Juni 2026 - Das ist der Anfang der unfertigen Seiten - erst mal alle Texte korrigiert - die saubere Strukturierung und die über 500 Bilder kommen noch - es geht weiter - jede Nacht ....
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Wir gehen ins Jahr 1973
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Sonntagsfahrverbot
Mein Kalender für 1973 enthält viele Eintragungen mit dem Vermerk Ölkrise und Sonntagsfahrverbot. Wieso, warum? Am 6. Oktober 1973 hatten ägyptische und syrische Truppen den Staat Israel überfallen.
Israel gelang die vollständige Abwehr und darüber hinaus ein glanzvoller Sieg. Nach dem Waffenstillstand am 25. Oktober 1973 fühlten sich die arabischen Staaten zutiefst gedemütigt. Die in der OPEC organisierten arabischen Ölförder-länder erließen als Strafe für die westliche Welt und ihre Sympathien für Israel ein Rohöl-Embargo.
Es wurden nicht nur die Liefermengen gedrosselt, auch die Ölpreise erhöhten sich drastisch. Hauptbetroffene waren die Staaten in Mitteleuropa. Um die geringen Ölreserven zu strecken, erließen Westdeutschland, Belgien, Holland, Italien und Frankreich Fahrverbote. Jedweder private Fahrzeugverkehr wurde an Sonn- und Feiertagen mit drastischen Geldstrafen belegt. Einmalige Bilder konnten in der Tagesschau gezeigt werden.
Brennpunkte der Innenstädte überflutet von fröhlichen Fußgängern, Autobahnen ohne Fahrzeuge, abgesehen von Radfahrern oder Bauern, die verbotenerweise mit Pferd und Wagen Autobahnen benutzten.
Um das zu zeigen, hatten wenige Presseleute, darunter auch ich, eine rote Sonderfahrerlaubnis, die auch für meine Fahrten ins zwanzig Kilometer entfernte Köln und zurück gültig war. In Dörfern oder Städten wurde ich als Privilegierter bespuckt oder mit geballten Fäusten gegrüßt.
Einmal flogen sogar Steine. Letzteres zu Recht. Ich hatte meinen vierzehnjährigen Sohn an Bord, der auf der Rückbank sitzend Straßenpassanten eine lange Nase gezeigt hatte. Nach wenigen Wochen war der Spuk vorbei. Die Sonntagsfahrverbote wurden erst von Tempo 100 abgelöst und im Frühjahr 1974 normalisierte sich die Lage. Trotzdem verminderte sich der Privatverkehr, denn der Benzinpreis stieg in unerwartete Höhen.
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Wieder in Afrika
Am 29. Mai 1974 war ich mit Peter Bauer erneut in Afrika unterwegs. Ausgehend von Ouagadougou, der Hauptstadt Obervoltas, berichteten wir über weitergehende Hilfen für die dürregeplagte Sahelzone. Von Brunnenbohrungen, der Gründung einer Baumschule bis zur Verteilung von Lebensmitteln und auch Saatgut an Bauernfamilien.
Weiterflug nach Gouroum und von dort nach Markoyel. Um Hilfe für Hilfsbedürftige zu personifizieren, führte Bauer mit Hilfe eines Dolmetschers Gespräche mit dem Oberhaupt einer Bauernfamilie. Für uns verwirrend: die Vielzahl der Frauen und Kinder im Bauernhof.
Einziger Mann: Peter Bauers Interviewpartner. Offensichtlich waren viele Köpfe und Köpfchen zu ernähren, also fragte der Reporter als erstes, wer zu wem gehört. Auch im fernen Obervolta gab es keine heile Familienwelt. Die Frauen und ihre Kinder waren zum Teil seine eigenen oder seine Töchter, denen die Männer abhandengekommen waren.
Bei anderen handelte es sich um seine Schwiegertöchter samt ihrer Kinder, die seine Söhne ihm überlassen hatten. Er selbst, ein Muslim, stellte uns seine derzeitige Hauptfrau vor: Eine blutjunge Fünfzehnjährige, die ihm gerade einen weiteren Sohn geschenkt hatte. Für einen fünfzigjährigen Bauern keine leichte Aufgabe, durch Ackerbau und Viehzucht so viele Mäulerzu stopfen.
Weiterflug nach Niger. Schon ein Jahr vorher hatten wir Tuareg-Lager um Niamey besucht. Eine Verbesserung der Lage konnten wir nicht feststellen. Am 7. Juni 1974 ging es zurück nach Köln.
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Für Modebilder in Paris
Als Besonderheit in 1974 wäre noch zu erwähnen, dass ich einige Tage in Paris zum Mode-Fotografen respektive Mode-Kameramann avancierte.
Eine neue Aufgabe, an der ich viel Spaß hatte und die ich, wie mir später gesagt wurde, gut bewältigt habe. Auf Einladung eines großen Pariser Modehauses flog ich mit der im WDR für Modefragen zuständigen Kollegin Ursula Vossen nach Frankreich.
In Paris wurde eine neue Kollektion vorgestellt. Mit sechs französischen Mannequins zogen wir durch die Stadt zu Motiven unserer Wahl. Unter meiner Regie drehten wir im Bois de Boulogne, auf den Champs Elysees und an den Treppen zu Sacre-Caeur. Für einen Nachrichtenmann eine andere Welt.
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Mein Prozess gegen den WDR
Um 1973/1974 kollidierte die Personalpolitik des WDR mit dem veränderten Arbeitsrecht. Um niedrige Personalkosten vorzuspiegeln, waren über eineinhalb Jahrzehnte hinweg Hunderte von Journalisten, Kameraleuten und Sprechern auf der Basis von Tageshonoraren beschäftigt worden.
Honorare zählten in der Jahresbilanz zu den nicht durchschaubaren Produktionskosten. Den Öffentlich-Rechtlichen wurden ja permanent zu hohe Personalkosten vorgeworfen. Höchstrichterliche Urteile der Arbeitsgerichte erklärten diese Praxis 1973 für illegal.
