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Die Farbenphotographie mit Mehrschichtenmaterial

aus KINOTECHNIK 1939 - Heft 2 / Februar - Zeitschrift für die Technik im Film

Von Dr.-Ing. Werner Matthaes, Berlin-Lankwitz
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Additive und subtraktive Verfahren der Farbenphotographie

Wir unterscheiden bei der Farbenphotographie additive und subtraktive Verfahren. Zur ersten Art gehören die Farbrasterverfahren, die zur Farbgebung über der lichtempfindlichen Schicht einen Farbraster aus feinen farbigen Strichen (Dufay-Color-Verfahren *1)) oder aus mikroskopisch kleinen gefärbten Stärkekörnchen oder Harzteilchen (Lumiere *2)-Agfacolor-Farbrasterfilm *3)) tragen und das Berthon-Siemens-Verfahren *4), bei dem der Film einen farblosen Raster in Form von winzigen, in den Film auf der emulsionsfreien Seite eingeprägten Linsen (etwa 22 Linsen auf 1mm *5) trägt.

*l) Ber. über den VIII. Int. Kongreß für wiss. angewandte Photographie, Dresden 1931, S. 230
*2) DRP. 172851
*3) v. Holleben, Farbenphotographie mit Agfacolor 1935, S. 21
*4) FP. 399 762, DRP. 223 236
*5) Eder, Ausf. Handbuch der Photographie, 1932, 4. Aufl. Bd. 1 Teil 2, S. 975

Die Farbzerlegung und Farbgebung kommt bei diesem Verfahren durch ein vor das Objektiv bei der Aufnahme und Projektion eingeschaltetes Filter mit Farbstreifen zustande. Der Nachteil der Rasterverfahren ist ihr hoher Lichtverbrauch bei der Projektion.

Dies gilt vor allem für das Linsenrasterverfahren, das die Benutzung besonders lichtstarker Projektoren erfordert. Bei dem Farbrasterverfahren ist es zudem eine Schwierigkeit, den Raster fein genug herzustellen, damit er nicht auf dem vergrößerten Projektionsbild sichtbar wird.
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Das subtraktive Verfahren

Bei den subtraktiven Verfahren werden entweder nacheinander oder gleichzeitig von dem aufzunehmenden Gegenstand durch verschiedene Farbfilter (rote, grüne und blaue Farbfilter) mehrere Aufnahmen gemacht, und die, entweder durch Kopieren oder Umkehrentwicklung hergestellten positiven Bilder werden in den Kom plementärfarben blau, rot und gelb gefärbt und ergeben konturengleich übereinander gelegt das mehrfarbige Bild. An den Stellen, wo alle drei Farben übereinander liegen, erscheint das Bild schwarz, während durch das Fehlen der einen oder beider Farben sich die anderen Spektralfarben ergeben.

Die Mehrpackverfahren

Die Idee, durch die Anwendung verschiedener farbiger Lichtfilter vor dem Objektiv drei Farbteilbilder zu erzeugen und durch Übereinanderlegen der gefärbten Bilder ein naturfarbiges Bild herzustellen, ist schon alt und zuerst von Maxwell im Jahre 1861 ausgesprochen worden *6).

Von dem Franzosen Ducos du Hauron wurden auf diesem Wege zuerst im Jahre 1875 Mehrfarbenbilder hergestellt *7), nachdem durch die Entdeckung der farbigen Sensibilisierung durch Vogel im Jahre 1873 *8) die Möglichkeit gegeben war, den Maxwellschen Vorschlag zu verwirklichen.

Von Ducos du Hauron stammt auch der Vorschlag, das Dreifarbenbild durch gleichzeitige Aufnahme auf drei hintereinander liegenden, verschieden farbenempfindlichen Platten zu erzeugen *9).

*6) Eder a.a.O. S. 930
*7) Eder a.a.O. S. 936
*8) Eder a.a.O. S. 635
*9) Eder a.a.O. S. 938
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Bipacks, Tripacks und Monopacks

Er ordnete hinter einer blau empfindlichen bei der Aufnahme dem Objektiv zugekehrten Bromsilberplatte einen grün empfindlichen Film, dahinter ein Rotfilter und hinter diesem eine rotempfindliche Schicht an.

