Juni 2026 - Das ist der Anfang der unfertigen Seiten - erst mal alle Texte korrigiert - die saubere Strukturierung und die über 500 Bilder kommen noch - es geht weiter - jede Nacht ....
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Es geht von Berlin (West) nach Westdeutschland
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1960 - Mein Abschied von den Eltern - noch in Westberlin
Zum Abschied waren meine Eltern nach Westberlin gekommen. Im Tiergarten umarmte ich sie ein letztes Mal. Mit mir war ihr letztes Kind in den Westen gegangen.
Erst sechs Jahre später, kurz vor dem Tod meines Vaters, konnten wir uns in Köln wiedersehen. Die Eltern waren inzwischen Rentner. Die verlogene DDR hätte es gern gesehen, wenn sie ihre Rentenkasse nicht weiter belastet hätten.
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Per Flugzeug - einem ungewissen Schicksal entgegen
Am 25 März 1960 flog ich in einer Maschine der „British Airways" nach Westdeutschland - einem ungewissen Schicksal entgegen. Auf dem Flug nach Düsseldorf erfüllte mich eine tiefe Dankbarkeit gegenüber der Bundesrepublik.
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Meine Beurteilung der Zustände heute in 2021
Ich war kein Asylant, sondern als Deutscher in Deutschland aufenthaltsberechtigt. Aber diese Bundesrepublik hatte mir in Westberlin sofort ein Dach über dem Kopf, ein Bett, Gemeinschaftsverpflegung und pro Tag sechzig Pfennig Taschengeld geboten. Auch gebrauchte Kleidung hätte ich empfangen können.
- Mir fehlt inzwischen jedes Verständnis für heutige „Gutmenschen" und deren Organisationen, die solche bescheidenen Leistungen für Flüchtlinge, die bei uns Asyl suchen, als Angriff auf deren Menschenwürde tadeln und stattdessen mittelhohe Geldbeträge einfordern.
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Erstmal besuchte ich meinen Bruder Wolfgang
Zusammen mit meinem Flugschein hatte man mir eine Bundesbahn-Fahrkarte in die Hand gedrückt, die zur Weiterfahrt ins nordrhein-westfälische Flüchtlingslager Wickrath in der Nähe von Mönchengladbach berechtigte.
Nach kurzem Aufenthalt suchte ich Kontakt zu meinem Bruder Wolfgang, der als Bergmann unter Tage im Aachener Revier seit 1948 zuhause war. Wenig später durfte ich bei ihm einziehen. Die Stimmung in seiner kleinen Merksteiner Bergarbeiterwohnung war trostlos.
Er, frisch geschieden, nur noch teilmöbliert, war arm wie eine Kirchenmaus. Die Verflossene hatte selbst Gardinen, Vorhänge und Kochtöpfe mitgenommen. Und jetzt kam noch ein zusätzlicher „Fresser". Gesetzlich stand mir Arbeitslosengeld zu. Das wurde mir vom Arbeitsamt verweigert.
Nach meiner schriftlichen Selbstauskunft wäre ich weder blind, taub, halb- oder vollamputiert und kein Epileptiker. Mit meinen obendrein jugendlichen vierundzwanzig Jahren könnte man mich sofort vermitteln. Zur Auswahl standen Bergarbeiter, Fabrikarbeiter, Straßenbauarbeiter, Müllmann oder Hilfskellner.
Etwas anderes hätten sie nicht anzubieten. Ich wäre ungelernter Arbeiter, da mir ein Facharbeiterbrief fehle. Kameramann sei kein anerkannter Beruf, sondern wie Komiker eine Tätigkeit.
Nach zahllosen Bittgängen bis zum Leiter des Aachener Arbeitsamtes wurden mir eine Woche Arbeitslosengeld in Höhe von vierzig DM zugebilligt, zur Kontaktaufnahme mit Filmgesellschaften. Danach wäre aber Schluss.
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Dann ein Termin bei Chefkameramann Walter H. Schmitt
Über den SFB hatte ich Kontakt mit dem Westdeutschen Rundfunk aufgenommen und erhielt einen Termin bei Chefkameramann Walter H. Schmitt. So fuhr ich mit dem Bus, den Fahrschein musste mein armer Bruder bezahlen, ins sechzig Kilometer entfernte Köln. Freundliche Begrüßung: „Ja, der Rautenfeld hat mir erzählt, Sie wären bei der DEFA gewesen. Wie geht es meinen ehemaligen Kameraden Erwin Anders, Walter Fehdmer und Götz Neumann?
Wir waren ja alle bei der „PK" (Propagandakompanie). Die beim Heer, ich bei der Luftwaffe. Und was macht der Werner Bergmann, dem armen Kerl haben die Russen glatt den Arm samt der „Arriflex"-Kamera abgeschossen, als er mit einem Sturmgeschütz an der Front war." Ich erzählte und fragte bezüglich Anstellung.
