Juni 2026 - Das ist der Anfang der unfertigen Seiten - erst mal alle Texte korrigiert - die saubere Strukturierung und die über 500 Bilder kommen noch - es geht weiter - jede Nacht ....
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1962 - Veränderungen in der Kölner Tagesschau-Redaktion
Ende 1962 übernahm Rundfunk-Urgestein Hans Jesse die Kölner Tagesschau- Redaktion. Nach dem Abgang seines Vorgängers Mühlbauer hatten wir monatelang mit unserer Disponentin Gisela Volkenborn alleine gewurschtelt. Jesse erkannte Erneuerungsbedarf und engagierte im Verlauf des Jahres 1963 zwei neue Junge Reporter.
Als ersten holte er Heiko Engelkes, der kam vom Rundfunk, als zweiten Fritz Pleitgen, vorher Volontär und Lokalreporter bei der Freien Presse in Bielefeld. Für beide war es von Vorteil, mit mir zu arbeiten, einem Kameramann mit sechs Jahren Film- und zwei Jahren Tagesschau-Erfahrung. Mein Vorteil: Sie brachten frischen Wind in die Redaktion. Ihnen verdanke ich viele interessante Auslandsreisen der nächsten Jahre.
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Eine Begegnung der besonderen Art mit Dr. Adenauer
Zu den besonderen Erlebnissen der letzten Wochen im Jahr 1962 gehörte eine Begegnung der besonderen Art mit Dr. Adenauer. Mir war genehmigt, den Beginn einer Kabinettssitzung im Palais Schaumburg zu filmen. Dafür waren maximal fünf Minuten vorgesehen.
Mit bösem Gesicht mahnte der Pressereferent, aufzuhören. Im Schließen der Tür sah ich eine vom Assistenten vergessene Lampentasche, sprintete nochmal in den Raum und fiel prompt über eine Teppichkante. Nun lag ich vor den Füßen des Kanzlers. Reaktionslos, mit einem dummen Gesicht.
Erst als Adenauer aufstand und mir hoch half, löste sich der Überraschungskrampf. Adenauer sah meine rote Krawatte und witzelte: „Auch noch ein Sozi. Ob das deine Genossen freut, dass du dich mir zu Füßen gelegt hast?"
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Oktober 1962 - Kulturschock Paris
Am 26. Oktober 1962 wurde ich für eine Woche nach Paris geschickt. Es ging um das Referendum de Gaulle. Schon die Anfahrt ein Abenteuer, das zwölf Stunden dauerte. Ab Aachen gab es damals bis Paris noch keine Autobahn. Wir fuhren auf französischen Landstraßen, die mit „Route nationale" gekennzeichnet waren.
Zweimal mussten wir unsere Film-und Tonausrüstung ausladen. Erst beim belgischen, dann beim französischen Zoll. Jede Objektivnummer wurde mit unseren deutschen Zolllisten verglichen.
Am Steuer unseres Dienst-Mercedes mein Fahrer Hans Neumann, genannt „der Schnäuzer", weil unter seiner Nase ein kleines Bärtchen gewachsen war. Auf dem Rücksitz, meist fotografierend, mein persischer Assistent Mansour Yazdi. Neben Neumann saß ich. Auf dem Schoß Straßenkarten und Autoatlanten. Nirgends war Paris beschildert, immer nur die nächste größere Stadt. Stunden um Stunden ging die Fahrt durch ödes Flachland und heruntergekommene Dörfer.
Als Paris in Sichtweite kam - eine wirkliche Weltstadt
Glücklicherweise war nur wenig Verkehr. Dann, immer mehr Autos, der Stadtrand von Paris. Es ist mir heute noch ein Rätsel, wie ich es geschafft habe, unseren Wagen mit Hilfe des Stadtplans von Paris zu unserem Hotel zu lotsen.
Der Abend, ein Kulturschock. Vor dem Abendhimmel die Silhouette des Eiffelturms, vor dem Arc de Triomphe mit der großen wehenden Trikolore ein Lichtermeer von Autos und Neonwerbung.
Nur langsam dämmerte mir: Der Manfred aus der Ostzone steht tatsächlich mitten in der Weltstadt Paris, während seine Eltern, Freunde und Kollegen seit 1961 hinter einer Mauer eingesperrt waren.
An Schlaf war nicht zu denken. Jedes Geschäft, jedes Kino und jede Gasse musste inspiziert werden.
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Es waren die Tage vor der Präsidenten-Wahl
Am nächsten Vormittag Aufnahmen einer wahren Flut von Wahlplakaten. Es ging um den Wunsch de Gaulles, das Präsidentenamt durch Direktwahl zu bestimmen. Zur Volksstimmung interviewte mein Assistent Franz Wagenbach auf den Champs Élysées einige Straßenpassanten. Nachmittags dann Stadtbilder.
Für den späten Abend eine Verabredung mit Kollegen des Pariser Studios. Die wollten dem Paris-Neuling, der obendrein auch noch aus der Ostzone kam, Besonderes zeigen. Sozusagen als Überraschung.
Mit der Metro gings zum Boulevard St. Denis. Danach bogen wir in die Rue St. Denis ein. Tagsüber war das eine lange schmale Straße mit kleinen, etwas schäbigen Häusern. Die meisten enthielten Geschäfte.
Vom Fleischer über Bäcker bis zum Gemüsehändler waren alle Gewerbe vertreten. Die wenigen Etagen über den Geschäften wirkten unbewohnt. Kein Blumenkasten zierte die Simse, keine Katze lugte durch die Scheiben und keine Oma schaute nach dem bunten Treiben.
Auch spielende Straßenkinder fehlten. Nach Geschäftsschluss achtzehn Uhr wurden die Läden verrammelt.
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Und jetzt geschah etwas Sonderbares - für mich bzw. uns.
Bald darauf waren viele Fenster und alle Hauseingänge erleuchtet. Es kam "Leben in die Bude".
Bevor Sie weiterlesen, bitte ich Jugendliche unter achtzehn Jahren und Feministinnen, das Buch wegzulegen. An die Moralisten: „Bitte erwarten Sie von mir keine sozial distanzierenden Erklärungen. Als Kameramann bin ich ein Mann des Abbildens, nicht ein Mann des Abänderns."
Die etwas schnuddelige Straße erwachte nun zu einem neuen, ihrem Nachtleben - als Zentrum der Pariser Straßenprostitution. Auf sicher achthundert Metern Straße standen links und rechts vor den Hauseingängen und Schaufenstern der geschlossenen Geschäfte dicht an dicht junge bis sehr junge Mädchen und Frauen aller Hautfarben. Ein bestechend buntes Bild.
Als hätte ein großes Modehaus sie aufgestellt, um die Vielfalt der Frühjahrskollektionen vorzustellen. Alle waren sorgfältig frisiert, geschminkt und vor allem schick gekleidet. Bei den Frisuren dominierte der Pferdeschwanz. Er wurde ermöglicht durch ein verknotetes buntes Tuch oder eine breite goldene Spange.
Offenes Dekollete war out. Kleider am Hals geschlossen. Blusen oder Pullover waren offenbar ein bis zwei Nummern zu klein gekauft worden, denn sie wirkten sehr straff gespannt über gewissen zarten Wölbungen.
Die Zeit-Mode diktierte schmale Taille. Die wurde meist durch handbreite schwarze oder farbige Gürtel erreicht, die durch ihre Gummierung extrem verengt werden konnten. Zur Taillenbetonung trugen auch Petticoats bei.
Mehrschichtige bauschige Unterröcke, die mit Rüschen oder Spitzen verziert unter den Rocksäumen hervorlugten. Damals endeten die Röcke deutlich unterhalb des Knies. In der Rue St. Denis waren viele Mädchen, eine spätere Mode vorwegnehmend, in Mini-Röcken zu sehen.
Die Füße kamen nicht zu kurz. Sie wurden durch meist farbige Lederschuhe mit hohen Absätzen, Pumps genannt, bedeckt. Die Stimmung in diesem „Sündenbabel" war locker. Die „Freudenmädchen" plauderten und lachten miteinander, auch von Straßenseite zu Straßenseite, wobei Scherzworte verwendet wurden, die, so habe ich es mir sagen lassen, meist obszön besetzt waren.