Ein solches System mit drei hintereinander angeordneten, auf je einem Träger befindlichen Schichten bezeichnet man in der Farbenphotographie als Tripack zum Unterschied von Filmen mit mehreren übereinander gegossenen Schichten, die als Monopack bezeichnet werden.

Neben den Tripacks hat man auch noch Bipacks, d. h. auf zwei verschiedenen Trägern befindliche, hintereinander angeordnete Schichten in der Farbenphotographie verwendet.

Die durch den Schichtträger und die Emulsionsschichten bewirkte Lichtstreuung bringt jedoch eine Unscharfe der in den unteren beiden Schichten des Mehrpacks erzeugten Farbteilbilder mit sich.
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Vorschläge zur Verbesserung der Bildschärfe

Um die Bildschärfe der Bilder bei den Mehrpacks zu verbessern sind verschiedene Vorschläge gemacht worden. So hat man vorgeschlagen, die dem Objektiv zugekehrten Schichten aus silberarmer Emulsion *10) herzustellen oder auch die vorderste Emulsionsschicht mit emulsionsfreien Zwischenräumen *11) zu versehen.

Ferner hat man die für die Bildschärfe des Mehrfarbenbildes wichtigste, das blaue Teilbild ergebende, rotempfindliche Schicht als vordere dem Objektiv zugekehrte Schicht angeordnet *12).

Trotz dieser Verbesserungen hat sich jedoch das Bipack- und das Tripackprinzip in der Farbenphotographie nicht einführen können.
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Der Dreifarbenfilm

Man hat sich deshalb für die Herstellung von Dreifarbenfilmen des Verfahrens der Strahlenteilung bedient. Dieses Verfahren ist auch schon von Ducos du Hauron *13) vorgeschlagen worden. Ein solches Verfahren, das sich der Strahlenteilung bedient, ist das oben erwähnte "Technicolorverfahren".

Bei diesem Verfahren wird das durch die Kameraoptik eintretende Licht durch eine Prismenanordnung in zwei Strahlenbündel zerlegt *14). Das eine Strahlenbündel zeichnet auf einem hinter einem Grünfilter laufenden, panchromatischen Einzelfilm das eine Farbteilbild auf, während das andere Strahlenbündel auf einem Bipack, der aus einem blauempfindlichen, eine rote Filterschicht tragenden Frontfilm und einem panchromatischen Rückfilm besteht, die beiden anderen Teilbilder aufzeichnet.

Von den Farbteilbildern werden Gelatinereliefbilder als Druckmatrizen hergestellt, die mit wasserlöslichen Farbstoffen eingefärbt werden und zur Herstellung des farbigen Kinofilms auf einem geeigneten Blankfilm übereinander gedruckt werden.

Bei anderen Verfahren werden die Teilbilder als Chromatbilder *15), farbig getonte Bilder *16) oder Beizfarbenbilder *17) zur Gewinnung des Mehrfarbenfilms übereinander kopiert.
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*10) DRP. 319 459, EP. 345 311
*11) DRP. 530 446 •)
*12) EP. 321998
*13) Eder a. a. O. S. 953
*14) A. Klein, Colour Cinematographie, London 1936, S. 182 ff. 1B)
*15) DRP. 117134
*16) DRP. 425096
*17) FP. 412517
*18) FP. 709 708
*19) EP. 481 702
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Die Monopackverfahren

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Hintereinander angeordnete lichtempfindiche Schichten

Um die schädliche Lichtstreuung und den Lichtverlust durch den Schichtträger bei den hintereinander angeordneten Schichten zu vermeiden, ist man bei anderen Verfahren von den Mehrpacks abgegangen und hat die verschieden farbenempfindlichen Schichten auf einem einzigen Träger übereinander aufgegossen.

Hier besteht nun die Schwierigkeit, wie man die einzelnen nach der Entwicklung des belichteten Films als Schwarzweißbilder vorliegenden Farbauszüge in den Schichten mit dem Bildfarbstoff anfärben soll. Man ist dabei teilweise so vorgegangen, daß man verschieden lösliche Emulsionsschichten verwendet hat *18), deren Löslichkeit von innen nach außen zunimmt, so daß die Teilbilder durch stufenweises Ablösen der Schichten voneinander getrennt werden können. Nach einem neueren Vorschlag *19) werden zwischen den Emulsionsschichten schmelzbare Zwischenschichten angeordnet.

