren sie über ein Inserat der Regierung zum Fernsehen gekommen. Unsere Zusammenarbeit war ein Vergnügen.
Sie waren nämlich neugierig und wollten alles wissen und ausprobieren. Als ich nach zweieinhalb Wochen mit meinem „Grundlatein" am Ende war, schlug ich meiner Mannschaft eine Abschlussarbeit vor: „Für eingeladene Regierungsmitglieder fahren wir live eine zwanzig Minuten lange Nachrichtensendung mit Wetterbericht und fiktiven Lottozahlen."
Alle waren begeistert. Ich ließ Teams bilden und schickte sie nach einer morgendlichen Redaktionskonferenz zu Themen und Drehorten, die wir baskischen Zeitungen entnahmen. Ich war in Personalunion Chefredakteur, Disponent, Cutter und Ablaufregisseur. Zu wenig. Ich wurde zum „Intendanten" der ersten Sendung des baskischen Fernsehens, die zwar aufgezeichnet, aber nie gesendet wurde.
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Meine Baskengeschichte - „Natürlich, Romboys neue Abenteuer!"
Zwanzig Regierungsmitglieder, die im kleinen Konferenzsaal vor den von uns aufgestellten Monitoren saßen, applaudierten uns „Programm-Pionieren". Außer uns Männern und einer Frau der ersten Stunde gab es noch keine Mitarbeiter des baskischen Fernsehens. Für meine letzte Spanienwoche hatte Vera zehn Tage Jahresurlaub geopfert und war ins Baskenland gekommen, auch um mir zu helfen.
Es war sogar der Wunsch der Regierungsleute, auch dafür hatte ich das Auto und einen Stapel Benzingutscheine erhalten, damit ich in meiner Freizeit das schöne Baskenland kennenlerne. Wir fuhren nach Bilbao und in andere Städte und bewunderten vor allem die schönen Jugendstilbauten. Wir waren inzwischen ein verheiratetes Liebespaar.
Für Vera und mich arrangierten die Kursanten eine opulente Abschiedsfeier. Alle standen auf dem Bahnsteig, als wir den Zug nach Madrid bestiegen. Im WDR wollte niemand meine Baskengeschichte hören. „Natürlich, Romboys neue Abenteuer!"
Wenige Monate später wollte Studio Hamburg mich noch einmal für länger nach Vitoria schicken. Die Basken hätten nach mir verlangt.
Aber zu diesem Zeitpunkt war klar, ich würde demnächst für den WDR nach Moskau gehen. Doch das ist wieder eine andere Geschichte.
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Kapverden und Florenz
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Die Kapverden, eine Inselgruppe im Atlantischen Ozean
Vom 4.-24. Mai 1978 arbeiteten Hartmut Pitsch und ich mit und für Peter Bauer an einem Film über die unlängst unabhängig gewordenen Kapverden, einer Inselgruppe im Atlantischen Ozean, sechshundert Kilometer vor der Küste Westafrikas.
Geplanter Titel: „Ein Land im Jahre drei." Mit großem Interesse sahen und erlebten wir die so unterschiedlichen Eilande. Die Insel Sal, fast nur eine flache Wüste, die Insel Santo Antoa mit exotischen Bergwelten bis zweitausend Meter hoch und Fogo, übersetzt Feuer, die Insel mit einem noch aktiven Vulkan.
Unser größtes Abenteuer: Auf der Fähre unterwegs zu einer anderen Kapverden-Insel versagten die Maschinen unseres Schiffs. Im stürmischen Atlantischen Ozean waren wir über Stunden den Wellen ausgesetzt. Auch die Funkanlage war gestört.
Der Kapitän setzte die SOS-Flagge und suchte mit meinem Fernglas, seines war defekt, den Horizont nach möglichen Rettern ab. Die Passagiere standen an der Reling und opferten Neptun. Endlich erschienen zwei Schlepper, die uns in den rettenden Hafen zogen.
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1979 folgten zwanzig Tage in Florenz
Thema: der Ciompi-Aufstand der Weber und Wollarbeiter im vierzehnten Jahrhundert. Außerdem Rathaus, der Kathedrale und der berühmten Steinbrücke über den Arno gab es keine Altstadtbauen aus dieser Zeit.