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Ein Blick auf die Besucher und Gäste dieser Straße
Französische Männer, darunter viele Soldaten aller Waffengattungen, liefen auf den Bürgersteigen dicht an den Frauen vorbei, blieben nach manchem „Allo Cherie" für einen Moment lachend stehen, um von einer Kusshand begleitet die Straßenseite zu wechseln.
Anders die Touristen. Eine Minderheit. Den Schutz ihrer Gruppe suchend, gingen sie in der Straßenmitte, um verstohlen mal nach rechts und mal nach links zu starren. Sie wirkten wie ängstliche junge Hunde mit eingeklemmtem Schwanz.
Wenn sich im Schutz einer Touristengruppe eine Frau in die Straße gewagt hatte, wurde sie von den Liebesdienerinnen sofort böse beschimpft. „Hey, blöde Kuh, stell' dich mit hin oder machst du's nur umsonst?"
Mir bot sich ein verlogenes aber sehr reizvolles farbenprächtiges Bild. Was wäre ich beim Anblick mancher dieser Mädchen stolz gewesen, hätte ich sie als meine Freundin oder Geliebte anderen bei einem Spaziergang durch den „Bois de Boulogne" vorstellen dürfen.
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In Frankreich war manches anders - auch beim Sex.
Es war für mich ein Rätsel, weshalb so schöne Menschenkinder in so einer Straße stehen. Viel später musste ich zur Kenntnis nehmen, dass der Nachtverdienst solcher „Bordsteinschwälbchen" dem Vierzehntageverdienst einer Fabrikarbeiterin entspricht.
Für einen jungen Mann war es damals häufig eine schwierige Angelegenheit, eine Partnerin oder gar eine Sexualpartnerin zu finden. Es war kein schlechtes Gefühl, als Voyeur durch die sündige Straße zu laufen mit dem Bewusstsein, mit jeder dieser Schönen für 30 DM aufs Zimmer gehen zu dürfen.
Im Normalfall befriedigte diese Vorstellung. Natürlich befragte ich meine Pariser Kollegen, die sich so weltmännisch gaben, ob sie denn schon einmal in einer schwachen Stunde ....
Auch ich war natürlich ein "anständiger" Mann.
Alle verneinten das natürlich entrüstet. Wie auch alle anderen Bekannten und Freunde, denen ich in meinem langen Leben begegnet bin. Ein anständiger Mann tut so etwas nicht. Hat es auch gar nicht nötig.
Für wen stehen dann diese armen „Freudenmädchen" immerfort nachts auf dieser Straße? Kann es sein, dass nachts UFOs landen mit kleinen grünen Männern, die sich mit diesen Frauen paaren wollen? Wer weiß?
In den nächsten zehn Jahren meiner vergehenden Jugend bin ich bei meinen Paris-Besuchen öfters durch diese bunte Vielvölkerstraße gegangen. Selbstverständlich immer nur als Voyeur. War ich doch ein anständiger Mann.
Heute würden die Mädchen der Rue St. Denis vergeblich auf Freier warten. Zwei tapferen Feministinnen ist es 2018 gelungen, durch das Parlament Geldstrafen in Höhe von eintausendfünfhundert Euro festzulegen für Männer, die zu Prostituierten gehen. Prostituierende Frauen zu bestrafen, wurde vom Gesetzgeber nicht vorgesehen. Denn „mein Körper gehört mir".
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Mein Beruf als Abenteuer
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Am 13. September 1962 hatte ich mein 26. Lebensjahr vollendet.
Begleitet von Erlebnissen und Ereignissen des Glücks und des Unglücks, für die manch einer fünf Jahrzehnte seiner Lebenszeit brauchte, um gleich zu ziehen. In meiner rechten Schreibtischschublade liegt mein Berufsleben.
Vierzig Taschenkalender, die Auskunft geben, was wann wo passierte. Gestützt durch diese Eintragungen möchte ich chronologisch weiter schreiben. Nach meinen Maßstäben die Spreu vom Weizen trennen. Nur Erzählenswertes vermerken und Unwichtiges weglassen.
Dabei hilft mir ein verlässliches Tagebuch. Das steht nicht schwarz auf weiß in irgendeiner Kladde, sondern ist in Bild und Ton in meinem Kopf festgeschrieben und archiviert. Nicht für alle, nur für meine Lebenszeit.
Mein Geschriebenes wird auch die Sehnsucht nach fremden Ländern und meine Affinität zu Flugzeugen und dem Fliegen widerspiegeln. Ich wollte sehen und erleben, was mir bis dahin nur aus Büchern bekannt war. Aus mir, einem ehemals feinsinnigen Jüngling, der davon träumte, durch seine gestalteten Bilder den Scheinwelten von Kinofilmen Leben einzuhauchen, war als Filmberichter ein Bildjournalist geworden.
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Abenteuer 19.-23. Juni - Deutschlandflug 1963 - Historie
Mitte der fünfziger Jahre hatte der deutsche Aero-club zum ersten Mal nach dem Krieg wieder einen Deutschlandrundflug als Wettbewerb für Amateurpiloten ins Leben gerufen. Damit wurde eine alte Tradition fortgesetzt, den ersten Deutschlandflug gab es 1911. Startort war für die teilnehmenden zweihundert Sportflugzeuge Braunschweig, Zielort Nürnberg. Viele festgelegte Plätze mussten berührt werden, bis hoch zu den Nordseeinseln, erst dann ging es zurück zum Zielort Nürnberg.
Zeitraum: 20. - 23. Juni. Prominentester Teilnehmer: das Fliegerass Adolf Galland. Im Rang eines Generalleutnants der Luftwaffe hatte er 1944/45 mit einigen wenigen Piloten den ersten Düsenjäger der Welt, die legendäre „Messerschmitt 262"geflogen. Ich hatte das Vergnügen, in meiner Eigenschaft als „Fliegerkamerad" einige Male mit diesem sympathischen bescheidenen Mann zu sprechen.
Begleiten für die Tagesschau
Für die Tagesschau durfte ich den gesamten Flug begleiten. Die Bundeswehr hatte uns dafür einen Hochdecker zur Verfügung gestellt, die „Do 27". Mein Pilot war Hauptmann Kölsch, der sonst Flugkapitän eines großen Transporters war und an dieser Maschine und unseren Flugtagen genau so viel Vergnügen hatte wie ich.
Für Filmaufnahmen war die „Do 27" ideal. Sie konnte in der Luft bei Gegenwind wie ein Hubschrauber stehen und auf nahezu jedem Gelände landen. Bekannt wurde die „DO 27", zebraartig bemalt, durch Bernhard und Michael Grzimeks Film „Serengeti darf nicht sterben".
Natürlich flogen wir außer Konkurrenz. Was wir anflogen, war unsere Sache. Das große „F" an unserer Maschine stand für Film. An bestimmten Flugplätzen wurde mein FIlm-Material von Kurierfahrzeugen der Tagesschau erwartet. Der Pilot und ich waren die einzigen Insassen. Mein Assistent hatte sich nach der ersten Proberunde verabschiedet. Fliegen war nicht seine Sache.
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Ich war jetzt der „Franz" (kommt von sich verfranzen...)
Auf dem Kopiloten-Platz war ich Navigator oder, wie es in der Fliegersprache heißt, „Franz" (sich verfranzen...). Nach einem Nato-Handbuch stellte ich die Frequenzen der Funkfeuer ein, hatte aber auch Straßenkarten zur Verfügung und so konnten wir bei Unklarheiten über unsere Position „Fahrkarten" lösen. Zuerst suchten wir Eisenbahngleise, denen wir zum nächsten Bahnhof folgten. Im Tiefflug las ich das Stationsschild, dann war der Ort im Autoatlas nachzuschlagen.