Wir, die Honorarempfänger, mussten um unsere berufliche Zukunft fürchten. Mit Unterstützung der Rundfunkgewerkschaft überzogen wir den WDR, der mit uns keine Kompromisse eingehen wollte, mit Feststellungsklagen.
Mir, einem der ersten Kläger, wurde per Urteil bescheinigt, dass ich rückwirkend seit Juli 1961 kein freier Mitarbeiter, sondern Angestellter des WDR war.
Der WDR ging in Berufung. Auch die zweite Instanz bestätigte mein Urteil. Es folgten Klagen unzähliger Mitarbeiter. Alle Prozesse hat der WDR mit Pauken und Trompeten verloren. Die Beschreibung, wie listig und unfair die WDR-Juristen versuchten, diese berechtigten Ansprüche abzuweisen, würde Bände füllen.
Begnügen wir uns mit einem „Ende gut, alles gut". Mein Umgang mit dem WDR änderte sich. Ab jetzt galt der Acht-Stunden-Tag, Arbeit an Sonn- und Feiertagen wurde nicht mehr vergütet, sondern durch freie Tage ausgeglichen. Meine Arbeitsstunden im Vergleich zum Vorjahr verminderten sich damit um dreißig bis vierzig Prozent.
Davon profitierte mein Privatleben. Endlich hatte ich auch mehr Zeit für meinen Sohn. Meine Mutter, 1968 altershalber "aus der Staatsbürgerschaft der DDR entlassen", kümmerte sich um ihn.
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1974 - Vier Wochen beim ORF in Wien
Ab 1974 arbeitete ich nur noch sporadisch für die Tagesschau. Zwischenzeitlich war ich für Dokumentar- oder Kulturfilme anderer Redaktionen tätig, filmte auch für die Sendungen Weltspiegel und Monitor.
Zu den Besonderheiten meiner WDR-Arbeit gehören auch meine vier Wochen als Kameramann des Österreichischen Fernsehens ORF in Wien (29.6. - 27.7.1975). WDR-Produktionsdirektor Töldte und sein ORF-Kollege hatten die Idee, durch einen Tausch von Kamerateams und Cutterinnen einen Erfahrungsaustausch zu erreichen. Mit meinem Assistenten Hartmut Pitsch, der technischen Ausrüstung des WDR, bestehend aus 16mm-Kameras, Lampen und Tongerät, fuhr ich, mein Privatwagen Opel Commodore wurde zum Teamwagen, gen Österreich und meldete mich im Wiener Fernsehzentrum am Küniglberg zum Dienst.
Mit uns kam zum ORF auch WDR-Cutterin Margot Löhlein. Zur gleichen Zeit hat in Köln ein Kameramann des ORF seinen Dienst aufgenommen. In Wien wartete gleich viel Arbeit auf uns. Teile der Stadt und des Umlandes wurden von einem Donau-Hochwasser bedroht.
Ein Hubschrauber der Gendarmerie brachte uns zu den jeweiligen Drehorten. Nach dem Kopierwerk wurden uns die Filme im wahrsten Sinne des Worts aus den Händen gerissen. Ein Redakteur der „Zeit im Bild" (ZiB), der Nachrichtensendung des ORF, wartete schon im Schneideraum.
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Hier beim ORF war vieles anders als bei uns
Um 19.30 Uhr begann "ZiB" mit dem Gastspiel eines Klaviervirtuosen, gefolgt von der Eröffnung einer Kunstausstellung. Erst dann wurden meine Bilder vom Donau-Hochwasser gesendet. Großes Erstaunen meinerseits. Die Tagesschau hätte sich als erstes mit dem Hochwasser und seinen Auswirkungen befasst. Die ORF-Kollegen belehrten mich, in Wien stehe Kultur an erster Stelle.
Als die ersten WDR-Leute in Zusammenarbeit mit dem ORF waren wir auch ein wenig "VIP". Der Fernsehintendant hat uns für ein Kontaktgespräch zum Abendessen eingeladen.
Unser zweiter Film betraf die Eröffnung einer Kunstausstellung mit Werken von Franz Lerch. Die freundlichen Wiener Kollegen der Zentraldisposition beauftragten uns mit Arbeiten für alle Programme, von „Zeit im Bild" über „Sport am Montag" bis zu „ Wissenschaft aktuell".
Unser Hauptdrehort war natürlich die alte Kaiserstadt Wien, in der war immer was los. Damit wir die Schönheit und Größe Österreichs kennenlernten, wurden wir quer durch die Lande geschickt, drehten in Zell am See das „Austria-Ski-Team" und in Schallaburg bei Melk eine Dichterlesung.
Pitsch und ich fühlten uns in Österreich wie zuhause. Die österreicher sahen das allerdings anders. Überall großes Erstaunen, dass wir als Ausländer für das Fernsehen in Wien arbeiten dürfen.
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Wir arbeiteten in der gewohnten Kölner Qualität
Für alle ORF-Redaktionen haben wir in der gewohnten Kölner Qualität gearbeitet und, wenn nötig, den Lichtkoffer und das Stativ ausgepackt, Gesprächspartnern wurden Lavalier-Mikrofone umgehängt. Wir waren verwundert, dass unsere Arbeitsergebnisse und unser Auftreten über den grünen Klee gelobt wurden, bis wir die Gründe erfuhren.
Den österreichischen Kollegen hatte man im Jahr zuvor Personal- (Beleuchter), Stativ- und andere Zulagen gestrichen. Ihr Protest fand keine Unterstützung durch die Redaktionen. Also schalteten die Kamerateams auf minimalen Aufwand um.
Ob Porzellan- oder Gemäldeausstellung, die Reporter trafen am Drehort auf übel gelaunte Teams. Nur mit Handkamera und Akkuleuchte ausgerüstet, fragten sie, was hier abzunudeln wäre. Nicht ohne vorher anzukündigen: „Um 13.00 Uhr ist Schluss, Mittagspause." Im Vergleich zu solchen Rabauken wären Romboy und Pitsch sensible Filmkünstler, wurde uns erklärt.