„Herr Romboy, Männer Ihrer Ausbildung, zum Beispiel der Filmschule, so was gibt es in Westdeutschland überhaupt nicht. Und dann noch sechs Jahre Spielfilmerfahrung. Genau solche Leute braucht unser junges Fernsehen. Außer zwei, drei ehemaligen ,PK'-Leuten musste ich Zeitungsreporter, Fotografen und Fotoverkäufer als Kameramänner nehmen. Doch im Moment habe ich absolute Einstellungssperre. In Erwartung, dass die ARD das Zweite Deutsche Fernsehen produzieren wird, habe ich viel zu viel Kamerapersonal eingekauft. Und jetzt wurde politisch anders entschieden. Lassen Sie bei Frau Mehnert Ihre Adresse. Ich will Sie auf jeden Fall haben. Aber erst 1961 oder 62, vorher darf ich nicht. Schauen Sie sich doch erst einmal in Westdeutschland um. Das kann doch nicht schaden. Auf Wiedersehen!"
Alle theoretisch möglichen Arbeitgeber - es waren eh' nur wenige - hatten inzwischen per Post oder nach einer Telefonanfrage abgesagt. Was nun?
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Ein schwerer Anfang - in Köln-Kalk - aber als Autogenbrenner
Punkt eins: Ich musste sofort Geld verdienen. Punkt zwei: Ein Quartier in Köln, falls der WDR, meine letzte Hoffnung, sich früher als erwähnt melden würde.
Also her mit den Stellenangeboten der Kölner Zeitungen. Schnell wurde ich fündig. Stahlbau Albert Liesegang in Köln-Kalk sucht dringend Autogenbrenner. Möblierte Zimmer werden bei Bedarf gestellt. Glücklicherweise hatte ich 1950 in der Schlosserlehre Autogenschweißen und -brennen gelernt. Also nichts wie hin.
Mit Bruder Wolfgangs Moped fuhr ich nach Köln und erfreute die Personalabteilung der Stahlbau-Firma durch mein Vorsprechen. Keine Frage nach Zeugnissen oder anderen Papieren, nur die eine: „Können Sie schon morgen anfangen?"
„Kein Problem. Aber, ich brauche ein Zimmer."„Das vermittelt Ihnen morgen unser Sozialbeauftragter." Pünktlich um sieben Uhr meldete ich mich zum Dienst. Vom Meister erhielt ich Blaumann, Lederschürze, Stulpenhandschuhe, Helm und die blaue Schweißerbrille. Der Vorarbeiter erklärte mir den Arbeitsablauf und wo ich welches Werkzeug finden würde. In der Mittagspause erwischte ich den Sozialbeauftragten.
„Du suchst ein möbliertes Zimmer? Wie schön! Und woher soll ich das nehmen?"- „Aber laut Inserat sollte ich das durch die Firma kriegen." „Die inserieren viel, wenn der Tag lang ist." Meine Antwort: „ Wenn ich heute Abend unter den Rheinbrücken
schlafen muss, höre ich auf zu arbeiten."
Am Nachmittag schickte er mir einen Zettel mit der Adresse Cafe Schmitz, Keupstraße. Dort erwartete mich ein Strohsack auf dem Dachboden. Mit mir nächtigten fünf weitere Männer, die in Köln Arbeit, aber keine Wohnung gefunden hatten. Die geldgierige Wirtin verlangte sogar Vorkasse für die erste Woche.
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Etwas über die Arbeit in der "Maschinen-Fabrik"
An meinem Arbeitsplatz standen vier Stahlböcke. Auf Handzeichen für den Kranführer an der Hallendecke wurde vor mir ein fünfmal drei Meter großes Stahlblech abgelegt, das mit weißen Linien und Kreisen die Trennstellen anzeigte. Teilstücke für Autobahnbrücken. Das vier Zentimeter dicke Blech wurde von der kleinen blauen Gasflamme zum Schmelzen gebracht und durch den hohen Druck eines Sauerstoffstrahls unter Funkenregen zertrennt.
Gearbeitet wurde im Akkord, bezahlt nach Meterlängen der Trennstellen. Den routinierten Schneidbrennern war ich hoffnungslos unterlegen. Wollte ich dem Kranführer das Zeichen zum Wechseln des Werkstücks geben, guckte er demonstrativ in die andere Richtung. So verlor ich mitunter zehn Minuten Zeit und damit Geld.
Niemand hatte mich darüber informiert, dass meine Kollegen dem Kranführer Schmiergelder für einen schnellen Wechsel zahlten.