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Und plötzlich eine Gewitterfront direkt vor uns
Trotz schlechten Wetters, Windböen, Regen und Hagel ein großes Flugabenteuer mit dramatischem Ende. Bei untergehender Sonne versperrte uns plötzlich eine Gewitterfront den Weiterflug nach Nürnberg. Wir versuchten erfolglos, sie links und rechts zu umfliegen. Gewitter mit Blitzen unterbrachen unseren Funkverkehr.
Langsam wurde es dunkel, aber es war uns nicht möglich, den auf einer Karte vermerkten Notflughafen zu finden. Hauptmann Kölsch flog in Spiralen immer höher und gemeinsam suchten wir das Blinklicht des Platzes. Langsam wurde es kritisch. Viel Sprit stand uns nicht mehr zur Verfügung. Doch da, links gleich hinter dem Wald, ein deutliches Blinklicht. Nichts wie hin. Eine große beleuchtete Landebahn erwartete uns. Mit „May-day"-Rufen über Funk baten wir den stockdunklen Tower um Landeerlaubnis. Keine Antwort.
Mit der Signalpistole schoss ich ein Notfallzeichen in Richtung Tower. Wieder ohne Antwort.
Wir beide mußten notlanden
Kölsch musste landen. Im beginnenden Regen stellten wir uns neben eine geparkte viermotorige „Herkules", die außer ihrer Tarnfarbe den weißen Stern zeigte.
Während wir wegen zu erwartender Gewitterböen unsere „Do" an vorhandenen Stahlringen festzurrten, kam ein Jeep. Ein freundlicher afroamerikanischer Heeressergeant half uns dabei. Sehr wortkarg akzeptierte er unseren militärischen Notfall, denn das Eiserne Kreuz an unserer „Do" zeigte ihm die Waffenbrüderschaft der NATO.
Er fuhr uns zum Kaffeeautomaten, stellte Kekse hin und wies uns einen Schlafraum zu. Er verweigerte uns jeden Kontakt zu seinen Vorgesetzten mit den Worten: „Only tomorrow morning."
Beim Frühstück mit dem Kommandanten erfuhren wir folgendes: Unser Notlandeplatz gehörte nicht zur Air Force, sondern zum Heer. Der Tower war nur besetzt, wenn eine Heeresmaschine ins Haus stand. Eine erwartete Maschine wurde aber wegen des Gewitters nach Frankfurt zum damaligen Militärflughafen umgeleitet. Also gingen die Tower-Leute in ihre Quartiere, sorry, dabei hatten die vergessen, die Pistenlichter auszuschalten.
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Auf dem Weg nach Afrika - im Oktober 1963
Noch in der DDR, 1959, hatte ich sie gesehen: Grzimeks abendfüllende Dokumentarfilme „Serengeti darf nicht sterben " und „ Kein Platz für wilde Tiere". Die Wahrscheinlichkeit, jemals den „dunklen Kontinent" zu betreten, lag (in der DDR) bei null. Meine Neugier auf Afrika lag aber bei hundert.
Nun, am l.Oktober 1963, saß ich in einer „Boeing 707" der Lufthansa auf dem Flug über Athen nach Kairo und weiter mit der BOAC der Briten über Khartum nach Nairobi. Heiko Engelkes, einer der beiden Jungen Reporter, die zu uns in die Tagesschau gekommen waren, hatte diese abenteuerliche Afrika-Reise organisiert. Außer ihm war noch mein Assistent und Tontechniker Mansour Yazdi an Bord.
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Unser Hauptauftrag:
Ein Bericht über die vom Wirtschaftsministerium arrangierte „German Mobil Exhibition Ost-Afrika" drehen. Eine Wanderausstellung, die nicht von Pappe war. Um die fünfzig weiß gestrichene Henschel-LKW fuhren von Stadt zu Stadt, begleitet von circa hundert ausgebildeten Studenten, um die Bundesrepublik, ihre politische Haltung und die Leistungsfähigkeit ihrer Wirtschaft in aufklappbaren Ausstellungswagen vorzustellen.
Kenia, britische Kronkolonie, stand zwei Monate vor seiner Unabhängigkeit. Es war geboten, sich rechtzeitig einen Platz im Bewusstsein der Afrikaner zu sichern. Der Lindwurm von LKW bestand aus Tankwagen, Wasserwagen, Wäschereiwagen, Duschwagen, Schlafwagen und Küchenwagen. In der Minderzahl die eigentlichen Ausstellungswagen.
Für die Fahrt tausender Kilometer über Ost-Afrikas Straßen und Pisten musste die Ausstellung autark sein. Mitunter erkundete ein Vorkommando die Tragfähigkeit von Brücken oder die Leistungsfähigkeit der wenigen Tankstellen. Wenn wir als nicht enden wollende Kolonne durch Kenia fuhren, groß den Bundesadler an den Fahrertüren, kam es häufig zu Missverständnissen. Zuschauergruppen am Straßenrand winkten begeistert. Gut für unseren Film.
Alle Deutschen wurden mit "Rommel" begrüßt
Weniger gut, dass viele von ihnen „Rommel, Rommel" skandierten. Uns half, dass wir ohne Ton filmten. Als die Kolonne auf der Fahrt von Kisumu nach Kitale eine Pause einlegte, waren wir plötzlich von Bewohnern eines nahen Dorfes umringt. Sofort filmte ich, was das Zeug hielt, bis ein Medizinmann alles stoppte. Meine Kamera, machte er allen klar, würde den Dörflern die Kraft aus den Knochen saugen.
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Aufruhr! und ungewöhnliche Erlebnisse
Bis ich meiner Polaroid-Kamera ein Foto des Medizinmanns entlockte und ihm überreichte. Mein Zauber hatte seinen gebrochen. Er segnete mich und alle lachten. Ich wurde ermuntert, weiter zu filmen. Pustekuchen. Nach der fünften Einstellung zerrten die Gefilmten an mir herum und verlangten, dass ich die Bilder rausrücke.
Die Ausstellungsmacher hatten uns für Fahrten durchs Land einen VW-Bus zur Verfügung gestellt, jeder Tag ein Abenteuer. Im Busch des Kakamega- Nationalparks überraschten wir Wilderer, die zum Fleischverkauf mit Pfeil und Bogen eine Giraffe erlegt hatten.
Da mein Reisepass, den ich zeigen musste, belegte, dass ich nicht zur Kolonialmacht England gehörte, durfte ich filmen.
Wegen der horrenden Kosten unserer Reise mussten wir viele Berichte für Tagesschau und Weltspiegel sowie fürs WDR-Radio liefern. Unser Material karrten wir über fürstlich zu bezahlende Fahrer einheimischer Schrottbuslinien zu den Flughäfen Kisumu, Kitale und Nairobi.
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Von zuhause ein Tadel, ich mache die "falschen" Bilder
Ein Ausstellungskurier brachte uns ein Fernschreiben, in dem meine Bilder getadelt wurden. Der Redaktion fehlten Palmen, Kakteen und die für Afrika typischen Affenbrotbäume. Bilder wie meine hätte man auch im Sauerland aufnehmen können.
Doch die verlangte Flora war auf unserer Route gar nicht vorhanden. Also kaufte ich bei einem englischen Gärtner eine Riesen-Agave, die uns fürderhin auf dem Dach des VW-Busse begleitete. Bei Aufnahmen stellten wir sie hinter Heiko Engelkes auf einen Felsen und in weiteren Bildern war sie im Anschnitt im Vorder- oder Hintergrund zu sehen.
Die Antwort aus Köln und Hamburg war: „Na bitte, geht doch !" Von mir, dem Filmberichter, wurde im ganzen Berufsleben immer erwartet, dass ich auch Klischees bediene.
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Auf den „White Highlands" in Kenia
Für Interviews und Bilder besuchten wir die „White Highlands", um mit den weißen Farmern zu sprechen, die mit sehr gemischten Gefühlen und nicht ohne Ängste dem Ende der Kolonialzeit entgegensahen. Um 1952 war in Kenia die Unabhängigkeitsbewegung „Mau Mau" entstanden. Die Untergrundkämpfer überfielen Plantagen, Farmen, Krankenhäuser und Elektrizitätsstationen des Hochlandes. Sie töteten und zerstörten alles, was die verhassten Weißen errichtet hatten. Später wurden auch alle Schwarzen ermordet, die mit und für die Weißen arbeiteten.