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Eine schöne Zeit in Wien
Es war unser erster Wien-Besuch, also schlenderten wir an den Wochenenden durch die Stadt, vom berühmten „Naschmarkt-Flohmarkt" bis zum Schloss Schönbrunn. Zum Heurigen ging ich einige Male mit einer charmanten Begleiterin. Wir hatten uns im ORF kennengelernt. Die vier Wochen Österreich wurden mir also durch eine Liebschaft versüßt.
Zurück im WDR verlangte mein Produktionsdirektor Töldte einen umfangreichen schriftlichen Bericht.
Das ist Fräulein Krüper
Zum Schreibmaschinendiktat stellte mir Chefkameramann Walter H. Schmitt seine Sekretärin vor. „Das ist Fräulein Krüper, die tippt das für Sie." Die kleine schüchterne Neunzehnjährige war neu im WDR. Diese Aushilfe war ihr erster Arbeitsplatz. Den Namen hätte ich längst vergessen, wenn sie mir nicht ein Jahr später noch einmal über den WDR-Weg gelaufen wäre.
1980 haben wir geheiratet. „Aber das ist eine andere Geschichte" würde Michael Ende sagen.
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August 1975 - Es geht nach Afrika
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Verschollen in Eritrea - eine Räubergeschichte
Ende August 1975 erzählte mir Peter Bauer, inzwischen Chef der Kölner Tagesschau, dass er ein Eisen im Feuer hätte. Es ginge um eine Afrika-Reise im September, verbunden mit der Frage, ob ich mit von der Partie wäre. Der gut vernetzte Bauer hatte Kontakt zur Hilfsorganisation „Medico International".
Die plante, ein ausgemustertes Feldlazarett der Bundeswehr einer Befreiungsarmee in Eritrea zu spenden. Hilfsorganisationen brauchen Public Relations. Für Peter Bauer und sein Team bestand die Einladung, den Transport zu begleiten und die Übergabe zu filmen. Aus dem harmlosen Sachverhalt wurde eine Räubergeschichte und das größte Abenteuer meines Berufslebens.
Nach langem Zögern, Eritrea war im Auswärtigen Amt als Kriegs-Krisengebiet gelistet, erreichte Bauer beim WDR die Genehmigung für die einwöchige Dienstreise.
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Ein Visum und einen Taufschein
Medico teilte uns mit, erstes Reiseziel sei Dschidda, also brauchten wir ein Visum für Saudi-Arabien. Das würden sie besorgen, vorausgesetzt, dass wir uns im Antrag als Röntgenteam bezeichneten.
Journalisten wären dort unerwünscht. Dr. Peter Bauer wurde zum Röntgenarzt, Manfred Romboy und Hartmut Pitsch seine Assistenten.
Unsere Filmausrüstung deklarierten wir für den saudiarabischen Zoll als Röntgen-Equipment. Kaum zu glauben, wir - zwei Enddreißiger - waren abenteuerlustig genug, uns darauf einzulassen.
Das Röntgen-Team akzeptierten die Saudis, doch die Visa-Behörde verlangte Belege für unsere Gottgläubigkeit. Also Taufscheine. Die Register der Leipziger Peterskirche, dort wurde ich getauft, waren im Bombenkrieg verbrannt. Doch man glaubte mir und schickte zum Selbstausfüllen einen Blanko-Taufschein.
Eine zwanzig bis dreißig Jahre alte „DC3" der „Pearl-Air"
Am Flughafen Frankfurt lernten wir die Begleiter der Spende kennen, zwei junge Leute: die Studentin Erika Märke aus Marburg und Kaspar Schlüpfer, einen Schweizer mit dem Hintergrund Internationales Rotes Kreuz. Fluggesellschaftfür den Transport war eine Firma namens „Pearl-Air".
Unser Flugzeug, eine zwanzig bis dreißig Jahre alte „DC3" war keine Perle. Hätte es sich um ein Schiff gehandelt, wäre die Bezeichnung „Seelenverkäufer" zutreffend gewesen. Die zwei deutschen Piloten waren vertrauenswürdiger. Altershalber bei der Bundeswehr ausgemustert, wollten sie weiterfliegen, notfalls auch für „Pearl-Air".
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Mit 39 Jahren im „Seelenverkäufer" Richtung Griechenland
Am 13. September 1975, meinem neununddreißigsten Geburtstag um 23.00 Uhr, startete unser „Seelenverkäufer" Richtung Griechenland. Erste Schwierigkeiten beim Tankstopp in Athen. „Pearl-Air" war nicht kreditwürdig. Der Tankwart verlangte Vorkasse in bar. Nach zwei Stunden kamen die Piloten mit einer prall gefüllten Dollartasche zurück und der Vogel wurde betankt.
Beim Nachtflug über dem Mittelmeer Richtung Kairo entdeckte Bauer rieselndes Öl an der Tragfläche. Auf meiner Seite spuckte der Motor unregelmäßig Funken. Besorgt gingen wir ins Cockpit. Die Piloten blieben cool: „Keine Angst, wir kennen unseren Vogel. Das macht der immer."
Zwölf Uhr mittags, dreizehn Stunden nach unserem Start in Frankfurt, landeten wir in Kairo. Nach kurzem Tankstopp Weiterflug nach Dschidda in Saudi-Arabien. Die Saudis verweigerten uns die Landung, entgegen der Versicherung der Medico-Leute hatte unsere Maschine keine Landerechte.
Nur der Hinweis, das unser Spritkontingent keinen Kairo-Rückflug gestatte, ermöglichte gegen 15.00 Uhr die Landung. Dreimal mussten wir in Dschidda übernachten.
Dschidda war heilige Stadt, von größeren Ausflügen wurde abgeraten. Auffällige Nicht-Muslime galten als unerwünschte Eindringlinge. Egal, wer das wie organisiert hatte, am 17. September, 13.00 Uhr, flogen wir nach Port Sudan.