Lierg *20) setzt den untrennbar übereinander liegenden Schichten Stoffe zu, welche die Umwandlung der Silberbilder der Teilschichten des Mehrschichtenmaterials in Farbbilder verschiedener Farbe ermöglichen sollen. Z. B. enthält die eine Schicht Kupferkarbonat, die andere Schicht Eisenhydroxyd. In der kupferhaltigen Schicht wird ein Kupferferrocyanid-Bild erzeugt, das mit einem roten Farbstoff angefärbt wird, während die eisenhaltige Schicht ein Berlinerblau-Bild liefert.
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Bei dem Verfahren der Deutschen Patentschrift 507383 *21) werden die beiden Teilbilder eines einseitig doppelt beschichteten Films zunächst in der gleichen Farbe angefärbt, und nach Härten einer zwischen beiden Bildern befindlichen Gelatineschicht wird das andere Bild umgefärbt.

Manes und Godowsky *22) verwenden für die lichtempfindlichen Schichten eine stark gehärtete Gelatineschicht, die nur langsam von der Entwicklungs- und Tonungslösung durchdrungen wird und so eine getrennte Anfärbung der beiden Teilbilder in verschiedenen Farben ermöglicht.

Gaspar *23) färbt die übereinander liegenden entwickelten Schichten zunächst mit einem Farbstoff in der gleichen Farbe an. Darauf wird die obere Teilschicht entfernt und in einer anderen Farbe wieder angefärbt.

Die Wiedereinfärbung der oberen Schicht erfolgt durch Diazotieren und Kuppeln mit einer Azokomponente oder nach dem Beizverfahren. Liegen mehr als zwei Schichten übereinander, so ist die oberste Schicht eine Abziehschicht.

Wolff-Heide *24) schlägt für die Erzeugung des Mehrfarbenbildes die Verwendung einer Schicht, die durch Anfärbung mit entsprechenden Filterfarbstoffen und Sensibilisatoren in drei Zonen verschiedener Farbenempfindlichkeit unterteilt wird, vor.

Bei dem Verfahren der Amerikanischen Patentschrift 1956274 werden die in zwei Schichten übereinander liegenden Teilbilder durch Reflexionskopie von jeder Seite des Trägers gewonnen.
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Das Gasparcolorverfahren

Das erste Mehrschichtenverfahren, das größere praktische Bedeutung erlangt hat, ist das Gasparcolorverfahren *26). Bei diesem Verfahren werden verschieden farbenempfindliche, übereinander gegossene Schichten benutzt. Die Schichten sind von vornherein diffus mit Farbstoff angefärbt, und die Erzeugung des Farbbildes erfolgt durch Ausbleichung des Farbstoffes.

Dabei kann der Bleichprozeß so geleitet werden *26), daß entweder der Farbstoff an den Stellen des Bildsilbers oder an den silberfreien Stellen ausgebleicht wird. Je nachdem der Bleichvorgang geleitet wird, werden auf diese Weise positive oder negative Bilder erhalten.

Um eine durch die Verwendung der gefärbten Emulsionsschichten bedingte Verlängerung der Belichtungszeit möglichst zu vermeiden, kann die oberste Schicht auch erst nach der Belichtung eingefärbt werden *27).

Der große Vorteil eines Verfahrens, bei dem ein Mehrschichtenmaterial verwendet wird, das ohne Abtrennung der Schichten eine Erzeugung der farbigen das Buntbild ergebenden Einzelbilder gestattet, liegt vor allem darin, daß die Teilbilder genau konturenhaltig übereinander liegen, während bei Verfahren, bei denen die Teilbilder zum naturfarbigen Bild übereinander kopiert oder gedruckt werden müssen, die große Schwierigkeit besteht, eine genaue Registerhaltigkeit zu erzielen.

Es läßt sich denken, daß die Anforderungen, die an die Registerhaltigkeit der Farbbilder des Mehrfarbenbildes eines Kinofilms gestellt werden müssen, außerordentlich groß sind, denn bei der starken Vergrößerung der Bilder des Films bei der Projektion im Kinotheater macht sich schon die geringste Abweichung der Bildkonturen der Teilbilder störend bemerkbar.