Daraus entstand fast ein Bürgerkrieg, der erst gegen 1960 endete. Die englische Kolonialarmee antwortete mit unbarmherziger Härte, Anführer erwartete der Strang.
Abends am Kamin, von Farmern eingeladen, hörten wir fürchterliche Berichte von Siedlern, die ihre Nachbarn zerstückelt wiederfanden. Ereignisse, die mitunter fünf Jahre aber auch fünf Monate zurücklagen. Die Zukunft der nicht Geflüchteten war ungewiss.
Dann ging es nach Kampala und in die Serengeti
Im Nachbarland Uganda filmten wir Kampalas neue Universität und am 9. Oktober die Vereidigung des ersten Präsidenten Obote. Zurück durch Kenia nach Nairobi, von dort mit dem Flugzeug in die Serengeti für einen Tourismus-Film.
Unbeschreiblich mein Glücksgefühl, dass ich drei Jahre nach meiner Flucht aus der DDR hier filmen durfte. Der Frankfurter Zoodirektor Dr. Bernhard Grzimek hatte hier 1958 seine Oscar-gekrönten Filme gedreht. Im Kino hatte mich das ungewisse Schicksal der afrikanischen Wildtiere berührt, auch der Fliegertod seines Sohnes des Kameramanns Michael Grzimek. Er starb, als sein „Do 27" Flugzeug mit einem Gänsegeier kollidierte.
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Weiter per Flugzeug nach Khartum
Die ARD hatte den Sudanesen einen (Nachtrag : alten gebrauchten schwarz weiß) Fernsehsender geschenkt. Dann nach Kairo. Die Lufthansa, mit der wir auf ihren Routen fliegen mussten, konnte erst für den übernächsten Tag einen Rückflug anbieten. So konnten wir privat die Sphinx und die Pyramiden besuchen. Hinter uns lagen Tage voller Erlebnisse und Abenteuer, gefühlt waren es Jahre.
Solche Reisen waren für Normalbürger eine Seltenheit. Für den Hin- und Rückflugpreis hätte ich mir einen Volkswagen kaufen können. Unter der Überschrift „Kamera-Arbeit bei vierzig Grad im Schatten" war über unsere Reise auch in deutschen Zeitungen zu lesen.
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Am Ende meiner ersten Afrika-Reise ging ein Kindheitstraum in Erfüllung: Ein an „Bakschisch" interessierter Aufseher zeigte mir nahe Kairo die Pyramiden von Gizeh, unbelästigt von anderen Touristen. Der Massentourismus begann erst Jahre später.
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1963 - Unterwegs mit Heiko Engelkes und Fritz Pleitgen
Durch seinen Rücktritt als Bundeskanzler beendete Dr. Konrad Adenauer am 15. Oktober 1963 die nach ihm benannte Ära Adenauer. Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard wurde sein Nachfolger.
Es war wieder Reporter Heiko Engelkes, den ich am 19. November 1963 in Paris traf, um über den Antrittsbesuch des neuen Kanzlers beim französischen Staatspräsidenten de Gaulle zu berichten. Angesagt waren die üblichen Bilder.
Kanzlerankunft im Hof des Elysee-Palastes und Shakehands mit de Gaulle am Eingang. Dann ging es weiter zum Quai d'Orsay, Außenminister Gerhard Schröder traf seinen französischen Kollegen. Am nächsten Tag Bilder von weiteren Konsultationen usw.
Letzter Akt: Erhard zieht Bilanz seiner Gespräche und fliegt zurück. Für unseren „wieder einmal" Abschied von Paris wusste Engelkes ein gutes Restaurant nahe La Madeleine. Der Kellner, ein Elsässer, freute sich, mit uns deutsch zu sprechen und erzählte in den Pausen zwischen den Gängen die neuesten de Gaulle-Witze.
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In Texas wurde soeben Kennedy erschossen
Beim Auftragen des Hauptgangs flüsterte er „In Texas wurde Kennedy erschossen". Wir ließen es uns schmecken und warteten auf die Pointe dieses neuen Kellner-Witzes. Es gab keine. Kennedy war tatsächlich tot. Der Restaurantkalender zeigte den 22. November 1963.
Nach dem ersten Schock hatten wir das Bedürfnis, journalistisch zu reagieren. An den Rotationsmaschinen der großen französischen Zeitungen drehten wir den Andruck der nächtlichen Sonderausgaben und baten Taxifahrer, Straßenpassanten und Zeitungsverkäufer um einen Kommentar.
Besucher einer gerade beendeten Kinovorstellung erfuhren erst durch die Engelkes-Fragen von Kennedys Ermordung. Der gewaltsame Tod des populären Amerikaners, der als Hoffnungsträger galt, löste überall tiefe Betroffenheit aus.
Vor wenigen Monaten - wir sind im Jahr 2021 - stellte eine große Zeitung ihren Lesern die Frage: "Unter welchen Umständen erfuhren Sie von Kennedys Tod?" Fünfundneunzig Prozent konnten antworten. Meine Antwort hätte lauten müssen: bei einem Steak au poivre in Paris.
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Und auch noch in 1963
Das ereignisreiche 1963 zeigte in meinem Kalender noch einen wichtigen Eintrag. 19. Dezember 1063 : Staatsbegräbnis Erich Ollenhauer. Nach meiner Unterbrechung seiner Rede vor der Sozialistischen Internationale damals in Amsterdam hatten wir uns bei weiteren Begegnungen als alte Bekannte zugenickt.
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1964 - mehr über Fritz Pleitgen
1964. Zeit, über den zweiten Reporter der Tagesschau zu sprechen: Fritz Pleitgen. Uns verband Weltsehnsucht und die Liebe zur Fliegerei. Vor der Weltkarte in der Kölner Redaktion zeigten wir uns gegeseitig unsere Traumorte und berieten, mit welchem Thema wir „die Hamburger" veranlassen könnten, uns dahin zu schicken.
In den nächsten Jahrzehnten konnte Pleitgen sich die halbe Welt „zu Füßen" legen, wurde für Jahre Auslandskorrespondent in Moskau, in Washington und realisierte Dokumentationen rund um die Welt. Im Verlauf der Jahre und Jahrzehnte hat „sein Affe" viel Zucker bekommen. Seine letzte WDR-Tätigkeit vor der Pensionierung: Er war Intendant.
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Zurück zur Fliegerei
Pleitgen organisierte Begegnungen mit unseren Lieblingen. Im April 1964 konnten wir bei einer NATO-Übergabe die silberglänzenden „Starfighter" bewundern. Am 6. September 1964 ging es für einige Tage in das fünfzig Kilometer von London entfernte Farnborough in die britische Grafschaft Hampshire.
Auf einem großen Flugfeld in der Nähe dieser Kleinstadt trafen sich alle zwei Jahre Flugzeuginteressierte aus aller Welt bei der Internationalen Air-Show. Eine unserer Pflichtübungen: das Statement mit dem deutschen Verteidigungsminister von Hassel.
Zu sehen und zu bestaunen waren hundert Fluggeräte, vom Überschalljäger über Passagierflugzeuge und Hubschrauber bis zum Hovercraft- Luftkissenboot. Ich staunte Bauklötze.
Star der Show war die „ Vickers Super VC 10", das erste britische strahlgetriebene Passagierflugzeug für 212 Passagiere, das eine Höchstgeschwindigkeit von 930 Kilometern in der Stunde erreichen konnte (und dann mehrfach abgestürzt war).
Mein Liebling war die Lightning, ein britischer Überschalljäger. Damals ahnte ich noch nicht, dass ich Jahre später auf dem Kopiloten-Sitz einer Lightning der Royal Air Force über Deutschland fliegen durfte. Im Oktober 1964 ging es ins britische Bournemouth.