Doch wir filmten Michelangelos David, das Palazzo Pitti und in den Offizien Botticellis „Geburt der Venus" und Da Vincis „Verkündigung". In Bologna galt es, die „ Geschlechtertürme" abzulichten.
Mein Autor, ein Geschichtswissenschaftler, hatte bisher nur Dia-Vorträge gehalten. Am Palazzo Vecchio sagte er mir: „Dieses Gebäude brauche ich als Ganz-Bild eine Minute."
Als ich nach dieser Totalen anfing, Gebäude-Details aufzunehmen, war er empört und warf mir vor, ich würde den Palazzo zerstückeln. Gegen seinen Willen arbeitete ich für seine Redaktion und die Cutterinnen im Schneideraum. Einen Dia-Vortrag hätte man mir, nicht ihm, vor die Füße geworfen.
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Als letzte Stange „Dunhill" aufgebraucht war .....
Diese Florenz-Reise wurde aus einem trivialen Grund Meilenstein meines Lebens. Von einem Tag auf den anderen musste ich meine Raucher-Orgien einstellen. Vier Tage vor der Rückreise war meine letzte Stange „Dunhill" aufgebraucht. Meine Zigaretten-Sorte war in Florenzer Läden nicht vertreten. Ich entschied, erst in Köln, wenn „Dunhill" verfügbar ist, wird wieder geraucht.
Angst vor der Rückfahrt. Eintausenddreihundert Kilometer Wegstrecke
bis Köln am Steuer ohne Zigaretten, werde ich das überleben? Es gab keine Probleme. Im Gegenteil, zum ersten Mal eine lange Fahrt ohne Müdigkeitsanfälle und Kopfschmerzen. Ich beschloss, meine Nichtraucherzeit zu verlängern, zur Freude meiner Partnerin, die Zigarettenrauch hasste.
Wenn ich die „Zigarette danach" anzündete, floh sie aus meinen Armen. Als Gesandte des Teufels erschien am Tage der Rückkehr meine liebe Mutter mit sechs Stangen „Dunhill"in der Einkaufstasche. „Als Du weg warst, wurden, wie angekündigt, die Zigarettenpreise erheblich erhöht. Diese Packen konnte ich noch zum alten Preis ergattern. Zu meiner Beruhigung lagen sie ab da im Schrank. Ich wusste, die Entscheidung, wieder anzufangen, liegt bei mir. Ein Jahr später habe ich die „Dunhills" mit ihren schönen rotgoldenen Schachteln verschenkt. Das war vor über vierzig Jahren. Als Rückfälliger wäre ich, jetzt im fünfundachtzigsten Lebensjahr stehend, kaum in der Lage gewesen, diese „Dunhill-Geschichte" aufzuschreiben.
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1980 - Die Fahrt nach Bergen-Belsen
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„Bewältigte Vergangenheit? - KZ-Gedenkstätten heute"
Hätte man mich damals in der Schule als Zwölfjährigen danach gefragt, alle hätte ich sie aufzählen können, die Konzentrationslager der Nazis. Auschwitz, Buchenwald, Bergen-Belsen, Dachau, Mauthausen, Sachsenhausen und so fort.
In der DDR aufgewachsen, wurde ich nahezu täglich damit konfrontiert. Ob in der Schulklasse, den Schaufenstern vom Bäcker bis zum Gemüseladen, überall hingen Bilder oder standen Büsten des Kommunistenführers Ernst Thälmann mit dem Hinweis: ermordet im KZ Buchenwald.
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Dr. Ernst Klinnert plante einen Film
WDR-Redakteur Dr. Ernst Klinnert plante einen Film unter dem Arbeitstitel „Bewältigte Vergangenheit? - KZ-Gedenkstätten heute". Voller Interesse, an diesen geschichtsträchtigen Plätzen filmen zu dürfen, fuhr ich im Mai 1980 nach Bergen-Belsen. Natürlich mit meinem Assistenten Hartmut Pitsch. Diesmal war auch ein Tontechniker dabei.
Vorgesehen waren zwanzig Drehtage. Vor dem Eingang der Gedenkstätte lernte ich den Autor Dr. Klinnert kennen. Nach der Begrüßung erkannten wir lächelnd einen ersten gemeinsamen Nenner: Er und ich waren Bartträger. Später erkannten wir, dass uns Wichtigeres verband.