Untereinander wurde Kölsch gesprochen, ein Dialekt, den ich nicht immer verstand. Als Beispiel: Trecken hieß auf Kölsch ziehen, bei Gemeinschaftsarbeiten drückte ich kräftig, während alle anderen zogen. Flüchtlinge waren für die Rheinländer Parias, der Dialekt hatte dafür ein besonderes Wort: Mit „Hörens, Pimock", wurde ich angesprochen.
Gutsituierte wie Betriebsingenieure oder Konstrukteure stellten mir durchaus wohlwollend die Frage: „ Und, wie gefällt es Ihnen in Deutschland?"
Galt in Köln doch immernoch der alte Spießbürgerspruch: „Auf der anderen Rheinseite fängt Sibirien an." Dem Akkordtempo war ich nicht gewachsen. Verdiente nur siebzig DM die Woche. LKW-Fahrer, die bei Liesegang Schrott holten, erzählten mir, dass ihr Betrieb seine Brenner besser bezahlen würde und so wechselte ich zur Schrott- und Eisengroßhandlung Gebrüder Huppertz in Köln-Poll.
Zwischenzeitlich hatte ich den Dachboden in der Keupstraße verlassen, ich zog in die Kölner Südstadt. Im Erdgeschoss des Hauses Darmstädter Straße 7 ergatterte ich einen zwanzig Quadratmeter großen möblierten Raum mit Mülltonnen vor den Hof-Fenstern. Wasser und Toilette im Flurmusste ich mir mit den Mitarbeitern einer Schusterwerkstatt teilen.
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Im total zerbombten Köln gab es unsägliche Wohnungsnot
Quartiere verteilte das Wohnungsamt. Selbst Familien mit Kindern mussten Jahre warten, bis sie einigermaßen untergebracht waren. Einen freien Wohnungsmarkt gab es nicht. Die Mieten waren niedrig. Zu niedrig. Und wurden streng überwacht. Es galt der Mietzinsstopp aus dem Jahre 1939. Mietwucher war unbekannt. Zu diesen Spottmieten konnte und wollte niemand Häuser bauen. Außer der Stadt. Und der fehlte das Geld. Erst als zwischen 1960 und 1970 peu a peu die Mieten dem Markt überlassen wurden, fand die Wohnungsnot im kriegszerstörten Köln ein Ende.
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In den vergangenen fünfzig Jahren hat sich die Wortbedeutung verändert. Bei Wohnungsnot ging es damals um ein Dach über dem Kopf und beheizbare Räume. Heute wird dieses Wort dafür benutzt, der Schwierigkeit, bezahlbaren Wohnraum in Nähe des Arbeitsplatzes zu finden, einen Namen zu geben.
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Bei Wind und Wetter auf dem gigantischen Schrottplatz
Mein neuer Arbeitsplatz war ein Freigelände am Rheinufer, das meterhoch mit Schrott bedeckt war. Von Eisenträgern über Maschinenteile bis hin zu großen Chemiekesseln war alles zu finden.
Zwischen diesen Eisenbergen fuhr auf Schienen ein Dampfkran hin und her. Mit seinen Riesenmagneten verteilte er ungetrennte und geschnittene Teile auf vorgegebene Plätze. Um zusätzlich zwanzig DM zu verdienen, meldete ich mich freiwillig, jeden Samstag diese Dampfmaschine blitzblank zu putzen.
Aufgabe der Brenner war es, den Schrott auf die vorgeschriebene Hochofengröße zu bringen. Dabei wurde zwischen Kupolschrott sechzig Zentimeter lang und Langschrott ein Meter zwanzig lang unterschieden. Tag für Tag, bei Wind und Wetter, trug ich morgens meine Gas- und Sauerstoffflaschen an den Schrottberg und suchte nach geeigneten Teilen.
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Stop ! -----------------------------------------------
Stop! Die Erzählung kann so nicht weitergehen. Da zog doch einer vor vielen Jahren aus, ein Kameramann zu werden und zu sein. Und wie lief die Sache mit dem Westdeutschen Rundfunk oder möglicher anderer Wege?
Ich brauchte unbedingt einen freien Tag
Nach drei Monaten Stahlbau Liesegang nahm ich mir einen freien Tag, lief zum Friseur, reinigte und feilte meine geschwärzten Fingernägel. Außerdem musste noch mein dunkelblauer DDR-Anzug aufgebügelt werden.
WDR-Chefkameramann Schmitt war erfreut. „Frau Mehnert, kochen Sie uns einen Kaffee. Wir haben Besuch von Herrn Romboy. Na, Herr Romboy, was machen Sie gerade?" „Ich bin in der Industrie."„Ach, Industrieplm, ein interessantes Gebiet. Gut, dass Sie da mal reinschauen. Ja, bei mir alles unverändert. Keine offene Stelle, aber, wie gesagt, ich würde Sie gerne haben. Auf Wiedersehen."