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Das Überschallflugzeug „Concorde"
Die Britische Aircraft-Corporation stellte ihr neues Passagierflugzeug vor, die „BAC1-11", eine Maschine, die später durch ihre zahlreichen Abstürze von sich reden machte. Weiterging's nach Bristol. Dort war ein Modell des Überschallflugzeuges „Concorde" zu sehen.
Im November begleiteten wir ein Raketenflugzeug „Messerschmidt 163" auf seinem Weg ins Münchener Museum. Die Royal Air Force hatte es im Zweiten Weltkrieg erbeutet und nun an Deutschland zurückgegeben. Gelegenheit, mit dem letzten überlebenden Piloten zu sprechen, der mir später auch sein Buch schickte: Mano Ziegler.
Nahezu ein Jahrzehnt mit Pleitgen unterwegs
In den nächsten Jahren waren Pleitgen und ich Stammgäste der britischen „International Air Show" und des Pariser „Aero Salon" in Le Bourget. Meine vielen Luftfahrterlebnisse verdanke ich den Initiativen des Reporters Fritz Pleitgen.
Uns verband in diesen Jahren eine distanzierte Freundschaft. Über ihn hatte ich auch bei der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck an einem „Jet-Passenger-Lehrgang" teilnehmen dürfen. Neben fliegerärztlichen Untersuchungen und Druckkammerbelastungen erhielt ich dort auch Trainingsstunden an den verschiedenen Schleudersitzen und eine Cockpit-Instrumentenunterweisung.
Mein Ausbilder war Feldwebel Dachs, der bildhaft erläuterte, welche Schwerverletzungen bei einer Fehlbedienung des Lockheed-Schleudersitzes vor dem sicheren Tod entstehen können.
Ziel der Ausbildung: der Erwerb der „Jet Passenger Licence". Ohne diesen Ausweis kein Mitflug in einem Kampfflugzeug. Bis 1970 war ich Inhaber dieses wichtigen Papiers, das alle zwei Jahre erneuert werden musste.
Nahezu ein Jahrzehnt habe ich mit Pleitgen für die Tagesschau, den Weltspiegel und den Dokumentarbereich erfolgreich gefilmt. Seine Verbindung zu mir war nicht selbstlos. Ohne einen guten Kameramann können Fernsehreporter keine Meriten erwerben.
1964 - Europastraße 6
1964 bin ich das erste Mal fremdgegangen, der WDR war damit einverstanden. Der junge Regisseur Peter Kerstan hatte einen interessanten Filmauftrag an Land gezogen. Die Henschel-Werke, einer der namhaftesten Hersteller von Groß-LKW, wollten in einem Film ihr neues Modell „ HS 19 TS" vorstellen.
Unter dem Titel „Europastraße 6"sollte die Kamera einen solchen Wagen über dreitausend Kilometer begleiten, vom am Polarkreis gelegenen Rovaniemi in Finnland bis nach Rom. Der Streifen war als PR-Film für die Kinos gedacht, also bedurfte es einer Rahmenhandlung:
Ein junger Engländer reist per Anhalter durch Europa und begegnet immer wieder dem Henschel-LKW. Das Projekt war ein Industriefilm, also war Geld vorhanden. Viel Geld. Es durfte in Farbe gedreht werden. Peter Kerstan, vorher im WDR, wusste von meiner DEFA-Vergangenheit und dass ich als einziger WDR-Kameramann jahrelange Erfahrung mit 35 mm-Farbfilm hatte.
Am 21. August 1964 ging es los
Am 21. August 1964 starteten wir mit zwei 1500er Volkswagen in Köln. Der LKW erwartete uns in Finnland. Wir, das waren als Regisseur Peter Kerstan mit seiner Freundin, die zugleich Regie-Assistentin und Cutterin war, und ich mit meinem tüchtigen Assistenten Gerd Weiss.
In unserem Wagen die umfangreiche Filmausrüstung, bestehend aus einer 35mm „Arriflex"-Kamera nebst Objektivkoffer, Kassetten und zwei Stativen. Zuerst ging es nach Puttgarden zur Autofähre, die uns nach R0dby in Dänemark brachte. Von da ging es weiter nach Kopenhagen.
Dort begannen unsere Aufnahmen mit Bildern der Altstadt, des Schlosses Amalienborg und natürlich der kleinen Meerjungfrau. Am 25. August 1964 Weiterfahrt in das sechshundert Kilometer entfernte Stockholm. Trotz kerzengerader Straßen in bestem Zustand und spärlichem Verkehrsaufkommen waren (in Schweden) nur Geschwindigkeiten zwischen siebzig und hundert Stundenkilometern erlaubt. Die Gegend war dünn besiedelt, Tankstellen selten, das Fahren mit Reservekanister vorgeschrieben.
Der Wettergott war nicht auf unserer Seite. Regen und Wind wechselten sich ab. Außerdem war es auch noch kalt. Wir fuhren bis Einbruch der Dunkelheit, ohne die geplante Ortschaft zu erreichen. Es blieb nur die Möglichkeit, trotz der Saukälte im Auto zu übernachten. Sobald es hell wurde, ging die Fahrt weiter. Stockholm berührten wir nur kurz.
Unser Ziel war das am Polarkreis gelegene Rovaniemi in Finnland, eintausendzweihundert Kilometer von Stockholm entfernt. Stunde um Stunde langweiliges Flachland. Manchmal unterbrochen von einem kleinen Birkenwäldchen. Endlich Haparanda, Grenze und Zollstation.
Unsere letzte Übernachtung in Schweden. Nun waren es nur noch einhundertzehn Kilometer bis zum Ziel.
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Angekommen, ging die Filmerei los
Themen: Unser Anhalter am Polarkreis, unser LKW am Polarkreis, unser Anhalter trifft auf ein Rentier, unser LKW passiert eine Brücke, unser Anhalter wohnt in einer Straßenhütte, unser LKW trifft auf Anhalter und so weiter und so fort...
Gleichgültig, ob die Sonne lachte oder der Himmel weinte, es galt, das Pensum zu erfüllen. Der Umgang mit den Finnen war schwierig. Kaum zu glauben, in diesem Land sprachen alle finnisch außer uns Deppen. Doch es gab auch Gemeinsamkeiten: Die Landeswährung hieß Finnmark.
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Die Finnen und der Umgang mit den Geschlechtern
Der Umgang mit den Geschlechtern war in Finnland einfach nur merkwürdig. Eine Nachmittagsbesprechung in meinem Hotelzimmer - vier Männer, eine Frau - wurde vom Hotelier abgebrochen. Männer und Frauen in einem Hotelzimmer gestatte der Gesetzgeber nur Ehepaaren.
Am nächsten Abend wurde für uns Männer die finnische Sauna aufgeheizt. Auf die Frage unserer Cutterin, wann sie in die Sauna könne, erwiderte der Hotelier : „ Natürlich mit den Männern. Die finnische Saune kennt keine Geschlechtertrennung."
Leider hat unsere Hübsche darauf verzichtet. Für uns, fünf junge Leute - mit meinen achtundzwanzig war ich der Älteste - war diese Filmreise pures Vergnügen. Leider musste ich die Gruppe am 5. September in Stockholm verlassen und zurück nach Deutschland fliegen. Für den 6.9. war ich für die Luftfahrtschau im englischen Farnborough akkreditiert.
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1965 - Weiter für die Tagesschau
1965 war für mich sowohl beruflich als auch privat reich an besonderen Ereignissen. Zum Thema Entwicklungshilfe flog ich am 20.2. 1965 nach Rom und von dort über Accra und Lagos nach Lome, der togolesischen Hauptstadt. Wieder mit Heiko Engelkes.
Neben den Standardbildern von Land und Leuten zeigten unsere Aufnahmen den alten und neuen Hafen, ein Musterdorf in Palime und eine pflanzenüberwucherte Dampfmaschine aus Togos kolonialer Verbindung mit dem Deutschen Kaiserreich.