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Ein Mann mit Charisma: Dr. Bereket Habte Selassie
Nach der Ankunft besuchte uns im Hotel ein Mann mit Charisma: Dr. Bereket Habte Selassie. Der 1932 in Eritrea Geborene, damals eine Provinz Äthiopiens, war die führende Figur einer Befreiungsbewegung, die gegen die Armee Äthiopiens für einen unabhängigen Staat Eritrea kämpfte.
Über ihn wussten wir nur, dass er in Harvard studiert hatte und nach einer Tätigkeit für die Weltbank bei der UNO die Interessen Eritreas vertrat. Nach einer überschäumend herzlichen Begrüßung bat er um Entschuldigung für unsere in Dschidda verplemperten drei Tage, jetzt wäre alles organisiert. Morgen früh würden wir abgeholt, über die Grenze nach Eritrea gebracht, um das Feldlazarett zu übergeben.
Danach stünde unserem Rückflug nichts im Wege. Nach dieser Ansprache war er wieder weg. Als Kontaktmann hinterließ er einen kaum Englisch sprechenden Eritreer. Schon am Abend faselte der vom Hochwasser eines Sudan-Flusses und dass die Fahrt morgen ungewiss sei. Den gleichen Spruch hörten wir auch am nächsten Tag.
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Eine Konfusion jagd die nächste - die Rückreise ?
Um unseren Aufenthalt zu verlängern, eine Woche hatte uns der WDR zugestanden, wollte Peter Bauer Köln anrufen. Das war technisch nicht möglich. Eine Reederei gleich um die Ecke gestattete ihm, ein Fernschreiben nach Köln abzusetzen.
Die Antwort: Er als Person wäre sofort in Köln erforderlich. Bauer buchte sofort drei Tickets nach Dschidda, von dort wollten wir nach Köln fliegen. Eine blamable Rückkehr. Außer Spesen nichts gewesen.
Kurzer Abschied von den Reisegefährten Erika Märke und Kaspar Schlüpfer. 19. September, 22.00 Uhr Abflug, stand in den Flugscheinen. Während wir unsere Koffer packten, stürmte der eritreische Kontaktmann ins Hotel: „Morgen früh sechs Uhr fahren wir nach Eritrea!" Bauer sagte klipp und klar: „Ohne uns."
Am Abend stellte er mir die Frage, ob wir, das Kamerateam, doch noch zwei Tage bleiben könnten, damit er und wir nicht ohne einen belichteten Filmmeter in Köln dastünden. Natürlich sagte ich zu.
Anders mein Assistent Hartmut Pitsch. Ihm war Weiteres zu abenteuerlich. „Ich fliege mit Peter Bauer." Als mein Motiv, länger zu bleiben, unterstellte er mir, dass ich scharf auf Erika sei, mit der ich seit Tagen heftig flirtete. Also verkleinerten wir die Ausrüstung auf das Notwendigste.
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Wir sollten uns als Sudanesen verkleiden
Kaum zu glauben, am nächsten Tag erschien unser Kontaktmann, entnahm seiner Tasche arabische Gewänder und bestand darauf, dass wir uns verkleiden. Bis zur Grenze würden wir im offenen LKW sitzen, optisch als Sudanesen.
Auf dem Weg nach Tokar über Suakin saßen wir auf Säcken, Kisten und Fässern. Mir flatterte die ungewohnte Kopfbedeckung um die Ohren. Der Luftzug des Fahrtwindes bewegte meinen Burnus und brachte angenehme Kühlung. Vom Roten Meer wehte ein starker Wind herüber und wirbelte Tausende gelbe Sandkörner auf den LKW, die seinen Insassen in Ohren, Nase und Augen gelangten.
Aber was noch schlimmer war: ganze Sandschwaden bahnten sich ständig einen Weg in die beiden großen Ledertaschen zu Filmkamera, Objektiven, Tonbandgerät und Mikrofonen. Besser geeignete Alukoffer waren für Träger und Kamele ungeeignet.
Es galt, "mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen"
Stundenlang schaukelte unser Fahrzeug hin und her, musste angewehten Sanddünen ausweichen und um große Schlaglöcher herum fahren. Diese desolate Piste war damals der einzige Verbindungsweg über Tokar und Marapt nach Äthiopien und Eritrea, unserem Ziel.
Offiziell sollte hinter der Grenze Sudan-Äthiopien die Übergabezeremonie stattfinden. Was aus diesem Feldlazarett, Grund unseres Wüstenabenteuers, geworden ist, weiß der Teufel. Auf einen anderen LKW verladen, ist es uns nie wieder begegnet.
Um alle folgenden Irrungen und Wirrungen zu verstehen, hier die Bestandsaufnahme unserer Situation: Mit der Abfahrt des LKW waren wir auf Gedeih und Verderb den Kämpfern der Befreiungsarmee ausgeliefert. Im Sudan bewegten die sich illegal. Also galt, mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen.
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Dr. Selassie war über alle Berge und wir zwischen den Fronten
Telefonate oder andere Nachrichten abzusetzen, war ausgeschlossen. Wir wurden Bestandteil dieser Armee, immer umgeben von Soldaten, die nur arabisch oder amharisch sprachen. Im Verlauf unseres Aufenthaltes begegneten uns drei Kämpfer, die ein wenig englisch radebrechten.
Vollen Sprachkontakt gab es nur mit Dr. Selassie. Doch der war über alle Berge und sein Name erwies sich nicht als „Sesam-öffne-dich".
Später erfuhren wir von drei Fraktionen unterschiedlicher Weltanschauung unserer PLF-Leute (People's Liberation Front), die sich gegenseitig nicht über den Weg trauten. Wir waren zwischen die Fronten geraten. Ganz zu schweigen von der muslimischen Befreiungsarmee Eritreas, ELF (Eritrean Liberation Front).
Die bekriegte nicht nur die äthiopische Armee, sondern auch unsere PLF. Kurz und gut: Wir drei Europäer saßen voll in der Kacke.