Es ist an sich erstaunlich, daß diese Schwierigkeit überwunden werden konnte und solche Verfahren, wie das Technicolorverfahren, sich als technisch brauchbar erwiesen haben.

*20) DRP. 504892
*21) DRP. der „Sirius" Kleuren-Film Maatschappij
*22) DRP. 484901
*23) FP. 702 615
*24) FP. 681 580
*25) FP. 739919, FP. 731 419
*26) FP. 727168
*27) FP. 753061
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Der Kodachrom- und Agfacolor-Mehrschichtenfilm

Das Gasparcolorverfahren hat die Schwierigkeit, daß es mit den Bildfarbstoff enthaltenden gefärbten Schichten arbeitet. Die Verwendung gefärbter Emulsionsschichten bringt eine Verringerung der Lichtempfindlichkeit mit sich.

Bei dem Gasparverfahren werden daher die Teilbilder meist wie bei dem Technicolorverfahren mit einer Kamera mit Strahlenteilungssystem aufgenommen und dann auf die diffus mit dem Bildfarbstoff angefärbten Schichten des Mehrschichtenfilms kopiert *28).

Diese Schwierigkeiten bei der Erzeugung von Mehrfarbenbilder mit einem Mehrschichtenfilm, dessen Schichten den Bildfarbstoff enthalten, ist bei dem Verfahren der farbigen Entwicklung, auf dem der neue Kodachrom- und Agfacolor-Mehrschichtenfilm beruhen, vermieden.
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Die Verfahren der farbigen Entwicklung

Bei dem Verfahren der farbigen Entwicklung werden dem Entwickler Stoffe zugesetzt, die mit den Oxydationsprodukten des Entwicklers zu Farbstoffen kuppeln.

Das Verfahren stammt von dem Berliner Chemiker Dr. Rudolf Fischer und ist in der Deutschen Patentschrift 253335 niedergelegt. Je nach dem benutzten Entwickler und der Art des Kupplungskörpers erhält man Bilder verschiedener Farbe.

Die Farbbilder entstehen dadurch, daß die Farbkupplung nur an den Stellen des Silberbildes, das als Kupplungskatalysator wirkt, eintritt. Nach Herauslösen des Silbers aus der Schicht erhält man ein Farbstoffbild, das vor dem Silberbild noch den großen Vorteil hat, kornlos zu sein.

Als Entwickler benutzt Fischer beispielsweise p-Amidophenole und p-Phenylendiamine, die durch Kupplung mit Phenolen, Aminen, Thiophenolen oder Verbindungen, die saure Methylengruppen enthalten, wie Chloracetophenon, Acetessigester als Farbstoffe Indophenol-, Indamin-, Indoanilin-, Oxazin- und Azomethin-farbstoffe ergeben.

Wie Fischer in seiner Patentschrift angibt, können die Farbkuppler dem Entwickler oder der photographischen Schicht zugesetzt werden.

Nach der Deutschen Patentschrift 257160 der Neuen Photographischen Gesellschaft können nach dem Verfahren der farbigen Entwicklung mehrfarbige Bilder erhalten werden mittels eines Films, der drei für verschiedene Spektralbereiche empfindliche Emulsionsschichten, die Farbbildner, die bei der Entwicklung Farbbilder verschiedener Farben ergeben, auf einem Träger übereinander gegossen enthält.
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Das Kodachromverfahren

Das erste technisch brauchbare Verfahren zur Herstellung mehrfarbiger Bilder durch farbige Entwicklung ist das Kodachromverfahren, das von Manes und Godowsky in Amerika ausgearbeitet wurde.

Dieses Verfahren benutzt nicht den in der Patentschrift der Neuen Photographischen Gesellschaft angegebenen Weg des Zusatzes der Farbbildner zu den verschieden sensibilisierten Schichten des Mehrschichtenmaterials, sondern die Farbbildner befinden sich im Entwickler.

Bei dem Verfahren wird ein Film verwendet, der neben drei für verschiedene Farben empfindlichen Schichten zwei Gelatineschichten enthält *29). Über einer rotempfindlichen Schicht ist eine dünne rote Gelatineschicht als Filterschicht gegossen. Darüber befindet sich eine grün empfindliche Emulsionsschicht, über ihr eine ungefärbte Gelatineschicht und als oberste eine gelb angefärbte blauempfindliche Schicht.