Mit dieser Kolonialzeit wurden wir täglich konfrontiert. Jeder Gullideckel und viele technische Einrichtungen waren deutsch beschriftet, ebenso die Eisenbahnschienen des unter der französischen Herrschaft nicht vergrößerten Schienennetzes.
Ein alter Lehrer, in der Kolonialzeit ausgebildet, pflegte sein Deutsch über Jahrzehnte und Generationen. Seine Kinder, die Enkel und die Urenkel versammelten sich in seinem Hof und sangen für unsere Kamera „0 Tannenbaum, 0 Tannenbaum" und „Annchen von Tharau". Es war für mich schwer, Rührungstränen zurück zu halten.
Ein alter Mann auf Lomes Straßen hörte uns deutsch sprechen und bat um fünf Minuten Wartezeit. Nach der Entfernung eines halben Dutzends Umhüllungen zeigte er stolz seine letzte Dienstmütze, beschriftet „Kaiserlich togolesische Eisenbahn".
Für Engelkes und mich waren solche Begegnungen bedeutungsvoll. Hatten wir doch in Kindertagen Zigarettenbilderalben mit dem Titel „Die deutschen Kolonien" gewälzt und die ersten Afrika-Eindrücke in Büchern über deutsche Kolonialpioniere erhalten. Noch in den fünfziger Jahren stand über den Tante-Emma-Läden „Kolonialwarengeschäft". Mutter und Großmutter sagten „Kameruner", wenn von Erdnüssen die Rede war.
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Ein neuer Radiosender der "Deutschen Welle" in Togo
In Togo wurde ein neuer Relais-Sender der Deutschen Welle eingeweiht, und wir arrangierten ein Gemeinschaftshören unter einer Palmengruppe. Das von uns mitgebrachte große Kofferradio haben wir selbstverständlich den Dörflern geschenkt. Weiter ging es zu den „Kamerunern" nach Jaunde. Ein Treffen mit deutschen Entwicklungsexperten war angesagt.
Mich erwartete eine mittlere Katastrophe. Auf dem Flug nach Kamerun war meine Alukiste mit dem Ladegerät verschwunden. Mein Umhängeakku hatte nur noch Saft für zwei Minuten Film. „Rien ne va plus" - nichts geht mehr.
Zur Verwunderung meines Kollegen brachte ich von Jaundes Wochenmarkt eine prall gefüllte Einkaufstasche mit. Inhalt: Flache Taschenlampenbatterien 4,5 Volt und blanker Kupferdraht. In Reihe beziehungsweise Parallelverbund lieferten sie für den weiteren Aufenthalt Stromstärke und Spannung für meine Kamera.
Filmberichte über geplante Ziegeleibauten und den Ausbau der transkamerunischen Eisenbahnen wurden doch noch möglich. Am 5. März 1965 der Rückflug in Etappen, mit innerafrikanischen Linien von Jaunde über Doula nach Lagos. Ab dort gab es Lufthansa.
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Das Radrennen Gent- Wevelgam
Mein Kalender zeigt, dass ich am 20. März 1965 auf dem Rücksitz eines Motorrades das gesamte Radrennen Gent- Wevelgam begleitete. Zwischendurch Regen und ich im Straßenanzug. Am Ziel war ich so verfroren, dass mich Streckenhelfer ins Hotelbett tragen mussten.
Abends in der Sportschau wurde dann getextet: „Unser Reporter Paul Müller war für Sie dabei." Richtig, der hatte mir per Telex die Startnummern der Favoriten durchgegeben.
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1965 - Ein turbulentes Jahr.
Mitte Mai durfte ich bei Brüggen vom Copilotensitz eines „Canberra-Bombers" der Royal Air Force Aufklärungsflüge der NATO filmen.
Dann erwartete die Kameraleute der Kölner Tagesschau eine besondere Aufgabe: Vom 18.5. bis zum 22.5.65 begleiteten sie den Staatsbesuch des britischen Königspaares für die Reihe „Sonderbericht Elisabeth II. in Nordrhein-Westfalen".
Vor meiner Kamera standen die Royalen bei ihrer Ankunft am Kölner Flughafen, im Rathaus Bonn, im Kölner Dom und bei ihrem Besuch der Royal Air Force-Base in Gütersloh.
Am 16. Juni 1965 hatte ich wieder einmal das große Vergnügen, den Air-Salon in Paris zu besuchen. Vom 28.6. bis3.7. wurde ich Hofberichterstatter. Auf Schloss Soest-dijk wurden als frisch Verlobte Beatrix, Prinzessin der Niederlande und Claus von Amsberg, ein deutscher Diplomat, den Film- und Fotojournalisten vorgestellt.
Danach mussten sie am 29. in Den Haag der Ersten und Zweiten Kammer des niederländischen Parlamentes Rede und Antwort stehen. Amsberg war umstritten. Von ihm, Jahrgang 26, gab es Fotos in Wehrmachtsuniform. Bei der Rundfahrt der Verlobten durch Amsterdam war mitunter der Ruf „Heil Hitler" zu hören und einige kritische Amsterdamer hoben den rechten Arm zum „Deutschen Gruß".
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Wolkenbruch und Hochwasser im Raum Paderborn
Ein alter deutscher Spielfilm hatte den Titel „Es fing so harmlos an". Am 16. Juni 1965 fuhr ich mit Fritz Pleitgen geschniegelt und gebügelt im dunklen Anzug und passender Krawatte nach Minden zu einem festlichen Ereignis. Ein berühmter amerikanischer Mädchenchor stand auf der Bühne.
In der großen Pause ein Anruf aus Köln. „Wolkenbruch und Hochwasser im Raum Paderborn. Katastrophenalarm! Gut, dass ihr schon dort seid!" Wir verließen die schmucken Kalifornierinnen, unser Team wagen karrte uns bis zu einer Dorf Straße, die halb unter Wasser stand.
„Ende der Fahnenstange." Trotz der Dunkelheit sahen wir einige Dörfler aus den Fenstern um Hilfe winken. Es war für uns Chronistenpflicht, weiter zu machen. Langsam gingen wir in Richtung Dorf.
Er, die Akkulampe, ich die Kamera über den Kopf haltend. Als wir zu filmen anfingen, stand uns das glücklicherweise warme Wasser bis zur Brust. Wir drehten die Bergung Gefährdeter aus ihren Häusern und die Befreiung von Kühen aus dem überfluteten Stall.
Als der Morgen dämmerte, setzte uns ein Schlauchboot des Technischen Hilfswerks irgendwo an Land. Ein Wegweiser zeigte uns ein nahes Dorf.
Pleitgen, der Ostwestfale, wusste, wo wir waren. Und dass in diesem Kaff eine ehemalige Freundin wohnte. Fünf Uhr morgens standen zwei Männer in nassen verdreckten Anzügen vor ihrer Tür. Die Gute kochte uns Tee und während wir in Unterhosen auf ihrer Couch saßen, trocknete sie die Anzüge. Bald stand unser Teamwagen vor der Tür. Schließlich war die „Tagesschau" mit Autotelefonen versehen.
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1965 - Was für ein wunderbares Jahr.
Der „kleine Manfred" aus der Ostzone war endgültig im Westen angekommen und hatte nach bestandener Prüfung ein todschickes Auto gekauft. Elftausend DM, damals sehr viel Geld, hatte der 1500er Karmann Ghia, ein Zweitürer, gekostet.
146 Kilometer Spitze zeigte sein Tachometer. Die Farbe: ein zu Türkis neigendes Blau. Das Dach glänzte in Elfenbein. „Miezenaufreißer" nannten wir Flegel schöne und seltene Autos.
Durchaus erwähnenswert: Am 10. und 11. September 1965 durfte ich für die Tagesschau in Westfalens Hauptstadt Münster den Auftritt der Rolling Stones filmen. Am 19. September stand vor meiner Kamera Bundeskanzler Erhard bei der Stimmabgabe zur Bundestagswahl. Ich gehe davon aus, dass er CDU angekreuzt hatte, bevor er, von vielen Fotografen begleitet, seinen Stimmzettel in die Urne warf. Das Ergebnis: CDU und SPD mit über zwölf Millionen Wählerstimmen Kopf an Kopf. Die CSU schaffte über drei Millionen, die FDP erhielt knapp zweieinhalb Millionen.