Das Reiten war eine Qual - sieben Kamelstunden lang
Zurück in den Sudan. Gegen 22.00 Uhr verließ uns der LKW. Wir stärkten uns mit Fladenbrot und süßem Tee, krochen in unsere Schlafsäcke und schliefen unter freiem Himmel in einer Karawanserei. Nach wenigen Stunden weckte uns lautes Geschrei und Blöken der Kamele, von denen wir umringt waren.
Mit großem Stimmaufwand versuchten unsere Begleiter beharrlich, ihre Preisvorstellungen gegen die zeternden Wüstenschiffbesitzer durchzusetzen. Danach wurden die Kamele beladen. Jeden Sack, jede Kiste, jede Tasche, die in die Tragegurte gelegt wurden, quittierte das Tier mit Kopfumdrehen und missbilligendem Blöken.
Um 10.30 Uhr startete unsere Karawane in Tokar mit dem Ziel Maraflt. Am Ortsende hieß es Aufsitzen. Unser Ziel war sieben Kamelstunden entfernt. Das Reiten war eine Qual. Ich brauchte eine Stunde, bevor ich meinen Körper mit den Kamelbewegungen synchronisiert hatte.
Unter der gegen Mittag zunehmenden sengenden Hitze trabten wir durch knietiefes Wasser. Irgendein Fluss war über die Ufer getreten. Nach zwei Stunden nur noch trockene Wüste.
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Das größte Kamel der Karawane war ich!
Hätte ich doch nein gesagt! Dann säße ich, wie Bauer und Pitsch, in Erwartung des Weiterflugs bei kühlem Bier auf der Terrasse eines Airports.
Unvermittelt galoppierten unsere Kamele nach links. Kein Stöckchenschlag, kein Zügelruck half. Sie waren nicht mehr zu halten. Die Tiere hatten ein Wasserloch gerochen, das hinter einer Düne lag.
Alle tankten ausgiebig die braune Brühe. Kameltreiber, Soldaten, aber vor allem die Kamele. Wir leerten unsere Feldflaschen. In der Karawanserei gab es gutes Trinkwasser. Die Einheimischen füllten große Ledersäcke mit dieser Brühe und forderten uns auf, die Feldflaschen nachzufüllen. „Lieber vertrocknen als das zu trinken" sagte Erika. Sie ahnte nicht, was uns erwartete.
Eine Wolkendecke und feiner Regen erleichterten den Nachmittagsritt. Kameltreiber und Soldaten machten es uns vor. Drei kurze Schläge mit dem Dirigierstöckchen auf den Kamelhintern und der Befehl „Muschmusch, Muschmusch" und schon begann nach tadelndem Blöken das Wüstenschiff zu traben. Kaspar und ich wagten sogar ein kleines Kamelrennen.
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Die LKW-Fracht: Handgranaten, Kalaschnikows und Munition
Bei Sonnenuntergang hatte die Karawane Marapt erreicht. Runter vom Kamel und herumtaumeln, bis der Kopf begreift, dass unter dem Fuß fester Boden ist. Kurze Teepause, weiter mit einem LKW nach Kerora.
Beim Umladen vom Kamel auf LKW sahen wir die Fracht: Handgranaten, Kalaschnikows und Munition. Am 22. September 1975 gegen Mitternacht konnten wir endlich in die Schlafsäcke kriechen.
Wir erwachten in einem etwa dreißig Quadratmeter großen Bau, halb Zelt, halb Lehmhütte, mit drei Feldbetten und einem Tisch. Einer der Kämpfer servierte uns Fladenbrot und Tee und verwies auf drei Kisten Mineralwasser, die unter dem Tisch standen.
Wir wollten die Gegend erkunden, doch am Ausgang machten uns zwei weiß Bekleidete klar, dass wir nicht raus dürften. Bis dahin hielten wir uns für Gäste, doch wir waren Gefangene. Mit Fingerzeichen in Richtung Hosenschlitz machte ich mein Pipi-Bedürfnis klar. Durch Gesten wurde uns die Regelung mitgeteilt: immer nur eine Person, immer mit Burnus getarnt und nur hinter der roten Düne links.
Erika bekam für die Düne sogar Klopapier
Als Erste ging Erika. Der Türbewacher öffnete seinen Rucksack und überreichte ihr eine Rolle Toilettenpapier. Man hatte sich auf unseren Aufenthalt vorbereitet. Unsere Begleiter, wir später auch, benutzten Wüstensand nach den „Hintern-Geschäften".
Mittags gabs Reis, als Abendessen Brotfladen und Tee. Mit Anbruch der Nacht, gerade wollten wir völlig frustriert in die Schlafsäcke, wurden wir mit Sack und Pack von einem Landrover abgeholt. Erika durfte mit ins Führerhaus, Kaspar und ich wurden auf der Ladefläche kräftig durchgeschüttelt.
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Und wieder Stunden durch die Wüste
Mehrstündige Fahrt ohne Beleuchtung in einem wasserlosen Flussbett. Im Hintergrund erscheinen Berge, Lichtsignale blitzen. Viele Männer tauchen auf. Der Wagen stoppt. Unsere Soldaten und die eines uns gefolgten LKWs springen ab, Turbane und sudanesische Gewänder werden abgeworfen und geben die grüne Uniform derPLF-Kämp-ferfrei.
Krummstäbe werden gegen Maschinenpistolen vertauscht, alle umarmen sich und uns. Es wurde in die Luft geschossen und ein englischkundiger Offizier sagt uns voller Stolz: „Willkommen im Camp Mirba und dem befreiten Eritrea !."
Wir sitzen mit am Lagerfeuer, trinken Tee, exotische Früchte werden gereicht, alles getrübt durch einen Wermutstropfen: absolutes Foto- und Filmverbot.
Gegen Mitternacht erschien unser Landrover. Nach stundenlanger Fahrt, langsam wurde es hell, stoppte der Wagen vor der Zelthütte in Kerora (Sudan). Das Oberkommando hatte uns als unerwünschte Ausländer abgeschoben. Ohne Kommunikationsmöglichkeit saßen wir in der Hütte.