In immer größer werdenden Abständen wurde im Jahr 1960 der DDR-Anzug umsonst gebügelt.
„Im Moment leider kein Bedarf."
Doch was war mit einem möglichen zweiten Kanal? Den Zeitungen war zu entnehmen, dass der CDU-geführten Bundesregierung die ARD zu sozialdemokratisch war.
Der WDR wurde am damaligen Regierungssitz in Bonn als „Westdeutscher Rotfunk" persifliert. Die Konservativen präsentierten eine „Freies Fernsehen- GmbH".
Sendestart: 1. Januar 1961. Sofort habe ich mich schriftlich beworben, erhielt aber die Antwort „Ihre Bewerbung haben wir zuständigerweise an die Fernsehkommission der Bundesländer in Mainz weitergeleitet."
Der Bundesgerichtshof hatte dem „Adenauer-Fernsehen", wie es häufig genannt wurde, die Senderechte verweigert. Die ständen nur den Bundesländern zu.
Hier folgt ein Lob auf die deutsche Bürokratie: meine Mitte 1960 erfolgte Bewerbung beim „Adenauer-Fernsehen" ging nicht verloren, sondern wurde mit einer Einladung zum Personalgespräch beim ZDF im Oktober 1962 beantwortet.
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Wir vier Schweißerkollegen waren arme Teufel
Zurück zum Rheinufer. Ohne Groll zerschnitt ich weiter Schrott. Meine vier Kollegen, wie ich Unterschichtleute, hatten keine Geheimnisse voreinander. Einer war früher bei der Fremdenlegion, ein anderer vorbestrafter Gestapobeamter, der dritte ein amnestierter SS-Offizier.
Nur ich log. In der DDR hätte ich in der Potsdamer Lokomotivfabrik Orenstein & Koppel gearbeitet. Film und Kameramann passten nicht zum Schweißerkollegen Manfred. Wir waren arme Teufel. In den Pausen teilten wir uns im wahrsten Sinne des Wortes die Zigaretten, die wurden in der Mitte durchgerissen. Wir vier hatten uns mit unserem Schicksal abgefunden, waren uns einig, es hätte schlimmer kommen können und sprachen vom Krieg.
Meine ungeliebte Tätigkeit war nicht ohne Lustgewinn. Die kleine blaue Flamme an die widerborstigen Stahlteile anzusetzen, um sie im Funkenregen zu besiegen, war männliches Tun und befriedigte die in allen Menschen mehr oder weniger vorhandene Freude an der Zerstörung.
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Meine Flucht aus der DDR habe ich nie bereut
In der freien Welt zu leben und wählen zu dürfen, empfand ich nach wie vor als ein hohes Gut. Für meine bescheidene Karriere in der DDR hatte ich mich ständig verbiegen und verlogene Lippenkenntnisse ablegen müssen.
In die Bundesrepublik hatten mich zwar Hoffnungen aber keine Erwartungen getrieben. Weder beruflich noch wirtschaftlich. Wer keine Erwartungen hat, kann keine Enttäuschungen erleben.
Das Jahr 1961 war angebrochen. Beim Schein der kleinen blauen Flamme, umgeben von einem wahren Funkenfeuerwerk, hörte ich äußerlich das laute Zischen des Sauerstoffstrahls, der den Stahl brechen musste. Doch innerlich fühlte ich eine seltsame Stille.
Ständig die von mir geführte blaue Flamme vor Augen, zog ich Bilanz: Meine Kinderehe - vorbei, meine Filmzeit - vorbei. Es blieb nur die Hoffnung auf ein bisschen mehr Verdienst für meine Teilhabe am Wirtschaftswunder und die meiner Eltern und meines Sohnes. Tage, Wochen und Monate vergingen, während ich weiter die blaue Flamme am Stahl vorbeizog und den Funkenregen auslöste.
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Beginn und Karriere beim WDR
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Juni 1961 - wieder war ein halbes Jahr rum ......
„ Eins, zwei, drei! Im Sauseschritt läuft die Zeit; wir laufen mit."(W. Busch)
Schon wieder war ein halbes Jahr ereignislos vergangen. Der Kalender zeigte den 12. Juni 1961. Ein arbeitsfreier Tag animierte mich, noch einmal den DDR-Anzug aufzubügeln und die tief verschmutzten Arbeiterhände sauber zu bürsten.
Es war ein Sonnentag und so ging ich zu Fuß durch die Severin- und die Hohe Straße zum Kölner Funkhaus am Dom. Walter Schmitt empfing mich mit den Worten: „Wo haben Sie bloß gesteckt? Ich brauche Sie dringend! Sie hatten vergessen, uns Ihre Telefonnummer zu geben. Auch über die Auskunft waren Sie nicht zu ermitteln."