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Zum ersten Mal in Amerika
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Die Lockheed F104G, der „Starfighter" - neu seit 1960
Im Februar 1960 hatte die Bundeswehr ein neues Kampfflugzeug in Dienst gestellt, die Lockheed F104G, „Starfighter". Eine als Abfangjäger konstruierte Maschine, die eine doppelte Schallgeschwindigkeit erreichen konnte.
Schon die Anschaffung war umstritten. Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß wurde heftig kritisiert. Als 1962 durch einen Pilotenfehler vier Maschinen einer Kunstflugstaffel und ihre Piloten verlustig gingen, war das ein böses Omen.
Als Ergebnis vieler Fehlentscheidungen kam es zu weiteren Abstürzen, Zeitungen erfanden für die F104 die Bezeichnung „ Witwenmacher". Höhepunkt der Misere: 1965 waren siebenundzwanzig Abstürze mit siebzehn toten Piloten zu beklagen.
Was waren die Gründe? Der Maschinentyp, die Verwendung oder die in den USA stattfindende Ausbildung? Die Medien warteten auf Antworten. Das Verteidigungsministerium saß in der Klemme.
Anfang Oktober 1965 erging an Luftfahrtjournalisten der großen Zeitungen und Magazine, verschiedene Industrievertreter und Militärs die Einladung zu einer Informationsreise in die USA.
Termin: 6. - 22.11.1965 - Vorgesehenes Programm: Besuch von Produktionsstätten der amerikanischen Luftfahrtindustrie, vor allem der Lockheed-Werke, Hersteller des „Starfighters". Außerdem war vorgesehen, die in den USA liegenden Flugplätze zu besichtigen, auf denen die Ausbildung deutscher Piloten stattfandt.
Für uns, die einzigen TV-Leute, die an der Reise teilnahmen, hatte Fritz Pleitgen vereinbart, dass wir nicht am gesamten Programm teilnehmen mussten, damit uns Freiräume für andere Reportagen blieben.
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Schon der Hinflug ein Abenteuer - navigiert nach den Sternen
Startpunkt: Der (damals noch) militärische Teil des Flughafens Frankfurt am Main. Unser Flugzeug: eine viermotorige Douglas „DC-6B" aus den späten 19fünfziger Jahren.
Kein Gedanke an Nonstop Frankfurt-New York. Wir flogen die alte klassische Route. Zuerst zum Flugplatz Shannon im nördlichen Irland. Dort wurde noch einmal aufgetankt für den Flug zum legendären Flugplatz Gander auf der kanadischen Insel Neufundland.
Dreitausend Kilometer, also neun Stunden Flug über den nordatlantischen Ozean. Im Cockpit saßen vier Personen: zwei Piloten, ein Flugingenieur und der Navigator. Oberhalb seines Platzes war eine kleine Plastikkuppel.
Über dem Atlantik gab es irgendwann keine Funkfeuer mehr. Der Navigator musste „Besteck" machen, wie die Seeleute sagen. Mit einem Sextanten stand er in der Kuppel und ermittelte nach den Sternen den Standort unserer Maschine.
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Die Bundeswehr war nicht knausrig - und die Schröder Story
Bier und Sekt wurde pausenlos angeboten. Nach Mitternachtstand ein harter Kern von Journalisten und Offizieren mit Gläsern in der Hand an der geöffneten Cockpit-Tür. Anekdoten machten die Runde. Mein Beitrag: Als ich wegen eines Verkehrsstaus den Besuch Gerhard Schröders im Quai d'Orsay verpasst hatte, fuhr ich nachmittags in sein Hotel und kam unkontrolliert bis zur Zimmertür.
Ich störte beim Mittagsschlaf. Um in der Tagesschau zu erscheinen, folgte er meinem Vorschlag, im Hotelgarten Brustbilder aufzunehmen, die, mit Bildern vom französischen Außenministerium kombiniert, seine Paris-Präsenz auch filmisch belegen würden. Trotz dreißig Zentimeter Schneehöhe und nasser Hosen ging er für meine Kamera mehrmals durch die Gartenwege. Alle lachten, auch ich.
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Das dicke Ende kam danach
Das Lachen verging mir, als ich Ende November 1965 zum WDR-Intendanten bestellt wurde. Dort präsentierte mir Schröders Referent ein Exemplar der Boulevard-Zeitung „Mittag".
Unter der Überschrift „Für das Fernsehen tut er alles" war meine Anekdote als eine Schröder-Glosse gedruckt worden. Einer der anwesenden Journalisten hatte nicht den kollegialen Anstand gewahrt.
Als der CDU-Mann beleidigt das Zimmer verließ, fand unser Intendant Herr von Bismarck die Story lustig. Doch wenn ich weiterhin Internes ausplaudern würde, wäre mein Rausschmiss sicher.
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Weiter geht es in Amerika
Als wir in unserer „DC 6" genug getrunken und erzählt hatten, landeten wir gegen fünf Uhr morgens zum Frühstück in Gander. Nun waren wir nur noch eintausendachthundert Kilometer vom Zielflughafen McGuire in Lakehurst entfernt. Auf der Fahrt ins hundert Kilometer entfernte New York sprachen wir natürlich über die Lakehurst-Katastrophe.
Am 7. Mai 1937 war hier der Stolz deutscher Luftfahrenthusiasten, das Luftschiff Hindenburg, explodiert und verbrannt.
Ich war das erste Mal in New York. Ein Erlebnis der besonderen Art. Für das Eintauchen in diese Weltmetropole standen uns nur zehn Stunden zur Verfügung. Trotzdem schafften wir das Wichtigste: eine Fahrt mit der Fähre zur Freiheitsstatue, die Besichtigung der wichtigsten Wolkenkratzer, einen Gang durch den Central Park und das obligate Broadway-Foto.
Shopping war nicht vorgesehen. Eine DM war nämlich in New York gerade mal 25 Cent wert. Um 18.30 Uhr startete unsere Maschine nach Dallas in Texas.
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Jetzt in Dallas in Texas
Für den nächsten Tag waren Aufnahmen in den Bell-Hubschrauberwerken vorgesehen. Durch den zwei Jahre vorher verübten Mord an John F. Kennedy war der Name dieser Stadt negativ besetzt.
Zur Wiederkehr dieses Tages filmten wir für die Sendung Weltspiegel noch einmal die Schauplätze. Am Gebäude des Texas-Schulbuchverlags war das Fenster markiert, aus dem Lee Harvey Oswald über ein Gewehr mit Zielfernrohr die tödlichen Schüsse abgegeben hatte, kurz bevor Kennedys Wagen unter einer Brücke in Sicherheit gewesen wäre.
Wir folgten seinem letzten Weg ins Park Land Hospital und drehten in der Ambulanz, dem Sterbeort des Präsidenten. Es folgten dann verschiedene Filmaufnahmen in Los Angeles und San Francisco.
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In Amerika waren wir DM-Leute arme Teufel
Wie schon erwähnt, im Dollar-Paradies Amerika waren wir DM-Leute arme Teufel. Unsere Übernachtungen in Mittelklassehotels erstattete anstandslos der WDR. Als Aufwandsentschädigung für die notwendigen Restaurantbesuche auf einer Auslandsdienstreise zahlte der WDR pro Tag eine Pauschale von vierzig DM. In Europa ausreichend, doch in den USA wurden daraus zehn Dollar. Genau diesen Betrag verlangten die Hotels für ihr schlichtes Frühstück. Für uns viel zu teuer.
Eines unserer Hotels bot eine preisgünstigere Lösung. Vis-a-vis war ein Coffeeshop mit dem Angebot, Hefeteilchen nebst Kaffee ein Dollar. Morgens um sieben wurden die Rollos hochgezogen. Wir waren einige Tage die ersten Gäste der drei jungen hübschen Afro-Amerikanerinnen.