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Und pünktlich kam der Sandsturm
Morgens Tee, mittags Reis und pünktlich 14.00 Uhr Beginn eines Sandsturmes, vor dem wir trotz Hütte in den Schlafsack flüchten mussten. Gegen 16.00 Uhr wieder Windstille.
Danach durften wir täglich in einer Art Hof mit Lehmmauer für eine Stunde zum Rundgang antreten. Rat- und Hoffnungslosigkeit breiteten sich aus. Am 27. September, kurz nach dem Sandsturm, hörten wir ein Fahrzeug, wurden von Dr. Selassie umarmt und mit den Worten „Sorry, too much mistakes!"samt Gepäck in einen zweiten Landrover komplimentiert zu einer neuerlichen Nachtfahrt über die Grenze nach Camp Mirba.
Von dort weiter ins Hauptquartier nach Blechat. Ankunft am Sonntag, den 28. September, fünf Uhr morgens. Also rein in den Schlafsack. Zum Frühstück Tee in einer feindlich erscheinenden Umgebung. Auf Nachfrage die Mitteilung, Dr. Selassie sei wieder weg. Uns, inzwischen voller Flöhe und übersät mit Mückenstichen, hatte er zurückgelassen.
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Immer wieder : „Sorry, too much mistakes!"
Es folgten Verhöre. Wir standen unter Spionageverdacht. Unser Vernehmer sprach kaum englisch und verlangte von uns Passfotos, die wir nicht hatten. Später tauchte eine alte Polaroid-Kamera auf, die außer mir niemand bedienen konnte. Nach den Steckbrieffotos kam ein Englisch sprechender Kommandeur. Er beendete den ganzen Spuk mit den so oft gehörten Worten „Sorry, too much mistakes!"
19.00 Uhr, wieder im Landrover, Beginn einerzwölfstündigen Nachtfahrt über Stock und Stein in Richtung Asmara zur Hauptkampflinie. Das dauerte drei Tage. Nachts fahren, bei Helligkeit Fahrzeug mit Zweigen tarnen, bis in die Dunkelheit schlafen, dann das gleiche Spiel.
Am Tag hörten wir und sahen des öfteren die Flugzeuge der Äthiopier, die nach Stellungen der PLF suchten. Gleich, wer unser jeweiliger Partner war, immer wurde nicht von uns, sondern über uns entschieden.
Wir wollten zurück nach Deutschland, hatten die Nase gestrichen voll. Auf die Frage, wann wir zurück in den Sudan könnten, hörten wir immer „I don'tknow".
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Endlich durfte ich drehen
In Weki an der Asmara-Front erhielt ich Film- und Fotoerlaubnis, aber immer mit Einschränkungen verbunden. Wir folgen meinem Notizbuch: Frontdreh in Weki, Marsch nach Adidjan. Dreh: Soldaten helfen Landarbeitern, Quandeleba: Dreh Schulunterricht für Soldaten, Haielo: Dreh bombardierte Häuser, verbrannte Felder, Gräber ermordeter Dorfbewohner. Weitere Drehs: Verwundeten-Lager in Kaffeeplantage, exerzierende jugendliche, ein Frauen-Bataillon. Und das als Ausbeute von zwölf Drehtagen. Dabei ließ ich auch Betroffene zu Wort kommen, ohne deren amharische Schilderungen über die Grausamkeiten der Äthiopier zu verstehen.
Inmitten dieser Ortswechsel gab es ein Schlüsselerlebnis. Während einer Rast im Gebirge hatte ich eine fast tätliche Auseinandersetzung mit einem Offizier, der mir die Kamera vom Auge gerissen hatte. Ich schnauzte ihn an. Er zurück. Erika und Kaspar schlossen sich mir an.
Vor dem Höhepunkt schlichtete ein anderer Offizier den Streit. Die PLF-Leute waren sauer. Uns wurde ohne Abendbrot ein abseitiger Schlafplatz zugewiesen. Wir krochen in die Säcke und genossen das einmalige Sternenkino des Himmels.
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Unsanft geweckt um Mitternacht ......
Leichte Gewehrkolbenstöße und Fußtritte holten uns aus den Schlafsäcken. Durch klare Gesten wurden wir aufgefordert, zu folgen. Ohne unsere Taschen oder weiteres Gepäck. Zwei Schwerbewaffnete voran, dann wir. Uns folgten zwei weitere Soldaten.
Hinter dem Militärlager begann ein schmaler Feldweg. Erika fragte schlaftrunken: „Kann es sein, dass die uns erschießen wollen?" Kaspar und ich hielten das auch für möglich. Er guckte in die Talsohle und sagte: „Ein guter Platz dafür. Hier findet uns niemand."
Doch weiter ging es zu Tal und über Berg etwa eine Stunde lang. Hinter einer Felswand öffnete sich eine Schlucht, mehrere Lehmhütten waren im Sternenlicht zu erkennen. Vor einer der Hütten stoppten unsere Bewacher, blieben stehen und forderten uns auf, einen kleinen Eingang zu betreten.
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Und wieder lachte Dr. Selassie .....
Zaghaft öffneten wir die Tür und wurden vom lachenden Dr. Selassie umarmt mit den Worten „Welcome in the house of my parents". Er wollte uns sein Elternhaus zeigen. Den Raum erleuchtete ein offenes Feuer.
In der Ecke standen Esel, Ochs und Kuh. Ein Kleinkind lag auf einem Tuch, unter ihm Heu und Stroh. Mir wurde auf einmal klar: Die Bibel lügt. Von wegen, Jesu Geburt im Stall. Alles Schwindel. Maria und Josef waren auf ihrer Flucht Gast einer Familie.
Dr. Selassies Eltern begrüßten uns durch leichtes Verneigen. Beide und einige schöne jüngere Frauen und Mädchen bewirteten uns. Zum Abschluss gab es mit Pfeffer gewürzten übersüßen Kaffee. Als wir abgeholt wurden, sah ich in einer Nische eine fremdartige Ikone. Unsere Gastgeber waren koptische Christen.