Ein Traum oder war es Glück oder war es ein Zufall ?
Woher sollte ich, ein bislang ziemlich armer Schrottarbeiter, ein Telefon haben? Der Chefkameramann kam zur Sache: Am nächsten Montag müsse er der Kölner Tagesschau-Redaktion ein neues Kamerateam zur Verfügung stellen, ohne daß er eine Planstelle hätte.
Er könne mir aber folgendes Angebot machen:
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- Gegen ein Tageshonorar von fünfundvierzig DM würde ich vorerst mit einem erfahrenen News-Kollegen für die Nachrichten filmen. Später, als allein verantwortlicher Kameramann, würde sich das Honorar auf fünfundsiebzig DM erhöhen. Sobald er eine Möglichkeit sähe, würde ich zu szenischen Produktionen im Bereich Fernsehfilm oder Fernsehspiel versetzt. Einen Vertrag könne er mir nicht geben. Das Ganze liefe unter „freier Mitarbeit". Zweiundzwanzig Arbeitstage pro Monat würde er mir garantieren. Keinesfalls schriftlich, aber auf Ehrenwort. Die gesamte technische Ausrüstung wie Kamera, Objektive, Stativ, Lampenkoffer, Tongerät und Mikrofone kämen vom WDR. Außerdem würde mir die Tagesschauredaktion einen ihrer vier Mercedes-Dienstwagen mit eingebautem Telefon zur Verfügung stellen. Mit Fahrer, versteht sich.
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Natürlich sagte ich zu.
Im Schein der Mittagssonne saß ich an einem Brunnen auf der Domplattform. Schockiert von diesem Angebot. Lieber Gott, lass das bloß keinen Traum sein!
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Und ich konnte sofort bei Huppertz aufhören
Bei Gebrüder Huppertz outete ich mich als Kameramann und durfte ohne Kündigungsfrist am nächsten Tag gehen. Erster Film für die 20.00 Uhr-Ausgabe der Tagesschau war ein Bericht über die Entdeckung einer neuen Tropfsteinhöhle im Sauerland.
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WIe die Tagesschau der ARD funktionierte
1961 gab es im Fernsehprogramm der Bundesrepublik nur eine weltweite Nachrichtensendung, die Tagesschau der ARD. Sie wurde um 20.00 Uhr und als Spätausgabe gegen 22.30 Uhr ausgestrahlt. Die Redaktion dieser Gemeinschaftssendung residierte in Hamburg, als eine Art Tochter des Norddeutschen Rundfunks. Eingehende Filme wurden in Hamburg entwickelt, gesichtet, geschnitten und betextet gesendet.
Die verschiedenen Sender wie SFB, HR, SDR, SFB usw. filmten Tagesschauberichte für die Hamburger. Der größte und finanzstärkste Sender war der WDR. Der unterhielt eine eigene Tagesschau-Redaktion. Sie bestand aus einem Redakteur und vier Kamerateams.
Dieser Redakteur schickte Tag für Tag seine Kameramänner für Filmberichte ins Land, mitunter ins Ausland und manchmal in die Welt. Diese Teams verschickten ihre Filmrollen und Tonbänder mit dem Flugzeug oder bei Aufnahmen nach Redaktionsschluss der Tagesschau mit dem Nachtzug nach Hamburg. Selten wurde in Köln entwickelt und geschnitten und nach Hamburg gesendet.
Um Filme über ihre Senderketten zu übermitteln, zum Beispiel nach Hamburg, verlangte die Bundespost fünf- bis zehntausend DM. Die mit Qualitätsverlust bei den Hamburgern ankommenden Bilder wurden vom Monitor mit einer 16mm-Kamera abgefilmt und entwickelt. Dieses Verfahren nannte sich „FAZ" (Filmaufzeichnung). Bevor es genügend Satelliten und magnetische Bildaufzeichnungsgeräte gab, war dieses Verfahren Fernsehstandard.
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Die Arbeit der Kameramänner - eine Zusammenfassung
Wir, die Kameramänner, standen damals in der Tradition der seit den zwanziger Jahren existierenden Kinowochenschauen, waren keine Fernsehreporter, sondern Filmberichter, also Bildjournalisten.
Ereignisse reduzierten wir auf die Bilder. Synchrone Töne wurden selten mitgeschnitten, meist nur ein Geräuschband. Filmberichte in der Tagesschau sind kurz. Zwischen dreißig Sekunden bis maximal zwei Minuten.
Wir arbeiteten mit unseren Kameras nach der Devise: Und bist Du noch so fleißig, die senden nur „einsdreißig". Nach kurzer Zeit durfte ich selbständig arbeiten und konnte mich über fünfundsiebzig DM Tageshonorar freuen.