Die Hervorrufung des Mehrfarbenbildes in dem belichteten Film erfolgt nach einem Verfahren, das als Verfahren der kontrollierten Diffusion bezeichnet wird. Bei diesem Verfahren wird die Eindringgeschwindigkeit und Eindringtiefe der Behandlungsbäder durch die Zugabe von Viskosität und Oberflächenspannung dieser Bäder erhöhender Zusätze *30) geregelt (gesteuert).

Die Gelatinezwischenschichten zwischen den lichtempfindlichen Schichten haben dabei den Zweck, die getrennte Anfärbung der Schichten in verschiedenen Farben zu erleichtern.

Der belichtete Film wird zunächst in einem Schwarzweiß-Entwickler entwickelt. Die Silberbilder werden ausgebleicht und der Film zum zweitenmal belichtet. Jetzt erfolgt eine Entwicklung in einem farbgebenden Entwickler. Durch diesen Entwickler wird in allen drei Schichten ein Bild in blaugrüner Farbe hervorgerufen.

Dann werden die Bilder der oberen beiden Schichten wieder ausgebleicht und nach erneutem Belichten zu einem purpurroten Bild entwickelt. Das Rotbild der obersten Schicht wird durch Ausbleichen und farbige Entwicklung dann in ein Gelbbild übergeführt. Nach Herauslösen des Silbers wird ein transparentes mehrfarbiges Bild erhalten.

Das Agfacolorverfahren

Das Agfacolorverfahren benutzt den von Fischer vorgeschlagenen Weg des Zusatzes der Farbbildner zur lichtempfindlichen Schicht. Es findet ebenfalls wie bei dem Kodachromverfahren ein Film Verwendung, der drei übereinander liegende, verschieden farbenempfindliche Schichten aufweist. *31).

Der belichtete Film wird zunächst schwarzweiß entwickelt und dann werden durch eine einmalige Entwicklung in einem geeigneten farbgebenden Entwickler in allen drei Schichten gleichzeitig die Farbbilder hervorgerufen.

Der Film enthält in jeder seiner Schichten einen anderen Farbbildner, von denen bei Kupplung mit dem gleichen Entwickler der eine ein gelbes, der andere ein purpurrotes und der dritte ein blaugrünes Farbbild ergibt, worauf das Silber aus der Schicht herausgelöst wird.

Dabei besteht das Neue gegenüber dem Fischerschen Verfahren in der Verwendung besonderer Farbbildner, die in die Schichten diffusionsfest eingelagert sind. Fischer hatte für sein Verfahren zur Verhinderung der Diffusion die Verwendung von Gelatinezwischenschichten zwischen den Emulsionsschichten *32) oder die Benutzung in der lichtempfindlichen Emulsion schwer löslicher, im alkalischen Entwickler aber löslicher Farbbildner *33) vorgeschlagen.

Es zeigte sich aber, daß mit der von Fischer vorgeschlagenen Arbeitsweise infolge Diffusion der Farbbildner keine brauchbaren Mehrfarbenbilder hergestellt werden können.

Es ist den Chemikern der I.G. Farbenindustrie gelungen, Farbkomponenten zu finden, die leicht löslich sind und sich daher in der Emulsion der Schichten gleichmäßig verteilen lassen und die trotzdem in den Schichten nicht diffundieren.

Die von der I.G. Farbenindustrie benutzten Farbbildner unterscheiden sich von den von Fischer in Vorschlag gebrachten Verbindungen beispielsweise durch den Gehalt an Molekülgruppen, die den Farbbildnern substantiven Charakter in bezug auf die Gelatine der Emulsion verleihen *34) oder durch den Gehalt an einer aliphatischen Kohlenstoffkette mit mehr als fünf Kohlenstoffatomen *35).
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*28) A. Klein a.a.O. S. 171 ff.
*29) EP. 427472, 427 517 und 440032 so)
*30) EP. 454498 und 454499
*31) Veröff. des wiss. Zentral-Laboratonums der phot. Abteilung Agfa, 1937, Bd. V S. 34ff.
*32) DRP. 257160
*33) Phot. Korr. 1914, S. 211
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Nachteil oder Vorteil - die Lichtempfindlichkeit

Durch den Zusatz der Farbbildner zur Emulsion wird die Lichtempfindlichkeit des photographischen Materials gedrückt. Der zuerst im Handel befindliche Agfacolorfilm wies daher eine beträchtlich geringere Empfindlichkeit auf, als der Kodachromfilm (7/10 D gegenüber 13/10 D beim Kodachromfilm)*36).