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Das „Frontline-Team" drehte Fakes für NBC New York
Zurück im Hauptquartier begegneten wir zwei abgerissenen Kameraleuten. Sie nannten sich „Frontline-Team" und waren für NBC New York unterwegs. Es waren nette Kollegen, die mich aufforderten, am Abend mitzufilmen. Gegen ein Bündel Dollarscheine arrangierten PLF-Leute einen gefakten Sturmangriff auf nicht vorhandene Stellungen der Äthiopier.
Meine Kamera war jedoch nicht dabei. Was hätte der WDR gesagt, wenn ich ihm gefaktes Material untergeschoben hätte! Wie immer wurden wir am nächsten Abend abgeholt und ohne Zielangabe irgendwo hingefahren.
Wie damals am 10. Oktober 1975. In der Morgendämmerung standen wir wieder vor unserem ersten „Gefängnis", der Zelthütte in Kerora. Wieder hatte man uns abgeschoben. Meine Armbanduhr zeigte inzwischen den 11. September.
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Im LKW acht Stunden nach Marafit - und endlich nachhause
Doch diesmal ging alles schnell. Ein LKW fuhr uns acht Stunden nach Marafit, von dort weiter auf dem Kamelrücken nach Tokar und am nächsten Morgen sieben Busstunden bis Port Sudan. Von dort Flug nach Khartoum.
Dort hatte Medico ein Verbindungsbüro und ich, der zweiundzwanzig Tage Verschollene, konnte dem WDR meine Rückkehr ankündigen. In Raten, erst nach Rom, dann nach Frankfurt, flog ich gen Heimat.
Am 15. Oktober 1975 um 23.30 Uhr betrat ich wieder rheinische Heimaterde. Am nächsten Morgen übergab ich dem Kopierwerk tausend Meter Film.
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Der WDR agierte "komisch" - mindestens unverständlich
Im WDR wurde ich nicht als verlorener Sohn begrüßt. Mir wurde vorgehalten, mein Auftrag, laut Peter Bauer, beträfe nur zwei Tage verlängerten Aufenthalt in Afrika. Danach hätte ich sofort meinen Dienst in Köln antreten müssen.
Ohne Anweisung drei Wochen länger in Afrika zu bleiben, könnte für mich zur fristlosen Entlassung führen. Nach Telefonaten mit den Medico-Leuten in Frankfurt und einem neuen Gespräch mit Peter Bauer erhielt ich die Absolution. Die Personalabteilung verweigerte mir einen Freizeitausgleich für die in Afrika verbrachten Wochenenden. Die würden nicht als Arbeitszeit gelten.
Empört, verbunden mit der Mitteilung, ich würde die Tagespresse um Hilfe bitten, schrieb ich an den Intendanten. Als Antwort folgte eine Zahlungsanweisung über eintausendfünfhundert D-Mark für in Äthiopien erbrachte Sonderleistungen mit dem Vermerk: ohne Rechtsanspruch.
Das gefakte Film-Material des amerikanischen „Frontliner-Teams" wurde über eine Agentur dem WDR angeboten und trotz meiner Warnung als authentisch gesendet. Der zuständige Redakteur unterstellte mir Neid auf die so aktiveren Filmbilder meiner Kollegen. Die WDR-Hauszeitung „Fünkchen" ermunterte mich zu einem Zweispalter für die Dezember-Ausgabe. Meine Oberschrift „Irrungen um einen Eritrea-Auftrag" wurde durch den dümmlichen Titel „Romboys neue Abenteuer" abgewertet.
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- Anmerkung : Wie sich die "Anstalten" gleichen. Auch unser Zeitzeuge Günter Bartosch , der ja über 30 Jahre beim ZDF war, berichtet von solch verdrehten Zuständen.
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1976 - Im Vorgriff : Mir begegnet das Glück
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Meine Frau Vera
1976 kam, von mir anfänglich unbemerkt, das Glück in mein weiteres Leben. Nach einer Sondersendung, Peter Bauer schrieb den Text, ich übernahm die Schnittüberwachung, wollten wir unsere tüchtigen Kolleginnen, Cutterin Ute Geilenkeuser, ihre Assistentin und die blutjunge Tagesschau-Sekretärin Fräulein Krüper als kleines Dankeschön zu einem Abendimbiss einladen.
Als die WDR-Räume geordnet und abgeschlossen waren, zeigte die Uhr 22.00 Uhr. Kein Problem, meinten wir. Unser Filmhaus war Innenstadt. Aber Köln ist nicht Berlin. Das erste Restaurant sagte „Keine Speisen nach 22.00 Uhr", das zweite „Wir schließen gleich" und im dritten wurden schon die Stühle hochgestellt.
Nun fing es auch noch an zu regnen. Also aus der Traum. Die anderen, außer Fräulein Krüper, waren motorisiert. Obwohl sie auf eine gute Bahnverbindung hinwies, stieg sie in mein feines Opel Commodore-Coupe.
Auf mein „Wohin soll's denn gehen" sagte sie „Porz". Kein erfreulicher Zielort, auf der anderen Seite des Rheins und exakt entgegensetzt meiner Wohnung in Bergheim. Zur Verabschiedung der Kleinen stieg ich, ganz Kavalier, aus. „Schade, dass alle so früh schließen, zu einer günstigeren Zeit treffen wir uns mal zum Essen."
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Wochen später .... an einem Samstag ,......
Zwei Freundinnen hatten mir gerade abgesagt, also beschloss ich, solo Essen zu gehen. Da fiel mir die noch offene Einladung an Fräulein Krüper ein. Immer noch besser, als allein am Tisch zu sitzen.
Im WDR-Telefonbuch stand auch ihre Privatnummer. Wie ich bemerkte, sagte sie erfreut zu. Bei mir wird geplant. Essen nahe ihrer Wohnung gegen 19.30 Uhr, Essensdauer bis 20.30 Uhr, aber weiter?