Ohne lange Vorbesprechung ließ ich mir von Hartmut Pitsch Kamera und Stativ geben und fing an, selbstverständlich Notwendiges zu drehen. Das Eingangsgebäude total und halbnah, mit und ohne Personen. Einen ankommenden Bus und das Gedenkstättenschild. Alles war sonnenbeleuchtet, noch dazu im richtigen Winkel. Schon am Nachmittag
wäre Regen möglich.
Mein Autor war etwas konsterniert. Er war gewohnt, in längeren Vorgesprächen seine Bildvorstellungen vorzutragen. Bei vielen meiner Kollegen war das auch notwendig. Was für Bilder einem vorgegebenen Thema gerecht würden, wusste ich, wartete keinesfalls, bis ein Reporter mir sagte, die Kamera soll hier stehen, sondern fragte: „Was wollen Sie mit den Bildern aussagen?"
Im weiteren Verlauf unserer Dreharbeiten haben wir natürlich Vorgespräche geführt, es sei denn, es ging um den Sonnenwinkel, dann lief ich ihm mit der Kamera davon und drehte. Erst danach erfuhr er, was ich aufgenommen hatte, verbunden mit der Frage, was er noch zusätzlich brauchte.
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Das KZ Bergen-Belsen
Im Lager Bergen-Belsen starben und ruhen sechzigtausend Menschen aller Nationen, unter vielen anderen die durch ihr Tagebuch berühmt gewordene Anne Frank. Das Gelände wirkte damals wie eine Heidelandschaft, umsäumt von idyllischen Birkenwäldern.
Würden nicht ab und zu bescheidene Gedenksteine verkünden: „Hier ruhen 1400 Menschen, hier 800, da 1200", könnte es ein beliebiger Stadtpark sein. Sehr im Hintergrund ein Obelisk und eine Bruchsteinmauer mit Gedenkstättenbeschriftung.
Die Baracken der KZ-Zeit hatten die befreienden Engländer wegen Seuchengefahr mit Flammenwerfern angezündet. Natürlich gibt es ein Eingangsgebäude mit Ausstellungsfotos, aber die will nicht jeder Besucher sehen.
Es gibt Bilder mit LKW voller Leichen, die von den ehemaligen SS-Bewachern in Massengräber geworfen wurden. Durch die Heidelandschaft schoben Frauen unter Vogelgezwitscher ihre Kinderwagen. Ich verstand Klinnerts Frage nach der bewältigten Vergangenheit!
Eindrucksvoller: Flossenbürg
Viele Gebäude aus der NS-Zeit waren erhalten geblieben: der Sezierraum, die Gaskammer und das Krematorium. Hier starben am Galgen oder durch Genickschuss die Widerstandskämpfer Generalmajor Hans Oster, Admiral Canaris, Pastor Dietrich Bonhoeffer und der Hitler-Attentäter von 1939, Georg Eiser. Erst wenige Tage vorher hatte man diese Häftlinge aus anderen Konzentrationslagern nach Flossenbürg verlegt. Außer ihnen starben hier 21.000 Menschen.
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Die KZ-Gedenkstätte Dachau
Die KZ-Gedenkstätte Dachau wirkte nicht sehr eindrucksvoll. Außer dem schmiedeeisernen Eingangstor mit den Buchstaben „Arbeit macht frei" gab es aus der NS-Zeit wenig Lagergebäude. Auch wir wollten, wie viele Journalisten vor uns, die Gaskammer filmen. Unser Kontaktmann zur Gedenkstätte riet ab. Hier wäre nie ein Mensch gestorben.
„Wieso, weshalb, warum?" Er zuckte mit den Schultern. Später erzählten uns Einheimische, dass diese Gaskammer deutsche Kriegsgefangene nach dem Einmarsch der Amerikaner bauen mussten, weil Film- und Fotojournalisten aus aller Welt eine sehen und zeigen wollten. Die Leichenberge, später Fotos von ihnen, reichten nicht. Eine mögliche Erklärung. Doch von uns nicht überprüfbar. Auch in Dachau wurden die Baracken wegen Baufälligkeit abgerissen.