Für Männer, die diesen Beruf so liebten wie ich, gab es viel zu tun. Auch an den Wochenenden war ich unterwegs. Filmenswertes an Sonn- und Feiertagen waren Ausstellungseröffnungen, Kundgebungen, Brücken- oder Autobahn- Streckenfreigaben. Und natürlich der Sport. Von Fußballspielen über Pferderennen bis zu Fecht- oder Schwimmwettkämpfen.
Endlich, nach so langer Pause, durfte ich wieder jeden Tag filmen. Und obendrein Geld verdienen. Es gab Monate, in denen ich dreißig Drehtage abrechnen konnte.
Der Bart mußte ab - von jetzt an hochanständige Kleidung
Stolz und glücklich fuhr ich in den nächsten Jahren durch die Lande, Belgien, Holland und Frankreich eingeschlossen. Mein Äußeres musste ich aber verändern. Der bescheidene Künstlerbart, den ich mir bei der DEFA zugelegt hatte, fiel dem Rasiermesser zum Opfer.
Hochanständige Kleidung war vorgeschrieben, selbstverständlich mit Krawatte. Sonst gab es Rügen. „So können Sie nicht rumlaufen. Sie repräsentieren den Westdeutschen Rundfunk!" Für bestimmte festliche Ereignisse wie den Neujahrsempfang des Diplomatischen Corps in der Bonner „Redoute" oder EWG-Empfänge auf„Hertoginnenhof" bei Brüssel war für Journalisten Smoking vorgeschrieben. Den holten wir uns unter lästerlichen Worten bei einem Kostümverleih am Kölner Neumarkt.
Aus der Disposition - „Kleidervorschrift: dunkler Anzug"
Für jeden Einsatz erhielten wir von unserer Redaktion einen schriftlichen Auftrag, Disposition genannt. Häufig mit dem Vermerk: „Kleidervorschrift: dunkler Anzug". Das galt dann auch für meinen Assistenten und den Fahrer, der häufig Hilfsbeleuchter war.
Der Status eines Fernsehteams der Tagesschau war, heute unvorstellbar, hoch, denn es gab nur eine Handvoll. Was von uns aufgenommen und von Hamburg gesendet wurde, sah jeder Fernsehzuschauer. Wir, die ARD, waren Monopolisten.
Wenn, was selten vorkam, es waren dann Sonderberichte, wurde mein Name von der Ansagerin genannt oder im Nachspann erwähnt, dann erreichten mich über die WDR-Poststelle Briefe von alten Schulkameraden, ehemaligen Geliebten und entfernten Verwandten.
Selbst aus den USA schrieb mir eine Elisabeth Romboy aus Florida, dass sie eine weitläufige Verwandte sei. Nach einer Aufnahmeerlaubnis wurde nie gefragt.
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Die Tagesschau war immer willkommen
Viele Politiker kannten ihren Tagesschau-Kameramann. Es waren ja immer dieselben. Sie pflegten vertraulichen Umgang und äußerten Wünsche wie „Bitte nicht drehen, wenn ich rauche" oder „denken Sie an mein Doppelkinn, sonst schimpft meine Frau".
Der höchste Europapolitiker seinerzeit als Präsident der EWG-Kommission, Professor Hallstein, war für mich schwer aufzunehmen. Während ich ihn filmte, erkannte er mich, kam auf mich zu, um mich per Handschlag zu begrüßen. Damit war meine Aufnahme im Eimer.
Kennengelernt hatten wir uns bei einem langen Interview in seiner Wohnung, das ich für unseren Benelux-Korrespondenten Dieter Strupp filmte. Über viele Jahre waren meine WDR-Tagesschaukollegen oder ich mindestens eine Woche in Brüssel für die EWG-Berichterstattung. Unsere Kameras waren die einzigen, die ihn in Deutschland auf den Fernsehschirm brachten.
Es waren die goldenen Jahre
Es waren die goldenen Jahre, bevor die Terroranschläge der RAF Deutschland auf vielen Ebenen zum Polizeistaat machten. Ein Beispiel: Wenn ich für ein kleines Ereignis - der neue Botschafter Uruguays machte seinen Antrittsbesuch beim Bundeskanzler - angemeldet war, passierte ich mit meinem Assistenten mit dem Ruf „die Tagesschau!" unkontrolliert das Hauptportal zum „Bonner Palais Schaumburg".
Meine Legitimation: die Kamera auf der Schulter. Der Bundesgrenzschutzmann am Palais-Eingang mit „Wehrmachtsstahlhelm" und „Knobelbechern" salutierte kurz und wir gingen ins Sekretariat.