Als wir nach der Bestellung miteinander Deutsch sprachen, amüsierte die Mädchen offensichtlich das fremde Idiom. Anlass für uns, mit den Mädchen Deutsch zu scherzen, was erneute Lachsalven auslöste. Keine Zeit für Sprachspiele - wir mussten zum Dreh.
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Wirklich Mist, die eine der Damen sprach Deutsch
Am nächsten Morgen das gleiche Spiel. Wir waren junge Männer und keine Pastorensöhne, also warben wir unter Erwähnung der Breite unserer Hotelbetten um die Mädchen und sagten, dass wir nachts zu allem bereit wären.
Erneut steckten sie die Köpfe zusammen und lachten sich scheckig. Als mein Assistent mit seinem deutschen Angebot begann, unter die Gürtellinie zu gehen, bat ich ihn, seine Sprachscherze auf den Busen zu beschränken.
Plötzlich flüsterte die Älteste lachend in mein Ohr „Lass' ihn bitte weiterreden. Er spricht so interessant und ich verstehe jedes Wort".
Nach Drehschluss verabredet, haben wir einige schöne Stunden miteinander verbracht. Agnes, eine kaffeebraune Schönheit mit schwarzem Kraushaar, lebte erst seit einem Jahr in den Staaten.
Ihre Mutter, ein blondes bayerisches Mädchen aus der Gegend von Rosenheim, hatte vor achtzehn Jahren einen Sergeanten der US-Army geheiratet, dem sie sechs Kinder schenkte. Agnes, die Älteste, hatte in einer bayerischen Schule die Mittlere Reife bestanden.
Die Familie wäre gern in Deutschland geblieben, als der Vater zurück in die USA musste. Doch Kindergeld, es ging um eintausendfünfhundert Dollar, zahlte die Army nur, wenn die Kinder mit ihrem Vater in den USA lebten. Deshalb wurde aus dem Bayernmädchen Agnes ein US-Girl.
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Noch etwas Touristisches
Für das Wochenende 13./14.November 1965 hatte unser Gastgeber, die Bundeswehr, Touristisches vorgesehen: einen kurzen Aufenthalt in der Spielerstadt Las Vegas und in Los Angeles den Besuch des Disney-Lands und der Universal-Filmstudios in Hollywood.
Es beginnt der Ernst des Reporterlebens
Am Montag begann der Ernst des Reporterlebens mit Besichtigung und des Drehs des Air Force-Flughafens „Edward Air Base", weiter zu einem Interview mit dem Konstrukteur der F104, Kelly Johnson, und danach zur Williams-Air Force Base.
Hier, im heißen wolkenlosen Arizona, erfolgte die Grundausbildung der zukünftigen deutschen Starfighter-Piloten. Nur wer alle Trainingshürden auf der zweistrahligen Northrop „T38", die es auf immerhin eintausenddreihundert km/h schaffte, absolviert hatte, durfte eine Station weiter.
Zu filmen gab es das Leben und Treiben unserer Jungs von der Luftwaffe, nicht nur der Piloten, auch des deutschen Bodenpersonals. Nachdem ich genügend Starts und Landungen im Kasten hatte, durfte ich selber ran, dank meiner Jet Passenger Licence. Dreißig Minuten Einweisung, vor allem in die Sauerstoffmechanismen und die Bedienungsfolgen des Schleudersitzes.
Ich durfte den Starfighter fliegen, nicht nur mitfliegen
Start! Mein Pilot, ein amerikanischer Fluglehrer, zeigte mir die Schönheiten Arizonas, indem er im Affenzahn durch Schluchten bis zum Lake Theodore Roosevelt und zurückflog. Flugaufnahmen meiner Maschine über dem Lake verdanke ich einem Stern-Fotografen, der wie ich die Lizenz besaß und zur gleichen Zeit mit einer „T38" unterwegs war.
Die nächsten Tage waren der Luke Air Force Base vorbehalten. Hier erfolgte auf einer F104 G-T die Schulung unserer zukünftigen Starfighter-Piloten. Pleitgen und ich hatten viel zu tun. Außer den üblichen Bildern für Tagesschau und Weltspiegel erwarteten die Lokalredaktionen einiger ARD-Sender Berichte und Interviews mit ihren Piloten und Angehörigen, die aus Hessen oder Nordrhein-Westfalen kamen.
Nachdem ich mich mit Starts und Landungen an der Piste ausgetobt hatte, durfte ich selber den Silbervogel besteigen. Selten und nur mit Sondergenehmigung des Verteidigungsministeriums der USA durften Zivilisten in einem Kampfflugzeug fliegen. Natürlich nur Lizenzinhaber.
Ich war also ein VIP = eine "very important person"
Für meinen US-Piloten USAF Major Durst war ich also VIP. Wie in einem super Fahrstuhl ging es blitzschnell immer höher und höher. Ich wurde in den Schleudersitz geradezu gepresst. Schnell zeigte das Instrument im Armaturenbrett fünfzehntausend Meter Höhe. Wieder in der Waagerechten, der Druck hatte nachgelassen, bewegte der Pilot zweimal hart den Steuerknüppel zwischen meinen Beinen und übergab mir mit den Worten „Sir, this is your flight" unseren „Starfighter".
Was für ein Gefühl, in solch einer Maschine zu sitzen, die zum größten Teil nur aus dem Triebwerk und einer Art Rakete bestand. Mir war, als säße ich wie Baron Münchhausen auf der Kanonenkugel.
Der Pilot genehmigte mir, eine Rolle zu fliegen. Also Steuerknüppel hart rechts, und der Silbervogel drehte sich einmal um die eigene Achse. Bei bestimmten Flugfiguren entstand für Sekunden Schwerelosigkeit. Meine dreißig Meter-Filmbüchse machte sich selbständig und schwebte vor meinen Augen in der Luft. Viel zu schnell musste ich ihm den schönen „Sternenkämpfer" zurückgeben. Meine Order war zu filmen.
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Der „Starfighter", Gegenstand heftiger Kontroversen
Der „Starfighter", Gegenstand heftiger Kontroversen in der Politik, ständig im kritischen Kreuzfeuer der Print- und TV-Medien - das war für uns erstaunlich - er war Liebling derer, die ihn flogen und doch so häufig mit ihm abstürzten: der Piloten.
Wir, die Journalisten, waren ihre Feinde und würden nur „ständig querschießen". Für sie galt die F104 alternativlos als bestes Kampfflugzeug der Welt und die vielen Abstürze als Pilotenfehler.
„Wenn wir viel mehr fliegen dürften, würde es kaum noch Abstürze geben. Unser „Starfighter" ist wie ein edles Rennpferd, das Fehler des Reiters mit Abwerfen beantwortet."
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- Anmerkung : Die deutsche F104G Version war "overloaded" wie die Amerikaner die deutschen Sonderwünsche qualifizierten. Die Maschine wurde zu schwer und damit in Grenzbereichen nicht mehr steuerbar. Die amerikanischen Versionen waren da nicht so extrem krtisch. Das kam aber erst nach dem 120. Absturz deutscher Maschinen ans Tageslich.
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Unser Rückflug
Die letzte Nacht verbrachten wir genussvoll in New York. Dann saßen wir schon in unserer „DC 6" für die erste Etappe Lakehurst nach Neufundland. Wieder mussten die dreitausend Kilometer über dem Nordatlantik überwunden werden, bis wir im irischen Shannon zum Tanken einflogen. Von dort ging es zum Ende der interessanten Reise nach Frankfurt.
Der Zollbeamte im militärischen Teil sah sich morgens um vier Uhr nicht in der Lage, das Gepäck von fünfzig Leuten zollamtlich zu kontrollieren. Er wusste einen Ausweg. „Mir würde die schriftliche Bestätigung eines Offiziers genügen, dass nichts Zollpflichtiges im Gepäck ist."
Unsere Bundeswehroffiziere passten. Ein Industrievertreter aus unserer Gruppe fragte: „Kann es auch ein General sein?" Der Zollmann salutierte: „Jawohl, Herr General" und erhielt eine persönliche Unterschrift mit dem Zusatz „General Electric USA".
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