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Viele Schüler aus den Schulklassen konnten damit nichts anfangen
Wir fanden gut, vielen Schulklassen zu begegnen. Nach Besichtigung der eindrucksvollen Ausstellung stürmte eine Gruppe Schüler über den „mörderischen" Appellplatz mit dem Ruf: „Deutschland vor, noch ein Tor!" Für sie, in den sechziger Jahren geboren, war die Hitler-Zeit so weit entfernt wie die Napoleons oder der Friedrich des Großen.
Als Gefängnis im Gefängnis diente in Dachau der sogenannte Zellenbau, von den KZ-lern Bunker genannt. Unzählige Gefangene wurden hier gefoltert und getötet. Bis viele Jahre nach Kriegsende nutzten die Amerikaner diese Zellen als Militärgefängnis für US-Soldaten. „Es ist nicht nur Geld, das nicht stinkt!" So kommentierte diesen Sachverhalt Klinnert in unserem Film. In Dachau starben 41.000 Menschen.
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Das österreichische KZ Mauthausen
Mich beeindruckte besonders die österreichische Gedenkstätte in Mauthausen. Die meisten NS-Gebäude waren erhalten, vom Lagerbordell über die Galgen bis zum Krematorium. Auch den Steinbruch mit seiner Todestreppe konnte man besichtigen. Bei meinen Aufnahmen in der Gaskammer fühlte ich mich pietätlos. Beim Einleuchten wurde ich unterbrochen. Obligatorisch mussten alle Maturanten (Abiturienten) vor dem Schulabschluss Mauthausen besuchen.
Siebzehn- bis neunzehnjährige Jungen und Mädchen betraten den Raum. Als sie „Gaskammer" lasen, begannen sie einen „lustigen Gas-Tanz" mit Röcheln und Erstickungsanzeichen. Gegenseitig drückten sie sich die Hälse zu. Einige Mädchen erzeugten Kaugummiblasen. Wenn die platzten, skandierten alle „Gas, Gas, Gas". Meine grenzenlose Empörung musste ich dem sie begleitenden älteren Hofrat mitteilen. Der wiegelte ab. „Schaun's, für die Schüler ist das so, als würden sie eine mittelalterliche Folterkammer besichtigen. Sie meinen, mit ihrem Leben und Denken hätte das alles nichts zu tun." In Mauthausen starben 90.000 Menschen.
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DDR-Gedenkstätte Buchenwald
Die weitere Reise war vor allem für meine Mitarbeiter das "Abenteuer DDR". Die Lebensverhältnisse im realen Sozialismus kannten sie nur aus der Zeitung. Beim Abendspaziergang in Erfurt standen wir unter der Neon-Reklame „HO Fleisch- und Wurstwaren". Auf der Kühlschlange ein Behälter mit Schweinefüßen. Ein anderer enthielt magere Hähnchenkörper. Beide verziert mit Papierfähnchen, die das DDR-Emblem zeigten. Daneben eine Pyramide aus schon leicht angerosteten Wurstdosen. Naiv fragte mich mein Tonmann „Warum bleiben die Leute dann hier?"
Für alle DDR-Aufnahmen hatte man uns einen „Aufnahmeleiter" (oder besser einen Aufpasser) aufs Auge gedrückt. Den mussten wir bezahlen, doch sein Arbeitgeber war das Ministerium für Staatssicherheit der DDR.
Die Nazis hatten ihr KZ Buchenwald 1937 auf dem schönen Ettersberg errichtet. Die Goethe-Stadt Weimar lag dem KZ zu Füßen.
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Die DDR-Version der Historie
Die ersten Kontroversen ergaben sich, als Klinnert von der Befreiung der Häftlinge durch amerikanische Truppen sprach.
Die DDR-Funktionäre stellten das in Abrede. Unter Führung eingekerkerter Kommunisten hätten die Häftlinge die letzten SS-Bewacher besiegt und sich selbst befreit. Nach der Häftlingsbefreiung hatten die Amerikaner die Bewohner Weimars gezwungen, das KZ, die ausgemergelten und toten Häftlinge anzusehen.
Männer und Frauen der Goethe-Stadt sollten erleben, was sie geduldet und wovon sie auch profitiert hatten. Für die SED-Funktionäre wurde Weimar erst durch den Einmarsch der Roten Armee im Juli 1945 befreit.