Durch geeignete Auswahl der Sensibilisatoren ist es der IG. Farbenindustrie gelungen, ein farbenphotographisches Material von hoher Empfindlichkeit zu schaffen. Wie die IG. festgestellt hat, wird bei Anwendung bestimmter Sensibilisatoren die Farbenempfindlichkeit der Schichten durch die Farbbildner nicht gedrückt *37).
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Die Herstellung farbiger Papierbilder von sub-traktiven Kodachrom- und Agfacolorbildern

Die nach dem Verfahren der farbigen Entwicklung hergestellten Kodachrom- und Agfacolorbilder sind farbige Durchsichtsbilder (wir ennen sie heite Dias). Von den nach dem Lumiereschen Farbrasterverfahren, das ebenfalls mit einer einzigen Aufnahme auf einer lichtempfindlichen Platte ein farbiges Bild liefert, hergestellten farbigen Durchsichtsbildern unterscheiden sie sich jedoch vorteilhaft durch das Fehlen des Rasters. Als rasterfreie und reine Farbstoffbilder, kornlose Bilder, bieten sie eine unbegrenzte Vergrößerungs möglich keit.

Für eine allgemeine Einführung des farbigen Bildes an Stelle des Schwarzweiß- Bildes gilt es hauptsächlich, folgende Schwierigkeiten zu überwinden:

Es fehlt ein Verfahren, um von dem farbigen Durchsichtsbild direkt durch einmaliges Kopieren auf ein lichtempfindliches Material ein mehrfarbiges Papierbild zu erhalten.
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Das Seebecksche Verfahren

Die bisher bekannt gewordenen direkten Verfahren, wie das Seebecksche Verfahren *38), von dem Goethe in seiner Farbenlehre berichtet, und das Ausbleichverfahren von Worel und Neuhauß *39) haben nicht befriedigt. Das Seebecksche Verfahren beruht auf der Farbanpassung des Halogensilbers, d. h. das Halogensilber nimmt bei der Belichtung mit farbigem Licht die der Lichtfarbe entsprechende Farbe an.

Das Verfahren scheiterte daran, daß nicht alle Farben gut wiedergegeben werden und daß die erhaltenen Bilder sich nicht fixieren lassen.
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Das Ausbleichverfahren

Bei dem Ausbleichverfahren wird ein Gemisch von lichtunechten Farbstoffen als Kopierschicht verwendet und das Ausbleichen noch durch den Zusatz oxydierender Mittel beschleunigt, die der Gelatine der Kopierschicht einverleibt werden.

Auch die nach diesem Verfahren hergestellten Bilder lassen sich nicht fixieren. Zudem besteht eine Schwierigkeit darin, für alle Grundfarben stark lichtempfindliche Farbstoffe von gleicher Ausbleichgeschwindigkeit zu finden.
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Es geht nur über einen Umweg

Um brauchbare mehrfarbige Aufsichtsbilder zu erhalten, ist man daher nach wie vor darauf angewiesen, von dem farbigen Durchsichtsbild unter Verwendung entsprechender farbiger Filter drei Farbteilauszüge herzustellen.

Zur Erzeugung des Mehrfarbenbildes werden entweder drei in verschiedenen Farben angefärbte, auf einem durchsichtigen Träger befindliche Farbteilbilder auf einer Papierunterlage registerhaltig übereinander geklebt oder ein auf der lichtempfindlichen Schicht einer Papierunterlage erzeugtes Farbteilbild wird von neuem mit einer lichtempfindlichen Schicht überzogen, die zur Aufbringung des zweiten Farbteilbildes dient. Das dritte Farbteilbild wird dann in gleicher Weise aufgebracht.
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Ein solches Verfahren zur Herstellung farbiger Aufsichtsbilder ist das Duxochromverfahren *40) der Fa. Herzog in Hemelingen. Bei diesem Verfahren finden mit nicht diffundierenden kolloidalen Substantiven Baumwollfarbstoffen gefärbte Abziehschichten Verwendung.