Ich bat, früher in den Raum zu dürfen, um Steckdosen zu finden. Des Kanzlers Sekretärin klopfte an einer Tür, um zu fragen. Es war Dr. Adenauer, der am Schreibtisch saß und uns begrüßte. Er fragte, ob er beim Lichtaufbau an seinem Schreibtisch stören würde, was wir mit einem überhöflichen „nein, nein, nein" beantworteten. Die Aufnahme dauerte dann gerade mal eine Minute.
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September 1962 - wir vom Fernsehen hatten Einfluß
Orts- und Zeitwechsel. September 1962. Tagung der Sozialistischen Internationale in Amsterdam. Am Rednerpult der SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer. Fünfzehn Meter vor ihm meine Kamera, es war die einzige im Saal. Wie üblich, hatte ich vorher sein Redemanuskript erhalten. Hamburg hatte entschieden, nur den Teil Jugend und Europa"zu senden. Auflage: Unser Bild- und Tonmaterial erreicht die 14.00 Uhr-Maschine Schiphol-Hamburg. Mein Problem: Ollenhauers Rede fing erheblich später an. Mir lief die Zeit weg.
Verzweifelt wandte ich mich an den Pressemann der SPD, doch der zuckte nur mit den Schultern. Meine Verzweiflung steigerte sich zur Not. Auf die Rückseite meines Berichtsblocks schrieb ich ganz groß mit Filzschreiber „Herr Ollenhauer, wenn Sie nicht innerhalb der nächsten Viertelstunde über Jugend in Europa sprechen, können wir Ihre Rede nicht senden. Unterschrift: Tagesschau Hamburg."
Langsam ging ich ungehindert zum Rednerpult und legte meinen Zettel oberhalb seines Manuskriptes ab. Nach zehn Sekunden unterbrach Ollenhauer seine Rede und sagte den sicher tausend Delegierten. „Das Deutsche Fernsehen bittet mich, meine Gedanken zur Jugend in Europa vorzuziehen. Sind Sie einverstanden?"
Leichter Applaus goutierte seinen Wunsch. Ich konnte drehen und Hamburg konnte um 20.00 Uhr senden.
Mai 1962. Ein Großereignis
Orts- und Zeitwechsel. Mai 1962. Ein Großereignis. Königin Juliane der Niederlande und Prinz Bernhard zur Lippe-Biesterfeld feiern in Amsterdam ihre Silberhochzeit. Wenig zu tun für die Filmkamera der Tagesschau.
Alle wichtigen Ereignisse werden von dutzenden Videokameras weltweit übertragen. Illustre Gäste waren gekommen: Elisabeth II mit ihrem Gemahl Prinz Philip, der Schah von Persien mit seiner Frau Farah Diba, König Baudouin mit Frau Fabiola und andere Vertreter des Hochadels.
All' die Figuren, die ständig die Farbseiten der YellowPress bereicherten, konnten hier in natura bewundert werden. Verschont von Live-Kameras hatten sich alle bei warmem Mai-Wetter im Garten des Hotels Keukenhof zum Smalltalk versammelt. Endlich lohnende Motive für die wenigen handverlesenen Filmkameras der Kinowochenschauen und des ausländischen Fernsehens.
Vor Ort verkündete der Pressemann des Königshauses: „Auf Befehl der Königin dürfen keine Journalisten den Garten betreten." Wir wurden hinter eine kniehohe Mauer verbannt, viel zu weit weg für brauchbare Bilder. Obendrein war es nicht gestattet, Stative aufzustellen. Was half's, es war ein Befehl der Königin.
Unser einziger Bewacher: der Pressesprecher. Langsam füllte sich der Garten mit den hochkarätigen Gästen und wir füllten uns mit Frust. Dann sahen wir zwischen den Gästen einen Kameramann des niederländischen Fernsehens bei der Arbeit. Exklusiv.
Es ergab sich nach Minuten, dass Prinz Bernhard in Rufweite kam. Ich schrie: „Prinz Bernhard, Deutsches Fernsehen!" Als er sich zu mir umwandte lief ich, verfolgt von dem Pressesprecher, zu ihm und stellte mich als Tagesschau-Mann vor und beklagte die Exklusiverlaubnis für die Holländer.
Fünf Meter von uns entfernt hielt der Pressesprecher respektvollen Abstand. Die Königin kam zu uns, Prinz Bernhard stellte mich und mein Anliegen vor. Sie genehmigte unsere Anwesenheit und sagte zu mir: „Aberpass auf, dass Deine Jungs keinen Unsinn machen."
Der Pressemann beeilte sich, die anderen zu holen. Zehn Jahre später hätten mich Sicherheitsleute spätestens nach dem Sprung von der Mauer zu Boden geworfen. Sicher wäre meine Kamera zu Bruch gegangen. Doch es waren andere Zeiten. Man vertraute einander.