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Der Nazi-Spruch von damals : „Jedem das Seine"
Erhalten war in Buchenwald das mit roten Backsteinen verblendete Lagertor-Gebäude. Auch hier eine schmiedeeiserne Tür mit den Buchstaben „Jedem das Seine". Es gab noch den Zellenbau und das Krematorium als besondere Kultstätte. Hier hatte die SS den seit 1933 inhaftierten Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Deutschlands, Ernst Thälmann, im August 1944 exekutiert.
1958 eröffnete SED-Chef Walter Ulbricht unterhalb der KZ-Anlage ein bombastisches Denk- und Mahnmal mit einem die Landschaft überragenden Glockenturm. Eine Figurengruppe feiert die kommunistischen Widerstandskämpfer. In Buchenwald starben 56.000 Menschen.
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Aus dem KZ machten die Russen das „Speziallager 2"
Als die letzten Häftlinge das KZ verlassen hatten, wurde es umbenannt und hieß jetzt „Speziallager 2". Im August 1945 lieferten die sowjetischen Geheimdienste ihre ersten Gefangenen ein.
Nach einigen Jahren waren es 28.000. Es traf Schuldige und Unschuldige. Wie bei den Nazis. Ohne Gerichtsverhandlung. 1950 übernahm die DDR-Justiz dieses Lager. Im „Speziallager 2" Buchenwald starben 7.000 Menschen.
Bezüglich der Weiternutzung Buchenwalds: Klinnert hatte recht. Es ist nicht nur Geld, was nicht stinkt.
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Die Gedenkstätte Sachsenhausen bei Berlin
In der Gedenkstätte Sachsenhausen bei Berlin begegneten wir wieder einem schmiedeeisernen Tor mit den Buchstaben „Arbeit macht frei". Wenige alte Bauten waren erhalten. Wir filmten im Gelände die Vereidigung von Soldaten der DDR-Volksarmee. Junge Wehrpflichtige mussten an dieser Mordstätte einer Diktatur der neuen Diktatur der deutschen Kommunisten Gehorsam und Treue schwören. In Sachsenhausen starben 30.000 Menschen.
Auch aus Sachsenhausen wurde 1945 ein Speziallager des sowjetischen NKWD. Bis zur Auflösung 1950 waren dort 60.000 Schuldige und Unschuldige inhaftiert. Im „Speziallager 7"starben 12.000 Menschen. Unter ihnen der Theater- und Filmschauspieler Heinrich George, einer der größten seiner Zeit.
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Ernst Klinnert und ich waren Kriegskinder
Während der Aufnahmen zu diesem Film lernte ich Ernst Klinnert näher kennen. Er, der sechs jähre Altere, war wie ich Kriegskind und wie ich aus der DDR in den Westen geflohen. Unseren beruflichen Aufstieg verdankten wir neben der eigenen Beharrlichkeit dem WDR.
An Klinnert schätzte ich seine umfassende Bildung und seine Belesenheit. Die vermisste ich bei vielen Autoren und Redakteuren, mit denen ich bisher gearbeitet hatte. In abendlichen Gesprächen an den Drehorten entwickelte sich langsam eine kollegiale Freundschaft. Diese überdauerte die Zeit. Nach unseren Pensionierungen blieben wir bis heute in privatem Kontakt.
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August 1982 - Mit Klinnert in den Dolomiten
Klinnert war begeisterter Bergsteiger, bisweilen auch Bergfilmer. Es lag nahe, dass er mich fragte, ob ich Lust hätte, mit ihm und einer kleinen Gruppe von Bergfreunden den Dolomitenhöhenweg Nr. 6 zu erwandern.
Natürlich um darüber einen Film zu drehen. Als Assistenten und Ton mann wählte ich Hermann Wocke aus. Er war im WDR für seine Sportlichkeit bekannt. Klinnert steuerte einen weiteren Assistenten bei, sagen wir mal, als „Bodenpersonal mit Bergverpflichtung".
Mit meinem Dienstwagen, der mit Akku-Ladegeräten und neuen Filmrollen ausgestattet war, steuerte dieser Assistent abgesprochene Versorgungspunkte an, stieg zu Berghütten oder markanten Treffpunkten auf. Er übergab uns geladene Akkus und neue Filme (oder waren es schon Video-Kassetten ? wie auf den Fotos), wir gaben ihm das Gefilmte und die leeren Akkus zum Laden. Eine schwierige Organisationsarbeit vor Erfindung des Handys.