Unhöflich, sie nach einer Stunde wieder bei der Mutter abzusetzen. Kein Problem, in Porz gab es ein Autokino. Vorstellungsbeginn 21.00 Uhr. Hoffentlich zeigen die keinen Wildwest- oder Kriegsfilm.
Der Filmtitel „ Butterfly" gefiel mir. Es wäre ein Liebesfilm, sagte am Telefon die ältlich klingende Kassiererin. Ich dachte, passt. Bei der Nachspeise angekommen, fragte ich die Kleine, ob sie schon mal im Autokino gewesen wäre. Die Antwort: „Zuletzt in meiner Schulzeit."
Nach meinem Hinweis: „Da soll heute ein netter Liebesfilm laufen" kam von ihr erfreut die Zusage. Am Kinostandort musste das Auto verkabelt werden. Ins Rückfenster kam ein Heizgebläse, zwischen die Hintersitze ein großer Lautsprecher. Während der Werbedias brachte ich Pappbecher mit Sprite und Cola. Zu Filmbeginn, wie damals üblich, ein langer Vorspann mit den Namen der Beteiligten.
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Der Schreck in der Abendstunde - ein Softpornofilm
Hintergrundbild: eine Alpenlandschaft, dazu zarte Begleitmusik. Nach dem letzten Titel blieb, ohne Musik, die Blumenwiese als Bild. Eine weibliche Stimme rief „Jetzt bitte auch noch von hinten!" Dann das Bild einer Sennerin, die sich über ein Geländer lehnte. Ihr waren, vielleicht durch den Wind, die Röcke über den Kopf geflogen. Dem hinter ihr stehenden Holzfäller waren offensichtlich die Hosenträgergerissen. Seine Lederbuxen schlabberten unterhalb der Kniekehlen.
Nächstes Bild: Zarte Frauenhände hantieren an Kuheutern. Danach lupfte eine Sennerin ihren Dirndlrock. Für den nächsten Stadtbesuch hatte sie rote Spitzenschlüpfer gekauft. Um Gottes Himmels willen!
Ich hatte meine kleine naive vielleicht noch unschuldige Kollegin zu einem Softpornofilm eingeladen. Gleich stellte ich mir das Gerede im WDR vor: „Der Romboy, dieser alte Bock, ich glaube der ist vierzig, hat das junge Fräulein Krüper, die könnte seine Tochter sein, zum Anmachen in ein Pornokino geschleppt."
Der Film lief weiter und ich stammelte Entschuldigung um Entschuldigung. „Fräulein Krüper, glauben Sie mir, hätte ich gewusst, dass dieser Film... Niemals hätte ich Sie gefragt..." Als ich mich ihrem hübschen errötetem Gesicht zuwandte, sagte sie: „ Ich glaube Ihnen, sowas ist nicht Ihr Stil."
Einer sofortigen Wegfahrt standen die Verkabelungen und die massive Störung der Vorstellung im Wege. Wir entschlossen uns zu bleiben und mal ehrlich, ein ganz kleines bisschen reizvoll waren die harmlosen „Ferkeleien" auf der Leinwand doch ...
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Ab jetzt verband uns ein Geheimnis
Nach dem Kino plauderten wir noch etwas im abgestellten Auto. Ab jetzt verband uns ein Geheimnis. Kein Wort im WDR. Wochen später, ich war viel unterwegs, verabredeten wir uns erneut zum Abendessen und ausdrücklich ohne Pornofilm.
Im Restaurant, sie saß mir gegenüber, entdeckte ich, wie reizvoll dieses junge Mädchen vom Gesicht bis zur Figur war. Ein ungeschliffener Diamant. Außerdem verrieten mir ihre Augen, dass ich für sie nicht nur ein beliebiger älterer Kollege war. Könnte es sein, dass sie in einen so alten Mann verliebt ist?
Der nächste Treff, wieder mit Wochen Abstand, war sorgfältig vorbereitet. Abendessen in einem hübschen Hotelrestaurant am Moselufer. Nie vorher war ich so stolz auf meine ziegelrotes Opel Commodore-Coupe und seine Musikanlage.
Für die Anfahrt hatte ich eine Kassette „Musik zum Träumen" erworben. Im Kofferraum lag ein Kassettenspieler, falls das Band außerhalb des Autos abgespielt werden soll. In einer großen Tasche wartete eine Flasche Asti Spumante nebst zwei Gläsern auf das Anstoßen vor dem Einschlafen. Auch ein Rosenstrauß mit Vase als Begrüßung zum Aufwachen war vorhanden.
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Im August 1980 wurde geheiratet
Nach einem herrlichen Abendessen mit Moselwein landeten wir dort, wo Liebespaare hingehören. Zu unserer Verwunderung erkannten wir, dass aus uns ein Paar geworden war. Anfangs kam Vera nur übers Wochenende zu mir. Der Kalender zeigte das Jahr 1978, als sie endgültig zu mir zog.
Abmachung: Heirat wegen der Altersdifferenz von 20 Jahren nicht im Plan. Solange es uns beiden gefällt, bleiben wir glücklich zusammen. Bei längeren Dienstreisen, drei Wochen Berlin, München oder Italien, besuchte sie mich.
Zwei weitere Jahre vergingen. Jetzt waren wir zu dritt. Kater Mulle war eingezogen und wir waren nicht mehr „kinderlos". Anfang 1980, wir sahen einen alten amerikanischen Spielfilm mit einer Hochzeit als Happy End.
Die Rührung meiner kleinen Geliebten veranlasste mich zu sagen: „Vera, wenn es Dir für die WDR-Kollegen oder Deine Familie wichtig ist, Frau Romboy zu werden, können wir, wenn Du willst, heiraten."
Sie errötete und Freudentränen kullerten über ihre Wangen. Danach umarmten wir uns. Ich denke, gegen alle Beteuerungen hatte sie auf meinen Antrag gewartet. Im August 1980 wurde geheiratet. Das Abenteuer Leben bewältigen wir bis heute, 2021, seit nunmehr 45 Jahren gemeinsam. Und wenn wir noch nicht gestorben sind, dann leben wir noch heute!
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