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Ich begriff - ich war „Herr Tagesschau"
Nach dem Gespräch mit dem Königspaar war ich zutiefst über meine Initiative verwundert. Privat neigte ich dazu, Widerständen aus dem Weg zu gehen statt hartnäckig meine Interessen zu vertreten.
Mitunter war ich schüchtern, fast bescheiden. Bis ich begriff, dieser Bravourritt kam nicht von Manfred Romboy. Ich handelte als „Herr Tagesschau".
Die Reste meiner Bescheidenheit, die ich über die Jahre retten konnte, veranlassen mich, die Kirche im Dorf zu lassen. Arbeit für die Tagesschau bedeutete nicht, von Großereignis zu Großereignis zu eilen; der Alltag eines Nachrichten-filmers sah anders aus.
Über Jahrzehnte filmte ich dutzende von Hausrat-, Möbel-, Fahrrad-, Foto- und Modemessen. Dutzende von Ausstellungen, Parteitagen, Wahlkämpfen, Gewerkschaftstagen, Streiks, Zecheneröffnungen und deren späteren Abriss. Außerdem Pressekonferenzen, Staatsbesuche, Demonstrationen und alle nur möglichen Sportarten.
Die Reihe der Alltagsthemen ließe sich beliebig fortsetzen. Das möchte ich vorausschicken. Weil ich mich auf den nachfolgenden Seiten auf das Besondere beschränken muss.
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Meine Kollegen beim WDR
Zeit, über meine WDR-Kollegen zu sprechen. Dienstältester war Theo Rausch. Bis Kriegsende bei einer Propagandakompanie in Italien. Der hatte noch Ende der 19fünfziger Jahre mit Redakteur Mühlbauer in Köln für Hamburg gedreht.
Hans Gersonde, vormals Beleuchter bei der Düsseldorfer Lichtfirma Kronemann, der über eine Tätigkeit als Assistent zum Kameramann avanciert war.
Noch zu erwähnen wäre unser Mann im Ruhrgebiet mit besten Kontakten zu Kohle und Stahl: Hans Moll. Als freier Mitarbeiter arbeitete er seit 1948 für das Radio. Als das Fernsehen kam, wollte er auch daran verdienen. Doch die wollten statt Nachrichten Filme. Also kaufte er sich eine 16mm-Kamera mit Federwerksantrieb und erklärte sich zum Kameramann. Ein sympathischer Kollege, dessen Bilder von Jahr zu Jahr besser wurden.
Doch die schillernde Figur war der Baron Freiherr Thilo von Reibnitz. Ein Mann mit Vergangenheit. Als PK-Mann gehörte er zum Stab von Feldmarschall Erwin Rommel, filmte ihn in Afrika und am Westwall. Als am 20. Juli 1944 das Stauffenberg-Attentat auf Hitler verübt wurde, befand sich Reibnitz zufällig in der Fernschreibzentrale des Oberkommandos des Heeres im Berliner Bendler-Block.
Wegen seiner vermeintlichen Nähe zu den Attentätern wurde er verhaftet, überlebte das Kriegsende und wurde Kameramann für die „Fox Tönende Wochenschau". Dann holte ihn sich die NBC New York als Kamerakorrespondenten für Nahost und Beirut. Von dort kam er zum WDR.
Legende: Seine blumigen Erzählungen, die immer mit den Worten begannen: „Als ich noch in Beirut war..." Für unsere Nachgeborenen: Die Propagandakompanien der Wehrmacht waren keine Hochburgen des Nationalsozialismus. Zu den verschiedenen PKs wurde man einberufen.
Zu ihr abgeordnet wurden Zeitungsredakteure, Rundfunkreporter, Filmregisseure, Kameraleute, Fotografen, Schriftsteller, Graphiker und Kunstmaler. Bedeutende Persönlichkeiten der Nachkriegszeit in Ost und West hatten eine PK-Vergangenheit. Der Stern-Verleger Henry Nannen, der ZDF-Intendant Karl Holzamer, der zeitgeschichtliche Erfolgsautor Jürgen Thorwald und viele andere Journalisten.
Das galt auch für die DDR, zum Beispiel für den mehrfachen Nationalpreisträger, den DEFA-Starkameramann Werner Bergmann. Die Generation unserer demokratischen Wohlstandsenkel belehrt uns.
Jeder, der in seinem Beruf weiter gearbeitet hatte, stützte das Regime von Diktatoren, von der Diätköchin für den Führer bis zum Klaviervirtuosen. Um sich einer Zusammenarbeit mit Massenmördern wie Adolf Hitler, Josef Stalin oder Mao Tse Tung zu entziehen, hätten sich achtzig Millionen Deutsche, zweihundert Millionen Sowjetbürger und in China eine Milliarde Menschen in Bewegung setzen müssen, um zu emigrieren.
Was für eine Völkerwanderung!
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