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Der "Weg der Stille"
Dieser Dolomitenhöhenweg von Sappada nach Vittorio Veneto führt durch eine der einsamsten Regionen der Ost-Alpen. Man nennt ihn auch Weg der Stille. Wegen seiner großen Höhenunterschiede gilt er als anstrengend. Auf dieser Route gab es wenig Hütten. Oft musste unter freiem Himmel biwakiert werden.
Der Weg führt durch die schönsten Teile der Dolomiten. Unsere Gruppe startete am 11. August 1982, unser erstes Ziel war die Unterkunft Refugio Fratelli de Gaspari. Nach zwölf Stunden Wanderung, unterbrochen von sehr kurzen Filmpausen, übermannte uns schnell der Schlaf.
Trotz aller Anstrengungen war ich selig, auf den Spuren berühmter Kamera-Bergkollegen wie Richard Angst, Hans Ertl und Hans Schneeberger unterwegs zu sein und filmen zu dürfen. Über die Schönheit der Dolomiten haben Bessere als ich geschrieben. Sprechen wir über meine Probleme.
Unsere Bergmannschaft, an der Spitze der gut trainierte Ernst Klinnert, stapfte munter voran. Sie wollte Vorgaben in Zeit und Strecke, so wie sie in Begleitheften standen, erfüllen. Natürlich soll gefilmt werden. Aber ohne die Gruppe groß aufzuhalten.
Bei jeder Rast nahmen meine „Berghelden" erschöpft Platz und während ich wie besessen filmte, riefen sie mir zu „Manfred, essen und trinken nicht vergessen". Schnell mahnte Klinnert zum Aufbruch: „ Wir liegen nicht mehr in der Zeit, und unsere Muskeln werden kalt. Ach so, noch fünf Minuten für den Manfred. Keine Angst, wir werden noch schönere Motive finden."
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Ein Abenteuer hinter Felswänden - Ende gut, alles gut!
Selten erreichten wir Berghütten, öfters biwakierten wir hinter Felswänden und überlebten bei einer Tour, die unfreiwillig in die Nacht ging, Absturzgefahren. Beinahe wäre alles an mir gescheitert. Bei einem langen Aufstieg blieb ich weiter als sonst zurück. Solange ich sichtbar war, hatte das bisher niemanden gestört. Zwanzig Minuten nach den anderen erreichte ich die einsame Berghütte, verweigerte das Essen und schlief sofort auf dem Strohsack ein.
Nach geraumer Zeit sah Klinnert meinen roten Kopf und das kranke Gesicht. Ein Fieberthermometer zeigte neununddreißig Grad. Mit Hilfe eines Löffelstiels wurde in meinen Hals geschaut.
Diagnose: Eiterpusteln auf beiden Mandeln. Im Fieberschlaf hörte ich noch Klinnert sagen: „Männer, damit ist der Film zu Ende. Aber wie kriegen wir den Kerl nach unten?" Nach zwölf Stunden Tiefschlaf erwachte ich fieberfrei, doch mit großen Schluckbeschwerden und entschied, wir gehen und filmen weiter, aber alles etwas langsamer.
Schließlich kannte ich meinen Körper und im Besonderen den Hals. Wir plünderten die Hütten-Apotheke und erreichten nach Tagen weiterfilmend unser Ziel Vittorio Veneto am Fuß der Dolomiten. Ende gut, alles gut!
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Meine geliebte Vera holte mich dort ab
Außer meinem Auto erwartete mich in Vittorio Veneto auch meine Geliebte und Ehefrau Vera. Ihr hatte ich einen Abstecher nach Venedig und eine wunderschöne Autorückfahrt über Cortina d'Ampezzo durch die Dolomiten versprochen. Abgesehen von der Schönheit Venedigs erinnern wir uns daran, dort für zwei Eisbecher sechsundvierzig DM gelöhnt zu haben.
Dafür konnte man damals einen Fotoapparat kaufen. Weiter mit dem Auto über die Bergpässe der Dolomiten. Seit diesem Tag behauptet Vera steif und fest, die Bergwelten der Dolomiten seien eine Erfindung des italienischen Ministeriums für Tourismus. Sie könne bezeugen, dass in stundenlanger Fahrt links und rechts nur weißer Nebel zusehen war