Die auf diese Schichten kopierten Teilbilder werden mittels eines gerbenden Entwicklers, wie Brenzcatechin, entwickelt, und die nach Auswaschen mit heißem Wasser erhaltenen farbigen Reliefbilder werden auf einer Papierunterlage registerhaltig übereinander abgezogen.
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*34) FP. 803 566
*35) FP. 810 401
*36) Phot. Ind. 35 (1937), S. 923
*37) FP. 824 324 und 822436
*38) Eder a.a.O. S. 961
*39) Eder a.a.O. S. 977
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Das Kopieren subtraktiver Dreifarbenbilder

Die Ursache dafür, daß die auf Mehrschichtenmaterial hergestellten mehrfarbigen Kinofilme, außer als Amateurfilme, noch keine praktische Verwendung für die Herstellung der Spielfilme der Lichtspieltheater gefunden haben, liegt in der Schwierigkeit, von ihnen brauchbare Kopien zu erhalten.

Bei dem mehrschichtigen Material, wie es für das Gasparcolorverfahren, das Agfacolor- und Kodachrom-verfahren Anwendung findet, ist es erforderlich, die Dicke der Emulsionsschichten konstant zu halten.

Wie die Agfa *41) angibt, beträgt die Dicke der Emulsionsschichten beim Agfacolorfilm 4 bis 5/1ooo mm, und die Schwankungen in der Schichtdicke müssen unter 1/1ooo mm bleiben, da sonst schon untragbare Farbverfälschungen auftreten.

Wenn auch die bei der Originalaufnahme vorhandenen Farbverfälschungen nicht größer sind, als daß das erhaltene Mehrfarbenbild dem Auge noch naturgetreu erscheint, so ist damit nicht gesagt, daß dies bei der Kopie noch zutrifft.

Im Gegenteil machen sich geringe Mängel in der Farbwiedergabe des Originals in der Kopie verstärkt bemerkbar. Dies ist der Grund dafür, warum man beim Agfacolor- und Kodachromverfahren bisher nicht ein komplementärfarbiges Negativ erzeugt, von dem dann kopiert wird, sondern direkt durch ein Umkehrverfahren das farbige Positiv gewinnt.
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Agfa sagt "ok", Gaspar "es genügt nicht"

Wie die Agfa *41) ausführt, lassen sich jedoch durch Abstimmung der Eigenschaften der Sensibilisatoren, der Kupplungskomponenten und der Emulsion diese Mängel des Kopierverfahrens beim Agfacolorfilm weitgehend beseitigen.

Wie Gaspar *42) angibt, genügt es nicht, um farbrichtige Abzüge zu erhalten, beim Kopieren eines Mehrfarbenbildes auf ein Mehrschichtenmaterial mit verschieden farbenempfindlichen Schichten als Kopierlicht weißes Licht oder weißes Licht und ein Korrekturfarbfilter anzuwenden, da beim Mehrschichtenmaterial die von der Kopierlichtquelle entfernteren Teilschichten weniger Licht als die der Kopierlichtquelle zugekehrte oberste Schicht erhalten und außerdem auch die in den Schichten vorhandene geringe Menge an Sensibilisierungsfarbstoff einer gleichmäßigen Belichtung der drei Teilschichten hinderlich ist.

Um diese Fehlerquelle zu vermeiden, verwendet Gaspar zum Kopieren verschieden farbige Kopierlichter, deren Intensität, spektrale Zusammensetzung und Einwirkungsdauer dem Kopiermaterial angepaßt wird.
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Schwarzweißphotographie mit Farbenphotographie

Auch auf die Schwarzweißphotographie hat die Farbenphotographie anregend gewirkt. So wird in der Amerikanischen Patentschrift 1939231 der Vorschlag gemacht, außer farbigen auch Schwarzweißbilder durch Farbentwicklung herzustellen. Man erhält auf diese Weise kornlose Schwarzweißbilder und hat noch den Vorteil, das ganze Silber aus der Schicht wiederzugewinnen.

*40) DRP. 626682
*41) Agfa-Veröffentlichungen a.a.O. S. 35
*42) FP. 42 092 add. zu 739919, schw. P. 183911
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